Francisco António de Almeida

Auch Francisco Antonio de Almeida, Francisco António d’Almeida, Francisco Antonio d’Almeida und F. A. de Almeida; * um 1702, fl. 1722–1752; portugiesischer Komponist, Organist, Hofmusiker, Kirchenmusiker und einer der wichtigsten Vertreter des portugiesischen Barock.

Überblick

Francisco António de Almeida war einer der bedeutenden portugiesischen Barock-Komponisten des 18. Jahrhunderts. Er wirkte als Komponist und Organist, wurde von König João V. zum Studium nach Rom geschickt und brachte nach seiner Rückkehr nach Lissabon den italienischen, besonders römisch-neapolitanisch geprägten Stil in das portugiesische Hof- und Kirchenmusikleben ein. Seine Werke stehen an einer wichtigen Schnittstelle: Sie verbinden portugiesische Repräsentationskultur, römische Ausbildung, Oratorium, Serenata, italienische Oper, höfische Festmusik und geistliche Musik.

Die sichere biographische Überlieferung ist schmal. Als Kern lässt sich festhalten: Almeida war um 1702 geboren, ist zwischen 1722 und 1752 nachweisbar, studierte in Rom, wurde nach seiner Rückkehr Organist der königlichen und patriarchalen Kapelle in Lissabon und schrieb eine Reihe von geistlichen und dramatischen Werken für römische, höfische und lissabonische Aufführungskontexte. Die ältere Literatur nennt häufig 1755 als Todesjahr und verbindet seinen Tod mit dem Erdbeben von Lissabon; neuere portugiesische Hinweise setzen dagegen 1754 in Sacavém an. Für ein vorsichtiges Kulturlexikon ist daher die Formulierung fl. 1722–1752 besonders geeignet.

Almeida gehört zu den Komponisten, durch die Portugal in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts musikalisch stärker an Italien gebunden wurde. João V. betrieb eine umfassende kulturelle und kirchliche Repräsentationspolitik, die Lissabon als katholische Metropole, als „neues Rom“ und als königliches Zentrum sichtbar machen sollte. Dazu gehörten römische Stipendien für portugiesische Musiker, die Aufwertung der Capela Real e Patriarcal de Lisboa, italienische Sänger, höfische Festmusiken und neue dramatische Formen.

Sein bekanntestes Bühnenwerk ist La Spinalba, ovvero Il vecchio matto, eine dreiaktige komische Oper aus dem Karneval 1739, die als eines der frühesten vollständig erhaltenen portugiesischen Opernwerke im italienischen Stil gilt. Daneben sind das römische Oratorium La Giuditta, die Serenata Il trionfo d’amore, die Oper La pazienza di Socrate und die späte Serenata L’Ippolito hervorzuheben. Zusammen zeigen sie einen Komponisten, der geistliche Affektdramatik, virtuose Arie, italienische Dramaturgie und höfische Festkultur souverän verband.

Kurzdaten

Name Francisco António de Almeida.
Weitere Namensformen Francisco Antonio de Almeida, Francisco António d’Almeida, Francisco Antonio d’Almeida, Francesco António de Almeida, F. A. de Almeida, Almeida, Francisco António de.
Geburt Um 1702; Geburtsort nicht einheitlich überliefert, in neueren portugiesischen Angaben auch Crato und 1703, in älteren Kurzangaben häufig Portugal oder Lissabon.
Nachweiszeit Fl. 1722–1752; die frühesten sicheren Werke stammen aus der römischen Zeit, das späteste allgemein genannte Werk ist L’Ippolito von 1752.
Tod Nicht einheitlich überliefert; ältere Angaben nennen häufig 1755 und das Erdbeben von Lissabon, neuere portugiesische Hinweise nennen 3. Oktober 1754 in Sacavém.
Beruf Komponist, Organist, Hofmusiker, Kirchenmusiker, Opernkomponist, Serenatenkomponist und Vertreter des portugiesischen Barock.
Wirkungsorte Rom und Lissabon, besonders Chiesa Nuova beziehungsweise römische Oratorienkontexte, Paço da Ribeira, Paläste hoher Würdenträger und Capela Real e Patriarcal de Lisboa.
Ausbildung Königliches Stipendium für das Studium in Italien, besonders Rom, etwa zwischen 1722 und 1726; stilistische Prägung durch römische und neapolitanische Musik.
Amt Nach der Rückkehr nach Portugal Organist der königlichen und patriarchalen Kapelle in Lissabon.
Hauptgattungen Oratorium, componimento sacro, Serenata, scherzo pastorale, dramma per musica, dramma comico, Oper, geistliche Vokalmusik, Instrumentalsinfonia und höfische Festmusik.
Bekannte Werke Il pentimento di Davidde, La Giuditta, Il trionfo della virtù, Il trionfo d’amore, Gl’incanti d’Alcina, La pazienza di Socrate, La finta pazza, La Spinalba und L’Ippolito.
Bedeutung Almeida gilt als Schlüsselfigur der italienisch geprägten Opern-, Serenaten- und Kirchenmusik in Portugal unter João V. und als einer der wichtigsten portugiesischen Komponisten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Quellenlage, Lebensdaten und Namensformen

Die Quellenlage zu Francisco António de Almeida ist für einen Komponisten seines Ranges auffällig brüchig. Der Name begegnet in portugiesischer Form als Francisco António de Almeida, in vereinfachter internationaler Schreibweise als Francisco Antonio de Almeida und auf Tonträgern beziehungsweise Katalogseiten gelegentlich als Francisco António d’Almeida. Die Dateibezeichnung folgt der Personenregel: sichtbarer Name Francisco António de Almeida, Dateiname almeida-francisco-antonio-de.shtml.

Die Lebensdaten sind nicht vollständig gesichert. Die konservative lexikalische Form * um 1702, fl. 1722–1752 vermeidet eine voreilige Festlegung. Sie deckt den Zeitraum von Il pentimento di Davidde 1722 bis L’Ippolito 1752 ab. Daneben existieren ältere Angaben, nach denen Almeida 1755 beim Erdbeben von Lissabon ums Leben gekommen sei. Neuere portugiesische Hinweise nennen dagegen 1703 als Geburtsjahr, Crato als Geburtsort und 3. Oktober 1754 in Sacavém als Sterbedatum. Da diese Angaben in der Forschung nicht überall gleichmäßig übernommen sind, sollte ein Kulturlexikon beide Traditionslinien kenntlich machen.

Auch die Werküberlieferung ist fragmentarisch. Einige Werke sind vollständig erhalten und modern ediert oder aufgenommen, besonders La Spinalba, La Giuditta, Il trionfo d’amore und die Sinfonia F-Dur. Andere Werke sind nur in Teilen, als Libretti, als Arien, als Programmnachweise oder als ältere Katalogeinträge greifbar. Das Werkverzeichnis muss deshalb zwischen vollständig erhaltenen, fragmentarisch erhaltenen, verlorenen und nur quellenkundlich genannten Werken unterscheiden.

Rom-Ausbildung und italienischer Stil

Almeida wurde in den 1720er Jahren als königlicher Stipendiat nach Rom geschickt. Diese Maßnahme gehört zur Kulturpolitik João V., der Portugal durch Kirchenbau, höfische Repräsentation, liturgische Pracht und musikalische Ausbildung enger an Rom binden wollte. Portugiesische Musiker sollten in Italien das jeweils moderne Vokalkompositions-, Kirchenmusik- und Opernidiom kennenlernen und anschließend nach Lissabon zurückbringen.

1722 ist Almeida mit dem geistlichen Werk Il pentimento di Davidde in Rom greifbar, 1726 mit dem Oratorium La Giuditta. Eine bekannte zeitgenössische Spur ist die Karikatur des römischen Zeichners Pier Leone Ghezzi, die Almeida als jungen, aber ausgezeichneten Komponisten von Konzerten und Kirchenmusik charakterisiert und zugleich seine geschmackvolle Singkunst hervorhebt. Diese Notiz ist wichtig, weil sie ihn nicht nur als Komponisten, sondern auch als praktisch musikalischen, vokal gebildeten Musiker beschreibt.

Stilistisch bedeutete Rom für Almeida mehr als einen Studienort. Er lernte dort die dramatische italienische Arie, die Rezitativtechnik, die römische Oratoriumstradition, die Kirchenmusik mit konzertanten Elementen und die rhetorische Affektorganisation kennen. In Portugal konnte er diese Mittel in einem höfischen und kirchlichen Umfeld einsetzen, das nach internationalem Glanz strebte. Almeida wurde damit zu einem Vermittler zwischen römisch-neapolitanischer Moderne und portugiesischer Hofkultur.

Lissabon, Hof João V. und die Patriarchalkapelle

Nach seiner Rückkehr nach Portugal wurde Almeida Organist der königlichen und patriarchalen Kapelle in Lissabon. Die Capela Real e Patriarcal war eine der wichtigsten musikalischen Institutionen Portugals. Sie verband Hof, Kirche, königliche Repräsentation und liturgische Pracht. Für einen Komponisten wie Almeida bedeutete diese Position Zugang zu Sängern, Instrumentalisten, Festanlässen, kirchlichen Zeremonien und einem Umfeld, in dem italienische Musik ausdrücklich erwünscht war.

Der Hof João V. war durch eine besondere Verbindung von politischer Macht, katholischer Symbolik und musikalischer Opulenz geprägt. Lissabon sollte als Stadt des Königs und der Kirche zugleich erscheinen. Musik hatte daran erheblichen Anteil: Messe, Motette, Responsorium, Te Deum, Oratorium und höfische Serenata bildeten Klangformen monarchischer und religiöser Ordnung. Almeida war einer jener Musiker, die diese Ordnung mit italienischer Klangsprache ausstatteten.

Die Nähe zu anderen portugiesischen Komponisten wie Carlos Seixas, António Teixeira und João Rodrigues Esteves ist für das Verständnis der Epoche zentral. Diese Komponisten zeigen gemeinsam, wie Portugal in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zwischen eigener kirchlicher Tradition, italienischer Ausbildung und höfischer Repräsentationsmusik stand.

Oper, Serenata und italienisches Musiktheater in Portugal

Almeidas Bühnen- und Serenatenwerke sind für die portugiesische Musikgeschichte von besonderer Bedeutung. Mit La pazienza di Socrate wurde 1733 im Paço da Ribeira eine italienische komische Oper eines portugiesischen Komponisten aufgeführt. Dieses Ereignis gilt in der Forschung häufig als ein Anfangspunkt portugiesischer Opernproduktion im italienischen Idiom. Zwar waren italienische Oper und Operntruppen in Europa längst etabliert, doch für Portugal bedeutete die Aufführung eines solchen Werkes durch einen portugiesischen Komponisten einen entscheidenden Schritt.

Die Serenata war in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige höfische Form. Sie stand zwischen Oper, Festkantate, allegorischem Huldigungsspiel und repräsentativer Vokalmusik. Werke wie Il trionfo della virtù, Il trionfo d’amore, Gl’incanti d’Alcina, Il vaticinio di Pallade e di Mercurio und L’Ippolito gehören in diesen Raum. Sie konnten mythologische, pastorale oder allegorische Stoffe benutzen und zugleich konkrete höfische Anlässe feiern.

La Spinalba, ovvero Il vecchio matto nimmt eine Sonderstellung ein, weil diese komische Oper von 1739 vollständig beziehungsweise in einem aufführungsfähigen Umfang überliefert ist und in der Moderne wieder aufgenommen wurde. Sie zeigt, dass portugiesische Operngeschichte nicht erst im 19. Jahrhundert beginnt, sondern bereits im frühen 18. Jahrhundert eine eigenständige, italienisch geprägte und qualitativ beachtliche Produktion hervorbrachte.

Kirchenmusik, Oratorium und römisch-portugiesische Repräsentation

Almeidas geistliche Musik ist nicht weniger wichtig als seine Bühnenmusik. Bereits die römischen Werke Il pentimento di Davidde und La Giuditta zeigen, dass er sich früh in der italienischen Oratorienkultur bewegte. Das Oratorium bot eine dramatische, aber nicht szenische Form, in der biblische Stoffe, moralische Affekte, Rezitativ, Arie und Ensemblewirkung verbunden werden konnten. Für Portugal war diese Gattung besonders attraktiv, weil sie geistliche Würde und italienische Modernität zusammenbrachte.

Die spätere Kirchenmusik Almeidas ist schwerer vollständig zu erfassen, aber Werke wie Te Deum, Miserere mei Deus, Veni Sancte Spiritus und Responsorien zeigen, dass er im liturgischen und paraliturgischen Bereich tätig blieb. Gerade die Verbindung von Organistenamt und Vokalkomposition ist typisch für die portugiesische Hofkirchenmusik des 18. Jahrhunderts. Der Komponist musste nicht nur dramatische Werke schreiben, sondern auch festliche, liturgisch brauchbare und repräsentative Kirchenmusik liefern.

In der Kirchenmusik Almeidas überlagern sich mehrere Traditionen. Die portugiesische Mehrchörigkeit und die ältere iberische Kirchenmusik blieben im Hintergrund wirksam, während der römische und neapolitanische Stil neue Arienformen, konzertierende Instrumente, dramatische Affektbehandlung und moderne Harmonik einbrachte. Dadurch entsteht ein Klangbild, das zugleich katholisch-repräsentativ und opernhaft beweglich ist.

Stil, Satztechnik und kulturgeschichtliches Profil

Almeidas Stil zeigt eine deutliche Orientierung an der italienischen Musik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Arien sind affektklar gebaut, melodisch erfinderisch und auf vokale Wirkung hin organisiert. Rezitative treiben die Handlung beziehungsweise die allegorische Situation voran, während Arien einzelne Affekte ausleuchten. In Serenaten und Opern verbindet Almeida pastorale, komische, heroische und allegorische Klangbereiche.

Seine Orchestersprache ist farbig und für die portugiesische Musik seiner Zeit fortschrittlich. Die Sinfonia F-Dur mit Oboen, Hörnern, Streichern und Continuo zeigt einen Komponisten, der Instrumentalfarben wirkungsvoll einsetzen konnte. Auch in den Bühnenwerken ist das Orchester nicht bloße Begleitung, sondern trägt Atmosphäre, Affekt und szenische Bewegung. Gerade die Kombination von italienischer Kantabilität und höfischer Klangpracht macht Almeida für die europäische Barockoperngeschichte interessant.

Kulturgeschichtlich ist Almeida kein Randkomponist, sondern ein Vermittler. Er steht zwischen Portugal und Italien, zwischen Kirche und Bühne, zwischen Oratorium und Oper, zwischen Organistenamt und höfischer Festmusik. Sein Werk macht sichtbar, dass die portugiesische Musik des 18. Jahrhunderts nicht nur lokale Tradition war, sondern Teil eines internationalen katholisch-höfischen Musiksystems.

Überlieferung, Verluste und Wiederentdeckung

Viele Werke Almeidas galten lange als verloren oder waren nur in Archiven greifbar. Das Erdbeben von Lissabon 1755 wurde häufig als Erklärung für Verluste herangezogen. Tatsächlich sind die Überlieferungswege komplexer: Manche Werke sind vollständig erhalten, andere fragmentarisch, einige nur als Libretto oder in Einzelarien, andere als spätere Katalogangabe. Die moderne Wiederentdeckung hängt daher eng mit Archivrecherche, Editionsarbeit, historischen Aufführungen und Tonträgerproduktionen zusammen.

La Spinalba wurde im 20. Jahrhundert wieder aufgeführt und später vollständig aufgenommen. La Giuditta wurde als eines der bedeutendsten portugiesischen Oratorien des 18. Jahrhunderts neu erschlossen. Il trionfo d’amore wurde durch historische Aufführungspraxis und Aufnahme wieder zugänglich. Einzelne Arien aus Gl’incanti d’Alcina und Il vaticinio di Pallade e di Mercurio wurden in neuerer Zeit ebenfalls wieder beachtet.

Diese Wiederentdeckung ist für das Kulturlexikon wichtig, weil sie zeigt, dass ein Werkverzeichnis nicht nur historische Daten versammelt. Es dokumentiert auch die moderne Rekonstruktion eines verschütteten Repertoires. Almeida ist heute deutlicher als noch vor einigen Jahrzehnten als zentraler portugiesischer Barockkomponist erkennbar, weil Quellen digitalisiert, Werke ediert und Aufführungen auf Tonträgern verbreitet wurden.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist als kulturlexikalisch vollständige, quellenkritisch vorsichtige Übersicht angelegt. Es unterscheidet geistliche Werke, dramatische und höfische Werke, Instrumentalwerke, fragmentarisch erhaltene Stücke und nur indirekt greifbare Repertoirebereiche. Bei einzelnen Werken schwanken Gattungsbezeichnungen, Jahreszahlen und Erhaltungszustand in den Quellen.

Geistliche Werke, Oratorien und liturgische Musik

  • Il pentimento di Davidde, componimento sacro beziehungsweise Oratorium, Rom, 1722. Frühes geistliches Werk aus Almeidas römischer Studienzeit; biblisch-moralischer Stoff um Davids Reue.
  • La Giuditta, Oratorium in zwei Teilen, Rom, 1726, Chiesa Nuova. Eines der wichtigsten erhaltenen Werke Almeidas und ein Hauptzeugnis portugiesischer römischer Oratorienkultur. Besetzung nach modernen Nachweisen: vier Vokalsolisten und Orchester.
  • Te Deum, geistliches Festwerk, um 1750 beziehungsweise undatiert. In modernen Aufführungs- und Tonträgerkontexten als Werk Almeidas greifbar; genaue Datierung und Überlieferung sind quellenkritisch zu prüfen.
  • Miserere mei Deus, geistliches Werk, auch als Miserere quatuor vocibus bezeichnet. In modernen Programm- und Quellenkontexten als Werk Almeidas geführt.
  • Veni Sancte Spiritus, geistliches Werk beziehungsweise Sequenzvertonung. In modernen Tonträger- und Katalogzusammenhängen überliefert; nähere Datierung unsicher.
  • Si quaeris miracula, Responsorium beziehungsweise Verso a duo. In modernen Konzertprogrammen für Orgel- und Vokalzusammenhänge nachgewiesen; als Teil der geistlichen Almeida-Rezeption zu führen.
  • Weitere Kirchenmusik. Almeida dürfte als Organist der Capela Real e Patriarcal zusätzliche liturgische Musik geschrieben oder ausgeführt haben; ohne gesicherten Werk- und Quellenbeleg sollte sie nicht als eigenständige Liste erfunden werden.

Serenaten, componimenti und höfische Festwerke

  • Il trionfo della virtù, componimento poetico beziehungsweise Serenata, Lissabon, 1728. Aufführung im Palast des Kardinals João da Mota e Silva; frühes lissabonisches Festwerk nach Almeidas Rückkehr aus Rom.
  • Il trionfo d’amore, scherzo pastorale beziehungsweise Serenata in zwei Teilen, Paço da Ribeira, Lissabon, 27. Dezember 1729. Festwerk zum Namenstag König João V.; erhalten in einer autographen Partitur in der Biblioteca do Paço Ducal de Vila Viçosa. Die moderne Aufnahme zeigt die reiche vokale und instrumentale Anlage des Werkes.
  • Gl’incanti d’Alcina, dramma per musica da cantarsi beziehungsweise Serenata in zwei Teilen, Paço da Ribeira, Lissabon, 27. Dezember 1730. Von der älteren Werküberlieferung als höfisches Bühnen- beziehungsweise Huldigungswerk geführt; einzelne Arien sind in neuerer Zeit wieder aufgeführt und erschlossen worden.
  • Il vaticinio di Pallade e di Mercurio, Serenata, um 1731. Einzelne Arien beziehungsweise Nummern, darunter Ogni fronda ch’è mossa dal vento, sind in modernen Tonträger- und Forschungszusammenhängen greifbar; das Werk ist quellenkritisch als fragmentarisch überliefert zu behandeln.
  • Le virtù trionfanti, Serenata beziehungsweise Huldigungswerk, 1737/1738. In portugiesischen und älteren Werklisten mit einem Anlass im Umfeld der Erhebung des Patriarchen Tomás de Almeida zur Kardinalswürde verbunden. Die Abgrenzung zu Il trionfo della virtù ist sorgfältig zu behandeln, weil Titel- und Anlassangaben in der Überlieferung leicht verwechselt werden können.
  • L’Ippolito, Serenata a sei voci, Paço da Ribeira, 1752. Spätestes allgemein genanntes Werk Almeidas; Libretto von Antonio Tedeschi. Das Werk markiert den letzten sicheren Punkt der Nachweiszeit fl. 1722–1752.

Opern und dramatische Bühnenwerke

  • La pazienza di Socrate, dramma comico beziehungsweise italienische komische Oper, Paço da Ribeira, Karneval 1733, Wiederaufführung 1734. Libretto nach mehreren Quellen von Alexandre de Gusmão. Das Werk gilt als erste italienische Oper eines portugiesischen Komponisten beziehungsweise als erster wichtiger portugiesischer Beitrag zur italienischen Oper in Portugal. Erhalten ist nach moderner Überlieferung nur ein Teil, besonders der dritte Akt.
  • La finta pazza, dramma per musica in drei Akten, Paço da Ribeira, Karneval 1735. In Werklisten genannt, aber als verloren beziehungsweise nicht vollständig musikalisch erhalten zu führen.
  • La Spinalba, ovvero Il vecchio matto, dramma comico in drei Akten, Paço da Ribeira, Lissabon, Karneval 1739. Vollständig beziehungsweise aufführungsfähig überliefertes Hauptwerk Almeidas. Die Oper gehört zur italienischen Buffa-Tradition, zeigt Intrigen-, Verwechslungs- und Liebeshandlung und wurde in der Moderne wieder aufgeführt und aufgenommen.
  • Le virtù trionfanti. Je nach Quellenlage als Serenata oder dramatisches Huldigungswerk geführt. Wenn es in Opernlisten erscheint, sollte es nicht ohne Zusatz als eigentliche Oper behandelt werden, sondern als höfisches Vokaldrama beziehungsweise Serenata.
  • Musik zu presépios in der Mouraria, Lissabon. Eine zeitgenössische diaristische Überlieferung verbindet Almeida mit Musik für populäre Krippenspiele beziehungsweise Weihnachtsdarstellungen. Einzelne musikalische Quellen sind nicht gesichert; der Hinweis ist kulturgeschichtlich, nicht als vollständiger Werkbestand zu verwenden.

Instrumentalwerke und Kammermusik

  • Sinfonia in F-Dur, undatiert, wahrscheinlich zwischen den 1730er und 1750er Jahren. Überliefert in der Dresdner Sammlung Schrank II, RISM-Nachweis 212001654. Besetzung: zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo. Das Werk zeigt Almeidas instrumentale Kompetenz und höfische Klangsprache.
  • A quell’ leggiadro volto, italienische Vokalkammermusik beziehungsweise Kantate für Sopran, zwei Violinen und Continuo, C-Dur. Das Werk ist in modernen Online-Partiturnachweisen als vierteiliges Stück geführt und zeigt den kleineren vokal-instrumentalen Bereich seines Schaffens.
  • Weitere Konzerte und Instrumentalwerke. Die römische Ghezzi-Notiz spricht von Almeida als ausgezeichnetem Komponisten von Concerti und Kirchenmusik. Erhalten und sicher identifizierbar ist jedoch nur ein schmaler instrumentaler Bestand; nicht belegte Concerti sollten nicht als konkrete Werke aufgeführt werden.

Fragmentarisch erhaltene, verlorene oder nur indirekt belegte Werke

  • La pazienza di Socrate. Nur teilweise erhalten; als musikgeschichtlich zentrales, aber nicht vollständig überliefertes Werk zu behandeln.
  • La finta pazza. Als verlorenes Bühnenwerk zu führen, soweit keine vollständige Musikquelle greifbar ist.
  • Gl’incanti d’Alcina. Einzelne Nummern beziehungsweise Arien sind greifbar; der Gesamtbestand ist quellenkritisch zu prüfen.
  • Il vaticinio di Pallade e di Mercurio. Einzelne Nummern sind in jüngerer Zeit wieder sichtbar geworden; vollständiger Erhaltungszustand vorsichtig anzugeben.
  • Le virtù trionfanti. Titel, Anlass und Gattungszuweisung in der Überlieferung genau prüfen; nicht mit Il trionfo della virtù gleichsetzen, ohne dies quellenkundlich zu begründen.
  • Unbenannte geistliche Musik. Durch Amt und Repertoireumfeld wahrscheinlich, aber ohne Einzelquellen nicht als gesicherte Kompositionen zu führen.

Moderne Ausgaben, Aufnahmen und Wiedererschließungen

  • La Spinalba, ovvero Il vecchio matto. Moderne Aufführungen seit dem 20. Jahrhundert; Einspielung durch Os Músicos do Tejo unter Marcos Magalhães bei Naxos.
  • Il trionfo d’amore. Moderne Aufnahme durch Os Músicos do Tejo unter Marcos Magalhães bei Naxos; wichtig für die Wiederentdeckung der portugiesischen Serenata.
  • La Giuditta. Moderne Aufführungen und Aufnahmen machten das römische Oratorium wieder zugänglich.
  • Sinfonia in F-Dur. Digitale und moderne Notennachweise unter anderem über IMSLP und RISM-nahe Katalogisierung.
  • Árias inéditas aus Gl’incanti d’Alcina und Il vaticinio di Pallade e di Mercurio. Moderne portugiesische Projekte machen einzelne Nummern des fragmentarischen Bestands wieder hörbar.

Rezeption und editorische Hinweise

Francisco António de Almeida wurde lange vor allem in Spezialliteratur zur portugiesischen Musikgeschichte genannt. Erst durch moderne Aufführungen, Editionen, Tonträger und digitale Kataloge trat deutlicher hervor, dass sein Werk nicht nur lokales Interesse besitzt, sondern einen wichtigen Beitrag zur europäischen Opern- und Kirchenmusikgeschichte des frühen 18. Jahrhunderts leistet.

Die Wiederaufnahme von La Spinalba war dabei besonders wichtig. Das Werk zeigte, dass Portugal im 18. Jahrhundert nicht nur italienische Oper importierte, sondern auch eigene italienischsprachige Bühnenwerke hervorbrachte. Almeidas Oper ist kein bloßer Nachklang italienischer Modelle, sondern eine eigenständige Aneignung der Buffa- und Hofopernsprache im portugiesischen Kontext.

Auch La Giuditta und Il trionfo d’amore haben die Bewertung Almeidas verändert. Sie zeigen, dass er nicht nur ein historisch interessanter Name, sondern ein kompositorisch substantieller Autor war. Die dramatische Anlage, die melodische Erfindung, die Beherrschung italienischer Formen und die höfische Klangpracht machen ihn zu einem der zentralen portugiesischen Barockkomponisten.

Editorisch ist bei Almeida besondere Vorsicht nötig. Die Sterbedaten dürfen nicht unkritisch vereinheitlicht werden; der ältere Erdbeben-Tod von 1755 steht neben neueren Angaben zu 1754. Ebenso müssen Bühnenwerke, Serenaten und komponimenti nach Gattung, Anlass und Überlieferungsstand unterschieden werden. Ein Werk, das nur als Libretto oder Arie erhalten ist, darf nicht wie eine vollständig überlieferte Oper behandelt werden. Für das Kulturlexikon ist gerade diese quellenkritische Differenzierung wichtig.

Sekundärliteratur

  • Alvarenga, João Pedro d’: „To Make of Lisbon a New Rome: The Repertory of the Patriarchal Church in the 1720s and 1730s“. In: Eighteenth-Century Music 8, 2011. Grundlegend für die kirchenmusikalische und institutionelle Einordnung der Patriarchalkapelle.
  • Alvarenga, João Pedro d’: Studien zur portugiesischen Kirchenmusik des 18. Jahrhunderts und zur römisch-portugiesischen Musikpolitik João V.
  • Brito, Manuel Carlos de: „Almeida, Francisco António de“. In: Grove Music Online. Fachlexikalischer Grundartikel zu Leben, Werk und Bedeutung.
  • Brito, Manuel Carlos de: Opera in Portugal in the Eighteenth Century. Cambridge: Cambridge University Press, 1989. Zentrale Studie zur Oper in Portugal und zu Almeidas Bühnenwerken.
  • Brito, Manuel Carlos de: „Um retrato inédito do compositor Francisco António de Almeida“. In: Estudos de História da Música em Portugal. Lissabon: Estampa, 1989. Wichtig zur Ghezzi-Karikatur und zum Rom-Kontext.
  • Fernandes, Cristina: Studien zu höfischer Musik, italienischen Sängern und der Kulturpolitik João V. im Lissabon des 18. Jahrhunderts.
  • Janairo, João Pedro: Beiträge zur religiösen Musik Portugals im 18. Jahrhundert und zur Überlieferung Almeidas geistlicher Werke.
  • Oliveira, Filipe Mesquita de: „Francisco António d’Almeida and the Serenata Genre in Eighteenth-Century Portugal“. Leeds, 2008. Beitrag zur Serenata als höfischer Gattung in Portugal.
  • Ramalho, Margarida und weitere Autorinnen und Autoren: Studien zu La Spinalba, portugiesischer Oper und Quellenüberlieferung des 18. Jahrhunderts.
  • Vasconcelos, Joaquim de: Os músicos portugueses und verwandte ältere Musiklexikonliteratur. Wichtig als historische Rezeptionsquelle, quellenkritisch zu verwenden.
  • Vieira, Ernesto: Diccionario biographico de musicos portuguezes. Lissabon, 1900. Ältere biographische Quelle mit Werkhinweisen zu Almeida.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Alessandro Scarlatti Italienischer Komponist, dessen Stiltradition für Almeidas römisch-neapolitanische Prägung wichtig ist.
  • Barock Epoche und Stilzusammenhang, in dem Almeidas Opern, Oratorien und Serenaten stehen.
  • Capela Real e Patriarcal de Lisboa Königlich-patriarchale Kapelle, an der Almeida nach seiner Rückkehr aus Rom als Organist wirkte.
  • Carlos Seixas Portugiesischer Komponist und Tastenvirtuose, Zeitgenosse Almeidas im Umfeld der Lissabonner Hofmusik.
  • Basso continuo Satz- und Begleitprinzip der Barockmusik, grundlegend für Almeidas geistliche, dramatische und instrumentale Werke.
  • Dramma comico Operngattung, zu der Almeidas La Spinalba gehört.
  • João Rodrigues Esteves Portugiesischer Komponist und Rom-Stipendiat, wichtig für den kirchenmusikalischen Kontext der Patriarchalkapelle.
  • Gl’incanti d’Alcina Höfisches Vokalwerk Almeidas von 1730, fragmentarisch beziehungsweise in Einzelnummern wieder greifbar.
  • Il trionfo d’amore Serenata Almeidas von 1729 zum Namenstag König João V.
  • Italienische Oper Gattungs- und Stilrahmen, den Almeida nach Portugal vermittelte.
  • João V. Portugiesischer König, dessen Musik- und Kirchenpolitik Almeidas Laufbahn ermöglichte.
  • La Giuditta Römisches Oratorium Almeidas von 1726 und eines seiner wichtigsten geistlichen Werke.
  • La pazienza di Socrate Komische Oper von 1733, häufig als erste italienische Oper eines portugiesischen Komponisten beschrieben.
  • La Spinalba Dreiaktiges dramma comico von 1739 und bekanntestes vollständig überliefertes Bühnenwerk Almeidas.
  • Lissabon Hauptwirkungsort Almeidas und Zentrum der portugiesischen Hof-, Kirchen- und Opernkultur unter João V.
  • João da Mota e Silva Kardinal und Staatsmann, in dessen Palast frühe Serenaten Almeidas aufgeführt wurden.
  • Neapolitanischer Stil Italienischer Opern- und Kirchenmusikstil, der Almeidas dramatische und vokale Sprache prägte.
  • Oper Musikdramatische Gattung, deren italienische Form Almeida in Portugal entscheidend mitprägte.
  • Oratorium Geistlich-dramatische Gattung, in der Almeidas Il pentimento di Davidde und La Giuditta stehen.
  • Os Músicos do Tejo Portugiesisches Alte-Musik-Ensemble, das Almeidas Werke modern wiederaufführte und aufnahm.
  • Paço da Ribeira Königlicher Palast in Lissabon und zentraler Aufführungsort mehrerer Bühnenwerke Almeidas.
  • Patriarchalkapelle Lissabon Kirchenmusikalische Institution, deren Repertoire und Personal Almeidas Amt und Stilumfeld bestimmten.
  • Portugiesische Oper Gattungsgeschichte, in der Almeida durch La pazienza di Socrate und La Spinalba eine frühe Schlüsselrolle spielt.
  • Portugiesischer Barock Kultur- und Musikstil, in dem Almeidas Werke zwischen Rom, Lissabon, Hof und Kirche stehen.
  • Rom Studienort Almeidas und Zentrum der katholischen Musikpolitik, die João V. für Portugal nutzbar machte.
  • Sacavém Ort, der in neueren portugiesischen Angaben als Sterbeort Almeidas genannt wird.
  • Domenico Scarlatti Italienischer Komponist am portugiesischen und spanischen Hof, wichtiger Vergleichspunkt für Almeidas italienisch-portugiesisches Umfeld.
  • Serenata Höfische Vokalgattung, in der Almeida mit mehreren Werken besonders hervortrat.
  • António Teixeira Portugiesischer Komponist und Zeitgenosse Almeidas, ebenfalls durch Rom und italienische Musik geprägt.
  • Vila Viçosa Ort der herzoglichen Bibliothek, in der wichtige Quellen zu Almeidas Il trionfo d’amore erhalten sind.