Richard Allwood
Überblick
Richard Allwood, in den Quellen häufiger auch Richard Alwood oder Allwoode, war ein englischer Komponist und Priester der Mitte des 16. Jahrhunderts. Seine Lebensdaten sind unbekannt; die erhaltenen musikalischen Spuren verweisen jedoch auf ein Umfeld der frühen Tudor-Kirchenmusik, der lateinischen Messe, der englischen Tastenmusik und der instrumentalen Tradition des In nomine. Allwood gehört zu jenen Komponisten, deren biographisches Profil fast vollständig hinter wenigen Handschriften zurücktritt, deren Werke aber für die Rekonstruktion englischer Musik vor und während der Reformationszeit bedeutsam sind.
Das wichtigste erhaltene Werk ist die sechsstimmige Missa Praise him praiseworthy, die in den Forrest-Heyther-Partbooks überliefert ist. Diese Sammlung enthält polyphone Messordinariumssätze englischer Komponisten des 16. Jahrhunderts und gehört zu den zentralen Quellen für die großformatige vorreformatorische beziehungsweise frühreformatorische englische Kirchenmusik. Allwoods Messe steht dort neben Werken von John Taverner, Robert Fayrfax, Thomas Ashewell, Hugh Aston, John Sheppard und Christopher Tye.
Daneben ist Allwood im Mulliner Book, British Library Add. MS 30513, mit Tasten- und Instrumentalstücken vertreten. Dazu gehören ein Voluntary, zwei Fassungen von Claro pascali gaudio, ein In nomine und ein unbetiteltes Tastenstück. Diese Werke zeigen eine andere Seite Allwoods: nicht die großräumige lateinische Vokalpolyphonie, sondern eine frühe englische Tastensatz- und Instrumentalpraxis, die zwischen liturgischer Grundlage, didaktischer Sammlung, kontrapunktischer Übung und eigenständigem Instrumentalstil steht.
Kulturgeschichtlich ist Allwood deshalb bedeutsam, weil er an einer Schwelle steht. Seine Musik gehört noch deutlich zur lateinischen, mensural notierten Kirchenmusiktradition, steht aber zugleich in Quellen, die bereits die Verschiebung zu englischer Tastenmusik, instrumentaler Bearbeitung und nachreformatorischer Repertoirebildung erkennen lassen. Sein kleines, aber aussagekräftiges Œuvre verbindet Messe, Mensuralnotation, Cantus-firmus-Technik, Tastenmusik, Voluntary und frühe englische Instrumentalpolyphonie.
Kurzdaten
| Name | Richard Allwood. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Richard Alwood, Richard Allwoode, Richard Alwoode, Master Allwood, Mr Allwoode, Alwood, Richard. |
| Lebensdaten | Unbekannt; tätig in England im 16. Jahrhundert, besonders um die Mitte des Jahrhunderts beziehungsweise im Umfeld der Jahre um 1545 bis 1570 fassbar. |
| Herkunft | England; genauer Geburtsort nicht gesichert. |
| Beruf | Komponist, Priester, Kleriker, Verfasser lateinischer Kirchenmusik, Tastenmusik- und Instrumentalkomponist der frühen Tudorzeit. |
| Konfessioneller Kontext | Englische Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts in der Übergangszeit von vorreformatorischer lateinischer Liturgie, Tudor-Reformation und wechselnder kirchlicher Praxis. |
| Hauptquellen | Forrest-Heyther-Partbooks, Oxford, Bodleian Library, MSS Mus. Sch. e. 376–381; Mulliner Book, London, British Library, Add. MS 30513. |
| Hauptwerk | Missa Praise him praiseworthy, sechsstimmige Messe mit Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. |
| Weitere Werke | Voluntary, Claro pascali gaudio I und II, In nomine und ein unbetiteltes Tastenstück im Mulliner Book. |
| Bedeutung | Allwood ist ein schmal überlieferter, aber musikhistorisch wichtiger Vertreter englischer Tudor-Polyphonie und früher englischer Tasten- beziehungsweise Instrumentalmusik. |
Namensformen und quellenkritische Einordnung
Die Namensüberlieferung schwankt zwischen Allwood, Alwood, Allwoode und Alwoode. Im Mulliner Book erscheinen Zuschreibungen wie Master Allwood, mr Allwoode und Mr Allwoode. In modernen Katalogen ist die Form Alwood, Richard häufig, während für einen deutschsprachigen Kulturlexikon-Eintrag Richard Allwood als sichtbare Lemmaform sinnvoll ist, weil sie die heute besser lesbare Namensform bietet und zugleich die quellennahe Form Alwood vollständig berücksichtigt.
Die Bezeichnung Master oder Mr in den Handschriften ist vorsichtig zu lesen. Sie kann Respekt, Bildung, Klerikerstatus oder eine musische Autorität anzeigen, beweist aber nicht automatisch ein bestimmtes akademisches Amt. Ältere Zusammenfassungen bezeichnen Allwood als Priester; auch die Nähe zu kirchlichen Handschriften und lateinischer Messkomposition spricht für einen klerikalen beziehungsweise kirchennahen Kontext. Gleichwohl bleiben genaue Lebensstationen nicht gesichert.
Für die Dateibezeichnung gilt die Personenregel: sichtbarer Name Richard Allwood, Dateiname allwood-richard.shtml. Eine Datei nach der Schreibform alwood-richard.shtml wäre ebenfalls vertretbar, doch ist für die alphabetische Kulturlexikon-Führung die Form mit doppeltem l und w leserfreundlicher; die Variante Alwood wird im Artikel, in den Metadaten und im JSON-LD-Block als Alternativname geführt.
Biographische Spuren und kirchlicher Kontext
Über Richard Allwoods Leben ist nur sehr wenig sicher bekannt. Die moderne Quellenlage fasst ihn meist als im 16. Jahrhundert tätigen englischen Komponisten und Priester. Konkrete Geburts- und Sterbedaten sind nicht überliefert. Einzelne ältere Rekonstruktionsversuche bringen ihn mit St. Paul’s Cathedral, mit Thomas Mulliner, mit Cardinal College in Oxford und mit Winchester College in Verbindung. Solche Angaben sind für die Forschung interessant, müssen aber quellenkritisch und nicht als vollständig gesicherte Biographie behandelt werden.
Dass Allwood Priester war, passt zur musikalischen Überlieferung. Seine Messe gehört zu einer Tradition, in der Kleriker, Sänger, Organisten, Chorleiter, Kapellmitglieder und gebildete Musiker eng miteinander verbunden waren. Im England Heinrichs VIII., Eduards VI., Marias I. und Elisabeths I. veränderten sich Liturgie, Sprache, Kirchenordnung und musikalische Praxis tiefgreifend. Ein Komponist wie Allwood steht deshalb in einem Spannungsfeld zwischen älterer lateinischer Polyphonie und neuen konfessionellen Bedingungen.
Die wenigen erhaltenen Werke lassen vermuten, dass Allwood mit anspruchsvoller mehrstimmiger Satztechnik vertraut war. Die sechsstimmige Messe zeigt eine sichere Beherrschung der großformatigen englischen Messpolyphonie. Die Stücke im Mulliner Book zeigen zusätzlich eine Beziehung zur Tasten- und Instrumentaltradition. Gerade diese Kombination macht ihn bemerkenswert: Allwood ist nicht nur ein Name in einer Messhandschrift, sondern auch ein Vertreter einer frühen englischen Instrumental- und Tastenkultur.
Tudorzeit, Reformation und lateinische Kirchenmusik
Allwoods Musik gehört in die bewegte englische Tudorzeit. Das 16. Jahrhundert war in England von dynastischen, konfessionellen und liturgischen Umbrüchen geprägt. Unter Heinrich VIII. löste sich die englische Kirche von Rom; unter Eduard VI. wurden reformatorische Ordnungen verstärkt; unter Maria I. kam es zu einer katholischen Restauration; unter Elisabeth I. entstand eine neue anglikanische Konsolidierung. Diese Wechsel betrafen unmittelbar die Kirchenmusik, weil Sprache, Text, Liturgie und institutionelle Träger des Musizierens sich veränderten.
Die ältere lateinische Messpolyphonie blieb in Handschriften wie den Forrest-Heyther-Partbooks erhalten. Sie zeigt ein England, in dem großformatige mehrstimmige Ordinariumssätze für feierliche Gottesdienste komponiert, kopiert und bewahrt wurden. Allwoods Missa Praise him praiseworthy gehört genau in diese Welt. Ihre lateinischen Messteile, ihre sechsstimmige Anlage und ihre handschriftliche Überlieferung weisen auf ein hoch entwickeltes kirchliches Repertoire.
Gleichzeitig wird im Mulliner Book eine andere Entwicklung sichtbar. Dort begegnen Tastenstücke, Bearbeitungen, liturgisch grundierte Instrumentalstücke und frühe Formen eines eigenständigen englischen Keyboard-Repertoires. Das zeigt die Verschiebung der musikalischen Praxis von der liturgischen Vokalpolyphonie zu instrumentaler Bildung, Übung, Haus- oder Schulgebrauch und organistischer Praxis. Allwood steht daher nicht am Rand, sondern an einer wichtigen Übergangsstelle.
Forrest-Heyther-Partbooks und die Messe Praisem him praiseworthy
Die Forrest-Heyther-Partbooks, heute in der Bodleian Library in Oxford, gehören zu den bedeutenden Quellen englischer Tudor-Messpolyphonie. Sie sind als sechs Stimmbücher angelegt und enthalten mehrstimmige Messordinariumssätze. Die Sammlung ist besonders wichtig, weil sie eine große Repertoiregruppe bewahrt, die sonst durch Reformation, Handschriftenverlust und veränderte liturgische Praxis leicht hätte verschwinden können.
Allwoods Missa Praise him praiseworthy ist dort in sechs Stimmen überliefert. Die bekannten Sätze sind Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. Ein Kyrie ist nicht als gesicherter Teil dieser Überlieferung anzusetzen, was zur englischen Messpraxis und zu den spezifischen Überlieferungsbedingungen solcher Sammlungen passt. Die Text- beziehungsweise Kopierhinweise zeigen die Verbindung von lateinischem Messtext und einem englischsprachig erkennbaren motivischen oder titelgebenden Bezug „Praise him praiseworthy“.
Die Messe ist im 20. Jahrhundert durch die Reihe Early English Church Music wissenschaftlich erschlossen worden. Die moderne Edition durch John D. Bergsagel hat Allwoods Werk wieder zugänglich gemacht und erlaubt heutigen Chören, Forschern und Editorinnen eine Auseinandersetzung mit einem Repertoire, das lange hauptsächlich als Handschriftenbefund existierte. Einzelne Sätze wie Sanctus und Agnus Dei sind heute auch als separate Chorausgaben verfügbar.
Mulliner Book, Tastenmusik und Instrumentalstücke
Das Mulliner Book, British Library Add. MS 30513, ist eine zentrale Quelle für englische Tastenmusik des 16. Jahrhunderts. Es enthält eine große Zahl von Stücken verschiedener Komponisten und zeigt eine Praxis, in der liturgische Melodien, kontrapunktische Satzmodelle, Fantasien, Voluntaries und instrumentale Formen zusammenkommen. Allwood ist in dieser Quelle mit mehreren Stücken vertreten und erscheint dort mit verschiedenen Zuschreibungsformen.
Der Voluntary auf den Blättern 18v–19v ist mit Master Allwood überschrieben. Das Stück gehört zu einem frühen Typ englischer Tastenmusik, der noch nicht mit dem späteren englischen Orgelvoluntary des 17. und 18. Jahrhunderts gleichzusetzen ist, aber dessen Vorgeschichte berührt. Es zeigt den Übergang von vokal gedachter Polyphonie zu einer auf Tasteninstrumenten realisierbaren kontrapunktischen Textur.
Die beiden Stücke Claro pascali gaudio I und II sind mit mr Allwoode beziehungsweise mr Allwoode. bezeichnet. Sie greifen auf einen liturgischen oder chantnahen Ausgangspunkt zurück und bearbeiten ihn in unterschiedlichen kontrapunktischen Zusammenhängen. Das In nomine ist besonders wichtig, weil diese Gattung in England eine herausragende instrumentale Tradition ausbildete. Allwoods Beitrag gehört zu den frühen Zeugnissen dieser Linie, auch wenn er quellenkritisch in Einzelheiten von späteren normierten In-nomine-Typen zu unterscheiden ist.
Ein unbetiteltes Tastenstück im Mulliner Book wird ebenfalls Allwood zugeschrieben. Solche unbenannten Stücke sind für die Musikgeschichte nicht weniger wichtig als betitelte Werke. Sie zeigen, wie Sammlungspraxis, Unterricht, Kopistenarbeit und musikalischer Gebrauch miteinander verbunden waren. Ein Titel konnte fehlen, während die musikalische Funktion dennoch klar war: kontrapunktisches Üben, liturgischer Gebrauch, Vorspiel, Instrumentalstück oder Repertoirebildung.
Stil, Satztechnik und kulturgeschichtliches Profil
Allwoods Stil ist aus einem sehr kleinen Werkbestand zu erschließen. Die Messe zeigt die Kunst einer mehrstimmigen, lateinisch fundierten Tudor-Polyphonie. Entscheidend sind lange melodische Linien, kontrollierte Imitation, mensurale Proportionen und die Behandlung eines motivischen beziehungsweise cantus-firmusartigen Ausgangsmaterials. Die sechsstimmige Anlage verlangt eine hohe Satzdisziplin, weil Klangfülle, Textverständlichkeit, Stimmführung und kontrapunktische Dichte in Balance gebracht werden müssen.
Die Tasten- und Instrumentalstücke im Mulliner Book zeigen eine andere stilistische Seite. Hier tritt die vokale Textbindung zurück, während kontrapunktische Beweglichkeit, Stimmverflechtung, figurative Anlage und der Umgang mit liturgischen Melodien stärker hervortreten. Das Voluntary und das In nomine sind deshalb für die Geschichte der englischen Tasten- und Consortmusik relevant. Sie zeigen, dass Instrumentalmusik im 16. Jahrhundert nicht einfach aus Tanz und Unterhaltung bestand, sondern tief in kirchlicher, kontrapunktischer und schulischer Praxis wurzelte.
Kulturgeschichtlich ist Allwood ein Grenzfall zwischen großer Repertoiregeschichte und archivalischem Kleinbefund. Er ist kein Komponist mit umfangreich überliefertem Œuvre wie Taverner, Tallis oder Byrd. Gerade deshalb ist er aber wichtig: Er macht sichtbar, dass die englische Musik des 16. Jahrhunderts nicht nur aus wenigen Hauptmeistern bestand, sondern aus einem größeren Netzwerk von Priestern, Choristen, Organisten, Kopisten und Komponisten, deren Werke in einzelnen Handschriften überlebt haben.
Werkverzeichnis
Das Werkverzeichnis Richard Allwoods kann nur nach den bekannten Handschriften- und Editionsnachweisen geführt werden. Ein umfassendes Œuvre ist nicht überliefert. Die folgende Übersicht unterscheidet die sechsstimmige Messe in den Forrest-Heyther-Partbooks, die Stücke im Mulliner Book, moderne Editionen und nicht gesicherte beziehungsweise nur indirekt zu behandelnde Werkgruppen.
Messkomposition
- Missa Praise him praiseworthy: Gloria. Sechsstimmiger Satz aus der Messe Praisem him praiseworthy, überliefert in den Forrest-Heyther-Partbooks, Oxford, Bodleian Library, MSS Mus. Sch. e. 376–381. Der Satz ist lateinisch und gehört zum Ordinarium Missae.
- Missa Praise him praiseworthy: Credo. Sechsstimmiger Credo-Satz derselben Messe, ebenfalls in den Forrest-Heyther-Partbooks überliefert. Der Satz zeigt die großformatige Anlage englischer Tudor-Messpolyphonie.
- Missa Praise him praiseworthy: Sanctus. Sechsstimmiger Sanctus-Satz der Messe. Der Satz ist in moderner Einzelausgabe bei Stainer & Bell aus der Reihe Early English Church Music greifbar.
- Missa Praise him praiseworthy: Benedictus. Sechsstimmiger Benedictus-Satz derselben Messe. In der Handschriftenüberlieferung gehört er zum Sanctus-Komplex und ist als eigenständiger Abschnitt zu führen.
- Missa Praise him praiseworthy: Agnus Dei. Sechsstimmiger Agnus-Dei-Satz der Messe. Die moderne Edition hebt besonders den ungewöhnlichen Schlussabschnitt hervor; auch dieser Satz ist bei Stainer & Bell als Einzelausgabe aus der Reihe Early English Church Music erhältlich.
- Kyrie. Kein sicher überlieferter Kyrie-Satz dieser Messe ist in den einschlägigen modernen Werklisten anzusetzen. Deshalb wird kein Kyrie als erhaltenes Werk Allwoods geführt.
Tasten- und Instrumentalstücke im Mulliner Book
- Voluntary. Tastenstück im Mulliner Book, British Library, Add. MS 30513, Blätter 18v–19v, mit der Quellenzuschreibung Master Allwood. Das Stück gehört zur frühen englischen Voluntary-Tradition beziehungsweise zu deren Vorformen.
- Claro pascali gaudio I. Stück im Mulliner Book, Blätter 19v–20r, mit der Quellenzuschreibung mr Allwoode. Es handelt sich um eine chantnahe beziehungsweise liturgisch grundierte Bearbeitung in instrumentaler oder tastenspielerischer Form.
- Claro pascali gaudio II. Zweite Fassung beziehungsweise zweites Stück gleichen Titels im Mulliner Book, Blätter 25v–26v, mit der Quellenzuschreibung mr Allwoode.. Die Unterscheidung von I und II ist editorisch notwendig, weil beide Stücke eigenständig in der Quelle erscheinen.
- In nomine. Instrumentalstück im Mulliner Book, Blätter 27v–28v, mit der Quellenzuschreibung Mr Allwoode. Es ist im Zusammenhang der englischen In-nomine-Tradition zu behandeln, die aus liturgischem Material eine reiche Consort- und Instrumentalgattung entwickelte.
- Untitled keyboard work [Mulliner Book] 4. Unbetiteltes Tastenstück im Mulliner Book, Blätter 48v–49r, mit der Quellenzuschreibung master allwoodde / allwood. Der moderne Arbeitstitel dient der bibliographischen Identifikation und ersetzt keinen historischen Titel.
Moderne Editionen und praktische Ausgaben
- Early Tudor Masses I. Herausgegeben von John D. Bergsagel, Reihe Early English Church Music, Bd. 1. Enthält Richard Allwoods Missa Praise him praiseworthy sowie Thomas Ashewells Missa Ave Maria. Diese Ausgabe ist die zentrale moderne wissenschaftliche Erschließung der Messe.
- Mass – Praise him praiseworthy. Sanctus. Einzelausgabe bei Stainer & Bell, aus Early English Church Music, Bd. 1, herausgegeben von John D. Bergsagel.
- Mass – Praise him praiseworthy. Agnus Dei. Einzelausgabe bei Stainer & Bell, aus Early English Church Music, Bd. 1, herausgegeben von John D. Bergsagel.
- Mass “Praise Him Praiseworthy”. Digitale Partitur- und Aufführungsmaterialien im IMSLP-Umfeld; quellenkritisch als moderne Nutzbarmachung, nicht als originale Drucküberlieferung, zu behandeln.
- Old English Organ Music. Sammlung von John Ebenezer West, in der Allwoods Voluntary in moderner alter englischer Orgelmusik-Überlieferung erscheint.
Nur quellenkritisch oder nicht als gesichert zu behandelnde Werkgruppen
- Weitere liturgische Vokalwerke. Für Allwood sind keine weiteren sicher identifizierten Motetten, Anthems oder Messsätze außerhalb der genannten Überlieferung als vollständig gesichert zu führen.
- Weitere Orgel- oder Tastenstücke. Es können in älteren oder sekundären Verzeichnissen abweichende Zuschreibungen auftreten; ohne Handschriften- oder Katalognachweis sollten sie nicht als sichere Werke aufgenommen werden.
- Biographisch erschlossene Musik. Falls Allwood tatsächlich in bestimmten kirchlichen Institutionen tätig war, ist anzunehmen, dass er mehr Musik kannte oder schrieb, als erhalten ist. Solche Vermutungen sind aber nicht als Werkbestand auszugeben.
Rezeption und editorische Hinweise
Richard Allwoods Rezeption ist stark handschriften- und editionsabhängig. Er gehört nicht zu den Komponisten, die durch eine breite Drucküberlieferung, eine kontinuierliche Aufführungsgeschichte oder ausführliche biographische Quellen sichtbar geblieben sind. Sein Name überdauerte vor allem, weil er in zwei bedeutenden Quellenkomplexen erhalten ist: den Forrest-Heyther-Partbooks und dem Mulliner Book.
Die moderne Wiederentdeckung verdankt sich wesentlich der englischen Kirchenmusikforschung, der Katalogisierung musikalischer Handschriften und der wissenschaftlichen Edition. Die Reihe Early English Church Music machte die Messe wieder aufführbar; DIAMM und RISM machen die handschriftlichen Nachweise digital recherchierbar; IMSLP und andere Portale erleichtern den Zugang zu modernen Partituren und älteren Ausgaben. Dadurch wird Allwood heute als kleiner, aber aussagekräftiger Baustein der Tudor-Musik sichtbar.
Editorisch ist besonders darauf zu achten, dass die Werkformen nicht vereinfachend modernisiert werden. Die Messe ist kein geschlossenes modernes Konzertwerk im üblichen Sinn, sondern ein Satzkomplex aus einer liturgischen Handschrift. Die Stücke im Mulliner Book sind nicht ohne Weiteres mit späteren Orgelvoluntaries gleichzusetzen. Das In nomine ist in die englische Instrumentaltradition einzuordnen, aber seine genaue Beziehung zu späteren In-nomine-Normen muss quellenkritisch behandelt werden.
Für das Kulturlexikon ist Allwood ein wichtiges Verbindungslemma. Es führt von der Tudor-Kirchenmusik zu den Forrest-Heyther-Partbooks, vom Mulliner Book zur frühen englischen Tastenmusik, von der Messe zur Mensuralnotation und von der liturgischen Polyphonie zur englischen Consortmusik.
Sekundärliteratur
- Bergsagel, John D., Hg.: Early Tudor Masses I. Early English Church Music, Bd. 1. London: Stainer & Bell, 1963. Enthält Richard Allwoods Missa Praise him praiseworthy und Thomas Ashewells Missa Ave Maria.
- Bergsagel, John D.: „The Date and Provenance of the Forrest-Heyther Collection of Tudor Masses“. In: Music & Letters 44, 1963, S. 240–248. Grundlegender Beitrag zur Datierung und Herkunft der Handschriftensammlung.
- Brookes, Virginia: Arbeiten zur frühen englischen Instrumentalmusik und zum In-nomine-Repertoire, mit biographisch vorsichtigen Hinweisen zu Richard Allwood.
- Brown, Howard Mayer: Studien zur englischen Instrumental- und Tastenmusik des 16. Jahrhunderts, als Kontext zu Mulliner Book und In-nomine-Tradition relevant.
- Fenlon, Iain, und weitere Herausgeber: Forschungen zu Tudor-Musik, Handschriftenüberlieferung und liturgischer Polyphonie in England.
- Flynn, Jane: A Reconsideration of the Mulliner Book (British Library Add. MS 30513): Music Education in Sixteenth-Century England. Dissertation, Duke University, 1993. Wichtig für das pädagogische und quellenkundliche Verständnis des Mulliner Book.
- Flynn, Jane: „Thomas Mulliner: An Apprentice of John Heywood?“. In: Young Choristers, 650–1700, Studies in Medieval and Renaissance Music, Bd. 7. Woodbridge: Boydell Press, 2008, S. 173–194.
- Morehen, John: Beiträge zur englischen Tastenmusik und zur Quellenlage des 16. Jahrhunderts.
- Sandon, Nicholas: Studien zu Tudor-Messen, Forrest-Heyther-Partbooks und englischer Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts.
- West, John Ebenezer, Hg.: Old English Organ Music. London, frühes 20. Jahrhundert. Enthält beziehungsweise vermittelt ältere moderne Ausgaben englischer Orgel- und Tastenstücke, darunter Allwoods Voluntary.
Ausgewählte Onlinequellen
- CPDL: Richard Alwood ChoralWiki-Seite zur Recherche nach frei zugänglichen Chorausgaben und Aufführungsmaterialien im Umfeld von Allwoods Vokalmusik.
- DIAMM: Alwood, Richard Zentrale digitale Personenseite mit Namensvarianten, Werkübersicht und Handschriftennachweisen zu Mulliner Book und Forrest-Heyther-Partbooks.
- DIAMM: Voluntary Einzelnachweis zu Allwoods Voluntary im Mulliner Book mit Quellenposition, Zuschreibung und Stimmenangabe.
- DIAMM: GB-Lbl Add. MS 30513, Mulliner Book Quellenseite zum Mulliner Book mit Inventar, Provenienz und Allwood-Zuschreibungen für Tasten- und Instrumentalstücke.
- DIAMM: GB-Ob MS. Mus. Sch. e. 376, Forrest-Heyther Partbooks Quellenseite zum Discantus-Stimmbuch der Forrest-Heyther-Partbooks mit Nachweisen zu Allwoods Messe.
- HOASM: Richard Allwood (Alwood) Kurzbiographische Zusammenfassung mit Einordnung als englischer Komponist und Priester des 16. Jahrhunderts.
- IMSLP: Category Alwood, Richard Komponistenseite mit Namensform, Epoche und Links zu frei zugänglichen Partiturmaterialien.
- IMSLP: Mass “Praise Him Praiseworthy” Partiturseite zur Messe mit modernen Materialien und kurzen editorischen Hinweisen zur Werküberlieferung.
- IMSLP: Old English Organ Music Digitale Seite zur Sammlung von John Ebenezer West, in der Allwoods Voluntary im Kontext alter englischer Orgelmusik erscheint.
- RISM Online: Alwood, Richard Internationaler Norm- und Quellenknoten mit Berufsangabe Komponist und Namensvarianten.
- Stainer & Bell: Alwood, Richard: Mass – Praise him praiseworthy. Sanctus Moderne Einzelausgabe des Sanctus aus der Reihe Early English Church Music, herausgegeben von John D. Bergsagel.
- Stainer & Bell: Alwood, Richard: Mass – Praise him praiseworthy. Agnus Dei Moderne Einzelausgabe des Agnus Dei aus der Reihe Early English Church Music, herausgegeben von John D. Bergsagel.
- Stainer & Bell: Early English Church Music Catalogue Katalog der Reihe Early English Church Music mit Reihenprofil und Hinweisen auf die wissenschaftliche Edition englischer Kirchenmusik.
- The Choir of the Carmelite Priory: The Forrest-Heyther Partbooks Einführung zur Handschriftensammlung, ihrer Bedeutung und ihrem Repertoire, darunter die Messe von Richard Alwood.
Weiterführende Einträge
- Thomas Ashewell Englischer Komponist der Tudorzeit, dessen Messe in derselben modernen EECM-Ausgabe wie Allwoods Missa Praise him praiseworthy erscheint.
- Hugh Aston Englischer Komponist der frühen Tudorzeit, in den Forrest-Heyther-Partbooks mit Messkompositionen vertreten.
- Bodleian Library Oxford-Bibliothek, in der die Forrest-Heyther-Partbooks mit Allwoods Messe aufbewahrt werden.
- British Library Londoner Bibliothek, die das Mulliner Book mit mehreren Allwood-Zuschreibungen besitzt.
- Cantus firmus Kompositionstechnisches Prinzip, das für Messzyklen und liturgisch grundierte Stücke der Renaissance zentral ist.
- Consortmusik Englische Instrumentaltradition, in deren Umfeld Allwoods In nomine zu verorten ist.
- DIAMM Digital Image Archive of Medieval Music, wichtige digitale Ressource für Allwoods Handschriftennachweise.
- Early English Church Music Wissenschaftliche Editionsreihe, in der Allwoods Messe modern herausgegeben wurde.
- England Kultureller und kirchlicher Raum, in dem Allwoods Musik des 16. Jahrhunderts entstand.
- Robert Fayrfax Wichtiger englischer Tudor-Komponist, in den Forrest-Heyther-Partbooks mehrfach vertreten.
- Forrest-Heyther-Partbooks Sechsstimmige Partbook-Sammlung englischer Tudor-Messen und Hauptquelle von Allwoods Missa Praise him praiseworthy.
- William Heather Mit der späteren Geschichte der Forrest-Heyther-Partbooks verbundene Persönlichkeit und Stifter im Oxford-Kontext.
- In nomine Englische Instrumentalgattung, zu der Allwood ein frühes Stück im Mulliner Book beisteuerte.
- Kirchenmusik Übergreifender Bereich der liturgischen Musik, in dem Allwoods Messe steht.
- Lateinische Kirchenmusik Liturgisch-sprachlicher Rahmen von Allwoods Messkomposition.
- Messe Zentrale liturgische Gattung, in der Allwoods wichtigstes erhaltenes Werk überliefert ist.
- Mensuralnotation Notationssystem der Renaissance, grundlegend für die Überlieferung von Allwoods Vokalpolyphonie.
- Mulliner Book Wichtige englische Tastenmusikhandschrift des 16. Jahrhunderts mit mehreren Stücken Richard Allwoods.
- Thomas Mulliner Namengebende Schlüsselfigur des Mulliner Book und wichtiger Bezugspunkt früher englischer Tastenmusik.
- Partbook Stimmbuchtyp, der für die Überlieferung der Forrest-Heyther-Messen entscheidend ist.
- Polyphonie Mehrstimmiges Satzprinzip, das Allwoods Messe und seine Instrumentalstücke prägt.
- Priester Klerikaler Berufskontext, in dem Allwood in älteren und modernen Kurzbiographien erscheint.
- Reformation in England Kirchen- und kulturgeschichtlicher Umbruch, der Allwoods musikalische Welt rahmt.
- RISM Internationales Quellenverzeichnis, das Allwood als Komponisten und die relevanten Handschriften nachweist.
- John Sheppard Englischer Tudor-Komponist, dessen Werke im Umfeld der gleichen Handschriften- und Kirchenmusiktradition stehen.
- Thomas Tallis Zentrale Gestalt englischer Kirchenmusik des 16. Jahrhunderts und wichtiger Vergleichshorizont für Allwoods Epoche.
- Tastenmusik Instrumentaler Bereich, in dem Allwood durch die Mulliner-Book-Stücke vertreten ist.
- John Taverner Bedeutender englischer Tudor-Komponist, dessen Messkompositionen in den Forrest-Heyther-Partbooks überliefert sind.
- Tudor-Kirchenmusik Hauptkontext von Allwoods lateinischer Messe und seiner kirchlichen Musiküberlieferung.
- Christopher Tye Englischer Komponist der Tudorzeit, wichtig für Messe, In-nomine-Tradition und Reformationszeit.
- Voluntary Englische Tastenmusikform, zu deren frühen Vorformen Allwoods Mulliner-Book-Stück gehört.