Giuseppe Allevi
Überblick
Giuseppe Allevi, häufig mit dem Beinamen detto Piacenza oder detto il Piacenza geführt, war ein italienischer Barockkomponist des 17. Jahrhunderts. Sein Name ist vor allem mit der Kirchenmusik von Piacenza, mit dem Amt des maestro di cappella am dortigen Dom und mit drei Büchern geistlicher Compositioni sacre verbunden. Er gehört nicht zu den europaweit kanonisierten Hauptfiguren des italienischen Barock, ist aber für die regionale Musikgeschichte Norditaliens, für den geistlichen Concertato-Stil und für die Verbindung von vokaler Kirchenmusik und instrumentaler Beteiligung sehr aufschlussreich.
Allevi wirkte im Umfeld einer Stadt, die politisch und kulturell von den Farnese, von der kirchlichen Institution des Domes, von städtischen Bruderschaften und von höfisch geprägten Festanlässen bestimmt war. Seine Musik zeigt eine Praxis, in der Motette, geistlicher Dialog, kleine vokale Besetzung, Basso continuo, obligate Violinen und liturgische beziehungsweise paraliturgische Funktionen ineinandergreifen. Die Drucke von 1654, 1662 und 1668 machen sichtbar, dass Allevi nicht nur für lokale Bedürfnisse schrieb, sondern in einem Druck- und Verbreitungssystem stand, das Venedig, Bologna, Rotterdam und weitere Sammlungsorte erreichte.
Der größte Teil seines bekannten Werks gehört zur geistlichen Musik. Dazu zählen zwei- bis vierstimmige Motetten, geistliche Dialoge, eine vierstimmige Messe für Verstorbene, eine Sequenz, ein Offertorium, Litanien der seligen Jungfrau Maria, Psalm- und Magnificat-Überlieferungen sowie drei Triosonaten im dritten Buch der Compositioni sacre. Daneben ist die verschollene Musik zu dem Reiter- beziehungsweise Festballett Le ninfe del Po von 1644 überliefert, das für einen städtisch-höfischen Festkontext in Piacenza entstand.
Allevi ist kulturgeschichtlich besonders interessant, weil sein Werk an einer Schnittstelle steht: Es gehört einerseits zur lokalen Dom- und Bruderschaftsmusik, andererseits zur überregionalen gedruckten Musik des italienischen Barock. Es ist liturgisch beziehungsweise devotional gebunden, aber zugleich theaternah in seinen Dialogen, Affekten und konzertierenden Wechseln. Gerade diese Mittelstellung macht Allevi zu einem geeigneten Lemma, um regionale Musikgeschichte, Musikdruck, Domkapelle, geistliches Concerto und frühbarocke Klangpraxis gemeinsam darzustellen.
Kurzdaten
| Name | Giuseppe Allevi. |
|---|---|
| Weitere Namensformen | Giuseppe Allevi detto Piacenza, Giuseppe Allevi detto il Piacenza, Allevi Piacenza, Alevi, Allievi, Allevo, Levi, Leva, Gioseppe, Gioseffo, Josefo, Joseffo, Iseppe. |
| Geburt | 1603 oder 1604, wohl in Piacenza; einzelne Normdaten nennen Piacenza oder Cremona. |
| Tod | 18. Juli 1670 in Piacenza. Die in einzelnen älteren oder abweichenden Angaben begegnenden Daten 1668 oder 1688 sind für diese Seite nicht als Hauptdatum übernommen. |
| Beruf | Komponist, Kapellmeister, maestro di cappella, Kirchenmusiker, Autor geistlicher Concertato-Musik und Komponist vokaler sowie instrumentaler Barockmusik. |
| Wirkungsort | Vor allem Piacenza, besonders der Dom von Piacenza, San Francesco und Santa Maria di Campagna. |
| Amt | Maestro di cappella am Dom von Piacenza, spätestens um 1652 beziehungsweise 1654 belegt und bis 1670 beziehungsweise in Druckquellen noch 1668 nachweisbar. |
| Stilfelder | Geistliche Motette, Concertato-Stil, geistlicher Dialog, Dommusik, Litanie, Requiem, Basso-continuo-Satz, Violinenbegleitung und Triosonate. |
| Hauptdrucke | Compositioni sacre, Venedig 1654; Libro secondo delle Compositioni sacre, Venedig 1662; Terzo libro delle Compositioni sacre, Bologna 1668. |
| Bühnenwerk | Le ninfe del Po, Reiter- beziehungsweise Festballett auf einen Text von Bernardo Morando, Piacenza 1644; Musik verschollen. |
| Schülerkreis | Isidoro Tortona wird als Schüler Alleviis erwähnt und erscheint im zweiten beziehungsweise dritten Buchkontext mit einem Dialog beziehungsweise Werkbezug. |
| Bedeutung | Allevi ist eine wichtige piacentinische Gestalt der geistlichen Musik des 17. Jahrhunderts und steht für die lokale Ausprägung des italienischen Concertato-Stils zwischen Domkapelle, Musikdruck und höfisch-städtischer Festkultur. |
Namensformen, Datierung und editorische Einordnung
Die Namensüberlieferung ist bei Giuseppe Allevi ungewöhnlich breit. Neben der heute gebräuchlichen Form Giuseppe Allevi begegnen italienische, lateinische, gekürzte und phonetisch abweichende Formen wie Gioseppe, Gioseffo, Josefo, Joseffo und Iseppe. Auch die Familiennamensformen Alevi, Allievi, Allevo, Levi und Leva sind zu berücksichtigen. Für die sichtbare Lemmaform ist Giuseppe Allevi am sinnvollsten, weil diese Form in modernen Normdaten, Bibliothekskatalogen und musikwissenschaftlichen Nachweisen am stabilsten ist.
Der Beiname detto Piacenza beziehungsweise detto il Piacenza verweist auf seine enge Bindung an Piacenza. Er ist nicht als zweiter Familienname im modernen Sinn zu verstehen, sondern als Herkunfts- oder Identifikationszusatz. In der Dateibezeichnung wird deshalb nicht piacenza-giuseppe-allevi, sondern gemäß der Personenregel allevi-giuseppe.shtml verwendet.
Bei den Lebensdaten ist eine quellenkritische Korrektur nötig. Als Geburtsjahr werden 1603 oder 1604 genannt; der Geburtsort wird meist Piacenza, in einzelnen Normdaten aber auch Piacenza oder Cremona angegeben. Als Todesdatum ist der 18. Juli 1670 in Piacenza anzusetzen. Die Angabe 1688 ist wahrscheinlich nicht haltbar und sollte in einer sauberen lexikalischen Seite nicht als Hauptdatum erscheinen. Ebenso ist 1668 nicht als Todesjahr, sondern als Jahr des dritten Drucks und als Nachweis seiner damaligen Tätigkeit als maestro di cappella zu verstehen.
Piacenza, Domkapelle und geistliche Musikpraxis
Alleviis musikalische Laufbahn ist fast vollständig mit Piacenza verbunden. Die Stadt war im 17. Jahrhundert ein wichtiger norditalienischer Musikort, auch wenn sie nicht denselben Rang wie Venedig, Bologna, Rom oder Mailand hatte. Gerade deshalb ist sie für die Kulturgeschichte aufschlussreich: In Piacenza lässt sich beobachten, wie die großen barocken Stilmittel der italienischen Kirchenmusik in einer regionalen Dom- und Bruderschaftskultur aufgenommen wurden.
Als maestro di cappella am Dom von Piacenza war Allevi für den musikalischen Dienst an einer zentralen kirchlichen Institution verantwortlich. Zu den Aufgaben eines solchen Kapellmeisters gehörten Komposition, Leitung, Auswahl der Sänger, Pflege des Repertoires, liturgische Anpassung, möglicherweise Unterricht und die Koordination mit Organisten und Instrumentalisten. Die Drucke Alleviis lassen erkennen, dass er kleine und mittlere Besetzungen bevorzugte, die für einen Domkontext praktikabel waren und zugleich konzertierende Wirkung entfalten konnten.
Neben dem Dom ist seine Tätigkeit in San Francesco und Santa Maria di Campagna zu nennen. Für San Francesco wird eine Tätigkeit im Zusammenhang der Congregazione della Cintura erwähnt; für Santa Maria di Campagna ist eine Bezahlung im Jahr 1653 für Musik in der vorangegangenen Fastenzeit belegt. Diese Hinweise zeigen, dass Allevi nicht nur an einer einzigen Institution wirkte, sondern in einem lokalen Netz kirchlicher Auftraggeber, Bruderschaften und Festanlässe stand.
Die geistliche Musik dieser Umgebung war nicht auf strenge liturgische Routine beschränkt. Motetten, Dialoge, Litanien, Offertorien, Sequenzen und Requiem-Teile konnten je nach Anlass unterschiedliche Grade von liturgischer, paraliturgischer oder devotionaler Funktion besitzen. Alleviis Musik steht in genau diesem Zwischenbereich: Sie dient der Kirche, nutzt aber die dramatische und affektive Sprache des Barock.
Farnese-Kontext, höfische Öffentlichkeit und Le ninfe del Po
Das früheste bekannte größere Ereignis in Alleviis Laufbahn ist die Musik zu Le ninfe del Po, einem Reiter- beziehungsweise Festballett von 1644 auf einen Text des Genueser Dichters Bernardo Morando. Die Aufführung fand in Piacenza in einem höfisch-städtischen Festkontext statt und war mit dem Besuch des Herzogs Francesco I. d’Este und Maria Caterina Farnese verbunden. Die Musik ist verschollen, doch die Nachricht ist für Alleviis Profil wichtig, weil sie zeigt, dass er nicht ausschließlich im engen Domrahmen tätig war.
Le ninfe del Po gehört in die Kultur barocker Festinszenierungen. Solche Werke verbanden Poesie, Musik, Bewegung, Repräsentation, allegorische Figuren und städtische Öffentlichkeit. Der Po, die Nymphen und die höfische Ankunftssituation bilden ein Symbolfeld, in dem Landschaft, Herrschaft und Festkultur musikalisch-theatralisch aufgeladen wurden. Dass Allevi für einen solchen Anlass Musik schrieb, zeigt seine Einbindung in eine städtisch-höfische Öffentlichkeit, die über den regulären Kirchenmusikdienst hinausging.
Für die Werkgeschichte ist die Verschollenheit der Musik entscheidend. Der Titel darf im Werkverzeichnis erscheinen, aber nicht als erhaltenes Bühnenwerk behandelt werden. Er ist vielmehr ein dokumentierter, verlorener Werkkomplex. Kulturgeschichtlich bleibt er dennoch wichtig, weil er Alleviis Arbeitsfeld erweitert und das Verhältnis von Piacenzas Kirchenmusik zu höfischer Festkultur sichtbar macht.
Stil, Besetzung und Concertato-Technik
Alleviis erhaltene beziehungsweise gedruckte Musik gehört überwiegend zum geistlichen Concertato-Stil. Dieser Stil arbeitet mit wechselnden vokalen Gruppen, Basso continuo, gelegentlich obligaten Violinen und affektgeladenen Textausdeutungen. Die Besetzungen von zwei, drei und vier Stimmen erlauben eine flexible Aufführungspraxis. Sie sind kleiner als die großen venezianischen Mehrchörigkeiten, aber klanglich beweglich und rhetorisch wirkungsvoll.
Besonders charakteristisch sind die geistlichen Dialoge. In ihnen werden Stimmen nicht nur simultan gesetzt, sondern dramatisch aufeinander bezogen. Dadurch nähert sich die geistliche Motette einer szenischen oder quasi-theatralischen Form. Diese Entwicklung ist typisch für das 17. Jahrhundert: Die Sprache der Oper, des Oratoriums und der geistlichen Andacht beeinflusst auch kleinere Kirchenstücke. Alleviis Dialoge sind deshalb wichtige Zeugnisse einer Frömmigkeit, die nicht nur dogmatisch, sondern affektiv, sprechend und bewegend sein will.
Die obligaten Violinen in mehreren Stücken zeigen, dass Allevi die instrumentale Farbe bewusst einsetzt. Sie begleiten nicht nur, sondern treten in lebhaften Wechsel mit den Singstimmen. Im dritten Buch von 1668 wird diese instrumentale Seite besonders deutlich, weil dort drei Sonaten zu drei Stimmen enthalten sind. Die Grenze zwischen geistlicher Sammlung und kammermusikalischer Instrumentalpraxis wird damit durchlässig.
Die Musik ist technisch sicher gearbeitet und beruht auf einem soliden kontrapunktischen Fundament. Zugleich ist sie nicht im strengen Renaissance-Contrapunctus stehen geblieben. Sie gehört zu einer Generation, die alte Satztechnik, Generalbasspraxis und barocke Affektrhetorik miteinander verbindet. Allevi ist deshalb als regionaler, aber stilistisch wacher Vertreter der mittleren italienischen Barockgeneration einzuordnen.
Musikdrucke, Überlieferung und Rezeption in Europa
Die drei Bücher der Compositioni sacre erschienen in Venedig und Bologna, also in wichtigen Zentren des italienischen Musikdrucks. Der erste Druck von 1654 erschien bei Alessandro Vincenti in Venedig; eine Rotterdamer Ausgabe von 1656 zeigt, dass Alleviis Musik auch außerhalb Italiens verfügbar wurde. Das zweite Buch erschien 1662 in Venedig bei Francesco Magni, genannt Gardano. Das dritte Buch erschien 1668 in Bologna bei Giacomo Monti.
Die Überlieferung in Bibliotheken und Sammlungen ist für Allevi entscheidend. Partbooks, Einzelstimmen, Druckfragmente und spätere Kataloge bewahren sein Werk. Gerade bei Musik des 17. Jahrhunderts ist die Überlieferung oft nicht durch vollständige Partituren gesichert, sondern durch Stimmbücher. Das macht moderne Editionen und kritische Apparate besonders wichtig. Francesco Bussis Edition der zweiten und dritten Bücher der Compositioni sacre hat deshalb für die heutige Beschäftigung mit Allevi zentrale Bedeutung.
Die europäische Rezeption wird auch dadurch sichtbar, dass Alleviis Name in RISM-Zusammenhängen, Bibliothekskatalogen, digitalen Partiturportalen und modernen Einzelausgaben erscheint. Einzelne Motetten wie Excitamini cives, Resonate tubae, Surrexit Salvator oder Tua Iesu dilectio sind in modernen Ausgaben zugänglich. Damit ist Allevi nicht nur ein Archivname, sondern ein wieder aufführbarer Komponist.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis ordnet die bekannten Werke und Werkgruppen Giuseppe Alleviis nach Druck, Gattung und Überlieferungsstatus. Es berücksichtigt, dass nicht alle Werke vollständig erhalten sind und dass die Schreibweisen der Titel in den Quellen variieren. Bei den geistlichen Drucken sind besonders die drei Bücher der Compositioni sacre maßgeblich; bei Einzeltiteln aus dem dritten Buch folgt die Übersicht den bekannten Inhaltsangaben des Drucks von 1668.
Bühnen- und Festmusik
- Le ninfe del Po, 1644. Reiter- beziehungsweise Festballett auf einen Text von Bernardo Morando, aufgeführt in Piacenza in einem höfisch-städtischen Festkontext. Die Musik ist verschollen. Der Titel bleibt dennoch wichtig, weil er Alleviis Tätigkeit außerhalb des reinen Domdienstes belegt.
Erstes Buch der Compositioni sacre
- Compositioni sacre a due, tre e quattro voci con il basso per l’organo, Venedig: Alessandro Vincenti, 1654. Sammlung geistlicher Motetten und kleiner Concertato-Stücke für zwei bis vier Stimmen mit Orgelbass.
- Compositioni sacre, Rotterdam: J. van Geertsom, 1656. Außeritalienische beziehungsweise niederländische Ausgabe oder Nachdruck der Sammlung, wichtig für die europäische Verbreitung Alleviis.
- Dilexi quoniam exaudiet Dominus vocem orationis meae. Einzelnes geistliches Werk aus dem Umfeld der 1654er Sammlung, modern auch in digitalen Partiturverzeichnissen nachweisbar; Besetzung für Alt, Tenor, Bass und Continuo.
- Weitere Motetten der ersten Sammlung. Die vollständige Einzelauflistung ist abhängig vom konsultierten Exemplar und von den erhaltenen Stimmbüchern; die Sammlung ist als geistliches Concertato-Repertoire für kleine Besetzungen zu behandeln.
Zweites Buch der Compositioni sacre
- Compositioni sacre a due, tre e quattro voci, parte con violini, Libro secondo, Venedig: Francesco Magni, genannt Gardano, 1662. Zweites Buch geistlicher Kompositionen, in denen Violinen teilweise eine obligate Rolle übernehmen.
- Messa de morti da capella a quattro beziehungsweise Missa per li Defunti da Cappella a quattro, 1662. Vierstimmige Messe für Verstorbene innerhalb des zweiten Buches.
- Sequenza et Offertorio a quattro in concerto, 1662. Sequenz und Offertorium zu vier Stimmen mit Orgelbass, dem zweiten Buch beigegeben.
- Geistliche Monodien, Duette, Terzette, Quartette und Dialoge des zweiten Buches. Diese Werkgruppe bildet den Kern von Alleviis vokalem Concertato-Stil.
- Dialog beziehungsweise Werkbezug zu Isidoro Tortona. In der Überlieferung wird ein geistlicher Dialog des Schülers Isidoro Tortona erwähnt; dieser Hinweis ist für Alleviis Lehrer- und Werkstattumfeld wichtig.
Drittes Buch der Compositioni sacre
- Terzo libro delle Compositioni sacre a due, tre e quattro voci, accompagnate parte da violini, con sonate a tre, e le Letanie della Beatissima Vergine a quattro voci con il basso continuo, Bologna: Giacomo Monti, 1668. Dritter Druck, RISM A866, mit geistlichen Concertato-Stücken, drei Triosonaten und Litanien.
- O Iesu mi dulcissime. Geistliches Stück zu zwei Canti aus dem dritten Buch.
- O vos omnes. Geistliches Stück zu zwei Canti aus dem dritten Buch.
- Resonate tubae. Geistliches Stück zu zwei Canti; modern separat ediert und für die heutige Aufführungspraxis greifbar.
- Excitamini cives. Geistliches Stück zu zwei Canti; daneben ist ein weiterer mehrstimmiger Titel gleicher Anfangsworte im modernen Editionsumfeld greifbar.
- Sitientes populi. Geistliches Stück zu zwei Stimmen, Canto und Alto.
- In felix anima. Geistlicher Dialog zu zwei Stimmen, Canto und Alto.
- Venite gentes. Geistliches Stück zu zwei Stimmen, Canto und Alto.
- Obstupescite fideles. Geistliches Stück zu zwei Stimmen, Alto und Tenore.
- Plaudentes manibus. Geistliches Stück zu zwei Stimmen, Canto und Basso.
- Surrexit Salvator beziehungsweise Surrexit. Geistliches Stück zu zwei Stimmen, Canto und Basso, modern als Einzelausgabe erschlossen.
- Quam mihi obscura. Geistlicher Dialog zu zwei Stimmen, Alto und Basso.
- Vulnerata charitate. Geistlicher Dialog zu zwei Stimmen, Alto und Basso; in der Quelle mit Bezug auf Isidoro Tortona.
- Huc omnes currite. Geistlicher Dialog zu drei Stimmen, zwei Canti und Alto.
- Iam caeli micant flores. Geistlicher Dialog zu drei Stimmen, Canto, Alto und Basso.
- Fideles populi. Geistliches Stück zu drei Stimmen, Alto, Tenore und Basso.
- Plaudite caeli. Geistliches Stück zu drei Stimmen, Alto, Tenore und Basso.
- Sonata a 3 detta La Tortona. Triosonate aus dem dritten Buch, für zwei Violinen, Violone beziehungsweise Violoncello und Basso continuo zu erschließen.
- Sonata a 3 detta La Morella. Triosonate aus dem dritten Buch, Teil der instrumentalen Gruppe innerhalb der geistlichen Sammlung.
- Sonata a 3 detta La Tonola beziehungsweise in einzelnen älteren Angaben La Toscola. Dritte Triosonate des Drucks von 1668; die Namensform ist quellenkritisch zu prüfen.
- Tua Iesu dilectio. Vierstimmiges beziehungsweise vokal-instrumentales Stück mit zwei Canti und zwei Violinen; modern separat ediert.
- Exulta ora meum beziehungsweise in moderner Form Exulta cor meum. Geistliches Stück mit Canto, Alto und zwei Violinen; modern in Einzelausgaben greifbar.
- Litanie della Beatissima Vergine beziehungsweise Litanie della B. V.. Vierstimmige Litanien mit Basso continuo aus dem dritten Buch, wichtiges Beispiel für Alleviis liturgisch-devotionales Repertoire.
Weitere geistliche Werke und Domarchiv-Überlieferung
- Magnificat, achtstimmig mit Orgel. In Werk- und Quellenübersichten als Teil der handschriftlichen beziehungsweise archivalischen Überlieferung genannt.
- Salmi beziehungsweise Psalmvertonungen, achtstimmig mit Orgel. Mehrere handschriftliche Teile im Umfeld des Domarchivs von Piacenza sind mit Alleviis Namen verbunden.
- Weitere handschriftliche Kirchenmusik im Archiv der Kathedrale von Piacenza. Dazu gehören Psalm- und Magnificat-Bezüge sowie Materialien, die mit seiner Amtszeit als Domkapellmeister zusammenhängen.
Moderne Einzelausgaben und wiederaufführbares Repertoire
- Excitamini cives, Ausgabe für zwei Stimmen und Basso continuo, herausgegeben von Luigi Panzeri beziehungsweise Mario Valsecchi im Umfeld der Reihe Archivum Concentuum.
- Resonate tubae, Ausgabe für zwei Stimmen und Basso continuo.
- Surrexit Salvator, Ausgabe für zwei Stimmen und Basso continuo.
- Tua Iesu dilectio, Ausgabe für zwei Stimmen, zwei Violinen und Basso continuo.
- Excitamini cives, Ausgabe für drei Stimmen, zwei Violinen und Basso continuo.
- Litanie della Beata Vergine, Ausgabe für vier Stimmen und Basso continuo.
- Exulta cor meum, Ausgabe für zwei Stimmen, zwei Violinen und Basso continuo.
- 3 Sonate, Venedig beziehungsweise Bologna-Kontext 1668, moderne Ausgabe für zwei Violinen, Violone beziehungsweise Violoncello und Basso continuo.
Rezeption und editorische Hinweise
Giuseppe Allevi ist kein Komponist, dessen Nachruhm durch eine ununterbrochene Aufführungstradition gesichert blieb. Seine Rezeption ist vielmehr von Bibliotheken, Katalogen, Archivfunden, RISM-Nachweisen, Einzelstudien und modernen Editionen abhängig. Gerade dadurch ist er für ein Kulturlexikon interessant: An ihm lässt sich zeigen, wie viele Komponisten des 17. Jahrhunderts heute nicht durch ein populäres Meisterwerk, sondern durch Drucke, Stimmbücher, Dedikationen und lokale Archivzusammenhänge wieder sichtbar werden.
Ein zentrales editorisches Problem betrifft das Todesdatum. Die ältere Angabe, Allevi sei 1668 gestorben, hängt offenkundig mit dem letzten großen Druck und dem Nachweis seiner Tätigkeit in diesem Jahr zusammen. Die Angabe 1688 ist ebenfalls nicht als Hauptdatum zu übernehmen. Für diese Seite wird 18. Juli 1670 in Piacenza als maßgebliches Todesdatum verwendet. Die Metazeile nennt zugleich die Unsicherheit des Geburtsortes, weil einzelne Normdaten Piacenza oder Cremona nennen.
Auch die Werktitel verlangen Sorgfalt. Die Titel des 17. Jahrhunderts verwenden ältere Orthographie, variable Großschreibung und gelegentlich voneinander abweichende Formen. Deshalb werden im Werkverzeichnis moderne Lesbarkeit und historische Titelnähe miteinander verbunden. Wo Namensformen schwanken, etwa bei der dritten Triosonate La Tonola beziehungsweise La Toscola, wird die Unsicherheit ausdrücklich kenntlich gemacht.
Für die Binnenverlinkung ist Allevi ein sinnvolles Knotenlemma im Bereich italienische Barockmusik. Er verbindet Piacenza, Domkapelle, maestro di cappella, Motette, Basso continuo, Triosonate, Litanei, Requiem, Musikdruck und italienischen Barock.
Sekundärliteratur
- Bussi, Francesco: „Giuseppe Allevi detto Piacenza (1604–1670)“. In: Rivista internazionale di musica sacra, nuova serie, 23, 2002, Nr. 2, S. 120–132.
- Bussi, Francesco, Hg.: Giuseppe Allevi detto Piacenza: Monodie, Duetti, Terzetti, Quartetti, Dialoghi spirituali, Messa dei morti, Litanie della B. Vergine, Sonate a tre. Secondo e terzo libro delle Compositioni sacre. Firenze: Olschki, 2004. Historiae Musicae Cultores, Bd. 105.
- Blazey, David A.: The Litany in Seventeenth-Century Italy. Durham, Dissertation, 1990. Relevant für den Kontext italienischer Litanienvertonungen des 17. Jahrhunderts.
- Kurtzman, Jeffrey und Anne Schnoebelen: A Catalogue of Motets, Mass, Office and Holy Week Music Printed in Italy: 1516–1770. JSCM Instrumenta 2, 2014. Besonders RISM A866 zum dritten Buch Alleviis.
- Mensi, Luigi: Beiträge zur Musikgeschichte Piacenzas und zum dortigen Dom- und Stadtmusikleben.
- Mischiati, Oscar: Studien und Katalogarbeiten zu italienischer Musik des 17. Jahrhunderts, besonders zur Druck- und Quellenüberlieferung.
- Schmidl, Carlo: Artikel „Allevi, Giuseppe, detto Piacenza“. In: Enciclopedia Italiana. Rom: Istituto dell’Enciclopedia Italiana.
- Spezzaferri, Paolo und weitere Autoren: Arbeiten zu Piacenza musicale und zur Musikgeschichte der Stadt Piacenza.
- Vetro, Gaspare Nello: Dizionario della musica e dei musicisti del Ducato di Parma e Piacenza. Digital zugänglich über La Casa della Musica.
- Walker, Thomas, und weitere Autoren: Artikel und Nachschlagewerkbeiträge zu Giuseppe Allevi in Grove- beziehungsweise New-Grove-Zusammenhängen.
Ausgewählte Onlinequellen
- Bibliothèque nationale de France: Allevi, Giuseppe (1603?–1670) Normdaten- und Personeneintrag mit Lebensdaten, Geburtsortvariante, Todesdatum, Funktion als Komponist und Kapellmeister sowie Quellenhinweis auf die Bussi-Ausgabe.
- Biblioteca della Musica Bologna / Gaspari: Compositioni sacre, Libro secondo Katalogischer Nachweis zum zweiten Buch der Compositioni sacre mit Druck- und Bestandsangaben.
- Biblioteca della Musica Bologna / Gaspari: Terzo libro delle Compositioni sacre Katalogischer Nachweis zum dritten Buch von 1668, relevant für RISM A866 und die Bologna-Überlieferung.
- Dizionario della musica e dei musicisti del Ducato di Parma e Piacenza: Allevi Giuseppe Piacentinischer Fachartikel mit Angaben zu San Francesco, Santa Maria di Campagna, Werken, Drucken, Schüler Tortona und Bibliographie.
- Digitale Sammlungen: Recherche nach Giuseppe Allevi Rechercheportal für historische Drucke und Quellen, geeignet zur ergänzenden Suche nach Allevi-Drucken und älteren Katalogen.
- Durham E-Theses: The Litany in Seventeenth-Century Italy Dissertation mit Katalog- und Kontextmaterial zu italienischen Litanienvertonungen, darunter Alleviis Litanie della B. V. von 1668.
- IMSLP: Category Allevi, Giuseppe Freies Partiturportal mit Namensformen, Lebensdaten und zugänglichen Einzelseiten zu Werken Alleviis.
- IMSLP: Dilexi quoniam exaudiet Dominus Einzelseite zu einem geistlichen Werk Alleviis aus dem Umfeld der 1654er Compositioni sacre.
- MGG Online: Suche nach Giuseppe Allevi Fachlexikalisches Portal zur Musikgeschichte; für Allevi sind Lebensdaten, Werküberlieferung und Literaturhinweise einschlägig zu prüfen.
- RISM B/I: Komponistenindex RISM-Index mit Nachweisen zu Giuseppe Allevi in gedruckten Sammel- und Quellenzusammenhängen des 17. Jahrhunderts.
- Soprintendenza archivistica Emilia-Romagna: La musica in chiesa Publikation zu kirchlichen Musikbeständen, mit Hinweis auf Allevi als wichtige Figur im Musikarchiv der Kathedrale von Piacenza.
- Society for Seventeenth-Century Music / JSCM: Allevi 1668, RISM A866 Detaillierter Katalogeintrag zum dritten Buch der Compositioni sacre mit Titelseite, Widmung, Inhaltsverzeichnis, Besetzung und Quellenangabe.
- Treccani: Allèvi, Giuseppe, detto il Piacenza Kurzer italienischer Lexikonartikel zu Allevi als Musiker des 17. Jahrhunderts, maestro di cappella und Autor dreier Bücher geistlicher Kompositionen.
- Treccani Enciclopedia Italiana: Allevi, Giuseppe, detto Piacenza Älterer lexikalischer Fachartikel von Carlo Schmidl mit Werkübersicht und Angaben zu den Drucken von 1654, 1662 und 1668.
Weiterführende Einträge
- Barock Epoche und Stilrahmen, in dem Alleviis geistliche Concertato-Musik zu verorten ist.
- Basso continuo Grundlegende Satz- und Begleitpraxis des 17. Jahrhunderts, auf der Alleviis geistliche Musik beruht.
- Bernardo Morando Dichter des Textes zu Alleviis verschollenem Festballett Le ninfe del Po.
- Bologna Druckort des dritten Buches der Compositioni sacre von 1668.
- Concerto ecclesiastico Geistliches Konzertformat des 17. Jahrhunderts, das Alleviis Motetten und Dialogen stilistisch nahesteht.
- Concertato-Stil Barockes Kompositionsverfahren mit wechselnden vokalen und instrumentalen Kräften.
- Domkapelle Institutioneller Rahmen für Kapellmeister, Sänger, Organisten und geistliches Repertoire im 17. Jahrhundert.
- Farnese Herrscher- und Kulturkontext von Parma und Piacenza, wichtig für höfische Festkultur und Musikpflege.
- Festballett Repräsentative barocke Bühnenform, zu der Alleviis verschollenes Le ninfe del Po gehört.
- Generalbass Synonymer beziehungsweise verwandter Begriff zum Basso continuo, grundlegend für Alleviis Drucke.
- Geistliche Musik Hauptbereich von Alleviis kompositorischem Schaffen.
- Giacomo Monti Bologneser Drucker des dritten Buches der Compositioni sacre von 1668.
- Italienischer Barock Stil- und Kulturrahmen von Alleviis geistlicher und instrumentaler Musik.
- Isidoro Tortona Schüler Alleviis und im Werkzusammenhang der Compositioni sacre erwähnter Komponist beziehungsweise Autor eines geistlichen Dialogs.
- Kapellmeister Berufsrolle, die Alleviis Tätigkeit am Dom von Piacenza präzise beschreibt.
- Kirchenmusik Übergreifender Bereich der liturgischen und devotionalen Musik, in dem Alleviis Werk steht.
- Litanei Gebets- und Gesangsform, die Allevi in den Litanie della Beatissima Vergine vertonte.
- Maestro di cappella Italienische Amtsbezeichnung für den musikalischen Leiter einer Kirchen- oder Hofkapelle.
- Magnificat Biblischer Lobgesang, der in Alleviis archivalischer Überlieferung als mehrstimmige Vertonung begegnet.
- Maria Caterina Farnese Herzogin von Modena, deren Besuch in Piacenza zum Festkontext von Le ninfe del Po gehört.
- Motette Zentrale geistliche Gattung in Alleviis Compositioni sacre.
- Musikdruck Überlieferungsmedium, durch das Alleviis geistliche Werke bis heute greifbar sind.
- Offertorium Liturgischer Gesang beziehungsweise Messenteil, der in Alleviis zweitem Buch als konzertierende Vertonung erscheint.
- Piacenza Hauptwirkungsort Alleviis und Zentrum seiner Dom-, Kirchen- und Festmusik.
- Psalm Biblische Textgattung, die in der Dommusik und in Alleviis archivalischer Überlieferung wichtig ist.
- Requiem Totenmesse, deren vierstimmige Vertonung in Alleviis zweitem Buch enthalten ist.
- RISM Internationales Quellenverzeichnis, in dem Alleviis Musikdrucke und Sammelüberlieferungen nachgewiesen werden.
- Sacred Concerto Englischer Begriff für das geistliche Concertato-Repertoire des 17. Jahrhunderts.
- San Francesco, Piacenza Kirche und Bruderschaftskontext, in dem Allevi musikalisch tätig war.
- Santa Maria di Campagna Piacentinische Kirche, in der Allevi im Umfeld der Fastenmusik von 1653 nachweisbar ist.
- Sequenz Liturgische Gesangsform, die im zweiten Buch der Compositioni sacre als konzertierende Vertonung erscheint.
- Triosonate Instrumentalgattung, die im dritten Buch der Compositioni sacre mit drei Sonaten vertreten ist.
- Venedig Wichtiger Druckort der ersten beiden Bücher von Alleviis Compositioni sacre.
- Violine Instrument, das in mehreren Concertato-Stücken und in den Triosonaten Alleviis eine wichtige Rolle spielt.