Leone Allacci

Auch Lione Allacci, lat. Leo Allatius oder Leo Allacius, griech. Λέων Ἀλλάτιος; * 1588 in Chios, † 19. Januar 1669 in Rom; Theologe, Lehrer, Philologe, Bibliothekar, Handschriftenkundler, Schriftsteller und Literaturhistoriker; Sohn des Griechen Nicola Allatios.

Überblick

Leone Allacci gehört zu den auffälligsten Vermittlergestalten der europäischen Gelehrtenkultur des 17. Jahrhunderts. Er stammte aus Chios, wurde im griechisch-katholischen Bildungsraum Roms geprägt und verband griechische, lateinische, italienische, theologische, philologische und bibliothekarische Wissensformen. Seine kulturelle Bedeutung liegt nicht nur in einzelnen Schriften, sondern in der breiten Verbindung von byzantinischer Gelehrsamkeit, katholischer Theologie, Handschriftenkunde, Bibliographie, Theatergeschichte und römischer Bibliotheksorganisation.

Allacci war kein Autor eines eng begrenzten Fachgebiets. Er schrieb über die Beziehungen zwischen der lateinischen und der griechischen Kirche, über die Herkunft Homers, über byzantinische Autoren, über griechische Riten, über Zeitrechnung, über Handschriften, über literarische Namensgleichheiten, über italienische Dichter und über die dramatische Literatur Italiens. Diese Spannweite ist für die frühneuzeitliche Erudition typisch: Wissen erscheint nicht als modernes Spezialfach, sondern als gelehrte Verknüpfung von Texten, Namen, Handschriften, kirchlichen Traditionen, philologischen Korrekturen und bibliographischen Ordnungen.

Besonders berühmt wurde Allacci durch seine Rolle beim Transport der Bibliotheca Palatina von Heidelberg nach Rom. Dieser Vorgang war nicht nur eine bibliotheksgeschichtliche Episode, sondern ein kulturpolitisches Ereignis ersten Ranges. Die nach dem Dreißigjährigen Krieg aus Heidelberg nach Rom gelangten Handschriften wurden zu einem Teil der vatikanischen Sammlungen und veränderten die europäische Überlieferungsgeschichte. Allacci erscheint hier als Gelehrter, Organisator und Bibliothekar zugleich.

Für ein Kulturlexikon ist Allacci außerdem wegen seiner Drammaturgia wichtig. Dieses Werk ist eine der großen frühneuzeitlichen bibliographischen Unternehmungen zur italienischen Theaterliteratur. Es ordnet Dramen, Libretti, Aufführungs- und Drucktraditionen in mehreren Registern und wurde später erweitert. Dadurch berührt Allacci nicht nur Theologie- und Bibliotheksgeschichte, sondern unmittelbar auch Oper, Drama, Libretto, italienisches Theater und die Entstehung moderner literarischer Nachschlagewerke.

Kurzdaten

Name Leone Allacci.
Weitere Namensformen Lione Allacci, Leone Allacio, Leone Allazio, Leo Allatius, Leo Allacius, Leon Allatios, Λέων Ἀλλάτιος.
Geburt 1588 in Chios; zahlreiche Nachschlagewerke und Bibliothekskataloge führen abweichend 1586.
Tod 19. Januar 1669 in Rom.
Vater Nicola Allatios, griech. Namensform mit italienischen Anpassungen Allacci, Allaccio oder Allazio.
Beruf Theologe, Lehrer, Philologe, Bibliothekar, Handschriftenkundler, Schriftsteller, Literaturhistoriker und Autor bibliographischer Werke.
Wirkungsorte Chios, Paola, Neapel, Rom, Biblioteca Vaticana, Collegio Greco di Sant’Atanasio, Heidelberg und römische Gelehrtenkreise.
Konfessioneller Kontext Griechisch-katholische beziehungsweise römisch-katholische Gelehrtenwelt mit besonderem Interesse an der Beziehung zwischen griechischer und lateinischer Kirche.
Zentrale Kulturfelder Theologie, Philologie, Byzantinistik, Handschriftenkunde, Bibliotheksgeschichte, Theaterbibliographie, italienische Literaturgeschichte und frühneuzeitliche Erudition.
Hauptwerk De ecclesiae occidentalis atque orientalis perpetua consensione für die Unions- und Kirchentheologie sowie Drammaturgia für die Theater- und Opernbibliographie.
Bedeutung Allacci war eine Schlüsselfigur der römischen Gelehrsamkeit des 17. Jahrhunderts, ein Vermittler zwischen griechischer und lateinischer Tradition und ein bedeutender Bibliograph der italienischen Theaterkultur.

Name, Herkunft und Sprachräume

Der Name Leone Allacci ist bereits ein Hinweis auf die Mehrsprachigkeit seines Lebens. In italienischen Quellen erscheint er als Allacci, Allaccio oder Allazio, in lateinischen Kontexten als Allatius oder Allacius, in griechischen Zusammenhängen als Allatios. Diese Namensvielfalt ist nicht bloß eine orthographische Nebensache, sondern spiegelt Allaccis Stellung zwischen griechischer Kultur, römischer Kurie, lateinischer Gelehrsamkeit und italienischer Druckkultur.

Chios war im 16. und 17. Jahrhundert ein Ort intensiver kultureller Durchmischung. Die Insel stand im Schnittfeld griechischer, lateinischer, osmanischer, venezianischer und römisch-katholischer Interessen. Allaccis Herkunft aus einer griechischen Familie und seine spätere Ausbildung in Italien prägten seine gesamte wissenschaftliche Haltung. Er kannte die griechische Überlieferung nicht nur als Gegenstand, sondern als Herkunftsmilieu, und er schrieb dennoch im gelehrten Latein und Italienisch eines römisch-katholischen Autors.

Diese Doppelperspektive erklärt, weshalb Allacci in Fragen der Ostkirche und der Westkirche eine besondere Stellung einnahm. Er versuchte immer wieder, Übereinstimmungen zwischen griechischer und lateinischer Tradition hervorzuheben. Aus heutiger Sicht sind seine Thesen nicht wertfrei als moderne Ökumene zu verstehen, sondern als frühneuzeitliche katholische Unionsgelehrsamkeit. Dennoch bleibt seine Kenntnis griechischer Texte, Riten und Autoren für die Wissenschaftsgeschichte bemerkenswert.

Ausbildung und römische Gelehrtenkarriere

Allacci wurde früh nach Italien gebracht und erhielt dort eine Ausbildung, die ihn in die römische griechische Kollegialkultur einführte. Besonders wichtig war das Collegio Greco di Sant’Atanasio in Rom, das für die Ausbildung griechischer Katholiken gegründet worden war. Hier wurden griechische Sprachkenntnis, lateinische Schulung, Philosophie, Theologie und kirchliche Disziplin miteinander verbunden. Allacci studierte die klassischen Sprachen, Philosophie und Theologie und erwarb sich eine ungewöhnlich breite philologische Grundlage.

Sein Weg führte ihn zeitweise auch zur Medizin. Er studierte unter Giulio Cesare Lagalla und erwarb 1616 den Doktorgrad der Medizin. Diese medizinische Episode ist für das Verständnis Allaccis nicht nebensächlich, weil sie die Breite frühneuzeitlicher Gelehrsamkeit zeigt. Medizin, Aristotelismus, Naturphilosophie, Textkritik und Theologie konnten im 17. Jahrhundert in derselben Bildungsbiographie zusammenkommen.

In Rom wurde Allacci als Lehrer und Gelehrter tätig. Er unterrichtete Rhetorik am griechischen Kolleg, arbeitete in der Biblioteca Vaticana und wurde als griechischer Schreiber beziehungsweise Sachkundiger für griechische Handschriften geschätzt. Sein römischer Aufstieg beruhte auf Sprachkenntnis, Handschriftenkenntnis, kirchlicher Loyalität und der Fähigkeit, griechische Texte in lateinisch-römische Ordnungen zu übertragen.

Bibliotheken, Handschriften und Bibliotheca Palatina

Allaccis Name ist dauerhaft mit der Geschichte der Bibliotheken verbunden. Als Mitarbeiter der Biblioteca Vaticana war er an der Ordnung griechischer Handschriften beteiligt. Ihm wird eine wichtige Rolle bei der Erfassung des griechischen vatikanischen Handschriftenbestandes zugeschrieben. Damit gehört er zu jenen frühneuzeitlichen Gelehrten, die nicht nur Bücher lasen, sondern Sammlungen ordneten, Kataloge vorbereiteten, Texte identifizierten und überlieferte Materialien für spätere Forschung zugänglich machten.

Der spektakulärste Vorgang seiner Laufbahn war die Überführung der Bibliotheca Palatina aus Heidelberg nach Rom im Jahr 1622. Nach der Eroberung Heidelbergs im Dreißigjährigen Krieg wurde die berühmte kurpfälzische Bibliothek dem Papst übergeben. Allacci leitete den Transport der Handschriften und Drucke über die Alpen. Dadurch wurde er zur Hauptfigur eines Ereignisses, das bis heute für die europäische Bibliotheks- und Sammlungsgeschichte zentral ist.

Die Bibliotheca Palatina war keine gewöhnliche Gelehrtenbibliothek, sondern eine der bedeutendsten Sammlungen Europas. Ihre Verlagerung nach Rom war ein Akt konfessioneller, politischer und kultureller Aneignung. Allacci bewegte sich dabei zwischen praktischer Organisation, bibliothekarischer Sachkunde und päpstlicher Kulturpolitik. Der Vorgang zeigt, wie eng im 17. Jahrhundert Dreißigjähriger Krieg, Konfession, Bibliothekspolitik und Wissenschaftsgeschichte verbunden waren.

Nach späteren Stationen im Umfeld römischer Kardinäle wurde Allacci 1661 zum ersten Kustos der Biblioteca Vaticana ernannt. Diese Stellung machte ihn zu einer institutionellen Leitfigur der vatikanischen Bibliotheksverwaltung. Zugleich hinterließ er umfangreiche Manuskripte und Korrespondenzen, besonders in der Biblioteca Vallicelliana. Seine Nachlassgeschichte zeigt, dass Allacci nicht nur als gedruckter Autor, sondern auch als Sammler, Abschreiber, Briefpartner und Organisator von Gelehrtenwissen verstanden werden muss.

Theologie und Unionsgelehrsamkeit

Allaccis theologische Arbeiten stehen im Zeichen des Verhältnisses von griechischer und lateinischer Kirche. Sein bekanntestes theologisches Werk, De ecclesiae occidentalis atque orientalis perpetua consensione, versucht eine dauerhafte Übereinstimmung zwischen West- und Ostkirche herauszuarbeiten. Aus römisch-katholischer Perspektive werden Differenzen nicht geleugnet, aber systematisch abgeschwächt oder als missverständlich erklärt. Dadurch entsteht ein Modell konfessioneller Argumentation, das auf gelehrter Textkenntnis beruht.

Allacci interessierte sich besonders für die griechischen Kirchenväter, für byzantinische Theologen, für liturgische Bräuche und für kontroverstheologische Streitpunkte wie die Filioque-Frage, das Fegefeuer, die Photianische Synode, die eucharistische Praxis und das Verhältnis von römischem Primat und griechischer Tradition. Seine Texte gehören damit zur Geschichte der Kontroverstheologie, aber auch zur Geschichte der wissenschaftlichen Erschließung byzantinischer Quellen.

Seine Methode ist typisch frühneuzeitlich. Allacci sammelt Autoritäten, zitiert griechische und lateinische Texte, ordnet Zeugnisse, widerlegt Gegner und versucht, heterogene Traditionen in eine konfessionell bestimmte Systematik einzufügen. Moderne Forschung wird seine Schlussfolgerungen daher kritisch prüfen. Kulturgeschichtlich bleibt jedoch entscheidend, dass Allacci griechische Materialien in großer Fülle in den lateinischen Gelehrtendiskurs einspeiste.

Literaturgeschichte, Theaterbibliographie und Kulturwirkung

Neben der Theologie ist Allacci für die Literatur- und Theatergeschichte von besonderer Bedeutung. Mit den Poeti antichi und vor allem mit der Drammaturgia arbeitete er an einer systematischen Erfassung italienischer Literatur. Die Drammaturgia ist dabei nicht einfach eine Titelliste, sondern ein Versuch, die verstreute Produktion des italienischen Theaters bibliographisch zu ordnen. Für Operngeschichte, Musiktheater, Komödie, Tragödie und Schauspiel ist dieses Werk ein wichtiger historischer Bezugspunkt.

Allacci stand damit in einer Entwicklung, in der Bibliographie und Literaturgeschichte langsam als eigene Kulturtechniken hervortreten. Frühneuzeitliche Theaterstücke, Opernlibretti, Festspiele, geistliche Spiele und höfische Aufführungen waren oft ephemer, verstreut gedruckt oder nur schwer nachweisbar. Eine bibliographische Ordnung solcher Texte war deshalb nicht bloß Hilfsarbeit, sondern eine Form kultureller Gedächtnisbildung.

Seine philologischen Diatriben über Homer, Psellos, die verschiedenen Georgios-Autoren oder die verschiedenen Symeon-Autoren zeigen denselben Ordnungswillen. Allacci reagiert auf Namensgleichheit, Überlieferungsprobleme und Zuschreibungsunsicherheit. Er versucht, Autoren zu unterscheiden, Werke zuzuordnen und literarische Geschichte durch bibliographische Präzision zu stabilisieren. Gerade darin berührt er moderne Interessen der Autorschaftsforschung, Textkritik und Buchgeschichte.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis erfasst die wichtigsten gedruckten, nachgewiesenen und in den einschlägigen digitalen Katalogen greifbaren Werke Allaccis. Bei Allacci ist zwischen selbständigen Schriften, Editionen, Übersetzungen, Gelegenheitsdichtungen, Sammelwerken, Nachlassmaterialien und später erweiterten Ausgaben zu unterscheiden. Die Titel werden in normalisierter Form wiedergegeben; orthographische Varianten der Originaldrucke sind bei frühneuzeitlichen lateinischen und italienischen Titeln üblich.

Theologie, Kirchenunion und griechisch-lateinische Kontroverse

  • De aetate et interstitiis in collatione ordinum etiam apud Graecos servandis. Rom 1638. Abhandlung zu Weihealter, Weiheabständen und griechischer kirchlicher Praxis.
  • De ecclesiae occidentalis atque orientalis perpetua consensione libri tres. Köln 1648. Hauptwerk zur behaupteten dauerhaften Übereinstimmung zwischen West- und Ostkirche; verbunden mit Dissertationen zu griechischen Sonntagen, Wochen und zur Messe der Vorgeweihten.
  • De dominicis et hebdomadibus Graecorum. In Verbindung mit der Ausgabe von De ecclesiae occidentalis atque orientalis perpetua consensione überliefert; Abhandlung zu liturgischer Zeitordnung der Griechen.
  • De missa praesanctificatorum. In Verbindung mit der Ausgabe von De ecclesiae occidentalis atque orientalis perpetua consensione überliefert; Abhandlung zur Liturgie der vorgeweihten Gaben.
  • De utriusque ecclesiae occidentalis atque orientalis perpetua in dogmate de purgatorio consensione. Rom 1655. Kontroverstheologische Schrift zur Lehre vom Fegefeuer.
  • Dissertatio exponens utriusque ecclesiae orientalis et occidentalis consensionem perpetuam in dogmate de purgatorio. 1655 beziehungsweise 1656 in weiteren Drucken nachweisbar; thematisch mit der Purgatoriumsschrift verbunden.
  • Graecia orthodoxa. Rom 1652 und 1659. Sammlung griechischer theologischer Texte, besonders zur Lehre vom Hervorgang des Heiligen Geistes.
  • Ioannes Henricus Hottingerus, fraudis et imposturae manifestae convictus. Rom 1661. Polemische Schrift gegen Johann Heinrich Hottinger.
  • De octava synodo Photiana. Rom 1662. Schrift zur sogenannten achten photianischen Synode und zur griechisch-lateinischen Kirchengeschichte.
  • Vindiciae Synodi Ephesinae et Sancti Cyrilli, de processione ex Patre et Filio Spiritus Sancti. Rom 1661. Schrift zur Ephesinischen Synode, zu Kyrill von Alexandrien und zur Filioque-Kontroverse.
  • In Roberti Creyghtoni Apparatum, versionem et notas ad historiam Concilii Florentini exercitationes. Rom 1665. Auseinandersetzung mit Robert Creighton und der Überlieferung zur Florentiner Konzilsgeschichte.
  • Fides ecclesiae orientalis. Postum im Zusammenhang mit Gabriel von Philadelphia, Jean Morin, Richard Simon und Abraham Ecchellensis überliefert; wichtig für den Komplex östlicher Glaubenszeugnisse.

Griechische Literatur, Byzantinistik und philologische Diatriben

  • De Psellis et eorum scriptis diatriba. Rom 1634. Philologische Schrift zur Unterscheidung verschiedener Autoren namens Psellos.
  • De patria Homeri. Lyon 1640. Abhandlung über die Heimat Homers.
  • Excerpta varia Graecorum Sophistarum ac Rhetorum. Rom 1641. Edition beziehungsweise Sammlung griechischer sophistischer und rhetorischer Texte.
  • De Georgiis et eorum scriptis diatriba. Paris 1651. Untersuchung zu Autoren namens Georgios und ihren Schriften.
  • De Symeonum scriptis diatriba. Paris 1664. Untersuchung zu Autoren namens Symeon und ihren Schriften.
  • Symeonis Metaphrastae laudatio auctore Michaele Psello. Paris 1664. Edition beziehungsweise Veröffentlichung im Zusammenhang mit der Symeon-Überlieferung.
  • Sanctae Mariae planctus, ipso Metaphraste auctore. Paris 1664. Textausgabe im Zusammenhang mit Symeon Metaphrastes.
  • Michaelis Pselli epistolae. In Verbindung mit den Symeon- und Psellos-Studien überliefert.
  • Ptolemaei Evergetae III Aegyptiorum regis monumentum Adulitanum. Rom 1631. Edition und Erläuterung zum Monumentum Adulitanum.
  • De Nilis et eorum scriptis diatriba. Nachweisbar im weiteren Korpus der Allacci-Diatriben; Untersuchung zu Autoren namens Nilos.
  • De Theodoris et eorum scriptis diatriba. In der Allacci-Überlieferung bezeugte philologische Untersuchung zu Autoren namens Theodoros.

Bibliotheks-, Handschriften- und Buchgeschichte

  • Relazione sul trasporto della Biblioteca Palatina da Heidelberg a Roma. Bericht über den Transport der Bibliotheca Palatina; erst später gedruckt, aber als Quelle für Allaccis bibliotheksgeschichtliche Rolle zentral.
  • De libris et rebus ecclesiasticis Graecorum dissertationes et observationes variae. Paris 1645 beziehungsweise 1646. Sammlung von Abhandlungen und Beobachtungen zu griechischen kirchlichen Büchern und Gegenständen.
  • De cryptographia Graecorum recentiorum epistola. Wien 1657. Schrift zur neueren griechischen Geheimschrift beziehungsweise Kryptographie.
  • De mensura temporum antiquorum et praecipue Graecorum exercitatio. Köln 1645. Abhandlung zur antiken, besonders griechischen Zeitrechnung.
  • Summikta sive opusculorum Graecorum et Latinorum libri duo. Köln 1653. Sammlung kleinerer griechischer und lateinischer Texte, herausgegeben von Bartoldus Nihusius.
  • Bibliotheca Scriptorum Graecorum. Von Allacci vorbereitet beziehungsweise in seinem Umfeld geplant; in den Quellen als bibliographisches Projekt zur griechischen Autorentradition genannt.
  • Catalogi, Indices und handschriftliche Arbeitsmaterialien zur Biblioteca Vaticana. Kein geschlossenes Druckwerk, aber für Allaccis Wirkung als Bibliothekar und Handschriftenordner wesentlich.

Altertumskunde, Naturphilosophie und antiquarische Gelehrsamkeit

  • Animadversiones in antiquitatum Etruscarum fragmenta ab Inghiramio edita. Paris 1640 und Rom 1642. Kritik und Erläuterung zu den von Curzio Inghirami publizierten angeblichen etruskischen Altertümern.
  • In antiquitatum Etruscarum fragmenta ab Inghiramio edita animadversiones. Variante beziehungsweise weitere Ausgabe der Inghirami-Schrift.
  • De magnete. Handschriftlich überlieferte Arbeit zum Magneten; in der jüngeren Forschung als Beispiel Allaccis naturkundlicher und bibliothekarischer Interessen behandelt.
  • De praeputio Domini Nostri Jesu Christi diatriba. In der Überlieferung als ungewöhnliche antiquarisch-theologische Abhandlung genannt; nicht als zentraler Druck der Allacci-Rezeption zu behandeln.

Italienische Literatur, Theater, Dichtung und Musiktheater

  • Poeti antichi raccolti da codici manoscritti della Biblioteca Vaticana e Barberina. Neapel 1661. Sammlung älterer italienischer Dichter aus vatikanischen und barberinischen Handschriften.
  • Illustrazioni zu den Poeti antichi. Erläuterungen zu den edierten älteren italienischen Dichtern; später wieder gedruckt.
  • Drammaturgia di Leone Allacci divisa in sette indici. Rom 1666. Großes bibliographisches Werk zur dramatischen Literatur Italiens, wichtig auch für Opern- und Librettoforschung.
  • Drammaturgia di Lione Allacci accresciuta e continuata fino all’anno 1755. Venedig 1755. Erweiterte und fortgesetzte Ausgabe des Werkes, nicht mehr allein Allaccis Originalfassung, aber für die Rezeptionsgeschichte grundlegend.
  • Apes urbanae. Rom 1633. Gelehrtes Werk mit literarisch-kulturhistorischer Bedeutung; später modern ediert.
  • Eridanus. Gelegenheitsdichtung beziehungsweise poetisches Werk im Kontext lateinischer und griechischer Humanistendichtung.
  • Hellas in natales Delphini Gallici. Rom 1642. Gelegenheitsdichtung zur Geburt des französischen Dauphins.
  • Melissolyra de laudibus Dionysii Petavii Societatis Iesu presbyteri. 1653. Lobgedicht auf Denis Pétau.
  • Licetus Leonis Allatii carmine expressus. 1641. Poetisches Gelegenheitsstück im Umfeld gelehrter Personen- und Freundschaftsdichtung.
  • Gedichte für Christina von Schweden. In der Forschung als Teil von Allaccis gelegentlicher griechischer und lateinischer Dichtung genannt.

Biographische, editorische und sonstige Schriften

  • Iulii Caesaris Lagallae vita. Paris 1644. Biographie des Philosophen und Mediziners Giulio Cesare Lagalla.
  • Vita e morte del P. F. Alessandro Baldrati da Lugo, fatto morire nella Città di Scio da’ Turchi per la Fede Cattolica li 10 di Febraro 1645. Hagiographisch-martyrologische Schrift mit Bezug auf Chios.
  • Confutatio fabulae de Johanna Papissa ex monumentis Graecis. Köln 1645. Widerlegung der Erzählung von der Päpstin Johanna anhand griechischer Zeugnisse.
  • In Roberti Creyghtoni apparatum exercitationes. 1665. Auch als kontroverstheologische und quellenkritische Schrift zur Konzilsgeschichte zu führen.
  • Briefwechsel. Umfangreiche Korrespondenz mit europäischen Gelehrten; für die Geschichte frühneuzeitlicher Wissenskommunikation besonders wichtig.
  • Unveröffentlichte Manuskripte und Sammlungen in der Biblioteca Vallicelliana. Umfangreicher handschriftlicher Nachlass mit philologischen, antiquarischen und theologischen Materialien.

Überlieferung und editorische Hinweise

Die Überlieferung von Allaccis Werk ist komplex. Ein Teil seiner Schriften erschien in Rom, Paris, Köln, Lyon und anderen Druckorten des 17. Jahrhunderts. Ein anderer Teil blieb handschriftlich oder wurde erst später ediert. Zusätzlich existieren erweiterte Ausgaben, Nachdrucke und bibliographische Fortsetzungen, besonders bei der Drammaturgia. Deshalb muss bei Allacci immer zwischen Originaldruck, späterer Ausgabe, postumer Erweiterung und Handschriftennachlass unterschieden werden.

Die ältere Forschung verweist für die möglichst vollständige Werkzählung auf Émile Legrands Bibliographie hellénique du XVIIe siècle. Moderne digitale Nachweise wie PRDL, Internet Archive, e-rara, Google Books, Open Library, Europeana und nationale Bibliotheksportale machen inzwischen viele Drucke auffindbar, ersetzen aber nicht die kritische Prüfung der jeweiligen Ausgabe. Für den praktischen Kulturlexikongebrauch ist wichtig, dass Allacci als Autor, Herausgeber, Übersetzer, Sammler, Bibliograph und Polemiker erscheint.

Auch die Lebensdaten sind nicht ganz einheitlich. In vielen neueren Katalogen und Lexika steht 1586 als Geburtsjahr; die hier verwendete Lemmadatierung folgt der Vorgabe 1588 und weist die abweichende Datierung aus. Der Tod am 19. Januar 1669 in Rom ist dagegen stabil überliefert. Die Namensformen sind ebenfalls variabel, weil italienische, lateinische und griechische Traditionen nebeneinanderstehen.

Sekundärliteratur

  • Canart, Paul: Les Vaticani graeci 1487–1962. Notes et documents pour l’histoire d’un fonds de manuscrits de la Bibliothèque Vaticane. Città del Vaticano 1979.
  • Frazee, Charles A.: „Leon Allatios: A Greek Scholar of the Seventeenth Century“. In: Modern Greek Studies Yearbook 1, 1985.
  • Gallucci, Giorgia und Luca Giovannini: „Un mare senza lidi: modellazione ed esplorazione della Drammaturgia di Leone Allacci“. In: Umanistica Digitale, 2025.
  • Gradi, Stefano: „Leonis Allatii vita“. In: Angelo Mai, Hg.: Nova Bibliotheca Patrum, Bd. 6, Teil 2. Rom 1853.
  • Hartnup, Karen: On the Beliefs of the Greeks: Leo Allatios and Popular Orthodoxy. Leiden/Boston 2004.
  • Jacono, Carmela: Bibliografia di Leone Allacci (1588–1669). In appendice una nota biografica e una notizia sull’Epistolario Allacciano. Palermo 1962.
  • Lämmer, Hugo: De Leonis Allatii codicibus qui Romae in Bibliotheca Vallicellana asservantur schediasma. Freiburg im Breisgau 1864.
  • Legrand, Émile: Bibliographie hellénique du XVIIe siècle, Bd. 3. Paris 1895.
  • Lerner, Michel-Pierre, Hg.: Leone Allacci: Apes Urbanae. Aurifodina Philosophica, 1998.
  • Martini, Emidio: Catalogo di manoscritti greci esistenti nelle biblioteche italiane, Bd. 2. Mailand 1902.
  • Mazzi, Curzio: Leone Allacci e la Palatina di Heidelberg. Bologna 1893.
  • Montepaone, Olivia: „Carte Allacci: Notes on the Fate of Leone Allacci’s Manuscripts“. In: Atene e Roma, 2022.
  • Montepaone, Olivia: „One of the Most Curious Monuments of Antiquity: Leone Allacci and the Monumentum Adulitanum“. 2024.
  • Musti, Domenico: „Allacci, Leone“. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Rom: Istituto dell’Enciclopedia Italiana.
  • Petit, Louis: „Allatius, Leo“. In: Dictionnaire de théologie catholique, Bd. 1. Paris 1900.
  • Surace, Daniela: „Vita e opere di Leone Allacci“. In: Claudia Montuschi, Hg.: Storia della Biblioteca Apostolica Vaticana. III. La Vaticana nel Seicento (1590–1700): una biblioteca di biblioteche. Città del Vaticano 2014.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Autorschaft Grundbegriff für Allaccis philologische Arbeit an Namensgleichheiten, Zuschreibungen und Werkzuordnungen.
  • Bibliographie Kulturtechnik der Titel-, Werk- und Überlieferungsordnung, die bei Allacci besonders in der Drammaturgia sichtbar wird.
  • Bibliotheca Palatina Heidelberger Sammlung, deren Transport nach Rom Allacci 1622 leitete.
  • Biblioteca Vaticana Zentrale römische Bibliothek, an der Allacci als griechischer Schreiber und später als Kustos wirkte.
  • Buchgeschichte Forschungsfeld, in dem Allaccis Drucke, Handschriftenarbeit, Kataloge und Bibliothekskontakte wichtig sind.
  • Byzantinistik Späterer Fachbegriff für einen Bereich, den Allacci durch Editionen und Studien zu griechisch-byzantinischen Autoren vorbereitete.
  • Chios Griechische Insel und Herkunftsort Allaccis, kulturell zwischen griechischer, lateinischer und osmanischer Welt gelegen.
  • Collegio Greco di Sant’Atanasio Römische Bildungsinstitution für griechische Katholiken, die Allaccis Ausbildung entscheidend prägte.
  • Dreißigjähriger Krieg Politisch-konfessioneller Kontext der Verlagerung der Bibliotheca Palatina nach Rom.
  • Drama Literarische Gattung, deren italienische Druck- und Aufführungstradition Allacci bibliographisch erschloss.
  • Erudition Frühneuzeitliche Gelehrsamkeit, die Textkenntnis, Antiquaria, Theologie, Philologie und Bibliographie miteinander verband.
  • Filioque Theologischer Streitpunkt zwischen Ost- und Westkirche, der in Allaccis kontroverstheologischen Schriften eine wichtige Rolle spielt.
  • Frühe Neuzeit Epoche, in der Allaccis Gelehrsamkeit, Bibliotheksarbeit und konfessionelle Wissenschaftskultur zu verorten sind.
  • Griechische Kultur Herkunfts- und Arbeitsfeld Allaccis, besonders in Sprache, Handschriften, Theologie und byzantinischer Überlieferung.
  • Handschriftenkunde Hilfswissenschaft, die Allaccis Arbeit an griechischen Codices und vatikanischen Beständen erschließt.
  • Italienisches Theater Kulturfeld, das Allacci mit der Drammaturgia bibliographisch ordnete.
  • Katholische Theologie Konfessioneller Denk- und Schreibraum von Allaccis Werken zur Einheit von Ost- und Westkirche.
  • Kontroverstheologie Streit- und Begründungsliteratur, zu der Allaccis Schriften gegen protestantische und orthodoxe Einwände gehören.
  • Libretto Textform des Musiktheaters, für deren historische Erforschung Allaccis Theaterbibliographie wichtige Nachweise bietet.
  • Oper Musiktheatrale Gattung, die im Umfeld der von Allacci dokumentierten italienischen Theater- und Librettodrucke wichtig ist.
  • Ostkirche Kirchlicher Traditionsraum, dessen Riten, Texte und Theologien Allacci aus römisch-katholischer Perspektive untersuchte.
  • Philologie Text- und Sprachwissenschaft, die Allaccis Arbeiten zu Homer, Psellos, Georgios und Symeon grundlegend bestimmt.
  • Rom Hauptwirkungsort Allaccis und Zentrum seiner theologischen, bibliothekarischen und philologischen Tätigkeit.
  • Textkritik Methode zur Prüfung von Überlieferung, Autorschaft und Varianten, die Allaccis gelehrte Arbeit voraussetzt.
  • Theatergeschichte Forschungsfeld, für das Allaccis Drammaturgia als frühe bibliographische Grundlage bedeutend ist.
  • Westkirche Lateinisch-römischer Traditionsraum, mit dem Allacci die griechische Kirche theologisch in Beziehung setzen wollte.