Gebr. Alexander, Rheinische Musikinstrumentenfabrik GmbH

Instrumentenbauer und Musikinstrumentenmanufaktur in Mainz; gegründet 1782 von Franz Ambros Alexander (* 22. Juli 1753 in Miltenberg am Main; † 1. Dezember 1802 in Mainz).

Überblick

Die Gebr. Alexander, Rheinische Musikinstrumentenfabrik GmbH in Mainz ist eine der traditionsreichsten deutschen Musikinstrumentenmanufakturen. Ihr Ursprung liegt in der 1782 von Franz Ambros Alexander gegründeten Mainzer Werkstatt. Aus einem handwerklichen Betrieb für Blasinstrumente entwickelte sich ein international bekannter Hersteller von Metallblasinstrumenten, besonders von Waldhörnern, Wagnertuben, Tuben, Trompeten, Flügelhörnern, Tenorhörnern und Baritonen.

Kulturgeschichtlich ist Gebr. Alexander nicht nur als Firma, sondern als Beispiel einer über Generationen fortgeführten Instrumentenbaudynastie bedeutsam. Die Geschichte reicht von der spätkurfürstlichen Handwerksordnung in Mainz über den Holzblasinstrumentenbau des frühen 19. Jahrhunderts und die Blechblasinstrumentenentwicklung des 19. Jahrhunderts bis zur modernen Spezialmanufaktur. Besonders eng ist der Name Alexander mit der Entwicklung des Waldhornbaus verbunden. Das 1909 entwickelte und patentierte Doppelhorn Modell 103 wurde zu einem der prägenden professionellen Hornmodelle des 20. und 21. Jahrhunderts.

Der Eintrag behandelt die Firma deshalb in drei Perspektiven: erstens als Mainzer Handwerks- und Familienunternehmen, zweitens als innovativen Instrumentenbauer im Bereich Metallblasinstrumente und drittens als kulturgeschichtliche Schnittstelle zwischen Werkstattpraxis, Orchesterklang, Wagner-Rezeption, deutscher Hornschule und internationalem Profimusikbetrieb.

Kurzdaten

Name Gebr. Alexander, Rheinische Musikinstrumentenfabrik GmbH.
Kurzformen Gebr. Alexander, Gebrüder Alexander, Alexander Mainz, Musik Alexander.
Gründung 1782 in Mainz durch Franz Ambros Alexander.
Gründer Franz Ambros Alexander, * 22. Juli 1753 in Miltenberg am Main, † 1. Dezember 1802 in Mainz.
Beruf des Gründers Instrumentenmacher, Dreher und Hersteller von Blasinstrumenten; in den Mainzer Aufnahmeakten als „blasender Instrumentenmacher“ bezeichnet.
Sitz Mainz, heute Robert-Koch-Straße 10, 55129 Mainz.
Unternehmensform Rheinische Musikinstrumentenfabrik GmbH; die Umwandlung in eine GmbH erfolgte 1954.
Leitung Philipp Alexander beziehungsweise Georg Philipp Alexander als Vertreter der siebten Generation der Familie Alexander.
Spezialisierung Metallblasinstrumente, insbesondere Waldhörner, Doppelhörner, Diskanthörner, Tripelhörner, Naturhörner, Wagnertuben, Tuben, Trompeten, Flügelhörner, Tenorhörner und Baritone.
Historische Schwerpunkte Zunächst Holzblas- und andere Blasinstrumente, später zunehmend Blech- beziehungsweise Metallblasinstrumente; seit dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert besonders Hornbau.
Schlüsselmodell F/B-Doppelhorn Modell 103, 1909 entwickelt und patentiert; bis heute eines der bekanntesten professionellen Alexander-Hörner.
Kulturelle Bedeutung Mainzer Instrumentenbautradition, deutscher Metallblasinstrumentenbau, Hornbau, Wagnertube, Orchesterklang, handwerkliche Manufaktur und internationale Musikerpraxis.

Franz Ambros Alexander und die Gründung

Franz Ambros Alexander wurde am 22. Juli 1753 in Miltenberg am Main geboren. Seine Familie wird in der Überlieferung mit einer französischen Hugenottenlinie verbunden, deren Vorfahren im 17. Jahrhundert aus dem Raum Sedan nach Deutschland gelangten. Für seine Jugendzeit ist wenig gesichert; die Mainzer Überlieferung hebt jedoch hervor, dass er eine für seine Zeit ungewöhnlich breite instrumentenbauerische Ausbildung besaß und mit Holz, Bein und Messing umgehen konnte.

1782 wandte sich Franz Ambros Alexander an die kurfürstliche Mainzer Verwaltung, um als Instrumentenmacher in die Bürgerschaft aufgenommen zu werden und in Mainz heiraten zu dürfen. Das Gesuch ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Es zeigt, dass Musikinstrumentenbau im späten 18. Jahrhundert nicht nur künstlerisches Handwerk war, sondern rechtlich, städtisch und zunftmäßig geregelt wurde. Alexander musste sich in ein Handwerkssystem einfügen, das für einen spezialisierten Blasinstrumentenmacher noch keine selbstverständliche Kategorie bereithielt.

In Mainz gründete er 1782 einen kleinen Handwerksbetrieb zur Herstellung von Musikinstrumenten. Der Betrieb stellte anfangs vor allem Holzblasinstrumente beziehungsweise Blasinstrumente im weiteren Sinn her. In der regionalgeschichtlichen Überlieferung wird außerdem darauf verwiesen, dass Alexander als Lautenmacher bezeichnet wurde und auch Saiteninstrumente eine Rolle gespielt haben können. Ob Schlaginstrumente zum frühen Fertigungsspektrum gehörten, ist nicht sicher belegt.

Franz Ambros Alexander starb am 1. Dezember 1802 in Mainz. Seine Werkstatt wurde zunächst von seiner Witwe und mehreren Söhnen weitergeführt. Damit begann jene generationenübergreifende Familienkontinuität, die für die spätere Firma Gebr. Alexander charakteristisch wurde.

Firmengeschichte in Generationen

Die Geschichte von Gebr. Alexander ist eine Familien- und Werkstattgeschichte über mehr als zwei Jahrhunderte. Sie ist nicht als lineare Erfolgsgeschichte ohne Brüche zu verstehen. Kriege, Standortwechsel, technische Umstellungen, wirtschaftliche Krisen, zerstörte Werkstätten und veränderte Orchesteranforderungen prägten die Entwicklung ebenso wie handwerkliche Kontinuität, Erfindung, Spezialisierung und internationale Nachfrage.

1. Generation: Franz Ambros Alexander (1753–1802) 1782 zog Franz Ambros Alexander von Miltenberg nach Mainz, wurde in die Handwerkszunft aufgenommen und gründete einen kleinen Betrieb zur Herstellung von Musikinstrumenten. Die frühe Produktion war vor allem von Holzblas- und Blasinstrumenten geprägt.
2. Generation: Philipp Alexander (1787–1864) und Kaspar Anton Alexander (1803–1872) Nach dem Tod des Gründers führten zunächst die Witwe und die Söhne Claudius, Martin und Philipp den Betrieb weiter. 1826 kehrte der zum Holzblasinstrumentenbauer ausgebildete Kaspar Anton Alexander in das Unternehmen zurück. Die Brüder Philipp und Kaspar Anton gelten als eigentliche Begründer der Firma Gebrüder Alexander.
3. Generation: Franz Anton Alexander (1838–1926) und Georg Philipp Alexander (1843–1897) In den 1860er Jahren gewann der Blechblasinstrumentenbau deutlich an Bedeutung. Franz Anton wurde zu einer prägenden Fachfigur; Georg Philipp erhielt eine Ausbildung als Blechblasinstrumentenmacher in Sachsen, Wien und Prag. In dieser Generation begann der wirtschaftliche Aufschwung des Unternehmens im Bereich der Metallblasinstrumente.
Richard Wagner und die Wagnertube 1862 nahm Richard Wagner auf der Suche nach einem neuen Klang für den Ring des Nibelungen Kontakt mit Alexander in Mainz auf. Die Firma war an der Vervollkommnung der Horntuben beziehungsweise Wagnertuben beteiligt und wurde dadurch Teil der Klanggeschichte des spätromantischen Orchesters.
4. Generation: Friedrich Sebastian Anton Alexander (1873–1913) und Georg Philipp Alexander jun. (1879–1916) 1909 gelang die unternehmensgeschichtlich entscheidende Entwicklung des voll ausgebauten Doppelhorns Modell 103. Das Patent auf ein F/B-Doppelhorn mit Umschaltventil wurde zu einem Grundstein des modernen Alexander-Hornbaus. Der frühe Tod Friedrich Sebastian Antons und der Kriegstod Georg Philipp Alexanders jun. belasteten die Firma schwer.
5. Generation: Philipp Johann Christoph Alexander (1904–1971) Philipp Johann Christoph Alexander übernahm 1925 die Leitung. Die Weltwirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg und die Zerstörung der Werkstatt stellten die Existenz des Unternehmens infrage. Durch persönlichen Einsatz, Rückkehr überlebender Mitarbeiter und Wiederaufbau gewann die Firma nach 1945 erneut Bedeutung.
6. Generation: Anton Julius Alexander (1935–2013) und Hans Philipp Alexander (1948–2005) Nach dem Tod des Vaters übernahm Anton Julius Alexander 1971 die Leitung des inzwischen international bekannten Hauses. Die Fertigung blieb handwerklich geprägt, wurde aber in Qualitätssicherung, Werkstattorganisation und Kontakt zu professionellen Bläsern weiterentwickelt.
7. Generation: Georg Philipp Alexander (* 1969) Georg Philipp Alexander trat 1987 in das Unternehmen ein und steht seit 1999 an der Spitze des Traditionsbetriebs. Die heutige Phase ist durch moderne Fertigungstechnik, internationale Kundenbeziehungen, Weiterentwicklung klassischer Modellreihen und einen neuen Manufakturstandort in Mainz-Hechtsheim geprägt.

Ausführlicher Kulturüberblick

Die Geschichte von Gebr. Alexander ist eng mit der Kulturgeschichte von Mainz verbunden. Mainz war im späten 18. Jahrhundert kurfürstliche Residenzstadt, kirchliches Zentrum, Handwerksstadt und später ein Ort politischer, wirtschaftlicher und militärischer Umbrüche. Dass Franz Ambros Alexander 1782 als spezialisierter Instrumentenmacher aufgenommen wurde, zeigt, wie sich städtisches Handwerk und musikalische Nachfrage veränderten. Musikinstrumente waren nicht mehr ausschließlich Angelegenheiten von Hofkapellen oder Kirchen, sondern wurden zunehmend Teil eines städtischen Musikmarktes, in dem Militärmusik, Kirchenmusik, bürgerliches Musizieren, Theater und Orchesterwesen zusammenwirkten.

Im 19. Jahrhundert verschob sich das europäische Klangideal. Orchester wurden größer, Ventiltechnik veränderte die Möglichkeiten der Blechblasinstrumente, und Komponisten verlangten neue Klangfarben. Für Instrumentenbauer bedeutete dies eine doppelte Aufgabe: Sie mussten traditionelle handwerkliche Verfahren beherrschen und zugleich technische Innovationen entwickeln. Die Geschichte von Gebr. Alexander zeigt diese Spannung besonders deutlich. Die Firma begann mit Holzblas- und Blasinstrumenten, gewann aber im Lauf des 19. Jahrhunderts eine immer stärkere Bedeutung im Metallblasinstrumentenbau.

Die Verbindung mit Richard Wagner und der Wagnertube ist kulturgeschichtlich zentral. Wagner suchte für den Ring des Nibelungen eine Klangfarbe zwischen Horn und Tuba, zwischen heroischer Fülle, dunkler Resonanz und mythischer Ferne. Die Wagnertube ist deshalb nicht bloß ein technisches Spezialinstrument, sondern ein Instrument gewordenes Klangkonzept. Dass Gebr. Alexander an der Vervollkommnung dieses Instruments beteiligt war, verbindet die Mainzer Werkstatt unmittelbar mit der Klanggeschichte der spätromantischen Oper.

Im frühen 20. Jahrhundert wurde das Doppelhorn zum entscheidenden Feld des Hornbaus. Das F-Horn bot einen breiten, traditionellen Klang, das B-Horn größere Sicherheit und leichtere Ansprache in der Höhe. Die Kombination beider Stimmungen in einem voll ausgebauten Doppelhorn beantwortete praktische Bedürfnisse professioneller Hornisten. Das 1909 entwickelte Modell 103 wurde in diesem Zusammenhang zu einem Signalinstrument. Es verkörpert den Anspruch, klangliche Tradition, Intonationssicherheit, technische Flexibilität und orchestrale Belastbarkeit miteinander zu verbinden.

Die heutige Firma steht zugleich im Spannungsfeld von Tradition und globalisiertem Musikmarkt. Einerseits betont sie die manuelle Fertigung, die Überlieferung von Werkstattwissen und den charakteristischen „Alexander-Klang“. Andererseits sind ihre Instrumente weltweit verbreitet und müssen den Anforderungen internationaler Orchester, Solisten, Hochschulen und spezialisierter Ensembles entsprechen. Die Manufaktur ist damit ein Beispiel dafür, wie ein lokales Handwerk im 21. Jahrhundert durch Spezialisierung, Qualitätskontrolle, Beratung, Reparatur und internationale Vertriebsnetze kulturell relevant bleiben kann.

Für die Kulturgeschichte ist Gebr. Alexander auch deshalb interessant, weil Instrumentenbau häufig im Schatten von Komponisten, Dirigenten und Interpreten steht. Doch Klanggeschichte entsteht nicht nur durch Partituren. Sie entsteht auch durch Mensuren, Ventile, Legierungen, Schallstücke, Mundrohre, Politur, Lackierung, Reparatur, Spielgefühl und die Rückmeldungen professioneller Musiker. Eine Firma wie Gebr. Alexander prägt daher nicht nur Produkte, sondern Hörgewohnheiten.

Instrumentenbau, Klangideal und Manufakturpraxis

Die moderne Fertigung bei Gebr. Alexander ist als Manufakturarbeit organisiert. Die Instrumente entstehen aus Messing, Goldmessing und Neusilber. Neusilber wird besonders für mechanisch stark beanspruchte Teile wie Züge, Verstärkungen und Stützen verwendet; Messing und Goldmessing prägen Korpus, Schallstück und Klangcharakter. Der Betrieb hebt strenge Kontrollen, Maßgenauigkeit, handwerkliche Bearbeitung, präzise Ventile, bewährte Mensuren und eine auf Klang, Ansprache und Intonation zielende Endkontrolle hervor.

Wesentlich ist die Verbindung von Serienmodell und individueller Ausführung. Ein Alexander-Instrument ist zwar einem Modell zugeordnet, wird aber in Material, Lackierung, Versilberung, Mechanik, Mundrohr, Schallbecher, Ventiltechnik und weiteren Details an die Bedürfnisse des Spielers angepasst. Gerade im professionellen Hornbau ist diese Spannung zwischen standardisierter Modelltradition und individueller Anpassung entscheidend.

Der Begriff Alexander-Klang bezeichnet nicht einfach eine Marketingformel, sondern ein reales, von vielen Hornisten wiedererkennbares Klangideal: ein tragfähiger, runder, mittig fokussierter und zugleich farblich wandlungsfähiger Ton, der besonders in deutschen Sinfonie- und Opernorchestern eine starke Rolle spielt. Dieses Klangideal hängt mit Mensur, Material, Schallstückform, Ventilführung, Widerstand, Ansprache und historisch gewachsener Spieltradition zusammen.

Instrumenten- und Modellverzeichnis

Bei einem Instrumentenbauer ersetzt ein Instrumenten- und Modellverzeichnis das Werkverzeichnis eines Komponisten. Die folgende Übersicht verbindet die historisch wichtigsten Produktgruppen mit dem öffentlich nachweisbaren aktuellen Modellbestand. Das Sortiment kann sich ändern; maßgeblich sind daher die jeweils aktuellen Herstellerangaben.

Historische und kulturgeschichtliche Werkgruppen

Frühe Holzblas- und Blasinstrumente Die Gründungsphase des Unternehmens war zunächst vor allem vom Bau von Holzblas- beziehungsweise Blasinstrumenten geprägt. Franz Ambros Alexander wurde als spezialisierter Instrumentenmacher in Mainz aufgenommen und stellte im frühen Betrieb vorwiegend Blasinstrumente her.
Handelsgeschäft für eigene Produkte In der zweiten Generation kam zum Bau von Instrumenten ein Handelsgeschäft hinzu, das den Vertrieb der eigenen Produkte stärkte. Dadurch wandelte sich die Werkstatt zu einem stärker institutionalisierten Familienunternehmen.
Blechblasinstrumente des 19. Jahrhunderts Seit den 1860er Jahren gewann die Herstellung von Blechblasinstrumenten besondere Bedeutung. Diese Umstellung wurde zur Grundlage der späteren Spezialisierung auf Metallblasinstrumente.
Horntuben und Wagnertuben Die Firma erwarb sich Verdienste bei der Entwicklung und Vervollkommnung von Horntuben beziehungsweise Wagnertuben, die mit Richard Wagners Klangvorstellungen für den Ring des Nibelungen verbunden sind.
Doppelhörner Das 1909 entwickelte F/B-Doppelhorn Modell 103 wurde zur Schlüsselinnovation des Unternehmens und zu einem bis heute prägenden Modell im professionellen Hornbau.
Moderne Metallblasinstrumente Das heutige öffentliche Sortiment umfasst Diskanthörner, Doppelhörner, einfache Hörner, kompensierte Doppelhörner, Naturhörner, Tripelhörner, Trompeten, Flügelhörner, Tuben, Wagnertuben, Tenorhörner und Baritone.

Aktuelles öffentliches Modellverzeichnis

B-(oder C-)Tuba · Modell 163 Tuba-Modell im aktuellen Sortiment, wahlweise im B- beziehungsweise C-Tuba-Kontext geführt.
B-Baritontuba · Modell 150 Baritontuba aus der Tenorhorn- und Baritonfamilie der Firma.
B-Baritontuba · Modell 151 Baritontuba-Modell mit weiter, leichter Bauart innerhalb der Alexander-Baritonlinie.
B-Flügelhorn · Modell 70 Flügelhorn in B-Stimmung; Teil der Trompeten- und Flügelhornreihe.
B-Flügelhorn · Modell 1070 Flügelhornmodell der neueren Modellreihe; im öffentlichen Sortiment als B-Flügelhorn geführt.
B-Horn · Modell 88 Einfaches B-Horn; besonders mit geringem Gewicht und professioneller Entlastung im Orchester- und Operndienst verbunden.
B-Horn · Modell 90 Einfaches B-Horn innerhalb der Alexander-Hornfamilie.
B-Horn · Modell 97 Einfaches B-Horn, im Sortiment als professionelles B-Hornmodell geführt.
B-Jazztrompete · Modell 1018 B-Trompete beziehungsweise Jazztrompete mit modulationsfähigem Klang und professioneller Ausrichtung.
B-Konzerttrompete · Modell 6 Konzerttrompete in B-Stimmung; Bestandteil der Trompetenreihe.
B-Tenorhorn · Modell 145 Tenorhornmodell mit weiter, leichter Bauweise und einteilig gebogenem Korpus.
B-Tenorhorn · Modell 146 Tenorhornmodell der aktuellen Tenorhorn- und Baritonreihe.
B-Tuba · Modell 164 „Kaisertuba“ Großes B-Tuba-Modell, im Sortiment als „Kaisertuba“ geführt und durch Klangfülle sowie vergleichsweise handhabbares Gewicht charakterisiert.
B-Wagnertube · Modell 108 Wagnertube in B-Stimmung; Teil der mit dem Wagner-Klangideal verbundenen Modellgruppe.
B/F-Doppelhorn · Modell 102ST Kompensiertes Doppelhorn; die kompensierte Bauart reduziert Gewicht und Rohranteil gegenüber voll ausgebauten Doppelhörnern.
B/hoch-F-Diskantdoppelhorn · Modell 107 Diskantdoppelhorn, das B- und Hoch-F-Stimmung verbindet und für hohe Hornpartien entwickelt wurde.
B/hoch-F-Diskantdoppelhorn · Modell 107X Weiterentwickeltes Diskantdoppelhorn, dessen Konstruktion vom Tripelhorn Modell 301 her gedacht ist.
C-Basstrompete · Modell 19 Basstrompete in C-Stimmung; Spezialinstrument innerhalb der Trompeten- und Flügelhornfamilie.
F-Horn · Modell 93 Einfaches F-Horn, besonders als grundlegendes Instrument für Waldhornklang und Horntechnik charakterisiert.
F-Tuba · Modell 155 F-Tuba-Modell im aktuellen Tubasortiment.
F-Tuba · Modell 157 F-Tuba-Modell mit professioneller Orchester- und Solistenorientierung.
F-Wagnertube · Modell 111 Wagnertube in F-Stimmung; komplementär zum B-Modell 108.
F/B-Doppelhorn · Modell 102 Kompensiertes F/B-Doppelhorn; Leichtbauprinzip durch Zuschaltung der Längendifferenz zur B-Hornlänge.
F/B-Doppelhorn · Modell 103 Weltbekanntes Alexander-Doppelhorn und zentrales Traditionsmodell des Unternehmens; seit 1909 in seiner Grundkonzeption prägend.
F/B-Doppelhorn · Modell 104 Voll ausgebautes Doppelhorn der aktuellen Modellpalette.
F/B-Doppelhorn · Modell 200 Doppelhornmodell für flexible professionelle Orchesterverwendung.
F/B-Doppelhorn · Modell 403 Doppelhornmodell der Alexander-Familie mit voll ausgebauter F/B-Kombination.
F/B-Doppelhorn · Modell 503 Doppelhornmodell, das mehrfach mit dem Deutschen Musikinstrumentenpreis ausgezeichnet wurde.
F/B-Doppelhorn · Modell 1103 Doppelhornmodell mit Bezug zur klassischen F/B-Doppelhorntradition.
F/B-Doppelhorn · Modell 1104 Doppelhornmodell der modernen Alexander-Reihe.
F/B-Doppelhorn · Modell 1106 „Heldenhorn“ Neueres Doppelhornmodell, dessen Konzeption auf ältere Ideen und Gespräche mit dem Hornisten Milan Yancich zurückgeführt wird.
F/B/hoch-F-Tripelhorn · Modell 301 lightweight Leichte Tripelhornvariante mit F-, B- und Hoch-F-Stimmung; konzipiert mit Bezug zur Klangcharakteristik des Modells 103.
F/B/hoch-F-Tripelhorn · Modell 303 Tripelhorn mit drei Stimmungen, besonders für hohe und anspruchsvolle Hornpartien.
F/B/hoch-F-Tripelhorn · Modell 309 Kompensiertes Tripelhorn mit F-, B- und Hoch-F-Stimmung.
F/B/hoch-F-Tripelhorn · Modell 310 Voll ausgebautes Tripelhorn mit drei Stimmungen und professioneller Ausrichtung.
Historisches Naturhorn in C „Halari“ · Modell 290 Historisches Naturhorn in C-alto mit optionalen Aufsteckbögen und Bezug zur historischen Hornpraxis.
Hoch-B-Diskanthorn · Modell 99 Diskanthorn in Hoch-B-Stimmung, besonders für hohe Barock- und Spezialliteratur geeignet.
Hoch-F-Diskanthorn · Modell 105 Diskanthorn in Hoch-F-Stimmung, für hohe Hornpartien und barocke Klanganforderungen konzipiert.
Naturhorn in F · Modell 194 Naturhorn in F mit Kombinationsbögen, historischer Anmutung und Waldhornmensur.
Parforcehorn in B/Es · Modell 1177 Parforcehorn mit Umschaltmöglichkeit zwischen B und Es beziehungsweise Es und B.
Parforcehorn in Es · Modell 1179 Zweiwindiges Parforcehorn in Es; Teil der jagd- und signalhornnahen Produktgruppe.

Wagnertuben und Doppelhorn Modell 103

Zwei Instrumentenkomplexe machen die kulturgeschichtliche Bedeutung von Gebr. Alexander besonders sichtbar: die Wagnertuben und das Doppelhorn Modell 103. Die Wagnertube ist mit Richard Wagners Suche nach einem neuen Orchesterklang verbunden. Sie sollte eine Klangfarbe erzeugen, die zwischen Horn und Tuba liegt und dem mythologischen, dunklen und feierlichen Klangraum des Ring des Nibelungen entspricht. In dieser Geschichte erscheint Alexander nicht als bloßer Zulieferer, sondern als Teil eines kompositorisch-instrumentenbaulichen Experiments.

Das Modell 103 steht für eine andere, langfristig noch folgenreichere Entwicklung. Die Kombination von F- und B-Horn in einem voll ausgebauten Doppelhorn reagierte auf praktische Bedürfnisse des modernen Orchesters: Sicherheit, Intonation, Flexibilität, tragfähiger Klang und Wechsel zwischen verschiedenen Lagen. Das 1909 patentierte Alexander-Doppelhorn wurde zu einem Modell, an dem sich Generationen von Hornisten orientierten. Dass es bis heute gebaut und weitergespielt wird, zeigt die Stabilität eines gelungenen instrumentenbaulichen Entwurfs.

Diese beiden Beispiele verdeutlichen, dass Instrumentenbau nicht nur Technikgeschichte ist. Ein neues Instrument verändert, welche Klangvorstellungen Komponisten formulieren können, wie Musiker üben, wie Orchester klingen und welche Klangideale sich durchsetzen. Gebr. Alexander gehört daher in die Geschichte der musikalischen Aufführungspraxis ebenso wie in die Geschichte des Handwerks.

Quellenlage und Einordnung

Die Quellenlage zu Gebr. Alexander ist vergleichsweise gut, aber unterschiedlich ausgerichtet. Die offizielle Firmenseite bietet eine generationenbezogene Selbstdarstellung, aktuelle Modelllisten und Angaben zur Manufaktur. MGG Online liefert die fachlexikalische Einordnung in die Instrumentenkunde. Regionalgeschichte.net und wirtschaftsgeschichte-rlp erschließen die Mainzer und rheinland-pfälzische Unternehmensgeschichte. Das Deutsche Musikinformationszentrum bietet aktuelle institutionelle Basisdaten.

Bei der Verwendung von Firmenseiten ist quellenkritisch zu beachten, dass sie aus der Perspektive des Unternehmens formuliert sind. Für technische und aktuelle Modellangaben sind sie naheliegend und meist unverzichtbar; für historische Einordnung sollten sie mit unabhängigen Fach- und Regionalquellen kombiniert werden. Deshalb verbindet dieser Artikel Unternehmensangaben mit MGG, MIZ und regionalhistorischer Literatur.

Sekundärliteratur

  • Baumbach, Winfried: „Handwerklicher Musikinstrumentenbau am Beispiel der Firma Gebr. Alexander in Mainz“. In: Lebendiges Rheinland-Pfalz 30, Heft 2/3, 1993, S. 22–24. Beitrag zum handwerklichen Musikinstrumentenbau am Beispiel des Mainzer Unternehmens.
  • Duttenhöfer, Eva-Maria: Gebrüder Alexander. 200 Jahre Musikinstrumentenbau in Mainz. Ein Beitrag zur Instrumentenkunde. Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte, Band 19. Mainz 1982. Grundlegende historische Studie zur Firma, zum Gründer, zur Familiengeschichte und zur instrumentenkundlichen Bedeutung.
  • Hefner, Heinrich: „225 Jahre Musik Alexander – 225 Jahre Musikstadt Mainz“. In: Jagdhornbläsercorps Kur-Mainz. Jahresheft 19, 2006/2007, S. 18–21. Jubiläumsbezogener Beitrag zur Verbindung von Firma, Mainz und Bläserkultur.
  • Heyde, Herbert: Das Ventilblasinstrument. Seine Entwicklung im deutschsprachigen Raum von den Anfängen bis zur Gegenwart. Leipzig 1987. Wichtige Kontextliteratur zur Entwicklung von Ventiltechnik und Metallblasinstrumenten.
  • Morley-Pegge, Reginald: The French Horn. Some Notes on the Evolution of the Instrument and of its Technique. London 1973. Grundlegender englischsprachiger Kontext zur Entwicklung von Horn und Horntechnik.
  • Scherer, Eric: „Der Rolls Royce unter den Hörnern. 225 Jahre Musik-Alexander“. In: Top-Magazin. Mainz, Rheinhessen, Nahe 1, 2007, S. 20–22. Journalistischer Jubiläumsbeitrag zur Wahrnehmung des Unternehmens und seines Hornbaus.
  • Tarr, Edward H.: The Trumpet. Portland 1988. Kontextliteratur zur Geschichte der Trompete und des Metallblasinstrumentenbaus.
  • Wallace, John und Herbert, Trevor: The Cambridge Companion to Brass Instruments. Cambridge 1997. Überblickswerk zur Kultur- und Technikgeschichte der Blechblasinstrumente.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Basstrompete Metallblasinstrument, das im Alexander-Sortiment durch ein C-Modell vertreten ist und besonders im spätromantischen Orchesterkontext wichtig wurde.
  • Blechblasinstrument Übergeordnete Instrumentengruppe, in der Gebr. Alexander seit dem 19. Jahrhundert besondere Bedeutung gewann.
  • Doppelhorn Kombination zweier Hornstimmungen in einem Instrument; zentral für das Alexander-Modell 103.
  • Flügelhorn Metallblasinstrument der Trompetenfamilie, das im heutigen Alexander-Sortiment mit mehreren Modellen vertreten ist.
  • Franz Ambros Alexander Gründer der Mainzer Werkstatt, aus der die Gebr. Alexander, Rheinische Musikinstrumentenfabrik GmbH hervorging.
  • Horn Zentrales Instrument der Alexander-Tradition und Grundlage des internationalen Rufs der Mainzer Manufaktur.
  • Instrumentenbau Handwerkliches, technisches und kulturgeschichtliches Feld, in dem Gebr. Alexander als Familienmanufaktur einzuordnen ist.
  • Mainz Stadt, in der Franz Ambros Alexander 1782 seinen Betrieb gründete und in der die Firma bis heute ansässig ist.
  • Metallblasinstrumentenbau Spezialgebiet der modernen Alexander-Manufaktur mit Horn-, Tuba-, Trompeten- und Wagnertubenbau.
  • Musikinstrumentenmanufaktur Betriebsform, die handwerkliche Fertigung, individuelle Anpassung, Serienmodell und Qualitätskontrolle verbindet.
  • Naturhorn Historische Hornform ohne Ventile, die im Alexander-Sortiment als Spezialinstrument weiterlebt.
  • Parforcehorn Signal- und Jagdhornform, die im Sortiment der Firma durch Es- und B/Es-Modelle vertreten ist.
  • Richard Wagner Komponist, dessen Suche nach neuen Klangfarben mit der Entwicklung der Wagnertube verbunden ist.
  • Der Ring des Nibelungen Wagners Opernzyklus, dessen Klangwelt die Wagnertube zu einem besonderen Orchesterinstrument machte.
  • Trompete Metallblasinstrument, das in der Alexander-Modellpalette durch Konzert-, Jazz- und Basstrompeten vertreten ist.
  • Tuba Tiefes Metallblasinstrument, für das Gebr. Alexander mehrere B-, C- und F-Modelle fertigt.
  • Ventil Technisches Kernbauteil moderner Metallblasinstrumente, entscheidend für Intonation, Ansprache und Spielbarkeit.
  • Wagnertube Von Wagners Klangvorstellungen angeregtes Instrument zwischen Horn und Tuba, an dessen Vervollkommnung Gebr. Alexander beteiligt war.
  • Waldhorn Orchesterinstrument, dessen moderne Bau- und Klanggeschichte eng mit Alexander-Doppelhörnern verbunden ist.
  • Zunft Städtische Handwerksordnung, deren Regeln für die Aufnahme Franz Ambros Alexanders in Mainz kulturgeschichtlich wichtig sind.