Raffaele d’Alessandro
Überblick
Raffaele d’Alessandro war ein Schweizer Komponist, Pianist, Organist und Musikkritiker, dessen Werk zwischen französischer Ausbildung, Schweizer Moderne, erweiterter Tonalität, rhythmischer Schärfung und kammermusikalischer Konzentration steht. Er wurde am 17. März 1911 in St. Gallen geboren und starb am 17. März 1959 in Lausanne, also an seinem achtundvierzigsten Geburtstag. Sein Name ist eng mit St. Gallen, Zürich, Paris und Lausanne verbunden; seine musikalische Sprache trägt zugleich Spuren der französischen Schule um Nadia Boulanger und Marcel Dupré, der Schweizer Zwischenkriegsmoderne, der Orgelimprovisation, der Klaviertechnik und einer stark persönlichen, oft existenziell gefärbten Ausdruckswelt.
D’Alessandro gehört zu denjenigen Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts, deren Bedeutung lange durch die bekannteren Namen Frank Martin, Arthur Honegger, Othmar Schoeck, Willy Burkhard oder Sándor Veress überlagert wurde. Sein Œuvre ist jedoch groß, differenziert und gattungsgeschichtlich breit angelegt. Es umfasst Orchesterwerke, zwei Symphonien, drei Klavierkonzerte, Konzerte für Violine, Flöte, Fagott und Oboe, Kammermusik, Solowerke für Klavier, Orgelwerke, Vokalmusik, Chorwerke, Musik für Bühne und Film sowie ein unvollendetes Opernprojekt nach dem Bündner Stoff Jürg Jenatsch.
Eine besondere Stellung nimmt die Klavier- und Kammermusik ein. D’Alessandro war selbst Pianist und Organist; daher sind seine Tastenwerke nicht bloß kompositorische Studien, sondern aus einer unmittelbaren Spielpraxis heraus gedacht. Die Vingt-quatre Préludes op. 30, die Sonaten, die Douze Études op. 66, die Werke für die linke Hand und die zweiklavierigen Stücke zeigen eine Verbindung aus virtuoser Körperlichkeit, dichter Harmonik, pointierter Rhythmik und kammermusikalisch kontrollierter Form. Auch die Bläserwerke, besonders die Sonaten und Konzerte für Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott, gehören zu den charakteristischen Teilen seines Werkes.
Seine Biographie ist von Begabung, Förderung, Brüchen und materieller Unsicherheit geprägt. Nach einem zunächst von den Eltern wenig unterstützten musikalischen Weg erhielt er in Zürich Unterricht bei Paul Müller-Zürich, Willi Schuh und Victor Schlatter. In Paris studierte er bei Nadia Boulanger, Marcel Dupré und Paul Roës; dort berührte er die Welt der französischen Kompositionslehre, Orgeltradition und Klavierkultur. Der Zweite Weltkrieg zwang ihn 1940 zur Rückkehr in die Schweiz. In Lausanne arbeitete er fortan als freier Musiker, Pianist, Organist, Rundfunkmitarbeiter, Kritiker und Komponist. Das Werk der Lausanner Jahre bildet den Hauptbestand seiner reifen Produktion.
Kurzdaten
| Name | Raffaele d’Alessandro. |
|---|---|
| Namensvarianten | Raffaele D’Alessandro, Raffaele d' Alessandro, Raffael d’Alessandro; in Katalogen teils nach der invertierten Form „Alessandro, Raffaele d’“ angesetzt. |
| Geburt | 17. März 1911 in St. Gallen. |
| Tod | 17. März 1959 in Lausanne. |
| Beruf | Komponist, Pianist, Organist, Musikkritiker, Konzertmusiker und zeitweise Rundfunkmitarbeiter. |
| Herkunft | Schweizer Komponist mit italienischem Vater und bündnerischer Mutter; die Bindung an Graubünden blieb im Werk thematisch und atmosphärisch spürbar. |
| Ausbildung | Klavier- und Orgelunterricht in St. Gallen; musikalische Studien in Zürich bei Paul Müller-Zürich, Willi Schuh und Victor Schlatter; Pariser Studien bei Nadia Boulanger, Marcel Dupré und Paul Roës. |
| Wichtige Wirkungsorte | St. Gallen, Zürich, Paris und Lausanne. |
| Gattungsschwerpunkte | Orchestermusik, Klaviermusik, Orgelmusik, Kammermusik, Solowerke für Bläser, Konzerte für Soloinstrument und Orchester, Vokalmusik, Chorwerke, Bühnen- und Filmmusik. |
| Stilprofil | Erweiterte Tonalität, französisch geschulte Satzkultur, neoklassizistische Formschärfe, impressionistische Klangtransparenz, expressionistisch verdichtete Affektlage, starke rhythmische Energie und ausgeprägter Sinn für instrumentale Eigenart. |
| Bekannte Werke | Vingt-quatre Préludes op. 30, Rumba sinfonica op. 31, Conga sinfonica op. 36, Violinkonzert op. 41, Flötenkonzert op. 47, Sinfonietta op. 51, Klavierkonzert Nr. 2 op. 54, Concerto grosso op. 57, Symphonie d-Moll op. 62, Suite grisonne op. 69, Klavierkonzert Nr. 3 op. 70, Isla persa op. 71, Symphonie Nr. 2 op. 72, Fagottkonzert op. 75 und Oboenkonzert op. 79. |
| Nachlass | Der Fonds Raffaele d’Alessandro befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv beziehungsweise in der Schweizerischen Nationalbibliothek und umfasst Werke, Korrespondenz, persönliche Dokumente, Fotografien und umfangreiche Dokumentation. |
Leben und Ausbildung
Raffaele d’Alessandro wurde in St. Gallen als Sohn eines aus Italien eingewanderten Vaters und einer Mutter bündnerischer Herkunft geboren. Früh zeigte er musikalische Begabung. Er improvisierte bereits als Kind am Klavier, erhielt zunächst auch Violinunterricht und wandte sich später besonders Klavier und Orgel zu. Die Familie unterstützte seinen Wunsch nach einer Musikerlaufbahn zunächst nur begrenzt; stattdessen sollte er eine kaufmännische Ausbildung einschlagen. Dieser Konflikt zwischen künstlerischer Berufung und äußerer Lebensnotwendigkeit gehört zu den prägenden Motiven seiner Biographie.
Ab 1924 erhielt er Klavier- und Orgelunterricht bei Victor Schlatter. Nach dem Tod des Vaters und durch die Förderung der Organistin Ida Zürcher konnte d’Alessandro 1932 nach Zürich gehen. Dort studierte er Musiktheorie, Komposition und Orgel im Umkreis von Paul Müller-Zürich, Willi Schuh und Victor Schlatter. Gleichzeitig blieb er in beträchtlichem Maße Autodidakt. Diese Mischung aus institutioneller Schulung und selbständiger Aneignung erklärt die Eigenart seines späteren Stils: Er wirkt nicht schulmäßig gebunden, sondern verbindet kontrapunktische Kontrolle mit persönlicher, manchmal widerständiger Ausdrucksintensität.
Von 1934 an setzte d’Alessandro seine Ausbildung in Paris fort. Die Pariser Jahre sind für seinen künstlerischen Horizont entscheidend. Bei Nadia Boulanger studierte er Komposition und Kontrapunkt, bei Marcel Dupré Orgel, bei Paul Roës Klavier. Hinzu kamen Begegnungen mit der französischen Orgelwelt, besonders mit Louis Vierne und Charles Tournemire. Paris bedeutete für ihn nicht nur Unterricht, sondern auch den Kontakt mit einer Kultur, in der klare Form, farbige Harmonik, kontrapunktisches Denken, instrumentale Eleganz und geistige Disziplin miteinander verbunden waren.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beendete die Pariser Perspektive. 1940 musste d’Alessandro in die Schweiz zurückkehren und ließ sich in Lausanne nieder. Dort arbeitete er als freier Musiker. Er gab Konzerte als Pianist und Organist, war als Musikkritiker tätig, stand mit dem Rundfunk in Verbindung und widmete sich intensiv der Komposition. Viele seiner wichtigsten Werke entstanden in den 1940er und 1950er Jahren: die großen Klavierwerke, Kammermusiksonaten, Orchesterstücke, Konzerte und die beiden Symphonien.
Obwohl d’Alessandro von bedeutenden Musikern geschätzt und aufgeführt wurde, blieb sein Leben materiell unsicher. Zu seinen Interpreten und Förderern gehörten unter anderem Victor Desarzens, Ernest Ansermet, Paul Sacher, Günter Wand, Paul Kletzki und Carl Schuricht. Dinu Lipatti würdigte ihn als einen der vollständigsten Musiker seiner Generation. Dennoch geriet d’Alessandro nach seinem Tod zeitweise in Vergessenheit. Erst spätere Editionen, Tonaufnahmen, Archiverschließungen und das Engagement der Association Raffaele d’Alessandro führten zu einer erneuten Wahrnehmung seines Werks.
Ausführlicher Kulturüberblick
D’Alessandros Werk gehört in die vielgestaltige Schweizer Musiklandschaft des 20. Jahrhunderts. Diese Landschaft lässt sich nicht auf einen einzigen Stilbegriff reduzieren. Neben spätromantischen Linien, nationalen und regionalen Idiomen, protestantisch geprägter Chorkultur, französischsprachigen Einflüssen, deutschschweizerischer Musikpädagogik, Rundfunkkultur und internationaler Moderne standen Persönlichkeiten wie Frank Martin, Arthur Honegger, Othmar Schoeck, Willy Burkhard, Paul Müller-Zürich, Volkmar Andreae, Paul Sacher und später Sándor Veress. D’Alessandro ist in diesem Feld weder bloß Nachzügler noch Außenseiter. Er steht vielmehr an einer Schnittstelle zwischen französischer Schule, schweizerischer Eigenständigkeit und persönlicher, oft asketischer Ausdrucksverdichtung.
Die französische Ausbildung ist ein zentraler Schlüssel. Nadia Boulanger vermittelte eine Kompositionsauffassung, in der Handwerk, kontrapunktische Präzision, Formbewusstsein und künstlerische Verantwortung eng zusammengehören. Marcel Dupré brachte die große französische Orgeltradition ein: Disziplin des Pedalspiels, polyphone Klarheit, improvisatorische Architektur und ein Sinn für klangliche Registerdramaturgie. Paul Roës wiederum stand für eine pianistische Linie, die mit Liszt und Busoni verbunden wurde. D’Alessandros Musik ist daher häufig technisch hochbewusst, aber nicht akademisch trocken. Sie arbeitet mit energischem Impuls, pointierter rhythmischer Zelle, knapper Motivik und einer Harmonik, die Tonalität erweitert, ohne vollständig in atonale Systeme überzugehen.
Lausanne war nach 1940 mehr als ein Zufluchtsort. Die Stadt und die Westschweiz boten ihm ein musikalisches Umfeld aus Rundfunk, Kammermusik, Orchesterarbeit, Kritik und Konzertpraxis. Das Orchestre de la Suisse Romande unter Ernest Ansermet und das Orchestre de Chambre de Lausanne unter Victor Desarzens bildeten wichtige Aufführungsinstanzen. Für d’Alessandro war diese Institutionenlandschaft entscheidend, denn seine Werke brauchten Interpreten, die rhythmische Präzision, transparente Faktur, scharfe Artikulation und innere Spannung ernst nahmen.
Sein Werk ist auch vor dem Hintergrund der europäischen Krisenerfahrung zu lesen. Die Rückkehr aus Paris im Jahr 1940 war nicht nur ein biographischer Ortswechsel, sondern ein Bruch in einer künstlerischen Existenz. Die 1940er Jahre brachten eine intensive kompositorische Produktion hervor, die zwischen äußerer Unsicherheit und innerer Konzentration steht. Werke wie die Vingt-quatre Préludes, die Rumba sinfonica, die Conga sinfonica, das Violinkonzert, das Flötenkonzert, die Sonaten und später die Symphonie d-Moll verbinden Vitalität und Bedrängnis. Die Musik meidet einfache Programmatik, wirkt aber häufig wie eine verdichtete Antwort auf Spannung, Isolation und den Zwang zur künstlerischen Selbstbehauptung.
Ein weiterer kulturgeschichtlicher Aspekt ist die Bündner Dimension. D’Alessandros Mutter stammte aus Graubünden, und mehrere Werke berühren diesen kulturellen Raum direkt oder indirekt. Die Suite grisonne op. 69 und das unvollendete Opernprojekt Jürg Jenatsch sind hier besonders zu nennen. D’Alessandro behandelt regionale Stoffe jedoch nicht im Sinn eines einfachen musikalischen Lokalkolorits. Er macht aus ihnen keine folkloristische Oberfläche, sondern verdichtet sie zu einer persönlichen Tonsprache, in der Landschaft, historische Erinnerung, Rhythmus und innere Dramatik zusammenwirken.
Die Nachwirkung seines Werks zeigt zugleich ein typisches Problem moderner Musikgeschichte: Komponisten, die weder eindeutig einer Avantgarde-Schule noch einem nationalen Repertoirekanon angehören, geraten leicht aus dem Blick. D’Alessandro schrieb Werke von hoher technischer und expressiver Eigenart, aber nicht in einem marktgängigen Stil. Viele Stücke blieben Manuskript, andere erschienen in spezialisierten Verlagen oder wurden erst später wieder aufgeführt. Die Pflege seines Nachlasses, die Arbeit der Association Raffaele d’Alessandro, Editionen bei Amadeus, Sordino, Foetisch, Müller & Schade, Boosey/Bote & Bock und spätere Tonträger haben seine Stellung im Schweizer Musikgedächtnis wieder sichtbarer gemacht.
Stil, Klangsprache und kompositorisches Profil
D’Alessandros Stil verbindet mehrere Richtungen, ohne in einer davon aufzugehen. Der Impressionismus wirkt in seiner Sensibilität für Klangfläche, Farbwechsel, Register, transparente Faktur und harmonische Schwebung nach. Der Expressionismus ist in der Verdichtung der Affekte, in schroffen Spannungen, in existenzieller Klanggestik und in der manchmal nervösen rhythmischen Energie spürbar. Der Neoklassizismus zeigt sich in der Vorliebe für Sonatine, Suite, Concerto, Variationsform, Präludium, Fuge und knappe Satztypen. Das Ergebnis ist eine Musik, die formal kontrolliert, harmonisch erweitert und rhythmisch wach ist.
Ein Schlüssel zu seiner Musik liegt in der Verbindung von Tastenpraxis und Komposition. D’Alessandro war Pianist und Organist. Die Werke für Klavier, Orgel und zwei Klaviere sind deshalb nicht bloß abstrakte Kompositionen, sondern aus körperlicher Kenntnis des Instruments heraus geschrieben. Die linke Hand erhält eigene Bedeutung, etwa in der Sonatine für die linke Hand, den Quatre miniatures op. 8 A und den Six études op. 80. Solche Werke zeigen, dass technische Beschränkung bei d’Alessandro zur kompositorischen Konzentration werden kann. Das Instrument wird nicht dekorativ behandelt, sondern als Widerstand, Resonanzraum und Formgenerator.
In der Kammermusik bevorzugt d’Alessandro klare, oft einsätzige oder knapp zyklische Formen. Die Sonaten für Violine, Violoncello, Flöte, Oboe, Fagott und Altflöte zeigen eine besondere Aufmerksamkeit für die idiomatische Eigenart des jeweiligen Instruments. Die Bläserwerke vermeiden bloße Virtuosität; sie verbinden melodische Linienführung, rhythmische Spannung und harmonische Verknappung. Gerade die Oboen-, Flöten-, Klarinetten- und Fagottwerke haben deshalb in der späteren Aufführungspraxis besondere Beachtung gefunden.
Die Orchestermusik zeigt d’Alessandro als Komponisten rhythmischer Profile und farbiger, aber nicht überladener Instrumentation. Rumba sinfonica und Conga sinfonica greifen lateinamerikanisch konnotierte Tanzimpulse nicht folkloristisch naiv auf, sondern verwandeln sie in eine rhythmisch organisierte Orchestersprache. Die Symphonien und Konzerte sind umfangreicher, ernster und stärker architektonisch gedacht. Das Klavierkonzert Nr. 3 op. 70 trägt den Untertitel Quasi una sinfonia und zeigt bereits im Titel, dass d’Alessandro Konzertform und symphonisches Denken ineinanderschiebt.
Die Vokalmusik ist stärker literarisch geprägt. Rilke, Armand Godoy, Verlaine, Trakl, Spitteler und andere Autoren bilden einen poetischen Horizont, der zwischen Symbolismus, Moderne, religiöser Bildlichkeit und existenzieller Verdichtung liegt. Die Kantate Offenbarung und Untergang nach Georg Trakl ist hier besonders aufschlussreich, weil sie den dunklen Ton eines Dichters aufnimmt, der im 20. Jahrhundert vielfach als Stimme von Untergang, Vision und innerer Zerrissenheit gelesen wurde.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis fasst den in Katalogen, Musinfo, Yale Worklist und offizieller Werkseite greifbaren Bestand zusammen. Die Zählungen unterscheiden sich leicht, weil Frühwerke, Werke mit später geänderter Opusnummer, zurückgezogene Jugendwerke, Fassungen, Manuskriptfassungen und unvollendete Stücke nicht überall gleich behandelt werden. Die nachfolgende Ordnung nennt die gesicherten Hauptwerke mit Opuszahl, wichtige Frühwerke und gesondert überlieferte Werkspuren.
Bühnenwerke, Filmmusik und szenische Musik
| Isla persa, op. 71 | Ballett-Pantomime in sechs Bildern, 1951; nach einer Legende aus Graubünden; Dauer etwa 32 Minuten. Das Werk verbindet szenische Anlage, regionale Stoffbindung und d’Alessandros rhythmisch-farbige Orchestersprache. |
|---|---|
| Jürg Jenatsch | Opernprojekt, 1954; unvollendet. Der Stoff verweist auf den Bündner Freiheits- und Machtkontext um Jörg beziehungsweise Jürg Jenatsch und zeigt d’Alessandros Interesse an historisch-regionaler Dramaturgie. |
| Le partage de Midi | Bühnenmusik zu Paul Claudel, 1943; für zwei Klaviere und Schlagzeug. Das Material wurde später in die Sonatine op. 50 für zwei Klaviere umgewandelt. |
| La Poudre | Filmmusik; in den Nachlass- und biographischen Angaben als Teil von d’Alessandros Bühnen- und Medienmusik genannt. Die genaue Werkgestalt ist stärker archivalisch als repertorial greifbar. |
Orchesterwerke und Konzerte
| Rhapsodie, op. 3 | Für Klavier und Streichorchester, 1926; Frühwerk aus der St. Galler Jugendzeit. |
|---|---|
| Sinfonietta, op. 7 | Für Orchester, 1934; frühes Orchesterwerk, Manuskript. |
| Concertino, op. 8 | Für Klavier und kleines Orchester, 1935–1936; frühe konzertante Arbeit. |
| Serenade, op. 12 | Für Englischhorn, Streichorchester und Pauken, 1936; Dauer etwa 8 Minuten; später auch im Zusammenhang mit Saxophon- beziehungsweise Englischhornfassungen aufgeführt und verlegt. |
| Suite gaie, op. 18 | Für Klavier und Orchester, 1937; Dauer etwa 15 Minuten. |
| Concerto no. 1, op. 26 | Für Klavier und Orchester, 1939; erstes Klavierkonzert; Dauer etwa 13 Minuten. |
| Rumba sinfonica, op. 31 | Für Orchester, 1940; eines der bekanntesten frühen reifen Orchesterwerke; 1941 vom Orchestre de la Suisse Romande unter Ernest Ansermet aufgeführt. |
| Triptyque, op. 35 | Drei Präludien und Fugen für Streichorchester, 1941; Dauer etwa 17 Minuten. |
| Conga sinfonica, op. 36 | Für Orchester, 1941; rhythmisch profilierte Orchesterkomposition. |
| Concerto, op. 41 | Für Violine und Orchester, 1941; Dauer etwa 17 Minuten. Das Werk gehört zu den häufiger dokumentierten konzertanten Partituren d’Alessandros. |
| Thème varié, op. 43 | Vierzehn Präludien beziehungsweise Variationen für Orchester, 1942; Manuskript. |
| Suite en si mineur, op. 44 | Für Orchester, 1942; Dauer etwa 13 Minuten. |
| Concerto, op. 47 | Für Flöte und Orchester, 1943; Dauer etwa 16 Minuten. |
| Sinfonietta, op. 51 | Für Streicher, obligates Klavier und Pauken, 1944; Dauer etwa 20 Minuten; später bei Amadeus verlegt. |
| Nocturne, op. 52 | Movimento di Habanera für Kammerorchester, 1945; kurze, rhythmisch-farbige Orchesterminiatur. |
| Berceuse pour les enfants morts, op. 53 | Für Sopran und Streichorchester, 1945; Text von Ventura Gassol; Übergangsbereich zwischen Vokal- und Orchesterwerk. |
| Concerto no. 2, op. 54 | Für Klavier und Orchester, 1945–1946; Dauer etwa 27 Minuten; eines der großen konzertanten Werke der Lausanner Zeit. |
| Concerto grosso, op. 57 | Für Streichorchester, 1946; Dauer etwa 12 Minuten; Uraufführung 1947 in Lausanne durch das Orchestre de Chambre de Lausanne unter Victor Desarzens. |
| Symphonie in ré mineur, op. 62 | Erste Symphonie in d-Moll für großes Orchester, 1948; Dauer etwa 47 Minuten; eines der umfangreichsten und wichtigsten Orchesterwerke. |
| Divertissement, op. 65 | Für Kammerorchester, 1948; Dauer etwa 15 Minuten. |
| Suite Nr. 2, op. 69 | Suite grisonne für Orchester, 1950; Dauer etwa 12 Minuten 30 Sekunden; Werk mit ausdrücklichem Bündner Bezug. |
| Concerto Nr. 3, op. 70 | Quasi una sinfonia für Klavier und Orchester, 1951; Dauer etwa 23 Minuten; auch als Verbindung von Konzert und symphonischem Denken zu verstehen. |
| Symphonie Nr. 2, op. 72 | Für Orchester, 1953; Dauer etwa 24 Minuten. Die spätere Rezeption hat das Werk auch im Zusammenhang mit Graubünden und dem aufgegebenen Jürg Jenatsch-Projekt betrachtet. |
| Concerto, op. 75 | Für Fagott und Streichorchester, 1956; auch in Fassung mit Klavierauszug; gewidmet Paul Sacher; Satzfolge in der Ausgabe: Cadenza, Sonata, Arioso, Rondo. |
| Tema variato, op. 78 | Für großes Orchester, 1957; Dauer etwa 16 Minuten; bei Amadeus nachgewiesen. |
| Concerto, op. 79 | Für Oboe und Streichorchester, 1958; Dauer etwa 15 Minuten; spätes konzertantes Werk. |
Kammermusik, Bläserwerke und Solowerke ohne Klavier
| Humoreske | Für Violine mit Klavierbegleitung, 1926; frühes Jugendwerk ohne stabile spätere Katalogstellung. |
|---|---|
| Chants sans paroles: Printemps | Für Klavier, 1926; frühe lyrische Instrumentalminiatur. |
| Humoreske | Für Klavier solo, 1927; frühe Klavierminiatur. |
| Sonate en un seul mouvement, op. 17 | Für Violoncello und Klavier, 1937; einsätzige Sonate; Dauer etwa 12 Minuten. |
| Sonatine, op. 19 | Für Flöte solo, 1937; Dauer etwa 7 Minuten. |
| Récitatif et Valse-impromptu, op. 20 | Für Oboe und Klavier, 1938; Dauer etwa 9 Minuten. |
| Sonate en un seul mouvement, op. 24 | Für Violine und Klavier, 1939; erste Fassung der späteren Sonate concertante op. 24 A. |
| Sonate concertante, op. 24 A | Für Violine und Klavier, 1939; zweite Fassung der einsätzigen Violinsonate. |
| Sonate en un seul mouvement, op. 32 | Streichquartett Nr. 1, 1940; Dauer etwa 13 Minuten; später bei Sordino dokumentiert. |
| Sonate en un seul mouvement, op. 33 | Für Klavier, Violine und Violoncello, 1940; Klaviertrio in einsätziger Form; Dauer etwa 11 Minuten. |
| Divertissement, op. 34 | Für Holzbläserquartett und kleine Trommel, 1941; Manuskript. |
| Sonate, op. 46 | Für Flöte und Klavier, 1942; erste Fassung mit längerer Anlage und zweite Fassung mit verdichteter Gestalt; eine der wichtigen Flötenkompositionen d’Alessandros. |
| Quatre pièces brèves, op. 42 | Für Flöte und Klavier, 1942–1945; Dauer etwa 9 Minuten; wichtiges Kammermusikwerk für Flöte. |
| Intermezzo, op. 55 | Für Violoncello solo, 1946; Dauer etwa 7 Minuten 30 Sekunden; später bei Amadeus verlegt. |
| Ayrton-Suite, op. 63 | Für Flöte, Oboe, Viola und Klavier, 1948; Satzfolge: Prélude, Sarabande, Sicilienne, Récitatif, Gigue. |
| Suite, op. 64 | Für Klarinette solo, 1948; Dauer etwa 8 Minuten; später bei Amadeus verlegt. |
| Sonate, op. 67 | Für Oboe und Klavier, 1949; Dauer etwa 14 Minuten. |
| Quatuor à cordes Nr. 2, op. 73 | Zweites Streichquartett, 1953; Dauer etwa 22 Minuten; ein wichtiges spätes Kammermusikwerk. |
| Sonatina giocosa, op. 6 A | Für Klarinette und Klavier, 1953; Dauer etwa 11 Minuten; spätere Fassung beziehungsweise spätes Opus mit A-Zählung. |
| Sonatine, op. 7 A | Für Oboe solo, 1953; Dauer etwa 9 Minuten. |
| Sonate no. 2, op. 9 A | Für Violine und Klavier, 1953; Hommage à de Falla; spätere zweite Violinsonate. |
| Sonate, op. 76 | Für Fagott und Klavier, 1957; Dauer etwa 18 Minuten; später bei Amadeus verlegt. |
| Sonatine, op. 77 | Für zwei Flöten, 1957; Dauer etwa 6 Minuten 30 Sekunden. |
| Sonate, op. 68 A | Für Altflöte und Klavier, 1958; Dauer etwa 11 Minuten; spätes Kammermusikwerk. |
| Cadences pour le concerto de flûte en Sol de Mozart | Kadenzen zu Mozarts Flötenkonzert G-Dur KV 313; erste Fassung 1950, zweite Fassung 1955; für Flöte solo. |
Klaviermusik, Orgelmusik und Werke für zwei Klaviere
| Abendlied, op. 1 | Für Sopran und Klavier, 1924; frühe vokal-pianistische Werkspur. |
|---|---|
| Adagio, op. 1 | Lied für Alt und Klavier, 1924; in der offiziellen datierten Werkansicht als frühes Werk geführt. |
| Vier Bagatellen, op. 4 | Für Klavier, 1929–1932; Dauer etwa 7 Minuten. |
| Choral und Toccata, op. 6 | Für Orgel, 1933; Manuskript. |
| Symphonie concertante, op. 9 | Für Orgel, 1935; frühes großes Orgelwerk. |
| Deux Études, op. 10 | Für Klavier, 1936; Dauer etwa 3 Minuten 30 Sekunden. |
| Sonatine no. 1, op. 16 | Für Klavier, 1937; Dauer etwa 8 Minuten. |
| Improvisation, op. 22 | Hommage à Franz Liszt für Klavier, 1938; Dauer etwa 6 Minuten. |
| Dix rébus à l’usage des jeunes, op. 25 | Für Klavier, 1938; pädagogisch-spielerisches Klavierwerk; bei Henry Lemoine dokumentiert. |
| 3 Études de virtuosité, op. 27 | Für große Orgel, 1939; Dauer etwa 6 Minuten; bei Müller & Schade verlegt. |
| Sonatine no. 2, op. 28 | Für Klavier linke Hand allein, 1939; Dauer etwa 7 Minuten. |
| Vingt-quatre Préludes, op. 30 | Für Klavier, 1940–1941; einer der wichtigsten Klavierzyklen d’Alessandros. |
| Scherzo, op. 34 | Für Orgel, 1941; in der Katalogüberlieferung mit demselben Opusbereich wie das Holzbläser-Divertissement verbunden. |
| Sonate no. 1 en un seul mouvement, op. 37 | Für Klavier, 1941; Dauer etwa 11 Minuten. |
| Sonate no. 2 en un seul mouvement, op. 38 | Für Klavier, 1941; Dauer etwa 11 Minuten. |
| Sonatine no. 3, op. 39 | Für Klavier, 1941; später gedruckt beziehungsweise auf IMSLP dokumentiert. |
| Sonate no. 3, op. 40 | Für Klavier, 1941–1942; Dauer etwa 11 Minuten. |
| Prélude et Fugue, op. 45 | Für Orgel, 1942; Dauer etwa 8 Minuten 30 Sekunden; später bei Amadeus verlegt. |
| Thème et Variations, op. 48 | Für zwei Klaviere, 1943; Dauer etwa 15 Minuten. |
| Quatre Visions, op. 49 | Für Klavier, 1943; kurzer, konzentrierter Klavierzyklus; auf IMSLP dokumentiert. |
| Sonatine, op. 50 | Für zwei Klaviere, 1943–1944; hervorgegangen aus der Bühnenmusik zu Claudels Le partage de Midi. |
| Fantasie, op. 59 | Für Klavier, 1947; Dauer etwa 13 Minuten; bei Bote & Bock beziehungsweise Boosey/Bote & Bock nachgewiesen. |
| Douze Études, op. 66 | Für Klavier, 1949; Dauer etwa 18 Minuten; wichtiger virtuoser Zyklus. |
| Introduction et Toccata, op. 2 A | Für Klavier, 1952; Dauer etwa 7 Minuten; spätes Werk mit A-Opus-Zählung. |
| 6 contes drolatiques pour enfants, op. 3 A | Für Klavier, 1952; kurzer Zyklus von etwa 4 Minuten. |
| Tänze für Inga, op. 12 A | Für Klavier, 1955; Dauer etwa 6 Minuten. |
| Quatre miniatures, op. 8 A | Für Klavier linke Hand allein, 1956; Dauer etwa 5 Minuten. |
| Six Études, op. 80 | Hommage à Ravel für Klavier linke Hand allein, 1957–1958; spätes, technisch konzentriertes Klavierwerk. |
| Postludium | Für Orgel, 1928; frühe Orgelkomposition ohne spätere zentrale Katalogstellung. |
| Fuge | Für Orgel, 1927; frühe kontrapunktische Werkspur. |
Vokalmusik und Chorwerke
| Zwei Gesänge, op. 5 | Für Sopran oder Alt und Orgel, 1932; Texte aus Manfred Kybers Genius astri; Dauer etwa 4 Minuten 30 Sekunden. |
|---|---|
| Deux Chants Récités, op. 11 | Für Altstimme und Orgel, 1936; Gedichte von Armand Godoy; Dauer etwa 7 Minuten. |
| Deux Mélodies, op. 14 | Für Tenor und Klavier, 1936; Texte von Paul Verlaine und Rainer Maria Rilke. |
| Eros, op. 15 | Vier rezitierte Melodien für Sopran und Klavier, 1937; Texte von Rainer Maria Rilke; Dauer etwa 8 Minuten. |
| Trois chants, op. 21 | Für Altstimme und Klavier, 1938; Rilke-Bezug in der Werküberlieferung; Dauer etwa 6 Minuten. |
| Cantate, op. 23 | Für Soli, Chor und Orchester, 1938; Text von Rainer Maria Rilke; Dauer etwa 15 Minuten. |
| A Milosz, op. 29 | Vier Rezitationen beziehungsweise Récits für Gesang und Klavier, 1940; Gedichte von Armand Godoy; Dauer etwa 8 Minuten 30 Sekunden. |
| Huit stances, op. 56 | Für Bariton und Klavier, 1946; Text von Jean Moréas; Dauer etwa 14 Minuten. |
| Trois vocalises, op. 58 | Für Sopran oder Tenor und Orgel, 1947; Dauer etwa 7 Minuten. |
| Kleines Divertimento, op. 60 | Für Männerchor a cappella, 1947; Text von Carl Spitteler; Dauer etwa 5 Minuten. |
| Kantate, op. 61 | Offenbarung und Untergang für Bass und kleines Orchester, 1947; Text von Georg Trakl; Dauer etwa 21 Minuten; zugleich in den Nachlassangaben unter den unvollendeten beziehungsweise besonders behandelten Werkspuren genannt. |
| 4 Vocalises, op. 74 Nr. 1 | Für gemischten Chor a cappella, 1956; Dauer etwa 6 Minuten. |
| 5 Vocalises, op. 74 Nr. 2 | Für Männerchor a cappella, 1956; Dauer etwa 8 Minuten. |
| Daheim, op. 2 | Für Frauenchor und Klavier, 1926; Frühwerk. |
| Apostatenmarsch | Für Stimme und Klavier, 1925; frühe Werkspur ohne spätere zentrale Katalogstellung. |
| Arm in Arm und Kron’ an Krone | Aus Waldlied, frühe vokale Werkspur mit Opusbezug in der offiziellen datierten Werkansicht. |
| Frühlingslied | Für Stimme und Klavier, 1926; als Frühwerk mit Sternchen beziehungsweise unsicherer späterer Katalogstellung überliefert. |
Unvollendete, zurückgestellte und gesondert geführte Werke
| Sonate rythmique | Unvollendeter erster Satz für Klavier, 1930; auf der offiziellen Werkseite unter den unvollständigen Werken geführt. |
|---|---|
| Alla Americana | Für Klavier, nicht näher bezeichnetes Instrument, Posaune, Trompete, drei Saxophone und Schlagzeug, 1930; unvollständige beziehungsweise gesondert geführte Werkspur. |
| Jürg Jenatsch | Unvollendete Oper, 1954; zugleich im Bühnenwerkverzeichnis genannt, weil das Projekt kulturgeschichtlich besonders aussagekräftig ist. |
| Kantate für Bass und kleines Orchester „Offenbarung und Untergang“, op. 61 | Werk nach Georg Trakl, 1947; in der offiziellen Sonderliste nochmals unter den unvollendeten beziehungsweise gesondert behandelten Werkspuren geführt. |
Nachlass, Editionen und Quellenlage
Der Nachlass Raffaele d’Alessandros ist eine zentrale Grundlage für die heutige Beschäftigung mit seinem Werk. Er umfasst Kompositionen, Korrespondenz, persönliche Dokumente, Fotografien, Presseunterlagen, Nachlassdokumentation und Erwerbungen. Das Inventar der Schweizerischen Nationalbibliothek beziehungsweise des Schweizerischen Literaturarchivs weist den Fonds unter der Signatur Ms-Mf-10 aus. Die Materialien reichen chronologisch über d’Alessandros Lebenszeit hinaus, weil spätere Dokumentationen, Nachlassordnungen, Editionen und Vereinsunterlagen hinzukamen.
Die Werkzählung ist nicht völlig einheitlich. D’Alessandro selbst stellte mehrere Werkverzeichnisse zusammen, unter anderem 1939, 1943 und 1958. Das offizielle Werkportal verwendet den Katalog von 1958 als Bezugspunkt, weist aber daneben ältere Werkverzeichnisse, Jugendwerke, Werke ohne Opuszahl und unvollständige Kompositionen aus. Das erklärt die leichte Differenz zwischen verschiedenen Gesamtzahlen. Für die musikwissenschaftliche Arbeit bleibt deshalb Luise Marretta-Schärs thematisches Werkverzeichnis von 1979 grundlegend, ergänzt durch die archivalische Erschließung, die offizielle Katalogseite, Musinfo und moderne Verlagseinträge.
Die Editionslage ist gemischt. Einige Werke sind gedruckt oder in modernen Editionen zugänglich, darunter Teile der Klavier-, Orgel-, Kammer- und Konzertmusik. Andere Stücke blieben Manuskript oder sind nur über Nachlass, Kataloge und Aufführungshinweise greifbar. Besonders wichtig sind Amadeus Verlag, Sordino Ediziuns Musicalas, Foetisch, Müller & Schade, Bote & Bock beziehungsweise Boosey & Hawkes sowie Eulenburg/Schott. Die Association Raffaele d’Alessandro trug wesentlich dazu bei, den Komponisten nach Phasen des Vergessens wieder sichtbar zu machen.
Rezeption und kulturgeschichtliche Bedeutung
D’Alessandro wurde zu Lebzeiten von wichtigen Interpreten und Dirigenten wahrgenommen. Ernest Ansermet dirigierte früh die Rumba sinfonica, Victor Desarzens setzte sich mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne für seine Musik ein, und auch Dirigenten wie Paul Kletzki, Günter Wand, Carl Schuricht und Paul Sacher erscheinen im weiteren Aufführungs- und Wirkungskreis. Solche Namen zeigen, dass d’Alessandro nicht als isolierter Außenseiter zu verstehen ist. Er war vielmehr in ein professionelles Schweizer und internationales Musikleben eingebunden.
Dennoch blieb seine Rezeption fragil. Seine Musik war weder leicht konsumierbar noch radikal avantgardistisch etikettierbar. Sie entzog sich einem einfachen Schulzusammenhang. Gerade diese Eigenständigkeit erschwerte die Kanonisierung. Nach seinem frühen Tod 1959 geriet sein Werk zeitweise in den Hintergrund. Erst spätere Nachlassarbeit, neue Ausgaben, Tonträger, Konzertinitiativen und das Engagement der Association Raffaele d’Alessandro führten zu einer erneuten Beschäftigung.
Kulturgeschichtlich ist d’Alessandro besonders wichtig, weil er eine spezifische Form schweizerischer Moderne repräsentiert: international geschult, französisch sensibilisiert, regional nicht indifferent, aber nie folkloristisch vereinfacht; technisch anspruchsvoll, doch nicht dogmatisch; rhythmisch vital, aber häufig von Melancholie, Verdichtung und dunkler Spannung geprägt. Seine Musik steht an einem Punkt, an dem sich Pianismus, Orgelkunst, Kammermusik, Rundfunkkultur, Schweizer Orchesterleben und Pariser Kompositionsdisziplin berühren.
Sekundärliteratur
- Luise Marretta-Schär: Raffaele d’Alessandro. Leben und Werk. Mit vollständigem thematischem Werkverzeichnis. Winterthur: Amadeus Verlag, 1979. Grundlegende monographische Darstellung mit thematischem Werkverzeichnis; zentrale Quelle für Biographie, Werkchronologie und Opusordnung.
- Antonin Scherrer: Raffaele D’Alessandro ou l’urgence intérieure. Genf/Troinex: Éditions Papillon, 2009. Neuere französischsprachige Monographie, die den Komponisten unter dem Gesichtspunkt innerer Dringlichkeit, existenzieller Spannung und schweizerischer Musikmoderne betrachtet.
- Raffaele d’Alessandro. Liste des œuvres / Werkverzeichnis. Zürich: Archives Musicales Suisses / Schweizerisches Musik-Archiv, 1970. Frühes Werkverzeichnis nach dem Tod des Komponisten; Grundlage der Yale-Worklist.
- Dictionnaire des musiciens suisses. Schweizerisches Musikerlexikon mit biographischer und werkgeschichtlicher Einordnung.
- Artikel „Alessandro, Raffaele“. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart beziehungsweise MGG Online. Fachlexikalischer Artikel zur Person, zum Werk und zur musikgeschichtlichen Stellung.
- Artikel „d’Alessandro, Raffaele“. In: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. Englischsprachiger Kurzartikel mit Lebensdaten, Ausbildung und Werkgruppen.
- Jens Schubbe: Booklettexte zu Tonträgern mit Kammermusik Raffaele d’Alessandros. Nützlich für die neuere interpretatorische und diskographische Rezeption.
- Raymond Meylan: Nachlass- und Editionsdokumentationen zu Raffaele d’Alessandro. Wichtig für die nachträgliche Werkpflege, Editionen und Vermittlung des Œuvres.
- Publikationen der Association Raffaele d’Alessandro, Lausanne. Materialien zur Wiederentdeckung, Edition und Aufführung der Werke.
- Schweizerisches Literaturarchiv: Fonds Raffaele d’Alessandro. Archivische Grundlage für Werk, Korrespondenz, persönliche Dokumente und Nachlassgeschichte.
Ausgewählte Onlinequellen
- Association Raffaele d’Alessandro: Offizielle Startseite Offizielle Webseite der Association Raffaele d’Alessandro mit biographischer Einführung, Werkhinweisen, Publikationen und Hörbeispielen.
- Association Raffaele d’Alessandro: Introduction to the catalog of works Einführung in den Werkbestand mit Angaben zu den drei Werkverzeichnissen von 1939, 1943 und 1958 sowie zur Kataloggrundlage.
- Association Raffaele d’Alessandro: Complete works Offizieller Einstieg in das Gesamtverzeichnis der Werke, einschließlich Opuswerken, Frühwerken und Werken ohne Opuszahl.
- Association Raffaele d’Alessandro: All works ordered by date Chronologische Werkansicht, besonders hilfreich zur Erfassung von Jugendwerken, späteren Fassungen und unvollständigen Stücken.
- Association Raffaele d’Alessandro: All works cataloged by types Systematischer Zugang nach Gattungen wie Bühnenwerk, Vokalmusik, Chor, Orchesterwerk und Kammermusik.
- Association Raffaele d’Alessandro: All works cataloged by instruments Werkzugang nach Instrumenten, besonders nützlich für Klavier-, Orgel-, Bläser- und Streicherkammermusik.
- Association Raffaele d’Alessandro: Scores Übersicht über verfügbare Partituren, Faksimiles, Aufnahmen, Bücher und Dokumente.
- Association Raffaele d’Alessandro: Listen Auswahl von Hörbeispielen aus dem Werk d’Alessandros.
- Association Raffaele d’Alessandro: Other works Sonderliste unvollendeter und gesondert geführter Werke, darunter Jürg Jenatsch und Alla Americana.
- Association Raffaele d’Alessandro: Links Linkseite zu öffentlichen Institutionen, Verlagen, Datenbanken, Interpreten und Zeitungsarchiven.
- Schweizerische Nationalbibliothek: Fonds Raffaele d’Alessandro, PDF-Inventar Archivisches Inventar mit Biographie, Nachlassbeschreibung, Bibliographie und Signaturinformationen.
- Schweizerische Nationalbibliothek: Fonds Raffaele d’Alessandro, Online-Inventar HTML-Fassung beziehungsweise Einstiegsseite zum Nachlassbestand Raffaele d’Alessandro.
- Patrinum: Raffaele d’Alessandro Personendatensatz der Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne mit biographischer und dokumentarischer Erschließung.
- Patrinum: Fonds Raffaele d’Alessandro Nachlassbezogener Datensatz mit Angaben zum Fonds und zur Überlieferung.
- Musinfo: d’Alessandro Raffaele Ausführlicher Schweizer Komponistendatensatz mit Biographie, Werkverzeichnis, Besetzungsangaben, Dauern, Verlags- und Manuskripthinweisen.
- Yale University Library: Raffaele D’Alessandro, 1911–1959 Worklist auf Grundlage des Werkverzeichnisses des Schweizerischen Musik-Archivs von 1970.
- MGG Online: Alessandro, Raffaele Fachlexikalischer Artikel zur Person und zur musikgeschichtlichen Einordnung.
- Historisches Lexikon der Schweiz: Raffaele d’Alessandro Schweizerischer Lexikonartikel mit knapper biographischer und stilgeschichtlicher Einordnung.
- Encyclopedia.com: d’Alessandro, Raffaele Englischsprachiger Kurzartikel aus Baker’s Biographical Dictionary mit Lebensdaten, Ausbildung und Werkgruppen.
- Musica Mundana: Raffaele D’Alessandro Biographischer Überblick mit Angaben zu Herkunft, Ausbildung, Pariser Zeit, Lausanner Schaffensphase und Gesamtumfang des Œuvres.
- Société de Musique Contemporaine Lausanne: Raffaele D’Alessandro Kurzbiographie und Werkauswahl mit Bezug zur Lausanner Aufführungsgeschichte.
- IMSLP: Category Alessandro, Raffaele d’ Normdaten und gemeinfreie beziehungsweise urheberrechtlich differenzierte Werkseiten zu ausgewählten Kompositionen.
- Wikidata: Raffaele D’Alessandro Normdatenknoten mit Verknüpfungen zu VIAF, ISNI, GND, BnF, RISM, Library of Congress und weiteren Identifikatoren.
- VIAF: Raffaele d’Alessandro Internationaler Normdatenverbund zu den bibliothekarischen Namensformen des Komponisten.
- Deutsche Nationalbibliothek: GND 118523473 GND-Normdatensatz zu Raffaele d’Alessandro.
- BnF Data: Raffaele d’Alessandro Französischer Normdaten- und Katalogzugang mit Lebensdaten und bibliographischen Verknüpfungen.
- HelveticArchives: Raffaele d’Alessandro Archivischer Einstieg zum Nachlass und zu Beständen der Schweizerischen Nationalbibliothek.
- Schweizerische Nationalphonothek: Raffaele d’Alessandro Fonoteca-Bestand mit akustischen Dokumenten, Aufnahmen und Archivhinweisen.
- Amadeus Verlag: Concerto op. 75 für Fagott und Orchester Verlagsseite zur Partitur des Fagottkonzerts op. 75 mit Editionsdaten, Herausgeberangabe und ISMN.
- Boosey & Hawkes: Concerto grosso op. 57 Werkseite zum Concerto grosso für Streichorchester mit Angaben zu Besetzung, Dauer, Verlag und Uraufführung.
- neo.mx3.ch: Raffaele d’Alessandro Schweizer Plattform mit Audiobeispielen, biographischer Kurzangabe und Aufnahmen aus dem Rundfunkkontext.
- Klassika: Raffaele d’Alessandro Deutschsprachige Kurzseite mit Lebensdaten und knapper Einordnung in die Schweizer Musik des 20. Jahrhunderts.
- Musicalics: Raffaele d’Alessandro Komponistenseite mit Werk- und Verlagsverweisen.
- WorldCat: Raffaele d’Alessandro Internationaler Bibliothekskatalog zur Recherche nach Notendrucken, Büchern, Tonträgern und Sekundärliteratur.
Weiterführende Einträge
- Schweizer Musik Übergeordneter Kulturraum, in dem d’Alessandros Werk zwischen französischer, deutschschweizerischer und regionaler Prägung zu verorten ist.
- Schweizer Moderne Stil- und institutionsgeschichtlicher Rahmen für Komponisten wie Frank Martin, Othmar Schoeck, Arthur Honegger, Willy Burkhard und Raffaele d’Alessandro.
- St. Gallen Geburtsstadt d’Alessandros und früher Ort seiner musikalischen Ausbildung.
- Lausanne Wichtigster Wirkungsort der reifen Jahre d’Alessandros nach seiner Rückkehr aus Paris.
- Zürich Studienort d’Alessandros bei Paul Müller-Zürich, Willi Schuh und Victor Schlatter.
- Paris Ausbildungs- und Kulturzentrum, in dem d’Alessandro bei Nadia Boulanger, Marcel Dupré und Paul Roës studierte.
- Nadia Boulanger Kompositionslehrerin d’Alessandros und zentrale Vermittlerin französischer Satz- und Formdisziplin.
- Marcel Dupré Französischer Organist und Lehrer d’Alessandros in Paris.
- Paul Roës Pianist und Lehrer d’Alessandros, verbunden mit einer Liszt- und Busoni-nahen pianistischen Tradition.
- Paul Müller-Zürich Schweizer Komponist und Lehrer d’Alessandros in Zürich.
- Willi Schuh Schweizer Musikwissenschaftler und Theorielehrer, in dessen Zürcher Umfeld d’Alessandro studierte.
- Ernest Ansermet Schweizer Dirigent, der früh ein Orchesterwerk d’Alessandros aufführte.
- Victor Desarzens Dirigent des Orchestre de Chambre de Lausanne und wichtiger Interpret von d’Alessandros Werken.
- Paul Sacher Schweizer Dirigent, Mäzen und Widmungsträger im Umfeld d’Alessandros.
- Dinu Lipatti Pianist, der d’Alessandros musikalische Vollständigkeit besonders hoch einschätzte.
- Frank Martin Schweizer Komponist und wichtiger Vergleichspunkt für die Musik der Schweizer Moderne.
- Arthur Honegger Schweizerisch-französischer Komponist und zentraler Name des 20. Jahrhunderts im schweizerisch-französischen Musikraum.
- Othmar Schoeck Schweizer Komponist, dessen Stellung im nationalen Kanon den Rezeptionsrahmen d’Alessandros mitprägt.
- Willy Burkhard Schweizer Komponist der Moderne und wichtiger Vergleichspunkt zur Schweizer Musik der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit.
- Sándor Veress Komponist, dessen Schweizer Wirken die Moderne nach 1945 stark mitbestimmte.
- Neoklassizismus in der Musik Stilrahmen für d’Alessandros Vorliebe für Sonatine, Suite, Concerto, Präludium, Fuge und formale Knappheit.
- Impressionismus in der Musik Klangästhetischer Hintergrund seiner französisch geprägten Harmonik und Transparenz.
- Expressionismus in der Musik Ausdrucksgeschichtlicher Kontext für dunkle, verdichtete und affektiv gespannte Züge seines Werks.
- Erweiterte Tonalität Analytischer Begriff für d’Alessandros Harmonik zwischen tonalem Zentrum, chromatischer Verdichtung und moderner Klangsprache.
- Klaviermusik Zentraler Werkbereich d’Alessandros, besonders mit Präludien, Sonaten, Etüden und Werken für die linke Hand.
- Orgelmusik Wichtiger Werk- und Praxisbereich des Komponisten als ausgebildeter Organist.
- Kammermusik Gattungsraum, in dem d’Alessandro seine knappste und idiomatisch präziseste Instrumentalsprache entwickelte.
- Konzert Gattungsrahmen für die Klavier-, Violin-, Flöten-, Fagott- und Oboenkonzerte d’Alessandros.
- Symphonie Gattung, in der d’Alessandro mit zwei Werken einen gewichtigen Beitrag zur Schweizer Orchestermusik leistete.
- Präludium Formtypus, der in den Vingt-quatre Préludes op. 30 und weiteren Werkgruppen zentral ist.
- Fuge Kontrapunktische Form, die d’Alessandros französisch geschulte Satzkunst sichtbar macht.
- Etüde Gattung technischer und künstlerischer Verdichtung, besonders in den Klavier- und Orgeletüden d’Alessandros.
- Klaviermusik für die linke Hand Spezialbereich seines Klavierwerks mit Sonatine, Miniaturen und Etüden für die linke Hand allein.
- Flöte Instrument, für das d’Alessandro mehrere wichtige Solo-, Kammer- und Konzertwerke schrieb.
- Oboe Blasinstrument, das in Sonatine, Sonate und Oboenkonzert eine zentrale Rolle in d’Alessandros Spätwerk spielt.
- Fagott Instrument des Fagottkonzerts op. 75 und der Fagottsonate op. 76.
- Klarinette Instrument der Sonatina giocosa und der Klarinettensuite.
- Georg Trakl Dichter von Offenbarung und Untergang, das d’Alessandro als Kantate vertonte.
- Rainer Maria Rilke Dichter, dessen Texte in mehreren frühen Vokalwerken d’Alessandros verwendet wurden.
- Carl Spitteler Schweizer Dichter und Textautor des Kleinen Divertimento für Männerchor.
- Paul Claudel Autor von Le partage de Midi, zu dem d’Alessandro Bühnenmusik schrieb.
- Jon Knittel Autor, dessen Jenatsch-Stoff im Umfeld von d’Alessandros Opernprojekt und späterer Bündner Rezeption berührt wird.
- Graubünden Kultureller und landschaftlicher Bezugspunkt der Suite grisonne und des Jürg Jenatsch-Projekts.
- Jürg Jenatsch Historischer und literarischer Stoff, den d’Alessandro in einem unvollendeten Opernprojekt behandelte.
- Rundfunkmusik Institutioneller Kontext für Aufführung, Vermittlung und Archivierung von d’Alessandros Musik.
- Musikalischer Nachlass Quellenkundlicher Begriff für die Erschließung von Manuskripten, Werkverzeichnissen, Korrespondenz und Aufführungsmaterial.