Felice Alessandri

* 24. November 1747 in Rom; † 15. August 1798 in Casinalbo bei Modena. Italienischer Komponist, Cembalist, Kapellmeister und international tätiger Opernkomponist.

Überblick

Felice Alessandri war ein italienischer Komponist, Cembalist und Kapellmeister, dessen Laufbahn die Mobilität des europäischen Musiktheaters im späten 18. Jahrhundert besonders deutlich zeigt. Er wirkte nicht nur in Rom, Turin, Venedig, Verona, Mailand, Padua und Modena, sondern auch in Paris, London, Wien, Sankt Petersburg, Potsdam und Berlin. Sein Werk gehört vor allem in die Welt der italienischen Oper zwischen opera seria, dramma giocoso, opera buffa, Pasticcio, höfischem Theater und internationalem Gastspielbetrieb.

Seine Karriere begann mit geistlicher Musik und Cembalvirtuosität, verschob sich aber rasch zum Musiktheater. Schon 1767 traten mit Ezio und Il matrimonio per concorso zwei frühe Bühnenwerke hervor. In London war Alessandri mit seiner Frau Maria Lavinia Guadagni, einer Sängerin aus dem Umfeld der berühmten Guadagni-Familie, am King’s Theatre am Haymarket tätig. In Paris stand er mit dem Concert spirituel und Joseph Legros in Verbindung. In Berlin wurde er unter Friedrich Wilhelm II. zweiter Direktor beziehungsweise Kapellmeister der italienischen Hofoper, geriet dort jedoch in ein konfliktreiches Geflecht aus Hofpoesie, Sängerpolitik, Opernreform, Kritik und Rivalitäten.

Als Komponist war Alessandri ungewöhnlich produktiv. Die Quellen nennen etwa zweiunddreißig Opern zwischen 1767 und 1794, wobei bei einzelnen Titeln Pasticcio-Charakter, spätere Umarbeitungen, verlorene Partituren, zweifelhafte Zuschreibungen und alternative Titel zu beachten sind. Hinzu kommen Oratorien, Kantaten, Ballette und Instrumentalwerke, darunter sechs Cembalokonzerte, sechs Triosonaten und sechs Sinfonien op. 6. Sein Name ist besonders mit einer europaweit verbreiteten italienischen Theaterpraxis verbunden, in der ein Werk nicht als unveränderlicher Text, sondern als bewegliche Aufführungsform existierte.

Kurzdaten

Name Felice Alessandri.
Geburt 24. November 1747 in Rom; einzelne ältere oder abgeleitete Angaben nennen alternativ San Damaso bei Modena, doch der maßgebliche italienische biographische Artikel nennt Rom und die Eltern Stefano Alessandri und Angiola-Maria Ruggieri.
Tod 15. August 1798 in Casinalbo bei Modena, im Gebiet von Formigine.
Beruf Komponist, Cembalist, Kapellmeister, Opernkomponist und Bearbeiter musiktheatralischer Werke.
Epoche Klassik; zweites Drittel und spätes 18. Jahrhundert, besonders die Jahrzehnte zwischen 1760 und 1790.
Ausbildung Musikalische Ausbildung wahrscheinlich in Neapel; frühe Laufbahn als Cembalist und Kapellmeister in Turin.
Wichtige Wirkungsorte Rom, Turin, Verona, Venedig, Florenz, Pavia, Mailand, Padua, Paris, London, Wien, Sankt Petersburg, Potsdam, Berlin, Bologna, Modena und Casinalbo.
Ehe und Sängerumfeld Verheiratet mit Maria Lavinia Guadagni, einer Buffa-Sängerin und Schwester des Kastraten Gaetano Guadagni; dadurch stand Alessandri in enger Verbindung mit professionellen Sänger- und Theaternetzwerken.
Gattungsschwerpunkt Italienische Oper, besonders dramma per musica, dramma giocoso, opera buffa, Pasticcio, Oratorium, Kantate, Ballett und Instrumentalmusik.
Bekannte Werke Il matrimonio per concorso, La moglie fedele, Il re alla caccia, Alcina e Ruggero, Calliroe, Il vecchio geloso, La finta principessa, Il ritorno di Ulysse a Penelope, L’ouverture du grand opéra italien à Nankin, Dario, Virginia, Zemira und Armida.
Besondere Bedeutung Repräsentant der internationalen italienischen Opernpraxis vor 1800; seine Laufbahn verbindet italienische Theaterstädte, französische Konzertkultur, Londoner Opernbetrieb, russische Hofhoffnungen und die italienische Hofoper in Berlin.
Hinweis zur Verwechslung Felice Alessandri ist nicht mit Alessandro Felici, Gennaro D’Alessandro oder Luigi Alessandri gleichzusetzen; wegen ähnlicher Namen kam es in älteren Quellen zu Zuschreibungsverwechslungen.

Leben und Laufbahn

Felice Alessandri wurde am 24. November 1747 in Rom geboren. Der biographische Hauptartikel des Dizionario Biografico degli Italiani nennt als Eltern Stefano Alessandri und Angiola-Maria Ruggieri. Über Kindheit und frühe Ausbildung ist nur begrenzt Sicheres bekannt. Die ältere Musikgeschichtsschreibung verweist auf eine musikalische Ausbildung in Neapel, was gut zu seiner späteren Beherrschung italienischer Opernkonventionen passt. Früh erscheint er als Cembalist und Kapellmeister in Turin; zugleich deutet sein erstes größeres bekanntes Werk, das Oratorium Il Tobia von 1765, auf eine ursprüngliche Verankerung in der geistlichen Musik und im römischen Oratoriumsmilieu.

Schon wenig später trat der Opernkomponist hervor. Um 1765 hielt sich Alessandri in Paris auf, wo er nach älteren Berichten Erfolg im Umfeld der Concerts spirituels hatte. 1767 kehrte er nach Italien zurück. In Verona wurde zur Karnevalssaison Ezio aufgeführt, in Venedig am Teatro San Moisè Il matrimonio per concorso. Damit setzte eine Laufbahn ein, die Alessandri fast ausschließlich an das Musiktheater band. Wie viele italienische Komponisten seiner Zeit schrieb er nicht für einen abstrakten Werkkanon, sondern für konkrete Sänger, Theater, Impresarios, Spielzeiten, höfische Anlässe und städtische Publika.

Im Herbst 1767 ging Alessandri mit seiner Frau Maria Lavinia Guadagni nach London. Sie gehörte zur Sängerfamilie Guadagni; ihr Bruder Gaetano Guadagni war einer der berühmten Kastraten des 18. Jahrhunderts. In London wirkte Alessandri am King’s Theatre am Haymarket. Dort entstanden unter anderem La moglie fedele und Il re alla caccia; außerdem bearbeitete und dirigierte er Werke anderer Komponisten, darunter Opern von Baldassare Galuppi und Niccolò Piccinni. Die Londoner Zeit zeigt Alessandri nicht nur als Komponisten, sondern auch als praktischen Theatermusiker, der fremdes Repertoire einrichtete, am Cembalo agierte und den Geschmack eines internationalen Publikums bedienen musste.

Nach der Londoner Phase bewegte sich Alessandri wieder in italienischen Theaterlandschaften. Turin, Genua, Pavia, Mailand, Venedig, Padua und Florenz wurden wichtige Stationen. Zwischen 1773 und 1775 war er vor allem mit Turin verbunden; in dieser Zeit entstanden Werke wie Argea, Creso, La cameriera per amore, Alcina e Ruggero, La novità und La sposa persiana. Die Opern gehören teils in die ernste, teils in die komische und gemischte Theatertradition. Besonders aufschlussreich ist, dass Alessandri Librettisten wie Pietro Metastasio, Carlo Goldoni, Giovanni Bertati, Filippo Livigni, Mattia Verazi, Gaetano Sertor und Antonio de’ Filistri da Caramondani vertonte beziehungsweise deren Texte im Theaterbetrieb verwendete.

1776 und 1777 knüpfte Alessandri erneut an Paris an. Joseph Legros lud ihn ein, an der Leitung der Concerts spirituels mitzuwirken und Kompositionen für französische und italienische Texte zu liefern. Alessandri nahm das Angebot schließlich an und lebte 1777 und 1778 im Hause Legros. Diese Pariser Verbindung ist für sein Profil wichtig, weil sie die stilistische Offenheit einiger seiner Werke erklärt. In der Oper Calliroe und in späteren Werken lassen sich Elemente finden, die nicht rein italienisch-seriell gedacht sind, sondern stärkere Chor-, Ensemble-, Pantomimen- und Ballettelemente aufnehmen.

1786 ging Alessandri nach Sankt Petersburg. Er hoffte auf eine feste Stellung als Komponist am russischen Hof, erreichte dieses Ziel jedoch nicht. Stattdessen lebte er dort als Gesangslehrer im Dienst einer vornehmen Familie. Die Petersburger Jahre zeigen die prekäre Seite der internationalen Musikerexistenz: Ein italienischer Opernkomponist konnte große Hoffnungen an einen Hof richten, musste aber zugleich mit unsicherer Anstellung, Konkurrenz, höfischer Willkür und wechselnder Nachfrage rechnen.

1789 kam Alessandri nach Berlin. Mit Unterstützung der Primadonna Luisa Todi und des Hofpoeten Antonio de’ Filistri da Caramondani wurde er im Umfeld der italienischen Hofoper tätig und 1790 als zweiter Direktor beziehungsweise Kapellmeister für drei Jahre verpflichtet. Diese Berliner Jahre wurden die konfliktreichste Phase seiner Laufbahn. Il ritorno di Ulysse a Penelope wurde 1790 in Potsdam beziehungsweise im höfischen Theaterumfeld aufgeführt; L’ouverture du grand opéra italien à Nankin, auch unter dem Titel La compagnia d’opera a Nanchino bekannt, satirisierte das italienische Opernpersonal und erzeugte zusätzliche Spannungen. Dario und Vasco di Gama blieben ebenfalls problematisch. Alessandri geriet zwischen Hofgeschmack, Sängerinteressen, Reichardts Kritik, Filistris Librettoarbeit und Friedrich Wilhelms II. Erwartungen.

1792 wurde Alessandri in Berlin entlassen. Er kehrte nach Italien zurück, hielt sich in Bologna und im modenesischen Raum auf und arbeitete weiter für das Theater. 1793 wurde in Venedig Virginia aufgeführt, 1794 folgten in Padua Zemira und Armida. Besonders Armida wurde in der älteren Literatur als eines seiner besseren späten Werke hervorgehoben. 1796 wurde Alessandri Ehrenmitglied der Accademia Filarmonica Modenese. Am 15. August 1798 starb er in Casinalbo bei Modena. Eine letzte Oper wurde kurz vor oder nach seinem Tod mit unsicherer Titelüberlieferung im modenesisch-mantuanischen Umfeld genannt; häufig wird sie mit I sposi burlati in Verbindung gebracht.

Ausführlicher Kulturüberblick

Felice Alessandri gehört in eine europäische Theaterwelt, die durch Mobilität, Konkurrenz und schnelle Repertoirezirkulation geprägt war. Die italienische Oper des 18. Jahrhunderts war kein nationales Binnenphänomen, sondern ein europaweites System. Sänger, Librettisten, Komponisten, Theaterunternehmer und Instrumentalisten bewegten sich zwischen Venedig, Neapel, Rom, Mailand, Turin, Florenz, Wien, London, Dresden, Berlin, Sankt Petersburg, Lissabon und Madrid. Alessandris Laufbahn zeigt diese Mobilität exemplarisch: Ein in Rom geborener, in Neapel ausgebildeter Musiker konnte in Paris auftreten, in London Opern liefern, in Italien Karrieren an Stadttheatern verfolgen, in Russland eine Hofanstellung suchen und in Berlin in die Politik der italienischen Hofoper geraten.

Diese Opernwelt lebte von Wiederverwendung und Anpassung. Ein Libretto von Metastasio konnte von zahlreichen Komponisten vertont werden; ein erfolgreiches dramma giocoso konnte unter veränderten Titeln in vielen Städten erscheinen; Arien konnten ersetzt, gestrichen oder für bestimmte Sänger eingerichtet werden. Der moderne Werkbegriff, der ein Werk als fixierte Partitur mit unveränderlicher Gestalt denkt, greift für Alessandris Theaterpraxis nur eingeschränkt. Gerade deshalb sind seine Opern kulturhistorisch wertvoll: Sie dokumentieren ein Musiktheater, in dem Aufführung, Sängerprofil, lokale Zensur, Impresariointeresse und Publikumsgeschmack die Werkgestalt ständig mitbestimmten.

Die Gattungslandschaft, in der Alessandri arbeitete, war differenziert. Die opera seria beruhte weiterhin auf heroischen, mythologischen oder antik-historischen Stoffen, auf Standesfiguren und affektgeladenen Entscheidungssituationen. Metastasios Libretti waren noch immer ein zentraler Bezugspunkt. Daneben entwickelte sich die opera buffa und das dramma giocoso weiter: komische Situationen, gesellschaftliche Satire, bürgerliche Intrigen, Verkleidung, Eifersucht, soziale Maskerade und halb ernste Wendungen traten stärker hervor. Alessandri komponierte für beide Bereiche und war gerade dort erfolgreich, wo die komische oder gemischte Oper internationale Anschlussfähigkeit gewann.

Besonders erfolgreich wurden Il vecchio geloso und La finta principessa. Beide Werke zeigen, dass Alessandris Name im norditalienischen Theaterbetrieb nicht nur episodisch präsent war. La finta principessa wurde unter verschiedenen Titeln, darunter Li due fratelli Pappamosca und später in Lissabon La finta baronessa, über viele Jahre hinweg wiederaufgenommen. Solche Titelfluktuationen sind typisch für das Opernleben des 18. Jahrhunderts. Sie erschweren heutige Werkverzeichnisse, belegen aber zugleich die praktische Lebendigkeit eines Werkes, das vom Publikum und von Theaterunternehmern als brauchbares Repertoirestück behandelt wurde.

Alessandris Karriere berührt auch die Spannung zwischen italienischer und französischer Musikästhetik. In Paris begegnete er dem Concert spirituel, also einer öffentlichen Konzertinstitution mit starkem geistlichem und repräsentativem Profil. Einige seiner Opern weisen stärkere Chor-, Ensemble-, Ballett- und Pantomimenelemente auf, die über das konventionelle Wechselspiel von Rezitativ und Arie hinausweisen. In Alcina e Ruggero und Calliroe sind solche Züge besonders wichtig. Sie zeigen einen Komponisten, der zwar im italienischen Opernidiom verwurzelt blieb, aber die veränderten Theatererwartungen der 1770er und 1780er Jahre aufnahm.

Die Berliner Jahre veranschaulichen schließlich die politische Seite der Oper. Die italienische Hofoper war am preußischen Hof nicht nur Unterhaltung, sondern auch Repräsentationsinstrument, Prestigeobjekt, Kostenfaktor und Gegenstand ästhetischer Auseinandersetzung. Alessandri stand dort im Spannungsfeld von italienischen Sängern, deutschem Hofpersonal, französischsprachiger Hofkommunikation, Hofdichter Antonio de’ Filistri da Caramondani und der Konkurrenz Johann Friedrich Reichardts. Seine Berliner Misserfolge sind nicht einfach als musikalisches Scheitern zu lesen. Sie zeigen vielmehr, wie gefährlich eine Hofoperposition sein konnte, wenn künstlerische, administrative, sprachliche und persönliche Interessen gegeneinander arbeiteten.

Kulturgeschichtlich steht Alessandri damit an einem Übergang. Er gehört noch zur beweglichen, stark sängerzentrierten Opernpraxis des 18. Jahrhunderts, erlebt aber bereits eine Veränderung der Erwartung an dramatische Geschlossenheit, Ensemblewirkung, Chorverwendung und theatralische Komplexität. Seine späten Werke wie Virginia, Zemira und Armida gehören in eine Zeit, in der die ältere metastasianische Ordnung nicht verschwindet, aber an dramatischer Selbstverständlichkeit verliert. Alessandri ist deshalb weniger als isolierter „Meister“ zu betrachten, sondern als aufschlussreiche Gestalt eines europäischen Theatermarktes, der sich zwischen barocker Tradition, klassischer Dramatisierung, komischer Oper und höfischer Kultur neu ordnete.

Stil, Gattung und Wirkung

Alessandris Musik wurde in der älteren Literatur unterschiedlich beurteilt. Einerseits wird seine melodische Erfindung als gefällig, flüssig und theaterwirksam beschrieben; andererseits erscheinen manche Werke konventionell, und vereinzelt wurde ihm Plagiat oder allzu starke Abhängigkeit von vorhandenen Mustern vorgeworfen. Solche Urteile sind jedoch vorsichtig zu lesen, weil sie oft aus einer späteren, stärker auf Originalität und Werkindividualität ausgerichteten Ästhetik stammen. Für den Opernbetrieb seiner Zeit war die Fähigkeit, rasch, sängerwirksam und situationsgerecht zu komponieren, ein wesentliches professionelles Kriterium.

In seinen ernsten Opern folgt Alessandri häufig der etablierten Form des dramma per musica. Die Handlung wird durch Rezitative vorangetrieben, Arien geben Affekte, Entschlüsse und Konflikte aus. Bei späteren und ambitionierteren Stücken treten jedoch komplexere Szenenverläufe, Chöre, Pantomimen und Ensembles stärker hervor. Diese Elemente zeigen den Druck einer sich verändernden Theaterästhetik. Die Oper sollte nicht nur eine Abfolge virtuoser Nummern bieten, sondern zunehmend szenische Dynamik, Gruppenkonstellation und dramatische Verdichtung entfalten.

In den komischen und gemischten Opern ist Alessandri besonders kulturgeschichtlich interessant. Il vecchio geloso, La finta principessa und verwandte Werke stehen in der Tradition der italienischen Buffa, nehmen aber halb ernste Züge auf. Eifersucht, Maskerade, sozialer Rang, betrügerische Selbstinszenierung und familiäre Intrige werden musikalisch-theatralisch geordnet. Gerade solche Werke eigneten sich für internationale Übernahme, weil sie weder an heroische Hofmythologie noch an lokale politische Anspielungen vollständig gebunden waren.

Seine Instrumentalmusik ist schmaler überliefert, aber für sein Profil als Cembalist wesentlich. Die sechs Cembalokonzerte, die Triosonaten und die Sinfonien op. 6 zeigen den Musiker in einem Bereich, der zwischen privater Aufführung, öffentlichem Konzert, Verlagsmarkt und höfisch-bürgerlicher Musizierpraxis liegt. Sie erinnern daran, dass Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts selten ausschließlich Theaterautoren waren. Sie bewegten sich vielmehr zwischen Tastenspiel, Begleitung, Konzert, Bearbeitung, Unterricht, Kapellmeisterdienst und Theaterorganisation.

Werkverzeichnis

Opern, musikdramatische Werke und Pasticci

Ezio Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Pietro Metastasio; Karneval 1767, Verona, Teatro Filarmonico. Spätere überarbeitete Aufführungen unter anderem 1782 in Mailand, Teatro alla Scala, sowie 1782 in Lucca und 1783 in Florenz, Teatro della Pergola.
Il matrimonio per concorso Dramma giocoso in drei Akten; Libretto von Gaetano Martinelli nach Carlo Goldoni; Karneval 1767, Venedig, Teatro San Moisè. Weitere Aufführungen unter anderem 1767 in Florenz, 1770 in Pavia und 1773 in Lissabon.
Gli amanti ridicoli Komische Oper; Gemeinschafts- beziehungsweise Pasticcio-Zusammenhang mit Baldassare Galuppi; Libretto von Antonio Galuppi und Giovan Gualberto Bottarelli; 1768, London, King’s Theatre am Haymarket. Die Partitur gilt als verschollen.
La moglie fedele Komische Oper in zwei Akten; Libretto von Giovan Gualberto Bottarelli; 27. Februar 1768, London, King’s Theatre am Haymarket. Ausgewählte Arien wurden in London gedruckt; die vollständige Partitur ist nicht gesichert überliefert.
L’argentino Opera buffa in zwei Akten; Frühling 1768, Wien, Burgtheater. Das Werk ist in der Überlieferung nur fragmentarisch beziehungsweise als verlorenes Bühnenwerk greifbar.
Arianna e Teseo Dramma beziehungsweise Pasticcio; Libretto von Pietro Pariati und Giovan Gualberto Bottarelli; 11. Oktober 1768, London, King’s Theatre am Haymarket. Die Partitur ist verschollen.
Il re alla caccia Komische Oper in drei Akten; Libretto nach Carlo Goldoni; 1. März 1769, London, King’s Theatre am Haymarket. Auch dieses Werk gehört zur Londoner Phase Alessandris; die vollständige Partitur gilt als verschollen.
Argea Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Giandomenico Boggio; 26. Dezember 1772, Turin, Teatro Regio. Das Werk gehört zur frühen Turiner Phase nach der Londoner Zeit.
Antigono Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Pietro Metastasio; Frühling 1773, Genua, Teatro Sant’Agostino. Das Werk steht in der verbreiteten metastasianischen Operntradition.
Creso Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Giuseppe Gioacchino Pizzi; Frühling 1774, Pavia, Teatro dei Quattro Cavalieri Associati; Karneval 1778, Mantua, Teatro Regio Ducale Vecchio.
La cameriera per amore Dramma giocoso in zwei Akten; Libretto von Filippo Livigni; Herbst 1774, Turin, Teatro Carignano; Karneval 1776, Lissabon, Teatro de Salvaterra. Die Partitur gilt als verschollen.
Medonte re d’Epiro Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Giovanni De Gamerra; 26. Dezember 1774, Mailand, Teatro Ducale. Im Libretto Luigi Alessandri zugeschrieben, in der Forschung jedoch wahrscheinlich Felice Alessandri zugewiesen.
Sandrina, ossia La contadina di corte Dramma giocoso in zwei Akten; Libretto nach Carlo Goldoni; 1775, Lucca, Teatro Pubblico. Das Werk ist auch deshalb wichtig, weil ältere Quellen hier unterschiedliche Angaben zu London, Lucca und dem Umfeld der Goldoni-Operntradition bieten.
Alcina e Ruggero Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Vittorio Amedeo Cigna-Santi nach Ludovico Ariosto; 26. Januar 1775, Turin, Teatro Regio. Das Werk zeigt stärkere theatralische Elemente wie Tänze, Chöre und Ensembles.
La novità Dramma giocoso in zwei Akten; Libretto von Giovanni Bertati; Herbst 1775, Venedig, Teatro San Moisè. In älteren Quellen erscheint der zweite Akt teilweise unter dem Titel L’Italiano a Parigi.
La sposa persiana Dramma giocoso in drei Akten; Libretto nach Carlo Goldoni; Herbst 1775, Venedig, Teatro San Samuele; weitere Aufführungen 1776 in Dresden und 1779 in Wien, Theater am Kärntnertor.
Calliroe Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Mattia Verazi; 26. Dezember 1778, Mailand, Teatro alla Scala. Die Oper gehört zur Wiedereröffnungssaison der Scala und ist wegen Chören, Pantomimen, Balletteinbindung und komplexeren Szenenfolgen besonders wichtig.
Adriano in Siria Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Pietro Metastasio; 26. Dezember 1779, Venedig, Teatro San Benedetto. Das Werk belegt Alessandris fortdauernde Arbeit im metastasianischen Opernrepertoire.
Attalo re di Bitinia Dramma per musica in drei Akten; Libretto nach Antonio Salvi beziehungsweise in Bearbeitung mit Ferdinando Casorri; 10. September 1780, Florenz, Teatro della Pergola; Karneval 1781, Livorno.
Erifile Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Giambattista Neri oder Giovanni De Gamerra; 12. Juni 1781, Padua, Teatro Nuovo. Die Quellenlage zum Librettisten ist nicht einheitlich.
Il vecchio geloso Commedia per musica in zwei Akten; Libretto von Giovanni Bertati; 1. Oktober 1781, Mailand, Teatro alla Scala. Das Werk wurde in zahlreichen italienischen Städten sowie 1784 in Wien und Prag gespielt und gehört zu Alessandris erfolgreicheren Buffa-Werken.
Arbace Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Gaetano Sertor; 29. Dezember 1781, Rom, Teatro Argentina. Die Partitur gilt als verschollen.
La finta principessa, ossia Li due fratelli Pappamosca Dramma giocoso in zwei Akten; Libretto von Filippo Livigni; Herbst 1782, Venedig, Teatro San Moisè. Das Werk wurde über viele Jahre hinweg in zahlreichen italienischen und ausländischen Städten aufgeführt und erschien unter Titeln wie Li due fratelli Pappamosca oder La finta baronessa, o Li due fratelli ridicoli.
I puntigli gelosi Dramma giocoso in zwei Akten; Libretto von Filippo Livigni; Karneval 1783, Venedig, Teatro San Samuele. Die Partitur ist nicht gesichert erhalten.
Demofoonte Dramma serio in drei Akten; Libretto von Pietro Metastasio; 12. Juni 1783, Padua, Teatro Nuovo. Das Werk hatte nach der älteren Überlieferung keinen nachhaltigen Erfolg.
Artaserse Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Pietro Metastasio; 4. November 1783, Neapel, Teatro San Carlo. Die Oper steht in einem der meistvertonten metastasianischen Stoffkreise.
L’imbroglio delle tre spose Dramma giocoso beziehungsweise komische Oper; Libretto von Giovanni Bertati; Frühling 1784, Florenz, Teatro della Pergola. Das Werk wird in Treccani und englischen Kurzlexika als Alessandri-Werk genannt; in manchen Sekundärzusammenhängen sind weitere Fassungs- und Aufführungsfragen zu beachten.
La villanella rapita Komische Oper beziehungsweise Buffa-Zusammenhang; Libretto von Giovanni Bertati; Herbst 1784, Bologna, Teatro Formagliari. Der Titel ist in der Operngeschichte mehrfach mit anderen Komponisten und Fassungen verbunden; die Alessandri-Zuweisung wird in Treccani und weiteren Werklisten geführt.
Il marito geloso Dramma giocoso in zwei Akten; Karneval 1784, Livorno, Nuovo Teatro detto dagli Armeni. Die Quellenlage ist unsicher; ältere MGG-Angaben behandeln den Titel als identisch oder eng verwandt mit Il vecchio geloso.
Il regno della moda Dramma per musica beziehungsweise Pasticcio unter Beteiligung verschiedener Komponisten, darunter Domenico Cimarosa und Giovanni Paisiello; Karneval 1790, Desenzano. Der Anteil Alessandris ist als Pasticcio-Beitrag zu verstehen; das Werk gilt als verschollen.
Il ritorno di Ulysse a Penelope Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Antonio de’ Filistri da Caramondani; 25. Januar 1790, Potsdam, Königliches Theater in Sanssouci. Erste Berliner Hofopernarbeit Alessandris und wichtiges Dokument seiner preußischen Phase.
L’ouverture du grand opéra italien à Nankin / La compagnia d’opera a Nanchino Oper beziehungsweise dramma giocoso in zwei Akten; Libretto von Antonio de’ Filistri da Caramondani; 16. Oktober 1790, Berlin, Kleines Theater beziehungsweise höfisches Theaterumfeld. Das Werk ist als satirische Oper über das Opernpersonal besonders aufschlussreich; ältere Angaben nennen teilweise eine frühere Potsdamer Planung oder Aufführung.
Dario Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Antonio de’ Filistri da Caramondani; Karneval 1791, Berlin, Königliches Theater. Die Berliner Aufnahme war ungünstig und trug zu Alessandris schwieriger Stellung am preußischen Hof bei.
Vasco di Gama Dramma per musica in drei Akten, Pasticcio; Libretto von Antonio de’ Filistri da Caramondani; 20. Januar 1792, Berlin, Königliches Theater. Die Musik stammte von mehreren Komponisten beziehungsweise wurde von Alessandri eingerichtet; die Partitur ist verschollen.
Virginia Dramma per musica in drei Akten; Libretto von Alessandro Pepoli; 26. Dezember 1793, Venedig, Teatro La Fenice. Das Werk gehört zu Alessandris späten italienischen Opern nach der Berliner Entlassung.
Zemira Dramma per musica in zwei Akten; Libretto von Gaetano Sertor; 12. Juni 1794, Padua, Teatro Nuovo. Die Partitur gilt als verschollen.
Armida Dramma per musica in zwei Akten; Libretto von Giuseppe Maria Foppa; 1. Juli 1794, Padua, Teatro Nuovo. In der älteren Literatur wird besonders der zweite Akt positiv hervorgehoben.
I sposi burlati Opera buffa in zwei Akten; 26. Dezember 1798, Mantua, Nuovo Nazionale. Das Werk wurde nach Alessandris Tod aufgeführt und wird mit der Frage nach seiner letzten, im modenesischen Umfeld erwarteten Oper verbunden; die Partitur ist verschollen.
Unbekannte letzte Modeneser Oper Für den Karneval 1798 am Teatro Rangoni in Modena wird eine zweite Oper mit Musik Alessandris erwähnt, deren Titel nicht sicher überliefert ist. In der Forschung wird die Möglichkeit diskutiert, sie mit I sposi burlati beziehungsweise mit dem späten Mantuaner Aufführungskontext in Verbindung zu bringen.

Kantaten und Gelegenheitswerke

Cantata nella solenne apertura dell’Academia degli’Ingegnosi Kantate zur feierlichen Eröffnung der Accademia degli Ingegnosi; 1770, Florenz. Das Werk gehört in die Tradition akademischer und repräsentativer Gelegenheitsmusik.
Il tempio della fama Kantate beziehungsweise Gelegenheitswerk; 1782, Mailand. Der Titel verweist auf allegorische Fest- und Ruhmestopik des 18. Jahrhunderts.
Le virtù rivali Azione beziehungsweise Kantate in zwei Teilen; Libretto von Francesco Pimbiolo degli Engelfreddi; 5. Juli 1783, Padua, Teatro Nuovo. Das Werk wurde zu Ehren des ausscheidenden venezianischen Amtsträgers Alvise Mocenigo aufgeführt und ist auch wegen der Beteiligung prominenter Sänger, darunter Gaetano Guadagni, bedeutsam.

Ballette

Venere in Cipro Ballett; Szenario beziehungsweise dichterisches Umfeld Mattia Verazi, Choreographie G. Canziani; 30. Januar 1779, Mailand, Teatro alla Scala. Das Ballett wurde im Zusammenhang mit Pasquale Anfossis Cleopatra aufgeführt.
L’enlèvement des Sabines Ballett; Szenario S. Gallet; Oktober 1779, Alessandria; aufgeführt im Zusammenhang mit Giuseppe Ferreros La disfatta di Dario. Der französische Titel zeigt die internationale Ballett- und Theaterterminologie der Zeit.

Oratorien und geistliche Musik

Il Tobia Oratorium in zwei Teilen für vier Stimmen; 1765, Rom. Wahrscheinlich Alessandris frühestes größeres bekanntes Werk; das Manuskript wurde im Umfeld der römischen Filippiner beziehungsweise der Kirche Santa Maria in Vallicella überliefert.
La Betulia liberata Oratorium; Textgrundlage nach Pietro Metastasio; 1780 in Venedig und 1781 in Padua belegt. Ältere Angaben nennen eine lateinische Fassung beziehungsweise eine unsichere Textüberlieferung.
Übersetzung eines englischen Oratoriums In der Berliner Phase berichtete Alessandri in einem Schreiben an Friedrich Wilhelm II., er habe die Übersetzung eines englischen Oratoriums abgeschlossen. Das Werk ist im Werkverzeichnis als Hinweis auf seine praktische Hof- und Theaterarbeit zu berücksichtigen, ohne dass ein sicherer eigenständiger Kompositionstitel daraus abgeleitet werden kann.

Instrumentalwerke

Six concertos for the harpsichord with accompanyments for two violins and a violoncello Sechs Konzerte für Cembalo mit zwei Violinen und Violoncello; London, Welcker, 1769. Die Sammlung dokumentiert Alessandris Profil als Cembalist und als Komponist für den Londoner Musikmarkt.
Six sonatas for two violins and a thorough bass for the harpsichord Sechs Sonaten für zwei Violinen und Basso continuo beziehungsweise Cembalo; London, Welcker, um 1770; George Pitt gewidmet. Die Sonaten gehören zur kammermusikalischen Druckproduktion Alessandris.
Sei sinfonie a 8, op. 6 Sechs Sinfonien für zwei Violinen, Viola, zwei Oboen, zwei Hörner und Bass; Paris, Au Bureau Musical, um 1780. Die Besetzung verweist auf eine kammerorchestrale Sinfonik zwischen Konzertsaal, höfischem Ensemble und Verlagsmarkt.
Cembalosonate Einzelnes Cembalowerk beziehungsweise Sonatenüberlieferung, in modernen Katalogen und Digitalisierungsumfeldern als Teil von Alessandris Tastenmusik greifbar. Die genaue Überlieferung ist von Handschrift, Druck und späterer Zuschreibung abhängig.
Einzelne Arien und Auszüge Ausgewählte Arien aus Alessandris Bühnenwerken wurden gedruckt, abgeschrieben oder in Sammlungen überliefert. Für die Opernpraxis des 18. Jahrhunderts ist diese Einzelüberlieferung besonders wichtig, weil Arien häufig unabhängig vom Gesamtwerk zirkulierten.

Quellenlage und Zuschreibungsfragen

Die Quellenlage zu Felice Alessandri ist reich, aber nicht spannungsfrei. Die biographischen Hauptlinien sind durch Treccani, Grove, MGG und ältere Theatergeschichten gut gesichert. Schwieriger ist die genaue Abgrenzung des Werkbestandes. Mehrere Opern sind verschollen, manche sind nur durch Libretti, Arienauszüge, Theaterzettel, Katalogeinträge oder spätere Werklisten bekannt. Hinzu kommen Pasticci, Bearbeitungen, Wiederaufführungen unter abweichenden Titeln und lokale Fassungen, die nicht immer eindeutig zwischen Alessandris eigener Komposition, Einrichtung fremder Musik und gemischtem Aufführungsmaterial unterscheiden.

Besonders vorsichtig zu behandeln sind Werke mit Pasticcio-Charakter wie Arianna e Teseo, Il regno della moda und Vasco di Gama. Hier ist Alessandris Rolle nicht immer die eines alleinigen Komponisten. Im Theater des 18. Jahrhunderts war das jedoch keine Ausnahme, sondern gängige Praxis. Pasticci konnten Arien verschiedener Komponisten, neue Rezitative, ältere Einlagen und aufführungsbezogene Anpassungen miteinander verbinden. Für ein modernes Werkverzeichnis ist es deshalb sinnvoll, solche Stücke nicht zu verschweigen, aber ihren Status ausdrücklich zu kennzeichnen.

Ein weiterer Problemkreis betrifft Namensverwechslungen. Felice Alessandri wurde gelegentlich mit Alessandro Felici oder anderen ähnlich benannten Komponisten verwechselt. Auch die Zuschreibung von Medonte re d’Epiro zeigt diese Schwierigkeit, weil das Libretto Luigi Alessandri nennt, die Forschung jedoch Felice Alessandri als wahrscheinlich ansieht. Solche Unsicherheiten sind nicht bloße Randprobleme, sondern gehören zur Quellenphilologie der italienischen Oper des 18. Jahrhunderts. Namen, Theaterorte, Librettodrucke und Partiturhandschriften müssen jeweils gegeneinander geprüft werden.

Rezeption und kulturgeschichtliche Bedeutung

Alessandris Nachruhm ist nicht mit demjenigen von Gluck, Mozart, Paisiello, Cimarosa oder Cherubini vergleichbar. Dennoch ist sein Werk für die Kulturgeschichte der Oper wichtig. Er zeigt die Perspektive eines produktiven, europaweit tätigen Theaterkomponisten, der zwischen verschiedenen Märkten und Institutionen arbeitete. Seine Karriere war nicht linear, sondern durch Chancen, Misserfolge, Reisen, Netzwerke und höfische Abhängigkeiten geprägt.

In der älteren Musikgeschichtsschreibung wurde Alessandri bisweilen als konventioneller Komponist beschrieben. Diese Einschätzung erfasst nur einen Teil der Sache. Konventionalität war im Musiktheater des 18. Jahrhunderts nicht notwendig ein Mangel, sondern konnte die Voraussetzung für internationale Aufführbarkeit sein. Ein Komponist musste Sänger bedienen, lokale Theaterkonventionen beachten, bestehende Libretti handhaben und kurzfristig verwendbare Musik liefern. Alessandris stärkste Wirkung lag daher weniger in der radikalen Innovation als in der professionellen Anpassungsfähigkeit.

Seine Berliner Phase macht ihn zusätzlich für die deutsche Operngeschichte interessant. Dort wurde er Teil einer Debatte über die italienische Hofoper, über Kosten, Geschmack, Sängerherrschaft, Hofpoesie und die Rolle deutscher Musiker. Die Konflikte mit Reichardt und dem preußischen Hof sind ein Beispiel dafür, wie Oper im späten 18. Jahrhundert ein politisch und kulturell umkämpfter Raum war. Alessandri ist deshalb nicht nur als italienischer Komponist, sondern auch als Figur der europäischen Theater- und Hofkultur zu behandeln.

Heute ist Alessandri vor allem über Lexikonartikel, Opernverzeichnisse, Libretti-Digitalisate, RISM-Nachweise, IMSLP-Einträge und einzelne moderne Einspielungen oder Editionen greifbar. Für die weitere Forschung bleiben seine erhaltenen Partituren, Arienauszüge und Librettodrucke wichtig, weil sie helfen können, die Aufführungspraxis zwischen italienischer Operntradition, französischer Theaterwirkung und Berliner Hofoper genauer zu verstehen.

Sekundärliteratur

  • Silvana Simonetti: „Alessandri, Felice“. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 2. Rom: Istituto dell’Enciclopedia Italiana, 1960. Grundlegender italienischer biographischer Artikel mit ausführlicher Darstellung von Laufbahn, Werk, Berliner Phase und älterer Forschungsliteratur.
  • Silvana Simonetti; Albert Müry: „Alessandri, Felice“. In: Friedrich Blume (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart, erste Ausgabe, Band 15, Supplement 1. Kassel u. a.: Bärenreiter/Metzler, 1973, Sp. 132–134. Deutschsprachige fachlexikalische Einordnung, wichtig für Werkbestand, Stilurteil und ältere Quellenlage.
  • Sven Hansell; Marita P. McClymonds: „Alessandri, Felice“. In: Grove Music Online. Oxford University Press. Englischsprachiger Fachartikel mit moderner biographischer und werkgeschichtlicher Zusammenfassung.
  • Charles Burney: A General History of Music from the Earliest Ages to the Present Period, Band 4. London, 1789. Zeitgenössisch nahe Quelle zur europäischen Musik- und Theaterpraxis, mit wichtigen Beobachtungen zum Londoner Umfeld.
  • Ernst Ludwig Gerber: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler, Band 1. Leipzig, 1812. Frühes Musikerlexikon mit zeitnaher biographischer Überlieferung.
  • François-Joseph Fétis: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique, Band 1. Paris, 1873. Einflussreiche ältere Lexikonquelle, zugleich wegen einzelner tradierter Ungenauigkeiten kritisch zu benutzen.
  • Ludwig Schneider: Geschichte der Oper und des königlichen Opernhauses in Berlin. Berlin, 1852. Zentrale ältere Darstellung für Alessandris Berliner Hofopernphase und die Konflikte um Friedrich Wilhelm II.
  • Luigi Francesco Valdrighi: F. A. maestro di cappella di Federico Guglielmo II re di Prussia (1790–91–92). Modena, 1896. Spezialstudie zur preußischen Kapellmeister- und Opernphase Alessandris.
  • Alessandro Gandini: Cronistoria dei teatri di Modena dal 1539 al 1871, Band 1. Modena, 1873. Theaterchronik, relevant für Alessandris späte Jahre im modenesischen Raum.
  • Bruno Brunelli: I teatri di Padova dalle origini alla fine del secolo XIX. Padua, 1921. Wichtig für Alessandris Padua-Bezüge, insbesondere Demofoonte, Le virtù rivali, Zemira und Armida.
  • Robert Eitner: Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten. Leipzig, 1900 ff. Quellenlexikon zur älteren bibliographischen und musikalischen Überlieferung.
  • Umberto Manferrari: Dizionario universale delle opere melodrammatiche, Band 1. Florenz, 1954. Opernlexikalische Ressource zur Einordnung einzelner Bühnenwerke Alessandris.
  • Enciclopedia dello Spettacolo, Band 1. Rom, 1954. Nachschlagewerk zur Theater- und Operngeschichte, mit älteren Angaben zum Opernkomponisten Alessandri.
  • The British Union-Catalogue of Early Music Printed before the Year 1801, Band 1. London, 1957. Wichtig für die gedruckte Instrumental- und Arienüberlieferung aus der Londoner Zeit.
  • Dizionario Ricordi della musica e dei musicisti. Mailand, 1959. Italienisches Musiklexikon mit Kurzangaben zu Alessandri und seinem Werkprofil.
  • Christoph Henzel: Die italienische Hofoper in Berlin um 1800. Stuttgart/Weimar: Metzler, 1994. Spezialstudie zum Berliner Opernkontext, in dem Alessandris Hofopernphase kulturgeschichtlich einzuordnen ist.
  • Berthold Over; Gesa zur Nieden (Hrsg.): Opera Pasticcios in 18th-Century Europe. Contexts, Materials and Aesthetics. Bielefeld: transcript, 2021. Kontextliteratur zur Pasticcio-Praxis, die für mehrere Alessandri zugeschriebene Bühnenwerke methodisch wichtig ist.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Opera seria Zentrale ernste Operngattung des 18. Jahrhunderts, in der mehrere Alessandri-Werke nach metastasianischen oder antik-historischen Stoffen stehen.
  • Opera buffa Komische italienische Operngattung, besonders wichtig für Alessandris Londoner und norditalienische Theatererfolge.
  • Dramma giocoso Gemischte italienische Opernform zwischen komischer Intrige und halb ernsten Handlungsmomenten.
  • Dramma per musica Gattungsbezeichnung vieler ernster italienischer Opern des 17. und 18. Jahrhunderts.
  • Pasticcio Aufführungspraxis aus neuem und übernommenem musikalischem Material, für mehrere Alessandri zugeschriebene Bühnenwerke zentral.
  • Libretto Textgrundlage des Musiktheaters; bei Alessandri besonders wichtig wegen Metastasio, Goldoni, Bertati, Livigni und Filistri.
  • Pietro Metastasio Wichtigster Librettist der Opera seria; Alessandri vertonte unter anderem Ezio, Adriano in Siria, Demofoonte und Artaserse.
  • Carlo Goldoni Dramatiker und Librettist, dessen Stoffe für Alessandris komische und gemischte Opern eine wichtige Rolle spielten.
  • Giovanni Bertati Librettist mehrerer Buffa- und Dramma-giocoso-Kontexte, darunter Il vecchio geloso und weitere Alessandri zugeschriebene Werke.
  • Filippo Livigni Librettist von La finta principessa und I puntigli gelosi, wichtig für Alessandris erfolgreiche venezianische Buffa-Phase.
  • Antonio de’ Filistri da Caramondani Berliner Hofpoet und Librettist der preußischen Alessandri-Opern.
  • Concert spirituel Pariser Konzertinstitution, mit der Alessandri in den 1770er Jahren verbunden war.
  • King’s Theatre am Haymarket Londoner Opernhaus, an dem Alessandri in den späten 1760er Jahren tätig war.
  • Teatro San Moisè Venezianisches Theater, an dem wichtige frühe und mittlere Bühnenwerke Alessandris aufgeführt wurden.
  • Teatro alla Scala Mailänder Opernhaus, an dem Alessandris Calliroe und Il vecchio geloso eine wichtige Rolle spielten.
  • Teatro La Fenice Venezianisches Opernhaus, an dem 1793 Alessandris späte Oper Virginia aufgeführt wurde.
  • Berliner Hofoper Institutioneller Rahmen von Alessandris konfliktreicher preußischer Phase um 1790 bis 1792.
  • Friedrich Wilhelm II. Preußischer König und Opernmäzen, in dessen Hofopernsystem Alessandri zeitweise angestellt war.
  • Johann Friedrich Reichardt Komponist, Kapellmeister und Kritiker, dessen Berliner Position mit Alessandris Hofopernphase kollidierte.
  • Gaetano Guadagni Berühmter Kastrat und Schwager Alessandris; wichtig für Sänger- und Aufführungsnetzwerke des 18. Jahrhunderts.
  • Maria Lavinia Guadagni Sängerin und Ehefrau Felice Alessandris, deren Londoner Auftreten den internationalen Theaterkontext seiner Laufbahn markiert.
  • Baldassare Galuppi Komponist der venezianischen Operntradition, dessen Werke Alessandri in London bearbeitete und dirigierte.
  • Niccolò Piccinni Italienischer Opernkomponist, dessen Repertoire im Londoner Umfeld Alessandris präsent war.
  • Domenico Cimarosa Zeitgenössischer italienischer Opernkomponist und Bezugspunkt für Pasticcio- und Buffa-Kontexte.
  • Giovanni Paisiello Bedeutender italienischer Opernkomponist, dessen Musik in Pasticcio-Zusammenhängen des späten 18. Jahrhunderts herangezogen wurde.
  • Vincenzo Righini Italienischer Komponist im Berliner Hofopernumfeld, der nach Alessandri in preußischen Diensten wichtig wurde.
  • Ludovico Ariosto Dichter des Orlando furioso, dessen Stoffwelt für Alcina e Ruggero zentral ist.
  • Oratorium Geistliche Gattung, in der Alessandri mit Il Tobia und La Betulia liberata vertreten ist.
  • Kantate Gattung repräsentativer und akademischer Gelegenheitsmusik, wichtig für Alessandris Le virtù rivali.
  • Cembalo Tasteninstrument und Berufsgrundlage Alessandris als Virtuose, Begleiter und Komponist von Cembalowerken.
  • Sinfonie der Klassik Gattungsrahmen für Alessandris sechs Sinfonien op. 6.
  • Ballett im 18. Jahrhundert Theatralischer Kontext für Venere in Cipro und L’enlèvement des Sabines.
  • Italienische Oper Übergeordneter Kulturraum, in dem Alessandris gesamte Theaterproduktion zu verorten ist.
  • Europäische Hofoper Institutioneller Hintergrund für Alessandris Tätigkeiten in Berlin, Potsdam, Wien und möglichen Hofkontexten.
  • Opernrepertoire des 18. Jahrhunderts Kontext für Wiederaufnahme, Titelwechsel, Arienaustausch und lokale Fassungen bei Alessandris Werken.