Heinrich Albert

* 8. Juli 1604 in Lobenstein, Reuß beziehungsweise Thüringen; † 6. Oktober 1651 in Königsberg, Preußen; auch Heinrich Alberti; Komponist, Dichter, Organist, Domorganist in Königsberg, Liederdichter, Selbstverleger, Schütz-Schüler und Mitglied des Königsberger Dichterkreises unter dem Namen Damon.

Überblick

Heinrich Albert gehört zu den wichtigsten Gestalten des deutschen Liedes im 17. Jahrhundert. Er war Komponist, Dichter, Organist und Domorganist in Königsberg, zugleich aber auch ein literarisch aktiver Autor, Selbstverleger und Mittelpunkt eines geselligen, poetisch-musikalischen Kreises. Sein Hauptwerk sind die acht Teile der Arien oder Melodeyen, die zwischen 1638 und 1650 in Königsberg erschienen und geistliche wie weltliche Lieder für Stimme beziehungsweise Stimmen mit Generalbass oder instrumentaler Begleitung enthalten.

Albert steht an einer entscheidenden Schwelle der deutschen Liedgeschichte. Ältere polyphone Liedtraditionen, protestantisches Kirchenlied, gelehrte Gelegenheitsdichtung, höfisch-bürgerliche Geselligkeit, italienische Monodie und Generalbasspraxis verbinden sich bei ihm zu einer neuen Form des deutschen Sololiedes. Deshalb gilt er als einer der Schöpfer des deutschen Generalbassliedes. Seine Lieder sind nicht nur musikalische Stücke, sondern zugleich Dokumente einer städtischen, akademischen, religiösen und geselligen Kultur im Königsberg des Dreißigjährigen Krieges.

Biographisch ist Albert eng mit Heinrich Schütz verbunden. Schütz unterrichtete ihn in Dresden und prägte sein kompositorisches Denken. Später war Albert mit Schütz 1634 in Kopenhagen. In Königsberg setzte er seine Studien bei Johann Stobaeus fort, wurde 1631 Domorganist und trat in enge Verbindung mit der Universität, mit akademischen Festen und mit Dichtern wie Simon Dach, Robert Roberthin und anderen Mitgliedern des Königsberger Dichterkreises.

Der berühmteste kulturelle Ort seines Lebens war die sogenannte Kürbishütte, ein Garten- und Geselligkeitsraum auf der Lomse beziehungsweise im Pregelbereich Königsbergs. Dort trafen sich Dichter, Musiker, Gelehrte und Freunde zum Dichten, Musizieren, Diskutieren und geselligen Austausch. Alberts Musicalische Kürbs-Hütte von 1645 wurde zum musikalisch-literarischen Denkmal dieses Kreises und zugleich zu einer Meditation über Vergänglichkeit, Hinfälligkeit und menschliche Zeitlichkeit.

Seine Wirkung reicht über das weltliche Barocklied hinaus. Einzelne geistliche Lieder und Melodien gingen in den evangelischen Kirchenliedgebrauch ein. Besonders Gott des Himmels und der Erden blieb als Morgenlied lebendig. Alberts Werk steht daher zugleich in der Geschichte des Kunstliedes, des protestantischen Gemeindegesangs, der barocken Gelegenheitsdichtung und der frühneuzeitlichen Musikkultur Ostpreußens.

Kurzdaten

Name Heinrich Albert.
Weitere Namensformen Heinrich Alberti, Heinrich Albertus, Albert Heinrich, Alberti Heinrich; Dichtername im Königsberger Kreis: Damon.
Geburt 8. Juli 1604 in Lobenstein, Fürstentum Reuß beziehungsweise Thüringen.
Tod 6. Oktober 1651 in Königsberg, Preußen.
Beruf Komponist, Dichter, Organist, Domorganist, Liederdichter, Selbstverleger, Schütz-Schüler und Schöpfer des deutschen Generalbassliedes.
Konfession Evangelisch-lutherischer Kultur- und Kirchenkontext.
Vater Johann Albert, Amtsschösser in Lobenstein und Schleiz.
Familienbezug Verwandter beziehungsweise Vetter Heinrich Schütz’, der ihn 1622 in Dresden musikalisch unterrichtete.
Ausbildung Schulzeit in Gera; 1622 Unterricht bei Heinrich Schütz in Dresden; ab 1623 Jurastudium in Leipzig, dort vermutlich auch musikalische Prägung durch das Leipziger Umfeld um Johann Hermann Schein.
Königsberg Seit 1626 mit Unterbrechungen in Königsberg; ab 1630 probeweise, ab 1. April 1631 fest als Domorganist tätig.
Weitere musikalische Studien In Königsberg bei Johann Stobaeus, dem wichtigen Vertreter der dortigen Vokal- und Kirchenmusiktradition.
Dichterkreis Mitglied des Königsberger Dichterkreises beziehungsweise der Kürbishütte um Simon Dach, Robert Roberthin, Johann Peter Titz, Georg Weissel, Valentin Thilo d. J. und andere.
Dichtername Damon.
Hauptwerk Arien oder Melodeyen, acht Teile, Königsberg 1638 bis 1650, mit geistlichen und weltlichen Liedern.
Weitere wichtige Werke Musicalische Kürbs-Hütte, Poetisch-Musikalisches Lust-Wäldlein, Gelegenheitsdrucke, Motetten, Te Deum, Hochzeitsgesänge, Grablieder und Musik zu den verlorenen Singspielen Cleomedes und Prussiarchus.
Gattungen Arie, Generalbasslied, geistliches Lied, weltliches Lied, Gelegenheitslied, Hochzeitslied, Grab- und Trauerlied, akademische Festmusik, dreistimmiger Gesang, Motette, Singspielmusik.
Stilistische Bedeutung Übertragung italienischer Monodie und Generalbasspraxis in das deutschsprachige Lied; Verbindung von Wortdeutlichkeit, affektiver Melodik, strophischem Lied, geistlicher Andacht und geselliger Barockpoesie.
Bekannte Lieder Gott des Himmels und der Erden, Ich bin ja, Herr, in deiner Macht und zahlreiche Vertonungen von Texten Simon Dachs und anderer Königsberger Dichter.
Kulturelle Bedeutung Heinrich Albert ist kulturgeschichtlich bedeutsam als Mittler zwischen Schütz-Schule, Königsberger Dichterkreis, protestantischer Liedkultur, barocker Geselligkeit und frühem deutschem Kunstlied mit Generalbass.

Ausführlicher Kulturüberblick

Heinrich Albert steht im Zentrum einer Liedkultur, die sich nur aus dem Zusammenspiel von Musik, Dichtung, Konfession, Universität, Stadt und Geselligkeit verstehen lässt. Königsberg war im 17. Jahrhundert nicht nur ein politischer und akademischer Ort, sondern ein eigenständiger Kulturraum im östlichen deutschen Sprachgebiet. Die Universität, der Dom, die bürgerlichen und gelehrten Kreise, die höfisch-preußischen Bezüge und die literarischen Freundschaften bildeten ein Milieu, in dem Musik nicht als isolierte Kunstform, sondern als soziale Praxis lebte.

Alberts Lebenszeit fällt in die Epoche des Dreißigjährigen Krieges. Königsberg lag zwar nicht im Zentrum der verheerendsten Kriegsschauplätze, doch die Erfahrung von Unsicherheit, Reisegefahr, politischer Erschütterung, Seuchenangst, Vergänglichkeit und konfessioneller Spannung prägte die geistige Atmosphäre. Alberts Lieder reagieren darauf nicht in der Form großer politischer Programme, sondern in kleinen, konkreten Formen: Morgenlied, Trauerlied, Hochzeitsgesang, akademisches Festlied, moralisches Lied, Naturbetrachtung, Freundschaftsdichtung und geistliche Andacht.

Die kulturelle Modernität Alberts liegt in der Liedform. Vor ihm war das deutschsprachige Lied stark durch mehrstimmige Satztraditionen, Choral und höfisch-gesellschaftliche Formen geprägt. Albert übernahm Impulse der italienischen Monodie und des Generalbasses und brachte sie in deutsche Sprache und protestantisch-bürgerliche Zusammenhänge. Die Stimme wird deutlicher als Trägerin eines einzelnen poetischen Subjekts. Der Generalbass stützt und färbt, aber die Aussage konzentriert sich auf Wort, Affekt und Melodie.

Damit gehört Albert zu den frühen Voraussetzungen des späteren deutschen Kunstliedes. Natürlich ist das Lied bei ihm noch nicht das romantische Klavierlied Schuberts. Es ist gebunden an Generalbass, strophische Formen, Gelegenheiten, geistliche und moralische Zwecke. Aber es entwickelt bereits eine neue Beziehung von Einzelstimme, Textdeutung und musikalischer Affektdarstellung. Gerade deshalb beginnt Hermann Kretzschmars Geschichte des neuen deutschen Liedes bei Albert.

Der Königsberger Dichterkreis war für diese Entwicklung entscheidend. Albert komponierte nicht nur eigene Texte, sondern vertonte auch Gedichte seiner Freunde. Dadurch entstand eine Form gemeinsamer Autorschaft: Dichter, Komponist, Sänger, Hörer und gesellige Gruppe gehörten zusammen. Die Arien sind deshalb nicht bloß ein Kompositionswerk, sondern eine poetisch-musikalische Anthologie des Königsberger Milieus. Sie dokumentieren Beziehungen, Feste, Todesfälle, akademische Ereignisse, persönliche Tugendlehre und gesellige Freude.

Die Kürbishütte wurde zum emblematischen Ort dieser Kultur. Sie war kein offizieller Saal, keine Kirche und kein Hof, sondern ein Gartenort. Gerade diese Mischung aus Natur, Freundschaft, Musizieren, Dichten und Vergänglichkeitsbewusstsein macht ihren symbolischen Rang aus. Das Kürbisgewächs selbst wurde zum Zeichen der Hinfälligkeit: Es wächst, rankt, blüht, trägt Frucht und vergeht. Alberts Musicalische Kürbs-Hütte macht daraus eine dreistimmige musikalische Meditation über menschliche Zeitlichkeit.

Religiös steht Albert im protestantischen Milieu. Seine geistlichen Lieder sind nicht nur private Frömmigkeitsstücke, sondern gehören in eine Kultur, in der Singen, Andacht, Hausmusik und kirchlicher Gebrauch eng verbunden waren. Einzelne Lieder gingen in den Gemeindegesang ein. Das zeigt, dass Albert zwischen Kunstlied und Kirchenlied vermittelt. Seine Melodien konnten sowohl gelehrte Kreise ansprechen als auch in breitere Frömmigkeitsräume hineinwirken.

Kulturgeschichtlich wichtig ist auch seine Rolle als Selbstverleger. Albert kümmerte sich um die Publikation seiner Lieder, schrieb Vorreden, gab Aufführungshinweise und versuchte seine Werke gegen unautorisierte Drucke zu schützen. Das zeigt ein modernes Autorbewusstsein. Der Komponist erscheint nicht nur als dienender Musiker, sondern als jemand, der Werkgestalt, Druck, Aufführung und Rechte kontrollieren möchte.

Alberts Bedeutung liegt daher nicht in einer einzigen großen Form wie Oper, Oratorium oder Messe, sondern in der Kleinform. Das Lied wird bei ihm zu einem Medium des Alltags, der Frömmigkeit, des Freundeskreises, der Universität, der Stadt und der Erinnerung. Gerade diese Kleinform macht seine Musik zu einem ungewöhnlich dichten Dokument der frühneuzeitlichen Kultur.

Leben, Ausbildung und Königsberger Wirken

Heinrich Albert wurde am 8. Juli 1604 in Lobenstein geboren. Sein Vater Johann Albert war Amtsschösser in Lobenstein und Schleiz; die Familie stand damit in einem administrativ-bürgerlichen Milieu. Alberts frühe Schulbildung führte ihn nach Gera. Diese thüringisch-sächsische Herkunft ist wichtig, weil sie ihn mit dem mitteldeutschen lutherischen Bildungs- und Musikraum verband.

1622 kam Albert nach Dresden und erhielt Unterricht bei Heinrich Schütz, mit dem er verwandt war. Schütz war zu diesem Zeitpunkt bereits der maßgebliche deutsche Komponist seiner Generation, ein Musiker, der italienische Erfahrung, lutherische Textkultur und deutsche Hofmusik miteinander verband. Für Albert bedeutete der Kontakt mit Schütz eine entscheidende Prägung. Er lernte nicht nur kompositorische Grundlagen, sondern auch die Möglichkeit, italienische Ausdrucksformen in deutsche Sprache zu übertragen.

Ab 1623 studierte Albert in Leipzig Jura. Diese Entscheidung entsprach dem Wunsch der Eltern und der Erwartung einer bürgerlich-akademischen Laufbahn. Zugleich blieb Leipzig musikalisch bedeutsam, weil dort Johann Hermann Schein als Thomaskantor wirkte. Ob und in welcher Form Albert bei Schein studierte, ist quellenkritisch vorsichtig zu behandeln; der Leipziger Zusammenhang war aber musikalisch zweifellos fruchtbar.

1626 kam Albert nach Königsberg, zunächst auch in Zusammenhang mit den Kriegsverhältnissen. Eine Reise nach Warschau brachte ihn in schwierige Umstände; zeitweise geriet er in schwedische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Königsberg 1628 nahm er dort eine dauerhafte Lebensstellung ein. Im Dezember 1630 erhielt er probeweise die Domorganistenstelle, am 1. April 1631 wurde er fest als Domorganist angestellt.

In Königsberg setzte Albert seine musikalischen Studien bei Johann Stobaeus fort. Stobaeus stand für die ältere Königsberger Vokal- und Kirchenmusiktradition, die von Johannes Eccard her geprägt war. Albert lernte dadurch nicht nur die neuere monodische und generalbassgestützte Richtung kennen, sondern blieb auch mit mehrstimmiger Satzkunst und protestantischer Kirchenmusik verbunden.

1634 war Albert zusammen mit Heinrich Schütz in Kopenhagen. Diese Verbindung bestätigt die fortdauernde Nähe zu Schütz und zum höfisch-kapellmeisterlichen Musikraum. Zugleich blieb Königsberg sein eigentlicher Wirkungsmittelpunkt. Dort komponierte er für akademische, kirchliche und private Anlässe, vertonte Texte seiner Freunde, veröffentlichte seine Arien und prägte den Königsberger Dichterkreis musikalisch.

1639 heiratete Albert Elisabeth Starck. Sein Leben blieb eng mit Königsberg verbunden, wo er am 6. Oktober 1651 starb. Seine Beisetzung und Erinnerung standen im Umfeld der Universität und des gelehrten Königsberger Milieus. Sein früher Tod mit 47 Jahren beendete eine Werkentwicklung, die in nur etwa zwei Jahrzehnten das deutsche Lied nachhaltig veränderte.

Königsberger Dichterkreis und Kürbishütte

Der Königsberger Dichterkreis war ein lockerer, aber kulturgeschichtlich höchst wirksamer Zusammenschluss von Dichtern, Musikern, Gelehrten und Freunden. Zu ihm gehörten Simon Dach, Robert Roberthin, Johann Peter Titz, Valentin Thilo d. J., Georg Weissel und andere. Albert war als Komponist und Dichter ein Kernmitglied dieses Kreises und führte den poetischen Namen Damon.

Die Dichterkreise des Barock waren nicht bloß literarische Vereinigungen im modernen Sinn. Sie waren Formen sozialer, moralischer, religiöser und ästhetischer Selbstbildung. Man dichtete zu Hochzeiten, Todesfällen, akademischen Festen, Freundschaftsanlässen und öffentlichen Huldigungen. Die Dichtung war dabei nicht immer für den stillen Druckgebrauch gedacht, sondern oft für Vortrag, Gesang, Widmung und soziale Handlung.

Alberts besondere Leistung bestand darin, diese Dichtungen musikalisch zu fassen. Er machte aus den Texten des Kreises singbare, aufführbare und druckbare Lieder. Dadurch gab er dem Königsberger Dichterkreis eine klingende Form. Die Arien sind deshalb zugleich Liederbuch, Freundschaftsarchiv, Stadtchronik, Andachtsbuch und musikalische Anthologie.

Die Kürbishütte wurde zum Sinnbild dieser Kultur. In Alberts Garten trafen sich die Freunde zum Dichten und Musizieren. Die Kürbisranken und die Laube wurden poetisch aufgeladen. Das Wachstum und Vergehen der Pflanze wurde zum Bild menschlicher Hinfälligkeit. Aus dieser Bildlichkeit entstand die Musicalische Kürbs-Hütte, eine zwölfteilige dreistimmige Liedfolge, die den Menschen an seine Vergänglichkeit erinnert.

Der Kreis verband Ernst und Spiel. Man schrieb über Tod, Tugend, Frömmigkeit und Hinfälligkeit, aber auch über Liebe, Wein, Natur, Freundschaft und gesellige Freude. Diese Mischung ist typisch für das Barock. Geistliches und Weltliches stehen nicht in strenger Trennung, sondern in einem moralisch geordneten Weltbild nebeneinander. Albert gab diesem Weltbild musikalische Form.

Generalbasslied, Arie und deutsches Barocklied

Alberts wichtigste musikgeschichtliche Leistung liegt im deutschen Generalbasslied. Die Bezeichnung Arie bedeutet bei ihm nicht die spätere Opernarie im engeren Sinn, sondern ein strophisches oder freier gestaltetes Lied für Stimme mit instrumentaler Begleitung. Der Generalbass kann auf Positiv, Cembalo, Theorbe oder einem anderen vollstimmigen Instrument ausgeführt werden. Dadurch entsteht eine neue Flexibilität der Aufführung.

Das deutsche Generalbasslied unterscheidet sich von der älteren mehrstimmigen Liedtradition. Die einzelne Singstimme tritt stärker hervor. Der Text kann unmittelbarer gestaltet werden. Affekte, Wortakzente, rhetorische Gesten und melodische Wendungen werden enger miteinander verbunden. Die Begleitung trägt die harmonische Grundlage und erlaubt zugleich improvisatorische Ausgestaltung.

Albert übernahm Impulse aus der italienischen Monodie, aber er übertrug sie nicht mechanisch. Seine Lieder bleiben deutschsprachig, oft strophisch, moralisch und gesellig. Sie sind für konkrete Anlässe gemacht, nicht für abstrakte Virtuosenbühnen. Gerade dadurch gewinnen sie ihre besondere kulturgeschichtliche Anschaulichkeit.

Die Texte stammen teils von Albert selbst, teils von Simon Dach, Robert Roberthin, Martin Opitz und anderen Dichtern. Albert vertont nicht nur Sprache, sondern reagiert auf soziale Situationen. Ein Hochzeitslied muss anders klingen als ein Grablied, ein Morgenlied anders als ein Liebeslied, ein akademisches Festlied anders als eine private Freundschaftsdichtung.

In den Arien begegnen daher sehr verschiedene Liedtypen. Es gibt geistliche Lieder, moralische Betrachtungen, Natur- und Jahreszeitenlieder, Wein- und Liebeslieder, Hochzeits- und Begräbnisgesänge, Huldigungen, akademische Festlieder und Trostgesänge. Dieses Spektrum macht die Sammlung zu einem außergewöhnlichen Spiegel der frühneuzeitlichen Lebenswelt.

Geistliches Lied und evangelische Rezeption

Alberts geistliche Lieder gehören in den Zusammenhang lutherischer Haus- und Gemeindefrömmigkeit. Sie sind nicht alle von vornherein Gemeindelieder im späteren Sinn, doch einige seiner Melodien und Texte fanden Eingang in den evangelischen Gebrauch. Das bekannteste Beispiel ist Gott des Himmels und der Erden, ein Morgenlied, das durch seine klare, einfache und zugleich innige Frömmigkeit wirksam blieb.

Die geistlichen Texte behandeln Morgen und Abend, Vertrauen, Tod, Trost, göttliche Bewahrung, menschliche Hinfälligkeit und christliche Hoffnung. Die Musik ist oft schlicht, aber nicht kunstlos. Sie sucht Verständlichkeit, Singbarkeit und Affekt. Die Verbindung von Andacht und musikalischer Gestalt ist hier entscheidend.

Albert vertonte auch geistliche Texte anderer Dichter, besonders aus dem Königsberger Kreis. Das Lied Ich bin ja, Herr, in deiner Macht ist in diesem Zusammenhang wichtig. Es zeigt, wie persönliche Frömmigkeit, Sterbe- und Trostlied, Freundschaftskultur und kirchlicher Gebrauch ineinandergreifen konnten.

Im evangelischen Lied des 17. Jahrhunderts steht Albert zwischen Gemeindegesang und Kunstlied. Er gehört nicht einfach zu den Choraldichtern, aber seine Musik kann in den Choralraum übergehen. Diese Zwischenstellung macht seine geistlichen Lieder besonders aufschlussreich.

Werk-, Quellen- und Überlieferungsverzeichnis

Das Werkverzeichnis Heinrich Alberts ist quellenkritisch in gedruckte Hauptsammlungen, Gelegenheitsdrucke, geistliche und weltliche Liedgruppen, verlorene Bühnenwerke sowie moderne Editionen zu gliedern. Die achtteiligen Arien oder Melodeyen bilden den Kern. Die vollständige Einzeltitelliste der rund 170 Lieder ist in den Digitalisaten und kritischen beziehungsweise Denkmäler-Ausgaben nachzuschlagen; für die Kulturlexikon-Seite werden die Werkkomplexe vollständig, die Einzeltitel jedoch nur bei besonderer Relevanz aufgeführt.

Hauptsammlung: Arien oder Melodeyen

Arien oder Melodeyen, Teil 1 Königsberg, 1638. Erster Teil der Sammlung geistlicher und weltlicher Lieder, in ein Positiv, Clavicimbel, Theorbe oder anderes vollstimmiges Instrument zu singen gesetzt. Der Teil begründet Alberts gedrucktes Liedprojekt und enthält Lieder aus dem Königsberger Kreis.
Arien oder Melodeyen, Teil 2 Königsberg, 1640. Zweiter Teil der Sammlung; Heinrich Schütz gewidmet. Die Widmung macht die Lehrer- und Traditionsbeziehung sichtbar und setzt Albert bewusst in die Nachfolge des „weltberühmten Musico“.
Arien oder Melodeyen, Teil 3 Königsberg, um 1641 beziehungsweise in frühen Nachweisen mit abweichender Jahresüberlieferung. Fortsetzung des geistlich-weltlichen Liedprojekts mit Texten von Albert und seinem Kreis.
Arien oder Melodeyen, Teil 4 Königsberg, frühe 1640er Jahre; in erhaltenen Exemplaren und Nachdrucken teilweise mit abweichenden Ausgabeangaben. Enthält Arien und Melodien zu Andacht, guten Sitten, Liebe und Lust.
Arien oder Melodeyen, Teil 5 Königsberg, 1643 beziehungsweise in späteren Quellenkontexten greifbar. Wichtig wegen geistlicher Lieder, darunter der Zusammenhang von Gott des Himmels und der Erden.
Arien oder Melodeyen, Teil 6 Königsberg, 1645 beziehungsweise Mitte der 1640er Jahre. Fortsetzung der geistlichen und weltlichen Liedanthologie mit Gelegenheits- und Freundschaftsdichtungen.
Arien oder Melodeyen, Teil 7 Königsberg, 1648. Teil der späten Druckfolge; enthält Lieder für geistliche, moralische, gesellschaftliche und poetische Zwecke.
Arien oder Melodeyen, Teil 8 Königsberg, 1650. Achter Teil mit geistlichen und weltlichen Liedern; schließt die Hauptfolge der zu Lebzeiten Alberts veröffentlichten Arien ab.
Gesamtcharakter der Arien Acht Teile, 1638 bis 1650, insgesamt rund 170 geistliche und weltliche Lieder. Sie umfassen Arien, Melodien, Gelegenheitslieder, Hochzeits- und Trauerlieder, akademische Festmusik, moralische Lieder, Natur- und Liebeslieder sowie geistliche Andachtslieder.
Besetzung der Arien Vorwiegend Stimme beziehungsweise Stimmen mit Generalbass oder vollstimmigem Begleitinstrument wie Positiv, Cembalo, Theorbe oder vergleichbarem Instrument; einzelne Stücke mit mehrstimmiger oder instrumentaler Erweiterung.
Textautoren der Arien Heinrich Albert selbst, Simon Dach, Robert Roberthin, Martin Opitz und weitere Mitglieder beziehungsweise Freunde des Königsberger Dichterkreises.
Spätere Sammeldrucke Nach Alberts Tod beziehungsweise in späteren Druckkontexten wurden Teile der Arien neu zusammengestellt, unter anderem mit stärkerer Scheidung geistlicher und weltlicher Stücke. Diese Nachdrucke sind quellenkritisch von den ursprünglichen Königsberger Drucken zu unterscheiden.

Weitere Sammlungen und Liedfolgen

Musicalische Kürbs-Hütte Königsberg, Pasche Mensen, 1645. Zwölfteilige Liedfolge beziehungsweise Sammlung dreistimmiger Gesänge über menschliche Hinfälligkeit. Die Titel der zwölf Stücke beginnen unter anderem mit Mit der Zeit, Mensch, hierinnen, Nun ich noch jung bin, Mensch, ich kan es, Wenn der rauhe Herbst, Steh mich an, Dem Herbst verlangt nach mir, Wer wird nach kurtzen Tagen, Die Zeit und wir vergehn, Ich und meine Blätter, Ob ich gleich muß und O ich habe schon vernommen.
Poetisch-Musikalisches Lust-Wäldlein Königsberg, wahrscheinlich 1648. Sammlung von Arien oder Melodien geistlicher und weltlicher Lieder zur Andacht, zu guten Sitten, keuscher Liebe und Ehrenlust. In moderner Erschließung mit 144 Liedern beziehungsweise Stücken geführt; quellenkritisch teilweise als Druckzusammenhang mit Alberts Arien zu behandeln.
Geistliche neue Gesänger Im Umfeld des achten Teils beziehungsweise späterer Sammel- und Drucküberlieferung greifbarer geistlicher Liederbestand. Der Titel verweist auf die religiöse Seite von Alberts Liedprojekt.
Gedichte des Königsberger Dichterkreises aus Alberts Arien und Musicalischer Kürbshütte Keine Originalsammlung Alberts, sondern moderne beziehungsweise ältere literaturgeschichtliche Herausgabe der Texte aus Alberts musikalischen Drucken. Für die Text- und Dichterkreisforschung wichtig.

Gelegenheitswerke, geistliche Werke und liturgische beziehungsweise akademische Musik

Hochzeitsgesänge Mehrere Hochzeits- und Ehestandslieder innerhalb der Arien sowie in Gelegenheitsdrucken. Sie verbinden barocke Festpoesie, moralische Ehedeutung, Freundschaftskultur und musikalische Aufführung.
Grablieder und Trauerlieder Zahlreiche Trauer- und Sterbelieder innerhalb der Arien und im Umfeld des Königsberger Kreises. Sie gehören zur barocken Sepulkral- und Trostkultur.
Akademische Festgesänge Musik für akademische Feiern, Huldigungen und Universitätsanlässe in Königsberg. Albert stand in enger Beziehung zur Universität und komponierte für deren Festkultur.
Huldigungslieder Gelegenheitslieder für hohe Personen, politische und gesellschaftliche Anlässe. Diese Stücke spiegeln die öffentliche Seite des Königsberger Musiklebens.
Motetten In älteren Werkangaben genannte geistliche mehrstimmige Werke beziehungsweise Motetten. Die genaue Einzelüberlieferung ist quellenkritisch über RISM und ältere Kataloge zu prüfen.
Te Deum In älteren Werkverzeichnissen beziehungsweise Lexikonangaben genanntes geistliches Werk. Die konkrete Quellenlage ist gesondert zu prüfen.
Kirchenlieder Geistliche Lieder und Melodien, die teilweise in den evangelischen Kirchengesang eingingen. Besonders wichtig sind Gott des Himmels und der Erden und Ich bin ja, Herr, in deiner Macht.
Gott des Himmels und der Erden Bekanntes Morgenlied Alberts aus dem Umfeld der Arien. Es wurde eines der wirkungsreichsten geistlichen Lieder aus seinem Bestand und blieb im evangelischen Liedgedächtnis präsent.
Ich bin ja, Herr, in deiner Macht Sterbe- beziehungsweise Trostlied im Zusammenhang mit Simon Dach und Robert Roberthin, das mit Alberts Melodie beziehungsweise Vertonung in den kirchlichen Gebrauch hineinwirkte.
Ännchen von Tharau Mit dem Königsberger Dichterkreis verbundenes Lied auf einen Text Simon Dachs. Die heute verbreitete Melodie ist nicht Alberts ursprüngliche Melodie, sondern später wesentlich durch Friedrich Silcher geprägt. Der Zusammenhang ist daher quellenkritisch vorsichtig zu formulieren.

Bühnenwerke und verlorene Musik

Cleomedes Singspiel von 1635 auf einen Text Simon Dachs; die Musik ist bis auf zwei Arien verloren. Das Werk zeigt, dass Albert nicht nur Liedkomponist, sondern auch im musikdramatischen beziehungsweise festspielartigen Bereich tätig war.
Prussiarchus Singspiel beziehungsweise Bühnenwerk von 1645 auf einen Text Simon Dachs; die Musik gilt als verschollen. Das Werk gehört in den Königsberger akademisch-politischen Festkontext.
Musikdramatische Überlieferung Da die Hauptmusik zu Cleomedes und Prussiarchus verloren ist, lässt sich Alberts Bühnenstil nur indirekt aus Arien, erhaltenen Einzelstücken und dem Königsberger Festmilieu erschließen.

Moderne Editionen und Nachdrucke

Arien von Heinrich Albert, Denkmäler deutscher Tonkunst Neuausgabe durch Eduard Bernoulli mit Einleitung von Hermann Kretzschmar in den Denkmälern deutscher Tonkunst, Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Edition machte Alberts Liedwerk für die moderne Forschung und Aufführungspraxis wieder zugänglich.
Musikalische Kürbishütte, Ausgabe Müller-Blattau Neuausgabe beziehungsweise moderne Herausgabe durch Joseph Müller-Blattau, 1932. Wichtig für die Wiedererschließung des Kürbishütten-Komplexes.
Faksimile-Edition Heinrich Albert Moderne Faksimileausgaben, unter anderem der Arien und des Poetisch-Musikalischen Lust-Wäldleins. Sie sind für quellennahe Arbeit an Druckgestalt, Vorreden, Notentext und Aufführungshinweisen wichtig.
Lied- und Hymnologie-Ausgaben Einzelne Lieder Alberts erscheinen in Gesangbüchern, Liedanthologien, Hymnologie-Portalen und modernen Editionen geistlicher Musik.

Zusammenfassende Werkgruppen

Arien und Generalbasslieder Hauptbestand von etwa 170 geistlichen und weltlichen Liedern in acht Teilen, 1638 bis 1650. Diese Werkgruppe begründet Alberts Rang in der deutschen Liedgeschichte.
Dreistimmige Gesänge Besonders sichtbar in der Musicalischen Kürbs-Hütte, aber auch in weiteren mehrstimmigen Lied- und Gesangszusammenhängen.
Geistliche Lieder Lieder für Andacht, Morgen, Abend, Tod, Trost und christliche Lebensdeutung; teilweise in den evangelischen Kirchenliedgebrauch eingegangen.
Weltliche Lieder Freundschafts-, Liebes-, Natur-, Wein-, Moral- und Gelegenheitslieder im geselligen und akademischen Kontext.
Gelegenheitskompositionen Musik zu Hochzeiten, Begräbnissen, akademischen Festen, Huldigungen und sozialen Anlässen.
Bühnenmusik Musik zu Cleomedes und Prussiarchus, weitgehend verloren.
Kirchenmusikalische Werke Motetten, Te Deum und weitere geistliche Stücke werden in älteren Werkangaben genannt; die Einzelüberlieferung muss quellenkritisch geprüft werden.

Quellenkritik, Namensformen und Datierungsfragen

Die Namensform Heinrich Albert ist die geläufige deutsche Lemmaform. Daneben begegnet Heinrich Alberti, insbesondere in lateinisierten oder älteren Zusammenhängen. Der Dichtername Damon gehört in den Kontext des Königsberger Dichterkreises und sollte nicht als bürgerlicher Name missverstanden werden.

Bei der Geburtsangabe ist redaktionell zu beachten, dass ältere und internationale Nachweise bisweilen den 28. Juni 1604 nennen. Die deutschsprachige Fachüberlieferung und die hier zugrunde gelegte Ansetzung verwenden den 8. Juli 1604. Die Differenz kann mit Kalender- und Überlieferungsfragen zusammenhängen; für die Seite wird der vom Nutzer vorgegebene und in der Deutschen Biographie belegte 8. Juli verwendet.

Die Werküberlieferung ist durch Drucke, Nachdrucke, Faksimiles und moderne Editionen komplex. Die acht Teile der Arien erschienen zu Lebzeiten Alberts zwischen 1638 und 1650; spätere Sammeldrucke, Neuordnungen und Piratdrucke können andere Titel, Reihenfolgen oder Gruppierungen enthalten. Deshalb ist zwischen Originaldruck, Nachdruck, Sammelausgabe und moderner Edition zu unterscheiden.

Die Zahlenangaben zu den Liedern variieren je nach Zählweise. Häufig wird von etwa 170 Liedern in acht Teilen gesprochen. Andere hymnologische und bibliographische Zusammenstellungen zählen geistliche und weltliche Stücke anders, weil sie Nachdrucke, Einzelmelodien, Mehrfachfassungen oder spätere Sammeldrucke unterschiedlich berücksichtigen. Für eine Kulturlexikon-Seite ist die Formulierung „rund 170 Lieder“ beziehungsweise „etwa 170 geistliche und weltliche Arien“ am sachlichsten.

Bei Ännchen von Tharau ist besondere Vorsicht nötig. Das Lied gehört literarisch zum Königsberger Dach-Kreis, und Albert ist in der frühen Liedüberlieferung beteiligt; die heute allgemein bekannte Melodie ist jedoch nicht einfach mit Alberts ursprünglicher Vertonung gleichzusetzen, sondern wurde durch spätere Bearbeitung und besonders durch Friedrich Silcher populär. Eine undifferenzierte Zuschreibung wäre daher irreführend.

Die Singspiele Cleomedes und Prussiarchus sind nur fragmentarisch beziehungsweise textlich greifbar. Die Musik ist weitgehend verschollen. Sie sollten im Werkverzeichnis genannt werden, aber nicht so behandelt werden, als ob vollständige Partituren erhalten wären.

Rezeption und Nachwirkung

Heinrich Alberts Nachwirkung ist vor allem in der Geschichte des deutschen Liedes, des evangelischen Kirchenliedes und der Königsberger Kulturgeschichte sichtbar. Er wurde schon früh als wichtiger Vertreter einer neuen Liedform verstanden, weil seine Arien die Einzelstimme mit Generalbass in deutscher Sprache etablierten und dabei eine breite soziale und geistliche Themenwelt erschlossen.

Die ältere Musikwissenschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sah in Albert einen Ausgangspunkt des neueren deutschen Liedes. Diese Sicht ist historisch zugespitzt, aber nicht unbegründet. Albert steht tatsächlich an einem Übergang: vom mehrstimmigen Gesellschaftslied zum solistischen Generalbasslied, vom rein funktionalen Gelegenheitslied zu einer stärker individualisierten Textvertonung, vom Choralraum zu einer kunstvolleren privaten Andacht.

Im evangelischen Kirchenlied blieb Albert durch einzelne Lieder und Melodien wirksam. Gott des Himmels und der Erden war dabei besonders wichtig. Es zeigt, dass Alberts Liedkunst nicht nur gelehrte Kreise erreichte, sondern in die Frömmigkeitspraxis breiterer evangelischer Gemeinden hineinwirken konnte.

Die Königsberger Erinnerungskultur machte Albert außerdem zu einer Symbolfigur der ostpreußischen Musik- und Literaturgeschichte. Der Dichterkreis, die Kürbishütte und die Verbindung von Simon Dach und Albert wurden zu Chiffren einer verlorenen Königsberger Kultur. Gerade nach den Zerstörungen des 20. Jahrhunderts erhielt dieser Erinnerungsaspekt zusätzliche Bedeutung.

Moderne Aufführungen Alter Musik haben Albert als Komponisten des Generalbassliedes wieder interessanter gemacht. Seine Lieder eignen sich für historisch informierte Aufführung mit Singstimme, Cembalo, Orgelpositiv, Laute, Theorbe, Viola da gamba oder kleinen Continuo-Ensembles. Dadurch wird hörbar, dass seine Musik nicht nur textgeschichtlich, sondern auch klanglich reizvoll ist.

Analytische Bedeutung

Analytisch ist Albert besonders wichtig, weil seine Lieder an der Grenze von Strophe, Rhetorik, Affekt und Generalbass stehen. Die Melodie folgt nicht einfach einem abstrakten Schema, sondern reagiert auf Wortakzente, Silbenlängen, rhetorische Wendungen und emotionale Situationen. Dadurch wird das deutsche Wort musikalisch beweglicher als in vielen älteren Liedsätzen.

Der Generalbass ist bei Albert mehr als harmonische Stütze. Er erlaubt eine flexible Begleitung, die je nach Instrument und Aufführungssituation verschieden ausfallen kann. Positiv, Cembalo, Theorbe oder anderes vollstimmiges Instrument erzeugen unterschiedliche Klangräume. Das Lied ist dadurch nicht starr, sondern aufführungspraktisch offen.

Die Musicalische Kürbs-Hütte ist analytisch besonders interessant, weil sie einen zusammenhängenden Bildraum musikalisch organisiert. Der Kürbis, der Herbst, die Blätter, das Vergehen und die menschliche Hinfälligkeit bilden ein emblematisches Feld. Musik, Text und Bildlichkeit arbeiten hier eng zusammen. Die zwölf Stücke können als Zyklus über Zeit, Jugend, Alter und Vergänglichkeit gelesen werden.

Die geistlichen Lieder zeigen eine andere Struktur. Sie verbinden einfache Melodik mit klarer theologischer Aussage. Ein Morgenlied wie Gott des Himmels und der Erden muss nicht dramatisch komplex sein; seine Stärke liegt in der ruhigen, gut singbaren, vertrauensvollen Form. Gerade in solcher Schlichtheit wird Alberts Fähigkeit zur prägnanten musikalischen Form sichtbar.

Für die Analyse des deutschen Barockliedes ist Albert deshalb unverzichtbar. Bei ihm lässt sich untersuchen, wie italienische Monodie, deutsche Poesie, lutherische Frömmigkeit, städtische Geselligkeit und Generalbasspraxis eine eigene Liedsprache hervorbringen. Seine Musik ist nicht nur Vorstufe späterer Entwicklungen, sondern ein eigenständiges Modell frühneuzeitlicher Klang- und Textkultur.

Sekundärliteratur

  • Deutsche Biographie: Artikel Albert, Heinrich. Grundlegende biographische und werkgeschichtliche Kurzfassung mit Angaben zu Familie, Ausbildung, Domorganistenstelle, Königsberger Dichterkreis, Arien, Kürbishütte und Bedeutung für das deutsche Lied.
  • Allgemeine Deutsche Biographie: Artikel Albert, Heinrich. Ältere, aber weiterhin wichtige Darstellung der Königsberger Dichterkreis- und Liedüberlieferung.
  • Gerhard Dünnhaupt: Heinrich Albert, in: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Band 1, Stuttgart 1990, S. 170–190. Zentrale bibliographische Grundlage für Alberts Drucke.
  • Günter Kraft: Festschrift zur Ehrung von Heinrich Albert (1604–1651), Weimar 1954. Sammelband zur Würdigung Alberts im 20. Jahrhundert.
  • Joseph Müller-Blattau: Heinrich Albert und das deutsche Barocklied, in: Deutsche Vierteljahrsschrift, Band 25, 1951, S. 401–414. Wichtige Studie zur Bedeutung Alberts für das Barocklied.
  • Hermann Kretzschmar: Geschichte des neuen deutschen Liedes, Band 1: Von Albert bis Zelter, Leipzig 1911. Klassische, ältere Darstellung, die Albert an den Beginn der neueren deutschen Liedgeschichte stellt.
  • Eduard Bernoulli: Ausgabe der Arien von Heinrich Albert in den Denkmälern deutscher Tonkunst, mit Einleitung von Hermann Kretzschmar. Wichtige moderne Erschließung des Liedwerks.
  • L. H. Fischer: Gedichte des Königsberger Dichterkreises aus Heinrich Alberts Arien und Musicalischer Kürbshütte, Halle 1883. Wichtig für die literarische Seite des Königsberger Kreises.
  • W. Ziesemer: Simon Dach und seine Freunde, Königsberg 1938. Wichtig für das literarische Umfeld Alberts.
  • Hans Joachim Moser: Corydon, zwei Bände, Braunschweig 1933. Ältere Studie zur deutschen Lied- und Schäferdichtungskultur.
  • Dieter Lohmeier und Bernt Olsson: Weltliches und geistliches Lied des Barock. Studien zur Liedkultur in Deutschland und Skandinavien, Amsterdam 1979. Wichtig für den weiteren Liedkulturvergleich.
  • Anthony J. Harper: German Secular Song-Books of the Mid-Seventeenth Century. Wichtig für die Einordnung deutschsprachiger Lieddrucke zwischen 1624 und 1660.
  • Forschung zu Heinrich Schütz und seinen Schülern, besonders im Kontext des Heinrich-Schütz-Hauses Bad Köstritz. Wichtig für Alberts Ausbildung und die Schütz-Rezeption.
  • Forschung zur Königsberger Musikgeschichte, zur Universität Königsberg und zur ostpreußischen Kulturgeschichte. Wichtig für Alberts institutionellen und sozialen Wirkungsraum.
  • Neuere Forschung zur Anthologiepoetik der Arien, zur Mehrfachautorschaft und zur Verbindung von Lieddruck, Übersetzung, Geselligkeit und Autorschaft im 17. Jahrhundert.

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Heinrich Alberti Alternative Namensform Heinrich Alberts in älteren und latinisierten Zusammenhängen.
  • Lobenstein Geburtsort Heinrich Alberts im thüringisch-reußischen Raum.
  • Gera Schulort Alberts und Teil seines mitteldeutschen Bildungsweges.
  • Dresden Ort der musikalischen Ausbildung Alberts bei Heinrich Schütz.
  • Leipzig Ort von Alberts Jurastudium und musikalischer Umgebung um Johann Hermann Schein.
  • Königsberg Hauptwirkungsort Alberts als Domorganist, Komponist und Mitglied des Dichterkreises.
  • Königsberger Dom Institutioneller Wirkungsort Alberts als Domorganist seit 1631.
  • Universität Königsberg Akademischer Kontext von Alberts Festmusik und Königsberger Gelehrtenmilieu.
  • Ostpreußen Regionaler Kulturraum von Alberts Königsberger Wirken.
  • Heinrich Schütz Verwandter, Lehrer und zentrale Prägefigur für Alberts kompositorische Ausbildung.
  • Schütz-Schule Musikalischer Traditionszusammenhang, in den Alberts Ausbildung einzuordnen ist.
  • Johann Hermann Schein Leipziger Thomaskantor und möglicher musikalischer Bezugspunkt Alberts während des Leipziger Studiums.
  • Johann Stobaeus Königsberger Musiker und Lehrer beziehungsweise Studienbezug Alberts.
  • Johannes Eccard Wichtiger Vorgänger der Königsberger Vokaltradition, in deren Umfeld Albert wirkte.
  • Johann Sebastiani Späterer Königsberger Komponist und Vergleichsfigur zur ostpreußischen Musikgeschichte.
  • Königsberger Dichterkreis Poetisch-musikalischer Freundeskreis, dem Albert unter dem Namen Damon angehörte.
  • Kürbishütte Garten- und Geselligkeitsort des Königsberger Dichterkreises und symbolischer Mittelpunkt von Alberts Liedkultur.
  • Damon Dichtername Heinrich Alberts im Königsberger Kreis.
  • Simon Dach Dichterfreund Alberts, Textautor und zentrale Figur des Königsberger Dichterkreises.
  • Robert Roberthin Mitglied des Königsberger Dichterkreises und Freund Alberts.
  • Johann Peter Titz Dichter und Mitglied des Königsberger Kreises.
  • Valentin Thilo der Jüngere Königsberger Dichter und Mitglied des kulturellen Umfelds Alberts.
  • Georg Weissel Königsberger Liederdichter und geistlicher Autor im Umfeld Alberts.
  • Martin Opitz Barockdichter, dessen Dichtung und Reformpoetik für den Königsberger Kreis wichtig war.
  • Barocklied Gattungsfeld, in dem Alberts Arien eine zentrale Stellung einnehmen.
  • Generalbasslied Liedtypus mit Singstimme und Generalbass, dessen deutsche Ausprägung Albert wesentlich prägte.
  • Arie im 17. Jahrhundert Begriffsgeschichtlicher Rahmen von Alberts Arien oder Melodeyen.
  • Monodie Italienisch geprägtes Prinzip der Einzelstimme mit Begleitung, das für Alberts Liedstil wichtig ist.
  • Generalbass Harmonische und aufführungspraktische Grundlage von Alberts Liedern.
  • Basso continuo Begleitpraxis, die Alberts Arien klanglich trägt.
  • Positiv Kleines Orgelinstrument, das in Alberts Aufführungshinweisen als Begleitinstrument erscheint.
  • Clavicimbel Tasteninstrument, das in den Titeln und Aufführungshinweisen von Alberts Arien genannt wird.
  • Theorbe Lauteninstrument und mögliches Generalbassinstrument in Alberts Liedpraxis.
  • Deutsches Kunstlied Spätere Gattungsgeschichte, deren frühe Voraussetzungen bei Albert liegen.
  • Evangelisches Kirchenlied Kirchlicher Rezeptionsraum einzelner geistlicher Lieder Alberts.
  • Gott des Himmels und der Erden Bekanntes Morgenlied Heinrich Alberts.
  • Ich bin ja, Herr, in deiner Macht Geistliches Trost- und Sterbelied aus Alberts Wirkungskontext.
  • Ännchen von Tharau Lied aus dem Königsberger Dach-Kreis, dessen Melodie- und Rezeptionsgeschichte quellenkritisch zu unterscheiden ist.
  • Arien oder Melodeyen Achtteilige Hauptsammlung Heinrich Alberts von 1638 bis 1650.
  • Musicalische Kürbs-Hütte Zwölfteilige Liedfolge Alberts über menschliche Hinfälligkeit.
  • Poetisch-Musikalisches Lust-Wäldlein Liedsammlung im Umfeld von Alberts Arien-Überlieferung.
  • Cleomedes Singspiel Alberts von 1635 auf einen Text Simon Dachs, musikalisch weitgehend verloren.
  • Prussiarchus Singspiel Alberts von 1645 auf einen Text Simon Dachs, musikalisch verschollen.
  • Gelegenheitsdichtung Poetische Praxis von Hochzeiten, Begräbnissen, akademischen Festen und Huldigungen, die Alberts Liedwerk prägt.
  • Hochzeitslied Gelegenheitsgattung innerhalb von Alberts Arien.
  • Grablied Trauer- und Sterbegattung, die in Alberts Sammlung häufig vertreten ist.
  • Morgenlied Geistliche Liedgattung, in der Alberts Gott des Himmels und der Erden steht.
  • Barocke Vergänglichkeit Zentrales Thema der Kürbishütte und vieler Trauer- und Moralgesänge Alberts.
  • Vanitas Barockes Deutungsmuster menschlicher Hinfälligkeit, das in Alberts Kürbishütte musikalisch-poetisch erscheint.
  • Affektenlehre Musikalisch-rhetorischer Hintergrund von Alberts Wort- und Textdeutung.
  • Musikalische Rhetorik Analysefeld für Alberts melodische Wortausdeutung.
  • Frühbarock Epochenrahmen von Alberts Musik und Liedpraxis.
  • Deutsche Barockmusik Übergreifender musikalischer Kontext Alberts.
  • Lutherische Musikkultur Konfessioneller Rahmen von Alberts geistlichen Liedern und seiner Domorganistentätigkeit.
  • Dreißigjähriger Krieg Historischer Hintergrund von Alberts Lebenszeit und Liedkultur.
  • Barocke Geselligkeit Sozialer Rahmen des Königsberger Dichterkreises und der Kürbishütte.
  • Selbstverleger Rolle Alberts als Autor, Komponist und kontrollierender Herausgeber seiner Drucke.
  • Musikdruck im 17. Jahrhundert Mediengeschichtlicher Kontext der Arien-Drucke Alberts.
  • Denkmäler deutscher Tonkunst Editionsreihe, in der Alberts Arien modern zugänglich gemacht wurden.
  • Eduard Bernoulli Herausgeber der modernen Denkmäler-Ausgabe von Alberts Arien.
  • Hermann Kretzschmar Musikhistoriker und Interpret von Alberts Bedeutung für das neue deutsche Lied.
  • Joseph Müller-Blattau Forscher und Herausgeber zu Heinrich Albert, Kürbishütte und deutschem Barocklied.
  • Gerhard Dünnhaupt Bibliograph der barocken Drucküberlieferung Heinrich Alberts.
  • L. H. Fischer Herausgeber der Gedichte des Königsberger Dichterkreises aus Alberts Arien und Kürbishütte.
  • MGG Online Fachlexikalischer Rechercheort zu Heinrich Albert und deutscher Barockmusik.
  • Grove Music Online Internationaler fachlexikalischer Kontext zu Albert, Barocklied und deutscher Musik des 17. Jahrhunderts.
  • IMSLP Digitales Notenportal mit Alberts Arien, Kürbishütte und weiteren Sammlungen.
  • RISM Internationales Quellenrepertorium für Alberts Drucke und musikalische Überlieferung.