Eugen d’Albert
Überblick
Eugen d’Albert war eine der widerspruchsvollsten Musikerpersönlichkeiten um 1900. Er wurde am 10. April 1864 in Glasgow geboren, wuchs zunächst im britischen Musikleben auf, wandte sich aber früh und mit demonstrativer Entschiedenheit der deutschen Musikkultur zu. Als Pianist wurde er ein gefeierter Interpret von Bach, Beethoven, Liszt und Brahms; als Komponist hinterließ er ein umfangreiches Werk aus Klaviermusik, Konzerten, Kammermusik, Liedern, Chorwerken und einundzwanzig Bühnenwerken. Er starb am 3. März 1932 in Riga.
D’Albert war einer der letzten großen Pianisten aus dem unmittelbaren Umkreis Franz Liszts. Seine Karriere verband virtuose Brillanz mit einem ernsten, auf Werkstruktur und geistige Durchdringung gerichteten Interpretationsideal. Zeitgenossen bewunderten an ihm nicht nur technische Kraft, sondern vor allem die Fähigkeit, Beethoven und Bach mit einer Verbindung von Freiheit, Plastizität, Energie und architektonischer Übersicht zu spielen. Seine Bach-Bearbeitungen und Beethoven-Kadenzen gehören zu dieser interpretatorischen Werkpraxis.
Als Komponist wurde d’Albert zunächst mit Instrumentalwerken und Klaviermusik sichtbar, verlagerte sein Hauptinteresse jedoch zunehmend auf die Oper. Sein erfolgreichstes Werk ist Tiefland, ein Musikdrama nach Àngel Guimeràs katalanischem Drama Terra baixa. Die Oper wurde 1903 in Prag uraufgeführt und später in einer stärker konzentrierten Fassung mit Vorspiel und zwei Akten verbreitet. Sie blieb d’Alberts dauerhaft bekanntestes Bühnenwerk.
Die kompositorische Stellung d’Alberts ist kulturgeschichtlich besonders interessant, weil sie zwischen sehr unterschiedlichen Lagern steht. Er war ein Virtuose der Liszt-Nachfolge, ein Bewunderer der deutschen Klassik, ein Komponist wagnerisch geprägter Musikdramen, ein Autor komischer Einakter, ein Theaterpraktiker mit Sinn für literarische Stoffe und zugleich ein Komponist, der sich in Tiefland einer realistisch-veristischen Bühnenwirkung näherte. Er gehört nicht einfach einer Schule an, sondern steht zwischen deutschem Musikidealismus, spätem romantischem Klaviervirtuosentum und europäischem Musiktheater um 1900.
Sein Werk ist in der heutigen Rezeption ungleich verteilt. Als Pianist ist d’Albert historisch hoch angesehen, aber nur über Berichte, Ausgaben und wenige mediale Zeugnisse indirekt greifbar. Als Komponist ist er im Konzertrepertoire deutlich weniger präsent als zu Lebzeiten. Von den Opern blieb vor allem Tiefland im kulturellen Gedächtnis. Gerade diese Spannung zwischen historischer Prominenz und heutiger Teilvergessenheit macht d’Albert zu einer wichtigen Kulturlexikon-Figur.
Kurzdaten
| Name | Eugen d’Albert. |
|---|---|
| Vollständiger Name | Eugen Francis Charles d’Albert; ursprünglich auch Eugène Francis Charles d’Albert. |
| Weitere Namensformen | Eugène d’Albert, Eugen d' Albert, Eugen d'Albert, Albert Eugen d’, Albert Eugen d'. |
| Geburt | 10. April 1864 in Glasgow, Schottland. |
| Tod | 3. März 1932 in Riga, Lettland; Grab in Morcote im Tessin. |
| Beruf | Pianist, Komponist, Klaviervirtuose, Opernkomponist, Bearbeiter, Herausgeber, Lehrer, Hochschuldirektor und Vertreter des spätromantischen Musiklebens um 1900. |
| Herkunft | In Schottland geboren; Vater Charles Louis Napoléon d’Albert, musikalisch ausgebildet und mit dem Londoner Theater- und Ballettmilieu verbunden; Mutter englischer Herkunft. |
| Musikalische Prägung | Frühe Ausbildung in Großbritannien; Studium in London; Förderung durch Hans Richter; weitere Ausbildung im deutschsprachigen Raum; Unterricht und geistige Prägung durch Franz Liszt. |
| Wichtige Lehrer und Förderer | Ernst Pauer, Ebenezer Prout, Arthur Sullivan, Hans Richter und Franz Liszt; je nach Ausbildungsabschnitt unterschiedlich zu gewichten. |
| Hauptwirkungsräume | London, Wien, Weimar, Berlin, deutschsprachige Konzert- und Opernhäuser, internationale Klavierpodien, Riga und Schweiz. |
| Pianistisches Profil | Berühmt als Beethoven-, Bach-, Liszt- und Brahms-Interpret; starkes Gewicht auf Klangkraft, geistige Architektur, rubatohafte Freiheit und virtuose Autorität. |
| Kompositorisches Profil | Spätromantische Instrumentalmusik, virtuose Klavierwerke, Konzerte, Lieder, Chorwerke, Bearbeitungen und 21 Bühnenwerke. |
| Bekanntestes Werk | Tiefland, Musikdrama nach Àngel Guimeràs Terra baixa, Uraufführung 15. November 1903 in Prag unter Leo Blech. |
| Weitere wichtige Opern | Die Abreise, Kain, Der Improvisator, Flauto solo, Izeÿl, Die toten Augen, Revolutionshochzeit, Der Golem, Die schwarze Orchidee und Mister Wu. |
| Wichtige Instrumentalwerke | Klavierkonzert Nr. 1 h-Moll op. 2, Symphonie F-Dur op. 4, Klavierkonzert Nr. 2 E-Dur op. 12, Cellokonzert C-Dur op. 20, zwei Streichquartette, Klaviersonate fis-Moll op. 10 und mehrere Klavierstücksammlungen. |
| Bearbeitungen | Klavierbearbeitungen von Orgelwerken Johann Sebastian Bachs, Bearbeitungen älterer Musik, Kadenzen zu Beethoven-Konzerten und Herausgaben von Klavierliteratur. |
| Institutionelle Stellung | 1907 Direktor der Hochschule für Musik in Berlin; außerdem mit Weimarer Hofmusik und deutscher Musikausbildung verbunden. |
| Ehen | D’Albert war sechsmal verheiratet, unter anderem mit der Pianistin und Sängerin Teresa Carreño. |
| Kulturelle Bedeutung | D’Albert steht exemplarisch für den Übergang vom Liszt-Virtuosentum zur modernen Konzertkultur, für deutsches Musiktheater zwischen Wagner-Nachfolge und Verismus sowie für die Spannungen von Nationalstil, Internationalität und Kanonbildung um 1900. |
Ausführlicher Kulturüberblick
Eugen d’Albert verkörpert eine musikalische Existenz, die sich kaum auf eine nationale oder gattungsgeschichtliche Kategorie festlegen lässt. Er wurde in Glasgow geboren, ausgebildet in Großbritannien, prägte sich künstlerisch im deutschsprachigen Raum, bekannte sich leidenschaftlich zur deutschen Musik, wurde als Pianist international gefeiert und starb in Riga. Seine Biographie zeigt, wie europäisch das Musikleben des späten 19. Jahrhunderts war, auch dort, wo Künstler mit nationalen Kategorien operierten.
Sein pianistisch-kompositorisches Profil ist aus dem Geist des Liszt-Kreises zu verstehen. Liszt stand für die Verbindung von Virtuosität, geistiger Deutung, Transkription, Bearbeitung, Neudeutung älterer Musik und öffentlicher Künstlerrolle. D’Albert übernahm aus diesem Umfeld nicht nur technische Souveränität, sondern auch ein Verständnis des Pianisten als schöpferischer Interpret. Wer Bach für Klavier bearbeitet, Beethoven-Kadenzen schreibt, große Werke ediert und zugleich komponiert, trennt nicht scharf zwischen Komposition, Interpretation und Nachschöpfung.
Gleichzeitig war d’Albert kein bloßer Liszt-Nachfolger. Seine Hinwendung zu Bach, Beethoven und Brahms zeigt einen anderen Pol: das Ideal der deutschen Werkhaftigkeit. D’Albert wollte nicht nur brillieren, sondern große musikalische Architektur darstellen. Die Spannungen seiner Zeit sind hier deutlich: Einerseits war der Virtuose ein öffentlicher Star, andererseits verlangte das immer stärker kanonisierte Konzertrepertoire nach Respekt vor dem Werk. D’Albert bewegte sich genau zwischen diesen Ansprüchen.
Als Komponist begann er mit Instrumentalmusik, doch seine stärkste öffentliche Wirkung entfaltete er im Musiktheater. Seine einundzwanzig Bühnenwerke zeigen eine bemerkenswerte Stoffbreite: Märchen, musikalisches Lustspiel, biblische Tragödie, Musikdrama, veristische Milieudramatik, komische Oper, Legendenstoff, Groteske und exotistisches Drama. Diese Vielfalt entspricht dem Opernbetrieb um 1900, der ständig neue Stoffe suchte und zugleich zwischen Wagner-Erbe, französischem Theater, italienischem Verismo, literarischer Moderne und publikumswirksamer Handlung vermittelte.
Tiefland ist der zentrale Fall. Das Werk basiert auf einem katalanischen Drama und verbindet eine starke Natur-Metaphorik mit sozialer und erotischer Gewalt, moralischer Reinigung und der symbolischen Gegenüberstellung von Hochland und Tiefland. D’Albert schafft hier ein Musikdrama, das zwar im deutschen Sprachraum steht, aber mit realistisch-dramatischer Direktheit und einer veristischen Energie arbeitet. Gerade deshalb konnte Tiefland über Jahrzehnte auf deutschsprachigen Bühnen bestehen.
D’Alberts spätere Opern zeigen dagegen das Problem vieler Komponisten der Nach-Wagner-Zeit. Der Opernbetrieb war groß, aber der Kanon wurde enger. Werke wie Die toten Augen, Revolutionshochzeit, Der Golem oder Die schwarze Orchidee waren in ihrer Zeit nicht unbedeutend, verschwanden aber nach 1933 und nach 1945 weitgehend aus dem Repertoire. Die Gründe liegen nicht nur in ästhetischer Bewertung, sondern auch in Theatergeschichte, Stoffgeschmack, Aufführungsaufwand, politischen Brüchen, Konkurrenz durch neue Moderne und Veränderung des Kanons.
Kulturgeschichtlich ist d’Albert deshalb doppelt wichtig. Er zeigt den Ruhm des Virtuosen und die Fragilität des Komponistennachruhms. Als Pianist galt er als Autorität; als Komponist wurde er zu Lebzeiten viel gespielt; heute ist sein Name vor allem durch Tiefland und durch historische Klavierkultur präsent. Diese Verschiebung ist typisch für die Musikgeschichte um 1900: Viele damals zentrale Figuren wurden später von der Moderne, vom Klassikkanon und von der Repertoireökonomie verdrängt.
Seine Bach-Bearbeitungen und Beethoven-Kadenzen zeigen darüber hinaus eine heute erklärungsbedürftige Praxis. Für d’Albert war das Bearbeiten kein bloßer Eingriff in fremde Werke, sondern Teil lebendiger Aneignung. Bach konnte auf dem modernen Klavier neu klingen; Beethoven konnte durch Kadenzen aus interpretatorischer Gegenwart heraus ergänzt werden. Solche Praktiken stehen zwischen historischem Respekt und schöpferischem Selbstbewusstsein. Sie machen d’Albert zu einem wichtigen Zeugen einer Vor-Urtext-Kultur, in der Interpretation, Bearbeitung und Edition anders gedacht wurden als im späteren 20. Jahrhundert.
Leben, Ausbildung und pianistische Karriere
Eugen Francis Charles d’Albert wurde am 10. April 1864 in Glasgow geboren. Sein Vater Charles Louis Napoléon d’Albert war musikalisch tätig und mit dem Londoner Theatermilieu verbunden. Der junge d’Albert erhielt früh Musikunterricht, wurde aber auch als außergewöhnlich selbständiges Talent wahrgenommen. Seine Begabung führte ihn nach London, wo er an der National Training School for Music studierte und in den Kreis wichtiger Musiker und Förderer geriet.
In Großbritannien begegnete d’Albert einer Ausbildung, die ihn technisch und institutionell prägte, die er später aber öffentlich eher distanziert betrachtete. Er suchte seine künstlerische Heimat im deutschsprachigen Raum. Diese Wendung wurde durch Hans Richter und vor allem durch Franz Liszt entscheidend begünstigt. Liszt erkannte in d’Albert einen hochbegabten Pianisten; der Kontakt mit Weimar und der Liszt-Schule gab d’Albert jene künstlerische Legitimation, die er für seine spätere Selbstdeutung als deutscher Musiker benötigte.
Als Pianist wurde d’Albert rasch international bekannt. Er spielte Beethoven, Bach, Liszt, Brahms und das große romantische Repertoire mit einer Mischung aus Kraft, Freiheit, Klangfülle und analytischem Ernst. Zeitgenössische Urteile heben häufig seine außergewöhnliche Autorität hervor. D’Albert war kein Salonvirtuose, sondern ein Pianist, der den Anspruch erhob, große Werke von innen heraus zu gestalten.
Seine Konzertkarriere verlief parallel zur Komposition. Zunächst schrieb er Klavierwerke, Konzerte, Kammermusik und Lieder; später wandte er sich zunehmend der Oper zu. Diese Entwicklung ist nicht ungewöhnlich. Viele Virtuosenkomponisten des 19. Jahrhunderts suchten den Schritt von der Instrumentalmusik zum Musiktheater, weil die Oper den größten öffentlichen Wirkungsraum bot.
1907 wurde d’Albert Direktor der Hochschule für Musik in Berlin. Diese Stellung zeigt seine institutionelle Anerkennung im deutschen Musikleben. Zugleich blieb er ein unsteter, reisender und persönlich komplizierter Künstler. Seine sechs Ehen, seine wechselnden Staatsangehörigkeiten und sein starkes Selbstverständnis als deutscher Musiker trotz schottischer Geburt gehören zu einer Biographie, in der künstlerische Identität und private Unruhe eng beieinanderlagen.
D’Albert starb am 3. März 1932 in Riga. Sein Tod fiel in eine Zeit, in der sein Ruhm als Pianist bereits historisch wurde, während sein kompositorischer Nachruhm stark von der Aufführungsgeschichte der Opern abhing. Das Grab in Morcote im Tessin verweist auf die spätere schweizerische Lebens- und Erinnerungsspur.
D’Albert als Pianist, Bearbeiter und Herausgeber
D’Albert war einer der bedeutenden Pianisten seiner Zeit. Seine pianistische Persönlichkeit war von Liszt geprägt, aber nicht auf Liszt-Virtuosität beschränkt. Besonders in Beethoven, Bach und Brahms suchte er nach einer Verbindung von Energie, Klang, rhythmischer Plastizität und struktureller Übersicht. Diese Haltung erklärt auch, warum er als Interpret älterer und klassischer Musik weit über reine Brillanz hinaus ernst genommen wurde.
Seine Bach-Bearbeitungen stehen in einer langen romantischen Tradition, die Orgelwerke und ältere Cembalomusik auf den modernen Flügel übertrug. Heute werden solche Bearbeitungen oft historisch distanziert betrachtet; um 1900 waren sie aber ein wesentliches Mittel, ältere Musik im Konzertsaal präsent zu machen. D’Albert verstand Bach nicht als museales Objekt, sondern als lebendige, auf dem Klavier neu gestaltbare Musik.
Auch seine Kadenzen zu Beethoven-Klavierkonzerten gehören zu dieser schöpferischen Interpretationspraxis. Sie zeigen, dass der Pianist nicht nur Ausführender war, sondern an bestimmten Stellen als fortschreibender Musiker auftrat. In einer Zeit, in der die Urtext-Idee noch nicht die spätere normative Kraft hatte, war eine solche Praxis selbstverständlich stärker akzeptiert.
Als Herausgeber und Bearbeiter wirkte d’Albert an der Vermittlung des Repertoires mit. Er stand damit zwischen Konzertpodium, Verlag, Unterricht und Kanonbildung. Gerade diese Rolle macht ihn für die Kulturgeschichte des Klaviers wichtig: Er war nicht nur Interpret eines vorhandenen Kanons, sondern half, diesen Kanon in Klang, Druck und Unterrichtspraxis mitzuformen.
Opernkomponist zwischen Wagner-Nachfolge, Verismus und Musikdrama
D’Alberts Opernschaffen ist umfangreich und heterogen. Von Der Rubin bis Mister Wu reicht es über fast vier Jahrzehnte. Die Stoffe zeigen den Geschmack eines Opernbetriebs, der nach dramatischer Zuspitzung, exotischen Schauplätzen, literarischen Vorlagen, psychologischen Konflikten und publikumswirksamen Situationen suchte. D’Albert arbeitete mit unterschiedlichen Librettisten und griff auf Hebbel, Immermann, Victor Hugo, Àngel Guimerà, Petronius, Arthur Holitscher und andere Vorlagen zurück.
Die ersten Opern stehen noch stark im spätromantischen und wagnerischen Umfeld. Der Rubin, Ghismonda und Gernot zeigen das Streben nach dramatischer Form und literarischer Aufwertung. Die Abreise dagegen ist ein musikalisches Lustspiel und weist auf d’Alberts Fähigkeit zur leichteren, pointierten Theatersprache. Diese Spannung zwischen schwerem Musikdrama und komischer beziehungsweise grotesker Oper bleibt in seinem Werk bestehen.
Tiefland wurde der Durchbruch als Opernkomponist. Hier traf d’Albert einen Stoff, der Naturpathos, soziale Gewalt, erotische Abhängigkeit und moralische Reinigung in eine unmittelbar verständliche Bühnensituation brachte. Die Musik arbeitet mit dramatischer Direktheit, leitmotivischen beziehungsweise motivisch wiederkehrenden Elementen, sinfonischer Verdichtung und starkem vokalem Ausdruck. Dadurch entstand ein Werk, das sich im Repertoire halten konnte.
Die späteren Opern zeigen zunehmende stilistische Vielfalt. Die toten Augen besitzt symbolistische und spätromantische Züge. Revolutionshochzeit greift auf historisch-politische Dramatik. Der Golem gehört in die moderne Faszination für Legende, Dämonie und Großstadtphantasien. Die schwarze Orchidee zeigt groteske und burleske Seiten. Mister Wu blieb unvollendet und wurde von Leo Blech vollendet.
Dass viele dieser Werke heute selten gespielt werden, mindert ihre kulturgeschichtliche Bedeutung nicht. Sie dokumentieren den deutschsprachigen Opernbetrieb um 1900 und nach dem Ersten Weltkrieg, seine Stoffsuche, seine Nähe zu Literatur und seine Unsicherheit zwischen Tradition und Moderne.
Tiefland und die Bühnenwirkung
Tiefland ist d’Alberts berühmtestes und dauerhaft erfolgreichstes Werk. Die Oper entstand 1902/03 und wurde am 15. November 1903 in Prag unter Leo Blech uraufgeführt. Die Grundlage bildet Àngel Guimeràs Drama Terra baixa, das Rudolf Lothar für die deutschsprachige Opernbühne bearbeitete. Der ursprüngliche Aufbau wurde später verändert; die verbreitete Fassung mit Vorspiel und zwei Akten erwies sich als theatralisch wirksamer.
Die Dramaturgie lebt vom Gegensatz zwischen Hochland und Tiefland. Das Hochland steht für Natur, Unschuld, Einsamkeit, archaische Freiheit und moralische Unversehrtheit. Das Tiefland steht für Besitz, soziale Abhängigkeit, sexuelle Gewalt, Lüge und Korruption. Diese Gegenüberstellung ist nicht subtil, aber bühnenwirksam. Sie erlaubt starke musikalische Kontraste und klare emotionale Linien.
Die Figur des Pedro ist für die Wirkung des Werkes zentral. Er kommt aus der Höhe, ist naiv, stark, naturverbunden und moralisch unmittelbar. Martha dagegen ist durch Sebastianos Macht beschädigt und in ein soziales System der Abhängigkeit gezwungen. Die Oper erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch eine Befreiungsphantasie: Aus dem moralisch verseuchten Tiefland führt der Weg zurück in eine imaginierte reine Höhe.
Musikalisch verbindet Tiefland spätromantische Orchesterfarbe, leitmotivische Arbeit, dramatische Verdichtung und eine gewisse veristische Unmittelbarkeit. Das Werk ist weniger psychologisch gebrochen als manche Opern der Moderne, aber genau daraus gewinnt es seine Bühnenkraft. Es spricht in starken Gegensätzen, klaren Affekten und wirkungsvollen vokalen Situationen.
Stil, Gattungen und kompositorisches Profil
D’Alberts Stil ist nicht einheitlich, sondern gattungsabhängig. In den frühen Klavier- und Konzertwerken zeigt sich die Nähe zu Liszt, Brahms und der spätromantischen Virtuosentradition. Die Klavierkonzerte sind groß angelegt, virtuos und sinfonisch gedacht. Die Klaviersonate fis-Moll op. 10 zeigt den Anspruch, über bloße Virtuosität hinaus eine größere zyklische Form zu gestalten.
Die Kammermusik, besonders die beiden Streichquartette, steht stärker im deutschen Formideal. Hier sucht d’Albert nicht primär Effekt, sondern thematische Arbeit, Satzdisziplin und Einordnung in eine Beethoven-Brahms-Tradition. Diese Werke zeigen den ernsthaften Komponisten, der sich am großen Kammermusikkanon misst.
Die Lieder und Chorwerke zeigen eine andere Seite. D’Albert schrieb zahlreiche Lieder, einige Orchesterlieder und Chorwerke, darunter Der Mensch und das Leben, Mittelalterliche Venushymne und An den Genius von Deutschland. Hier erscheint der spätromantische Ausdrucksraum zwischen Kunstlied, nationaler Rhetorik, Chorklang und poetischer Stimmung.
In der Oper wechselt d’Albert zwischen Musikdrama, komischer Oper, Lustspiel, Legendenstück und grotesker Bühnenform. Seine Theatermusik ist häufig wirkungsbewusst, stofflich stark konturiert und weniger abstrakt als seine Instrumentalmusik. Sie sucht Szene, Situation, Konflikt und gesangliche Zuspitzung. Die erfolgreichsten Partien entstehen dort, wo dieser dramatische Instinkt mit prägnanter musikalischer Charakteristik zusammentrifft.
Werk-, Quellen- und Überlieferungsverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis fasst die wichtigsten nach Opuszahl, Gattung und Bühnenfolge greifbaren Werke Eugen d’Alberts zusammen. Die Opuszählung umfasst 34 Opuswerke beziehungsweise Opusgruppen; daneben stehen 21 Bühnenwerke ohne durchgehende Opuszahl, weitere frühe Werke, Kadenzen, Bearbeitungen und Transkriptionen. Bei einzelnen Daten können Werkverzeichnisse zwischen Entstehung, Druck und Uraufführung unterscheiden.
Werke mit Opuszahl
| Op. 1: Suite d-Moll für Klavier | Fünfsätzige Klaviersuite, Berlin, Bote & Bock, 1883. Frühwerk im Umfeld romantischer Klaviertradition und pianistischer Selbstprofilierung. |
|---|---|
| Op. 2: Klavierkonzert Nr. 1 h-Moll | Klavierkonzert in einem groß angelegten Satz beziehungsweise mehreren verbundenen Abschnitten, 1884. Eines der wichtigsten frühen Virtuosen- und Konzertwerke d’Alberts. |
| Op. 3: Zehn Lieder und Gesänge | Lieder für Singstimme und Klavier, Berlin, Bote & Bock, 1886. Frühe Liedgruppe im deutschen Kunstliedkontext. |
| Op. 4: Symphonie F-Dur | Orchesterwerk, 1886. D’Alberts wichtigster Beitrag zur symphonischen Gattung. |
| Op. 5: Acht Stücke für Klavier | Klavierstücke, Berlin, Bote & Bock, 1886. Sammlung charakteristischer Klavierminiaturen. |
| Op. 6: Dreizehn Walzer für Klavier zu vier Händen | Klavierwerk für vier Hände, Berlin, Bote & Bock, 1883. Gesellschaftlich-kammermusikalische Form mit Tanzcharakter. |
| Op. 7: Streichquartett Nr. 1 a-Moll | Streichquartett, 1887. Kammermusikwerk mit Anspruch auf deutsche Formtradition. |
| Op. 8: Ouvertüre zu Grillparzers Esther | Orchesterouvertüre, 1888. Literarisch angeregtes Orchesterstück nach Grillparzer-Bezug. |
| Op. 9: Fünf Gesänge | Liedgruppe für Singstimme und Klavier, 1889. Teil des umfangreichen Liedschaffens. |
| Op. 10: Klaviersonate fis-Moll | Klaviersonate, 1893. Bedeutendes großformatiges Klavierwerk, oft als wichtigstes originales Soloklavierwerk d’Alberts betrachtet. |
| Op. 11: Streichquartett Nr. 2 Es-Dur | Streichquartett, 1893. Zweites großes Kammermusikwerk für Streichquartett. |
| Op. 12: Klavierkonzert Nr. 2 E-Dur | Klavierkonzert, 1893. Zweites reifes Konzertwerk für Klavier und Orchester, formal konzentrierter als das erste Konzert. |
| Op. 13: Lieder der Liebe | Liedgruppe, Leipzig, 1896. Vokales Werk im spätromantischen Liedkontext. |
| Op. 14: Der Mensch und das Leben | Chorwerk für gemischten Chor a cappella beziehungsweise Chorwerk nach Werkverzeichnis, 1893. Philosophisch-rhetorisch geprägtes Chorstück. |
| Op. 15: Seejungfräulein | Konzertszene für Sopran und Orchester, 1897, publiziert 1898. Zwischen Orchesterlied, Szene und dramatischem Monolog angesiedelt. |
| Op. 16: Vier Stücke für Klavier | Klavierstücke, 1897 beziehungsweise 1898 publiziert. Sammlung charakteristischer Solostücke. |
| Op. 17: Fünf Lieder | Lieder für Singstimme und Klavier, 1898. Teil der gedruckten Liedgruppen d’Alberts. |
| Op. 18: Vier Lieder | Lieder für Singstimme und Klavier, 1898. Gedruckt bei A. Fürstner. |
| Op. 19: Sechs Lieder | Liedgruppe, 1899, Simrock. Fortsetzung des Liedschaffens. |
| Op. 20: Cellokonzert C-Dur | Konzert für Violoncello und Orchester, 1899. Wichtiges Konzertwerk außerhalb des Klaviers; zeigt d’Alberts sinfonische Behandlung des Soloinstruments. |
| Op. 21: Fünf Lieder | Liedgruppe, 1899. Teil der spätromantischen Liedproduktion. |
| Op. 22: Vier Lieder | Liedgruppe, 1900. Liedschaffen im Übergang zur intensiveren Opernproduktion. |
| Op. 23: Acht Lieder für Männerchor | Chorwerke für Männerchor a cappella, 1900. Beitrag zur bürgerlichen Männerchortradition. |
| Op. 24: Wie wir die Natur erleben | Stimmungsbild für Sopran oder Tenor und Orchester beziehungsweise Klavier, 1903. Orchesterliednahe Natur- und Ausdrucksszene. |
| Op. 25: Zwei Lieder für Singstimme und Orchester beziehungsweise Klavier | Orchesterlieder beziehungsweise Lieder mit Orchester- oder Klavierfassung, 1904. |
| Op. 26: Mittelalterliche Venushymne | Werk für Stimme, Männerchor und Orchester, 1904. Archaisierend-spätromantisches Chor- und Orchesterstück. |
| Op. 27: Fünf Lieder | Lieder für eine Singstimme und Klavier, 1904. Gedruckt bei Bote & Bock. |
| Op. 28: Sieben Lieder im Volkston aus Des Knaben Wunderhorn | Liedgruppe, 1904. Auseinandersetzung mit volkstümlicher beziehungsweise romantisch-volkspoetischer Liedsprache. |
| Op. 29: Fünf Bagatellen für Klavier | Klavierstücke, 1905. Charakterstücke im kleineren Format. |
| Op. 30: An den Genius von Deutschland | Werk für Soli ad libitum, gemischten Chor und Orchester, 1904. National-rhetorisches Chororchesterwerk. |
| Op. 31: Sieben Lieder | Liedgruppe, Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1920. Spätes Liedopus; in einzelnen Nachweisen mit Texten Carl Seeligs verbunden. |
| Op. 32: Capriolen | Fünf schlichte Klavierstücke, 1924. Spätes Klavierwerk in leichterem beziehungsweise charakterstückhaftem Format. |
| Op. 33: Aschenputtel | Suite für Orchester, 1924. Orchesterwerk mit märchenhaftem beziehungsweise szenischem Bezug. |
| Op. 34: Sinfonisches Vorspiel zu Tiefland | Orchesterbearbeitung beziehungsweise symphonisches Vorspiel aus der Oper Tiefland, 1924. Verdichtet zentrales musikalisches Material der Oper für den Konzertgebrauch. |
Bühnenwerke und Opern
| Der Rubin | Musikalisches Märchen in zwei Akten; Libretto von d’Albert nach Friedrich Hebbel; Uraufführung 12. Oktober 1893 am Hoftheater Karlsruhe. |
|---|---|
| Ghismonda | Oper in drei Akten; Libretto von d’Albert nach Karl Immermann; Uraufführung 28. November 1895 am Hoftheater Dresden. |
| Gernot | Oper in drei Akten; nach Gustav Kastropp; Uraufführung 11. April 1897 am Hoftheater Mannheim. |
| Die Abreise | Musikalisches Lustspiel in einem Akt; Libretto Ferdinand Graf von Sporck nach August Ernst von Steigentesch; Uraufführung 28. Oktober 1898 am Opernhaus Frankfurt. |
| Kain | Musikalische Tragödie beziehungsweise Oper in einem Akt; Libretto Heinrich Bulthaupt; Uraufführung 17. Februar 1900 am Königlichen Opernhaus Berlin. |
| Der Improvisator | Oper in drei Akten; Libretto Gustav Kastropp nach Victor Hugo; Uraufführung 26. Februar 1902 am Königlichen Opernhaus Berlin. |
| Tiefland | Musikdrama; Libretto Rudolf Lothar nach Àngel Guimeràs Terra baixa; erste Fassung 1902/03; Uraufführung 15. November 1903 am Neuen Deutschen Theater Prag unter Leo Blech; spätere verbreitete Fassung mit Vorspiel und zwei Akten. |
| Flauto solo | Musikalisches Lustspiel in einem Akt; Libretto Hans Paul Freiherr von Wolzogen; Uraufführung 12. November 1905 am Neuen Deutschen Theater Prag. |
| Tragaldabas, der geborgte Ehemann | Komische Oper in drei Akten beziehungsweise vier Teilen; Libretto Rudolf Lothar nach Auguste Vacquerie; Uraufführung 3. Dezember 1907 am Stadttheater Hamburg. |
| Izeÿl | Musikdrama in drei Akten beziehungsweise vier Bildern; Libretto Rudolf Lothar nach Armand Silvestre und Eugène Morand; Uraufführung 6. November 1909 am Stadttheater Hamburg. |
| Die verschenkte Frau | Komische Oper in drei Akten; Libretto Rudolf Lothar und Richard Batka nach E. Antony; Uraufführung 6. Februar 1912 an der Hofoper Wien. |
| Liebesketten | Oper in drei Akten; Libretto Rudolf Lothar nach Àngel Guimerà; Uraufführung 12. November 1912 an der Volksoper Wien; neue Fassung 8. März 1918 am Deutschen Opernhaus Berlin. |
| Die toten Augen | Bühnendichtung in Vorspiel, einem Akt und Nachspiel; Libretto Hanns Heinz Ewers und Marc Henry nach Marc Henry; komponiert 1912/13; Uraufführung 5. März 1916 an der Hofoper Dresden. |
| Der Stier von Olivera | Oper in drei Akten; Libretto Richard Batka nach Heinrich Lilienfein; Uraufführung 10. März 1918 am Stadttheater Leipzig. |
| Revolutionshochzeit | Oper in drei Akten; Libretto Ferdinand Lion nach Sophus Michaëlis; Uraufführung 26. Oktober 1919 am Neuen Stadttheater Leipzig. |
| Scirocco | Oper in drei Akten; Libretto Karl Michael von Levetzow und Leo Feld; Uraufführung 16. Mai 1921 am Landestheater Darmstadt. |
| Mareike von Nymwegen | Legendenspiel in Vorspiel, drei Akten und Nachspiel; Libretto Herbert Alberti nach Mariken van Nieumeghen; Uraufführung 31. Oktober 1923 am Stadttheater Hamburg. |
| Der Golem | Musikdrama in drei Akten; Libretto Ferdinand Lion nach Arthur Holitscher; Uraufführung 14. Dezember 1926 am Opernhaus Frankfurt. |
| Die schwarze Orchidee | Opera grottesca beziehungsweise Opera burlesca in drei Akten; Libretto Karl Michael von Levetzow; Uraufführung 1. Dezember 1928 am Neuen Theater Leipzig. |
| Die Witwe von Ephesos | Oper in drei Akten; Libretto Karl Michael von Levetzow nach Petronius; komponiert 1930; nicht aufgeführt. |
| Mister Wu | Oper in drei Akten; Libretto Karl Michael von Levetzow nach Harry M. Vernon und Harold Owen; von d’Albert unvollendet hinterlassen, von Leo Blech vollendet und instrumentiert; Uraufführung 29. September 1932 an der Staatsoper Dresden. |
Weitere Werke, frühe Werke, Bearbeitungen und editorische Arbeiten
| Frühes Klavierkonzert g-Moll | Frühes, nahezu vollständig erhaltenes Konzert aus dem Jahr 1874; nicht mit den gedruckten Konzerten op. 2 und op. 12 zu verwechseln. |
|---|---|
| Frühes Klavierkonzert A-Dur beziehungsweise a-Moll | Frühwerk um 1880 beziehungsweise handschriftlicher Bestand mit problematischer Opusbezeichnung; quellenkritisch von op. 2 zu unterscheiden. |
| Albumblatt Des-Dur | Kleines Klavierstück außerhalb der großen Opusgruppen. |
| Serenata für Klavier | Klavierstück außerhalb der zentralen Opuszählung beziehungsweise als Einzelwerk überliefert. |
| Zierlichkeit des Schäferlebens | Lied beziehungsweise vokales Einzelstück außerhalb der großen Opusgruppen. |
| Weihnachtslied | Vokales Einzelstück beziehungsweise Lied. |
| Studie über den Traum der Ghismonda | Klavier- beziehungsweise Studienbearbeitung aus der Oper Ghismonda. |
| Kadenzen zu Beethovens Klavierkonzerten | Besonders Kadenzen zu Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 op. 58 und zu weiteren Konzerten im Rahmen seiner Beethoven-Interpretation. |
| Bach-Bearbeitungen | Klaviertranskriptionen von Orgelwerken Johann Sebastian Bachs, darunter Passacaglia c-Moll BWV 582, Präludium und Fuge D-Dur BWV 532, Präludium und Fuge f-Moll BWV 534, Präludium und Fuge G-Dur BWV 541, Fantasie und Fuge c-Moll BWV 537, Toccata und Fuge d-Moll BWV 538 und Toccata und Fuge F-Dur BWV 540. |
| Beethoven-Bearbeitungen und Herausgaben | Bearbeitungen, Herausgaben und Kadenzen im Beethoven-Repertoire; Teil seiner pianistischen und editorischen Vermittlungsarbeit. |
| Couperin-Bearbeitungen | Bearbeitungen von fünf Cembalostücken François Couperins für den modernen Klaviergebrauch. |
| Händel-Bearbeitung | Klavierbearbeitung der Chaconne G-Dur HWV 435. |
| Meister zwischen Barock und Romantik | Bearbeitungs- beziehungsweise Herausgabekontext älterer Klavier- und Tastenmusik, der d’Alberts Rolle als Vermittler zwischen historischer Musik und modernem Konzertklavier zeigt. |
Werkgruppenübersicht
| Klaviermusik | Suite, Charakterstücke, Bagatellen, Sonate, vierhändige Walzer, Einzelstücke, Bearbeitungen und Transkriptionen. Die Klaviermusik spiegelt d’Alberts Virtuosenidentität und seine Verwurzelung in Liszt- und Beethoven-Tradition. |
|---|---|
| Konzerte | Zwei reife Klavierkonzerte, ein Cellokonzert und frühe Klavierkonzertversuche. Die Konzertwerke verbinden Virtuosität und sinfonische Anlage. |
| Orchesterwerke | Symphonie F-Dur, Esther-Ouvertüre, Aschenputtel-Suite und Symphonisches Vorspiel zu Tiefland. |
| Kammermusik | Zwei Streichquartette; sie zeigen d’Alberts ernsthafte Auseinandersetzung mit deutscher Formtradition. |
| Lieder | Zahlreiche Klavierlieder, Liedgruppen und Orchesterlieder, darunter Seejungfräulein, Wie wir die Natur erleben und Sieben Lieder im Volkston aus Des Knaben Wunderhorn. |
| Chorwerke | Gemischter Chor, Männerchor und Chor-Orchester-Werke, darunter Der Mensch und das Leben, Acht Lieder für Männerchor, Mittelalterliche Venushymne und An den Genius von Deutschland. |
| Opern | Einundzwanzig Bühnenwerke von Der Rubin bis Mister Wu, mit Tiefland als dauerhaft bekanntestem Werk. |
| Bearbeitungen und Editionen | Bach-, Beethoven-, Couperin- und Händel-Bearbeitungen sowie Kadenzen und editorische Beiträge. Diese Werkgruppe dokumentiert d’Alberts schöpferisches Interpretationsverständnis. |
Quellenkritik, Namensformen und Werkzählung
Die Namensform ist quellenkritisch nicht schwierig, aber orthographisch variabel. Die französische Ausgangsform Eugène begegnet neben der deutschen Form Eugen. Das Adelspräfix beziehungsweise Namenselement wird als d’Albert, d' Albert oder d'Albert geschrieben. Für die deutsche Kulturlexikon-Seite ist Eugen d’Albert die natürliche sichtbare Form; für die Datei ist albert-eugen-d.shtml sinnvoll.
Die Frage der Nationalität ist komplex. D’Albert wurde in Glasgow geboren, war britischer Herkunft, bekannte sich später nachdrücklich zur deutschen Musikkultur und nahm im Lauf seines Lebens unterschiedliche staatsbürgerliche Zugehörigkeiten an. Für die kulturelle Einordnung ist wichtiger als eine einfache nationale Etikette, dass er als Künstler des deutschsprachigen Musiklebens wirkte und sich selbst stark mit der deutschen Tradition identifizierte.
Das Werkverzeichnis ist im Kern gut greifbar, aber bei einzelnen frühen Werken und Bearbeitungen quellenkritisch zu behandeln. Die 34 Opusnummern bilden keine vollständige Gesamtzählung, weil die 21 Bühnenwerke überwiegend ohne Opuszahl laufen und weitere Einzelwerke, Kadenzen, Transkriptionen und frühe Manuskripte außerhalb dieser Opusreihe stehen.
Bei den Opern ist zwischen Entstehungsjahr, Uraufführungsdatum, Fassung und späterer Bearbeitung zu unterscheiden. Tiefland ist hierfür das wichtigste Beispiel: Die erste Fassung wurde 1903 in Prag uraufgeführt; die spätere Bühnenfassung mit Vorspiel und zwei Akten wurde für die Repertoiregeschichte entscheidend. Auch Liebesketten besitzt eine Neufassung, und Mister Wu wurde erst nach d’Alberts Tod durch Leo Blech vollendet.
Bei Die schwarze Orchidee finden sich in einzelnen Listen abweichende Jahresangaben; die zuverlässige Einordnung ist die Uraufführung 1928 in Leipzig. Solche Abweichungen entstehen häufig durch Tippfehler, Entstehungs- und Aufführungsdifferenzen oder spätere Katalogübernahmen. Für redaktionelle Zwecke sollte deshalb die Opernfolge mit mehreren Quellen abgeglichen werden.
Rezeption und Nachwirkung
D’Alberts Rezeption zerfällt in mehrere Schichten. Zu Lebzeiten war er vor allem als Pianist außerordentlich berühmt. Sein Spiel wurde als Maßstab für Beethoven, Bach, Liszt und Brahms betrachtet. Da die Tonträgerlage im Vergleich zu späteren Pianisten schmal ist, bleibt diese Seite heute stärker durch Berichte, Ausgaben, Bearbeitungen und Schülertraditionen greifbar als durch umfassende Aufnahmen.
Als Komponist wurde d’Albert zu Lebzeiten deutlich stärker wahrgenommen als heute. Besonders die Opern wurden vor dem Zweiten Weltkrieg an deutschsprachigen Bühnen gespielt. Tiefland blieb das Zentrum dieser Rezeption. Andere Werke, etwa Die Abreise, Die toten Augen, Revolutionshochzeit, Der Golem oder Die schwarze Orchidee, sind heute Spezialrepertoire, obwohl sie für das Verständnis des damaligen Opernbetriebs wichtig bleiben.
Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Der Opernkanon wurde nach 1945 enger; der musikalische Fortschrittsdiskurs bevorzugte andere Linien; die Moderne setzte andere Bewertungsmaßstäbe; d’Alberts Spätromantik schien vielen nicht radikal genug und zugleich nicht klassisch genug. Auch der Wandel des Theaters spielte eine Rolle. Stoffe, die um 1900 dramatisch unmittelbar wirkten, konnten später als pathetisch, problematisch oder historisch gebunden erscheinen.
In neuerer Zeit werden einzelne Werke wieder stärker beachtet. Wiederaufführungen, Partiturausgaben, digitale Notenportale und Tonträger haben vor allem Tiefland, die Klavierkonzerte, die Klaviersonate, die Streichquartette und einzelne Opern erneut zugänglich gemacht. D’Albert erscheint dadurch nicht nur als Randfigur, sondern als symptomatischer Künstler einer Übergangszeit.
Analytische Bedeutung
Analytisch ist d’Albert besonders interessant, weil sein Werk mehrere ästhetische Systeme miteinander verbindet. Die Klavierwerke und Konzerte stehen in einer Linie von Liszt, Brahms und Beethoven-Rezeption. Die Opern stehen zwischen Wagner-Nachfolge, spätromantischer Dramatik, veristischer Direktheit, komischer Oper und literarischem Musiktheater. Die Bearbeitungen zeigen ein romantisches Verständnis historischer Musik, das sich vom späteren Urtext-Ideal unterscheidet.
Die Klavierkonzerte zeigen die Verbindung von Virtuosität und sinfonischer Form. Der Solist ist nicht bloß Ornamentträger, sondern dramatischer Akteur innerhalb eines orchestralen Zusammenhangs. Besonders das erste Klavierkonzert h-Moll op. 2 zeigt jugendliche Großform, Energie und pianistische Selbstbehauptung.
Die Klaviersonate fis-Moll op. 10 ist für die Analyse des spätromantischen Sonatenproblems wichtig. Nach Beethoven und Liszt konnte eine große Klaviersonate nicht mehr unbefangen geschrieben werden. D’Albert versucht, zyklischen Zusammenhang, motivische Arbeit und virtuose Textur miteinander zu verbinden. Gerade in den formalen Spannungen dieses Werks wird der historische Druck der Gattung sichtbar.
Tiefland ist analytisch wegen seiner Raum- und Symbolstruktur bedeutsam. Hochland und Tiefland sind nicht nur Schauplätze, sondern moralisch-musikalische Kategorien. Die musikalische Sprache unterstützt diese Gegensätze durch orchestrale Farbe, vokale Charakterisierung, dramatische Verdichtung und wiederkehrende Motive. Die Oper ist daher nicht bloß als veristische Handlung, sondern als symbolisch aufgeladene Topographie zu lesen.
D’Alberts Bearbeitungen zeigen schließlich eine andere analytische Frage: Wie verändert sich ein Werk, wenn es in ein neues Medium übertragen wird? Bach auf dem modernen Klavier ist nicht identisch mit Bach auf der Orgel. D’Alberts Transkriptionen geben nicht nur Noten wieder, sondern setzen Klangmassen, Artikulation, Pedal, Virtuosität und romantische Klangvorstellung ein. Sie sind daher Dokumente historischer Interpretation.
Sekundärliteratur
- Josef-Horst Lederer: Albert, Eugen d’, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Band 1, Kassel u. a. 1999. Zentrale deutschsprachige Fachlexikonquelle zu Leben, Werk und Wirkung.
- John Williamson: Albert, Eugen [Eugène] Francis Charles d’, in: Grove Music Online. Wichtige internationale fachlexikalische Darstellung.
- Charlotte Pangels: Eugen d’Albert. Wunderpianist und Komponist. Eine Biographie, Zürich/Freiburg, Atlantis Musikbuch-Verlag, 1981. Grundlegende neuere Biographie.
- Wilhelm Raupp: Eugen d’Albert. Ein Künstler- und Menschenschicksal, Leipzig, Koehler & Amelang, 1930. Ältere biographische Darstellung aus zeitnaher Perspektive.
- Hermann Abert beziehungsweise ältere lexikalische und musikgeschichtliche Beiträge zu d’Albert in der deutschsprachigen Musikliteratur. Wichtig als Rezeptionszeugnisse.
- Stanley Sadie: The New Grove Dictionary of Opera, London 1992. Wichtig für die Opern d’Alberts und ihre internationale Einordnung.
- Luke Tyler: Eugen d’Albert (1864–1932) and His Piano Sonata, Op. 10: Its Use of Unifying Devices and Formal Structure, Dissertation, Ball State University, 2014. Spezialstudie zur Klaviersonate fis-Moll.
- Alan Walker: Franz Liszt: The Final Years, 1861–1886. Wichtig für d’Alberts Liszt-Beziehung und den Weimarer Kontext.
- Michael Ainger: Gilbert and Sullivan. A Dual Biography. Für den britischen Ausbildungs- und Theaterkontext von d’Alberts früher Umgebung ergänzend relevant.
- Mark Arnest: Eugene d’Albert: Discography. Diskographischer Zugang zu Einspielungen und Rezeptionszeugnissen.
- Forschung zu Tiefland, Rudolf Lothar, Àngel Guimerà und dem Verhältnis von deutschem Musikdrama und Verismus. Wichtig für die erfolgreichste Oper d’Alberts.
- Forschung zur Bach-Rezeption auf dem Klavier um 1900, besonders zu Transkriptionen und romantischer Aufführungspraxis.
- Forschung zu Liszt-Schülern, Klaviervirtuosentum und Konzertkultur des späten 19. Jahrhunderts.
- Forschung zur deutschsprachigen Oper nach Wagner und vor der Neuen Sachlichkeit, besonders zu Komponisten zwischen Spätromantik, Symbolismus, Literaturoper und Verismus.
Ausgewählte Onlinequellen
- Encyclopaedia Britannica: Eugen d’Albert Verlässliche Kurzbiographie mit Lebensdaten, Einordnung als naturalisierter deutscher Komponist und Klaviervirtuose, Hinweis auf Tiefland und Bach-Bearbeitungen.
- IMSLP: Category Albert, Eugen d’ Notenportal mit Werkseiten, Digitalisaten, Bearbeitungen, Transkriptionen und Werkzugängen.
- IMSLP: List of works by Eugen d’Albert Werkverzeichnis nach Opuszahl, Opern, weiteren Werken und Transkriptionen.
- Klassika: Werkverzeichnis Eugen d’Albert nach Gattungen Deutschsprachiges Werkverzeichnis mit Orchesterwerken, Konzerten, Kammermusik, Liedern, Chorwerken und 21 Bühnenwerken.
- Klassika: Werke nach Opuszahl Opusbezogene Übersicht zu d’Alberts Werken.
- Klassika: Systematisch-chronologisches Werkverzeichnis Thematische beziehungsweise systematische Werkübersicht.
- Klassika: Tiefland Opernseite mit Entstehungszeit, Uraufführung am 15. November 1903 in Prag, Fassungsfrage und Handlung.
- Opera-Guide: Eugen d’Albert Opernübersicht mit Aufführungsdaten und Bühnenwerken.
- Opera-Guide: Tiefland Kurzseite zu Libretto, Uraufführung und Rollenkontext der Oper Tiefland.
- Boosey & Hawkes: Eugen d’Albert Verlags- und Werkzugang zu d’Alberts Musik.
- Boosey & Hawkes: Tiefland Verlagsseite zur Oper Tiefland mit Aufführungs- und Materialkontext.
- PTNA Piano Music Encyclopedia: D’Albert, Eugen Klavierbezogene Darstellung zu Leben, Pianistik und Klavierwerken d’Alberts.
- Musikproduktion Höflich: Piano Concerto No. 1, Op. 2, Vorwort Vorwort mit Lebensdaten und Einordnung der beiden Klavierkonzerte.
- Musikproduktion Höflich: Symphonic Prelude to Tiefland, Op. 34 Vorwort zum symphonischen Vorspiel aus Tiefland.
- IMSLP: Piano Concerto No. 1, Op. 2 Werkseite zum ersten Klavierkonzert h-Moll.
- IMSLP: Piano Concerto No. 2, Op. 12 Werkseite zum zweiten Klavierkonzert E-Dur.
- IMSLP: Piano Sonata, Op. 10 Werkseite zur Klaviersonate fis-Moll.
- IMSLP: Cello Concerto, Op. 20 Werkseite zum Cellokonzert C-Dur.
- IMSLP: String Quartet No. 1, Op. 7 Werkseite zum ersten Streichquartett a-Moll.
- IMSLP: String Quartet No. 2, Op. 11 Werkseite zum zweiten Streichquartett Es-Dur.
- IMSLP: Tiefland Werkseite zur Oper Tiefland.
- IMSLP: Der Rubin Werkseite zur frühen Oper Der Rubin.
- IMSLP: Gernot Werkseite zur Oper Gernot.
- IMSLP: Die Abreise Werkseite zum musikalischen Lustspiel Die Abreise.
- IMSLP: Revolutionshochzeit Werkseite zur Oper Revolutionshochzeit.
- Operabase: Eugen d’Albert Aufführungs- und Werkdatenbank mit aktuellen und historischen Operninformationen.
- Oehms Classics: Eugen d’Albert, Tiefland Labelseite mit biographischen und werkbezogenen Informationen zur Oper Tiefland.
- Opera Lounge: Eugen d’Alberts Revolutionshochzeit Essay zur vergessenen Opernproduktion und zur Aufführungsgeschichte von Revolutionshochzeit.
- Bach Cantatas Website: Eugen d’Albert Biographischer und werkbezogener Überblick mit besonderem Interesse an Bach-Bearbeitungen.
- IMSLP: Bach, Passacaglia c-Moll BWV 582, Bearbeitungen Rechercheweg zu d’Alberts Bach-Bearbeitungen.
- IMSLP: Eugen d’Albert als Bearbeiter Übersicht zu Bearbeitungen von Bach, Beethoven, Couperin, Händel und weiteren Werken.
- IMSLP: Eugen d’Albert als Herausgeber Übersicht zu editorischen Beiträgen und Ausgaben.
- RISM-OPAC Internationales Quellenrepertorium für Handschriften, Drucke und Werkquellen d’Alberts.
- RISM: Répertoire International des Sources Musicales Forschungsinfrastruktur für musikalische Quellen und Zuschreibungen.
- WorldCat: Eugen d’Albert Internationale Bibliotheksrecherche zu Werken, Ausgaben, Aufnahmen und Sekundärliteratur.
- WorldCat: Eugen d’Albert Tiefland Rechercheweg zu Ausgaben, Libretti, Aufnahmen und Literatur zur Oper Tiefland.
- Karlsruher Virtueller Katalog Metasuche zu d’Albert, Tiefland, Klavierwerken, Opern und Sekundärliteratur.
- JSTOR: Eugen d’Albert Rechercheweg zu wissenschaftlichen Aufsätzen und Rezensionen.
- Google Scholar: Eugen d’Albert Rechercheweg zu neuerer Forschung, Dissertationen und Aufsätzen.
- Google Scholar: Eugen d’Albert Tiefland Rechercheweg zu Forschung über Tiefland, Verismus, Musikdrama und deutschsprachige Oper.
- Google Scholar: Eugen d’Albert Piano Sonata Rechercheweg zur Klaviersonate fis-Moll op. 10 und zu formanalytischen Arbeiten.
- Internet Archive: Eugen d’Albert Rechercheweg zu digitalisierten älteren Büchern, Noten, Katalogen und Artikeln.
- Google Books: Eugen d’Albert Rechercheweg zu älterer und neuerer Literatur, Lexika, Bibliographien und Werkhinweisen.
- Bibliothèque nationale de France: Catalogue général Internationaler Bibliothekskatalog für Ausgaben, Aufnahmen und Literatur.
- Library of Congress Rechercheort für amerikanische Bibliotheksnachweise, Noten, Tonträger und Normdaten.
- Europeana Europäisches Kulturportal für ergänzende Nachweise zu Dokumenten, Bildern, Digitalisaten und Musikquellen.
- Münchener DigitalisierungsZentrum Rechercheort für ältere Literatur, Digitalisate und Musikquellen.
- Staatsbibliothek zu Berlin: Digitalisierte Sammlungen Rechercheort für Notendrucke, historische Ausgaben und musikgeschichtliche Literatur.
- Staats- und Universitätsbibliothek Bremen Bibliothekskatalog für weitere Ausgaben und Sekundärliteratur.
- SLUB Dresden Wichtiger Rechercheort für Musikquellen, Handschriften und Aufführungsgeschichte.
- VIAF Internationaler Normdatenverbund zur Kontrolle der Namensformen Eugen d’Albert, Eugène d’Albert und Eugen Francis Charles d’Albert.
- ISNI Normdatenrecherche zu internationalen Autoridentitäten.
- Deutsche Nationalbibliothek: GND Rechercheweg zu deutschsprachigen Normdaten, Ausgaben und bibliographischen Verknüpfungen.
- MGG Online Deutschsprachiges Fachlexikon für vertiefende Recherche zu Leben, Werk und Rezeption d’Alberts.
- Oxford Music Online / Grove Music Online Internationales Fachlexikon mit Artikeln zu d’Albert, Opern, Pianistik und Musiktheater um 1900.
Weiterführende Einträge
- Eugène d’Albert Alternative Namensform des Pianisten und Komponisten Eugen d’Albert.
- Glasgow Geburtsstadt d’Alberts und Ausgangspunkt seiner britischen Frühbiographie.
- Riga Sterbeort d’Alberts und wichtiger Ort seiner späten Biographie.
- Morcote Schweizer Erinnerungsort und Grabstätte d’Alberts.
- Franz Liszt Lehrer, Förderer und zentrale Prägefigur von d’Alberts pianistischer Künstleridentität.
- Liszt-Schule Pianistischer und ästhetischer Kontext von d’Alberts Virtuosentum.
- Hans Richter Dirigent und wichtiger Vermittler von d’Alberts Weg in den deutschsprachigen Musikraum.
- Ernst Pauer Lehrer beziehungsweise Ausbildungsfigur im britischen Frühkontext d’Alberts.
- Ebenezer Prout Theorie- und Ausbildungsfigur im Londoner Umfeld d’Alberts.
- Arthur Sullivan Komponist und Ausbildungsbezug in d’Alberts britischer Frühphase.
- Pianist Zentrale Berufsrolle d’Alberts als international gefeierter Klaviervirtuose.
- Klaviervirtuose Künstlertypus des 19. Jahrhunderts, den d’Albert in der Liszt-Nachfolge verkörperte.
- Klavierkonzert Gattung von d’Alberts op. 2 und op. 12.
- Klaviersonate Gattung von d’Alberts fis-Moll-Sonate op. 10.
- Charakterstück Kleines romantisches Klavierformat, das in d’Alberts Klavierwerk wichtig ist.
- Bach-Bearbeitung Romantische Transkriptionspraxis, in der d’Albert eine wichtige Rolle spielte.
- Johann Sebastian Bach Komponist, dessen Orgelwerke d’Albert für Klavier bearbeitete und interpretatorisch vermittelte.
- Ludwig van Beethoven Zentraler Komponist von d’Alberts pianistischem Repertoire und editorischer Tätigkeit.
- Beethoven-Kadenzen Kadenzen und interpretatorische Ergänzungen d’Alberts zu Beethoven-Konzerten.
- Johannes Brahms Komponist, dessen Musik zu d’Alberts zentralem pianistischem Repertoire gehörte.
- Streichquartett Kammermusikalische Gattung, in der d’Albert zwei Werke schrieb.
- Cellokonzert Gattung von d’Alberts C-Dur-Konzert op. 20.
- Symphonie Gattung von d’Alberts F-Dur-Symphonie op. 4.
- Kunstlied Vokalgattung, in der d’Albert zahlreiche Liedgruppen veröffentlichte.
- Orchesterlied Gattung zwischen Lied, Szene und Orchesterdichtung, bei d’Albert durch mehrere Werke vertreten.
- Männerchor Chortradition, die d’Albert mit acht Männerchorliedern op. 23 berührte.
- Oper Hauptgattung von d’Alberts späterem Kompositionsschaffen.
- Musikdrama Gattungs- und Stilbegriff, der für Tiefland, Der Golem und andere Werke wichtig ist.
- Verismus Opernästhetischer Kontext, mit dem Tiefland häufig verglichen wird.
- Wagner-Nachfolge Stil- und Gattungshorizont vieler deutschsprachiger Opern um 1900, auch bei d’Albert.
- Richard Wagner Komponist, dessen Musikdrama den Opernhorizont d’Alberts mitprägte.
- Tiefland D’Alberts bekannteste Oper nach Àngel Guimeràs Terra baixa.
- Terra baixa Katalanisches Drama Àngel Guimeràs und Vorlage von d’Alberts Tiefland.
- Àngel Guimerà Katalanischer Dramatiker und Autor der Vorlage zu Tiefland.
- Rudolf Lothar Librettist von Tiefland, Tragaldabas, Izeÿl, Die verschenkte Frau und Liebesketten.
- Leo Blech Dirigent der Prager Tiefland-Uraufführung und Vollender von Mister Wu.
- Der Rubin Frühe Oper d’Alberts nach Hebbel.
- Ghismonda Oper d’Alberts nach Karl Immermann.
- Gernot Oper d’Alberts aus dem Jahr 1897.
- Die Abreise Musikalisches Lustspiel d’Alberts von 1898.
- Kain Musikalische Tragödie d’Alberts nach Heinrich Bulthaupt.
- Der Improvisator Oper d’Alberts nach Victor Hugo.
- Flauto solo Musikalisches Lustspiel d’Alberts mit Libretto von Hans Paul Freiherr von Wolzogen.
- Tragaldabas Komische Oper d’Alberts nach Auguste Vacquerie.
- Izeÿl Musikdrama d’Alberts nach Armand Silvestre und Eugène Morand.
- Die verschenkte Frau Komische Oper d’Alberts von 1912.
- Liebesketten Oper d’Alberts nach Àngel Guimerà.
- Die toten Augen Bühnendichtung d’Alberts nach Marc Henry mit Libretto von Hanns Heinz Ewers und Marc Henry.
- Revolutionshochzeit Oper d’Alberts nach Sophus Michaëlis.
- Der Golem Musikdrama d’Alberts nach Arthur Holitscher.
- Die schwarze Orchidee Groteske beziehungsweise burleske Oper d’Alberts von 1928.
- Mister Wu Unvollendete späte Oper d’Alberts, vollendet von Leo Blech.
- Karl Michael von Levetzow Librettist mehrerer später d’Albert-Opern.
- Ferdinand Lion Librettist von Revolutionshochzeit und Der Golem.
- Richard Batka Librettist beziehungsweise Mitlibrettist von Der Stier von Olivera und Die verschenkte Frau.
- Hanns Heinz Ewers Mitlibrettist von Die toten Augen.
- Marc Henry Autor und Mitlibrettist im Umfeld von Die toten Augen.
- Hans Paul Freiherr von Wolzogen Librettist von Flauto solo und Wagner-naher Autor.
- Heinrich Bulthaupt Librettist von d’Alberts Kain.
- Friedrich Hebbel Literarische Vorlage für d’Alberts Der Rubin.
- Karl Immermann Literarischer Ausgangspunkt von d’Alberts Ghismonda.
- Victor Hugo Vorlagenautor im Umfeld von d’Alberts Der Improvisator.
- Petronius Antiker Vorlagenautor für Die Witwe von Ephesos.
- Teresa Carreño Pianistin und Sängerin, zeitweise mit Eugen d’Albert verheiratet.
- Berliner Hochschule für Musik Institution, deren Direktor d’Albert 1907 wurde.
- Weimar Ort des Liszt-Kreises und wichtiger Bezugspunkt d’Alberts.
- Berlin Zentrales Wirkungsfeld d’Alberts als Lehrer, Pianist, Opernkomponist und Hochschuldirektor.
- Prag Uraufführungsort von Tiefland und Flauto solo.
- Deutschsprachige Oper um 1900 Gattungs- und Theaterkontext von d’Alberts Bühnenwerken.
- Spätromantik Stil- und Epochenrahmen von d’Alberts Musik.
- Musiktheater um 1900 Übergreifender Kontext von d’Alberts Opernproduktion.
- Romantische Transkription Bearbeitungspraxis, die d’Alberts Bach- und Händel-Übertragungen erklärt.
- Urtext und Interpretation Späterer Problemhorizont, vor dem d’Alberts Bearbeitungspraxis neu bewertet wird.
- Kanonbildung Kulturgeschichtlicher Prozess, der d’Alberts heutige Teilvergessenheit erklärt.
- Operngeschichte des 20. Jahrhunderts Rezeptionsrahmen der späten d’Albert-Opern.
- MGG Online Fachlexikalische Quelle zu d’Albert und seinem Umfeld.
- Grove Music Online Internationales Fachlexikon zu d’Albert und Musiktheater um 1900.
- IMSLP Digitales Notenportal mit zahlreichen Werkseiten d’Alberts.
- Klassika Deutschsprachiges Werkverzeichnisportal mit d’Albert-Werklisten.
- Charlotte Pangels Biographin d’Alberts und Autorin von Eugen d’Albert. Wunderpianist und Komponist.
- Wilhelm Raupp Autor einer älteren d’Albert-Biographie aus zeitnaher Perspektive.
- Josef-Horst Lederer Autor des MGG-Artikels zu Eugen d’Albert.
- John Williamson Autor beziehungsweise Fachreferenz zu d’Albert in Grove- und Opernzusammenhängen.