Domenico Alaleona

* 16. November 1881 in Montegiorgio; † 28. Dezember 1928 ebenda; italienischer Musikwissenschaftler, Dirigent, Komponist, Musiktheoretiker, Musikpädagoge und Musikkritiker.

Überblick

Domenico Alaleona, mit vollem Namen Domenico Ottavio Felice Gaspare Maria Alaleona, gehört zu den vielschichtigen Gestalten des italienischen Musiklebens im frühen 20. Jahrhundert. Er war nicht nur Komponist, sondern zugleich Historiker, Theoretiker, Dirigent, Chororganisator, Lehrer, Kritiker und Vermittler älterer italienischer Musik. Gerade diese Mehrfachrolle macht seine kulturgeschichtliche Bedeutung aus. Alaleona steht zwischen der historischen Wiederentdeckung der italienischen Musik des 16. und 17. Jahrhunderts, der Erneuerung des Chorgesangs, der frühen italienischen Moderne, der theoretischen Reflexion über neue Harmonik und einer national geprägten Vorstellung musikalischer Erneuerung.

Geboren wurde er in Montegiorgio in den Marken. Nach ersten musikalischen Tätigkeiten in seiner Heimat, besonders als Organist und Leiter der örtlichen Banda, studierte er am Liceo musicale di Santa Cecilia in Rom. Dort wurde er von Cesare De Sanctis, Alessandro Bustini, Giovanni Sgambati und Remigio Renzi geprägt. 1906 schloss er seine musikalische Ausbildung ab, 1907 promovierte beziehungsweise graduierte er in Literatur an der Universität Rom mit einer Arbeit über die Geschichte des musikalischen Oratoriums in Italien. Diese Arbeit wurde 1908 als Studi sulla storia dell’Oratorio musicale in Italia veröffentlicht und gehört zu den wichtigen frühen Beiträgen der italienischen historischen Musikwissenschaft.

Als Komponist ist Alaleona vor allem durch die Oper Mirra bekannt, die auf Vittorio Alfieris Tragödie zurückgeht und 1920 am Teatro Costanzi in Rom aufgeführt wurde. Zugleich ist sein kompositorisches Werk wesentlich breiter. Es umfasst vokale Kammermusik, Chormusik, Orchesterwerke, sinfonisch-vokale Kompositionen, Klavierstücke, Bearbeitungen älterer italienischer Musik, pädagogische Arbeiten und geistliche Werke. In Teilen blieb dieses Œuvre ungedruckt oder wenig bekannt. Die Forschung betont deshalb bis heute, dass Alaleona als Komponist noch nicht vollständig im Konzertrepertoire angekommen ist.

Besonders modern ist Alaleona als Theoretiker. In seinen 1911 erschienenen Schriften I moderni orizzonti della tecnica musicale. Teoria della divisione dell’ottava in parti uguali und L’armonia modernissima: le tonalità neutre e l’arte di stupire beschäftigte er sich mit symmetrischen Teilungen der Oktave und mit neuen harmonischen Möglichkeiten. Begriffe wie Bifonie, Trifonie, Tetrafonie, Esafonie und Dodecafonie erscheinen bei ihm nicht als spätere Schönberg-Schule, sondern als theoretische Beschreibung symmetrischer Tonraumgliederungen. Darin ist Alaleona einer der frühen italienischen Denker einer modernen Harmonik.

Kurzdaten

Name Domenico Alaleona.
Vollständiger Name Domenico Ottavio Felice Gaspare Maria Alaleona.
Geburt 16. November 1881 in Montegiorgio, damals Provinz Ascoli Piceno, heute Provinz Fermo, Marken, Italien.
Tod 28. Dezember 1928 in Montegiorgio.
Beruf Musikwissenschaftler, Dirigent, Komponist, Musiktheoretiker, Musikpädagoge, Organist, Chorleiter und Musikkritiker.
Ausbildung Erster Unterricht in Montegiorgio; Studium am Liceo musicale di Santa Cecilia in Rom bei Cesare De Sanctis, Alessandro Bustini, Giovanni Sgambati und Remigio Renzi; Diplom 1906.
Universitäre Ausbildung 1907 Abschluss in Literatur an der Universität Rom mit einer Arbeit zur Geschichte des musikalischen Oratoriums in Italien.
Lehrtätigkeit 1907 bis 1911 Lehrer für Chorgesang an der von Pietro Mascagni geleiteten Scuola nazionale di musica; ab 1912 Dozent beziehungsweise Inhaber der Lehre für Ästhetik und Musikgeschichte am Conservatorio di Santa Cecilia in Rom.
Dirigententätigkeit Leiter der Banda municipale in Montegiorgio seit 1901; Leiter der Società corale „Guido Monaco“ in Livorno; Leiter des Chors des Augusteo in Rom; Organisator und Dirigent sinfonisch-vokaler Konzerte in Rom.
Musikkritik Kritiker und Mitarbeiter unter anderem für Il Mondo, Il Lavoro d’Italia, Rivista musicale italiana, Il Pianoforte, Orfeo, Ars Nova, Harmonia, La Rassegna d’Italia und Nuova Antologia.
Hauptwerk als Musikwissenschaftler Studi sulla storia dell’Oratorio musicale in Italia, 1908, hervorgegangen aus der römischen Abschlussarbeit von 1907.
Hauptwerk als Komponist Mirra, Oper in zwei Akten und einem Intermezzo nach Vittorio Alfieri, vollendet 1913 und 1920 am Teatro Costanzi in Rom aufgeführt.
Theoretische Bedeutung Frühe italienische Reflexion über moderne Harmonik, symmetrische Teilung der Oktave, neutrale Tonalitäten und neue Klangmittel.
Kulturelle Bedeutung Alaleona verkörpert den modernen italienischen Musiker als Forscher, Komponist, Chororganisator, Kritiker und Lehrer; sein Wirken verbindet historische Rückgewinnung italienischer Musik mit avantgardistischen harmonischen Fragestellungen.

Ausführlicher Kulturüberblick

Alaleonas Werk und Tätigkeit gehören in eine Phase, in der Italien seine musikalische Identität nachdrücklich neu zu bestimmen suchte. Das 19. Jahrhundert war im öffentlichen Bewusstsein stark von der Oper bestimmt. Verdi, die Theatertradition und die gesungene Szene prägten das internationale Bild italienischer Musik. Um 1900 entstand jedoch ein wachsendes Bedürfnis, diese Engführung zu überwinden. Komponisten, Kritiker und Historiker suchten nach einer italienischen Instrumentaltradition, nach älterer Kirchenmusik, nach Renaissancepolyphonie, nach Oratorium, Madrigal, Lauda und Chorwesen. Alaleona steht genau in dieser Bewegung.

Seine historischen Studien sind daher nicht als bloße Antiquariatsarbeit zu verstehen. Wenn er das italienische Oratorium untersuchte, wenn er über Emilio de’ Cavalieri, die Rappresentazione di Anima et di Corpo, die italienischen geistlichen Lauden, Striggio, Palestrina, Vecchi, Banchieri und Marenzio schrieb, dann ging es ihm um eine aktuelle kulturelle Aufgabe. Italien sollte sich nicht allein über die neuere Oper definieren, sondern über eine tiefere, reichere, ältere, vokal und geistlich geprägte Musikgeschichte. Diese Haltung verbindet historische Forschung mit nationaler Erneuerung.

Alaleonas Chortätigkeit gehört in denselben Zusammenhang. Er war kein Musikwissenschaftler im Elfenbeinturm. Er organisierte Chöre, leitete die Società corale „Guido Monaco“ in Livorno, arbeitete mit dem Chor des Augusteo, gründete 1926 den Gruppo dei madrigalisti romani, organisierte Chorwettbewerbe und wirkte als Inspektor für Chorgesang an römischen Schulen. Für ihn war Chorgesang ein Mittel musikalischer Bildung, nationaler Sammlung und historischer Rückverbindung. Die Renaissance des Chores bedeutete für ihn zugleich eine Renaissance des musikalischen Gemeinsinns.

Diese Vorstellung hat eine politische und kulturelle Ambivalenz. Einerseits war sie ein genuin künstlerisches und pädagogisches Programm: Musik sollte aus der engen Opernzentrierung herausgeführt, das italienische Erbe der Polyphonie und des Vokalensembles neu erschlossen und der Chorgesang als lebendige Praxis gestärkt werden. Andererseits bewegt sich Alaleonas spätere Tätigkeit in einem Italien, dessen Kulturpolitik zunehmend von nationalen und kollektivistischen Formeln geprägt wurde. Seine Begriffe von Muttersprache, italienischem Erbe, Chor und Gemeinschaft sind daher heute historisch sensibel zu lesen. Sie gehören nicht einfach in eine neutrale Ästhetik, sondern in die kulturellen Spannungen der italienischen Moderne.

Als Komponist verbindet Alaleona zwei scheinbar gegensätzliche Richtungen. Zum einen gibt es bei ihm eine starke Rückwendung auf italienische Lied-, Chanson-, Lauda- und Volksklangtraditionen. Werke wie die Canzoni italiane, die Laudi italiane, die Melodie pascoliane oder das Cantico di Frate Sole zeigen einen Komponisten, der italienische Texte, alte Formen, religiöse Poesie und vokale Sanglichkeit sucht. Zum anderen entwickelt er eine ausgeprägt moderne harmonische Neugier. Seine Theorien zur Teilung der Oktave und seine Oper Mirra weisen auf neue Tonordnungen, symmetrische Klangfelder und ein Interesse an der Grenze des tonalen Systems.

Mirra ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Die Oper nach Alfieri ist keine bloße Literaturvertonung, sondern ein Versuch, psychologische Tragik, symbolische Schönheit, harmonische Experimentierfreude und italienische Sprachdramaturgie zu verbinden. Alaleona betrachtete den Stoff als „Mythos der unschuldigen, zerrissenen Schönheit“. Die Oper steht daher zwischen klassizistischer Tragödienrezeption, frühem italienischem Modernismus und musiktheoretischem Experiment. Auch das von ihm für diese Oper konzipierte pentatonische Harmonium, das die Oktave in fünf gleiche Teile gliedern sollte, zeigt die enge Verbindung von Theorie, Instrumentenphantasie und Bühnenkomposition.

Die kulturgeschichtliche Bedeutung Alaleonas liegt somit weniger in einer breiten Repertoirepräsenz als in einer Konstellation. Er ist eine Knotenfigur: historische Musikwissenschaft, Chorbewegung, Musiktheorie, Kritik, Komposition, Schulmusik, ältere italienische Musik und musikalische Moderne treffen in seinem Werk zusammen. Gerade deshalb ist er für ein Kulturlexikon wichtig.

Leben, Ausbildung und beruflicher Weg

Domenico Alaleona wurde am 16. November 1881 in Montegiorgio geboren. Erste musikalische Erfahrungen sammelte er in seiner Heimat. Bereits als Knabe spielte er Orgel in Kirchen, und 1901 übernahm er die Leitung der örtlichen Banda municipale. Diese frühe Verbindung von Kirchenmusik, Volksnähe, Blasorchesterpraxis und lokaler musikalischer Verantwortung blieb für sein späteres Denken bedeutsam. Alaleona war nie ausschließlich ein abstrakter Theoretiker; Musik erschien ihm von Anfang an als praktische und soziale Tätigkeit.

Seine professionelle Ausbildung erhielt er in Rom am Liceo musicale di Santa Cecilia. Er studierte Komposition bei Cesare De Sanctis, Klavier bei Alessandro Bustini und Giovanni Sgambati sowie Harmonie und Orgel bei Remigio Renzi. 1906 schloss er das Studium ab. Im abschließenden Kompositionssaggio trat er mit Attollite portas, einem Poem für Soli, Chor und Orchester auf Worte Arturo Grafs, hervor. Dieses Werk zeigt bereits die Richtung: große vokal-sinfonische Form, religiöse beziehungsweise feierliche Textausrichtung und Verbindung von Chor und Orchester.

1907 erwarb er an der Universität Rom einen Abschluss in Literatur. Seine Arbeit über die Geschichte des musikalischen Oratoriums in Italien wurde 1908 als Buch veröffentlicht und mehrfach wieder aufgelegt. Damit trat Alaleona als Musikwissenschaftler hervor. Er gehörte zu jener Generation italienischer Forscher, die Musikgeschichte nicht mehr nur anekdotisch oder biographisch, sondern quellenorientiert, gattungsbezogen und kulturhistorisch betrieben.

Von 1907 bis 1911 unterrichtete er Chorgesang an der Scuola nazionale di musica, die von Pietro Mascagni geleitet wurde. Zugleich führte er Chöre, darunter die Società corale „Guido Monaco“ in Livorno, die 1907 beim internationalen Wettbewerb in Marseille ausgezeichnet wurde, und den Chor des Augusteo in Rom. 1912 wurde ihm am Conservatorio di Santa Cecilia die Lehre für Ästhetik und Musikgeschichte übertragen. Damit verband sich seine historische, theoretische und pädagogische Arbeit dauerhaft mit einer zentralen römischen Institution.

1912 wurde das Intermezzo aus Mirra im Augusteo in Rom und anschließend an der Mailänder Scala aufgeführt. Die Oper selbst vollendete Alaleona 1913. Nach längerer Verzögerung kam sie am 31. März 1920 am Teatro Costanzi in Rom auf die Bühne. Diese Aufführung war für seine kompositorische Rezeption entscheidend, auch wenn sein Ruhm stärker als Musikwissenschaftler und Kritiker erhalten blieb.

In den 1920er Jahren war Alaleona weiterhin als Kritiker, Lehrer und Organisator tätig. Er schrieb für mehrere Zeitungen und Zeitschriften, betreute die italienische Musiksektion im Dictionary of Modern Music and Musicians von A. Eaglefield-Hull und gründete 1926 den Gruppo dei madrigalisti romani. 1927 organisierte er den ersten nationalen Wettbewerb für Chorgesang. Er starb am 28. Dezember 1928 in Montegiorgio, noch nicht fünfzigjährig.

Theorie, Musikwissenschaft und Kritik

Alaleonas musikwissenschaftliche Arbeit ist von einem doppelten Impuls bestimmt: historischer Genauigkeit und aktueller Erneuerungsabsicht. Die Studi sulla storia dell’Oratorio musicale in Italia sind ein frühes Beispiel für wissenschaftliche Gattungsgeschichte in Italien. Alaleona untersucht das Oratorium nicht als bloße Randform neben der Oper, sondern als eigenständige, geistlich und dramatisch bedeutsame Gattung. Dadurch trägt er zur Wiederbewertung jener italienischen Musik des 17. Jahrhunderts bei, die um 1900 noch nicht selbstverständlich im Kanon stand.

Seine Aufsätze über Emilio de’ Cavalieri, die italienischen Lauden, Alessandro Striggio und die ältere Vokalpolyphonie verfolgen dasselbe Ziel. Die italienische Moderne sollte nicht aus einem Bruch mit der Vergangenheit entstehen, sondern aus einer bewussten Rückgewinnung älterer Formen. Besonders wichtig war ihm die Verbindung von historischer Musik und lebendiger Aufführung. Die Transkription, Erklärung und öffentliche Wiederaufführung alter Musik war für ihn nicht akademischer Selbstzweck, sondern kulturelle Wiederbelebung.

Als Theoretiker geht Alaleona über diese historische Richtung hinaus. In seinen Schriften von 1911 über die Teilung der Oktave in gleiche Teile und über modernste Harmonik analysierte er Klanggebilde, die aus symmetrischen Tonraumgliederungen entstehen. Er sprach von Bifonie, Trifonie, Tetrafonie, Esafonie und Dodecafonie und untersuchte, wie solche Gebilde sich zur Tonalität verhalten. Die spätere Zwölftontechnik Schönbergs ist damit nicht einfach vorweggenommen, doch Alaleona gehört zu den frühen Autoren, die in Italien über eine Erweiterung und Relativierung des tonalen Systems nachdachten.

Seine Kritikertätigkeit zeigt den dritten Bereich. Alaleona schrieb nicht nur für Spezialperiodika, sondern auch für Tageszeitungen. Er verband musikwissenschaftliche Kompetenz mit öffentlicher Urteilsbildung. Damit entspricht er dem Typus des modernen Musikintellektuellen, der zugleich forscht, komponiert, unterrichtet, dirigiert und publizistisch in aktuelle Debatten eingreift.

Stil und musikalische Eigenart

Alaleonas kompositorischer Stil ist heterogen, weil sein Werk mehrere Aufgaben erfüllt. In den Liedern und vokalen Kammerwerken zeigt sich eine Nähe zur italienischen Romanza und zur spätromantischen Vokalkultur, doch die Textwahl, besonders Giovanni Pascoli, Dante, Franz von Assisi und ältere italienische Dichtung, öffnet diese Form in Richtung Symbolismus, nationaler Erinnerung und geistlicher Sammlung. Die Stimme bleibt bei ihm ein zentraler Träger italienischer Musikalität.

Die Orchesterwerke zeigen stärker farbliche und strukturelle Experimente. Titel wie Fiori, Il Cieco, L’Elica, Sinfonia italiana, Due Canzoni italiane und Quattro Canzoni italiane cinquecentesche deuten auf eine Verbindung von programmatischer Bildlichkeit, historischer Anspielung, nationaler Klangfarbe und moderner Instrumentation. Besonders die Besetzung mit Streichern, Harfe, Celesta, Pauken, Bläsern und Orgel zeigt ein Interesse an differenzierten Klangschichten.

Die Chormusik steht im Zentrum seiner kulturellen Mission. Alaleona wollte den Chor als Kunstform erneuern. Er sah im mehrstimmigen Vokalensemble einen Weg, die italienische Renaissance und Frühbarocktradition in die Gegenwart zu übertragen. Werke wie das Alleluia, die Messa da requiem, die Laudi italiane und das Cantico di Frate Sole zeigen diese Verbindung von religiöser Sprache, vokaler Gemeinschaft und historischer Erinnerung.

Mirra verbindet dagegen Dramaturgie, moderne Harmonik und psychologisches Musiktheater. Die Oper ist von Alfieris Tragödie inspiriert und konzentriert sich auf eine extreme seelische Konfliktlage. Alaleonas theoretisches Interesse an neuen Klangsystemen dringt hier in die Oper ein. Gerade deshalb ist Mirra sein bekanntestes Bühnenwerk und ein wichtiger Bezugspunkt für die italienische Opernmoderne nach Puccini, aber jenseits des rein veristischen Modells.

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis ist quellenkritisch aufgebaut. Alaleona hinterließ nach zeitgenössischen und späteren Angaben eine sehr große Zahl von Kompositionen, Skizzen, Bearbeitungen, Aufsätzen und pädagogischen Arbeiten; ein erheblicher Teil blieb ungedruckt oder ist nur in Spezialarchiven, Familienbeständen, älteren Verlagskatalogen, Bibliotheken und Sekundärliteratur greifbar. Die folgende Übersicht verbindet die sicher namentlich nachweisbaren Werke und Werkgruppen mit den größeren kompositorischen und schriftstellerischen Bereichen. Sie ersetzt keine archivalische Spezialbibliographie, bietet aber ein umfassendes kulturlexikalisches Verzeichnis der bekannten und einschlägigen Werkkomplexe.

Bühnenwerk und dramatische Musik

Mirra Oper beziehungsweise dramma lirico in zwei Akten und einem Intermezzo nach dem vierten und fünften Akt der Tragödie Mirra von Vittorio Alfieri. Das Intermezzo wurde 1912 im Augusteo in Rom und anschließend an der Scala in Mailand aufgeführt; die Oper wurde 1913 vollendet und am 31. März 1920 am Teatro Costanzi in Rom szenisch aufgeführt. Das Werk ist Arturo Toscanini gewidmet und gilt als Alaleonas bekannteste Komposition.
Intermezzo aus Mirra Eigenständig aufgeführtes Orchesterstück aus der Oper Mirra. Es wurde vor der Gesamtaufführung der Oper bekannt und trug wesentlich zur frühen Anerkennung Alaleonas als Komponist bei.
Harmonium pentatonico für Mirra Von Alaleona im Zusammenhang mit Mirra konzipiertes Sonderinstrument, das die Oktave in fünf gleiche Teile gliedern sollte. Das Instrument ist nicht erhalten; bei modernen Aufführungen wurde die betreffende Klangfunktion durch andere Instrumente, etwa Celesta, ersetzt.
Dramatische und szenische Entwürfe Neben Mirra sind in der Forschung Hinweise auf weitere dramatisch gedachte oder vokal-sinfonisch ausgerichtete Arbeiten zu berücksichtigen; sie sind jedoch nicht in gleicher Weise kanonisch und quellenfest erschlossen wie Mirra.

Große vokal-sinfonische und geistliche Werke

Attollite portas Poemetto für Soli, Chor und Orchester auf Worte von Arturo Graf. Das Werk entstand als abschließender Kompositionssaggio am Liceo musicale di Santa Cecilia und zeigt Alaleonas frühe Neigung zur groß besetzten vokal-sinfonischen Form.
Messa da requiem Requiem für vier Stimmen. Das Werk wird in den Werkübersichten als wichtiges Beispiel seiner geistlichen Vokalkomposition genannt.
Alleluia Werk für vierstimmigen Frauenchor und Orchester. Es gehört zur Gruppe der chorisch-sinfonischen Kompositionen, in denen Alaleona die Klangmöglichkeiten vokaler Kollektive mit Orchesterfarbe verbindet.
Cantico di Frate Sole Werk nach dem Sonnengesang des Franz von Assisi für Chor gleicher Stimmen, Orchester und Orgel, 1927 komponiert und 1928 im Almanacco delle Missioni Francescane veröffentlicht. Das Werk blieb besonders im franziskanischen Chorrepertoire bekannt.
Quattro Laudi spirituali italiane Werkgruppe für Streichorchester, Flöten, Trompeten, Schlagwerk und Orgel; in DMI als unveröffentlicht genannt. Sie gehört zu Alaleonas Versuch, alte italienische geistliche Gattungen in eine moderne orchestrale Klangsprache zu übertragen.
Sinfonietta italiana seconda, spirituale Übergreifender Titel beziehungsweise Zykluszusammenhang der vier Lauden: Prima laude di Natale, Seconda laude di Natale, Terza laude di Passione und Quarta laude di Pasqua.
Prima laude di Natale Erste der vier geistlichen italienischen Lauden. Sie gehört in den Weihnachtskreis und verbindet historische Lauden-Tradition mit moderner Instrumentation.
Seconda laude di Natale Zweite der vier geistlichen italienischen Lauden. Auch sie steht im Weihnachtskontext und dokumentiert Alaleonas Interesse an kirchenjahresbezogener italienischer Frömmigkeit.
Terza laude di Passione Dritte der vier geistlichen italienischen Lauden. Sie gehört in den Passionszusammenhang und verbindet geistliche Betrachtung mit vokal-instrumentaler Klanggestaltung.
Quarta laude di Pasqua Vierte der vier geistlichen italienischen Lauden. Sie steht im Osterkreis und schließt den geistlichen Zyklus ab.
Weitere sinfonisch-vokale Konzertwerke Alaleona komponierte für von ihm organisierte sinfonisch-vokale Konzerte weitere Musik, die in der Forschung nicht immer vollständig gedruckt oder katalogisiert vorliegt. Diese Werke gehören zur praktischen Chor- und Konzerttätigkeit in Rom.

Orchesterwerke

Sinfonia italiana Orchesterwerk, in DMI als Bestandteil seines orchestralen Repertoires genannt. Der Titel verweist auf Alaleonas programmatische Idee einer spezifisch italienischen sinfonischen Sprache.
Fiori Vier Studien der Farbe für Orchester. Die Bezeichnung legt einen klangmalerischen, farblich differenzierten Orchesterstil nahe.
Il Cieco Orchesterwerk, in DMI genannt. Der Titel „Der Blinde“ deutet auf eine programmatische oder symbolische Anlage.
L’Elica Orchesterwerk beziehungsweise eine der zwei „impronte“ für Orchester. Der Titel „Die Schraube“ beziehungsweise „Die Helix“ passt in den Umkreis moderner Bewegungs- und Technikbilder des frühen 20. Jahrhunderts.
Due impronte per orchestra Zwei orchestrale „Impronte“, zu denen Il Cieco und L’Elica gezählt werden. Der Begriff impronta bezeichnet bei Alaleona eine Art Klangabdruck, Charakterstudie oder prägnante Gestalt.
Quattro Canzoni italiane cinquecentesche Orchesterwerkgruppe auf ältere italienische Lied- beziehungsweise Canzone-Modelle. Sie verbindet historische Rückwendung und moderne Orchesterfarbe.
Sinfonietta italiana prima, mondana Übergreifender Titel beziehungsweise Zykluszusammenhang der vier weltlichen italienischen Canzoni: Cor dolente, Canzone dei giocatori a palla, La ninfa e il pastore und Primavera d’amore.
Cor dolente Erste der vier italienischen Canzoni im weltlichen Zyklus. Der Titel verweist auf Herzschmerz, Klage und die expressive Tradition italienischer Liebeslyrik.
Canzone dei giocatori a palla Zweite der vier italienischen Canzoni. Der Titel verweist auf Spiel, Bewegung und volkstümlich-gesellschaftliche Szene.
La ninfa e il pastore Dritte der vier italienischen Canzoni. Der Titel führt in eine pastorale Bildwelt, die Renaissance- und Barocktraditionen aufnimmt.
Primavera d’amore Vierte der vier italienischen Canzoni. Der Titel verbindet Frühlingssymbolik und Liebesmotiv.
Due Canzoni italiane Werk für Streicher, Harfe, Celesta und Pauken, von Alaleona 1917 in Rom erstmals dirigiert und später unter anderem von Arturo Toscanini aufgegriffen. Die zwei Stücke tragen die Titel Mamma lontana und Canzone a ballo.
Mamma lontana Erstes Stück aus den Due Canzoni italiane. Zeitgenössische Beschreibungen betonen den Zug melancholischer Zärtlichkeit.
Canzone a ballo Zweites Stück aus den Due Canzoni italiane. Das Stück ist durch einen lebhaften Saltarello-Charakter und die Vorstellung einer farbigen ländlichen Festlichkeit geprägt.
Orchestrale Bearbeitungen und Konzertstücke Alaleona bearbeitete und instrumentierte ältere italienische Musik und eigene vokale beziehungsweise chorische Ideen für unterschiedliche Konzertzusammenhänge. Viele dieser Stücke sind nicht im modernen Repertoire fest verankert.

Klavier- und Kammermusik

La città fiorita Fünf „Impronte“ für Klavier. Das Werk gehört zur pianistischen Seite Alaleonas und zeigt seine Neigung zu bildhaften, impressionenartigen Titeln.
Sei Canzoni italiane per quartetto d’archi Sechs italienische Canzoni für Streichquartett. Die Werkgruppe verbindet historische italienische Liedvorstellungen mit klassischer Kammermusikbesetzung.
Pezzi per pianoforte DMI nennt zahlreiche Klavierstücke. Da viele Einzelwerke nicht allgemein zugänglich katalogisiert sind, werden sie hier als Werkgruppe geführt.
Kammermusikalische Bearbeitungen Alaleonas Beschäftigung mit älterer italienischer Musik führte auch zu Bearbeitungen, Transkriptionen und kammermusikalischen Fassungen. Diese Arbeiten gehören zur Schnittstelle von Forschung, Aufführungspraxis und Komposition.

Lieder, Romanzen und vokale Kammermusik

Albe op. 1 Sechs Lieder beziehungsweise Canti für eine Stimme und Klavier. Die Einzeltitel lauten Paesaggio lunare, Storia quotidiana, Nebia, Pagina d’album, Mandorlo fiorito und Povera nonna. Die Sammlung gehört zu den frühen vokalen Hauptwerken Alaleonas.
Paesaggio lunare Erstes Lied aus Albe op. 1. Der Titel „Mondlandschaft“ deutet auf eine nächtlich-symbolistische Klangwelt.
Storia quotidiana Zweites Lied aus Albe op. 1. Der Titel verweist auf eine alltägliche Erzähl- oder Stimmungsform.
Nebia Drittes Lied aus Albe op. 1. Die Schreibform entspricht der italienischen dialektal oder poetisch gefärbten Nebelvorstellung.
Pagina d’album Viertes Lied aus Albe op. 1. Der Titel verweist auf die intime, albumartige Kleinform.
Mandorlo fiorito Fünftes Lied aus Albe op. 1. Das Bild des blühenden Mandelbaums verbindet Frühling, Zartheit und italienische Landschaftslyrik.
Povera nonna Sechstes Lied aus Albe op. 1. Das Stück gehört zur häuslich-emotionalen Seite der italienischen Liedtradition.
Canti di Maggio op. 6 Fünf soave melodische „Impronte“ mit Dante- und Frühlingsbezug, eingeleitet durch eine Invokation A Dante. Die Einzeltitel lauten A Dante, L’ora della sera, Lia, Matelda, Il lusigno und Ben venga maggio. Die Werkgruppe zeigt Alaleonas Verbindung von Dante-Rezeption, italienischer Naturlyrik und Liedkultur.
A Dante Einleitende Invokation innerhalb der Canti di Maggio op. 6. Sie verankert die Sammlung ausdrücklich in der italienischen Hochliteratur.
L’ora della sera Lied aus den Canti di Maggio op. 6. Der Titel ruft eine Abendstimmung auf, die zur lyrischen Klangsprache der Sammlung passt.
Lia Lied aus den Canti di Maggio op. 6. Die Figur verweist auf Dantes Bildwelt und die symbolische Sprache der Commedia.
Matelda Lied aus den Canti di Maggio op. 6. Auch dieser Titel führt in die Dante-Rezeption und in die Paradies- beziehungsweise Läuterungslandschaft.
Il lusigno Lied aus den Canti di Maggio op. 6. Der Titel, im Sinn von „Nachtigall“, gehört zur Frühlings- und Natursemantik.
Ben venga maggio Lied aus den Canti di Maggio op. 6. Der Titel nimmt eine traditionelle Maien- und Frühlingsformel auf.
Due Canti-Scherzi op. 14 Zwei vokale Stücke mit den Titeln Siciliani und Scherzo. Die Werkgruppe zeigt die leichtere, scherzhaft-volkstümliche Seite Alaleonas.
Siciliani Erstes Stück aus den Due Canti-Scherzi op. 14. Der Titel verweist auf sizilianische oder sicilianoartige Klang- und Bewegungsformen.
Scherzo Zweites Stück aus den Due Canti-Scherzi op. 14. Es gehört zur spielerischen Kleinform.
Melodie pascoliane op. 22 Fünfzehn beziehungsweise in Teilgruppen gegliederte Melodien auf Texte Giovanni Pascolis, für Gesang und Klavier oder Orchester. Die Sammlung gehört zu Alaleonas wichtigsten vokalen Werkgruppen.
Creature: Morto Erstes Stück der Untergruppe Creature innerhalb der Melodie pascoliane op. 22. Der Titel verweist auf Pascolis Todesthematik und Alaleonas Affinität zu zarter, dunkler Lyrik.
Creature: Orfano Zweites Stück der Untergruppe Creature. Der Waisentitel gehört zur emotionalen Familien- und Verlustsemantik Pascolis.
Creature: Fides Drittes Stück der Untergruppe Creature. Der lateinische Titel verweist auf Glauben, Vertrauen und geistige Sammlung.
Marine: Speranze e memorie Viertes Stück der Melodie pascoliane, in der Untergruppe Marine. Hoffnung und Erinnerung werden mit Meeresbildern verbunden.
Marine: Mare Fünftes Stück der Melodie pascoliane. Der Titel konzentriert die poetische Bildwelt auf das Meer.
Marine: La baia tranquilla Sechstes Stück der Melodie pascoliane. Das Bild der ruhigen Bucht ruft eine stille, kontemplative Klangfläche auf.
Brividi: Il nunzio Siebtes Stück der Melodie pascoliane, in der Untergruppe Brividi. Der Titel „Der Bote“ verbindet Spannung und Vorahnung.
Brividi: Notte di vento Achtes Stück der Melodie pascoliane. Die Windnacht gehört zur unruhigen Natur- und Seelenlandschaft der Sammlung.
Tre canti: Anniversario Neuntes Stück der Melodie pascoliane. Der Titel verweist auf Erinnerung, Jahrestag und ritualisierte Rückschau.
Tre canti: I due girovaghi Zehntes Stück der Melodie pascoliane. Die zwei Wandernden verbinden erzählenden und existentiellen Ton.
Tre canti: Il fumo e la neve Elftes Stück der Melodie pascoliane. Rauch und Schnee bilden ein Gegensatzbild von Flüchtigkeit, Kälte und Auflösung.
Ninna nanna di natale Wiegenlied beziehungsweise Weihnachtslied nach Giovanni Pascoli, komponiert 1925, für Stimme und Orchester, in einer Fassung für Stimme und Klavier gedruckt. Das Werk ist Maria Pascoli gewidmet.
Weitere liriche vocali da camera Treccani nennt eine zahlreiche Reihe von Kammerliedern auf Gedichte Pascolis und anderer Autoren. Viele Stücke sind nicht in gängigen Onlinekatalogen vollständig erschlossen, gehören aber zum zentralen vokalen Schaffen Alaleonas.

Chorwerke, Madrigalpflege und Bearbeitungen älterer Musik

Madrigal- und Canzone-Transkriptionen Alaleona transkribierte, bearbeitete und interpretierte Werke von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Orazio Vecchi, Adriano Banchieri, Luca Marenzio, anonymen Meistern und weiteren Komponisten der älteren italienischen Musik. Diese Arbeiten verbinden Wissenschaft, Aufführungspraxis und Chorbewegung.
Il Cicalamento delle donne al bucato Moderne Partiturübertragung beziehungsweise Edition von Alessandro Striggios Werk, veröffentlicht in der Rivista musicale italiana 1905 und 1906. Die Arbeit ist ein Beispiel für Alaleonas praktische Renaissanceforschung.
Chorprogramme für den Gruppo dei madrigalisti romani Seit 1926 arbeitete Alaleona mit ausgewählten Sängerinnen und Sängern an der Wiederaufführung älterer italienischer Madrigale und Canzonen. Die Programme sind als Teil seines editorisch-dirigentischen Werkes zu betrachten.
Schulchor- und Massenchorwerke Als Inspektor für Chorgesang an römischen Schulen organisierte Alaleona große Aufführungen mit Kinder- und Jugendchören. Die dafür komponierten oder eingerichteten Stücke gehören zur musikpädagogischen Seite seines Werkes.
Transkription des Canto degli Italiani Alaleona veröffentlichte eine Fassung beziehungsweise Transkription des italienischen Nationalgesangs für Kinderstimmen. Diese Arbeit gehört in den Zusammenhang von Schulchor, nationaler Musikpädagogik und öffentlicher Gesangskultur.

Musikwissenschaftliche Schriften, Theorie und Kritik

Studi sulla storia dell’Oratorio musicale in Italia Musikwissenschaftliche Hauptschrift, 1908 bei Bocca in Turin erschienen und mehrfach wieder aufgelegt. Das Werk ging aus der römischen Abschlussarbeit von 1907 hervor und gilt als grundlegender Beitrag zur Geschichte des italienischen Oratoriums.
Su Emilio de’ Cavalieri, la Rappresentazione di Anima et di Corpo e alcune sue composizioni inedite Aufsatz in Nuova Musica, 1905, später in die Studi sulla storia dell’Oratorio musicale in Italia integriert. Die Arbeit behandelt einen Schlüsselpunkt der frühen italienischen geistlichen Musikdramaturgie.
Le laudi spirituali italiane nei secoli XVI e XVII e il loro rapporto coi canti profani Aufsatz in der Rivista musicale italiana, 1909. Die Studie verbindet geistliche Lauda, profanes Lied und historische Gattungsanalyse.
I moderni orizzonti della tecnica musicale. Teoria della divisione dell’ottava in parti uguali Theoretische Schrift von 1911. Alaleona untersucht die Teilung der Oktave in gleiche Teile und leitet daraus neue harmonische und tonräumliche Möglichkeiten ab.
L’armonia modernissima: le tonalità neutre e l’arte di stupire Theoretische Schrift von 1911. Sie ergänzt die Überlegungen zur modernen Harmonik und behandelt neutrale Tonalitäten sowie neue klangliche Wirkungen.
Linguaggio materno ed umanità musicale Offener Brief an Vittorio Gui, veröffentlicht in Harmonia 1914. Der Text formuliert Alaleonas Vorstellung von musikalischer Muttersprache, nationalem Erbe und menschlicher Musik.
Il Rinascimento musicale italiano e Giacomo Carissimi Aufsatz in Nuova Antologia, Juni 1914. Die Schrift gehört zur Programmatik der italienischen musikalischen Renaissance und zur Neubewertung des 17. Jahrhunderts.
Il carbone bianco musicale italiano Aufsatz in Musica d’oggi, September 1919, mit Bezug auf die Wiedergeburt der Chorkunst. Der Titel verwendet das Bild einer verborgenen nationalen Energiequelle.
Il Libro d’oro del Musicista Pädagogisch-musikhistorische Schrift, bei Ricordi erschienen; die IMSLP-Fassung weist eine Ausgabe von 1930 aus. Das Werk gehört zum didaktischen Nachlass beziehungsweise zur musikpädagogischen Wirkung Alaleonas.
Sezione musicale italiana im Dictionary of Modern Music and Musicians Alaleona betreute die italienische Musiksektion des von A. Eaglefield-Hull herausgegebenen Dictionary of Modern Music and Musicians, London 1924.
Kritiken in Il Mondo und Il Lavoro d’Italia Regelmäßige Musikkritik in römischen Zeitungen. Diese Texte gehören zur öffentlichen musikjournalistischen Tätigkeit Alaleonas.
Aufsätze in Fachzeitschriften Beiträge in Nuova Musica, Rivista musicale italiana, Il Pianoforte, Orfeo, Ars Nova, Harmonia, La Rassegna d’Italia, Nuova Antologia und weiteren Periodika.

Ungedruckte, archivalische und summarisch bezeugte Werkgruppen

Über sechshundert Arbeiten Spätere Darstellungen nennen einen sehr großen Nachlass mit mehreren hundert Arbeiten. Darunter sind Kompositionen, Entwürfe, Transkriptionen, Aufsätze, Kritiken, pädagogische Arbeiten und Materialien für Chor- und Konzertpraxis zu verstehen.
Unveröffentlichte Orchesterwerke DMI nennt mehrere Orchesterwerke und weist ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere die Quattro Laudi spirituali italiane unveröffentlicht blieben. Auch andere Orchesterwerke sind nicht ohne weiteres im modernen Druck zugänglich.
Unveröffentlichte Vokal- und Chorwerke Die chorische und vokale Praxis Alaleonas war sehr umfangreich. Ein Teil der dafür entstandenen Stücke dürfte in Archiven, Zeitschriften, Manuskripten oder Aufführungsmaterialien überliefert sein.
Bearbeitungen älterer italienischer Musik Diese Werkgruppe ist für Alaleonas Bedeutung zentral, aber bibliographisch zerstreut. Sie umfasst moderne Partiturübertragungen, praktische Chorfassungen und interpretierende Bearbeitungen.
Musikpädagogische Materialien Unterrichts-, Chor- und Schulmaterialien aus seiner Tätigkeit in Rom und im Umfeld des Chorgesangs. Sie sind als Teil des musikalischen Gesamtwerks zu berücksichtigen, auch wenn sie nicht immer als Konzertkompositionen erscheinen.

Mirra und die moderne Harmonik

Mirra ist der konzentrierteste Punkt, an dem Alaleonas Theorie und Komposition zusammentreffen. Die Oper basiert auf Alfieris Tragödie und behandelt eine extreme, psychologisch heikle Konfliktlage. Alaleona suchte dafür eine Klangsprache, die über die vertrauten Mittel der italienischen Oper hinausgeht. Seine Beschäftigung mit symmetrischen Oktavteilungen, neutralen Tonalitäten und neuen harmonischen Feldern erhielt hier einen dramatischen Ort.

Besonders auffällig ist das geplante pentatonische Harmonium. Es sollte die Oktave in fünf gleiche Teile teilen und damit eine Klangwelt ermöglichen, die nicht einfach in der üblichen temperierten Dur-Moll-Tonalität aufgeht. Obwohl dieses Instrument nicht erhalten ist, zeigt seine Konzeption, wie konkret Alaleona neue Tonordnungen dachte. Theorie war für ihn nicht bloß Spekulation; sie sollte in Klang, Instrument und Szene umgesetzt werden.

In der italienischen Operngeschichte steht Mirra zwischen Spätromantik, Symbolismus, veristischer Nachwirkung und früher Moderne. Das Werk ist weder Puccini-Nachfolge noch Futurismus im engen Sinn. Es ist ein eigenständiger Versuch, klassische Tragödie, psychologische Verdichtung und neue harmonische Systeme in eine italienische Bühnenform zu bringen.

Rezeption und Nachwirkung

Alaleona wurde schon zu Lebzeiten eher als Musikwissenschaftler, Lehrer, Kritiker und Chororganisator wahrgenommen denn als Repertoirekomponist. Seine Oper Mirra, sein Intermezzo und die Due Canzoni italiane hatten Aufführungserfolge, doch große Teile seines kompositorischen Werks blieben ungedruckt oder verschwanden aus dem Konzertleben. Diese Diskrepanz gehört zu seiner Rezeptionsgeschichte: Er war eine zentrale Gestalt des italienischen Musikdiskurses, aber kein dauerhaft im Kanon verankerter Komponist.

Seine musikwissenschaftliche Nachwirkung ist stabiler. Die Studi sulla storia dell’Oratorio musicale in Italia blieben ein Bezugspunkt für die Erforschung des italienischen Oratoriums. Seine Arbeiten zu Lauden, Cavalieri, Striggio und der älteren italienischen Vokalmusik gehören zur frühen Wiedergewinnung des italienischen Barock und der Renaissancepolyphonie. Auch sein Engagement für den Chorgesang hatte praktische Wirkung, weil es alte italienische Vokalkultur in moderne Aufführungskontexte überführen wollte.

Die theoretische Rezeption Alaleonas ist heute besonders interessant. Seine Schriften von 1911 zeigen, dass Italien vor der breiten Rezeption der Wiener Schule bereits eigene Debatten über neue Harmonik, symmetrische Systeme und Dodekaphonie im weiteren Sinn kannte. Alaleona ist deshalb nicht als Vorläufer Schönbergs im simplen Sinn zu verstehen, sondern als unabhängiger italienischer Theoretiker der modernen Tonraumgliederung.

In Montegiorgio ist sein Name sichtbar geblieben. Das kommunale Theater und die angrenzende Piazza tragen seinen Namen; sein Geburtshaus liegt in diesem städtischen Erinnerungsraum. Damit besitzt Alaleona neben der musikhistorischen auch eine lokale Gedächtnisfunktion. Er steht für den aus den Marken hervorgegangenen Musiker, der in Rom wirkte und zugleich in seine Heimat zurückgebunden blieb.

Sekundärliteratur

  • Domenico Alaleona: Studi sulla storia dell’Oratorio musicale in Italia. Bocca, Turin 1908; spätere Auflagen und Nachdrucke.
  • Domenico Alaleona: I moderni orizzonti della tecnica musicale. Teoria della divisione dell’ottava in parti uguali. Turin 1911.
  • Domenico Alaleona: L’armonia modernissima: le tonalità neutre e l’arte di stupire. Turin 1911.
  • Domenico Alaleona: Il Libro d’oro del Musicista. Ricordi, Mailand, postume beziehungsweise spätere Ausgabe.
  • Treccani: Dizionario Biografico degli Italiani, Artikel Alaleona, Domenico, Bd. 1, 1960.
  • Guido Maria Gatti: Artikel Alaleona, Domenico. In: Enciclopedia Italiana, 1929.
  • Alberto De Angelis: Dizionario dei Musicisti. Rom 1938, mit Werkverzeichnis zu Domenico Alaleona.
  • Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Artikel zu Domenico Alaleona.
  • Enciclopedia dello Spettacolo, Eintrag zu Domenico Alaleona.
  • Dizionario Ricordi della musica e dei musicisti. Mailand 1959, Artikel zu Domenico Alaleona.
  • Giulio Cesare Paribeni: Sinfonisti italiani d’oggi. Guida per i radio-amatori dei concerti. Mailand, ERTA, 1932.
  • Fiamma Nicolodi: Studien zur frühen Rezeption der Wiener Schule und zu Alaleonas theoretischem Dodekaphonie-Begriff in Italien.
  • Mario Bortolotto: Arbeiten zur italienischen Rezeption der Neuen Musik und zu frühen italienischen Modernismusdiskursen.
  • Agostino Ziino, Hrsg.: Studien zur italienischen Musikforschung und zu Domenico Alaleonas Theoriebeiträgen.
  • Forschung zu Pietro Mascagni, Giovanni Sgambati, Cesare De Sanctis, Remigio Renzi, der Società Italiana di Musica moderna, der römischen Chorszene und dem Conservatorio di Santa Cecilia.
  • Studien zur Wiederentdeckung der italienischen Renaissance- und Barockmusik um 1900, besonders zu Emilio de’ Cavalieri, Giacomo Carissimi, Alessandro Striggio, Orazio Vecchi, Adriano Banchieri und Luca Marenzio.

Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Italienische Musikwissenschaft Kontext zu Alaleonas historischer Forschung über Oratorium, Lauda, Renaissancepolyphonie und nationale Musikgeschichte.
  • Oratorium Geistlich-dramatische Gattung, deren italienische Geschichte Alaleona in seinem Hauptwerk von 1908 untersuchte.
  • Italienisches Oratorium Spezifischer Gattungsraum von Cavalieri, Carissimi und barocker geistlicher Dramaturgie, zentral für Alaleonas Forschung.
  • Lauda Italienische geistliche Liedform, deren Geschichte und Verhältnis zum profanen Lied Alaleona untersuchte.
  • Renaissancepolyphonie Historischer Bezugspunkt von Alaleonas Chorbewegung, Transkriptionen und Madrigalpflege.
  • Madrigal Mehrstimmige Vokalgattung, die Alaleona durch den Gruppo dei madrigalisti romani wieder praktisch beleben wollte.
  • Gruppo dei madrigalisti romani Von Alaleona 1926 gegründetes Vokalensemble zur Wiederaufführung älterer italienischer Mehrstimmigkeit.
  • Chorgesang in Italien Kultur- und Bildungsgeschichte des Chores, in der Alaleona als Organisator, Lehrer und Reformer wichtig wurde.
  • Conservatorio di Santa Cecilia Römische Ausbildungsinstitution, an der Alaleona studierte und ab 1912 Ästhetik und Musikgeschichte lehrte.
  • Augusteo Rom Römischer Konzertort, an dem Alaleona Chorarbeit leistete und das Intermezzo aus Mirra aufgeführt wurde.
  • Teatro Costanzi Römisches Opernhaus, an dem Alaleonas Mirra 1920 zur Aufführung kam.
  • Mirra Oper Domenico Alaleonas nach Vittorio Alfieri und sein wichtigstes Bühnenwerk zwischen Tragödienrezeption und moderner Harmonik.
  • Vittorio Alfieri Italienischer Tragödiendichter, dessen Mirra die literarische Grundlage von Alaleonas Oper bildet.
  • Moderne Harmonik Themenfeld zu Oktavteilung, symmetrischen Akkorden, neutralen Tonalitäten und Alaleonas theoretischen Schriften von 1911.
  • Dodecafonia Italienischer Begriff für Zwölfton- beziehungsweise Zwölfteilungskonzepte, bei Alaleona noch vor der systematischen Schönberg-Schule anders akzentuiert.
  • Teilung der Oktave Theoretisches Grundproblem moderner Musiksysteme, das Alaleona in gleiche Teilungen und neue harmonische Felder gliederte.
  • Neue Musik in Italien Kontext zu Alaleona, Malipiero, Pizzetti, Pratella, Respighi und den frühen Debatten über musikalische Moderne.
  • Società Italiana di Musica moderna Institutioneller Zusammenhang der italienischen Moderne, an deren Gründung und Förderung Alaleona beteiligt war.
  • Gian Francesco Malipiero Italienischer Komponist und Zeitgenosse Alaleonas, wichtig für historische Rückwendung und moderne Opern- und Instrumentalmusik.
  • Ildebrando Pizzetti Italienischer Komponist der Generation Alaleonas, geprägt von Antike, Vokalität und nationaler Erneuerung.
  • Ottorino Respighi Italienischer Komponist, dessen historische Rückgriffe und Orchesterfarben eine Vergleichsfolie zu Alaleonas Kulturprogramm bilden.
  • Francesco Balilla Pratella Futuristischer Komponist und Zeitgenosse Alaleonas, wichtig für die Debatten um italienische musikalische Moderne.
  • Pietro Mascagni Komponist und Leiter der Scuola nazionale di musica, an der Alaleona von 1907 bis 1911 Chorgesang unterrichtete.
  • Giovanni Sgambati Pianist und Komponist, Lehrer Alaleonas und wichtige Figur der italienischen Instrumentalmusik um 1900.
  • Cesare De Sanctis Kompositionslehrer Alaleonas am Liceo musicale di Santa Cecilia.
  • Remigio Renzi Organist und Lehrer Alaleonas für Harmonie und Orgel in Rom.
  • Emilio de’ Cavalieri Komponist der frühen geistlichen Musikdramaturgie, über den Alaleona wichtige historische Studien schrieb.
  • Rappresentazione di Anima et di Corpo Werk Emilio de’ Cavalieris, das für Alaleonas Oratoriumsforschung und italienische Musikgeschichtsschreibung zentral wurde.
  • Giacomo Carissimi Schlüsselfigur des italienischen Oratoriums, wichtig für Alaleonas historische und nationale Erneuerungsperspektive.
  • Alessandro Striggio Renaissancekomponist, dessen Cicalamento delle donne al bucato Alaleona modern übertrug.
  • Giovanni Pierluigi da Palestrina Zentrale Figur der italienischen Vokalpolyphonie, deren Musik Alaleona im Chor- und Transkriptionskontext neu vermittelte.
  • Orazio Vecchi Komponist weltlicher und geistlicher Vokalmusik, den Alaleona in seiner Wiederbelebung älterer italienischer Musik berücksichtigte.
  • Adriano Banchieri Italienischer Komponist und Theoretiker, dessen Vokal- und Madrigalkunst zu Alaleonas Repertoire historischer Wiedergewinnung gehört.
  • Luca Marenzio Madrigalmeister der Spätrenaissance, wichtig für Alaleonas vokalhistorische Orientierung.
  • Giovanni Pascoli Dichter, dessen Texte Alaleona in den Melodie pascoliane und in der Ninna nanna di natale vertonte.
  • Franz von Assisi Verfasser des Sonnengesangs, den Alaleona 1927 als Cantico di Frate Sole vertonte.
  • Montegiorgio Geburts- und Sterbeort Alaleonas; das Theater und die Piazza erinnern dort an den Komponisten und Musikwissenschaftler.
  • Teatro Domenico Alaleona Historisches Theater in Montegiorgio, das den Namen Domenico Alaleonas trägt.
  • Musikkritik in Italien Presse- und Zeitschriftenfeld, in dem Alaleona als Kritiker und musikalischer Intellektueller wirkte.