Muḥammad ibn ʿAbdulḥamīd al-Lāḏiqī
Osmanischer Musiktheoretiker, Edvâr-Autor, Logiker und Gelehrter des 15. Jahrhunderts.
Muḥammad ibn ʿAbdulḥamīd al-Lāḏiqī, türkisch meist Laḏiqli Mehmed Çelebi oder Lâdikli Mehmed Çelebi, in türkischen Quellen auch Muhyiddin Mehmed, wirkte im späten 15. Jahrhundert im osmanischen Kulturraum. Er stammte nach der heute stärkeren Forschungsmeinung aus Lâdik im damaligen Sandschak Amasya, heute im Raum Samsun in Nordtürkei. Ältere Angaben verlegten seine Herkunft in das syrische Lāḏiqiyya, also Latakia, oder nach Denizli-Lâdik; diese Zuweisungen werden in der neueren türkischen Forschung überwiegend zurückgewiesen oder als schwächer beurteilt. Als Todesdatum wird häufig 1494/95, islamisch 900, angegeben; daneben begegnen ältere Angaben wie 1445 oder die vorsichtigere Einordnung in die Zeit Bayezids II. Seine Bedeutung beruht vor allem auf den musiktheoretischen Werken Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân und er-Risâletü’l-fetḥiyye, die zu den wichtigen Quellen der frühen osmanischen Makam-, Şûbe-, Âvâze-, Terkib- und Usûl-Theorie gehören.
Kurzübersicht
| Name | Muḥammad ibn ʿAbdulḥamīd al-Lāḏiqī. |
|---|---|
| Türkische Namensform | Laḏiqli Mehmed Çelebi, gewöhnlich Lâdikli Mehmed Çelebi oder Lâdikli Mehmet Çelebi. |
| Weitere Namensformen | Muhyiddin Mehmed, Mehmed Çelebi Lâdikî, Mehmed Çelebi el-Lâzikî, Muḥammad ibn ʿAbd al-Ḥamīd al-Lāḏiqī, Muhammed b. Abdülhamid el-Ladikiyyi’n-Nahif. |
| Vatername | In den Werken erscheint Abdülhamid beziehungsweise ʿAbdulḥamīd; die ältere Form Abdülmecid gilt als aus der Handschriften- und Drucküberlieferung hervorgegangener Fehler. |
| Herkunft | Wahrscheinlich Lâdik im damaligen Sandschak Amasya, heute im Raum Samsun; ältere Zuweisungen nach Latakia oder Denizli-Lâdik sind quellenkritisch problematisch. |
| Lebenszeit | 15. Jahrhundert; die sicher greifbare Werkphase liegt in den 1480er Jahren. |
| Sterbedatum | Häufig 1494/95; in einzelnen älteren Quellen abweichend 1445 oder vorsichtiger nur frühes 16. Jahrhundert beziehungsweise Zeit Bayezids II. |
| Sterbeort | Istanbul wird häufig genannt, ist aber wie viele biographische Details nicht vollständig gesichert. |
| Beruf | Musiktheoretiker, Edvâr-Autor, Logiker, Müderris, arabisch-persisch gebildeter Gelehrter und Verfasser von Musik- und Logiktraktaten. |
| Hofbezug | Umfeld Bayezids II.; die Werke wurden dem Prinzen beziehungsweise späteren Sultan Bayezid II. gewidmet. |
| Hauptwerke | Zübdetü’l-beyân, Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân und er-Risâletü’l-fetḥiyye. |
| Musiktheoretische Schule | Edvâr-Tradition im Anschluss an Safiyyüddīn al-Urmawī, al-Fārābī, die Iḫwān aṣ-Ṣafāʾ und ʿAbd al-Qādir al-Marāġī. |
| Tonsystem | Übernahme und Weiterführung des siebzehnstufigen Tonsystems Safiyyüddīn al-Urmawīs. |
| Zentrale Gegenstände | Perden, Naġme, Intervalle, Verhältnislehre, Makam, Daire, Âvâze, Şûbe, Terkib, Usûl, Îkâʿ, Wirkung der Melodien und zeitgenössische osmanische Musikpraxis. |
| Kulturelle Bedeutung | Al-Lāḏiqī steht an einer Übergangsstelle zwischen mittelalterlicher arabisch-persischer Systemtheorie und frühosmanischer Makam- und Usûl-Praxis des 15. Jahrhunderts. |
Leben und Überlieferungslage
Über das Leben Muḥammad ibn ʿAbdulḥamīd al-Lāḏiqīs ist nur wenig sicher bekannt. Die Forschung rekonstruiert seine Biographie überwiegend aus seinen Werken, aus späteren bio-bibliographischen Angaben und aus der osmanischen Musikgeschichtsschreibung. Gerade deshalb ist bei Herkunft, Todesdatum und Namensform Vorsicht nötig. Der Name Lāḏiqī verweist zwar auf einen Ort Lâdik oder Lāḏiq, doch gab es mehrere mögliche Orte, deren Gleichsetzung in älteren Quellen zu Verwechslungen führte.
Die neuere türkische Forschung hält Lâdik im damaligen Sandschak Amasya für die wahrscheinlichste Herkunft. Das ist historisch plausibel, weil Bayezid II. vor seiner Thronbesteigung lange als Prinz und Statthalter in Amasya wirkte und dort einen gebildeten Hofkreis um sich hatte. Al-Lāḏiqī gehörte offenbar zu diesem Umfeld. Seine Werke sind Bayezid II. gewidmet, was auf eine direkte Beziehung zum Prinzen beziehungsweise späteren Sultan verweist.
Nach Bayezids Thronbesteigung im Jahr 1481 kam al-Lāḏiqī wahrscheinlich nach Istanbul und wirkte dort als Müderris. Diese Verbindung von Musiktheorie, Logik, arabisch-persischer Bildung und Lehramt ist charakteristisch für den spätmittelalterlichen osmanischen Gelehrtentyp. Musiktheorie war in diesem Milieu nicht bloß praktische Kunstlehre, sondern Teil einer mathematisch-rationalen und zugleich adabisch gebildeten Wissenschaftskultur.
Die Lebensdaten sind unsicher. Die Angabe 1494/95 wird häufig mit H. G. Farmer, Ziriklī und ʿAbbās al-ʿAzzāwī verbunden. Andere ältere Autoren nannten 1445 oder ordneten ihn ungenau früher ein. Da seine Musikwerke sicher in den 1480er Jahren greifbar sind, kann 1445 nicht als Todesjahr der Hauptgestalt dieses Lemmas gelten, sofern dieselben Werke gemeint sind. Es handelt sich dabei eher um eine ältere Fehlzuweisung oder eine Verwechslung in der europäischen Orientalistik des 19. Jahrhunderts.
Lebens- und Werkstationen
| 15. Jahrhundert | Geburt in Lâdik, wahrscheinlich im damaligen Sandschak Amasya; genaue Geburtszeit und Familienverhältnisse sind nicht gesichert. |
|---|---|
| Ausbildung | Gute Ausbildung in religiösen Wissenschaften, Arabisch, Persisch, Logik und musiktheoretischer Tradition. |
| Amasya | Wahrscheinliche Nähe zum Hofkreis des Prinzen Bayezid während dessen Statthalterschaft in Amasya. |
| Vor 1481 | Entstehung beziehungsweise Vorbereitung der frühen Werke im Umkreis Bayezids. |
| 1481 | Bayezid II. besteigt den osmanischen Thron; al-Lāḏiqī folgt vermutlich nach Istanbul oder wirkt im weiteren Hof- und Madrasaumfeld. |
| 1483 | Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân wird nach der heute verbreiteten Datierung als arabische Fassung angesetzt. |
| 1484 | Türkische Fassung beziehungsweise Übersetzung von Zeynü’l-elḥân; die älteste bekannte türkische Handschrift trägt den 7. Mai 1484. |
| 1484/85 | er-Risâletü’l-fetḥiyye entsteht im Zusammenhang mit den militärischen Erfolgen Bayezids II., besonders der Einnahme Akkermans im Boğdan-Feldzug. |
| 1485 | Älteste bekannte Handschrift der Risâletü’l-fetḥiyye ist auf 890 AH beziehungsweise 1485 datiert. |
| 1494/95 | Häufig angenommene Todesdatierung; endgültig gesichert ist sie nicht. |
Amasya, Istanbul und Bayezid II.
Amasya war im 15. Jahrhundert ein bedeutender osmanischer Prinzen- und Bildungsort. Als Bayezid II. dort als Prinz wirkte, bildete sich um ihn ein kulturelles Umfeld aus Gelehrten, Dichtern, Musikern und Lehrern. Diese Situation erklärt, warum ein Musiktheoretiker wie al-Lāḏiqī seine Werke gerade Bayezid widmen konnte. Musiktheorie war am Hof nicht bloße Unterhaltung, sondern ein Zeichen gebildeter Herrschaft.
Mit Bayezids Thronbesteigung gewann Istanbul als neues Zentrum des Reiches noch stärker an Bedeutung. Der Übergang von Amasya nach Istanbul spiegelt einen größeren kulturellen Prozess: Die osmanische Hofkultur nahm die arabisch-persische Wissenschafts- und Musiktheorie auf, passte sie an lokale Praxis an und machte sie zu einem Bestandteil der höfischen und gelehrten Ordnung.
Al-Lāḏiqīs Werke stehen genau in diesem Übergang. Sie sind einerseits arabisch und persisch gebildet, beziehen sich auf ältere Theoretiker und verwenden mathematisch-systematische Sprache. Andererseits interessieren sie sich für die in ihrer eigenen Zeit verwendeten Makame, Terkibe und Usûl. Dadurch werden sie zu Quellen nicht nur der Theorie, sondern auch der lebendigen osmanischen Musikpraxis um 1480.
Edvâr-Tradition und systematische Musiktheorie
Al-Lāḏiqī gehört zur Edvâr-Tradition, also zu jener mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gattung von Musiktraktaten, die Tonordnungen, Intervalle, Dairen, Makame, Rhythmen und Aufführungsbegriffe systematisch erklären. Der Begriff edvâr verweist auf Kreise oder Zyklen. Musik erscheint darin als Ordnung von Tönen, Proportionen, Umläufen und rhythmischen Verhältnissen.
Der wichtigste theoretische Hintergrund ist Safiyyüddīn al-Urmawī. Dessen siebzehnstufiges Tonsystem, seine Systematisierung der Intervalle und seine Darstellung von melodischen und rhythmischen Kreisen wurden für die nachfolgende arabisch-persische und osmanische Musiktheorie grundlegend. Al-Lāḏiqī übernimmt diese Tradition, aber er bleibt nicht bei bloßer Abschrift. Er fügt zeitgenössische Makam-, Şûbe-, Terkib- und Usûl-Angaben hinzu und schafft dadurch eine Quelle für den Wandel der Theorie.
Auch al-Fārābī, die Iḫwān aṣ-Ṣafāʾ und ʿAbd al-Qādir al-Marāġī gehören zu seinem Hintergrund. Al-Fārābī steht für die philosophisch-wissenschaftliche Musiktheorie, die Iḫwān aṣ-Ṣafāʾ für eine enzyklopädisch-kosmologische Musikauffassung, ʿAbd al-Qādir al-Marāġī für die timuridisch-persische und transregionale Systematisierung der Makam- und Usûl-Welt. Al-Lāḏiqī übernimmt diese Erbschaft in osmanischer Perspektive.
Musiktheoretische Lehre
Im Zentrum von al-Lāḏiqīs Musiktheorie stehen die Begriffe Naġme, Perde, Intervall, Makam, Daire, Âvâze, Şûbe, Terkib, Îkâʿ und Usûl. Musik wird als geordnete Verbindung von Tonhöhen, Intervallverhältnissen und rhythmischen Zeitwerten verstanden. Dabei ist die Nähe zur mathematischen Wissenschaft deutlich: Die Teilung der Saite, die Proportionen der Intervalle und die Einteilung von rhythmischer Zeit werden als rationale Grundlagen der Kunst behandelt.
Al-Lāḏiqī übernimmt das siebzehnstufige Tonsystem der Systematiker und erklärt die Teilung der Saiten beziehungsweise Perden nach dieser Ordnung. Die Begriffe bakiye, tanînî und mücennep spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese Intervalle ordnen die feinen Abstufungen, aus denen die makamische Struktur hervorgeht.
Für die Makamlehre ist besonders wichtig, dass al-Lāḏiqī von Dairen, Makamen, Âvâzen, Şûben und Terkiben spricht. Er übernimmt die ältere, stark systematische Sicht auf zwölffache Makame, sieben Âvâzen, vier beziehungsweise in der späteren Darstellung vierundzwanzig Şûben und zahlreiche zusammengesetzte Terkibe. Zugleich hält er fest, welche Formen in seiner Zeit tatsächlich verwendet wurden. Dadurch wird sein Werk zu einer Brücke zwischen kanonischer Theorie und lebendiger Praxis.
Ein weiteres Zentrum ist die Rhythmuslehre. In Zeynü’l-elḥân werden ältere und zeitgenössische Usûl beschrieben; in er-Risâletü’l-fetḥiyye wird die Îkâʿ-Lehre noch ausführlicher systematisiert. Besonders wichtig ist, dass al-Lāḏiqī nicht nur abstrakte Zeitdauern, sondern auch Schlagweisen und praktische Ausführung berücksichtigt. Damit nähert sich die Theorie der Aufführungspraxis an.
Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân
Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân, deutsch etwa „Zierde der Melodien in der Wissenschaft der Zusammensetzung und der Rhythmen“, ist al-Lāḏiqīs erstes musiktheoretisches Hauptwerk. Es wurde zunächst arabisch verfasst und Bayezid II. gewidmet; die Datierung um 888/1483 beruht auf Handschriftenhinweisen und der Chronologie der türkischen Fassung.
Das Werk besteht aus einer Einleitung, drei Hauptabschnitten und einem Schluss. Die Einleitung behandelt Definitionen der Musik, der Naġme und des Îkâʿ, verweist auf die Bedeutung des schönen Vortrags und nennt die siebzehn Töne, die für die Komposition verwendet werden. Der erste Hauptteil erklärt Perden, Intervallteilungen, Saitenteilung, mülayim und mütenâfir klingende Verhältnisse sowie dörtlige und fünflige Tonverbindungen.
Der zweite Hauptteil behandelt die Makamwelt. Er spricht von Dairen, zwölf berühmten Makamen, sieben Âvâzen, vier Şûben und Terkiben. Der dritte Hauptteil ist der Rhythmik gewidmet. Hier werden Îkâʿ, rhythmische Zeitwerte, Usûl und Schlagweisen behandelt. Besonders charakteristisch ist die Aufnahme zeitgenössischer Usûl wie darb-ı tavîl, darb-ı kasîr, çârdarb, amel, remel-i kasîr, remel-i tavîl, serendâz, nîm-sakīl, revan, serîü’l-hezec, muhaccel und cerr-i hafîf.
Die türkische Fassung ist kulturgeschichtlich besonders wertvoll. Sie zeigt, dass al-Lāḏiqī nicht nur in arabischer Gelehrtensprache, sondern auch in einer frühen osmanisch-türkischen musiktheoretischen Fachsprache wirkte. Damit gehört Zeynü’l-elḥân zu den wichtigen Quellen für die Entstehung türkischer Musikterminologie.
er-Risâletü’l-fetḥiyye
er-Risâletü’l-fetḥiyye, teilweise mit dem Zusatz fi’l-mûsîḳā überliefert, ist al-Lāḏiqīs zweites musiktheoretisches Hauptwerk. Es wurde arabisch verfasst und erhielt seinen Namen wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Eroberungen Bayezids II., insbesondere mit der Einnahme Akkermans im Boğdan-Feldzug von 889/1484. Die älteste bekannte Handschrift ist auf 890/1485 datiert.
Die Schrift besteht aus einer Einleitung und zwei großen Teilen. Die Einleitung behandelt Definition, Gegenstand, Ursprung, Ziel und mathematische Grundlagen der Musik. Pythagoras erscheint als Ursprungsfigur der Musiklehre. Diese Zuschreibung zeigt die Verbindung islamischer Musiktheorie mit antiker Zahl- und Harmonielehre.
Der erste Teil behandelt ʿilm-i teʾlîf, also die Lehre von der musikalischen Zusammensetzung. Dazu gehören die Teilung der Saiten, die Perden, harmonische und disharmonische Intervalle, Intervallverbindungen, dritt- und viertönige Verhältnisse, Gattungen, Dairen, Makame, Âvâzen, Şûben, Terkibe und die Wirkung der Melodien nach Zeiten und Menschentypen.
Der zweite Teil behandelt îkâʿ, also rhythmische Ordnung. Al-Lāḏiqī erklärt rhythmische Zeit, Usûl, Usûl-Dairen, ältere rhythmische Formen und zeitgenössische Usûl. Die Schrift ist deshalb eine der wichtigsten Quellen für die Übergangszeit, in der ältere arabisch-persische Rhythmustheorie und osmanische Usûl-Praxis ineinandergreifen.
Werküberblick
| Zübdetü’l-beyân | Türkisches Logikwerk, wahrscheinlich das früheste erhaltene Werk al-Lāḏiqīs; als terminologisches Kompendium und Lehrschrift für das Madrasaumfeld konzipiert. |
|---|---|
| Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân | Erstes musiktheoretisches Hauptwerk; arabisch um 1483, danach türkisch gefasst; behandelt Musikdefinition, Perden, Intervalle, Makame, Âvâzen, Şûben, Terkibe und Usûl. |
| er-Risâletü’l-fetḥiyye | Zweites musiktheoretisches Hauptwerk; arabisch um 1484/85; systematisiert Musik, Teʾlîf, Makamstruktur, Wirkung der Melodien und Îkâʿ-Lehre. |
| Sprachliche Bedeutung | Al-Lāḏiqī arbeitet in Arabisch und Türkisch und trägt damit zur Ausbildung einer osmanisch-türkischen musiktheoretischen Fachsprache bei. |
| Systematische Bedeutung | Seine Werke verbinden Safiyyüddīns mathematische Systemschule mit spätmittelalterlicher osmanischer Makam- und Usûl-Praxis. |
| Überlieferung | Die Werke sind in mehreren Handschriften erhalten; besonders er-Risâletü’l-fetḥiyye besitzt eine breite internationale Handschriftenüberlieferung. |
| Moderne Erschließung | Rauf Yekta, Suphi Ezgi, Henry George Farmer, Amnon Shiloah, Gültekin Oransay, Ruhi Kalender, Hakkı Tekin, Recep Uslu und neuere türkische Musikwissenschaft haben al-Lāḏiqīs Werk erschlossen. |
Werkverzeichnis
Das Werkverzeichnis al-Lāḏiqīs ist im Umfang überschaubar, aber quellenkritisch anspruchsvoll. Drei Werke sind maßgeblich: ein Logiktraktat und zwei musiktheoretische Schriften. Die beiden Musikwerke stehen in enger Beziehung zueinander, unterscheiden sich aber in Aufbau, Sprache, Akzentuierung und Umfang einzelner Systemteile. Die folgende Übersicht berücksichtigt Werkgestalt, Datierung, Sprache, Widmung, Handschriftenüberlieferung, Inhalt und spätere Rezeption.
Gesicherte Werke
| Zübdetü’l-beyân | Türkisches Logikwerk, verfasst, weil im Umfeld des Autors offenbar ein türkisches Lehrbuch zur Logik fehlte; gewidmet Bayezid II.; aufgebaut als Einleitung, terminologischer Hauptteil und Schluss. |
|---|---|
| Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân | Arabisch verfasstes Musiktraktat, wahrscheinlich um 888/1483, danach vom Autor oder in unmittelbarer Nähe des Autors türkisch gefasst; gewidmet Bayezid II. |
| er-Risâletü’l-fetḥiyye | Arabisches Musiktraktat, wahrscheinlich um 889/1484 oder 890/1485, gewidmet Bayezid II. und nach dessen militärischen Erfolgen benannt. |
Zübdetü’l-beyân
| Gattung | Logiktraktat und terminologisches Lehrbuch. |
|---|---|
| Sprache | Türkisch. |
| Widmung | Bayezid II. |
| Überlieferung | Eine wichtige Handschrift wird in der Süleymaniye-Bibliothek unter Ayasofya Nr. 2490 genannt. |
| Inhalt | Erklärung logischer Grundbegriffe; das Werk hat den Charakter eines terminologischen Kompendiums für Unterricht und Gelehrtengebrauch. |
| Kulturelle Bedeutung | Zeigt al-Lāḏiqī nicht nur als Musiktheoretiker, sondern als madrasa-gebildeten Gelehrten, der türkische Fachprosa im Bereich der Logik förderte. |
| Moderne Forschung | Das Werk wurde in modernen Hochschularbeiten sprachlich und sachlich untersucht, unter anderem durch Arbeiten zu türkischer Logikterminologie. |
Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân
| Volltitel | Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân, arabisch زين الألحان في علم التأليف والأوزان. |
|---|---|
| Gattung | Musiktheoretisches Edvâr-Werk über Komposition, Tonordnung und rhythmische Gewichte. |
| Sprache | Zunächst Arabisch, danach türkische Fassung beziehungsweise Übersetzung. |
| Datierung | Arabische Fassung wahrscheinlich um 888/1483; türkische Fassung mit Handschriftendatum 10. Rebīʿ al-āḫir 889 beziehungsweise 7. Mai 1484. |
| Widmung | Bayezid II.; ältere Angaben, die eine Widmung an Fatih Sultan Mehmed behaupten, gelten als falsch. |
| Aufbau | Einleitung, drei Makalen beziehungsweise Hauptabschnitte und Schluss. |
| Einleitung | Definition von Musik, Naġme und Îkâʿ; Hinweis auf schönen Vortrag; Nennung der siebzehn kompositorisch verwendeten Töne. |
| Erster Abschnitt | Perden, Saitenteilung, siebzehn Naġmen nach Safiyyüddīn al-Urmawī, Intervallverhältnisse, mülâyim und mütenâfir klingende Tonverhältnisse. |
| Zweiter Abschnitt | Dairen, zwölf Makame, sieben Âvâzen, vier Şûben und Terkibe; in dieser Form besonders wichtig für die osmanische Makamgeschichte. |
| Dritter Abschnitt | Îkâʿ und Usûl; Erklärung rhythmischer Zeitwerte, alter und zeitgenössischer Usûl und ihrer Schlagweisen. |
| Schluss | Wirkung und Nutzen der Musik, also eine Verbindung von Theorie, Ästhetik, Körperwirkung und praktischer Musikkultur. |
| Arabische Handschriften | Nuruosmaniye-Bibliothek Nr. 3655; weitere spätere Kopien in Istanbul, im Türkiyat-Bestand und in Kairo. |
| Türkische Handschriften | Istanbul Üniversitesi Kütüphanesi TY Nr. 4380 als älteste bekannte türkische Fassung; weitere Handschriften in Konya und Ankara. |
| Besondere Bedeutung | Eine der wichtigsten Quellen zur Musiktheorie der Zeit Fatih Sultan Mehmeds und Bayezids II.; enthält Hinweise auf Selçukiden-, Beylik- und frühosmanische Musikpraxis. |
er-Risâletü’l-fetḥiyye
| Volltitel | er-Risâletü’l-fetḥiyye, gelegentlich er-Risâletü’l-fetḥiyye fi’l-mûsîḳā, arabisch الرسالة الفتحية في الموسيقى. |
|---|---|
| Gattung | Arabisches Musiktraktat über Theorie, Teʾlîf, Makamordnung und Îkâʿ. |
| Datierung | Wahrscheinlich 889/1484 oder 890/1485; die älteste bekannte Handschrift ist auf 890/1485 datiert. |
| Anlass | Benennung im Zusammenhang mit den Eroberungen Bayezids II., besonders der Einnahme Akkermans im Boğdan-Feldzug. |
| Widmung | Bayezid II. |
| Aufbau | Einleitung und zwei große Teile; die Einleitung umfasst drei Kapitel, der erste Teil fünf Kapitel, der zweite Teil drei Kapitel. |
| Einleitung | Definition der Musik, Gegenstand, Ursprung, Pythagoras-Tradition, Ziel, Prinzipien und mathematische Grundlagen der Musik. |
| Erster Teil | Lehre der musikalischen Zusammensetzung: Saiten- und Perdenordnung, Intervalle, Verhältnisse, Dairen, Makame, Âvâzen, Şûben, Terkibe und Wirkung der Melodien. |
| Zweiter Teil | Îkâʿ-Lehre: rhythmische Zeiten, Usûl-Definition, Usûl-Dairen, ältere und neuere rhythmische Formen. |
| Handschriften | Mindestens fünfzehn nachgewiesene Handschriften, darunter zwölf außerhalb der Türkei und drei in türkischen Bibliotheken. |
| Älteste Handschrift | Halep, el-Mektebetü’l-Ahmediyye Nr. 1206, datiert 890/1485. |
| Edition | Hâşim Muhammed Receb veröffentlichte 1406/1986 in Kuwait eine kritische Ausgabe auf Grundlage mehrerer Handschriften. |
| Französische Übersetzung | Menûbî es-Senûsîs französische Übersetzung wurde in Rodolphe d’Erlangers La musique arabe, Band IV, veröffentlicht. |
| Türkische Bearbeitung | Rauf Yekta Bey fertigte eine türkische Übersetzung an, die jedoch nicht gedruckt wurde; Hakkı Tekin untersuchte das Werk in einer Dissertation. |
| Nachwirkung | Das Werk wurde von Rauf Yekta Bey, Mehmet Suphi Ezgi und späteren Theoretikern als wichtige Quelle genutzt. |
Musiktheoretische Sachgruppen in den Werken
| Naġme | Grundbegriff des Tons beziehungsweise der musikalischen Tonstufe; verbunden mit Perde, Intervall und Saitenteilung. |
|---|---|
| Perde | Tonort beziehungsweise Griffstelle auf dem Instrument; al-Lāḏiqī überliefert auch terminologische Hinweise aus der zeitgenössischen Praxis. |
| Bakiye | Kleines Intervall im System Safiyyüddīn al-Urmawīs, wichtig für die feine Abstufung des Tonsystems. |
| Tanînî | Größeres Intervall, das in der Systematik der siebzehnstufigen Tonordnung eine tragende Rolle spielt. |
| Mücennep | Zwischenintervall beziehungsweise charakteristische Stufe der Systematiker, zentral für die Erklärung makamischer Feinabstufungen. |
| Makam | Melodisch-modale Ordnung; al-Lāḏiqī behandelt die berühmten zwölf Makame und ihre Stellung in der Dairenlehre. |
| Daire | Kreis- oder Zyklusmodell, durch das Makamverbindungen und Tonordnungen systematisch dargestellt werden. |
| Âvâze | Modale Kategorie zwischen Makam und weiteren Unterteilungen; al-Lāḏiqī behandelt sieben Âvâzen. |
| Şûbe | Modale Unterabteilung; in Zeynü’l-elḥân vier, in er-Risâletü’l-fetḥiyye vierundzwanzig Şûben. |
| Terkib | Zusammengesetzte modale Form; wichtig für die Erweiterung der älteren Makamordnung in Richtung praktischer Vielfalt. |
| Îkâʿ | Rhythmische Ordnung, im älteren arabisch-persischen Sinn mit Zeitwerten, Kreisen und Schlagstrukturen verbunden. |
| Usûl | Osmanischer Rhythmuszyklus beziehungsweise Schlagordnung; bei al-Lāḏiqī mit älteren Îkâʿ-Begriffen und zeitgenössischer Praxis verbunden. |
| Etki der Makame | Wirkungslehre der Melodien nach Zeiten, Temperamenten und Menschentypen, ein Erbe älterer musikmedizinischer und kosmologischer Vorstellungen. |
Unsichere, falsche oder problematische Zuschreibungen
| Abdülmecid statt Abdülhamid | Die Form Abdülmecid entstand durch einen Fehler in der Überlieferung und wurde in späteren Quellen wiederholt; maßgeblich ist Abdülhamid. |
|---|---|
| Herkunft aus Latakia | Die Zuordnung zum syrischen Lāḏiqiyya beziehungsweise Latakia begegnet in älterer Literatur, wird in der neueren türkischen Forschung aber zurückgewiesen. |
| Herkunft aus Denizli-Lâdik | Auch diese ältere Zuweisung gilt als schwächer als die Herkunft aus Lâdik bei Amasya. |
| Todesjahr 1445 | Die Angabe 1445 ist mit den sicher in den 1480er Jahren greifbaren Werken nicht vereinbar und sollte nur als ältere Fehl- oder Verwechslungsangabe genannt werden. |
| Autorschaft der türkischen Fassung von Zeynü’l-elḥân | Die türkische Fassung wurde gelegentlich nicht dem Autor selbst zugeschrieben; Schriftvergleich, Handschriftenlage und ältere Hinweise sprechen jedoch stark für eine Fassung aus dem unmittelbaren Autorenumfeld, wahrscheinlich vom Autor selbst. |
Ausführlicher Kulturüberblick
Muḥammad ibn ʿAbdulḥamīd al-Lāḏiqī gehört zu den wichtigen Gestalten einer Übergangszeit der Musiktheorie. Er steht nicht am Anfang der islamischen Musiktheorie, denn vor ihm hatten al-Fārābī, die Iḫwān aṣ-Ṣafāʾ, Safiyyüddīn al-Urmawī und ʿAbd al-Qādir al-Marāġī bereits mächtige Systeme geschaffen. Er steht auch noch nicht in der späteren osmanischen Musiktheorie der Neuzeit. Seine Bedeutung liegt vielmehr darin, dass er die mittelalterliche Systemtradition in den osmanischen Raum des 15. Jahrhunderts überträgt und dort mit zeitgenössischer Praxis verbindet.
Die osmanische Musiktheorie des 15. Jahrhunderts entstand nicht isoliert. Sie war Erbin einer weiten arabisch-persischen und türkischen Gelehrtenwelt. Tonordnung, Proportion, Rhythmus, Saitenteilung und Dairenmodell gehören zu einem wissenschaftlichen Erbe, das zwischen Bagdad, Tabriz, Herat, Amasya und Istanbul zirkulierte. Al-Lāḏiqī ist ein Beleg dafür, wie diese Wissensströme im osmanischen Kulturraum aufgenommen wurden.
Seine Nähe zu Bayezid II. ist kulturgeschichtlich bedeutsam. Bayezids Amasyaer Prinzenhof war ein Ort, an dem Gelehrte, Musiker und Dichter zusammenkamen. Musiktheorie diente in einem solchen Milieu nicht nur dem Unterricht von Musikern, sondern auch dem Prestige des Herrschers. Ein Sultan, dem ein musiktheoretisches Werk gewidmet wurde, erschien als Förderer von Ordnung, Wissenschaft, Kunst und höfischer Bildung.
Al-Lāḏiqīs Werk zeigt, dass Musik als Wissenschaft verstanden wurde. Die Teilung der Saite, die mathematische Beschreibung der Intervalle und die Ordnung rhythmischer Zeit weisen auf die alte Einordnung der Musik unter die mathematischen Wissenschaften. Zugleich ist diese Wissenschaft nicht von der Praxis abgelöst. Al-Lāḏiqī interessiert sich für die in seiner Zeit verwendeten Makame und Usûl. Dadurch wird die Theorie geschichtlich konkret.
Besonders wichtig ist die Spannung zwischen kanonischem System und lebendiger Veränderung. Die ältere Edvâr-Lehre arbeitet mit festen Zahlen: zwölf Makame, sieben Âvâzen, vier oder vierundzwanzig Şûben, Dairen, Intervalltypen und Usûl-Kreise. Die Praxis aber verändert sich. Neue Terkibe entstehen, alte Usûl verschwinden, zeitgenössische Schlagweisen setzen sich durch. Al-Lāḏiqī versucht, beides zusammenzuhalten.
In Zeynü’l-elḥân wird diese Übergangslage besonders sichtbar. Das Werk bewahrt die ältere Systemschule, nennt aber auch zeitgenössische Usûl, die in anderen Werken nicht in gleicher Weise erscheinen. Damit wird es zur Quelle für eine Musikgeschichte, die nicht nur aus Namen und Komponisten besteht, sondern aus Formen, Begriffen und praktischen Ordnungen.
Die türkische Fassung von Zeynü’l-elḥân ist ein weiterer kulturgeschichtlicher Schlüssel. Wissenschaftliche Musiktheorie wurde in der islamischen Welt lange stark arabisch oder persisch formuliert. Eine türkische Fassung bedeutet, dass die osmanische Musikkultur ihre eigene Fachsprache ausbildet. Al-Lāḏiqī trägt dadurch zur Entstehung einer türkischen Musikprosa bei, die später für Rauf Yekta, Suphi Ezgi und die republikanische Musiktheoriegeschichte wichtig wurde.
er-Risâletü’l-fetḥiyye zeigt eine noch stärkere Systematisierung. Sie verbindet Musikdefinition, Pythagoras-Tradition, mathematische Grundlagen, Teʾlîf, Makamlehre und Îkâʿ-Lehre. Das Werk macht deutlich, dass Musiktheorie im osmanischen 15. Jahrhundert eine gebildete Kunst zwischen Philosophie, Mathematik, Hofkultur und Praxis war.
Die Bedeutung des Werkes liegt auch darin, dass es nicht bloß osmanisch im engen Sinn ist. Es ist ein transkultureller Text. Arabische Sprache, persische Terminologie, griechisch-pythagoreische Ursprungsnarrative, iranisch-zentralasiatische Makamtradition und osmanischer Hofkontext bilden eine gemeinsame Wissenslandschaft. Al-Lāḏiqī ist daher ein Autor des gesamten islamischen Musikraums, nicht nur einer nationalen Musikgeschichte.
Seine Makamlehre zeigt eine Phase, in der der Begriff Makam noch in enger Beziehung zu Daire, Şûbe, Âvâze und Terkib steht. Die spätere osmanische Makampraxis wird differenzierter, stärker melodisch und seyir-bezogen. Al-Lāḏiqī gehört zu den Autoren, an denen man den Übergang von der mittelalterlichen Dairenlogik zu stärker praktischen Makambeschreibungen beobachten kann.
Die moderne Forschung hat genau diesen Übergang hervorgehoben. Oya Levendoğlu Öner beschreibt ihn als Theoretiker einer Übergangsperiode, der ältere arabisch-persische Verfahren und osmanisch-türkische Makambeschreibungen synthetisch verbindet. Die Forschung zu den Şûben zeigt zudem, dass al-Lāḏiqī in seinen beiden Musikwerken unterschiedliche Ordnungen verwendet und dadurch nicht nur wiederholt, sondern weiterentwickelt.
Auch die Rhythmik ist zentral. Ältere Theoretiker behandelten Îkâʿ oft in abstrakter Zeitordnung. Al-Lāḏiqī beschreibt Usûl mit Zeitdauer und Schlagweise. Das zeigt eine stärkere Nähe zur Performance. Für die heutige historische Aufführungspraxis ist diese Verbindung von Terminologie und Schlagstruktur besonders wertvoll.
Die Rezeption im 20. Jahrhundert durch Rauf Yekta und Suphi Ezgi zeigt, dass al-Lāḏiqī nicht nur ein mittelalterlicher Autor blieb. Er wurde in der modernen türkischen Musiktheoriegeschichte als Quelle wiederentdeckt. In der Debatte um die Grundlagen der türkischen Kunstmusik, ihre Herkunft, ihr Tonsystem und ihre schriftliche Tradition wurde er zu einem wichtigen Beleg für die Tiefe und Eigenständigkeit der osmanischen Theorie.
Für ein Kulturlexikon ist al-Lāḏiqī deshalb von besonderem Wert. Er verbindet Musik, Wissenschaft, Hof, Sprache, Handschrift, Logik und Transkulturalität. Sein Werk zeigt, dass Kulturgeschichte nicht nur durch berühmte Komponisten oder Aufführungen entsteht, sondern auch durch Autoren, die Begriffe ordnen, Systeme bewahren und Praxis in Schrift überführen.
Rezeption und heutige Bedeutung
Die moderne Rezeption al-Lāḏiqīs setzte im 20. Jahrhundert besonders durch Rauf Yekta Bey und die türkische Musiktheoriegeschichtsschreibung ein. Rauf Yekta machte auf Zeynü’l-elḥân aufmerksam und verwendete al-Lāḏiqī als Beleg für die ältere osmanische Theorie. Mehmet Suphi Ezgi nutzte die Edvâr-Überlieferung ebenfalls für seine nazarî-amalî Darstellung der türkischen Musik.
Henry George Farmer und Amnon Shiloah nahmen al-Lāḏiqī in die breitere Geschichte der arabisch-islamischen Musiktheorie auf, wobei einzelne Angaben in älteren westlichen Darstellungen später korrigiert werden mussten. Besonders die Herkunftsfrage, der Vatername und die Reihenfolge der Werke zeigen, wie wichtig genaue Handschriften- und Quellenarbeit ist.
In der neueren türkischen Forschung stehen seine beiden Musiktraktate im Zentrum. Arbeiten von Recep Uslu, Ruhi Kalender, Hakkı Tekin, Ahmet Pekşen, Oya Levendoğlu Öner und Özgen Küçükgökçe haben Lebensdaten, Handschriften, Sprache, Makamdefinitionen, Şûben, Usûl und die Stellung al-Lāḏiqīs in der Übergangszeit zwischen mittelalterlicher Systemtheorie und osmanischer Musikpraxis untersucht.
Heute ist al-Lāḏiqī besonders für drei Forschungsfelder wichtig: erstens für die frühe osmanische Musiktheorie, zweitens für die Geschichte der türkischen musiktheoretischen Fachsprache und drittens für die vergleichende Untersuchung von Makam-, Şûbe-, Âvâze-, Terkib- und Usûl-Systemen zwischen arabischer, persischer und osmanischer Tradition.
Sekundärliteratur
- Mehmed Çelebi el-Lâzikî: er-Risâletü’l-fetḥiyye fi’l-mûsîḳā. Herausgegeben von Hâşim Muḥammed Receb. Kuwait 1406/1986.
- Laḏiqli Mehmed Çelebi: Zeynü’l-elḥân fî ʿilmi’t-teʾlîf ve’l-evzân. Handschriften in Istanbul, Nuruosmaniye Kütüphanesi Nr. 3655, sowie weitere Kopien.
- Laḏiqli Mehmed Çelebi: Zübdetü’l-beyân. Handschrift Süleymaniye Kütüphanesi, Ayasofya Nr. 2490.
- Recep Uslu: „Mehmed Çelebi, Lâdikli“, in: TDV İslâm Ansiklopedisi, Band 28, Istanbul 2003, S. 449.
- Recep Uslu: „er-Risâletü’l-Fethiyye“, in: TDV İslâm Ansiklopedisi, Band 35, Istanbul 2008, S. 126–127.
- Recep Uslu: „Zeynü’l-Elhân“, in: TDV İslâm Ansiklopedisi, Band 44, Istanbul 2013, S. 373–375.
- Recep Uslu: „Lâdikli Mehmed Çelebi Üzerindeki Şüpheler“, in: Musiki Mecmuası, Nr. 462, 1998, S. 33–38.
- Recep Uslu: „XV. Yüzyılda Yazılmış Türkçe Musiki Nazariyatı Eserleri“, in: Türklük Araştırmaları Dergisi, Band 36, 2000, S. 462–463.
- Ruhi Kalender: XV. Yüzyılda Musiki Kuramı ve Zeynü’l-Elhân fi İlmi’t-Te’lîf ve’l-Evzân. Unveröffentlichte Dissertation, Ankara Üniversitesi, Ankara 1982.
- Hakkı Tekin: Ladikli Mehmed Çelebi ve er-Risâletü’l-Fethiyye’si. Unveröffentlichte Dissertation, Niğde Üniversitesi, Niğde 1999.
- Ahmet Pekşen: Zeynü’l-Elhân İsimli Eserin Metin ve Sözlük Çalışması: Lâdikli Mehmed Çelebi. Unveröffentlichte Magisterarbeit, İstanbul Üniversitesi, Istanbul 2002.
- Havva Kızılçardak: Lâdikli Mehmet Çelebi’nin Türkçe Zübdetü’l-Beyân Adlı Mantık Eseri Üzerine Bir İnceleme. Unveröffentlichte Magisterarbeit, Marmara Üniversitesi, Istanbul 2010.
- Oya Levendoğlu Öner: „Makam descriptions, classifications in 15th century music during Ottoman period and a theorist of passing period: Ladikli Mehmet Çelebi“, in: Journal of Human Sciences, Band 8, Nr. 2, 2011, S. 794–816.
- Özgen Küçükgökçe: „Lâdikli Mehmed Çelebi’nin Zeynü’l Elhân ve er-Risâletü’l Fethiyye Eserlerindeki Şûbelerin Benzerlik ve Farklılıkları“, in: Eurasian Studies Journal, Jahrgang 2019, Nr. 11.
- Rauf Yekta Bey: „Lâdikli Mehmed Efendi“, in: Anadolu Mecmuası, Jahrgang 1, Nr. 1, 1340, S. 9–14.
- Mehmet Suphi Ezgi: Nazarî-Amelî Türk Musikisi. Istanbul 1933 ff.
- Rodolphe d’Erlanger: La musique arabe. Band IV. Paris 1939, mit französischer Übersetzung der Risâletü’l-fetḥiyye.
- Menûbî es-Senûsî: Französische Übersetzung der Risâletü’l-fetḥiyye, veröffentlicht in Rodolphe d’Erlangers La musique arabe.
- Henry George Farmer: The Sources of Arabian Music. Leiden 1965.
- Henry George Farmer: A History of Arabian Music to the XIIIth Century. London 1929; spätere Nachdrucke.
- Amnon Shiloah: The Theory of Music in Arabic Writings (c. 900–1900). München: Henle, 1979.
- Gültekin Oransay: Studien und Sammlungen zu Makam- und Usûl-Listen in türkischen und islamischen Musiktraktaten.
- Bülent Aksoy: „Onbeşinci Yüzyılda Türk Çalgıları“, in: Musiki Mecmuası, Nr. 417, 1987, S. 15–17.
- M. Cihat Can: XV. Yüzyıl Türk Mûsikisi Nazariyâtı: Ses Sistemi. Dissertation, Marmara Üniversitesi, 2001.
- Ekmeleddin İhsanoğlu u. a.: Osmanlı Mûsikî Literatürü Tarihi. Istanbul 2003.
- Nuri Özcan: „Osmanlılar’da Musikî“, in: Osmanlı Ansiklopedisi, Band 3, Istanbul 1993, S. 217.
- Abbas al-ʿAzzāwī: al-Mūsīqā al-ʿIrāqiyya fī ʿahd al-Moġūl wa-t-Türkmān. Bagdad 1951.
- Keşfü’ẓ-ẓunûn, Band II, S. 1236–1237.
- Bursalı Mehmed Tahir: Osmanlı Müellifleri, Band II, S. 51.
- R. G. Kiesewetter: Die Musik der Araber. Leipzig 1842.
- Xavier M. Collangettes: Artikel und Studien zur arabischen Musikgeschichte, besonders in älteren französischen enzyklopädischen Zusammenhängen.
- Owen Wright: Arbeiten zu Safiyyüddīn al-Urmawī, ʿAbd al-Qādir al-Marāġī und der Systematiker-Schule.
- Eckhard Neubauer: Studien zur arabischen und persischen Musiktheorie des Mittelalters.
- George Dimitri Sawa: Arbeiten zur arabischen Musiktheorie, Rhythmik und Aufführungspraxis.
- Walter Feldman: Music of the Ottoman Court. Berlin: VWB, 1996.
- Cem Behar: Studien zur osmanischen Musik, Makamkultur und Schriftüberlieferung.
- Judith I. Haug und Ralf Martin Jäger, Hrsg.: Forschungen zur osmanischen Musiktheorie und Handschriftenkultur.
Onlinequellen
- TDV İslâm Ansiklopedisi: Mehmed Çelebi, Lâdikli
- TDV İslâm Ansiklopedisi: Zeynü’l-Elhân
- TDV İslâm Ansiklopedisi: er-Risâletü’l-Fethiyye
- İslam Düşünce Atlası: Lâdikli Mehmet Çelebi
- Journal of Human Sciences: Oya Levendoğlu Öner, Makam descriptions and Ladikli Mehmet Çelebi
- Eurasian Studies Journal: Lâdikli Mehmed Çelebi’nin Zeynü’l Elhân ve er-Risâletü’l Fethiyye Eserlerindeki Şûbeler
- DergiPark: Lâdikli Mehmed Çelebi’nin er-Risâletü’l-Fethiyye fi’l-Mûsîkâ adlı eseri üzerine çalışma
- YÖK Ulusal Tez Merkezi: Ladikli Mehmed Çelebi tez araması
- Edirne Kültür Sanat Derneği: Ladikli Mehmed Çelebi
- Ondokuz Mayıs Üniversitesi: Ladikli, Risâletü’l-Fethiyye PDF
- WorldCat-Suche: Ladikli Mehmed Çelebi
- WorldCat-Suche: Zeynü’l-Elhân Ladikli
- WorldCat-Suche: Risâletü’l-Fethiyye Ladikli
- WorldCat-Suche: Muhammad ibn Abdulhamid al-Ladhiqi
- WorldCat-Suche: Laḏiqli Mehmed Çelebi
- VIAF-Suche: Ladikli Mehmed Çelebi
- VIAF-Suche: Ladikli Mehmet Çelebi
- İstanbul Üniversitesi Kütüphane Kataloğu
- Süleymaniye Yazma Eser Kütüphanesi
- Türkiye Yazma Eserler Kurumu Başkanlığı
- Millî Kütüphane Katalogu
- Nuruosmaniye Yazma Eser Kütüphanesi
- İBB Atatürk Kitaplığı
- Konya Mevlânâ Müzesi und regionale Handschriftenbestände
- Al-Furqan Islamic Heritage Foundation
- Islamic Manuscripts: Ressourcen zu islamischen Handschriften
- Qatar Digital Library
- Library of Congress
- British Library
- Gallica: digitale Bestände der Bibliothèque nationale de France
- Bibliothèque nationale de France: Data BnF
- RILM Abstracts of Music Literature
- RILM Music Encyclopedias
- Oxford Music Online
- MGG Online
- JSTOR-Suche: Ladikli Mehmed Çelebi
- JSTOR-Suche: Zeynü’l-Elhân
- JSTOR-Suche: Risâletü’l-Fethiyye
- Cambridge Core: Suche Ladikli Mehmed Çelebi
- Brill: Suche Ladikli Mehmed Çelebi
- Oxford Academic: Suche Ladikli Mehmed Çelebi
- Wikipedia englisch: Ladikli Mehmed Çelebi
- Wikipedia türkisch: Lâdikli Mehmed Çelebi
Weiterführende Einträge
- Edvâr Gattung islamischer und osmanischer Musiktraktate, in denen Tonordnungen, Makame, Rhythmen und Kreise systematisch erklärt werden.
- Osmanische Musiktheorie Theoriegeschichte der osmanischen Kunstmusik zwischen Edvâr-Tradition, Makam, Usûl, Hofkultur und Handschrift.
- Türkische Musiktheorie Fachtradition, in der al-Lāḏiqī als früher Autor türkischer und arabischer Musiktraktate besondere Bedeutung besitzt.
- Zeynü’l-elḥân Erstes musiktheoretisches Hauptwerk al-Lāḏiqīs über Tonordnung, Makame, Âvâzen, Şûben, Terkibe und Usûl.
- er-Risâletü’l-fetḥiyye Arabisches Musiktraktat al-Lāḏiqīs, das um 1484/85 entstand und die osmanische Makam- und Îkâʿ-Theorie systematisiert.
- Zübdetü’l-beyân Türkisches Logikwerk al-Lāḏiqīs, das seine madrasa-gelehrte Seite neben der Musiktheorie zeigt.
- Makam Melodisch-modale Ordnung der arabischen, persischen und türkischen Kunstmusik, bei al-Lāḏiqī in der Edvâr-Systematik behandelt.
- Usûl Rhythmischer Zyklus der osmanischen Musik, bei al-Lāḏiqī mit Îkâʿ-Lehre und praktischer Schlagordnung verbunden.
- Îkâʿ Ältere arabisch-persische Rhythmuslehre, die in al-Lāḏiqīs Werken mit osmanischen Usûl-Strukturen vermittelt wird.
- Âvâze Modale Kategorie der mittelalterlichen Musiktheorie zwischen Makam, Şûbe und Terkib.
- Şûbe Modale Unterabteilung in der Edvâr-Tradition, bei al-Lāḏiqī in unterschiedlicher Zahl und Ordnung behandelt.
- Terkib Zusammengesetzte modale Form, wichtig für die Erweiterung und Differenzierung der Makamlehre.
- Perde Tonort oder Griffstelle in der osmanisch-türkischen Musiktheorie und zentrale Kategorie der Saitenteilung.
- Naġme Ton oder musikalische Tonstufe in der arabisch-persischen und osmanischen Musikterminologie.
- Intervall Abstand zwischen zwei Tönen, bei al-Lāḏiqī über Verhältnislehre, Bakiye, Tanînî und Mücennep bestimmt.
- Bakiye Kleines Intervall der Systematiker-Schule, wichtig für die siebzehnstufige Tonordnung.
- Tanînî Intervalltyp der mittelalterlichen Musiktheorie, der in al-Lāḏiqīs Tonsystem eine tragende Rolle spielt.
- Mücennep Intervallkategorie der Systematiker, zentral für die feine Einteilung der makamischen Tonordnung.
- Ṣafiyyüddīn al-Urmawī Musiktheoretiker des 13. Jahrhunderts, dessen siebzehnstufiges Tonsystem al-Lāḏiqīs Theorie prägt.
- Kitāb al-Adwār Grundlegendes Musiktraktat Safiyyüddīn al-Urmawīs und Ausgangspunkt der späteren Edvâr-Tradition.
- Abū Naṣr Muḥammad al-Fārābī Philosoph und Musiktheoretiker, dessen Musikdenken zu den Grundlagen der mittelalterlichen Systemtheorie gehört.
- ʿAbd al-Qādir al-Marāġī Musiktheoretiker und Komponist des frühen 15. Jahrhunderts, dessen Makam- und Usûl-Systematik al-Lāḏiqī vorausliegt.
- Iḫwān aṣ-Ṣafāʾ Enzyklopädischer Gelehrtenkreis, dessen Musikbrief die kosmologische und mathematische Musikauffassung beeinflusste.
- Systematiker-Schule Musiktheoretische Tradition nach Safiyyüddīn al-Urmawī, geprägt durch Tonordnung, Dairen, Intervalle und Makamkreise.
- Amasyaner Prinzenhof Kulturelles Umfeld Bayezids II., in dem Gelehrte, Musiker und Dichter eine wichtige Rolle spielten.
- Bayezid II. Osmanischer Sultan und Mäzen, dem al-Lāḏiqī seine Werke widmete.
- Fatih Sultan Mehmed Osmanischer Sultan, dessen Zeit den Übergang zur spätmittelalterlichen osmanischen Hof- und Wissenschaftskultur prägte.
- Istanbul als Musikzentrum Osmanische Hauptstadt und wichtiger Ort der Hofmusik, Musiktheorie, Handschriftenkultur und Gelehrsamkeit.
- Amasya Osmanischer Prinzen- und Bildungsort, mit dem al-Lāḏiqīs Herkunfts- und Hofkontext verbunden ist.
- Lâdik Ort im damaligen Amasyaer Raum, wahrscheinlich Herkunftsort Laḏiqli Mehmed Çelebis.
- Latakia Syrisches Lāḏiqiyya, ältere, heute schwächer bewertete Zuweisung von al-Lāḏiqīs Herkunft.
- Osmanische Handschriftenkultur Überlieferung, Abschrift, Widmung und Benutzung musikalischer und gelehrter Texte im Osmanischen Reich.
- Musikphilologie Untersuchung musikalischer Quellen, Handschriften, Varianten, Editionen und Terminologien.
- Arabische Musiktheorie Theorietradition zu Ton, Intervall, Rhythmus, Maqām, Instrument und Musik als mathematischer Wissenschaft.
- Persische Musiktheorie Theoretische Tradition zwischen iranischem, arabischem, zentralasiatischem und osmanischem Musikdenken.
- Türkische Kunstmusik Osmanisch-türkische Kunstmusiktradition, deren ältere Theoriequellen al-Lāḏiqīs Werke wesentlich erhellen.
- Rauf Yekta Bey Türkischer Musiktheoretiker des 20. Jahrhunderts, der al-Lāḏiqī für die moderne Theoriegeschichte wieder sichtbar machte.
- Mehmet Suphi Ezgi Türkischer Musiktheoretiker, der ältere Edvâr-Quellen in seine Darstellung der türkischen Musiktheorie einbezog.
- Henry George Farmer Musikhistoriker, der al-Lāḏiqī in der internationalen Forschung zur arabisch-islamischen Musiktheorie berücksichtigte.
- Amnon Shiloah Musikhistoriker und Bibliograph der arabischen Musiktheorie, dessen Werk al-Lāḏiqī in den größeren Quellenbestand einordnet.
- Recep Uslu Musikhistoriker, der die neuere quellenkritische Einordnung al-Lāḏiqīs wesentlich geprägt hat.
- Oya Levendoğlu Öner Musikwissenschaftlerin, die al-Lāḏiqīs Makamdefinitionen im Übergang des 15. Jahrhunderts untersucht hat.
- Özgen Küçükgökçe Forscherin zu al-Lāḏiqīs Şûbe-Ordnungen in Zeynü’l-elḥân und er-Risâletü’l-fetḥiyye.
- Rodolphe d’Erlanger Herausgeber von La musique arabe, in dessen Reihe eine französische Übersetzung der Risâletü’l-fetḥiyye erschien.
- Kulturelle Übersetzung Übertragung von Wissensformen, Begriffen und Theorien zwischen arabischer, persischer und türkischer Gelehrtenkultur.
- Wissenschaftssprache Fachsprachliche Ordnung, in der al-Lāḏiqī Musik und Logik auf Arabisch und Türkisch formulierte.
- Musik und Mathematik Zusammenhang von Saitenteilung, Intervallproportion, Rhythmuszeit und musikalischer Ordnung.
- Musik und Hofkultur Rolle musikalischen Wissens an Herrscherhöfen zwischen Prestige, Bildung, Zeremoniell und Mäzenatentum.
- Musik und Wirkung Lehre von der Wirkung der Melodien auf Mensch, Zeit, Temperament und Stimmung.
- Logik im Osmanischen Reich Madrasa-Disziplin, zu der al-Lāḏiqī mit Zübdetü’l-beyân einen türkischen Beitrag leistete.