Abū Naṣr Muḥammad al-Fārābī

Philosoph, Logiker, Naturwissenschaftler, politischer Denker und Musiktheoretiker des 10. Jahrhunderts.

Abū Naṣr Muḥammad al-Fārābī, arabisch أبو نصر محمد الفارابي, vollständig meist Abū Naṣr Muḥammad ibn Muḥammad ibn Ṭarḫān al-Fārābī, in der lateinischen Tradition Alfarabius, Alpharabius, Avenassar oder Avennasar, wurde um 870 in Wasīǧ im Raum der Stadt Fārāb in Transoxanien geboren und starb 950 in Damaskus. Die Einzelheiten seiner Herkunft, seines ethnischen Hintergrunds und seiner frühen Biographie sind unsicher; die Forschung geht nur von einem knappen gesicherten Lebensgerüst aus. Al-Fārābī war einer der einflussreichsten Philosophen der arabisch-islamischen Welt, wurde wegen seiner Aristoteles-Deutung als „zweiter Lehrer“ nach Aristoteles bezeichnet und gehört zugleich zu den bedeutendsten Musiktheoretikern des Mittelalters.

Kurzübersicht

Name Abū Naṣr Muḥammad al-Fārābī.
Arabische Namensform أبو نصر محمد الفارابي.
Vollständige Namensform Abū Naṣr Muḥammad ibn Muḥammad ibn Ṭarḫān al-Fārābī; ältere Formen nennen zusätzlich oder abweichend Awzalagh, Uzlugh oder verwandte Namensbestandteile.
Lateinische Namensformen Alfarabius, Alpharabius, Avenassar, Avennasar.
Weitere Namensformen Alfarabi, El Farati, al-Farabi, al-Fārābī, Abū Naṣr al-Fārābī.
Geburtsdatum Um 870; ältere Nachschlagewerke nennen gelegentlich leicht abweichende Ansätze.
Geburtsort Wasīǧ im Gebiet von Fārāb in Transoxanien; moderne Identifikationen verweisen auf den Raum Otrar beziehungsweise Turkestan, doch ist die genaue Lokalisierung quellenkritisch zu behandeln.
Sterbedatum 950, in manchen Quellen 950/951.
Sterbeort Damaskus; die letzten Lebensjahre werden mit Syrien, Damaskus, Aleppo und dem Umfeld Sayf al-Dawlas verbunden.
Beruf Philosoph, Logiker, politischer Denker, Naturwissenschaftler, Musiktheoretiker, Mathematiker und polygelehrter Autor.
Ehrenname „Zweiter Lehrer“ beziehungsweise al-muʿallim al-thānī, da Aristoteles als erster Lehrer galt.
Zentrale Disziplinen Logik, Metaphysik, politische Philosophie, Ethik, Wissenschaftslehre, Sprachphilosophie, Psychologie, Mathematik, Musiktheorie, Naturphilosophie und Klassifikation der Wissenschaften.
Musiktheoretisches Hauptwerk Kitāb al-mūsīqā al-kabīr, das „Große Buch der Musik“, eines der bedeutendsten Musiktraktate der mittelalterlichen islamischen Welt.
Philosophische Hauptwerke Iḥṣāʾ al-ʿulūm, Ārāʾ ahl al-madīna al-fāḍila, al-Siyāsa al-madaniyya, Risāla fī l-ʿaql, Kitāb al-Ḥurūf, Taḥṣīl al-saʿāda, Kitāb al-Milla und zahlreiche logische Schriften.
Kulturelle Bedeutung Al-Fārābī verband griechische Philosophie, arabische Wissenschaftskultur, aristotelische Logik, politische Theorie und Musiktheorie zu einem systematischen Wissensentwurf, der die islamische und lateinische Gelehrsamkeit nachhaltig prägte.

Leben und Quellenlage

Über das Leben al-Fārābīs ist vergleichsweise wenig sicher bekannt. Die biographischen Nachrichten stammen teils aus späteren arabischen Autoren, teils aus knappen Hinweisen in Manuskripten und aus indirekten Überlieferungen. Die Forschung betont daher immer wieder, dass viele Einzelheiten seines Lebens mit Vorsicht zu behandeln sind. Dazu gehören Herkunft, ethnische Zuordnung, frühe Ausbildung, genaue Reiseroute und manche spätere Anekdoten über Askese, Hofleben oder musikalische Virtuosität.

Als wahrscheinlich gilt, dass al-Fārābī um 870 im Raum Fārāb in Transoxanien geboren wurde und in jungen Jahren nach Irak, besonders nach Bagdad, gelangte. Bagdad war im 10. Jahrhundert ein Zentrum der Übersetzungsbewegung, der aristotelischen Logik, der theologischen Debatte, der Medizin, der Mathematik und der Musiktheorie. Dort konnte al-Fārābī die griechische philosophische Tradition in arabischer und syrischer Vermittlung aufnehmen und zu einem eigenen System ausbauen.

Später hielt er sich in Syrien auf, besonders im Umfeld von Aleppo und Damaskus. Mit dem hamdanidischen Herrscher Sayf al-Dawla wird seine späte Lebensphase verbunden. Sein Tod wird gewöhnlich mit Damaskus im Jahr 950 angesetzt, gelegentlich 950/951. Diese letzte syrische Phase ist deshalb wichtig, weil al-Fārābī nicht nur als Buchgelehrter, sondern auch als wandernder Intellektueller zwischen den großen Zentren der islamischen Welt erscheint.

Die Unsicherheit seiner Biographie mindert seine geistige Bedeutung nicht. Im Gegenteil: Sie zeigt, dass al-Fārābī weniger durch eine detailreiche Lebensgeschichte als durch seine Texte, seine systematische Kraft und seine Nachwirkung greifbar ist. Sein Werk wurde für spätere Philosophen, besonders Ibn Sīnā, für die lateinische Scholastik, für die arabisch-islamische Wissenschaftsordnung und für die Musiktheorie weit wichtiger als die Einzelheiten seines Lebens.

Lebensstationen

Um 870 Geburt im Raum Fārāb beziehungsweise Farayb in Transoxanien; die genaue Lokalisierung und die genealogischen Details sind umstritten.
Jugend und frühe Ausbildung Vermutlich Ausbildung in den östlichen Regionen der islamischen Welt; nähere Einzelheiten sind nicht sicher belegt.
Bagdad Aufenthalt in einem der wichtigsten Zentren der aristotelischen Logik, Übersetzungskultur, Philosophie und Wissenschaft des 10. Jahrhunderts.
Logische Studien Intensive Auseinandersetzung mit Aristoteles, der spätantiken Kommentarliteratur, syrisch-arabischer Vermittlung und der systematischen Ordnung der Wissenschaften.
Musiktheoretische Arbeit Abfassung des Kitāb al-mūsīqā al-kabīr auf Wunsch eines hohen Funktionsträgers im Bagdader Umfeld; Verbindung von griechischer Theorie, arabischer Praxis und eigener logischer Systematik.
Syrien Aufenthalt in Syrien, besonders in Aleppo und Damaskus, im Umfeld des hamdanidischen Herrschers Sayf al-Dawla.
950 Tod in Damaskus; manche Quellen geben 950/951 an.
Spätere Rezeption Wirkung als „zweiter Lehrer“ in der islamischen Philosophie, als Vorläufer Ibn Sīnās und als bedeutender Musiktheoretiker der mittelalterlichen Welt.

Philosophisches Profil

Al-Fārābīs philosophisches Profil beruht auf dem Versuch, die griechische Wissenschafts- und Philosophieüberlieferung in arabischer Sprache neu zu ordnen. Er behandelte Philosophie nicht als lose Sammlung von Themen, sondern als systematischen Weg zur Wahrheit. Logik, Sprache, Naturphilosophie, Mathematik, Metaphysik, Ethik, Politik und Musik gehören bei ihm in eine abgestufte Ordnung der Wissenschaften. Diese Ordnung ist nicht nur pädagogisch, sondern auch metaphysisch und politisch gemeint.

Seine besondere Leistung liegt in der Logik. Al-Fārābī verstand Aristoteles’ Organon als Werkzeug wissenschaftlicher Begründung. Demonstration, Dialektik, Rhetorik, Poetik und Sophistik sind bei ihm nicht bloß technische Disziplinen, sondern Formen des Denkens, Überzeugens und Erkennens. Durch diese logische Grundlegung wurde er für spätere islamische Philosophen zu einer maßgeblichen Autorität.

In der politischen Philosophie verband al-Fārābī platonische und aristotelische Traditionen. Sein berühmtes Konzept der tugendhaften Stadt fragt, wie menschliches Glück, Erkenntnis, Herrschaft, Religion, Gesetz und Gemeinschaft zueinander stehen. Die ideale Ordnung einer Stadt hängt für ihn von der Leitung durch einen vollkommenen, wissenden und tugendhaften Menschen ab. Religion erscheint dabei nicht als bloßer Gegensatz zur Philosophie, sondern als symbolische Vermittlung von Wahrheiten an eine größere Gemeinschaft.

In der Metaphysik entwickelte al-Fārābī eine Lehre von den Prinzipien des Seins, von Intellekten, Emanation, Erkenntnis und kosmischer Ordnung. Er bereitete damit wesentliche Denkformen vor, die bei Ibn Sīnā weiter ausgearbeitet wurden. In diesem Sinn steht al-Fārābī am Anfang einer philosophischen Linie, die Aristoteles, Platon, spätantike Neuplatonik, arabische Sprache und islamische Gelehrsamkeit miteinander verschränkt.

Musiktheoretisches Profil

Al-Fārābī ist einer der bedeutendsten Musiktheoretiker des Mittelalters. Sein Kitāb al-mūsīqā al-kabīr geht weit über eine bloße Darstellung von Tonleitern oder Intervallen hinaus. Es untersucht den Ursprung des Tons, die Wahrnehmung musikalischer Relationen, die mathematische Beschreibung von Intervallen, die Theorie der Melodie, die Rhythmik, die Instrumente, die menschliche Stimme, die Verbindung von Sprache und Musik sowie die Wirkungen musikalischer Formen.

Besonders wichtig ist, dass al-Fārābī griechische Theorie nicht unkritisch übernahm. Er kannte die pythagoreische und aristoxenische Tradition, die in arabischer Übersetzung verfügbar war, erkannte aber ihre Grenzen für die Musik seiner eigenen Zeit. Deshalb verbindet sein Werk griechische Wissenschaftssprache mit der tatsächlichen Musikpraxis des frühen ʿAbbāsidenraums, besonders aus Irak, Persien und Transoxanien.

Al-Fārābī war zugleich Logiker und praktischer Musikkenner. Diese Kombination ist entscheidend. Als Logiker suchte er klare Definitionen, methodische Ordnung und begriffliche Präzision. Als Kenner musikalischer Praxis wusste er, dass Musik nicht auf abstrakte Zahlenverhältnisse reduziert werden kann. Seine Theorie versucht deshalb, mathematische, akustische, instrumentale, sprachliche und performative Gesichtspunkte zusammenzubringen.

Sein Musikdenken zeigt eine auffällige Nähe zur Sprach- und Dichtungstheorie. Musik wird nicht nur als Klang betrachtet, sondern als geordnete Bewegung, als Zeitstruktur, als Ausdruck, als Verhältnis von Stimme, Atem, Silbe, Rhythmus und Bedeutung. Gerade darin liegt seine kulturgeschichtliche Bedeutung: Er macht Musik zu einer Wissenschaft, ohne sie aus der Praxis herauszulösen.

Das Kitāb al-mūsīqā al-kabīr

Das Kitāb al-mūsīqā al-kabīr, das „Große Buch der Musik“, ist al-Fārābīs musiktheoretisches Hauptwerk. Es wurde für Abū Jaʿfar Muḥammad ibn al-Qāsim al-Karḫī, den Wesir des Kalifen al-Rāḍī, verfasst, der eine Darstellung der Musik nach der Wissenschaft der Alten wünschte. Al-Fārābī nahm diesen Anlass zum Ausgangspunkt einer umfassenden Neuordnung der Musiktheorie.

Das Werk war nach der Überlieferung auf zwei Bücher angelegt. Das zweite, als kritische Auseinandersetzung mit früheren Autoren gedachte Buch, ist verloren oder vielleicht nie vollendet worden. Das erhaltene erste Buch besteht aus einer Einleitung und einem Hauptteil. Die Einleitung behandelt Grundfragen der Musik, der Melodie, der Akustik und der philosophischen Begründung der Disziplin. Der Hauptteil entwickelt die theoretischen Elemente, die Instrumentenlehre und die Kompositions- beziehungsweise Aufführungspraxis.

Ein besonders innovativer Abschnitt behandelt die Instrumente. Al-Fārābī beschreibt unter anderem ʿŪd, Bagdader und chorasanischen Ṭunbūr, Mizmār, Surnāy, Rabāb, Miʿzafa und Ṣanj. Er fragt dabei nicht nur, wie diese Instrumente aussehen, sondern wie auf ihnen Tonordnungen realisiert werden können. Damit verbindet er abstrakte Theorie mit konkreter instrumentaler Technik.

Ebenso wichtig ist die Rhythmik. Al-Fārābī bestimmte den Rhythmus als Bewegung durch Töne innerhalb bestimmter Dauern und Proportionen. Die Schwierigkeit seines Rhythmuskapitels ist in der Forschung häufig hervorgehoben worden; gerade daraus erklärt sich, dass er seine rhythmische Theorie in gesonderten Schriften überarbeitete. Das zeigt eine wissenschaftliche Haltung, die eigene Begriffsbildungen überprüft und korrigiert.

Wissenschaftssystem und Musik

Al-Fārābīs Musiktheorie ist nicht isoliert zu verstehen. In seiner Iḥṣāʾ al-ʿulūm, der „Aufzählung der Wissenschaften“, ordnet er Musik in ein umfassendes System des Wissens ein. Musik gehört in den Zusammenhang mathematischer Wissenschaften, besitzt aber zugleich praktische, psychologische, sprachliche und ethische Dimensionen. Sie ist für al-Fārābī daher weder bloße Unterhaltung noch bloße Zahlentheorie.

Diese systematische Einordnung erklärt, weshalb das Kitāb al-mūsīqā al-kabīr mit Begriffen aus Arithmetik, Geometrie, Akustik, Logik, Grammatik, Prosodie, Rhetorik und Poetik arbeitet. Al-Fārābī nutzt die Nachbardisziplinen, um Musik präzise beschreibbar zu machen. Er überträgt Begriffe, vergleicht Strukturen und sucht eine Sprache, die dem nichtsprachlichen Gegenstand Musik dennoch gerecht wird.

Musik ist bei ihm eine Wissenschaft der geordneten Klangbewegung. Sie besitzt theoretische Teile, die erklären, was Töne, Intervalle, Dauern und Melodien sind, und praktische Teile, die zeigen, wie diese Elemente erzeugt, gespielt, gesungen und komponiert werden. Dadurch unterscheidet sich seine Musiklehre von rein spekulativen Ansätzen, die Musik allein aus Zahlenverhältnissen erklären wollten.

Instrumentenlehre und Aufführungspraxis

Die Instrumentenlehre des Kitāb al-mūsīqā al-kabīr ist kulturgeschichtlich besonders wertvoll, weil sie nicht nur abstrakte Theorie, sondern konkrete musikalische Praxis des 10. Jahrhunderts dokumentiert. Al-Fārābī beschreibt Saiten-, Blas- und Schlaginstrumente, fragt nach Tonerzeugung, Griffordnung, Stimmung, Tonvorrat und nach der Realisierbarkeit theoretischer Intervalle auf realen Instrumenten.

Der ʿŪd nimmt dabei eine herausgehobene Rolle ein, weil er im arabisch-islamischen Musikdenken häufig als Modellinstrument für Intervall- und Griffsysteme diente. Daneben bespricht al-Fārābī verschiedene Ṭunbūr-Typen, Mizmār, Surnāy, Rabāb, Miʿzafa und Ṣanj. Solche Abschnitte sind für die historische Organologie des Vorderen Orients von hoher Bedeutung.

Die Instrumentenlehre zeigt, dass al-Fārābī die Kluft zwischen Theorie und Praxis methodisch überwinden wollte. Eine Theorie, die auf dem Instrument nicht realisiert werden kann, bleibt für ihn unvollständig. Umgekehrt wird ein Instrument erst dann wissenschaftlich interessant, wenn seine Tonmöglichkeiten, Grenzen, Proportionen und musikalischen Funktionen begriffen werden.

Werküberblick

Logik Al-Fārābī verfasste zahlreiche Schriften zu Aristoteles’ Organon, zu Kategorien, Interpretation, Syllogistik, Demonstration, Dialektik, Rhetorik, Poetik und Sophistik.
Sprachphilosophie Werke wie Kitāb al-Ḥurūf und Kitāb al-Alfāẓ al-mustaʿmala fī l-manṭiq behandeln das Verhältnis von Sprache, Bedeutung, Logik und philosophischem Denken.
Wissenschaftslehre Iḥṣāʾ al-ʿulūm ordnet die Wissenschaften und wurde in der arabischen, hebräischen und lateinischen Tradition folgenreich.
Metaphysik Schriften zu den Prinzipien der Dinge, zum Intellekt, zur Glückseligkeit und zur Seinsordnung verbinden Aristotelismus und neuplatonische Motive.
Politische Philosophie Ārāʾ ahl al-madīna al-fāḍila, al-Siyāsa al-madaniyya, Fuṣūl al-madanī und Kitāb al-Milla behandeln Stadt, Gesetz, Religion, Herrschaft und Glück.
Musiktheorie Kitāb al-mūsīqā al-kabīr, Kitāb al-Īqāʿāt und Kitāb iḥṣāʾ al-īqāʿāt stehen im Zentrum seiner musiktheoretischen Bedeutung.
Mathematik und Naturwissenschaft Al-Fārābī behandelte mathematische und naturphilosophische Fragen im Rahmen der antiken und arabischen Wissenschaftssystematik.
Kommentartradition Zahlreiche Arbeiten beziehen sich auf Aristoteles, Platon und spätantike Philosophie; manche Zuschreibungen sind quellenkritisch unsicher.

Werkverzeichnis

Das Werkverzeichnis al-Fārābīs ist wegen der Handschriftenlage, der arabischen Titelformen, der lateinischen Übersetzungen, der Zuschreibungsprobleme und der späteren Rezeptionsgeschichte quellenkritisch zu behandeln. Die folgende Übersicht nennt die wichtigsten gesicherten, häufig überlieferten oder in der Forschung maßgeblichen Werke und Werkgruppen. Nicht jeder Titel ist in gleicher Weise erhalten, ediert oder eindeutig al-Fārābī zuzuschreiben.

Musiktheoretische Werke

Kitāb al-mūsīqā al-kabīr Das „Große Buch der Musik“; Hauptwerk zur Musiktheorie, Akustik, Melodie, Instrumentenlehre, Rhythmik, Komposition, Stimme, Sprache und Aufführungspraxis.
Kitāb al-Īqāʿāt Schrift über rhythmische Modi beziehungsweise rhythmische Zyklen; im Zusammenhang mit der Überarbeitung der Rhythmuslehre des großen Musikbuches zu sehen.
Kitāb iḥṣāʾ al-īqāʿāt „Aufzählung der Rhythmen“ beziehungsweise Systematisierung rhythmischer Formen; ergänzt und korrigiert die schwierigen Rhythmusabschnitte des Hauptwerks.
Abschnitte zur Musik in Iḥṣāʾ al-ʿulūm Einordnung der Musik in die Klassifikation der Wissenschaften; wichtig für das Verhältnis von Musik, Mathematik und Praxis.
Verlorene oder nicht vollendete zweite Abteilung des Musikbuchs Als kritische Auseinandersetzung mit früheren Musiktheoretikern geplant; nach der Überlieferung verloren oder nicht ausgeführt.

Wissenschaftslehre und Klassifikation

Iḥṣāʾ al-ʿulūm „Aufzählung der Wissenschaften“; systematische Einteilung von Sprache, Logik, Mathematik, Naturwissenschaft, Metaphysik, politischer Wissenschaft, Rechtswissenschaft und Theologie.
Kitāb al-Tanbīh ʿalā sabīl al-saʿāda „Hinweis auf den Weg zur Glückseligkeit“; Verbindung von Ethik, Erkenntnis, Tugend und Lebensführung.
Taḥṣīl al-saʿāda „Erlangung der Glückseligkeit“; behandelt Wissen, Tugend, Philosophie, Politik und das höchste Ziel des Menschen.
Kitāb al-Milla „Buch der Religion“; behandelt das Verhältnis von philosophischer Wahrheit, religiöser Darstellung, Gesetz und politischer Gemeinschaft.

Politische Philosophie und Ethik

Ārāʾ ahl al-madīna al-fāḍila „Meinungen der Bewohner der tugendhaften Stadt“; Hauptwerk zur idealen politischen Ordnung, zur Seinsordnung, zum Glück und zur Leitung der Gemeinschaft.
al-Siyāsa al-madaniyya „Die politische Regierung“ beziehungsweise „Politische Ordnung“; behandelt Prinzipien der Seienden, politische Gemeinschaft und menschliches Ziel.
Fuṣūl al-madanī „Politische Aphorismen“; Sammlung von Abschnitten zu Ethik, politischer Ordnung, Tugend, Charakter und Herrschaft.
Kitāb al-Milla Auch politisch zu lesen, weil Religion als symbolische und gesetzgebende Ordnung innerhalb einer Gemeinschaft verstanden wird.
Kitāb al-Siyāsa Titel oder Werkgruppe zur Politik; einzelne Zuschreibungen und Textformen sind quellenkritisch zu prüfen.

Metaphysik, Intellekt und Psychologie

Risāla fī l-ʿaql „Abhandlung über den Intellekt“; zentrale Schrift zur Lehre vom Intellekt, von Erkenntnisstufen und geistiger Vollendung.
Maqāla fī aghrāḍ mā baʿd al-ṭabīʿa Schrift über die Ziele der Metaphysik; wichtig für die aristotelische Metaphysik-Rezeption.
al-Daʿāwā al-qalbiyya Schrift über innere Gewissheiten beziehungsweise geistige Behauptungen; Zuschreibung und Textgestalt sind in der Forschung zu prüfen.
ʿUyūn al-masāʾil „Quellen beziehungsweise Grundfragen“; kurze philosophische Zusammenfassung, deren Zuschreibung in Teilen diskutiert wird.
Fuṣūṣ al-ḥikam Al-Fārābī zugeschriebene Weisheitssprüche; die Authentizität und spätere Überlieferung sind quellenkritisch problematisch.

Logische Schriften

Kitāb al-Maqūlāt Schrift oder Kommentar zu den Kategorien des Aristoteles; behandelt Grundbegriffe der Aussage und der Seienden.
Kitāb al-ʿIbāra Schrift zur aristotelischen Interpretationstheorie; behandelt Aussage, Bedeutung, Wahrheit und sprachliche Form.
Kitāb al-Qiyās Schrift zum Syllogismus; behandelt Schlussformen, Beweisführung und logische Struktur.
Kitāb al-Burhān Schrift zur Demonstration; besonders wichtig für al-Fārābīs Wissenschaftsbegriff und die Theorie sicheren Wissens.
Kitāb al-Jadal Schrift zur Dialektik; behandelt Streitgespräch, wahrscheinliche Prämissen und argumentative Verfahren.
Kitāb al-Safsaṭa Schrift zur Sophistik; behandelt Scheinargumente, Täuschungen und fehlerhafte Schlussweisen.
Kitāb al-Khaṭāba Schrift zur Rhetorik; behandelt Überzeugung, Redeformen, Wirkung und nichtdemonstrative Argumentation.
Kitāb al-Shiʿr Schrift zur Poetik; behandelt Dichtung, Nachahmung, Vorstellungskraft und poetische Aussage.
Kitāb al-Alfāẓ al-mustaʿmala fī l-manṭiq „Buch der in der Logik verwendeten Ausdrücke“; wichtig für das Verhältnis von Sprache und Logik.
Kitāb al-Ḥurūf „Buch der Buchstaben“; großes sprachphilosophisch-logisches Werk zu Bedeutungen, Partikeln, Kategorien, Sprache und Philosophie.
al-Qiyās al-ṣaghīr Kleinere Schrift zum Syllogismus; Titel und Überlieferung gehören in die logische Werkgruppe.
Sharḥ Kitāb al-Burhān Kommentar beziehungsweise Auslegung zu Aristoteles’ Beweislehre; Textzustand und Überlieferung sind quellenkritisch zu prüfen.

Platon, Aristoteles und griechische Philosophie

Kitāb al-Jamʿ bayna raʾyay al-ḥakīmayn Schrift über die Übereinstimmung der beiden Weisen Platon und Aristoteles; behandelt die Harmonisierung platonischer und aristotelischer Philosophie.
Falsafat Aflāṭūn „Philosophie Platons“; Darstellung des platonischen philosophischen Wegs und seiner politischen Bedeutung.
Falsafat Arisṭūṭālīs „Philosophie des Aristoteles“; Darstellung von Aristoteles’ wissenschaftlicher und philosophischer Ordnung.
Talḫīṣ Nawāmīs Aflāṭūn Zusammenfassung beziehungsweise Behandlung von Platons Nomoi; wichtig für al-Fārābīs politische Philosophie.
Maqāla fī mā yanbaghī an yuqaddam qabla taʿallum al-falsafa Schrift darüber, was dem Studium der Philosophie vorausgehen soll; behandelt Voraussetzungen philosophischer Bildung.

Mathematik, Naturwissenschaft und verwandte Gebiete

Mathematische Wissenschaften in Iḥṣāʾ al-ʿulūm Behandlung von Arithmetik, Geometrie, Optik, Astronomie, Musik, Gewichten und mechanischen Wissenschaften im Rahmen der Wissenschaftsklassifikation.
Abschnitte zur Akustik im Kitāb al-mūsīqā al-kabīr Untersuchungen zur Tonentstehung, zu Schwingung, Angriff, Dauer, Intervall und Wahrnehmung.
Schriften zur Physik und Naturphilosophie Al-Fārābī behandelte naturphilosophische Themen im Rahmen der aristotelischen Wissenschaftsordnung; einzelne Titel sind in der Überlieferung unterschiedlich gesichert.
Astronomische und kosmologische Passagen Vor allem in metaphysischen und wissenschaftssystematischen Werken präsent; keine Reduktion auf Spezialastronomie, sondern Teil der kosmischen Ordnung.

Lateinische und hebräische Rezeption

De scientiis Lateinische Überlieferung der Iḥṣāʾ al-ʿulūm; wichtig für die mittelalterliche westliche Wissenschaftsklassifikation.
De intellectu et intellecto Lateinische Rezeption der Schrift über den Intellekt; wichtig für scholastische Diskussionen über Erkenntnis und Intellekt.
Alfarabius in der Scholastik Al-Fārābī wurde in der lateinischen Welt als Autor zu Logik, Wissenschaftslehre, Intellekt und politischer Theorie rezipiert.
Hebräische Übersetzungen Mehrere farabische Texte wurden in jüdisch-philosophischen Zusammenhängen gelesen, übersetzt oder diskutiert.

Unsichere, verlorene und zugeschriebene Werke

Verlorene Kommentare Mehrere Kommentare oder Erläuterungen zu aristotelischen Schriften sind nur indirekt bekannt oder nicht vollständig erhalten.
Zweites Buch des Kitāb al-mūsīqā al-kabīr Als kritischer Kommentar zu früheren Musiktheoretikern geplant; wahrscheinlich verloren oder nicht vollendet.
Pseudepigraphe Schriften In der späteren arabischen und lateinischen Überlieferung wurden al-Fārābī mehrere Texte zugeschrieben, deren Echtheit nicht gesichert ist.
Kleine Traktate Zahlreiche kurze Schriften und Traktate sind in Handschriften überliefert; ihre genaue Textgestalt, Echtheit und Chronologie bedürfen kritischer Editionen.

Ausführlicher Kulturüberblick

Al-Fārābī gehört zu den Gestalten, an denen sich die große Übersetzungs- und Systematisierungsleistung der arabisch-islamischen Gelehrsamkeit besonders deutlich zeigt. Er steht nicht nur für die Aufnahme griechischer Philosophie, sondern für ihre produktive Umgestaltung. Aristoteles, Platon, spätantike Kommentatoren, syrische Vermittler, arabische Sprachwissenschaft, islamische Theologie, mathematische Wissenschaft und Musikpraxis werden bei ihm nicht einfach nebeneinandergestellt, sondern in eine durchdachte Ordnung gebracht.

Sein Beiname „zweiter Lehrer“ ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Aristoteles galt als erster Lehrer, weil seine Philosophie als Maßstab wissenschaftlicher Ordnung verstanden wurde. Al-Fārābī wurde zum zweiten Lehrer, weil er diese Ordnung für die arabisch-islamische Welt neu zugänglich machte. Er erklärte, kommentierte, ordnete und erweiterte Aristoteles. Seine Leistung besteht daher nicht nur im Nachvollzug antiker Philosophie, sondern in der Schaffung einer neuen philosophischen Sprache.

Bagdad war dafür der entscheidende Raum. Die Stadt des 10. Jahrhunderts war ein Zentrum von Übersetzung, Debatte, Medizin, Mathematik, Astronomie, Theologie, Grammatik und Musik. Dort wurden griechische Texte über Syrisch und Arabisch rezipiert, kommentiert und in neue Diskussionszusammenhänge gestellt. Al-Fārābī konnte in diesem Milieu eine Philosophie entwickeln, die auf Demonstration, begrifflicher Klarheit und systematischer Wissenschaftsordnung beruhte.

Seine Musiktheorie ist Teil dieser allgemeinen Kulturbewegung. Das Kitāb al-mūsīqā al-kabīr ist nicht nur ein Spezialtraktat für Musiker, sondern ein Beispiel dafür, wie Musik in eine philosophische Wissenschaftskultur integriert werden kann. Musik wird bei al-Fārābī nicht auf Emotion, Unterhaltung oder praktische Fertigkeit reduziert. Sie wird zu einem Gegenstand, der mathematisch, akustisch, logisch, sprachlich, psychologisch und performativ untersucht werden kann.

Gleichzeitig verteidigt al-Fārābī die musikalische Praxis gegen eine zu abstrakte Spekulation. Er kritisiert griechische und arabische Vorgänger dort, wo ihre Theorie nicht zur realen Musik seiner Zeit passt. Darin liegt seine besondere Modernität. Er nimmt die Autorität der Alten ernst, aber er unterwirft die lebendige Musik nicht blind der überlieferten Theorie. Theorie muss an Praxis, Instrument, Stimme, Wahrnehmung und Aufführung rückgebunden werden.

Die Instrumentenabschnitte des großen Musikbuches zeigen das besonders klar. Al-Fārābī beschreibt reale Instrumente, reale Griffsysteme und reale klangliche Möglichkeiten. Für die Geschichte der arabischen und persisch-arabischen Musik ist dies unschätzbar, weil viele musikalische Praktiken des 10. Jahrhunderts sonst kaum so systematisch greifbar wären. Der ʿŪd, die Ṭunbūr-Typen, Blas- und Saiteninstrumente erscheinen bei ihm als Orte, an denen Theorie und handwerkliche Praxis einander begegnen.

Auch seine Rhythmuslehre ist kulturgeschichtlich bedeutsam. Al-Fārābī versucht, musikalische Zeit mit begrifflicher Präzision zu erfassen. Er unterscheidet den Angriff eines Tones von der Dauer zwischen Angriffen, beschreibt Zeitproportionen und sucht Symbole für rhythmische Maße. Das ist nicht nur musiktheoretisch, sondern auch wissenschaftsgeschichtlich relevant: Musik wird zum Labor der Zeitmessung, der Wahrnehmung und der Ordnung von Bewegung.

Seine politische Philosophie zeigt eine andere Seite derselben Systematik. Wie Musik aus geordneten Proportionen, Bewegungen und Zielen besteht, so besteht auch die Stadt aus geordneten Funktionen, Tugenden und Zweckbezügen. Das Ziel ist Glückseligkeit. Der Mensch wird nicht als isoliertes Individuum gedacht, sondern als Wesen, das Bildung, Gemeinschaft, Sprache, Vorstellungskraft und Leitung braucht. Philosophie, Politik und Religion stehen bei al-Fārābī deshalb in einem komplexen Verhältnis.

Religion ist für ihn nicht einfach Irrtum, aber auch nicht identisch mit Philosophie. Sie vermittelt Wahrheiten in Bildern, Symbolen und Gesetzen. Philosophie sucht dieselben höchsten Wahrheiten in begrifflicher und demonstrativer Form. Diese Differenz wurde für spätere Debatten über Vernunft und Offenbarung, Philosophie und Religion, Elitewissen und öffentlicher Lehre entscheidend.

Al-Fārābīs Nachwirkung führt über Ibn Sīnā in die islamische Philosophie, über lateinische Übersetzungen in die Scholastik und über Musiktraktate in die mittelalterliche Theoriegeschichte. In der lateinischen Welt wurde er als Alfarabius oder Alpharabius gelesen, besonders in Fragen der Wissenschaftsklassifikation und Intellektlehre. In der islamischen Welt blieb seine systematische Verbindung von Logik, Metaphysik und Politik ein Maßstab.

Für die Musikgeschichte des Kulturraums zwischen Vorderem Orient, Persien, Zentralasien und arabischer Welt bleibt al-Fārābī einer der zentralen Autoren. Seine Begriffe, Methoden und Beschreibungen wirkten auf spätere arabische, persische und türkische Musiktheoretiker. Zugleich bietet sein Werk modernen Forschern ein Fenster in eine musikalische Welt, die nicht vollständig mit späteren Maqām-Systemen identisch ist, ihnen aber in vielen Grundfragen vorausliegt.

Al-Fārābī ist daher nicht bloß ein Philosoph, der auch über Musik schrieb. Er ist ein Denker, bei dem Musik ein Prüfstein philosophischer Wissenschaftlichkeit wird. In der Musik begegnen sich Zahl, Körper, Atem, Stimme, Sprache, Gefühl, Gewohnheit, Handwerk und Erkenntnis. Gerade deshalb ist sein Musiktraktat für ein Kulturlexikon ebenso wichtig wie seine politischen und metaphysischen Schriften.

Rezeption und Nachwirkung

Al-Fārābīs Wirkung in der islamischen Philosophie ist kaum zu überschätzen. Er bereitete viele Problemstellungen vor, die bei Ibn Sīnā systematisch weiterentwickelt wurden: die Intellektlehre, die Metaphysik der Seinsordnung, die Wissenschaftssystematik und das Verhältnis von Philosophie und Religion. Obwohl seine unmittelbare Biographie lückenhaft bleibt, wurde seine Autorität in späteren Jahrhunderten immer stärker.

In der lateinischen Scholastik wirkte al-Fārābī vor allem durch Übersetzungen und Vermittlungen seiner Wissenschaftslehre und Intellektlehre. Unter den Namen Alfarabius, Alpharabius oder Avennasar wurde er Teil der westlichen Rezeption arabischer Philosophie. Seine Unterscheidungen der Wissenschaften und der Formen des Schlussfolgerns beeinflussten die mittelalterliche Ordnung des Wissens.

In der Musiktheorie blieb sein Kitāb al-mūsīqā al-kabīr ein Bezugspunkt für arabische, persische und türkische Theoriegeschichte. Seine besondere Stärke liegt darin, dass er Musik als Wissenschaft und als Praxis zugleich behandelt. Die spätere Forschung würdigt ihn deshalb nicht nur als Bewahrer antiken Wissens, sondern als eigenständigen Analytiker mittelöstlicher Musikpraxis.

Heute ist al-Fārābī für mehrere Forschungsfelder zentral: für die Geschichte der islamischen Philosophie, für die Aristoteles-Rezeption, für politische Philosophie, für Logikgeschichte, für Wissenschaftsklassifikation, für arabische Musiktheorie, für Organologie und für Fragen kultureller Übersetzung zwischen griechischem, syrischem, arabischem, persischem, lateinischem und hebräischem Wissen.

Sekundärliteratur

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  • Cherni, Amor: Edition und französische Übersetzung von al-Fārābīs Iḥṣāʾ al-ʿulūm.
  • Hasse, Dag Nikolaus: Studien zum Einfluss arabischer und islamischer Philosophie auf die lateinische Scholastik.
  • Fidora, Alexander: Studien zu Gundissalinus, Wissenschaftsklassifikation und al-Fārābī-Rezeption.
  • Langermann, Y. Tzvi: Arbeiten zur hebräischen Rezeption arabischer Philosophie und Wissenschaft.
  • Sorabji, Richard: Studien zur spätantiken und arabischen Aristoteles-Kommentartradition.

Onlinequellen

Weiterführende Einträge

  • Arabische Musiktheorie Theorietradition zu Tonverhältnissen, Maqām, Rhythmus, Instrumenten, Melodiebildung und Aufführungspraxis.
  • Kitāb al-mūsīqā al-kabīr Al-Fārābīs großes Musikbuch und eines der wichtigsten mittelalterlichen Traktate zur Musiktheorie.
  • Musiktheorie im mittelalterlichen Islam Wissenschaftliche Behandlung von Ton, Rhythmus, Intervall, Instrument, Stimme und Musikpraxis in arabischer Sprache.
  • Maqām Modales System arabischer, persischer und türkischer Musiktraditionen, dessen Vorgeschichte mit al-Fārābīs Melodielehre berührt wird.
  • Īqāʿ Rhythmischer Zyklus der arabischen Kunstmusik, dessen mittelalterliche Theorie bei al-Fārābī eine wichtige Grundlage besitzt.
  • Rhythmus in der arabischen Musik Theorie und Praxis rhythmischer Dauern, Zyklen, Schläge und Proportionen von al-Fārābī bis zur Maqām-Tradition.
  • ʿŪd Arabische Kurzhalslaute, die bei al-Fārābī als Modellinstrument für Intervall- und Griffsysteme eine zentrale Rolle spielt.
  • Ṭunbūr Saiteninstrument mit Bagdader und chorasanischen Varianten, das al-Fārābī für seine Instrumentenlehre heranzieht.
  • Rabāb Streichinstrument der arabisch-persischen Musiktradition, das in mittelalterlichen Instrumentenlehren erscheint.
  • Mizmār Blasinstrument beziehungsweise Rohrpfeife, wichtig für historische Organologie und Tonerzeugungslehre.
  • Surnāy Doppelrohrblattinstrument der vorderasiatischen Musiktraditionen, bei al-Fārābī als Beispiel instrumentaler Tonerzeugung greifbar.
  • Organologie Lehre von Musikinstrumenten, ihrer Bauweise, Klangproduktion, Systematik und kulturellen Funktion.
  • Akustik Lehre vom Klang, von Schwingung, Tonhöhe, Dauer, Resonanz und Wahrnehmung, bei al-Fārābī Teil der Musiktheorie.
  • Intervall Abstand zwischen zwei Tönen, in al-Fārābīs Musiktheorie mathematisch und praktisch-instrumental behandelt.
  • Pythagoreische Musiktheorie Antike Lehre musikalischer Zahlenverhältnisse, die al-Fārābī kennt, prüft und kritisch weiterführt.
  • Aristoxenos Griechischer Musiktheoretiker, dessen erfahrungsbezogene Musiktheorie für spätere arabische Diskussionen wichtig wurde.
  • Aristoteles Griechischer Philosoph, dessen Logik, Wissenschaftslehre und Metaphysik für al-Fārābī grundlegend waren.
  • Platon Griechischer Philosoph, dessen politische und metaphysische Tradition al-Fārābīs Lehre von der tugendhaften Stadt mitprägt.
  • Neuplatonismus Spätantike philosophische Tradition, die al-Fārābīs Emanationslehre und Metaphysik berührt.
  • Islamische Philosophie Philosophische Tradition arabischer, persischer und weiterer islamischer Gelehrtenkulturen zwischen Antike, Theologie und Wissenschaft.
  • Arabische Aristoteles-Rezeption Übersetzung, Kommentierung und systematische Weiterentwicklung aristotelischer Philosophie in arabischer Sprache.
  • Logik Lehre des richtigen Schließens und der Begründung, bei al-Fārābī Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnis.
  • Organon Sammlung aristotelischer logischer Schriften, die al-Fārābī ausführlich kommentierte und systematisch erschloss.
  • Rhetorik Kunst und Theorie der überzeugenden Rede, in al-Fārābīs Logiksystem eine eigene Form nichtdemonstrativer Argumentation.
  • Poetik Theorie der Dichtung, Nachahmung und Vorstellungskraft, die al-Fārābī im Zusammenhang des aristotelischen Organon behandelt.
  • Wissenschaftsklassifikation Systematische Ordnung der Wissenschaften, besonders wichtig in al-Fārābīs Iḥṣāʾ al-ʿulūm.
  • Iḥṣāʾ al-ʿulūm Al-Fārābīs „Aufzählung der Wissenschaften“, ein Schlüsseltext zur mittelalterlichen Ordnung des Wissens.
  • Die tugendhafte Stadt Politisch-philosophisches Ideal al-Fārābīs, in dem Glück, Erkenntnis, Herrschaft und Gemeinschaft zusammengedacht werden.
  • Politische Philosophie im Islam Denkfeld zu Herrschaft, Gesetz, Religion, Gemeinschaft und Glück in der arabisch-islamischen Philosophie.
  • Religion und Philosophie Verhältnis von demonstrativer Wahrheit und symbolischer Vermittlung, das al-Fārābī politisch und erkenntnistheoretisch deutet.
  • Intellektlehre Philosophische Lehre von Verstand, Erkenntnisstufen und geistiger Vollendung, zentral bei al-Fārābī und Ibn Sīnā.
  • Ibn Sīnā Avicenna, Philosoph und Arzt, der al-Fārābīs Systematik aufnahm und weiterentwickelte.
  • al-Kindī Früher arabischer Philosoph und Musiktheoretiker, dessen Arbeiten al-Fārābī kritisch überbot.
  • Isḥāq al-Mawṣilī Sänger, Lautenist und Theoretiker der ʿabbāsidischen Musikpraxis, den al-Fārābī als Vorgänger kannte.
  • Bagdad als Gelehrtenzentrum Ort der Übersetzungsbewegung, Philosophie, Medizin, Mathematik, Theologie und Musiktheorie im 9. und 10. Jahrhundert.
  • Transoxanien Kulturraum zwischen Oxus und Jaxartes, aus dem al-Fārābī nach der üblichen Herkunftsangabe stammte.
  • Damaskus Syrische Stadt und Sterbeort al-Fārābīs, wichtig für die Gelehrten- und Hofkultur des 10. Jahrhunderts.
  • Aleppo Syrisches Kulturzentrum, mit dem al-Fārābīs späte Lebensphase im Umfeld Sayf al-Dawlas verbunden wird.
  • Sayf al-Dawla Hamdanidischer Herrscher von Aleppo, dessen Hof für Dichter, Gelehrte und Philosophen des 10. Jahrhunderts wichtig war.
  • Lateinische Scholastik Mittelalterliche westliche Gelehrtenkultur, in der al-Fārābī als Alfarabius rezipiert wurde.
  • Alfarabius Lateinische Namensform al-Fārābīs in scholastischen und mittelalterlichen Gelehrtenzusammenhängen.
  • Hebräisch-arabische Philosophie Jüdische Rezeption und Weitergabe arabischer Philosophie, Wissenschaft und Musiktheorie im Mittelalter.