Johan Joachim Agrell (auch Johann Joachim Agrell, Giovanni Agrell, Johan Agrelius)

Schwedisch-deutscher Komponist · Geiger · Cembalist · Kapellmeister · Director Chori Musici · Sinfonie · Cembalokonzert · galanter Stil · Löth 1701 – Nürnberg 1765

Johan Joachim Agrell, geboren am 1. Februar 1701 in Löth in Östergötland und gestorben am 19. Januar 1765 in Nürnberg, war ein schwedisch-deutscher Komponist, Geiger, Cembalist, Musikdirektor und Kapellmeister. Er gehört zu jener Generation, die zwischen Spätbarock, norddeutschem galantem Stil und früher Klassik vermittelt. Seine Bedeutung beruht besonders auf Instrumentalmusik: Sinfonien, Cembalosonaten, Cembalokonzerte, Flötenduette, Triosonaten, Concerti, Solosonaten und Gelegenheitsmusik. Agrell ist zugleich eine wichtige Figur der Kulturgeschichte, weil seine Laufbahn vom schwedischen Bildungs- und Universitätsmilieu über den hessischen Hof bis zur reichsstädtischen Musikorganisation Nürnbergs führt.

Überblick

Johan Joachim Agrell war eine Grenzfigur zwischen schwedischer Herkunft und deutscher Berufslaufbahn. Er wurde in Löth in Östergötland geboren, erhielt seine frühe musikalische Prägung in Linköping und Uppsala, trat dann in hessische Dienste und wurde schließlich 1746 Musikdirektor der Reichsstadt Nürnberg. In dieser letzten Funktion leitete er die städtische Musik, wirkte als Kapellmeister, Organist an der Frauenkirche, Leiter der Stadtpfeifer und Komponist von Gelegenheitsmusik.

Agrells erhaltenes Werk ist vor allem instrumental. Er veröffentlichte in Nürnberg bei Johann Ulrich Haffner die Sei sinfonie Op. 1, die sechs Cembalosonaten Op. 2 sowie zwei Reihen von je drei Cembalokonzerten Op. 3 und Op. 4. Daneben erschienen in London Flötenduette, Triosonaten und weitere Tastenwerke. Handschriftlich und in späteren Katalogen sind weitere Sinfonien, Concerti, Flötenkonzerte, ein Oboenkonzert, Violinsonaten, Sonaten für Cembalo und Violine beziehungsweise Cembalo und Flöte sowie Vokalwerke nachweisbar.

Kulturgeschichtlich ist Agrell besonders interessant, weil er am Übergang von höfischer Kapellmusik zu reichsstädtischer, bürgerlich geprägter Instrumentalkultur steht. Seine Sinfonien gehören zu den frühen selbständigen Konzertsinfonien außerhalb Italiens; seine Cembalokonzerte stehen in der Entwicklung des bürgerlichen Tasteninstrumentkonzerts; seine Nürnberger Tätigkeit zeigt, wie eine freie Reichsstadt im 18. Jahrhundert Musik organisierte, finanzierte und repräsentativ einsetzte.

Kurzdaten

Hauptname Johan Joachim Agrell
Weitere Namensformen Johan Agrell; Johann Joachim Agrell; Johann Agrell; Giovanni Agrell; Giovanni Aggrell; Johan Agrelius; Agrelli
Geburtsdatum 1. Februar 1701
Geburtsort Löth, Östergötland, Schweden
Sterbedatum 19. Januar 1765
Sterbeort Nürnberg
Berufe und Rollen Komponist, Geiger, Cembalist, Kapellmeister, Musikdirektor, Organist, Leiter städtischer Musik
Ausbildung und frühe Prägung Schule in Linköping; Studium in Uppsala ab 1719; musikalische Praxis im akademischen und kirchlichen Umfeld; Kontakte zur schwedischen Hof- und Universitätsmusik
Wichtige Wirkungsorte Linköping, Uppsala, Kassel, Jesberg, Hessen-Darmstadt, europäische Reiseorte, Nürnberg
Wichtige Ämter Violinist und Continuospieler in hessischen Diensten; seit 1746 Director Chori Musici der Reichsstadt Nürnberg; Organist und musikalischer Leiter an der Frauenkirche
Hauptgattungen Sinfonie, Cembalosonate, Cembalokonzert, Flötenduett, Triosonate, Solokonzert, Kammermusik, Gelegenheitsmusik, geistliche Vokalmusik
Zentrale Drucke Op. 1 VI Sinfonie; Op. 2 Sei Sonate per il Cembalo solo; Op. 3 III Concerti a Cembalo obligato; Op. 4 III Concerti a Cembalo obligato; Londoner Flötenduette und Triosonaten
Stilgeschichtliche Bedeutung Agrell verbindet spätbarocke Satztechnik, italienische Konzertanregung, norddeutschen galanten Stil, frühe Sinfonik und vorklassische Formbildung.
Kulturgeschichtliche Bedeutung Agrell steht für die europäische Mobilität des 18. Jahrhunderts, für die frühe selbständige Sinfonie, für das bürgerliche Cembalokonzert und für die reichsstädtische Musikorganisation Nürnbergs.

Namensformen und Quellenlage

Die wichtigste Namensform lautet Johan Joachim Agrell. In deutschen Kontexten erscheint häufig Johann Joachim Agrell, in italienisierenden Druck- und Aufführungskontexten Giovanni Agrell oder Giovanni Aggrell, in schwedischen Zusammenhängen auch Johan Agrelius. Die im Lemma genannte Form Agrelli ist als Such- und Variantenform aufzunehmen, aber nicht als Hauptansetzung zu verwenden. Für die Dateibenennung ist agrell-johan-joachim.shtml die eindeutigste und quellennahe Form.

Die Quellenlage ist für Agrell vergleichsweise günstig, aber nicht ohne Lücken. Swedish Musical Heritage bietet eine ausführliche moderne Darstellung von Leben, Werkgruppen, Ämtern, Publikationen und Forschungsliteratur. IMSLP erschließt die frei zugänglichen Werkseiten, Sammlungen und Normdaten. RISM weist Drucke und Quellen nach, darunter die gedruckten Sinfonien. Dennoch ist das Werkverzeichnis nicht vollständig im Sinn einer kritischen Gesamtausgabe, weil viele Nürnberger Gelegenheits- und Vokalwerke verloren sind und ein Teil der handschriftlichen Instrumentalmusik verstreut über europäische Bibliotheken liegt.

Biographie

Johan Joachim Agrell wurde am 1. Februar 1701 in der schwedischen Gemeinde Löth in Östergötland geboren. Sein Vater war Geistlicher; die frühe Bildung erfolgte wahrscheinlich in einem kirchlich geprägten Milieu. Agrell besuchte die Schule in Linköping, wo er musikalische Ausbildung erhielt und vermutlich an der Musik der Domkirche beteiligt war. Schon hier verbanden sich Bildung, Kirchenmusik und instrumentale Praxis.

1719 immatrikulierte sich Agrell an der Universität Uppsala, zunächst im Fach Rechtswissenschaft. Uppsala war für seine musikalische Entwicklung aber ebenso wichtig wie für seine akademische Bildung. Er konnte dort mit dem akademischen Musikleben in Berührung kommen und wahrscheinlich im Umfeld des Kungliga Akademiska kapellet musizieren. Die Verbindung von Universitätskultur, Musiktheorie, Collegium musicum und höfischer Nähe prägte den jungen Agrell nachhaltig.

In den 1720er Jahren wurde Agrell von Markgraf Maximilian von Hessen-Kassel angeworben. Spätestens in den 1730er Jahren ist er als Musiker in hessischen Diensten greifbar. In Kassel und im weiteren hessischen Umfeld trat er als Geiger, Cembalist, Continuospieler und Komponist hervor. Seine Stellung war mit höfischer Musik, Unterricht, Repräsentation und wahrscheinlich auch Reisen verbunden. In dieser Zeit wurde er mit italienischer Konzertmusik, französischer Virtuosenkultur und dem galanten Stil vertraut.

Zwischen etwa 1734 und 1746 unternahm Agrell Virtuosenreisen nach Italien, Frankreich und England. Nur einzelne Reisen sind dokumentarisch sicher fassbar, doch die biographische Tradition betont übereinstimmend seine europäische Mobilität. Solche Reisen waren für einen Musiker des 18. Jahrhunderts mehr als bloße Tourneen. Sie dienten der Stilaufnahme, der Netzwerkbildung, der Selbstdarstellung und der Verbreitung von Werken.

1746 wurde Agrell zum Director Chori Musici der Reichsstadt Nürnberg berufen. Damit erreichte er eine feste und repräsentative Stellung. Zu seinen Aufgaben gehörten die Leitung der städtischen Musik, die Organisation der Stadtpfeifer, der Dienst an der Frauenkirche, die Komposition von Hochzeits-, Begräbnis- und Festmusiken sowie die Beteiligung an städtischen und kirchlichen Feiern. In Nürnberg begann er auch systematisch, seine Instrumentalwerke bei Johann Ulrich Haffner zu veröffentlichen.

Agrell heiratete 1749 Margaretha Förtsch, eine Sängerin. Im selben Jahr erhielt er das Nürnberger Bürgerrecht. Sein späteres Leben war von beruflicher Belastung, städtischen Amtspflichten und privaten Verlusten geprägt; seine Frau starb 1753 im Kindbett. Agrell selbst starb am 19. Januar 1765 in Nürnberg. Sein Tod wurde zwar amtlich verzeichnet, doch seine spätere Rezeption blieb lange fragmentarisch, weil ein erheblicher Teil der amtlichen und vokalen Musik verloren ging.

Schwedische Herkunft, Linköping und Uppsala

Agrells schwedische Herkunft ist für seine kulturelle Einordnung zentral. Er war nicht einfach ein deutscher Kapellmeister, sondern ein schwedischer Musiker, der den größten Teil seiner beruflichen Laufbahn in Deutschland verbrachte. Seine frühe Ausbildung in Linköping und Uppsala verband ihn mit einer nordischen Bildungs- und Kirchenmusikkultur, in der geistliche Praxis, Schulmusik, Universitätsmusik und höfische Orientierung zusammenwirkten.

Die Uppsala-Zeit ist besonders wichtig, weil dort ein aktives akademisches Musikleben bestand. Studenten konnten nicht nur wissenschaftlich, sondern auch musikalisch gebildet werden. Agrell erhielt dadurch eine Grundlage, die ihn für den höfischen und später reichsstädtischen Musikdienst qualifizierte. Zugleich lässt sich seine spätere Verbindung zu Johan Helmich Roman und zur schwedischen Musik nicht völlig von dieser frühen Phase trennen.

Agrell blieb seiner Herkunft nicht nur biographisch verbunden. Seine Werke zirkulierten auch in schwedischen Quellen, und seine Stellung in der schwedischen Musikgeschichte wurde später besonders im Zusammenhang mit der frühen Sinfonie und der schwedischen Instrumentalmusik des 18. Jahrhunderts neu bewertet.

Kassel, Hofkapelle und europäische Virtuosenreisen

Die Kasseler und hessische Phase brachte Agrell in ein höfisches Musiksystem. Der Dienst bei Markgraf Maximilian von Hessen-Kassel und im Umfeld der hessischen Kapellen bot ihm den Zugang zu einem international orientierten Repertoire. In Kassel, Jesberg und den benachbarten Höfen begegneten italienische Konzertformen, französische Virtuosenmusik, deutsche Hofkapellpraxis und galante Stilbildung.

Der hessische Hof war zugleich musikalisch ambitioniert und finanziell unsicher. Diese Spannung prägte Agrells Situation. Er konnte sich als Violinist, Cembalist und Komponist profilieren, war aber zugleich von den wechselnden Bedingungen höfischer Ökonomie abhängig. Die späteren Reisen nach Italien, Frankreich und England zeigen, dass Agrell nicht auf ein einziges lokales Musikmilieu beschränkt blieb.

In stilgeschichtlicher Hinsicht war diese Phase entscheidend. Agrell lernte den italienischen Konzertstil, die frühe Sinfonie, den galanten Geschmack und die internationale Virtuosenkultur aus praktischer Nähe kennen. Seine späteren Drucke zeigen diese Mischung: italienisierende Titel, deutsche Druckorte, schwedisch-deutsche Biographie und ein Repertoire, das sich an Kenner, Liebhaber und professionelle Musiker zugleich richtet.

Nürnberg, Ratsmusik und Director Chori Musici

Die Nürnberger Berufung von 1746 war der entscheidende institutionelle Einschnitt in Agrells Leben. Nürnberg war keine Residenzstadt im üblichen höfischen Sinn, sondern eine freie Reichsstadt mit städtischer Musikorganisation. Der Director Chori Musici musste hier kirchliche, städtische, repräsentative und praktische Aufgaben verbinden. Agrell leitete die Ratsmusik, die Stadtpfeifer, den musikalischen Dienst an der Frauenkirche und komponierte Gelegenheitsmusik für Hochzeiten, Begräbnisse und Feste.

Diese Stellung erklärt auch die Doppelstruktur seines erhaltenen Werkes. Einerseits veröffentlichte Agrell repräsentative Instrumentalsammlungen, die über Nürnberg hinaus zirkulieren konnten. Andererseits schrieb er amtliche, festliche und vokale Musik für konkrete Nürnberger Anlässe, von der vieles verloren ist. Die Diskrepanz zwischen erhaltenem Druckœuvre und verlorener Amtsmusik ist für Agrells Werkbild entscheidend.

Nürnberg war außerdem ein wichtiger Druck- und Verlagsort. Mit Johann Ulrich Haffner fand Agrell einen Verleger, der seine Sinfonien, Sonaten und Cembalokonzerte in den überregionalen Musikmarkt bringen konnte. Dadurch wurde Agrell nicht nur Amtsmusiker, sondern auch gedruckter Komponist einer bürgerlich und professionell nutzbaren Instrumentalmusik.

Ausführlicher Kulturüberblick

Johan Joachim Agrell steht an einer kulturgeschichtlichen Schwelle. Er gehört weder ausschließlich zum Barock noch schon vollständig zur Wiener Klassik. Seine Musik entsteht in jener Übergangszeit, in der sich der galante Stil, die frühe Sinfonie, das Cembalokonzert, die bürgerliche Sonate und die selbständige Instrumentalmusik herausbilden. Gerade diese Zwischenstellung macht ihn für eine Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts besonders ergiebig.

Seine Biographie zeigt zunächst die europäische Mobilität von Musikern. Agrell wurde in Schweden geboren, in Linköping und Uppsala ausgebildet, nach Hessen geholt, reiste als Virtuose durch Europa und wurde in Nürnberg zum Musikdirektor. Musik war im 18. Jahrhundert ein transnationales Berufsfeld. Nationale Zuschreibungen reichen daher nicht aus. Agrell ist schwedisch, deutsch, höfisch, reichsstädtisch, nordisch, italienisierend und galant zugleich.

Die frühe schwedische Bildungskultur formte einen Musiker, der nicht nur Virtuose, sondern auch gebildeter Praktiker war. Die Universität Uppsala, das akademische Musikleben, die Schul- und Kirchenmusik in Linköping und die Nähe zu schwedischen Hofmusikern schufen eine Grundlage, auf der Agrell später im Ausland bestehen konnte. Der Weg von Schweden nach Kassel zeigt, wie sehr höfische Musiknetzwerke Talente aus verschiedenen Regionen Europas anzogen.

Der hessische Hof und die Virtuosenreisen erweiterten diesen Horizont. In Kassel und den benachbarten Musikzentren konnte Agrell internationale Stile aufnehmen. Die italienische Konzertform, französische Virtuosenpraxis, deutsche Kontrapunkt- und Kapelltradition sowie der galante Geschmack verbanden sich in seinem Stil. Gerade seine Instrumentalwerke zeigen, dass der Stilwandel nicht plötzlich geschah, sondern durch reisende Musiker, gedruckte Werke, höfische Kontakte und praktische Aufführungserfahrung vermittelt wurde.

Nürnberg steht für eine andere Kulturform. Die freie Reichsstadt brauchte Musik nicht nur für höfische Repräsentation, sondern für städtische Ordnung, kirchliche Feiern, bürgerliche Feste, Hochzeiten, Begräbnisse und öffentliche Musikpraxis. Agrells Amt als Director Chori Musici zeigt die organisatorische Seite von Musik. Er war nicht nur Komponist im modernen Sinn, sondern ein städtischer Funktionsträger, der Klang als Teil des Gemeinwesens ordnete.

Seine gedruckten Werke zeigen zugleich den Aufstieg einer bürgerlichen Instrumentalkultur. Die Cembalosonaten und Cembalokonzerte richteten sich nicht nur an Hofvirtuosen, sondern auch an gebildete Spieler, Liebhaber, städtische Musiker und private Musikzirkel. Das Tasteninstrument wurde zum Medium häuslicher Bildung, technischer Übung, galanter Unterhaltung und öffentlicher Konzertfähigkeit. Agrell gehört deshalb auch zur Vorgeschichte des modernen Klavierpublikums.

Die Sinfonien sind kulturgeschichtlich besonders wichtig. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts löste sich die Sinfonie allmählich von ihrer Funktion als Opern- oder Bühnenvorspiel und wurde zu einer selbständigen Konzertform. Agrells Sinfonien gehören zu dieser Entwicklung. Sie zeigen kurze, klare, oft dreisätzige Formen, lebhafte thematische Konturen, orchestrale Direktheit und eine Sprache, die schon in Richtung klassischer Periodik weist, ohne den spätbarocken Ursprung vollständig abzustreifen.

Schließlich zeigt Agrells Rezeption, wie kulturelles Gedächtnis funktioniert. Lange war er vor allem Spezialisten der schwedischen und deutschen Musikgeschichte bekannt. Erst durch Quellenforschung, moderne Editionen, IMSLP-Digitalisate, Swedish Musical Heritage und Aufnahmen wurden seine Sinfonien, Cembalowerke und Concerti wieder stärker sichtbar. Agrell ist somit ein Beispiel dafür, wie ein historisch wichtiger, aber kanonisch randständiger Komponist durch Forschung und Aufführung neu in den Kulturzusammenhang zurückkehrt.

Stilistische Einordnung

Agrells Stil verbindet spätbarocke Motorik, italienische Konzertlogik, galante Melodik, norddeutsche Klarheit und vorklassische Formbildung. Seine Musik ist häufig übersichtlich, beweglich, satztechnisch sicher und auf unmittelbare Aufführbarkeit angelegt. Sie sucht nicht die dichte kontrapunktische Komplexität des Hochbarock, sondern eine hellere, leichter fassliche und zugleich handwerklich solide Instrumentalsprache.

In den frühen Werken ist der Einfluss der italienischen Musik besonders spürbar. Vivaldis Konzertmodell, klare Ritornellformen, motorische Gesten und eine energische Oberstimmenführung bilden wichtige Bezugspunkte. Später tritt stärker der galante Stil hervor: periodische Phrasen, kantable Themen, übersichtliche Harmonik, deutliche Kontraste und eine stärkere Orientierung am Geschmack des musikalisch gebildeten Publikums.

Agrells Musik ist weniger radikal als diejenige späterer klassischer Hauptmeister, aber sie ist für den Übergang entscheidend. Sie zeigt, wie sich die musikalische Sprache von der barocken Satzlogik zur frühklassischen Form- und Themenbildung verschiebt. Gerade in den Sinfonien und Cembalokonzerten wird diese Übergangsfunktion besonders sichtbar.

Agrell und die frühe Sinfonie

Agrell wird in der Forschung immer wieder mit der frühen Geschichte der Sinfonie verbunden. Ältere Autoren wollten ihm eine besonders frühe Priorität zuschreiben; die moderne Forschung urteilt vorsichtiger, hebt aber dennoch hervor, dass Agrell zu den frühen Komponisten selbständiger Konzertsinfonien außerhalb Italiens gehört. Seine Sei sinfonie Op. 1 erschienen 1746 in Nürnberg und stehen damit in einer Phase, in der die Sinfonie gerade ihre Eigenständigkeit als Konzertgattung gewann.

Die Sinfonien sind meist knapp, dreisätzig und auf klare Wirkung hin angelegt. Sie besitzen ein lebhaftes erstes Allegro, einen langsameren Mittelsatz und ein rasches Finale. Diese Ordnung verweist auf das italienische Modell, doch die Behandlung der Themen, die orchestrale Prägnanz und die galante Durchsichtigkeit weisen bereits über bloße Opernouvertüren hinaus.

Für die Kulturgeschichte ist wichtig, dass solche Sinfonien in städtischen und höfischen Konzertzusammenhängen zirkulieren konnten. Sie waren nicht mehr zwingend an eine Oper gebunden, sondern konnten eigenständig gehört, gesammelt, gedruckt und gespielt werden. Agrells Sinfonien gehören zu dieser neuen Öffentlichkeit der Instrumentalmusik.

Cembalo, bürgerliche Hausmusik und Konzertkultur

Agrells Cembalowerke stehen im Zentrum einer bürgerlichen und galanten Musikkultur. Die sechs Cembalosonaten Op. 2, die Cembalokonzerte Op. 3 und Op. 4 sowie weitere Tastenstücke zeigen das Cembalo nicht nur als Continuoinstrument, sondern als solistisches, häusliches und konzertantes Medium. Das entspricht dem Wandel des 18. Jahrhunderts, in dem Tasteninstrumente zunehmend Träger privater Bildung und öffentlicher Virtuosität wurden.

Die Sonaten sind für Spieler gedacht, die galanten Geschmack, technische Beweglichkeit und Formverständnis verbinden. Die Cembalokonzerte stellen das Tasteninstrument in ein orchestrales Gegenüber. Damit nähert sich Agrell einer Gattung, die später im Klavierkonzert der Klassik ihre berühmteste Ausprägung findet. Seine Werke gehören daher zur Vorgeschichte des bürgerlichen Tasteninstrumentkonzerts.

Die Drucke bei Haffner machten diese Musik verfügbar. Anders als einmalige Festmusik konnten gedruckte Sonaten und Konzerte überregional zirkulieren, gesammelt und wiederaufgeführt werden. Agrells Bedeutung liegt somit auch in der Verbindung von Komposition, Druckmarkt und musikalischer Gebrauchskultur.

Komplettes Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist als quellenkritische Arbeitsfassung angelegt. Es fasst die gedruckten Werke, die bei IMSLP und Swedish Musical Heritage nachweisbaren Werkseiten, die in RISM und modernen Werklisten greifbaren Quellen sowie die nur summarisch bekannten verlorenen oder handschriftlich verstreuten Werkgruppen zusammen. Ein modernes kritisches Gesamtverzeichnis liegt nicht in derselben Weise vor wie bei kanonischen Hauptkomponisten; die ältere und moderne Forschung arbeitet mit Drucknachweisen, Sheerin-Siglen für Sinfonien, Handschriften, Verlagslisten und Bibliothekskatalogen.

Gesamtbestand nach Werkgruppen

Sinfonien Mindestens 22, nach anderen Forschungen mindestens 28 oder 32 Sinfonien; sicher gedruckt sind die sechs Sinfonien Op. 1 von 1746. Weitere Sinfonien sind handschriftlich und in modernen Editionen beziehungsweise Katalogen nachweisbar.
Cembalosonaten Sechs Sonaten für Cembalo solo Op. 2, Nürnberg 1748; zusätzlich einzelne Tastenstücke und Sammlungsbeiträge in Londoner und schwedischen Überlieferungen.
Cembalokonzerte Drei Cembalokonzerte Op. 3 und drei Cembalokonzerte Op. 4, beide um 1750 in Nürnberg bei Johann Ulrich Haffner; weitere Concerti für Cembalo und Streicher beziehungsweise Mischbesetzungen sind handschriftlich oder in späteren Katalogen greifbar.
Flöten- und Bläserkonzerte Mehrere Flötenkonzerte in D-Dur und G-Dur mit GroF-Nummern, ein Oboenkonzert in B-Dur und weitere Concerti beziehungsweise Doppelkonzerte für Flöte, Cembalo und Streicher.
Kammermusik Londoner sechs Sonaten beziehungsweise Duette für zwei Flöten oder zwei Violinen Op. 2, sechs Triosonaten Op. 3, Violinsonaten in A-Dur und G-Dur, Sonaten für Cembalo und Violine beziehungsweise Cembalo und Flöte.
Vokal- und Gelegenheitsmusik Occasional vocal works, Hochzeits-, Begräbnis- und Ratsmusik sowie geistliche Vokalwerke; ein erheblicher Teil ist verloren, doch neuere Hinweise nennen Motetten in Göttinger Sammelhandschriften.

Gedruckte Werkgruppen mit Opuszahl

Op. 1: VI Sinfonie a quattro Nürnberg, Johann Ulrich Haffner, 1746. Sechs Sinfonien für Streicher und Basso continuo, mit ad-libitum-Besetzungen wie Hörnern, Trompeten, Oboen, Block- und Traversflöten sowie bei den ersten beiden Sinfonien mit Pauken. Der Druck gehört zu Agrells wichtigsten Beiträgen zur frühen selbständigen Sinfonie.
Op. 2: Sei Sonate per il Cembalo solo Nürnberg, 1748; auch in Londoner Verbreitung nachweisbar. Die Sammlung enthält sechs Sonaten für Cembalo solo, ergänzt durch Arietten, Polonaisen und Menuette. Sie zeigt Agrell als Komponisten galanter Tastenmusik für Liebhaber und Kenner.
Op. 2: Six Sonatas or Duets for two German Flutes or Violins Londoner Druck beziehungsweise Werkgruppe für zwei Flöten oder zwei Violinen. Die gleiche Opuszahl wie bei den Cembalosonaten zeigt, dass Agrells Opusnummerierung je nach Druckort und Verleger nicht immer eindeutig modern-systematisch zu verstehen ist.
Op. 3: III Concerti a Cembalo obligato Nürnberg, um 1750. Drei Konzerte für obligates Cembalo, Streicher und Basso. Die Sammlung gehört zu Agrells wichtigsten Beiträgen zur Geschichte des Cembalokonzerts.
Op. 3: Six Sonatas for two German Flutes or Violins with a thorough Bass Londoner Triosonaten-Druck für zwei Flöten oder Violinen und Generalbass. Auch hier überschneidet sich die Opuszahl mit einer Nürnberger Werkgruppe.
Op. 4: III Concerti a Cembalo obligato Nürnberg, um 1750. Drei weitere Cembalokonzerte, teils mit concertierender Traversflöte oder Violine. Die Sammlung erweitert Agrells gedrucktes Konzertrepertoire und zeigt die Nähe von Tasteninstrument, Soloinstrument und Streichersatz.
A Collection of Easy Genteel Lessons for the Harpsichord Londoner Sammlung mit Agrell-Bezug. Der Titel verweist auf die englische Tasteninstrumentkultur und auf ein Repertoire für gebildete Liebhaber, das Eleganz, Spielbarkeit und galanten Geschmack verbindet.

Sinfonien, Concerti und Orchesterwerke

Sinfonia D-Dur Op. 1 Nr. 1 Teil der sechs Sinfonien Op. 1; in Sheerin-Codierungen und modernen Aufnahmen als frühe Agrell-Sinfonie besonders sichtbar.
Sinfonia C-Dur Op. 1 Nr. 2 Teil der gedruckten Sinfonien Op. 1; gehört zur Nürnberger Haffner-Publikation von 1746.
Sinfonia A-Dur Op. 1 Nr. 3 Teil der gedruckten Opus-1-Sammlung; repräsentiert Agrells kurze, klare und konzertante Sinfonienform.
Sinfonia B-Dur Op. 1 Nr. 4 Bei Swedish Musical Heritage als Sinfonia à 6 B-dur op. 1:4 mit den Sätzen Allegro, Affettuoso und Presto assai erschlossen.
Sinfonia G-Dur Op. 1 Nr. 5 Teil der gedruckten sechs Sinfonien; gehört zu Agrells Kernbestand früher selbständiger Orchesterwerke.
Sinfonia F-Dur Op. 1 Nr. 6 Schlussstück der gedruckten Opus-1-Sammlung; Teil der frühen Nürnberger Instrumentalpublikationen.
Weitere Sinfonien in D-Dur IMSLP und moderne Kataloge nennen mehrere D-Dur-Sinfonien mit Sheerin-Siglen, darunter Sinfonia in D major, S.D:123455 und weitere D-Dur-Sinfonien.
Weitere Sinfonien in E-Dur und Es-Dur IMSLP erschließt mehrere Sinfonien in E-Dur sowie eine Sinfonie in Es-Dur. Diese Werke zeigen die breite handschriftliche und editorische Streuung von Agrells Orchesterrepertoire.
Weitere Sinfonien in G-Dur Mehrere G-Dur-Sinfonien sind in IMSLP und modernen Werklisten greifbar. Die Sheerin-Siglen dienen zur Unterscheidung einzelner Werke gleicher Tonart.
Drei Symphonien IMSLP führt eine Sammlung 3 Symphonies; sie beruht auf handschriftlichen Quellen und modernen Editionen und ergänzt die gedruckte Opus-1-Gruppe.
Oboenkonzert B-Dur Bei IMSLP als Oboe Concerto in B-flat major nachgewiesen; gehört zu Agrells Bläserkonzerten und zeigt seine Verbindung zur galanten Solokonzertkultur.
Flötenkonzert D-Dur, GroF 1643 Bei IMSLP als Werkseite erschlossen; Teil der Agrell zugeschriebenen beziehungsweise katalogisch nachgewiesenen Flötenkonzerte.
Flötenkonzert G-Dur, GroF 1644 Bei IMSLP als Werkseite erschlossen; Beispiel für Agrells Konzertschaffen für Traversflöte.
Flötenkonzert G-Dur, GroF 2143 Bei IMSLP als eigene Werkseite nachgewiesen; die GroF-Nummer dient der Unterscheidung innerhalb der Flötenkonzertüberlieferung.
Flötenkonzert G-Dur, GroF 1200 Weiteres bei IMSLP erschlossenes G-Dur-Flötenkonzert; zeigt die Vielfalt der Agrell zugeschriebenen beziehungsweise überlieferten Flötenkonzerte.
Doppelkonzert h-Moll für Flöte, Cembalo und Streicher In Aufnahme- und Werkzusammenhängen als Konzert für Flöte, Cembalo und Streicher genannt; steht in enger Verbindung zu Agrells Opus-4-Konzertwelt.
Doppelkonzert A-Dur für Flöte, Cembalo und Streicher In schwedischen Aufnahme- und Werkzusammenhängen genannt; ein Beispiel für Agrells flexible Verbindung von Bläser- und Tasteninstrumentkonzert.
Violinkonzert D-Dur In älteren und modernen Werklisten genannt; passend zu Agrells eigener Tätigkeit als Geiger, jedoch quellenkritisch von den besser dokumentierten Druckwerken zu unterscheiden.

Tastenmusik und Cembalowerke

Sechs Cembalosonaten Op. 2 Nürnberg, 1748; zentrale Sammlung für Cembalo solo. IMSLP nennt als Besonderheit, dass der dritte Satz der vierten Sonate als Nr. 45 im Nannerl-Notenbuch von 1759 erscheint.
Cembalosonate A-Dur Bei IMSLP als eigene Werkseite Keyboard Sonata in A major erschlossen. Sie gehört zum Bereich der solo-tasteninstrumentalen Überlieferung Agrells.
Drei Cembalokonzerte Op. 3 Nürnberg, um 1750; drei Konzerte mit obligatem Cembalo, Streichern und Basso. Bei IMSLP als 3 Harpsichord Concertos, Op. 3 geführt.
Cembalokonzert A-Dur Op. 3 Nr. 3 Bei IMSLP als eigene Werkseite erschlossen; ein besonders sichtbares Einzelwerk aus der Opus-3-Sammlung.
Cembalokonzert D-Dur Bei IMSLP als eigene Werkseite Harpsichord Concerto in D major nachgewiesen. Das Werk steht für Agrells Bedeutung in der frühen Geschichte des Cembalokonzerts.
Drei Cembalokonzerte Op. 4 Nürnberg, um 1750; drei weitere Konzerte mit obligatem Cembalo, teils mit Traversflöte oder Violine concertato. Bei IMSLP als 3 Harpsichord Concertos, Op. 4 geführt.
A Collection of Easy Genteel Lessons for the Harpsichord Londoner Sammlung mit Agrell-Bezug; Teil der englischen Tasteninstrument- und Liebhaberkultur.
Claverstycken af Scheibe, Roman och Agrell Schwedischer Sammlungszusammenhang, der Agrell neben Johann Adolph Scheibe und Johan Helmich Roman stellt. Er zeigt die nordische Überlieferung von Tastenmusik und Sonaten.
6 Harpsichord Sonatas, Oeuvres melées Sammlungszusammenhang mit Agrell-Bezug bei IMSLP; wichtig für die Druck- und Rezeptionsgeschichte des galanten Cembalorepertoires.
84 Musikstücke, Mus.ms. 30382 Sammlungsquelle, in der Agrell zusammen mit anderen Komponisten überliefert ist. Solche Quellen zeigen die praktische Nutzung galanter Tasten- und Kammermusik.

Kammermusik, Sonaten und Duette

Sechs Sonaten oder Duette für zwei Flöten oder zwei Violinen Op. 2 Londoner Druck. Die Besetzungsalternative zeigt die praktische Flexibilität des 18. Jahrhunderts: dieselbe Musik konnte für zwei Traversflöten oder zwei Violinen eingerichtet beziehungsweise verwendet werden.
Sechs Triosonaten Op. 3 Londoner Druck für zwei Flöten oder Violinen und Generalbass; bei IMSLP als 6 Trio Sonatas, Op. 3 geführt. Die Triosonate verbindet barocke Generalbasspraxis mit galanter melodischer Gestaltung.
Sonate für Cembalo und Flöte D-Dur Bei IMSLP als Sonata for Harpsichord and Flute in D major erschlossen. Sie zeigt die Verbindung von obligatem Tasteninstrument und melodischem Soloinstrument.
Sonate für Cembalo und Violine A-Dur Bei IMSLP als Sonata for Harpsichord and Violin in A major geführt. Die Werkseite nennt vier Sätze und eine Entstehungsdatierung um 1743.
Violinsonate A-Dur Bei IMSLP als eigene Werkseite erschlossen. Sie ist für Agrells Profil als Geiger-Komponist besonders einschlägig.
Violinsonate G-Dur Bei IMSLP als eigene Werkseite erschlossen; weiterer Beleg für Agrells kammermusikalische Violinsonatenproduktion.
Flöten- und Violinduette ohne Bass Die Londoner Duette zeigen ein Repertoire für flexible häusliche und halböffentliche Kammermusik, das ohne festen Generalbass auskommen konnte und damit für Liebhaber besonders geeignet war.

Vokalwerke, Ratsmusik und verlorene Gelegenheitsmusik

Nürnberger Gelegenheitsmusik Als Director Chori Musici hatte Agrell Hochzeits-, Begräbnis-, Fest- und Ratsmusik zu liefern. Ein großer Teil dieser amtlichen Vokal- und Festmusik ist verloren oder nur indirekt durch Amtskontext und Quellenhinweise greifbar.
Geistliche Vokalwerke Ältere Forschung ging teilweise von Verlust der Vokalmusik aus; neuere Hinweise nennen jedoch Agrell zugeschriebene Motetten in Göttinger Sammelhandschriften, besonders im Kontext der Sammlung Bösenrode.
Motetten in Göttingen In der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen sind Sammelhandschriften mit Agrell zugeschriebenen Motetten bekannt. Sie sind für die Korrektur des älteren Verlusturteils über Agrells Vokalmusik wichtig.
Kirchenmusik für Nürnberg Agrells Dienst an der Frauenkirche und in anderen städtischen Kirchen lässt eine breitere kirchenmusikalische Praxis erwarten, deren Überlieferung jedoch nur fragmentarisch erhalten ist.
Rats- und Festmusik Agrells städtische Amtspflichten umfassten offizielle Musik zu bürgerlichen, kirchlichen und kommunalen Anlässen. Diese Musik war funktional gebunden und deshalb oft weniger dauerhaft überliefert als seine gedruckten Instrumentalwerke.

Überlieferung, Drucke und Kataloglage

Agrells Werküberlieferung beruht auf drei großen Quellengruppen. Erstens gibt es die gedruckten Nürnberger und Londoner Werke, insbesondere die Sinfonien, Cembalosonaten, Cembalokonzerte, Duette und Triosonaten. Zweitens gibt es handschriftliche Quellen in europäischen Bibliotheken, die weitere Sinfonien, Concerti und Kammermusik enthalten. Drittens gibt es indirekte oder fragmentarische Nachweise zu Vokal- und Gelegenheitsmusik, die aus seiner Nürnberger Amtsfunktion hervorgehen.

Der Nürnberger Verleger Johann Ulrich Haffner ist für Agrells Druckgeschichte zentral. Die Publikation der Opusgruppen ab 1746 machte Agrells Instrumentalmusik überregional verfügbar. Haffners Verlagskatalog zeigt Agrell neben anderen Komponisten des galanten Tasten- und Instrumentalrepertoires. Dadurch wird Agrell Teil einer europäischen Druck- und Gebrauchsmusikkultur.

IMSLP und Swedish Musical Heritage haben Agrells Werke für die heutige Forschung und Aufführungspraxis leichter zugänglich gemacht. RISM bietet die quellenbibliographische Kontrolle. Moderne Aufnahmen, insbesondere durch schwedische Ensembles, haben seine Sinfonien und Cembalowerke wieder in den Hörraum zurückgebracht.

Rezeption und Forschungsgeschichte

Agrells Rezeption verlief lange in Spezialbahnen. In Schweden blieb er als im Ausland tätiger Komponist des 18. Jahrhunderts interessant, in Deutschland als Nürnberger Musikdirektor und Komponist des galanten Stils. Die allgemeinere Musikgeschichtsschreibung nahm ihn vor allem im Zusammenhang mit der frühen Sinfonie und dem Cembalokonzert wahr.

Die ältere Forschung neigte teilweise dazu, Agrells Rolle in der Sinfoniegeschichte sehr weit zu fassen und ihm eine außergewöhnlich frühe Priorität zuzuschreiben. Die neuere Forschung, besonders Jeannette Morgenroth Sheerin, urteilt vorsichtiger. Sie stellt Agrell dennoch in die erste Generation klassischer beziehungsweise vorklassischer Sinfoniker und betont seine Bedeutung außerhalb Italiens.

Heute ist Agrell besonders durch Editionen, Digitalisate und Aufnahmen wieder zugänglich. Die Cembalosonaten, Sinfonien, Cembalokonzerte und Kammermusikstücke zeigen einen Komponisten, dessen Musik handwerklich solide, stilistisch beweglich und kulturgeschichtlich aufschlussreich ist. Er ist kein bloßer Randkomponist, sondern ein wichtiger Zeuge des Übergangs von höfisch-barocker zu galant-bürgerlicher Instrumentalkultur.

Sekundärliteratur

Jeanette Morgenroth Scheerin: „Agrell, Johan“ In Mary Sue Morrow und Bathia Churgin, Hrsg., The Symphonic Repertoire, Band 1: The Eighteenth-Century Symphony, Bloomington 2012, S. 240–265. Grundlegend für Agrells Sinfonien und ihre Einordnung in die frühe Gattungsgeschichte.
Jeanette Morgenroth Sheerin: The Symphonies of Johan Agrell (1701–1765): Sources, Style, Contexts Dissertation, University of North Carolina, Chapel Hill, 1986 beziehungsweise Ann Arbor 1987. Wichtigste Spezialstudie zu Quellen, Stil und Kontext der Agrell-Sinfonien.
Jeanette Morgenroth Sheerin: „Agrell, Johann, Five Symphonies“ In The Symphony 1720–1840, Serie A, Band 1, New York, Garland, 1983. Moderne Editions- und Forschungseinordnung einzelner Sinfonien.
Karl Valentin: „Agrell, Johan“ In Svenskt biografiskt lexikon, Band 1, 1918. Ältere schwedische biographische Darstellung, wichtig für die frühe Forschungsgeschichte.
Per Lindfors: „Agrell, Johan“ In Svensk uppslagsbok, zweite Auflage, Band 1, 1948. Älterer schwedischer Lexikonartikel mit Werk- und Rezeptionsangaben.
Horst Heussner und Ingmar Bengtsson: „Agrell, Johan“ In Sohlmans musiklexikon, zweite Auflage, Band 1, 1975. Wichtig für die skandinavische musiklexikalische Einordnung.
Stig Jacobsson: „Johan Agrell: liv och verk“ In Kammarmusiknytt, Nr. 3, 2002, S. 12–13. Kürzere moderne Darstellung zu Leben und Werk.
Swedish Musical Heritage: „Johan Agrell (1701–1765)“ Ausführliche Online-Darstellung mit biographischen Abschnitten, Werkgruppen, Forschungsliteratur und Kontexten.
Die Musik in Geschichte und Gegenwart: „Agrell, Johan Joachim“ Deutschsprachige Standardreferenz zu Agrells Leben, Werk und Stellung zwischen Spätbarock, galantem Stil und früher Sinfonik.
The New Grove Dictionary of Music and Musicians: „Agrell, Johan“ Internationale Standardreferenz zu Biographie, Werk und stilgeschichtlicher Einordnung.
RISM Quellenbibliographische Grundlage für Drucke und handschriftliche Überlieferung von Agrells Instrumentalmusik.
IMSLP/Petrucci Music Library Digitale Werk- und Notenerschließung für frei zugängliche Agrell-Partituren und Sammlungen.

Onlinequellen

Swedish Musical Heritage Ausführliche biographische Darstellung zu Johan Agrell mit Lebensdaten, Linköping-, Uppsala-, Kassel- und Nürnberg-Abschnitten sowie Werk- und Literaturhinweisen. URL: https://www.swedishmusicalheritage.com/composers/agrell-johan/
IMSLP, Kategorie Johan Agrell Komponistenkategorie mit Lebensdaten, Namensformen, Normdaten, 19 Werkseiten, sieben Sammlungen und Sammlungsbezügen. URL: https://imslp.org/wiki/Category:Agrell,_Johan
IMSLP, Sammlungen von Agrell Übersicht zu Agrells größeren Werkgruppen, darunter 6 Sinfonias Op. 1, 6 Keyboard Sonatas Op. 2, 3 Harpsichord Concertos Op. 3, 3 Harpsichord Concertos Op. 4, 6 Sonatas for 2 Flutes Op. 2 und 6 Trio Sonatas Op. 3. URL: https://imslp.org/wiki/Category:Agrell,_Johan/Collections
RISM Online, Symphonies RISM-Quellenseite zu einem Agrell-Druck mit dem standardisierten Titel Symphonies. URL: https://rism.online/sources/990000422
IMSLP, 6 Keyboard Sonatas, Op. 2 Werkseite zu Agrells sechs Cembalosonaten, mit Hinweis auf den Satz aus der vierten Sonate im Nannerl-Notenbuch. URL: https://imslp.org/wiki/6_Keyboard_Sonatas,_Op.2_(Agrell,_Johan)
IMSLP, 6 Sinfonias, Op. 1 Werkseite zur gedruckten Opus-1-Sammlung der sechs Sinfonien. URL: https://imslp.org/wiki/6_Sinfonias,_Op.1_(Agrell,_Johan)
Swedish Musical Heritage, Sinfonia à 6 B-dur op. 1:4 Werkseite zu Agrells B-Dur-Sinfonie Op. 1 Nr. 4 mit Satzfolge, Entstehungsjahr, Besetzung und Quellenhinweisen. URL: https://www.swedishmusicalheritage.com/composers/agrell-johan/SMH-W3672-Sinfonia_a_6_B-flat_major_op_14
IMSLP, 3 Harpsichord Concertos, Op. 3 Werkseite zur ersten gedruckten Gruppe von drei Cembalokonzerten. URL: https://imslp.org/wiki/3_Harpsichord_Concertos,_Op.3_(Agrell,_Johan)
IMSLP, 3 Harpsichord Concertos, Op. 4 Werkseite zur zweiten Gruppe von drei Cembalokonzerten. URL: https://imslp.org/wiki/3_Harpsichord_Concertos,_Op.4_(Agrell,_Johan)
IMSLP, 6 Sonatas for 2 Flutes, Op. 2 Werkseite zu den Londoner Duetten für zwei Flöten beziehungsweise Violinen. URL: https://imslp.org/wiki/6_Sonatas_for_2_Flutes,_Op.2_(Agrell,_Johan)
IMSLP, 6 Trio Sonatas, Op. 3 Werkseite zu den Triosonaten für zwei Flöten oder Violinen und Generalbass. URL: https://imslp.org/wiki/6_Trio_Sonatas,_Op.3_(Agrell,_Johan)
IMSLP, Sonata for Harpsichord and Violin in A major Werkseite zu Agrells Sonate für Cembalo und Violine in A-Dur. URL: https://imslp.org/wiki/Sonata_for_Harpsichord_and_Violin_in_A_major_(Agrell,_Johan)
IMSLP, Sonata for Harpsichord and Flute in D major Werkseite zu Agrells Sonate für Cembalo und Flöte in D-Dur. URL: https://imslp.org/wiki/Sonata_for_Harpsichord_and_Flute_in_D_major_(Agrell,_Johan)
IMSLP, Oboe Concerto in B-flat major Werkseite zu Agrells Oboenkonzert in B-Dur. URL: https://imslp.org/wiki/Oboe_Concerto_in_B-flat_major_(Agrell,_Johan)
IMSLP, Flute Concerto in D major, GroF 1643 Werkseite zu einem Flötenkonzert in D-Dur. URL: https://imslp.org/wiki/Flute_Concerto_in_D_major,_GroF_1643_(Agrell,_Johan)
IMSLP, Flute Concerto in G major, GroF 1644 Werkseite zu einem Flötenkonzert in G-Dur. URL: https://imslp.org/wiki/Flute_Concerto_in_G_major,_GroF_1644_(Agrell,_Johan)
IMSLP, Violin Sonata in A major Werkseite zu Agrells Violinsonate in A-Dur. URL: https://imslp.org/wiki/Violin_Sonata_in_A_major_(Agrell,_Johan)
IMSLP, Violin Sonata in G major Werkseite zu Agrells Violinsonate in G-Dur. URL: https://imslp.org/wiki/Violin_Sonata_in_G_major_(Agrell,_Johan)
Agrell Family, Johan Agrell Private, aber materialreiche Überblicksseite zu Leben, Werken, Sinfonien, Motetten, Aufnahmen und Forschungsliteratur. URL: https://agrell.info/johan.html
Johann Ulrich Haffner bei IMSLP Verlags- und Serienkontext mit Agrells Haffner-Drucken Op. 1, Op. 2, Op. 3 und Op. 4. URL: https://imslp.org/wiki/Johann_Ulrich_Haffner
VIAF Internationaler Normdatenverbund zu Johan Joachim Agrell. URL: https://viaf.org/viaf/64270856/
Deutsche Nationalbibliothek, GND Normdatenseite zu Johan Joachim Agrell. URL: https://d-nb.info/gnd/122971841
Library of Congress, Name Authority File Normdateneintrag zu Johan Agrell. URL: https://id.loc.gov/authorities/names/n79072701
Libris, Kungliga biblioteket Schwedischer Norm- und Bibliothekskatalog zu Agrell. URL: https://libris.kb.se/
RISM Online Internationales Quellenrepertorium für musikalische Handschriften und Drucke, relevant für Agrells Sinfonien, Concerti und Kammermusik. URL: https://rism.online/
RISM Catalog Katalogoberfläche zur Suche nach Agrell-Quellen. URL: https://opac.rism.info/
WorldCat Internationaler Bibliothekskatalog für Ausgaben, Tonträger, Sekundärliteratur und historische Drucke. URL: https://www.worldcat.org/
MusicBrainz Offene Musikdatenbank mit Identifikator und Aufnahmenbezügen zu Johan Agrell. URL: https://musicbrainz.org/artist/1a686bba-0905-45cd-a14b-cec6d09c31f6
BnF Catalogue Französischer Norm- und Katalogzugang zu Johan Joachim Agrell. URL: https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb14784580d
OPAC SBN Italienischer Bibliothekskatalog mit Norm- und Werkbezügen zu Agrells italienisierenden Namensformen. URL: https://opac.sbn.it/
Gallica, Bibliothèque nationale de France Digitalisate historischer Musikdrucke, Nachschlagewerke und Sekundärliteratur. URL: https://gallica.bnf.fr/
Bayerische Staatsbibliothek, Digitale Sammlungen Digitalisate historischer Drucke und Quellen zur Musik des 18. Jahrhunderts. URL: https://www.digitale-sammlungen.de/

Weiterführende Einträge

  • Affettuoso erklärt eine Satz- und Ausdrucksbezeichnung, die auch in Agrells Sinfonien begegnet.
  • Bürgerliches Konzert ordnet Agrells Instrumentalmusik in die städtische und bürgerliche Konzertkultur des 18. Jahrhunderts ein.
  • Cembalo führt zum zentralen Tasteninstrument von Agrells Sonaten und Konzerten.
  • Cembalokonzert vertieft die Gattung, in der Agrell mit Op. 3 und Op. 4 besonders wichtig wurde.
  • Continuo erklärt die Generalbasspraxis, die Agrells Kammermusik und frühe Instrumentalwerke prägt.
  • Director Chori Musici stellt Agrells Nürnberger Amt zwischen Ratsmusik, Kirchenmusik und städtischer Repräsentation vor.
  • Frauenkirche Nürnberg führt zu Agrells kirchenmusikalischem Dienstort in Nürnberg.
  • Galanter Stil erschließt die ästhetische Sprache von Klarheit, Eleganz und Liebhaberfreundlichkeit, die Agrells Instrumentalmusik prägt.
  • Gelegenheitsmusik erklärt Agrells verlorene beziehungsweise fragmentarisch überlieferte Rats-, Hochzeits- und Begräbnismusik.
  • Johann Christoph Graupner stellt einen hessischen Zeitgenossen vor, dessen Umfeld für Agrells Stilbildung relevant ist.
  • Johann Ulrich Haffner führt zum Nürnberger Verleger von Agrells zentralen Instrumentaldrucken.
  • Hessen-Kassel erschließt Agrells höfische Berufsstation vor Nürnberg.
  • Italienischer Konzertstil ordnet Agrells frühe Einflüsse und seine Concerti in den europäischen Stiltransfer ein.
  • Johan Helmich Roman stellt den schwedischen Zeitgenossen vor, mit dem Agrell in Herkunft, Stil und Überlieferung verbunden ist.
  • Kammermusik bietet den übergeordneten Rahmen für Agrells Triosonaten, Duette und Solosonaten.
  • Kapellmeister erklärt Agrells Funktion als musikalischer Leiter in Hof- und Reichsstadtstrukturen.
  • Kasseler Hofmusik vertieft den höfischen Kontext von Agrells hessischer Laufbahn.
  • Linköping führt zu Agrells früher schwedischer Bildungs- und Kirchenmusikprägung.
  • Löth erschließt Agrells Geburtsort in Östergötland.
  • Nürnberg als Musikstadt ordnet Agrells Amt in die reichsstädtische Musikorganisation des 18. Jahrhunderts ein.
  • Oboenkonzert führt zu einem der bei Agrell nachweisbaren Bläserkonzerttypen.
  • Opuszahl erklärt die teils doppelte und druckortabhängige Opusnummerierung bei Agrells Werken.
  • Ratsmusik stellt Agrells Nürnberger Dienst als städtischer Komponist und Musikorganisator dar.
  • Reichsstadt erschließt den politischen und kulturellen Rahmen Nürnbergs als Agrells letztem Wirkungsort.
  • RISM erläutert das Quellenrepertorium, das für Agrells Drucke und Handschriften zentral ist.
  • Schwedische Musik ordnet Agrell in die nordische Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts ein.
  • Sinfonie vertieft die Gattung, für deren frühe selbständige Konzertform Agrell bedeutsam ist.
  • Stadtpfeifer erklärt die städtische Musikerorganisation, die Agrell in Nürnberg mit leitete.
  • Triosonate führt zu Agrells Londoner Opus-3-Sonaten für zwei Melodieinstrumente und Generalbass.
  • Uppsala erschließt Agrells Universitäts- und akademischen Musikkontext.
  • Vorklassik ordnet Agrells Stil zwischen Barock, galantem Geschmack und früher Klassik ein.
  • Violinkonzert führt zu Agrells geigerischem Profil und zu den überlieferten Konzertformen.