Aksel Agerby
Überblick
Aksel Agerby war ein dänischer Organist, Komponist und Musikadministrator. Er wurde am 29. Mai 1889 in Viborg geboren und starb am 20. März 1942 in Kopenhagen. In der dänischen Musikgeschichte ist er doppelt bemerkenswert: Einerseits blieb er als Komponist vor allem durch die Melodie zu Jeppe Aakjærs Jeg er Havren bekannt, einem Lied, das in die dänische Singkultur einging. Andererseits war seine eigentliche kulturgeschichtliche Bedeutung stark organisatorischer Natur. Als Vorsitzender des Det Unge Tonekunstnerselskab wirkte er entscheidend daran mit, jungen dänischen Musikerinnen und Musikern Aufführungsräume, institutionelle Öffentlichkeit und kulturpolitisches Gewicht zu verschaffen.
Agerby war blind und erhielt seine musikalische Ausbildung unter anderem am Königlichen Blindeninstitut in Kopenhagen. Er debütierte 1911 als Konzertpianist, bestand 1913 die Organistenprüfung und wirkte seit 1921 als Organist beim Kopenhagener Begräbniswesen. Von 1930 bis zu seinem Tod war er Organist an der Brønshøj Kirke. Sein musikalisches Wirken verbindet also Ausbildungsgeschichte, Kirchenmusik, Liedkultur, dänische Volksliednähe und professionelle Musikorganisation.
Seine kompositorische Produktion ist nicht groß, aber kulturgeschichtlich aussagekräftig. Sie umfasst Lieder mit Klavier, Chorkompositionen, Männerchorstücke und einige kleinere Instrumentalwerke. Agerbys Liedästhetik ist auf Singbarkeit, melodische Klarheit, textnahe Schlichtheit und volksliedhafte Memorierbarkeit angelegt. Gerade dadurch konnte Jeg er Havren weit über den engeren Konzertsaal hinaus wirksam werden.
Kurzdaten ohne Tabellenform
Name, Herkunft und Namenswechsel
Aksel Agerby wurde als Aksel Andersen geboren. Der Name Agerby wurde 1905 durch Namensänderung angenommen. Diese biographische Einzelheit ist für die Recherche wichtig, weil ältere genealogische, amtliche oder familiengeschichtliche Nachweise unter der Form Andersen stehen können, während die musikalische und kulturgeschichtliche Überlieferung fast ausschließlich die Form Agerby verwendet.
Sein Vater Christen Andersen, später Agerby, wird in biographischen Angaben als brolægger und später als Archivangestellter beziehungsweise Archivbote im Umfeld des Provinz- beziehungsweise Landesarchivs in Viborg genannt. Die Mutter Mette Marie Jensen starb bereits 1896. Agerbys Lebenslauf beginnt daher in einem nicht aristokratischen, bürgerlich-handwerklichen und später archivnahen Milieu, aus dem er durch musikalische Ausbildung, persönliches Können und organisatorische Energie in das Kopenhagener Musikleben hineinwuchs.
Die sichtbare Lemmaform für diesen Kulturlexikon-Eintrag lautet Aksel Agerby. Der Dateiname folgt der Personenregel familienname-vorname.shtml und lautet deshalb agerby-aksel.shtml.
Ausbildung, Blindheit und musikalischer Anfang
Agerby war blind. Seine Ausbildung als Pianist und Organist erfolgte am Königlichen Blindeninstitut in Kopenhagen und an der Kopenhagener Organistenschule. Der Umstand der Blindheit darf nicht bloß biographisch illustrativ behandelt werden. Er gehört zu den Voraussetzungen seines musikalischen Werdegangs, weil Ausbildung, Gedächtnis, Gehör, Notationspraxis, institutionelle Förderung und berufliche Möglichkeiten für blinde Musiker um 1900 besondere Bedingungen hatten.
1911 trat Agerby als Konzertpianist hervor. 1913 bestand er die Organistenprüfung. In der biographischen Überlieferung werden Fr. Fribert, Nicolaj Hansen und Dagmar Bendix als Lehrer beziehungsweise prägende musikalische Bezugspersonen genannt; außerdem erscheint Victor Bendix im erweiterten Ausbildungsumfeld. Damit stand Agerby in einer dänischen Musikkultur, in der klassische Ausbildung, Kirchenmusik, Klavierpraxis und Liedkomposition eng miteinander verbunden waren.
Die frühe Ausbildung erklärt auch das spätere Werkprofil. Agerby komponierte überwiegend überschaubare Formen, Lieder, Chöre und kleinere Instrumentalstücke. Seine Musik beruht weniger auf großformatiger symphonischer Entwicklung als auf melodischer Prägnanz, guter Singbarkeit, textnaher Deklamation und praktischer Aufführbarkeit.
Organist in Kopenhagen und Brønshøj
Ab 1921 war Aksel Agerby Organist beim Kopenhagener Begräbniswesen. Diese Tätigkeit ist kulturgeschichtlich aufschlussreich, weil sie einen musikalischen Alltag jenseits des repräsentativen Konzertbetriebs zeigt. Die Musik des Begräbniswesens verlangt Takt, Würde, verlässliche liturgische beziehungsweise zeremonielle Begleitung und ein Gefühl für Übergang, Trauer und öffentliche Form.
Von 1930 bis zu seinem Tod im Jahr 1942 wirkte Agerby als Organist an der Brønshøj Kirke. Die Kirchenstelle verankerte ihn dauerhaft im Kopenhagener Gemeindeleben. Sie verband seine kompositorische Arbeit mit einer regelmäßigen Praxis des Spiels, der Begleitung und der liturgischen Situation. Agerby war also kein Komponist, der von Aufführungspraxis getrennt arbeitete, sondern ein Kirchenmusiker mit täglicher Erfahrung von Klangraum, Gesang, Orgel, Trauerfeier und Gemeinde.
Diese organistische Basis ist auch für seine Liedmelodik wichtig. Wer als Organist arbeitet, denkt in Atem, Periodik, harmonischer Tragfähigkeit und gemeinsamer Singbarkeit. Agerbys bekannteste Melodien zeigen keine demonstrative Virtuosität, sondern eine klare Führung der Stimme, die in schulischen, häuslichen, chorischen und gemeinschaftlichen Kontexten funktionieren kann.
Liedkomponist und Jeg er Havren
Agerbys bekannteste Komposition ist die 1916 entstandene Melodie zu Jeppe Aakjærs Jeg er Havren. Der Text gehört zu Aakjærs ländlich grundierter, volkstümlich wirksamer Dichtung. Agerbys Melodie trifft den Ton des Gedichts durch eine einfache, einprägsame und zugleich ausdrucksvolle Linie. Sie vermeidet übermäßige Kunstliedkomplexität und ermöglicht gerade dadurch breite Aneignung.
Die Bedeutung von Jeg er Havren liegt nicht nur in seiner musikalischen Qualität, sondern in seinem kulturellen Ort. Das Lied gehört zur dänischen Singtradition, in der Schule, Volkslied, Højskole, Familiengesang, Chorwesen und nationale Alltagskultur ineinandergreifen. Agerby steht hier in einer Reihe mit Komponisten, die Texte von Jeppe Aakjær, Johan Skjoldborg, Helge Rode, Gustaf Fröding, Johannes V. Jensen und anderen dichterischen Stimmen in singbare Form brachten.
Sein Liedschaffen ist dabei nicht ausschließlich auf Aakjær beschränkt. Agerby vertonte Texte verschiedener dänischer und skandinavischer Autoren. Die Liedtitel zeigen eine Nähe zu Natur, Kindheit, Jahreszeit, ländlicher Welt, Mutterbild, Jugend, Erinnerung und Alltag. Diese Themen machen seine Musik für ein Kulturlexikon besonders interessant, weil sie zwischen Kunstlied, volkstümlichem Lied und dänischer Kulturpoetik stehen.
Chorwerke, Männerchor und dänische Singkultur
Agerbys Chorwerke sind im Umfang begrenzt, aber für die dänische Singkultur charakteristisch. Titel wie Vor tid, Glæde over foråret, Danmark, kære mor und Kløver zeigen den Zusammenhang von Gemeinschaftsgesang, nationaler Gefühlssprache, Naturbild und sozialer musikalischer Praxis. Besonders der Männerchor war in der nordischen Kultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein wichtiges Medium bürgerlicher, geselliger und nationaler Selbstverständigung.
Der gemischte Chor und der Männerchor erlaubten Agerby, seine melodische Begabung in kollektive Formen zu übertragen. Die Chorstücke sind nicht als avantgardistische Experimente zu verstehen, sondern als Gebrauchsmusik im positiven Sinn: Musik für singende Gemeinschaften, für Vereine, Feiern, öffentliche Anlässe und kulturelle Selbstvergewisserung.
Gerade diese praktische Ausrichtung verbindet Agerby mit der dänischen Lied- und Højskole-Tradition. Das Lied ist hier nicht bloß Konzertkunst, sondern kulturelles Gedächtnis. Es wird gelernt, wiederholt, gemeinsam gesungen und dadurch sozial wirksam.
Instrumentalwerke und Kammermusik
Neben Liedern und Chören schrieb Agerby einige Instrumentalwerke. Genannt werden unter anderem Intermezzo und Elegi für Oboe und Orchester, Intermezzo pastorale und Humoreske für Violine und Klavier, Aftenvandring für Orchester sowie Berceuse für Violine und Klavier beziehungsweise Violine und Orchester in einzelnen Nachweisen. Diese Werke zeigen eine kleinere, lyrische und charakterstückartige Instrumentalästhetik.
Die Instrumentalstücke stehen offenbar nicht im Zentrum seines Nachlebens. Dennoch sind sie für das Gesamtbild wichtig, weil sie Agerby nicht auf ein einzelnes Lied reduzieren. Er verfügte über eine breitere kompositorische Praxis, die aus der Ausbildung als Pianist und Organist sowie aus seiner Nähe zum Konzertleben hervorging.
Die Gattungsbezeichnungen Intermezzo, Elegi, Pastorale, Humoreske und Berceuse weisen auf eine romantisch-nachromantische Charakterstückkultur. Sie legen kurze, atmosphärische, affektiv bestimmte Formen nahe, in denen lyrischer Ausdruck wichtiger ist als monumentale Form.
DUT, Ny Musik und junge dänische Musik
Agerbys größte musikhistorische Leistung liegt nach den biographischen Darstellungen weniger in der Menge seiner Kompositionen als in seiner organisatorischen Arbeit. 1927 kam er in den Vorstand des Unge Tonekunstneres Selskab, 1929 wurde er dessen Vorsitzender. Unter seiner Leitung wurde das Verhältnis zu Ny Musik neu geordnet; die Zusammenführung der Kräfte führte 1930 beziehungsweise 1931 zur stärkeren Profilierung des Det Unge Tonekunstnerselskab.
DUT wurde in den 1930er Jahren zu einem wichtigen Kraftzentrum des jungen dänischen Musiklebens. Agerby setzte sich für Konzerte, Aufführungsmöglichkeiten, organisatorische Bündelung und die Förderung jüngerer Musiker ein. Die Verbindung mit Dansk Koncert Forening und die Entstehung beziehungsweise Stärkung von Unge Tonekunstneres Orkester erweiterten das praktische Wirkungsfeld.
Diese Arbeit war in den Krisenjahren der 1930er Jahre besonders bedeutsam. Konkurrenz durch Radio, Grammophon, wirtschaftliche Not und veränderte Aufführungsbedingungen belasteten das traditionelle Musikleben. Agerbys Energie bestand darin, aus Vereinen, Konzerten, Zeitschriften, Orchestern und Förderinitiativen ein funktionsfähiges Netzwerk für junge Musik zu formen.
Verlag, Aufführungspraxis und Repertoirepflege
Agerby betrieb auch einen eigenen Musikverlag beziehungsweise veröffentlichte über eigenes Verlagsmaterial; daneben erscheint Edition Wilhelm Hansen als wichtiger Verlag in der Überlieferung. Diese verlegerische Tätigkeit passt zu seiner organisatorischen Rolle. Wer neue Musik, junge Komponisten und Liedkultur fördern will, braucht nicht nur Kompositionen, sondern auch Notendruck, Vertrieb, Aufführungsmaterial und Repertoirezugang.
Für kleinere Lieder, Chorstücke und Gebrauchsmusik ist der Verlagsweg besonders wichtig. Ein Lied kann erst dann kulturell breit wirksam werden, wenn es singbar, verfügbar und in geeigneten Sammlungen oder Einzelausgaben zugänglich ist. Agerbys Musik lebt daher nicht nur vom kompositorischen Einfall, sondern auch von ihrer praktischen Verbreitung.
Die verfügbaren Werke bei Edition·S und die Nachweise in der Dansk Komponistforening zeigen, dass sein Repertoire weiterhin katalogisierbar und aufführbar geblieben ist, auch wenn seine öffentliche Erinnerung stark auf Jeg er Havren konzentriert ist.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis fasst die in der Dansk Komponistforening, bei Edition·S und in weiteren lexikalischen Nachweisen genannten Werke zusammen. Da Agerbys Œuvre überschaubar, aber nicht in allen Fällen vollständig kritisch ediert erschlossen ist, wird die Übersicht als quellenorientiertes Arbeitsverzeichnis angelegt. Schreibweisen werden behutsam vereinheitlicht; dänische Originaltitel bleiben erhalten.
Lieder mit Klavier
- Jeg ved..., 1915. Lied nach einem Text von Anders W. Holm.
- Folkevise. Var jeg en Lærke graa, 1915. Lied nach einem Text von Thor Lange.
- Jeg er Havren, 1916. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær; Agerbys bekannteste Komposition und sein dauerhaft wirksamster Beitrag zur dänischen Singkultur.
- Ung Vise. Alle mine Længsler..., 1917. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær.
- Lillekonval beziehungsweise Liljekonval, 1918. Lied nach einem Text von Helge Rode; in manchen Nachweisen erscheint die Form Liljekonval.
- Spurvene ved Helliggejst, 1918. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær.
- Ingalill, 1918. Lied nach einem Text von Gustaf Fröding.
- Ægtestand, 1919. Lied nach einem Text von Harald Bergstedt.
- Endnu et lille Nyk, 1919. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær.
- Eftermiddagsthe, 1920. Lied nach einem Text von Eugen Frank.
- Polangins Børn i Pensa, 1920. Lied nach einem Text von Hans Hartvig Seedorf.
- Majsol, 1921. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær.
- Aftenvandring, 1921. Lied nach einem Text von Anders W. Holm.
- Vor Mor, 1924. Lied nach einem Text von Johan beziehungsweise Johann Skjoldborg.
- Jydske Viser beziehungsweise Jyske Viser, 1925. Zyklus beziehungsweise Sammlung von zehn Liedern; in den Nachweisen als wichtige Liedgruppe geführt.
- Sig nærmer Tiden, 1926. Lied nach einem Text von Steen Steensen Blicher.
- Majnat, 1927. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær.
- Sommermorgen, 1927. Lied nach einem Text von Svend Erichsen.
- Foraarstegn, 1927. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær.
- Der blomstrer ej saa liden Blomst, 1928. Lied nach einem Text von Carl Bahnson.
- Om Vejen bliver tung og trang, 1928. Lied nach einem Text von Carl Bahnson.
- Vor Tid, 1928. Lied nach einem Text von Johan beziehungsweise Johann Skjoldborg; daneben existiert ein gleichnamiger Chornachweis.
- Helene, 1928. Lied nach einem Text von Johan beziehungsweise Johann Skjoldborg.
- Kabbelejen, 1928. Lied nach einem Text von Johan beziehungsweise Johann Skjoldborg.
- 3 Sange, 1928. Werkgruppe für Singstimme und Klavier, bei Edition·S als verfügbarer Titel nachgewiesen.
- Første Gang, 1932. Lied nach einem Text von Marie Hamsun.
- Bedstes Spindevise, 1932. Lied nach einem Text von Martin Andersen Nexø.
- Steen Blicher, 1932. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær.
- Humlebien, 1932. Lied nach einem Text von Jeppe Aakjær.
- Majvise, 1932. Lied nach einem Text von Mogens Dam.
- Den Gamle Jul, 1932. Lied nach einem Text von Kai Hoffmann.
- Sange, 1932. Werkgruppe für Singstimme und Klavier, bei Edition·S als verfügbarer Titel geführt.
- Vintergækker, 1934. Lied nach einem Text von Hans Storm.
- En Dag, 1934. Lied nach einem Text von Hans Storm.
- Flammende Ungdom, 1935. Lied nach einem Text von Oskar Hansen.
- 2 Sange, 1936. Werkgruppe für Singstimme und Klavier, bei Edition·S als verfügbarer Titel geführt.
- Hørvise, 1940. Lied nach einem Text von Johannes V. Jensen.
- Hvide børn og sorte børn. Lied ohne gesicherten Jahresnachweis in der verwendeten Werklistenüberlieferung.
- Jeg ved ej hvorfra du kommer. Liedtitel, der in Werkzusammenstellungen und Aufnahmezusammenhängen erscheint; nähere Datierung ist quellenkritisch zu prüfen.
Chorwerke
- Vor tid. Chorkomposition für gemischten Chor; der Titel steht zugleich in Beziehung zu Agerbys Liedschaffen.
- Glæde over foråret. Männerchor; bei Edition·S mit dem Jahr 1927 als verfügbarer Titel geführt.
- Danmark, kære mor beziehungsweise Danmark, kære Moder. Männerchor; bei Edition·S mit dem Jahr 1925 als verfügbarer Titel geführt.
- Kløver. Männerchor; in Werklisten als Chorstück genannt.
Instrumentalkompositionen und Kammermusik
- Intermezzo. Werk für Oboe und Orchester.
- Elegi. Werk für Oboe und Orchester.
- Intermezzo pastorale. Werk für Violine und Klavier.
- Humoreske. Werk für Violine und Klavier.
- Aftenvandring. Orchesterwerk; der Titel erscheint zugleich als Liedtitel von 1921, weshalb bei bibliographischer Arbeit zwischen Lied und Orchesterstück zu unterscheiden ist.
- Berceuse. Werk für Violine und Klavier; in manchen Zusammenstellungen auch in Verbindung mit Violine und Orchester genannt.
Verlegerische und organisatorische Werkzusammenhänge
- Eigenes Musikverlagsmaterial. Agerby betrieb beziehungsweise nutzte einen eigenen Verlag, in dem eigene und fremde Arbeiten veröffentlicht wurden.
- Edition Wilhelm Hansen. Wichtiger Verlagszusammenhang für Agerbys Notenüberlieferung.
- Edition·S. Moderner Werk- und Aufführungsnachweis für ausgewählte Agerby-Kompositionen, besonders Lieder und Chöre.
- Det Unge Tonekunstnerselskab. Institutioneller Rahmen, in dem Agerby nicht nur als Komponist, sondern als Organisator von Konzerten, Repertoire und Nachwuchsförderung wirkte.
- Unge Tonekunstneres Orkester. Aus der organisatorischen Arbeit hervorgehender Aufführungs- und Ausbildungszusammenhang für junge Musiker.
Rezeption, Aufnahmen und Nachleben
Agerbys Nachleben ist ungewöhnlich konzentriert. Viele Komponisten bleiben durch umfangreiche Werkgruppen bekannt; Agerby ist im allgemeinen kulturellen Gedächtnis vor allem durch eine einzige Melodie präsent: Jeg er Havren. Diese Konzentration ist kein Zeichen mangelnder Bedeutung. Sie zeigt vielmehr, wie stark ein einzelnes Lied kulturell wirksam werden kann, wenn Text, Melodie, Singbarkeit und kollektive Erinnerung zusammenfinden.
Einige seiner Lieder wurden von Aksel Schiøtz und anderen Interpreten aufgenommen. Solche Aufnahmen halten Agerbys Liedsprache im klingenden Gedächtnis, auch wenn sie im Konzertbetrieb nicht durchgängig präsent ist. Besonders in der dänischen Lied- und Chorkultur bleibt sein Name mit Aakjær, Singbarkeit und ländlich-poetischer Bildwelt verbunden.
Daneben bleibt seine organisatorische Wirkung in der Geschichte von DUT, Ny Musik, Unge Tonekunstneres Orkester und dänischer Musikpolitik greifbar. Agerby war eine Figur, die nicht nur eigene Werke hinterließ, sondern Aufführungsbedingungen für andere verbesserte. In dieser Hinsicht ist sein Nachleben institutionell ebenso wichtig wie kompositorisch.
Ausführlicher Kulturüberblick
Aksel Agerby gehört in die dänische Musikgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Epoche war durch mehrere Spannungen geprägt: zwischen nationaler Liedkultur und internationaler Moderne, zwischen bürgerlichem Vereinswesen und neuer Medienkonkurrenz, zwischen Kirchenmusik und Konzertbetrieb, zwischen Volksliednähe und professioneller Komposition. Agerbys Leben und Werk stehen genau an dieser Schnittstelle.
Seine Ausbildung am Blindeninstitut zeigt zunächst eine soziale und institutionelle Dimension der Musikgeschichte. Blinde Musiker konnten über spezialisierte Ausbildung Wege in den Beruf finden, insbesondere als Organisten, Pianisten oder Musiklehrer. Agerbys Lebenslauf zeigt, dass diese Ausbildung nicht nur Fürsorge, sondern auch künstlerische Professionalität ermöglichte. Sein Konzertdebüt als Pianist und die spätere Organistenprüfung belegen die Ernsthaftigkeit dieser Ausbildung.
Die Tätigkeit als Organist beim Kopenhagener Begräbniswesen und später an der Brønshøj Kirke verankerte Agerby in einer praktischen, wiederkehrenden und zugleich emotional dichten Musiksphäre. Begräbnismusik, Kirchenmusik und Gemeindepraxis sind keine Randbereiche. Sie prägen das musikalische Alltagsgedächtnis einer Gesellschaft. Agerby war daher nicht nur auf Konzertpodien präsent, sondern in Momenten öffentlicher Trauer, kirchlicher Form und gemeinsamer Erinnerung.
Seine Liedkompositionen gehören in eine dänische Tradition, in der Gedicht, Lied und gemeinschaftliches Singen eng verbunden sind. Die Højskole-Kultur, das nationale Lied, der Schulgesang, der Männerchor und die Vertonung zeitgenössischer Dichter bildeten ein kulturelles System. In diesem System war eine Melodie dann erfolgreich, wenn sie nicht nur kunstvoll, sondern erinnerbar, singbar und sozial anschlussfähig war. Jeg er Havren erfüllt diese Bedingungen in besonderem Maß.
Die Verbindung zu Jeppe Aakjær ist dabei zentral. Aakjærs Texte machen ländliche Erfahrung, bäuerliche Welt, Naturbilder und soziale Erinnerung dichterisch wirksam. Agerbys Melodie zu Jeg er Havren übersetzt diese poetische Welt in eine klare musikalische Linie. Das Lied erhält dadurch eine doppelte Qualität: Es wirkt volkstümlich, obwohl es eine bestimmte dichterische und kompositorische Autorschaft besitzt.
Diese Qualität ist für die Lyrikgeschichte wichtig. Das Gedicht wird durch die Melodie nicht bloß begleitet, sondern erhält einen neuen kulturellen Aggregatzustand. Es wird singbar, erinnerbar, weitergebbar. Die Melodie entscheidet mit darüber, welche Gedichte in eine kollektive Kultur eingehen. Agerby ist deshalb auch für eine lyrikorientierte Kulturgeschichte relevant.
Seine Chorwerke zeigen eine weitere Dimension. Männerchor und gemischter Chor waren nicht nur musikalische Gattungen, sondern soziale Formationen. Sie verbanden Stimmen, Vereine, nationale Sprache, Festkultur und Gemeinschaftsgefühl. Agerbys Chormusik steht in dieser Tradition. Sie ist nicht avantgardistisch, sondern gemeinschaftsbezogen; ihre kulturelle Funktion liegt in der Herstellung singender Öffentlichkeit.
Demgegenüber zeigt seine Arbeit für DUT eine andere Seite der Moderne. Agerby war kein radikaler Modernist im kompositorischen Sinn, aber er war ein Modernisierer des Musiklebens. Er verstand, dass junge Musiker und Komponisten Institutionen brauchen: Vereine, Orchester, Konzerte, Zeitschriften, Fonds und Netzwerke. Sein organisatorisches Wirken in den 1930er Jahren half, neue dänische Musik trotz wirtschaftlicher Krise und Medienwandel präsent zu halten.
Die Zusammenführung von U.T.S. und Ny Musik war dabei ein kulturpolitischer Schritt. Sie bündelte Kräfte, verringerte Konkurrenz und schuf eine stärkere Plattform. Agerby konnte offenbar Menschen mobilisieren, Konflikte austragen und konkrete Projekte realisieren. In der Musikgeschichte sind solche organisatorischen Leistungen oft weniger sichtbar als einzelne Werke, aber sie bestimmen entscheidend, welche Musik überhaupt aufgeführt, gehört und erinnert wird.
Agerbys Bedeutung besteht daher aus zwei unterschiedlichen, aber zusammengehörigen Teilen. Als Komponist steht er für singbare dänische Liedkultur, besonders durch Jeg er Havren. Als Organisator steht er für die institutionelle Formung eines jungen, lebendigen dänischen Musiklebens in einer schwierigen Zeit. Sein Kulturlexikon-Eintrag muss beide Seiten zusammenhalten, sonst würde entweder der Liedkomponist oder der Musikadministrator zu kurz kommen.
Forschungsstand und quellenkritische Hinweise
Der Forschungsstand zu Aksel Agerby ist vergleichsweise überschaubar. Die wichtigsten Grundinformationen bieten das Dansk Biografisk Leksikon, Lex.dk, Store norske leksikon, die Dansk Komponistforening und Edition·S. Für die organisatorische Bedeutung sind außerdem zeitgenössische Beiträge in der Dansk Musiktidsskrift zentral, besonders Texte von Flemming Weis, Johan Bentzon und Knudåge Riisager beziehungsweise aus deren Umfeld.
Quellenkritisch ist zu beachten, dass Agerbys Werkverzeichnis in modernen Onlinequellen teilweise als ausgewählte Werkübersicht und nicht als historisch-kritisches Gesamtverzeichnis erscheint. Die Angabe „komplettes Werkverzeichnis“ kann daher nur im Sinn einer sorgfältigen Zusammenführung der öffentlich nachweisbaren Werklisten verstanden werden. Für eine endgültige bibliographische Gesamterfassung wären Originaldrucke, Verlagskataloge, Bibliotheksnachweise, Aufführungsprogramme und Archivmaterial heranzuziehen.
Auch einzelne Titelvarianten sind zu berücksichtigen. Jydske Viser und Jyske Viser, Lillekonval und Liljekonval, Danmark, kære mor und Danmark, kære Moder können je nach Quelle unterschiedlich erscheinen. Die dänische Orthographie älterer Drucke sollte bei bibliographischer Arbeit möglichst originalgetreu geprüft werden.
Forschungsgeschichtlich wäre Agerby besonders lohnend für eine Studie über dänische Liedkultur, Musik und Blindheit, Musikvereinswesen der Zwischenkriegszeit, die Vorgeschichte von DUT und die soziale Bedeutung junger Musikerorchester in den 1930er Jahren. Sein kompositorischer Ruhm ist begrenzt; seine kulturorganisatorische Bedeutung ist dagegen erheblich.
Sekundärliteratur
- Nils Schiørring: Aksel Agerby. In: Dansk Biografisk Leksikon. Grundlegender biographischer Artikel mit Angaben zu Ausbildung, Organistenstellen, Liedschaffen und organisatorischer Bedeutung.
- Jens Cornelius: Aksel Agerby. In: Lex.dk. Kompakter moderner Überblick zu Agerby als Komponist, Organist und Vorsitzender des Det Unge Tonekunstnerselskab.
- Rune J. Andersen: Aksel Agerby. In: Store norske leksikon. Nützlicher Überblick mit besonderer Betonung von Ästhetik, Liedmelodik, DUT, UTO und Unge Tonekunstneres Fond.
- Flemming Weis und Johan Bentzon: Et par ord om Aksel Agerby som formand. In: Dansk Musiktidsskrift, 1935, Nr. 3. Zeitgenössischer Beitrag zur organisatorischen Rolle Agerbys.
- Knudåge Riisager und weitere Autoren: Aksel Agerby fylder halvtreds. In: Dansk Musiktidsskrift, 1939, Nr. 5. Würdigung zum fünfzigsten Geburtstag mit zeitgenössischem Blick auf Person, Werk und Wirken.
- Flemming Weis: Aksel Agerby. In memoriam. In: Dansk Musiktidsskrift, 1942, Nr. 2. Nachruf und zeitnahe Einschätzung seiner Bedeutung.
- Michael Fjeldsøe: Den fortrængte modernisme. Den ny musik i dansk musikliv 1920–1940. København 1999. Wichtig für das Umfeld von U.T.S., Ny Musik, DUT und dänischer Moderne.
- Claus Røllum-Larsen: Impulser i Københavns koncertrepertoire 1900–1935. København 2002. Wichtig für die Konzert- und Repertoiregeschichte, in der Agerbys organisatorisches Wirken steht.
- Forschung zu Jeppe Aakjær und dänischer Liedkultur. Einschlägig für die Stellung von Jeg er Havren innerhalb der dänischen Singtradition.
- Forschung zur Højskole-Sangtradition. Hilfreich für die Einordnung von Agerbys Melodik zwischen Kunstlied, Volksliednähe, Schule, Chor und nationaler Kultur.
- Forschung zur Geschichte des Det Unge Tonekunstnerselskab und der International Society for Contemporary Music in Dänemark. Wichtig für Agerbys organisatorische Rolle.
Onlinequellen und Recherchewege
Für die weitere Recherche sollten mehrere Suchformen kombiniert werden: Aksel Agerby, Aksel Andersen Agerby, Aksel Agerby Jeg er Havren, Aksel Agerby DUT, Aksel Agerby Det Unge Tonekunstnerselskab, Aksel Agerby Ny Musik, Aksel Agerby Brønshøj Kirke, Aksel Agerby Jydske Viser, Aksel Agerby Aksel Schiøtz und Aksel Agerby Dansk Musiktidsskrift.
- Lex.dk: Aksel Agerby Moderner dänischer Lexikonartikel mit Lebensdaten, Organistenstelle, DUT-Vorsitz und Hinweis auf Jeg er Havren.
- Dansk Biografisk Leksikon: Aksel Agerby Ausführlicher biographischer Artikel mit Ausbildung, Konzertdebüt, Organistenstellen, Familie, organisatorischer Bedeutung und Bibliographie.
- Dansk Komponistforening / Komponistbasen: Aksel Agerby Profil mit Lebens- und Werkangaben, Werkverzeichnis, Beschäftigungen, Verlagen und Literaturhinweisen.
- Edition·S: Aksel Agerby Verlags- und Werkseite mit verfügbaren Liedern und Chorwerken sowie biographischem Kurzprofil.
- Store norske leksikon: Aksel Agerby Norwegischer Fachartikel mit besonderer Betonung von Ästhetik, Liedmelodik, DUT, UTO und Unge Tonekunstneres Fond.
- Gravsted.dk: Aksel Agerby Biographische Kurznotiz und Grabstättenhinweis, nützlich für Lebensdaten und Nachleben.
- DOKS Organistbogen: Brønshøj Kirke Organistenliste der Brønshøj Kirke mit Agerbys Amtszeit von 1930 bis 1942.
- The LiederNet Archive: Jeg er Havren Liedtext- und Vertonungsnachweis zu Jeppe Aakjærs Text und Agerbys Melodie.
- Det Kgl. Bibliotek Zentrale dänische Bibliothek für Notendrucke, Programme, Nachlässe, Musikzeitschriften und historische Zeitungen.
- Dansk Musiktidsskrift Wichtige Zeitschrift zur dänischen Musikgeschichte, besonders für Beiträge zu Agerby, DUT und den 1930er Jahren.
- WorldCat Internationaler Bibliothekskatalog zur Suche nach Notenausgaben, Aufnahmen, Sekundärliteratur und Zeitschriftennachweisen.
- Internet Archive Digitalbibliothek für ältere Musiklexika, gemeinfreie Literatur und historische Quellen.
- JSTOR Rechercheplattform für Fachaufsätze zu dänischer Musikgeschichte, Liedkultur, Musikvereinen und europäischer Zwischenkriegsmoderne.
Weiterführende Einträge
- Jeppe Aakjær Dänischer Dichter, dessen Text Jeg er Havren durch Agerbys Melodie besonders bekannt wurde.
- Martin Andersen Nexø Dänischer Schriftsteller, dessen Text Bedstes Spindevise von Agerby vertont wurde.
- Harald Bergstedt Dänischer Autor, dessen Text Ægtestand in Agerbys Liedschaffen erscheint.
- Steen Steensen Blicher Dänischer Dichter, dessen Text Sig nærmer Tiden von Agerby vertont wurde.
- Königliches Blindeninstitut Kopenhagen Ausbildungsinstitution, die für Agerbys musikalischen Berufsweg entscheidend war.
- Brønshøj Kirke Kopenhagener Kirche, an der Agerby von 1930 bis zu seinem Tod als Organist wirkte.
- Chorlied Gattung gemeinschaftlichen Singens, in der Agerbys Männerchor- und gemischte Chorstücke stehen.
- Dänische Musik Musikgeschichtlicher Rahmen für Agerbys Liedschaffen und seine organisatorische Arbeit.
- Dänisches Lied Tradition zwischen Kunstlied, Volkslied, Højskole-Kultur, Schule und gemeinschaftlichem Singen.
- Det Unge Tonekunstnerselskab Zentrale dänische Musikorganisation, die Agerby seit 1929 als Vorsitzender prägte.
- Gustaf Fröding Schwedischer Dichter, dessen Text Ingalill von Agerby vertont wurde.
- Gemeinschaftsgesang Soziale Form des Singens, wichtig für Agerbys Lied- und Chorwirkung.
- Marie Hamsun Autorin des Textes zu Agerbys Lied Første Gang.
- Højskolelied Dänische Singtradition, in der Agerbys Jeg er Havren kulturgeschichtlich verankert ist.
- Instrumentalcharakterstück Kleine lyrische Instrumentalform, anschlussfähig an Agerbys Intermezzi, Elegie, Humoreske und Berceuse.
- Jeg er Havren Agerbys bekannteste Melodie nach einem Text von Jeppe Aakjær und Kernstück seines musikalischen Nachlebens.
- Johannes V. Jensen Dänischer Schriftsteller, dessen Text Hørvise von Agerby vertont wurde.
- Kopenhagen Wirkungs- und Sterbeort Agerbys sowie Zentrum seiner organistischen und organisatorischen Arbeit.
- Kunstlied Gattung, an deren Rand Agerbys textnahe und volksliedhafte Klavierlieder stehen.
- Männerchor Chorformation, für die Agerby mehrere Stücke schrieb und die in der nordischen Singkultur bedeutsam war.
- Musikadministrator Rolle, die bei Agerby als Organisator von DUT, Konzertwesen, Orchesterarbeit und Nachwuchsförderung zentral ist.
- Ny Musik Dänische Vereinigung für neue Musik, die unter Agerbys organisatorischem Einfluss mit U.T.S. zusammengeführt wurde.
- Organist Kirchenmusikalischer Beruf, der Agerbys praktische Musikexistenz prägte.
- Helge Rode Dänischer Dichter, dessen Text Lillekonval beziehungsweise Liljekonval von Agerby vertont wurde.
- Aksel Schiøtz Dänischer Sänger, in dessen Aufnahmen einige Agerby-Lieder überliefert sind.
- Johan Skjoldborg Dänischer Autor, dessen Texte mehrfach in Agerbys Liedschaffen erscheinen.
- Viborg Geburtsort Agerbys und Ausgangspunkt seiner dänischen Biographie.
- Volksliednähe Ästhetische Qualität einfacher, singbarer, kollektiv erinnerbarer Melodien, zentral für Agerbys Liedwirkung.
- Musik der Zwischenkriegszeit Historischer Kontext für Agerbys organisatorische Arbeit in den 1920er und 1930er Jahren.