Maria Anna Adamberger

Österreichische Schauspielerin und Sängerin · 1752–1804 · Burgtheater · Lustspiel · Singspiel · Familie Adamberger

Überblick

Maria Anna Adamberger, geborene Jacquet beziehungsweise Jaquet, auch Nanny Adamberger genannt, war eine österreichische Schauspielerin und Sängerin des späten 18. Jahrhunderts. Sie gehört zur Geschichte des Wiener Burgtheaters, des aufgeklärten deutschsprachigen Lustspiels und der Theaterkultur am habsburgischen Hof. Ihre Lebensdaten werden in der älteren und neueren Überlieferung nicht völlig einheitlich angegeben; für diesen Eintrag wird die gut belegte und vom Lemma vorgegebene Ansetzung 1752–1804 verwendet.

Adamberger wurde vor allem als Darstellerin munterer, naiver, natürlicher und lebhaft-komischer Rollen berühmt. Die ältere Theatergeschichtsschreibung hebt besonders ihre Fähigkeit hervor, junge Frauenfiguren, Bauernmädchen, Bürgerstöchter und heitere Charaktere nicht grob possenhaft, sondern anmutig, wahr, beweglich und menschlich glaubwürdig zu gestalten. Gerade darin lag ihr Rang: Sie verkörperte nicht die hochpathetische Tragödin, sondern eine Form des Spiels, die dem bürgerlichen Lustspiel der Aufklärung besonders entsprach.

Ihre Laufbahn ist eng mit dem Burgtheater verbunden. Bereits als Kind trat sie auf; 1768 wurde sie Mitglied der Hofbühne. Sie blieb über Jahrzehnte eine beliebte Schauspielerin des Wiener Publikums. Ihre Bedeutung zeigt sich nicht nur in Rollenangaben, sondern auch in ihrer Aufnahme in die Burgtheatergalerie. Dort wurde sie als eine der prägenden Künstlerinnen des Hauses ikonografisch bewahrt.

Biografisch steht Maria Anna Adamberger an einem Knotenpunkt bedeutender Theater- und Musikbeziehungen. Ihr Vater Karl Jacquet war Schauspieler; ihre Schwester Katharina Jacquet wurde ebenfalls Schauspielerin; ihr Ehemann Josef Valentin Adamberger war ein bekannter Tenor und Mozart-Interpret; ihre Tochter Antonie Adamberger wurde später selbst Schauspielerin und war durch ihre Verbindung mit Theodor Körner und Joseph von Arneth kulturgeschichtlich bekannt. Maria Anna Adamberger ist daher nicht nur als Einzelkünstlerin, sondern auch als Mitglied einer weit verzweigten Theaterfamilie zu betrachten.

Name, Lebensdaten und Quellenlage

Die Quellenlage zu Maria Anna Adamberger ist typisch für Bühnenkünstlerinnen des 18. Jahrhunderts: Sie ist reich an lexikalischen, theatergeschichtlichen und genealogischen Spuren, aber nicht vollständig widerspruchsfrei. Als Geburtsname erscheinen Maria Anna Jacquet, Maria Anna Jaquet, Anna Maria Jaquet und Anna Marie Jacquet. Als Ehename und Künstlerinnenname setzte sich Maria Anna Adamberger durch. Die vertrauliche oder bühnennahe Namensform Nanny Adamberger ist ebenfalls belegt.

Auch bei Geburtsjahr, Geburtsort und Todesjahr bestehen in Nachschlagewerken Abweichungen. Die Allgemeine Deutsche Biographie nennt den 23. Oktober 1752 in Wien und den 5. November 1804. Das Österreichische Musiklexikon nennt ebenfalls den 23. Oktober 1752 und den 5. November 1804, setzt den Geburtsort aber Nürnberg an. Andere Normdaten- und Portalangaben nennen 1753 als Geburtsjahr oder 1807 als Todesjahr. Für die praktische Ansetzung empfiehlt sich, im Lemma und in der Kurzbeschreibung 1752–1804 zu verwenden und im Artikel auf die abweichende Quellenlage hinzuweisen.

Der Name Adamberger verweist auf ihre Ehe mit dem Tenor Josef Valentin Adamberger, den sie 1781 heiratete. Vor dieser Ehe gehörte sie zur Schauspielerfamilie Jacquet. Für die Indexsortierung ist daher die Form Adamberger, Maria Anna zweckmäßig, während der sichtbare Linktext natürlich Maria Anna Adamberger lautet.

Familie Jacquet und Familie Adamberger

Maria Anna Adamberger wurde in eine Schauspielerfamilie hineingeboren. Ihr Vater Karl Jacquet war Wiener Hofschauspieler. Die Bühne war für sie daher kein spät entdecktes Berufsfeld, sondern ein familiärer und sozialer Lebensraum. Schon die frühe Ausbildung durch den Vater zeigt, dass Theater im 18. Jahrhundert häufig innerhalb von Familien weitergegeben wurde. Schauspielkunst wurde nicht allein durch Akademien oder theoretische Schriften vermittelt, sondern durch Beobachtung, Übung, Ensemblearbeit und die unmittelbare Unterweisung erfahrener Bühnenpraktiker.

Ihre Schwester Katharina Jacquet wurde ebenfalls Schauspielerin und war besonders als Tragikerin bekannt. Die Gegenüberstellung der beiden Schwestern ist theatergeschichtlich reizvoll: Während Katharina stärker mit dem tragischen Fach verbunden wurde, profilierte sich Maria Anna vor allem im Lustspiel, in der Naiven und in heiteren Rollen. Dadurch erscheinen die Schwestern als zwei unterschiedliche Möglichkeiten weiblicher Bühnenkunst im Theater der Aufklärung.

Durch die Ehe mit Josef Valentin Adamberger verband sich Maria Anna Adamberger mit einer prominenten musikalischen Linie. Valentin Adamberger war ein bedeutender Tenor und wurde unter anderem als erster Belmonte in Mozarts Die Entführung aus dem Serail bekannt. Die gemeinsame Tochter Antonie Adamberger setzte die Theatertradition fort und wurde selbst eine bekannte Schauspielerin. Damit bildet die Familie Adamberger ein dichtes Netz aus Schauspiel, Gesang, Musiktheater, Burgtheater, Mozart-Rezeption und späterer literarischer Erinnerung.

Kinderdarstellerin und frühe Bühnenausbildung

Maria Anna Adamberger trat bereits als Kind auf. Die frühe Bühnenpraxis war im 18. Jahrhundert keineswegs ungewöhnlich, aber sie verlangt besondere Beachtung. Kinderdarstellerinnen wurden nicht nur als niedliche Erscheinungen eingesetzt, sondern konnten früh mit Deklamation, Gestik, Rollenverständnis und Bühnenroutine vertraut werden. Wer schon in jungen Jahren auf der Bühne stand, entwickelte eine Selbstverständlichkeit des Auftretens, die später schwer nachzuholen war.

1768 wurde sie Mitglied der Hofbühne. Damit trat sie in einen professionellen Apparat ein, der hohe Anforderungen stellte. Die Hofbühne war nicht bloß ein Ort der Unterhaltung, sondern eine repräsentative Institution, in der künstlerische, gesellschaftliche und politische Erwartungen zusammenliefen. Eine junge Schauspielerin musste sich hier in Repertoire, Ensemblehierarchie, Rollenfach und Publikumswirkung bewähren.

Die älteren biografischen Darstellungen berichten, dass Adamberger zunächst auch tragische Rollen versuchte, ihren eigentlichen Erfolg jedoch im heiteren und naiven Fach fand. Diese Verschiebung ist aufschlussreich: Sie zeigt, dass das 18. Jahrhundert bereits eine deutliche Vorstellung von Rollenfächern hatte. Nicht jede Begabung eignete sich für jedes Fach. Adambergers Talent lag in der Natürlichkeit, der Beweglichkeit, der Anmut und der glaubwürdigen Darstellung heiterer weiblicher Figuren.

Burgtheater, Hofbühne und Wiener Theaterkultur

Das Burgtheater beziehungsweise die Wiener Hofbühne war im 18. Jahrhundert eines der wichtigsten deutschsprachigen Theaterzentren. Die Bühne stand zwischen höfischer Repräsentation, aufgeklärter Theaterreform, bürgerlicher Moral, komischem Spiel und literarischer Ambition. Maria Anna Adamberger wirkte in dieser Umgebung über Jahrzehnte hinweg und wurde zu einer beliebten Darstellerin des Wiener Publikums.

Das Burgtheater war ein Ort, an dem sich der Wandel vom älteren höfischen Theater zu einem stärker literarisch und bürgerlich geprägten Schauspiel vollzog. Komödie, Lustspiel, Singspiel, Schauspiel und moralisches Rührstück standen nebeneinander. Die Schauspielerin musste deshalb nicht nur einen Text sprechen, sondern soziale Typen, moralische Situationen und emotionale Nuancen glaubhaft verkörpern. Adambergers Erfolg in munteren und naiven Rollen passt genau in diesen Theaterwandel.

Besonders wichtig ist ihre Verbindung zur Burgtheatergalerie. Die Aufnahme ihres Bildes in diese Ehrengalerie zeigt, dass sie nicht lediglich als beliebtes Ensemblemitglied galt, sondern als erinnerungswürdige Vertreterin der Wiener Bühne. Theaterikonografie ist für das 18. Jahrhundert bedeutsam, weil Schauspielkunst selbst vergänglich ist. Was von ihr bleibt, sind Rollenberichte, Kritiken, Anekdoten, Kupferstiche, Porträts, Erinnerungen und spätere Lexikonartikel.

Lustspiel, naive Rollen und Schauspielprofil

Maria Anna Adambergers eigentliches Fach war das Lustspiel. Die ältere Theaterkritik bezeichnet sie als Darstellerin der munteren und naiven Rollen. Damit ist kein Mangel an Kunst gemeint. Im Gegenteil: Die glaubwürdige Darstellung naiver Figuren verlangt eine besondere Balance. Sie darf nicht dümmlich wirken, nicht sentimental überzeichnet sein und nicht in bloße Possenhaftigkeit absinken. Adambergers Kunst bestand darin, Lebhaftigkeit, Natürlichkeit, Charme und Genauigkeit des Ausdrucks miteinander zu verbinden.

Das Fach der Naiven war im 18. Jahrhundert besonders wichtig, weil es die moralischen und sozialen Ideale des bürgerlichen Theaters verkörpern konnte. Die junge, unverdorbene, muntere oder empfindsame Frauenfigur stand oft zwischen familiärer Ordnung, Liebeshandlung, sozialer Prüfung und komischer Verwicklung. Sie musste zugleich rühren und unterhalten, glaubwürdig und anmutig sein. Adambergers Spiel erfüllte offenbar genau diese Erwartung.

Zeitgenössische und ältere Nachrufe betonen ihre Natürlichkeit. Solche Begriffe sind theaterästhetisch aufschlussreich. Im Theater der Aufklärung bedeutete Natürlichkeit nicht einfach Alltäglichkeit. Sie war ein Kunstideal: Die Schauspielerin sollte nicht künstlich deklamieren, sondern den Eindruck erzeugen, als entstehe Ausdruck unmittelbar aus Gefühl, Situation und Charakter. Adamberger wurde gerade für diese glaubwürdige Natürlichkeit geschätzt.

Ihr Profil lässt sich daher nicht angemessen erfassen, wenn man nur nach großen tragischen Rollen oder nach prominenten musikalischen Nummern sucht. Ihr Rang liegt im komischen Schauspiel, im feineren Lustspiel und in jener Bühnenkunst, die aus scheinbar kleinen Gesten, schnellen Reaktionen, Blicken, Tonfällen und natürlicher Sprechweise Wirkung erzeugt.

Singspiel, Gesang und Mozart-Bezug

Maria Anna Adamberger wird in der Überlieferung vor allem als Schauspielerin geführt, zugleich aber auch im Zusammenhang mit Gesang, Singspiel und musikalischem Theater genannt. Diese Verbindung entspricht der Wiener Theaterpraxis des 18. Jahrhunderts. Die Grenze zwischen Schauspielerin, Sängerin, Singspieldarstellerin und Bühnenkünstlerin war nicht immer so streng gezogen wie in späteren spezialisierten Opern- und Schauspielsystemen.

Besonders bekannt ist der Bezug zu Mozarts Der Schauspieldirektor. Das Österreichische Musiklexikon nennt Maria Anna Adamberger als Madame Vogelsang in diesem Werk. Der Schauspieldirektor gehört zur Wiener Singspiel- und Theaterkultur der 1780er Jahre und spiegelt selbstironisch die Welt der Bühne, der Sänger, der Schauspieler, der Konkurrenz und der Direktion. Dass Maria Anna Adamberger in diesem Zusammenhang genannt wird, passt zu ihrer Stellung zwischen Schauspiel und musikalischem Theater.

Ihr Ehemann Josef Valentin Adamberger war als Tenor eng mit Mozart verbunden; er war der erste Belmonte in Die Entführung aus dem Serail. Dadurch gehörte Maria Anna Adamberger auch familiär zu jenem Wiener Bühnenmilieu, in dem Mozart seine deutschsprachigen Musiktheaterwerke schuf. Diese Verbindung sollte jedoch nicht dazu führen, ihre eigene Leistung auf den Namen Mozart oder auf ihren Ehemann zu reduzieren. Sie war eine eigenständige Schauspielerin des Burgtheaters und wurde als solche gerühmt.

Paraderollen, Ehrengalerie und Theaterikonografie

Eine besonders wichtige Rolle in der Erinnerung an Maria Anna Adamberger spielte die Figur der Rosine beziehungsweise Rofine in Der Jurist und der Bauer. In der Burgtheatergalerie wurde sie in einer solchen Rollenidentität bewahrt. Das ist kulturhistorisch bedeutsam, weil die Rolle offenbar als exemplarisch für ihren Spieltyp empfunden wurde: bäuerlich oder bürgerlich, munter, natürlich, listig, anmutig und für ein Publikum unmittelbar einnehmend.

Auch die Rolle der Gurli in Kotzebues Die Indianer in England wird in älteren Bild- und Rollenüberlieferungen mit ihr verbunden. Solche Rollen zeigen, wie sehr Adambergers Bühnenwirkung an Figuren des empfindsamen, komischen und exotisch gefärbten Theaters um 1800 gebunden war. Das Theater dieser Zeit liebte Kontraste zwischen Natur und Gesellschaft, Naivität und Zivilisation, Gefühl und Ordnung.

Die Theaterikonografie ersetzt keine Aufführung, aber sie überliefert, wie eine Schauspielerin gesehen werden sollte. Porträts in Rollenform sind nicht bloß Bildnisse der Person, sondern Erinnerungsbilder einer Bühnenleistung. Maria Anna Adamberger wurde dadurch nicht nur als private Person oder als schöne Schauspielerin, sondern als Verkörperung bestimmter Rollenqualitäten ins kulturelle Gedächtnis aufgenommen.

Zeitgenössische Rezeption und Nachruhm

Maria Anna Adamberger wurde von Zeitgenossen und späteren Theaterhistorikern für die Wahrheit und Liebenswürdigkeit ihres Spiels gelobt. Die ältere biografische Literatur hebt hervor, dass sie in munteren und naiven Rollen glänzte. Solche Urteile sind nicht als bloße Höflichkeitsformeln zu lesen. Sie markieren eine bestimmte theaterästhetische Wertung: Nicht die Überwältigung durch Pathos, sondern die Kunst der Natürlichkeit und die Glaubwürdigkeit im Lustspiel werden hervorgehoben.

Die Aufnahme in die Burgtheatergalerie und die wiederholte Nennung in Bühnenlexika zeigen, dass ihr Nachruhm über die unmittelbare Gegenwart hinausreichte. Dabei wurde sie meist im Zusammenhang mit der Wiener Hofbühne, dem Lustspiel und ihrer Familie erinnert. Ihre Tochter Antonie Adamberger erhielt später eine eigene literarisch-biografische Prominenz, doch die Mutter bleibt als Schauspielerin des 18. Jahrhunderts eigenständig wichtig.

Der Nachruhm Maria Anna Adambergers zeigt zugleich eine Schwierigkeit der Theatergeschichte. Schauspielkunst ist flüchtig. Anders als ein gedrucktes Werk oder eine Partitur bleibt sie nicht unmittelbar erhalten. Die Rekonstruktion ihrer Kunst muss aus Rollenlisten, Porträts, Theaterlexika, Erinnerungen und Urteilen erfolgen. Gerade deshalb sind die überlieferten Hinweise auf Natürlichkeit, Anmut, Komik und Naivität so wichtig: Sie bilden die wenigen Spuren einer verlorenen Bühnenpräsenz.

Werk- und Rollenübersicht

Bei einer Schauspielerin des 18. Jahrhunderts ist kein Werkverzeichnis im kompositorischen Sinn zu erwarten. Sinnvoll ist vielmehr eine Übersicht über Rollenfelder, belegte Rollen, Theaterzusammenhänge und erinnerte Darstellungen. Die folgende Übersicht ordnet die überlieferten Angaben kulturgeschichtlich.

Rollenfelder

  • Naive Rollen. Zentrales Fach Maria Anna Adambergers; junge, muntere, natürliche und gefühlsnahe Frauenfiguren im Lustspiel und Schauspiel.
  • Lustspielrollen. Heitere und komische Rollen, in denen Adamberger als besonders wahr, anmutig und publikumswirksam galt.
  • Bürgerliche und bäuerliche Mädchenfiguren. Rollentypen, die Natürlichkeit, Frische, Liebenswürdigkeit und komische Beweglichkeit verlangten.
  • Singspielnahe Rollen. Rollen im Umfeld musikalischen Theaters, bei denen Schauspiel, Gesang, Bühnenpräsenz und komische Selbstreflexion zusammenwirkten.
  • Mütterrollen und spätere Charakterrollen. Nach Angaben einzelner biografischer Quellen durchlief sie im Lauf ihrer Karriere mehrere Alters- und Rollenfächer.

Einzelne belegte oder besonders erinnerte Rollen und Werke

  • Madame Vogelsang in Mozarts Der Schauspieldirektor. Wichtiger Singspiel- und Mozart-Bezug innerhalb der Wiener Theaterkultur der 1780er Jahre.
  • Rosine beziehungsweise Rofine in Der Jurist und der Bauer. Paraderolle, mit der Adamberger in der Burgtheatergalerie verbunden wurde.
  • Gurli in Kotzebues Die Indianer in England. Rolle aus dem empfindsamen und exotisch gefärbten Theater um 1800; in älteren Bild- und Rollenüberlieferungen mit ihr verbunden.
  • Kinderrollen am Hoftheater. Frühe Rollen seit etwa 1760, die ihre Kinderdarstellerinnenlaufbahn begründeten.
  • Tragische Rollen in der Frühzeit. Rollenfeld, das sie nach älteren Angaben zunächst versuchte, dann aber zugunsten des komischen und naiven Fachs aufgab.

Sekundärliteratur und Quellen

Die Forschung und Nachschlageüberlieferung zu Maria Anna Adamberger ist auf Theaterlexika, biografische Lexika, Normdaten, Theatergeschichte, Burgtheaterliteratur und Arbeiten zur Wiener Bühne um 1800 verteilt. Für eine verlässliche Darstellung ist es wichtig, die abweichenden Lebensdaten nicht zu verschweigen und zugleich die gut belegten Konstanten festzuhalten: ihre Zugehörigkeit zur Wiener Bühne, ihre Herkunft aus der Familie Jacquet, ihre Ehe mit Josef Valentin Adamberger, ihre Tochter Antonie Adamberger und ihr Rang im Lustspiel.

  • Förster, August: Maria Anna Adamberger. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 1, Leipzig 1875, S. 46. Klassischer Kurzartikel mit Lebensdaten 1752–1804, Ehehinweis und Charakterisierung ihrer munteren und naiven Rollen.
  • Adamberger, Familie. In: Oesterreichisches Musiklexikon Online. Wichtig für den Familienzusammenhang, die Ehe mit Valentin Adamberger und den Hinweis auf Maria Anna Adamberger als Schauspielerin im Zusammenhang von Mozarts Der Schauspieldirektor.
  • Deutsche Nationalbibliothek: GND-Datensatz Maria Anna Adamberger. Normdatenquelle mit Namensvarianten wie Nanny Adamberger, Anna Marie Adamberger, Jacquet und Jaquet sowie mit abweichenden Lebensdaten.
  • Wien Geschichte Wiki: Maria Anna Adamberger. Portalartikel mit Wiener Theaterbezug, Burgtheaterkontext und Angaben zur Burgtheatergalerie.
  • Wien Geschichte Wiki: Burgtheatergalerie. Kontextquelle zur Ehrengalerie des Burgtheaters und zur Erinnerung an bedeutende Schauspielerinnen und Schauspieler des Hauses.
  • Austria-Forum: Adamberger, Maria Anna. Kurzbiografie mit Burgtheaterbezug, Hinweis auf Kinderrollen, Mitgliedschaft und besondere Schätzung durch Joseph II.
  • biografiA: Adamberger Maria Anna. Eintrag im Kontext österreichischer Frauenbiografik mit Angaben zu Familie, Laufbahn und Burgtheater.
  • Eisenberg, Ludwig: Großes biographisches Lexikon der deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903. Wichtiges älteres Bühnenlexikon für die theaterbiografische Überlieferung.
  • Kosch, Wilhelm: Deutsches Theater-Lexikon. Für den weiteren Familien- und Bühnenkontext der Jacquet- und Adamberger-Verbindungen einschlägig.
  • Catholy, Eckehard: Das deutsche Lustspiel. Von der Aufklärung bis zur Romantik. Stuttgart: Kohlhammer. Wichtig für die literar- und theatergeschichtliche Einordnung des Lustspielfachs, in dem Adamberger besonders wirkte.
  • Kriegleder, Wynfrid: Der Jurist und der Bauer. Untersuchung zum Lustspiel und zur Rolle der Rosine/Rofine, die mit Adambergers Paraderollen-Überlieferung verbunden ist.
  • Archivportal-D: Maria Anna Adamberger. Archivportal mit Normdaten, Personenansetzung und Abbildungsverweis; hilfreich zur Recherche verstreuter Sammlungsbestände.
  • Kalliope-Verbund: Adamberger, Maria Anna. Relevanter Nachweis für archivalische und handschriftliche Zusammenhänge sowie Normdatenanbindung.
  • BMLO: Jaquet, Maria Anna. Personenlexikalischer Zugang mit musikbezogener Einordnung und Verweisen auf weitere biografische Ressourcen.
  • Deutsche Biographie: Antonie Adamberger. Wichtig für den genealogischen Zusammenhang, da Maria Anna Adamberger dort als Mutter Antonie Adambergers erscheint.
  • Deutsche Biographie: Katharina Ja(c)quet. Wichtig für den familiären Zusammenhang der Schauspielerinnenfamilie Jacquet und für die Einordnung der Schwester Katharina.
  • Oesterreichisches Musiklexikon: Valentin Adamberger beziehungsweise Adamberger-Familie. Wichtig für den musikalischen Kontext, den Mozart-Bezug und die Theaterfamilie.
  • Sammlung Franz Trau. Ältere Sammlungs- und Auktionsliteratur mit Hinweisen auf Bildnisse und Rollenporträts Maria Anna Adambergers, etwa als Gurli in Kotzebues Die Indianer in England.
  • Literatur zur Geschichte des Burgtheaters im 18. Jahrhundert. Besonders relevant für Ensemblepraxis, Rollenfächer, höfische Theaterpolitik und Burgtheatergalerie.
  • Mozart-Forschung zu Der Schauspieldirektor. Wichtig für die Einordnung des Singspiel- und Theatermilieus, in dem Adamberger genannt wird.

Bedeutung und Bewertung

Maria Anna Adamberger ist eine wichtige Vertreterin der Wiener Schauspielkunst des späten 18. Jahrhunderts. Ihr Rang liegt nicht in einer tragischen Monumentalrolle und auch nicht in einer umfangreich dokumentierten Autorschaft, sondern in der Kunst des Spiels selbst. Sie war eine Darstellerin, deren Wirkung in Natürlichkeit, Heiterkeit, Anmut, komischem Takt und glaubwürdiger Verkörperung bestand.

Gerade diese Form der Schauspielkunst ist historisch leicht zu unterschätzen, weil sie kaum direkt überlieferbar ist. Die große Tragödin lässt sich oft über dramatische Hauptrollen erinnern, der Komponist über Partituren, der Dichter über Texte. Eine Lustspieldarstellerin wie Adamberger lebt dagegen in Rollenberichten, Bildnissen, Anekdoten und Theaterlexika fort. Ihre Bedeutung muss deshalb aus den Spuren der Rezeption rekonstruiert werden.

Als Mitglied des Burgtheaters, als Darstellerin des Lustspiels, als Teil der Familie Jacquet-Adamberger und als Bühnenkünstlerin im Umfeld von Mozart, Joseph II. und der Wiener Theaterkultur gehört sie zu den wichtigen weiblichen Theatergestalten der Aufklärungszeit. Ihre Biografie macht sichtbar, wie eng Schauspiel, Gesang, Singspiel, Familiennetzwerke, höfische Institution und bürgerliche Komödie im 18. Jahrhundert verbunden waren.

Für das Kulturlexikon empfiehlt sich daher eine Darstellung, die Maria Anna Adamberger nicht nur als „Frau von“ Valentin Adamberger oder als Mutter Antonie Adambergers führt, sondern als eigenständige Schauspielerin und Sängerin. Sie war eine Künstlerin, deren Bühnenprofil von der Wiener Theaterwelt selbst als erinnerungswürdig angesehen wurde.

Weiterführende Einträge

  • Antonie Adamberger Tochter Maria Anna und Josef Valentin Adambergers; Schauspielerin, später mit Theodor Körner und Joseph von Arneth verbunden
  • Josef Valentin Adamberger Tenor, Mozart-Sänger und Ehemann Maria Anna Adambergers; erster Belmonte in Mozarts Die Entführung aus dem Serail
  • Joseph Calasanza von Arneth Numismatiker und Archäologe; späterer Ehemann von Antonie Adamberger und damit mit der Familie Adamberger verbunden
  • Aufklärungstheater Theater der Vernunft, Moral, Empfindsamkeit und bürgerlichen Erziehung; wichtiger Rahmen für Adambergers Bühnenkunst
  • Belmonte Mozart-Partie aus Die Entführung aus dem Serail, berühmt durch Josef Valentin Adamberger
  • Bühnenkunst Zusammenspiel von Stimme, Körper, Rollenverständnis, Raum, Gestik und Publikum im Theater
  • Burgtheater Wiener Hof- und Nationalbühne, an der Maria Anna Adamberger über Jahrzehnte wirkte
  • Burgtheatergalerie Ehrengalerie des Burgtheaters, in der Adamberger als erinnerungswürdige Schauspielerin bewahrt wurde
  • Heinrich Joseph von Collin Wiener Dichter und Dramatiker; Teil des literarischen Umfelds der Wiener Bühne um 1800
  • Die Entführung aus dem Serail Mozarts Singspiel, dessen erster Belmonte Josef Valentin Adamberger war
  • Der Schauspieldirektor Mozarts Singspiel über Theaterbetrieb, Konkurrenz und Bühnenwelt; mit Maria Anna Adamberger in der Überlieferung verbunden
  • Der Jurist und der Bauer Lustspiel, in dessen Rollenüberlieferung Adamberger als Rosine/Rofine besonders erinnert wurde
  • Die Indianer in England Lustspiel von August von Kotzebue; die Rolle der Gurli gehört zu Adambergers späterer Rollenikonografie
  • Ehrengalerie Institutionalisierte Form künstlerischer Erinnerung durch Porträt, Rollenbild und Theatergedächtnis
  • August Förster Theaterhistoriker und Autor des ADB-Artikels zu Maria Anna Adamberger
  • Hofburgtheater Historische Bezeichnung und institutioneller Kontext des Wiener Burgtheaters im 18. Jahrhundert
  • Hofschauspieler Schauspieler an einer fürstlichen oder kaiserlichen Bühne; Berufsrahmen der Familie Jacquet
  • Karl Jacquet Wiener Hofschauspieler und Vater Maria Anna Adambergers sowie Katharina Jacquets
  • Katharina Jacquet Schwester Maria Anna Adambergers und bekannte Schauspielerin des tragischen Fachs
  • Joseph II. Habsburgischer Kaiser, dessen Theaterpolitik und Schätzung einzelner Künstler für die Wiener Bühne wichtig waren
  • Kinderschauspieler Frühe Bühnenpraxis, aus der Maria Anna Adambergers Karriere bereits um 1760 hervorging
  • Komödie Heitere dramatische Gattung, deren feinere Form für Adambergers Rollenprofil zentral war
  • August von Kotzebue Dramatiker, dessen Die Indianer in England mit Adambergers späterer Rollenüberlieferung verbunden ist
  • Lustspiel Bürgerlich-komische Theaterform, in der Adamberger besonders als natürliche und anmutige Darstellerin hervortrat
  • Madame Vogelsang Rollenname im Umfeld von Mozarts Der Schauspieldirektor, mit Maria Anna Adamberger überliefert
  • Wolfgang Amadeus Mozart Komponist, dessen Wiener Singspielwelt über Der Schauspieldirektor und Valentin Adamberger mit Maria Anna Adamberger verbunden ist
  • Naive Rolle Rollenfach junger, natürlicher, heiterer oder empfindsamer Frauenfiguren im Theater des 18. Jahrhunderts
  • Naturalistische Schauspielkunst Ältere Bezeichnung für eine wahrhaftige, scheinbar unmittelbare und nicht überkünstliche Spielweise
  • Rollenfach System der Zuordnung von Schauspielerinnen und Schauspielern zu bestimmten Figuren-, Alters- und Charaktertypen
  • Rollenporträt Bildliche Darstellung einer Schauspielerin oder eines Schauspielers in einer konkreten Bühnenrolle
  • Rosine Rollenfigur aus Der Jurist und der Bauer, in der Adamberger theaterikonografisch erinnert wurde
  • Schauspielerin Beruf der Rollenverkörperung auf der Bühne, in dem Adamberger zu den bekannten Wiener Künstlerinnen des 18. Jahrhunderts gehörte
  • Singspiel Musiktheaterform mit gesprochenem Dialog und musikalischen Nummern; wichtiger Kontext von Mozarts Wiener Bühnenwerken
  • Theaterfamilie Familienform, in der Schauspiel-, Gesangs- und Bühnenwissen über Generationen weitergegeben wurde
  • Theaterikonografie Bildliche Überlieferung von Schauspielkunst durch Porträts, Rollenbilder, Stiche und Galerien
  • Theatergeschichte Forschung zur Entwicklung von Bühne, Ensemble, Rollenfach, Aufführungspraxis und Publikum
  • Theater der Aufklärung Theaterkultur des 18. Jahrhunderts zwischen Moral, Empfindsamkeit, Vernunft und bürgerlicher Öffentlichkeit
  • Wiener Theater Bühnenlandschaft Wiens im 18. Jahrhundert, in der Adambergers Karriere verankert war