Richard Adama
Überblick
Richard Adama, geboren als Richard Adams Holt, war ein amerikanischer Tänzer, Choreograf, Ballettmeister und Lehrer. Er wurde am 8. August 1928 in Long Beach, Kalifornien, geboren und starb am 7. November 2020 in Baden bei Wien. Sein künstlerischer Weg führte ihn von der Ausbildung in Los Angeles über die Nachfolgekompanien der Ballets Russes nach Frankreich, Österreich und Deutschland. Dadurch wurde er zu einer markanten Vermittlerfigur zwischen amerikanischer Herkunft, russischer Balletttradition und europäischem Nachkriegsballett.
Adama war nicht nur Tänzer, sondern auch ein Bewahrer und Weitergeber eines bestimmten historischen Ballettwissens. Seine Ausbildung bei Bronislava Nijinska, seine Tätigkeit im Umfeld des Original Ballet Russe und des Grand Ballet du Marquis de Cuevas sowie seine spätere Arbeit als Ballettmeister und Lehrer machten ihn zu einem Künstler, der Repertoire, Stil, Aufführungspraxis und Körpergedächtnis über Generationen hinweg verband. In diesem Sinn war er weniger ein isolierter Star als ein Träger einer Traditionslinie.
Seine europäische Bedeutung ist besonders mit dem Wiener Staatsopernballett, der Oper Bremen und der Staatsoper Hannover verbunden. In Wien wurde er in den 1950er Jahren als amerikanischer Danseur noble wahrgenommen und gehörte zu den führenden Tänzern des Ensembles. In Bremen und Hannover trat er stärker als Choreograf, Ballettmeister und Ballettdirektor hervor. Dabei arbeitete er sowohl mit dem klassischen und romantischen Repertoire als auch mit eigenen Choreografien und zeitgenössischen Theaterzusammenhängen.
Richard Adamas Laufbahn ist kulturgeschichtlich aufschlussreich, weil sie mehrere Entwicklungen des 20. Jahrhunderts berührt: die Nachwirkung der Ballets Russes, die Wiederbelebung des klassischen Balletts nach dem Zweiten Weltkrieg, die Professionalisierung westdeutscher und österreichischer Ballettensembles, die Rekonstruktion romantischer Ballette und die Bedeutung persönlicher Lehrer-Schüler-Linien in einer Kunstform, deren Wissen wesentlich körperlich, praktisch und mündlich weitergegeben wird.
Name, Lebensdaten und Einordnung
Richard Adama wurde als Richard Adams Holt geboren. Den Künstlernamen Richard Adama verwendete er seit seiner frühen Laufbahn als Tänzer. Für die kulturlexikalische Ansetzung ist der Dateiname adama-richard.shtml folgerichtig, weil Personen nach Familiennamen beziehungsweise Künstlernamen angesetzt werden, während der sichtbare Name natürlich als Richard Adama erscheint.
Die Angabe „amerikanischer Tänzer“ ist korrekt, sollte aber erweitert werden. Adama war amerikanischer Herkunft, wirkte jedoch über den größten Teil seiner Karriere in Europa. Seine Laufbahn gehört ebenso zur französischen, österreichischen und deutschen Ballettgeschichte wie zur amerikanischen Tanzbiografie. Besonders prägend wurde seine Rolle als Vermittler der russisch-europäischen Balletttradition in west- und mitteleuropäischen Theaterinstitutionen.
Adamas Leben reicht von der Ballets-Russes-Nachgeschichte der 1940er Jahre bis in die europäische Tanzpädagogik des späten 20. Jahrhunderts. Er war Tänzer, Choreograf, Ballettmeister, Direktor, Rekonstrukteur, Lehrer und Coach. Diese Mehrfachrolle ist typisch für viele Ballettkarrieren, in denen die Bühnenlaufbahn vergleichsweise früh endet, das künstlerische Wissen aber anschließend in Einstudierungen, Unterricht, Choreografien und Repertoirepflege weiterwirkt.
Ausbildung bei Bronislava Nijinska
Richard Adama begann seine Ballettausbildung vergleichsweise spät, nämlich mit siebzehn Jahren. Entscheidend wurde der Unterricht bei Bronislava Nijinska in Los Angeles. Nijinska, Schwester Vaslav Nijinskys, war selbst eine der bedeutenden Tänzerinnen und Choreografinnen der Ballets-Russes-Tradition. Durch sie erhielt Adama Zugang zu einer Schule, die nicht nur technische Übung, sondern Stil, musikalische Genauigkeit, Rollenbewusstsein und historisches Repertoirewissen vermittelte.
Diese Ausbildung unterschied sich von einer rein akademischen Basisschulung. Nijinska war Trägerin einer lebendigen Bühnen- und Choreografietradition, die von Diaghilews Ballets Russes, von Fokin, Nijinsky, Petipa, klassischer Technik und moderner Bühnenästhetik geprägt war. Für Adama bedeutete dies, dass sein Lernen von Anfang an mit einer großen geschichtlichen Linie verbunden war. Er lernte Ballett nicht als abstrakte Technik, sondern als Kunstform mit konkreten Rollen, Stilen und Aufführungspraktiken.
Adama selbst wurde später häufig als Bindeglied zu dieser Tradition beschrieben. Diese Formulierung ist nicht bloß ehrenhaft gemeint, sondern beschreibt einen sachlichen Zusammenhang. Im Ballett ist Überlieferung stark an Körper, Erinnerung, Korrektur und unmittelbare Weitergabe gebunden. Wer bei einer Künstlerin wie Nijinska gelernt hatte und anschließend selbst unterrichtete, coachte und inszenierte, konnte historische Erfahrung in die Gegenwart übertragen.
Ballets-Russes-Tradition und Grand Ballet du Marquis de Cuevas
Adamas frühe professionelle Laufbahn führte ihn in das Umfeld der Ballets-Russes-Nachfolgekompanien. Er tanzte im letzten Abschnitt der Tradition des Original Ballet Russe von Colonel de Basil und gehörte anschließend zum Grand Ballet du Marquis de Cuevas. Diese Kompanien waren für die internationale Verbreitung des klassischen und neoklassischen Balletts nach dem Zweiten Weltkrieg von großer Bedeutung.
Das Repertoire dieser Ensembles umfasste Werke, die eng mit der Diaghilew-Ära und der russisch-europäischen Ballettmoderne verbunden waren. Dazu gehörten romantische und klassische Stücke ebenso wie Ballette des frühen 20. Jahrhunderts. Für einen jungen Tänzer bedeutete die Arbeit in solchen Kompanien eine außergewöhnliche Schule. Sie verlangte schnelle Anpassungsfähigkeit, Repertoirekenntnis, Stilgefühl und die Fähigkeit, in unterschiedlichen Ländern und Theatern zu bestehen.
Das Grand Ballet du Marquis de Cuevas war eine international reisende Kompanie von großem Prestige. Adama tanzte dort zunächst im Corps de ballet und übernahm später solistische Aufgaben. Die Begegnung mit Tänzerinnen und Tänzern aus der russischen, französischen, amerikanischen und internationalen Ballettwelt prägte seine Auffassung von Bühnendisziplin und Stil. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich später seine Kompetenz als Einstudierer, Lehrer und Repertoirevermittler.
Wiener Staatsoper und der Danseur noble
Eine zentrale Station war das Wiener Staatsopernballett. Adama wurde 1955 von Erika Hanka nach Wien geholt, um das Ensemble beim Wiederaufbau und bei der klassischen Profilierung nach dem Zweiten Weltkrieg zu stärken. Die Wiener Staatsoper wurde 1955 wiedereröffnet; in diesem Zusammenhang war das Ballett Teil einer umfassenden kulturellen Wiederherstellung. Adama gehörte zu jenen Künstlern, die dem Ensemble internationale Erfahrung und klassische Rollenautorität vermittelten.
Er wurde in Wien als Danseur noble geschätzt. Dieser Begriff bezeichnet nicht einfach einen männlichen Tänzer, sondern ein bestimmtes Rollen- und Erscheinungsprofil: aufrechte Haltung, Linienklarheit, Eleganz, Partnerfähigkeit, aristokratische Bühnenpräsenz und die Fähigkeit, große klassische und romantische Männerrollen glaubwürdig zu verkörpern. Adama verband diese Noblesse mit Charakterdarstellung, sodass er nicht nur als schöner Träger klassischer Form, sondern auch als interpretierender Bühnenkünstler wahrgenommen wurde.
Das Österreichische Musiklexikon nennt ihn unter den führenden Tänzern des Wiener Staatsopernballetts in der Phase nach der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper. Diese Einordnung zeigt, dass Adamas Wiener Bedeutung nicht nur aus späterer Erinnerung stammt, sondern in die institutionelle Geschichte des Ensembles gehört. Er war Teil jener Generation, die das Wiener Ballett nach 1945 zwischen klassischer Tradition, Diaghilew-Repertoire und neuen Theateransprüchen neu positionierte.
Bremen, Hannover und die Arbeit als Ballettdirektor
Nach seinen Wiener Jahren verlagerte sich Adamas Tätigkeit zunehmend nach Deutschland. Besonders wichtig wurden Bremen und Hannover. In Hannover arbeitete er an der Staatsoper im Umfeld von Yvonne Georgi, zunächst als führender Tänzer und Assistent, später als Ballettdirektor. In Bremen war er von den 1960er Jahren an als Ballettmeister beziehungsweise Ballettdirektor tätig und entwickelte dort eigene Choreografien und Repertoirearbeiten.
Diese deutschen Jahre markieren den Übergang vom Tänzer zum choreografisch und institutionell verantwortlichen Künstler. Adama musste nicht nur selbst tanzen, sondern Ensembles formen, Repertoire auswählen, Werke einstudieren, Tänzer entwickeln und mit dem Opern- und Schauspielbetrieb eines Stadttheaters zusammenarbeiten. Gerade in Deutschland war das Ballett häufig in Mehrspartenhäuser eingebunden; der Ballettdirektor musste daher zwischen eigenständigem Tanzabend, Opernballett, Theaterästhetik und begrenzten Ressourcen vermitteln.
In Bremen erhielt Adama internationale Aufmerksamkeit durch seine Arbeit am romantischen und klassischen Repertoire, insbesondere durch seine Beschäftigung mit La Sylphide. In Hannover setzte er seine Auseinandersetzung mit klassischen Stoffen und eigenen choreografischen Lösungen fort. Seine Arbeit war dabei von einer sorgfältigen, historisch informierten Haltung geprägt, ohne sich auf bloße museale Rekonstruktion zu beschränken.
Künstlerisches Profil
Richard Adamas künstlerisches Profil beruht auf drei miteinander verbundenen Eigenschaften: klassischer Linienkultur, historischer Repertoirekenntnis und pädagogischer Vermittlungskraft. Als Tänzer stand er für die Schule des Danseur noble, also für eine Form männlichen Bühnentanzes, in der Haltung, Partnerarbeit, musikalische Kontrolle und repräsentative Würde entscheidend sind. Diese Qualität war im 20. Jahrhundert keineswegs selbstverständlich, weil viele Ensembles nach Krieg, Emigration und institutionellen Brüchen ihre klassischen Kontinuitäten erst wieder aufbauen mussten.
Als Choreograf und Ballettmeister verband Adama Traditionsbewusstsein mit praktischer Theaterarbeit. Er interessierte sich für romantische und klassische Ballette, für Fokin und die Ballets Russes, aber auch für zeitgenössische und moderne Musik. Diese Mischung ist wichtig: Adama war kein bloßer Bewahrer älterer Formen, sondern ein Künstler, der aus der Kenntnis älterer Stile neue Bühnenarbeit ableitete.
Seine besondere Stärke lag in der Weitergabe. Ballett ist eine Kunst, die schriftlich nur unvollständig überliefert werden kann. Notationen, Partituren, Szenarien und Bilder helfen, aber sie ersetzen nicht die konkrete Korrektur am Körper, das Wissen um Gewicht, Timing, Partnergriff, Blickrichtung, Atem und musikalischen Impuls. Adama verkörperte diese Form der lebendigen Tradition.
Repertoire, Choreografien und Einstudierungen
Die folgende Übersicht nennt zentrale Repertoirefelder, choreografische Arbeiten und Einstudierungszusammenhänge. Sie ist nicht als vollständiges Werkverzeichnis im engeren Sinn zu verstehen, sondern als Arbeitsübersicht zu den wichtigsten künstlerischen Bereichen Richard Adamas.
Repertoire als Tänzer
- Klassische und romantische Hauptrollen. Adama wurde besonders als Danseur noble geschätzt und war für Rollen geeignet, die elegante Linienführung, Partnerfähigkeit und repräsentative Bühnenpräsenz verlangten.
- Ballets-Russes-Repertoire. Durch seine frühen Kompanieerfahrungen war er mit Werken aus der Nachwirkung Diaghilews und Fokins vertraut.
- Grand Ballet du Marquis de Cuevas. In dieser Kompanie tanzte er solistische Partien und sammelte internationale Repertoireerfahrung.
- Wiener Staatsopernballett. In Wien gehörte er zu den führenden Tänzern der Wiederaufbauphase nach 1955.
Choreografien und eigene Arbeiten
- Giselle. Einstudierung beziehungsweise Neugestaltung im Zusammenhang seiner Arbeit in Hannover; wichtig für seine Beschäftigung mit dem romantischen Ballett.
- La Sylphide. Repertoirearbeit, die Adamas historisches Interesse am romantischen Ballett besonders deutlich macht.
- Der verlorene Sohn. Choreografische Arbeit aus seiner Bremer Zeit, die sein Interesse an dramatisch geformtem Ballett zeigt.
- Concert champêtre. Eigene choreografische Arbeit, die in verschiedenen Zusammenhängen wiederaufgenommen beziehungsweise übertragen wurde.
- Don Juan. Choreografie beziehungsweise Ballettarbeit nach Musik von Christoph Willibald Gluck; in Wien und Hannover relevant.
- Schwanensee. Klassisches Repertoire, das Adama in seinen Direktions- und Einstudierungszusammenhängen bearbeitete.
- Coppélia. Klassisches Repertoirestück, das in seinen deutschen Ballettjahren zu den wichtigen Einstudierungsfeldern gehörte.
- Le Spectre de la rose. Späte Einstudierung, die seine besondere Kompetenz als Vermittler des Ballets-Russes-Repertoires sichtbar machte.
Lehrtätigkeit und Weitergabe der Tradition
Nach dem Ende seiner aktiven Bühnenlaufbahn arbeitete Richard Adama vor allem als Choreograf, Ballettmeister, Lehrer und Coach. Diese Tätigkeit ist für seine Wirkung mindestens ebenso wichtig wie seine Karriere als Tänzer. Er unterrichtete und betreute Tänzerinnen und Tänzer in Europa und Amerika und gab dabei ein Wissen weiter, das auf der unmittelbaren Verbindung mit Nijinska, den Ballets Russes, dem Marquis-de-Cuevas-Repertoire und der europäischen Theaterpraxis beruhte.
Adamas Unterricht war nicht nur technischer Unterricht. Er vermittelte Stil, musikalische Phrasierung, Rollenlogik, Partnerarbeit und historische Aufführungspraxis. Gerade bei klassischen und romantischen Werken ist diese Dimension entscheidend, weil die sichtbare Schrittfolge nur ein Teil des Balletts ist. Entscheidend sind auch Port de bras, Blickführung, Tempo, Gewichtsverteilung, Raumverständnis und die Beziehung zwischen Tanz und Musik.
In späteren Jahren wurde er immer stärker als Zeitzeuge und Traditionsvermittler wahrgenommen. Seine Bedeutung bestand darin, dass er nicht nur von der Ballets-Russes-Tradition wusste, sondern sie körperlich und praktisch erfahren hatte. Dies machte ihn für Workshops, Einstudierungen und Coaching-Situationen besonders wertvoll.
Späte Jahre, Wien und Nachleben
In seinen späteren Jahren lebte Richard Adama überwiegend in Wien beziehungsweise in Österreich. Er blieb der Tanz- und Musikwelt verbunden, besuchte Aufführungen, gab gelegentlich Vorträge und wurde als lebendiges Archiv einer vergangenen, aber weiterwirkenden Ballettkultur wahrgenommen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Künstlerheim in Baden bei Wien, wo er am 7. November 2020 im 93. Lebensjahr starb.
Der Nachruf auf tanz.at hebt besonders seine Rolle als Vermittler des Ballets-Russes-Repertoires hervor. Diese Perspektive ist für seine kulturgeschichtliche Einordnung entscheidend. Adama war kein Massenstar, dessen Name außerhalb der Ballettwelt allgemein bekannt wäre. Innerhalb der Ballettgeschichte aber war er eine wichtige Figur, weil er eine fragile Traditionslinie weitertrug, die von Diaghilew, Fokin, Nijinska und den Nachfolgekompanien bis in die Theater der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts reichte.
Sein Nachleben ist daher vor allem in drei Bereichen zu suchen: in den Erinnerungen ehemaliger Schüler und Kolleginnen, in Tanzarchiven und Programmheften sowie in der Geschichte jener europäischen Ensembles, die nach 1945 das klassische und romantische Repertoire neu aufgebaut haben. Für die Tanzgeschichtsschreibung bleibt er besonders dort wichtig, wo Aufführungspraxis, Stilüberlieferung und Repertoirepflege untersucht werden.
Sekundärliteratur und Quellen
Die Literatur zu Richard Adama ist nicht sehr umfangreich, aber in tanzgeschichtlichen Nachschlagewerken, Archiven, Nachrufen und autobiografischen beziehungsweise erinnernden Materialien greifbar. Für eine vertiefte Beschäftigung sind besonders die International Encyclopedia of Dance, Tanzarchive, Programmhefte der Wiener Staatsoper, der Oper Bremen und der Staatsoper Hannover sowie Materialien zur Nijinska- und Ballets-Russes-Tradition wichtig.
- Cohen, Selma Jeanne, Hrsg.: International Encyclopedia of Dance. Oxford University Press. Enthält den einschlägigen Lexikonartikel Adama, Richard und bietet eine grundlegende internationale Einordnung.
- Craine, Debra; Mackrell, Judith: The Oxford Dictionary of Dance. Oxford University Press. Wichtiges Nachschlagewerk für Begriffe, Personen und Werkzusammenhänge des Tanzes.
- Zum Tod von Richard Adama. tanz.at, 8. November 2020. Nachruf mit Angaben zu Tod, Wiener Bedeutung, Nijinska-Ausbildung und Ballets-Russes-Tradition.
- Österreichisches Musiklexikon: Ballett. Relevanter Kontextartikel zur Geschichte des Wiener Staatsopernballetts, in dem Richard Adama unter den führenden Tänzern der Wiederaufbauphase genannt wird.
- Adama, Richard: On Stage at the Ballet: My Life as Dancer and Artistic Director. Autobiografisch beziehungsweise erinnernd angelegter Text zu Laufbahn, Repertoire und künstlerischer Erfahrung.
- Homepage Biography: Richard Adama. Ballet Dancer, Choreographer, Teacher. Biografische Materialsammlung mit chronologischen Angaben zu Ausbildung, Kompanien, Wien, Bremen, Hannover und Lehrtätigkeit.
- Bronislava Nijinska Collection, Library of Congress. Archivbestand mit Materialien zu Nijinska und Korrespondenz beziehungsweise Unterlagen mit Bezug zu Richard Adama.
- Deutsches Tanzarchiv Köln. Relevante Programmhefte, Nachweise und Archivmaterialien zu Adamas Bühnen- und Ensemblearbeit in Deutschland.
- New York Public Library for the Performing Arts. Archiv- und Nachschlagebestände zur International Encyclopedia of Dance und zur internationalen Tanzgeschichte.
- Britannica Book of the Year. Jahrbuchmaterialien, die in bibliografischen Angaben zu Richard Adama genannt werden.
- Orange Coast Magazine. Biografisch-kulturjournalistische Quelle im Umfeld amerikanischer Tanz- und Künstlerbiografik.
- Programmhefte der Wiener Staatsoper, der Oper Bremen und der Staatsoper Hannover. Für konkrete Rollen, Choreografien, Premieren und Ensemblekontexte besonders wichtig.
Bedeutung und Bewertung
Richard Adamas Bedeutung liegt nicht in einer massenmedialen Berühmtheit, sondern in seiner Stellung innerhalb der professionellen Ballettgeschichte. Er verband amerikanische Herkunft mit europäischer Karriere, russische Ausbildungstradition mit westlicher Theaterpraxis, Tänzerlaufbahn mit choreografischer und pädagogischer Arbeit. Dadurch wurde er zu einer wichtigen Vermittlerfigur des 20. Jahrhunderts.
Besonders hervorzuheben ist sein Verhältnis zur Ballets-Russes-Tradition. Diese Tradition war nach dem Ende der ursprünglichen Diaghilew-Kompanie nicht einfach abgeschlossen, sondern lebte in Nachfolgeensembles, Lehrerpersönlichkeiten, Gastspielen, Einstudierungen und Erinnerungspraktiken weiter. Adama gehörte zu den Künstlern, die diese Nachgeschichte nicht nur historisch kannten, sondern praktisch verkörperten.
Für Österreich und Deutschland ist seine Rolle im Wiederaufbau und in der Profilierung des klassischen Balletts nach 1945 bedeutsam. In Wien war er einer der führenden Tänzer einer wichtigen Phase des Staatsopernballetts. In Bremen und Hannover trug er zur Pflege und Neuformung des romantischen und klassischen Repertoires bei. Dabei verband er Genauigkeit, Stilbewusstsein und choreografische Eigenständigkeit.
Insgesamt erscheint Richard Adama als Künstler, dessen Lebenswerk besonders für die Frage wichtig ist, wie Balletttradition weitergegeben wird. Er zeigt, dass Tanzgeschichte nicht nur aus Uraufführungen und berühmten Namen besteht, sondern ebenso aus Unterricht, Einstudierung, Rollenweitergabe, Körpererinnerung und der Arbeit von Ballettmeistern, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart vermitteln.
Weiterführende Einträge
- Baden bei Wien Österreichischer Ort, in dem Richard Adama seine letzten Lebensjahre verbrachte und 2020 starb
- Ballett Kunstform, in der Adama als Tänzer, Choreograf, Ballettmeister und Lehrer wirkte
- Ballettdirektor Leitungsfunktion eines Ballettensembles, die Adama in Bremen und Hannover ausübte
- Ballettmeister Künstlerische Vermittlungsrolle zwischen Training, Einstudierung, Repertoirepflege und Ensemblearbeit
- Ballets Russes Russisch-europäische Balletttradition, deren Nachwirkung Adamas Laufbahn wesentlich prägte
- Bronislava Nijinska Tänzerin, Choreografin und Lehrerin Richard Adamas in Los Angeles
- Choreografie Künstlerische Gestaltung von Tanzbewegung, Raum, Musik und szenischer Form
- Danseur noble Klassisches männliches Rollen- und Erscheinungsfach, mit dem Adamas Bühnenprofil verbunden ist
- Serge Diaghilew Impresario der Ballets Russes, deren Tradition für Adamas künstlerische Herkunft zentral war
- Michail Fokin Choreograf des Ballets-Russes-Repertoires, dessen Werke Adama später vermittelte und einstudierte
- Grand Ballet du Marquis de Cuevas Internationale Ballettkompanie, in der Adama wichtige frühe Bühnenerfahrung sammelte
- Staatsoper Hannover Deutsches Theater, an dem Adama als Tänzer, Assistent und später als Ballettdirektor wirkte
- Oper Bremen Wichtige Station von Adamas Arbeit als Ballettdirektor und Choreograf in Deutschland
- Wiener Staatsoper Zentrale österreichische Bühne, an der Adama zu den führenden Tänzern des Staatsopernballetts zählte
- Yvonne Georgi Tänzerin und Choreografin, in deren Hannoveraner Umfeld Adama wirkte und deren Nachfolge er antrat