Pierre-Frédéric Achard (1808–1856)

Person · französischer Schauspieler · Sänger · komischer Darsteller · Chansonnette · Vaudeville · Palais-Royal · Théâtre du Gymnase · Pariser Boulevardtheater · Werkverzeichnis · Sekundärliteratur

Pierre-Frédéric Achard, in älteren Nachschlagewerken auch Frédéric Achard oder Frédéric-Adolphe Achard genannt, war ein französischer Schauspieler, komischer Darsteller und Sänger des 19. Jahrhunderts. Er wirkte vor allem im Pariser Théâtre du Palais-Royal und am Théâtre du Gymnase, spielte in Vaudevilles, Lustspielen und komischen Rollen und wurde besonders durch seinen lebhaften, sprechfreudigen, musikalisch beweglichen Bühnenstil bekannt. Als Sänger trat er nicht im Sinn eines großen Opernsängers hervor, sondern als Darsteller, der chansonnettenartige Einlagen, Couplets und kleine musikalische Zwischenstücke in die populäre Theaterpraxis einbrachte. Damit gehört er zur Geschichte des französischen Boulevard-, Vaudeville- und Unterhaltungstheaters, in dem Schauspiel, Gesang, Komik, Tageswitz und rasches Bühnentempo eng miteinander verbunden waren.

Überblick

Pierre-Frédéric Achard wurde 1808 in Lyon geboren und starb 1856 in Paris. Er war ein französischer Schauspieler und Sänger, der besonders als komischer Darsteller bekannt wurde. Seine Karriere führte ihn aus der handwerklich geprägten Welt Lyons über Provinzbühnen nach Paris, wo er am Théâtre du Palais-Royal und am Théâtre du Gymnase auftrat. Diese Häuser standen für eine Theaterform, die Leichtigkeit, Tempo, Situationskomik, Gesangseinlagen und publikumsnahes Spiel verband.

Achard gehört nicht zu den großen tragischen Schauspielern oder klassischen Deklamatoren seiner Zeit. Seine Bedeutung liegt vielmehr im komischen, beweglichen und musikalisch unterlegten Bühnenfach. Er spielte Väter, komische Nebenfiguren, volkstümliche Typen, geschwätzige Charaktere und Figuren, die durch sprachliches Tempo, Körperlichkeit und unmittelbare Publikumswirkung lebten. Gerade diese Rollen machten ihn zu einer prägenden Gestalt des populären Pariser Theaters.

Sein Gesang war Teil dieser Darstellungsweise. Ältere Nachschlagewerke betonen, dass er ein Talent als Sänger besaß und durch Chansonnetten Erfolg hatte. Im französischen Theater des 19. Jahrhunderts war die Grenze zwischen Schauspieler, Sänger, Coupletdarsteller und Vaudeville-Komiker oft fließend. Achard verkörpert genau diese Mischform: Er war kein Opernstar, sondern ein Schauspieler, dessen Stimme, Rhythmusgefühl und musikalische Einlagen die komische Wirkung steigerten.

Sein Nachruhm beruht heute vor allem auf Theaterlexika, Rollenlisten, ikonographischen Sammlungen, Autographen, zeitgenössischen Kritiken und der Erinnerung an das Palais-Royal-Theater. Er ist eine typische, aber keineswegs belanglose Figur jener Bühnenkultur, in der das moderne Unterhaltungstheater des 19. Jahrhunderts seine Formen entwickelte.

Name, Varianten und Abgrenzung

Die gebräuchlichste neuere Namensform lautet Pierre-Frédéric Achard. In älteren französischen Nachschlagewerken erscheint auch Frédéric-Adolphe Achard, gelegentlich verkürzt zu Frédéric Achard. In Theaterzetteln, Autographen und Katalogen kann auch nur Achard stehen, weil der Name in seinem Bühnenmilieu hinreichend bekannt war.

Die Abgrenzung ist wichtig, weil mehrere Künstler den Namen Achard tragen. Zu unterscheiden ist Pierre-Frédéric Achard von seinem Sohn Léon Achard, der als Sänger, insbesondere als Tenor, eine eigene Laufbahn machte. Zu unterscheiden ist er außerdem von späteren Schauspielern namens Frédéric Achard, darunter einem Schauspieler des späten 19. Jahrhunderts und einem zeitgenössischen französischen Theater- und Filmschauspieler. Die vorliegende Seite behandelt den Schauspieler und Sänger von 1808 bis 1856.

Die Bezeichnung Schauspieler und Sänger ist historisch angemessen, wenn man sie im Sinn der Vaudeville- und Boulevardbühne versteht. Achard war nicht primär Opernsänger, sondern ein komischer Schauspieler, dessen Gesangseinlagen ein wesentlicher Teil seiner Bühnenwirkung waren.

Herkunft, Jugend und sozialer Anfang in Lyon

Achard stammte aus Lyon. Nach älteren biographischen Angaben war sein Vater Arbeiter in der Seidenindustrie; Achard selbst war zunächst ebenfalls mit dem Milieu der Seidenarbeiter verbunden. Diese Herkunft ist für seine spätere Karriere bemerkenswert, weil sie den Weg vom handwerklichen städtischen Milieu zur professionellen Bühne sichtbar macht.

Lyon war im frühen 19. Jahrhundert nicht nur eine bedeutende Handels- und Industriestadt, sondern auch ein Theaterort. Die Stadt bot jungen Darstellern die Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln, bevor sie in die Hauptstadt gingen. Für Achard bedeutete der Schritt zur Bühne eine soziale und berufliche Neuorientierung. Er verließ den handwerklichen Ausgangspunkt und trat in eine Welt ein, in der Stimme, Körper, komische Beweglichkeit und Publikumsnähe über Erfolg entschieden.

Seine Herkunft aus einem nicht-aristokratischen Milieu passt zu seinem späteren Rollenfach. Viele komische Darsteller des Boulevardtheaters entwickelten ihre Wirkung aus körperlicher Direktheit, sprachlicher Schnelligkeit und einem Gespür für volkstümliche Situationen. Achards Theaterstil lässt sich auch als Aufstieg einer urbanen, nicht höfischen Schauspielkultur verstehen.

Provinzbühnen: Lyon, Grenoble, Saint-Étienne und Roanne

Bevor Achard in Paris bekannt wurde, spielte er auf verschiedenen Provinzbühnen. Genannt werden Lyon, Grenoble, Saint-Étienne und Roanne. Diese Stationen waren für Schauspieler des 19. Jahrhunderts typische Ausbildungsräume. Die Provinz verlangte Vielseitigkeit: Ein Darsteller musste verschiedene Rollenfächer bedienen, rasch lernen, mit wechselnden Ensembles arbeiten und auf ein Publikum reagieren, das unmittelbare Wirkung erwartete.

Gerade im komischen Fach war diese Schule wichtig. Achard konnte dort Tempo, Improvisationsnähe, körperliche Präsenz und den Umgang mit gesprochenen und gesungenen Einlagen entwickeln. Die Provinzbühne war nicht bloß Vorstufe zur Hauptstadt, sondern eine praktische Akademie des Theaterhandwerks.

Der Weg von den Provinzbühnen nach Paris war im 19. Jahrhundert eine häufige, aber keineswegs sichere Karrierebewegung. Wer sich in Paris behaupten wollte, musste in ein enges Theatergefüge eintreten, in dem Häuser, Autoren, Direktoren, Kritiker und Publikum sehr rasch über Erfolg oder Misserfolg entschieden.

Paris und das Théâtre du Palais-Royal

1834 kam Achard nach Paris und debütierte am Théâtre du Palais-Royal. Dieses Theater war einer der wichtigsten Orte für Vaudeville, Lustspiel, Farce und schnelle komische Formen. Es verlangte Darsteller, die mit knappen Pointen, raschen Dialogen, körperlicher Komik und situationsbezogenem Spiel umgehen konnten.

Achard passte besonders gut in dieses Milieu. Zeitgenössische und spätere Darstellungen heben seine offene Komik, sein lebhaftes Spiel und seine Wirkung in komischen Rollen hervor. Am Palais-Royal konnte er zahlreiche Rollen schaffen und mit Autoren, Kollegen und Publikum eine enge Verbindung entwickeln.

Das Palais-Royal-Theater war nicht nur ein Aufführungsort, sondern eine ganze Theatermaschine. Neue Stücke wurden schnell produziert, Rollen wurden auf bestimmte Darsteller zugeschnitten, und das Publikum erwartete Aktualität, Witz und erkennbare Typen. Achards Erfolg zeigt, dass er die Anforderungen dieses Systems beherrschte.

Gesang, Chansonnette und komische Zwischenform

Achards Gesang gehört zu den charakteristischen Merkmalen seiner Bühnenwirkung. Er hatte nach zeitgenössischen Angaben ein echtes Talent als Sänger und machte Chansonnetten populär. Die Chansonnette war eine leichte, kurze, eingängige Gesangsform, oft mit komischem, sentimentalen oder pointierten Inhalt. Sie eignete sich hervorragend für Theaterpausen, Zwischeneinlagen und Vaudeville-Situationen.

Besonders wichtig ist die Nachricht, Achard habe kleine gesungene Zwischenspiele während der Entr’actes eingeführt beziehungsweise erfolgreich gepflegt. Dadurch wurde die Grenze zwischen Schauspiel und Gesang noch durchlässiger. Der Schauspieler blieb nicht nur Figur im Stück, sondern trat auch als musikalischer Vermittler zum Publikum hervor.

Diese Praxis passt zur populären Theaterkultur des 19. Jahrhunderts. Das Publikum erwartete nicht nur dramatische Handlung, sondern auch kleine musikalische Reize, aktuelle Anspielungen, eingängige Refrains und persönliche Bühnenpräsenz. Achards Chansonnetten machten aus dem Schauspieler eine Art komischen Sänger, ohne ihn in die Oper zu versetzen.

Théâtre du Gymnase und Rückkehr zum Palais-Royal

1845 wechselte Achard zum Théâtre du Gymnase. Das Gymnase war ein wichtiges Pariser Theater für bürgerliche Komödien, Vaudevilles und Stücke mit gesellschaftlicher Beobachtung. Der Wechsel zeigt, dass Achard nicht nur an ein einziges Haus gebunden war, sondern auch in anderen Pariser Bühnenkontexten eingesetzt werden konnte.

1850 kehrte er zum Palais-Royal zurück. Diese Rückkehr ist bezeichnend, weil das Palais-Royal offenbar sein eigentliches theatrales Zuhause blieb. Dort konnte er jene Rollen spielen, die seinem Temperament besonders entsprachen: schnell, komisch, pointiert, musikalisch und publikumsnah.

Daneben unternahm Achard Tourneen in der Provinz. Solche Gastspiele waren für bekannte Pariser Darsteller wichtig, weil sie Ruhm und Einnahmen erweiterten und zugleich das Pariser Repertoire in andere Städte trugen. Achard war damit nicht nur ein Hauptstadtakteur, sondern Teil eines nationalen Theaterkreislaufs.

Vaudeville, Boulevardkomödie und Rollenprofil

Achards eigentliches Rollenfeld lag im Vaudeville und in der komischen Boulevardkomödie. Das Vaudeville war eine Form, die gesprochene Handlung, Couplets, musikalische Einlagen, Verwechslungen, rasche Dialoge und gesellschaftliche Satire miteinander verband. Es verlangte eine besonders präzise Komik, weil die Wirkung oft aus Timing, Tempo und der richtigen Pointe entstand.

Achard spielte in Stücken, die von Autoren wie Eugène Labiche, Marc-Michel, Alfred Delacour, den Brüdern Cogniard und anderen Vertretern des populären französischen Theaters geprägt waren. Seine Rollen waren nicht unbedingt psychologisch tief, aber sie verlangten enorme Bühnenökonomie. Eine Figur musste sofort erkennbar sein, komische Energie erzeugen und das Spiel vorantreiben.

Seine bekannte Rolle als Gaspard in La Femme qui perd ses jarretières von Labiche und Marc-Michel zeigt die Nähe zu jener Art Komödie, die aus Alltagsgegenständen, Peinlichkeiten, Missverständnissen und überhitzter Situationslogik Komik entwickelt. Achards Bühnenfach lebte von der Fähigkeit, solche kleinen Anlässe theatral zu vergrößern.

Zeitgenössische Kritik und Bühnenwirkung

Die zeitgenössische Kritik sah Achard nicht nur wohlwollend. Seine Lebhaftigkeit, seine Schnelligkeit und seine überbordende Sprechweise wurden bewundert, aber auch als zu viel empfunden. Théophile Gautier äußerte sich kritisch über eine übermäßige Volubilität. Solche Kritik ist aufschlussreich, weil sie Achards Bühnenstil sichtbar macht: Er war ein Darsteller der Energie, des Redeflusses und der beweglichen komischen Attacke.

Was dem einen Kritiker als Übermaß erschien, konnte dem Publikum gerade gefallen. Das populäre Theater lebt häufig von einem Spiel, das stärker, lauter, schneller und direkter ist als das klassische Maß. Achards Erfolg am Palais-Royal zeigt, dass seine Art dem Geschmack vieler Zuschauer entsprach.

Er galt zeitweise als einer der gut bezahlten Darsteller seines Hauses. Auch dies ist ein Hinweis auf seinen Marktwert. Im Theater des 19. Jahrhunderts war der Schauspielername ein wichtiges Kapital. Erfolgreiche Darsteller zogen Publikum an, bestimmten Rollenprofile und konnten ganze Stücke mittragen.

Künstlerfamilie und Nachkommen

Achard hinterließ mehrere Kinder, die künstlerische oder theaternahe Laufbahnen einschlugen. Besonders bekannt wurde Léon Achard, geboren 1831, der als Sänger Karriere machte und an der Opéra-Comique sowie an der Opéra auftrat. Ein weiterer Sohn, Charles Achard, wurde Direktor des Konservatoriums von Dijon.

Diese Familiengeschichte zeigt, dass Achards Bühnenlaufbahn nicht isoliert blieb. Die Theater- und Musikkultur wurde in der Familie weitergeführt. Aus dem komischen Schauspieler und Sänger ging eine nachfolgende Generation hervor, die stärker in institutionalisierte Musik- und Ausbildungskontexte eintrat.

Gerade Léon Achard verdeutlicht die Differenz zwischen Vater und Sohn. Pierre-Frédéric Achard war Schauspieler mit Gesangstalent und Chansonnette-Erfolg; Léon Achard wurde im eigentlichen Sinn lyrischer Sänger beziehungsweise Opernsänger. Die Familie verbindet damit Boulevardtheater und Opernbühne.

Achard in der Pariser Theaterkultur des 19. Jahrhunderts

Achards Karriere gehört zu einer Theaterkultur, in der Paris eine außerordentlich dichte Landschaft von Bühnen, Genres und Publikumsgruppen besaß. Neben der großen Oper, der Opéra-Comique und der Comédie-Française standen Boulevardtheater, Vaudevillehäuser, kleinere Bühnen und populäre Komödienformen. Achard bewegte sich in diesem zweiten, äußerst lebendigen Bereich.

Das populäre Theater dieser Zeit war schnell, aktuell und marktorientiert. Es griff Moden auf, parodierte soziale Typen, brachte neue Stücke in rascher Folge heraus und verlangte von den Darstellern große Flexibilität. Schauspiel und Gesang waren dabei nicht strikt getrennt. Ein guter Darsteller konnte sprechen, singen, parodieren, körperlich übertreiben und mit dem Publikum spielen.

Achard ist deshalb kulturgeschichtlich wichtiger, als es eine rein kanonische Theatergeschichte vermuten lässt. An ihm lässt sich zeigen, wie das 19. Jahrhundert Unterhaltung, Schauspieltechnik, Gesang, urbanen Witz und professionelle Theaterökonomie verband. Er repräsentiert die Bühne als tägliche, schnelle und publikumsnahe Kunstform.

Werkverzeichnis und Rollenverzeichnis

Bei einem Schauspieler und Sänger wie Pierre-Frédéric Achard ist ein Werkverzeichnis nicht als Liste eigener Dramen oder Kompositionen zu verstehen. Sinnvoller ist ein Rollen-, Aufführungs- und Dokumentenverzeichnis. Es nennt nachweisbare Rollen, Stücke, musikalische Einlagen, Briefe, Autographen, ikonographische Sammlungen und theatergeschichtliche Spuren. Die folgende Übersicht ist eine kulturlexikalische Auswahl und ersetzt kein vollständiges kritisches Rollenverzeichnis.

Nachgewiesene Rollen und Aufführungen

Rothomago, Revue in einem Akt von Hippolyte und Théodore Cogniard, Théâtre du Palais-Royal, 1839. Achard spielte im Zusammenhang dieser Produktion eine komische Rolle; der Nachweis gehört zu seinen frühen Pariser Erfolgen.

La Femme qui perd ses jarretières, Komödie in einem Akt von Eugène Labiche und Marc-Michel, 8. Februar 1851. Achard spielte die Rolle des Gaspard. Das Stück gehört zur Vaudeville- und Boulevardkomödienwelt, in der Achard besonders wirksam war.

Une charge de cavalerie, Komödie-Vaudeville in einem Akt von Eugène Labiche und Alfred Delacour, 31. Dezember 1852. Achard spielte die Rolle des Belrose. Die Aufführung zeigt seine fortdauernde Präsenz im Repertoire des frühen Zweiten Kaiserreichs.

Weitere Rollen am Théâtre du Palais-Royal. Achard schuf zahlreiche Rollen an diesem Haus. Viele sind nur über Theaterzettel, Stückdrucke, Kritiken und ältere Theaterlexika vollständig rekonstruierbar.

Rollen am Théâtre du Gymnase. Zwischen 1845 und seiner Rückkehr zum Palais-Royal war Achard am Gymnase tätig. Auch hier ist ein vollständiges Rollenverzeichnis nur durch Auswertung von Theaterarchiven und zeitgenössischer Presse möglich.

Provinzgastspiele und Tourneen. Achard trat auch außerhalb von Paris auf. Seine Tourneen verbreiteten den Pariser Vaudeville-Stil in die Provinz und zeigen seine Stellung als reisender komischer Darsteller.

Gesangseinlagen, Chansonnetten und Couplets

Chansonnetten während der Entr’actes. Achard wird mit der erfolgreichen Praxis verbunden, kleine gesungene Einlagen während der Theaterpausen oder Übergänge zu bieten. Diese Praxis trug wesentlich zu seinem Ruf als Schauspieler und Sänger bei.

Couplet- und Vaudeville-Gesang. In Vaudevilleaufführungen waren Couplets und eingängige Melodien zentrale Elemente. Achard beherrschte diese Form als komischer Darsteller, auch wenn einzelne Titel nicht immer sicher überliefert sind.

Gesungene Rollenbestandteile. Viele seiner Rollen dürften Sprech- und Gesangspartien verbunden haben. Für die genaue Erschließung sind Stückdrucke mit Couplets, Partituren, Theaterzettel und Kritiken auszuwerten.

Briefe, Autographen und Dokumente

Brief an Déjazet, Paris, 2. Januar 1856. Ein autograph überlieferter Brief Achards an die Schauspielerin Déjazet wird im Antiquariats- und Autographenhandel nachgewiesen. Der Brief ist ein wichtiges Dokument seiner Theaterkontakte kurz vor seinem Tod.

Ikonographische Sammlungen zu Pierre-Frédéric Achard. Die Bibliothèque nationale de France und Bildsammlungen wie Gallica beziehungsweise Paris Musées bewahren Porträts und Bilddokumente, die Achards Erscheinungsbild und theatergeschichtliche Erinnerung dokumentieren.

Theaterkritiken und Presseberichte. Zeitgenössische Kritiken, darunter Bemerkungen von Théophile Gautier, sind für die Rekonstruktion seiner Wirkung besonders wichtig. Sie zeigen nicht nur Rollen, sondern auch Tonfall, Geschwindigkeit, Körperlichkeit und Wahrnehmung seines Spiels.

Sekundärliteratur und Nachweise

Pierre Larousse: Grand dictionnaire universel du XIXe siècle, Artikel „Achard (Frédéric-Adolphe)“. Wichtiger zeitgenössischer lexikalischer Nachweis zu Achard als französischem komischem Schauspieler und Sänger, zu Geburt, Tod, Palais-Royal, Gesangstalent und Chansonnetten.

Edmond-Denis de Manne und Charles Ménétrier: Galerie historique des acteurs français, mimes et paradistes qui se sont rendus célèbres dans les annales des scènes secondaires depuis 1760 jusqu’à nos jours, Lyon: N. Scheuring, 1877. Zentrales theaterhistorisches Werk für Schauspieler der sekundären französischen Bühnen und für die ikonographische Erinnerung an Achard.

Bibliothèque nationale de France / Gallica: Recueil. Portraits de Pierre-Frédéric Achard. Wichtiger ikonographischer Nachweis mit Porträtdokumenten und theatergeschichtlichem Bildmaterial.

Paris Musées Collections: Bild- und Porträtnachweise zu Achard. Nützlich für die Unterscheidung von Pierre-Frédéric Achard und späteren Achard-Namensverwandten sowie für die Theaterikonographie des 19. Jahrhunderts.

Wikisource: Digitalisat des Larousse-Artikels zu Achard. Gut zugänglicher Textnachweis für die ältere lexikalische Überlieferung.

Medecine des Arts: Artikel zu Pierre-Frédéric Achard und zum Achard-Familienumfeld. Nützlich für knappe biographische Angaben, die Einordnung als Schauspieler und Sänger sowie Hinweise auf Léon Achard.

Forschung zu Eugène Labiche und zum französischen Vaudeville. Diese Literatur ist für die Einordnung von Achards Rollen in La Femme qui perd ses jarretières und Une charge de cavalerie wichtig.

Forschung zum Théâtre du Palais-Royal. Sie bildet den institutionellen Rahmen für Achards wichtigste Pariser Wirkungsstätte und für die Kultur des schnellen, musikalisch durchsetzten Komödientheaters.

Forschung zum Théâtre du Gymnase. Dieser Kontext ist für Achards mittlere Pariser Laufbahn, für bürgerliche Komödie und Vaudevillepraxis wichtig.

Studien zu Chansonnette, Couplet und Pariser Unterhaltungstheater im 19. Jahrhundert. Sie erklären die Verbindung von Schauspiel, Gesang und Publikumsansprache, die Achards Profil bestimmte.

Autographen- und Antiquariatskataloge mit Achard-Briefen. Solche Nachweise sind keine Sekundärliteratur im engen Sinn, aber wichtige Belege für persönliche Netzwerke und Theaterkontakte.

Quellenlage und editorischer Hinweis

Die Quellenlage zu Pierre-Frédéric Achard ist typisch für Schauspieler des populären 19. Jahrhunderts. Die großen Linien seiner Laufbahn sind durch ältere Lexika, Rollenangaben, ikonographische Sammlungen und Theaterliteratur greifbar. Ein vollständiges Rollenverzeichnis liegt jedoch nicht ohne weiteres vor und müsste aus Theaterzetteln, Stückdrucken, Kritiken, Archiven und Pressequellen rekonstruiert werden.

Die Namensform ist besonders sorgfältig zu behandeln. Ältere Lexika nennen ihn Frédéric-Adolphe Achard, während neuere Zusammenstellungen oft Pierre-Frédéric Achard verwenden. Die Seite wählt Pierre-Frédéric Achard als Hauptlemma, führt aber Frédéric Achard und Frédéric-Adolphe Achard als Alternativformen mit.

Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zu späteren Namensverwandten. Ein Frédéric Achard des späten 19. Jahrhunderts, ein zeitgenössischer Schauspieler und Sänger aus Marseille sowie weitere Personen gleichen Namens dürfen nicht mit dem komischen Schauspieler und Sänger von 1808 bis 1856 vermischt werden. Diese Seite behandelt ausschließlich Pierre-Frédéric Achard.

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Fazit

Pierre-Frédéric Achard war eine charakteristische Figur des französischen Unterhaltungstheaters im 19. Jahrhundert. Er verband Schauspiel, Komik, Gesang und Vaudevillepraxis in einer Weise, die für die Pariser Bühnenkultur seiner Zeit besonders typisch war. Seine Stärke lag nicht in klassischer Tragödie oder großer Oper, sondern in raschem komischem Spiel, gesungenen Einlagen, publikumsnaher Energie und der Fähigkeit, eine Szene unmittelbar in Bewegung zu setzen.

Seine Bedeutung liegt deshalb weniger in einem kanonischen Einzelwerk als in einer Theaterpraxis. Achard zeigt, wie sehr das 19. Jahrhundert von Darstellern geprägt wurde, die zwischen Sprechen und Singen, Rolle und Einlage, Theaterfigur und Publikumskontakt vermitteln konnten. Als Schauspieler und Sänger des Palais-Royal und des Gymnase gehört er zur Sozial- und Formgeschichte des Vaudeville, der Chansonnette und des Boulevardtheaters.

Weiterführende Einträge

  • Léon Achard Französischer Tenor und Sohn Pierre-Frédéric Achards
  • Pierre-Frédéric Achard: Rollenverzeichnis Übersicht über nachweisbare Rollen, Aufführungen, Chansonnetten und Theaterdokumente
  • Alfred Delacour Vaudevilleautor, dessen Stücke zum Rollenfeld Achards gehören
  • Boulevardtheater Populäre Pariser Theaterform zwischen Komödie, Vaudeville, Melodram und Unterhaltung
  • Chansonnette Kurze, leichte Liedform, durch die Achard als Schauspieler und Sänger Erfolg hatte
  • Comédien-chanteur Darstellertyp zwischen Schauspieler, Sänger, Coupletdarsteller und Vaudevillekomiker
  • Couplet Kurzer gesungener Abschnitt, der im Vaudeville oft komische oder aktuelle Pointen trägt
  • Virginie Déjazet Französische Schauspielerin, an die ein Brief Achards aus dem Jahr 1856 überliefert ist
  • Entr’acte Zwischenakt oder Aufführungspause, in der Achard chansonnettenartige Einlagen pflegte
  • Eugène Labiche Französischer Lustspiel- und Vaudevilleautor, in dessen Stücken Achard auftrat
  • Farce Komische Theaterform mit körperlicher Übertreibung, Verwechslung und rascher Pointe
  • Französische Komödie des 19. Jahrhunderts Theatergeschichtlicher Rahmen für Achards Rollenfach
  • Gallica Digitale Bibliothek der BnF mit Porträtsammlungen und Theaterdokumenten zu Achard
  • Théâtre du Gymnase Pariser Theater, an dem Achard ab 1845 tätig war
  • Hippolyte Cogniard Vaudeville- und Revueautor, dessen Arbeiten im Umfeld von Achards Rollen erscheinen
  • La Femme qui perd ses jarretières Labiche-Komödie von 1851, in der Achard die Rolle des Gaspard spielte
  • Labiche und Marc-Michel Autorenduo des Vaudeville, wichtig für Achards Rollenrepertoire
  • Theatergeschichte Lyons Früher sozialer und theatraler Herkunftsraum Pierre-Frédéric Achards
  • Marc-Michel Vaudevilleautor und Mitarbeiter Labiches, mit dessen Stücken Achard verbunden war
  • Théâtre du Palais-Royal Zentrale Pariser Wirkungsstätte Achards und Hauptort seines komischen Rollenfachs
  • Pariser Theater des 19. Jahrhunderts Institutioneller und kultureller Rahmen von Vaudeville, Boulevardbühne und Komödie
  • Rothomago Revue von Hippolyte und Théodore Cogniard, in der Achard 1839 auftrat
  • Schauspielerkomik Komische Bühnenwirkung durch Stimme, Tempo, Körper, Timing und Rollenprofil
  • Théâtre du Palais-Royal Pariser Vaudeville- und Boulevardtheater, an dem Achard zahlreiche Rollen schuf
  • Théodore Cogniard Vaudeville- und Revueautor, verbunden mit Achards früher Pariser Rollenwelt
  • Théophile Gautier Kritiker, dessen Bemerkungen Achards lebhaften Bühnenstil erkennen lassen
  • Une charge de cavalerie Labiche- und Delacour-Komödie von 1852, in der Achard als Belrose auftrat
  • Vaudeville-Schauspieler Darstellertyp, der schnelle Dialogführung, Komik und gesungene Einlagen verbindet
  • Vaudeville Französische Theaterform mit Dialog, Couplet, Situationskomik und musikalischer Einlage
  • Volubilität Überreiche und schnelle Sprechbewegung, die in Achards Kritik und Bühnenwirkung auffällt