Kulturlexikon · Italienisches Musiktheater · Römische Opera buffa

Agostino Accorimboni

auch Agostino Accoramboni, Accorimbeni, Accorrimboni; in älteren Katalogen auch Agostino Agosti · * 28. August 1739 in Rom · † 13. August 1818 ebenda · Komponist geistlicher Musik und musikalischer Bühnenwerke · Schüler Rinaldo da Capuas

Agostino Accorimboni war ein römischer Komponist des späten 18. Jahrhunderts, dessen Name vor allem mit komischen Bühnenwerken, Farsetten, Intermezzi, Opera-buffa-Formen und geistlicher Vokalmusik verbunden ist. Zwischen 1768 und 1786 schrieb er eine Reihe römischer Theaterwerke, von denen die meisten nur noch durch Libretti, Aufführungsnachweise oder verstreute Arien bezeugt sind. Sein erfolgreichstes Bühnenwerk war Il regno delle Amazzoni, ein dramma giocoso, das nach seiner Aufführung in Parma auch in Florenz, Bologna, Genua, Ferrara, Rovigo und Prag nachweisbar ist. Nach 1785 wandte sich Agostino Accorimboni verstärkt der Kirchenmusik zu und blieb dadurch nicht nur als Theaterkomponist, sondern auch als Vertreter einer römischen sakralen Gebrauchsmusik um 1800 fassbar.

Überblick

Agostino Accorimboni gehört zu jenen italienischen Komponisten des 18. Jahrhunderts, deren Werke im damaligen Theaterbetrieb eine erkennbare Rolle spielten, deren heutige Sichtbarkeit jedoch stark von Quellenverlusten, Librettoüberlieferung und bibliographischer Rekonstruktion abhängt. Sein Schaffen lässt sich in drei Hauptfelder gliedern: römische komische Bühnenwerke, ein einzelnes ernstes Metastasio-Drama, geistliche Musik und kleinere Vokal- beziehungsweise Instrumentalwerke.

Die biographischen Angaben sind vergleichsweise knapp. Gesichert ist die römische Herkunft, die Ausbildung bei Rinaldo da Capua, die frühe Oratorienproduktion und die Tätigkeit für römische Bühnen. Agostino Accorimboni wurde am 28. August 1739 in Rom geboren und starb dort am 13. August 1818. Einzelne ältere Nachschlagewerke nennen abweichend den 29. August 1739; dieser Eintrag folgt der in der italienischen Forschung und in den maßgeblichen neueren Nachweisen vorherrschenden Angabe des 28. August.

Seine Bühnenwerke entstanden vor allem für römische Theater wie das Teatro Tordinona, Teatro Pace, Teatro delle Dame, Teatro Valle und Teatro Capranica. Der überwiegende Teil gehört zum komischen Fach: Farsetten, Intermezzi und Opera-buffa-nahe Formen. Aus diesem Bereich ragt Il regno delle Amazzoni heraus. Das Werk wurde 1783 in Parma aufgeführt und verbreitete sich rasch auf weitere italienische und ausländische Bühnen. Gerade diese Verbreitung zeigt, dass Agostino Accorimboni nicht nur lokaler Gebrauchskomponist war, sondern im beweglichen Netzwerk des italienischen Musiktheaters eine gewisse überregionale Resonanz erreichte.

Nach 1785 verlagerte sich sein Schwerpunkt auf geistliche Musik. In diesem Zusammenhang werden Messen, Motetten, Vespern, Gradualien, Offertorien und Werke für die Kirche Sant’Anna alle Quattro Fontane in Rom genannt. Die erhaltenen geistlichen Stücke sind besonders wichtig, weil von vielen Bühnenwerken nur Libretti, Aufführungsdaten oder einzelne Arien greifbar sind. Das geistliche Werk macht Agostino Accorimboni daher als praktischen Kirchenkomponisten sichtbar.

Sein kulturgeschichtlicher Rang liegt nicht in einem dauerhaft kanonisierten Meisterwerk, sondern in der Verknüpfung mehrerer Bereiche: römischer Theaterbetrieb, komische Kleinformen, Librettokultur, Metastasio-Oratorium, spätsettecenteske Kirchenmusik und ein Werkbestand, der die Fragilität musikalischer Überlieferung exemplarisch zeigt.

Kurzdaten

Biographische und werkgeschichtliche Grunddaten zu Agostino Accorimboni
Name Agostino Accorimboni
Namensvarianten Agostino Accoramboni, Agostino Accorimbeni, Agostino Accorrimboni; in älteren Katalogen auch Agostino Agosti oder Agosti Accorimboni
Geboren 28. August 1739 in Rom; einzelne ältere Nachweise nennen abweichend den 29. August 1739
Gestorben 13. August 1818 in Rom
Beruf Komponist geistlicher Musik und musikalischer Bühnenwerke; in einzelnen Kurzbiographien auch als Violinist und Pianist bezeichnet
Lehrer Rinaldo da Capua
Erstes bekanntes großes Werk Giuseppe riconosciuto, komponimento sacro beziehungsweise Oratorium nach Pietro Metastasio, 1757 in Rom bezeugt; 1765 erneut im römischen Oratorium von San Girolamo della Carità beziehungsweise in verwandtem römischem Oratorienkontext nachweisbar
Bühnenaktive Zeit Vor allem 1768 bis 1786
Hauptgattungen Farsetta, Intermezzo, Opera buffa, dramma giocoso, dramma per musica, Oratorium, Motette, Graduale, Offertorium, Messe, weltliche Arie
Wichtige Theater Teatro Tordinona, Teatro Pace, Teatro delle Dame, Teatro Valle, Teatro Capranica, Teatro Ducale di Parma, Teatro della Pergola in Florenz, Teatro Sant’Agostino in Genua, Teatro Zagnoni in Bologna
Bekanntestes Bühnenwerk Il regno delle Amazzoni, dramma giocoso, Parma 1783
Besonderer Libretto-Bezug Das Libretto von Il regno delle Amazzoni, Giuseppe Petrosellini zugeschrieben, wurde auch von Wolfgang Amadeus Mozart aufgegriffen; Mozart vertonte die Einleitung als KV 434 beziehungsweise KV 424b
Spätere Tätigkeit Nach 1785 verstärkte Hinwendung zur Kirchenmusik; Verbindung mit Sant’Anna alle Quattro Fontane in Rom
Überlieferung Viele Bühnenpartituren verschollen; erhalten beziehungsweise nachweisbar sind vor allem Libretti, einzelne Arien, geistliche Handschriften, das Digitalisat der Motette Recordare virgo mater und bibliographische beziehungsweise archivalische Nachweise
Familie und Nachlass Der Nachlass wurde nach seinem Tod zwischen den Söhnen Francesco und Filippo geteilt; Francesco war Organist in Rom; die Enkel Agostino und Teresa werden als Pianisten genannt

Namensformen, Quellenlage und Schreibvarianten

Die Namensüberlieferung von Agostino Accorimboni ist ungewöhnlich variantenreich. Neben der heute meist verwendeten Form Accorimboni erscheinen Accoramboni, Accorimbeni, Accorrimboni sowie in älteren Katalogen auch Agosti. Solche Varianten sind für Komponisten des 18. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich. Sie ergeben sich aus handschriftlicher Überlieferung, lokaler Druckpraxis, italienischer Namensvariation, Katalogisierungsgeschichte und der späteren Aufnahme in internationale Bibliotheks- und Normdaten.

Für die Recherche ist diese Varianz wesentlich. Wer nur nach „Accorimboni“ sucht, übersieht unter Umständen ältere Katalogeinträge, Libretti, Handschriften oder Nachschlagewerke, die andere Formen verwenden. Besonders die Form Agostino Agosti kann in alten Breitkopf-, Gerber- oder Eitner-Zusammenhängen auftreten, obwohl sie nicht als eigentliche Hauptform gelten sollte.

Im sichtbaren Text dieser Seite wird die Form Agostino Accorimboni verwendet. Die Varianten werden jedoch in Metadaten, Namensabschnitten und Recherchehinweisen ausdrücklich aufgenommen, damit ältere und neuere Quellen zusammengeführt werden können.

Namensformen und Recherchebedeutung
Namensform Status Recherchehinweis
Agostino Accorimboni Moderne Hauptform und Lemmaform dieses Eintrags Für Treccani, IMSLP, Corago, RISM und die meisten heutigen Kataloge geeignet.
Agostino Accoramboni Historische und bibliographische Variante Besonders in älteren Lexika und Normdaten mitzuberücksichtigen.
Agostino Accorimbeni Bibliographische Variante In Normdaten und einzelnen Katalogzusammenhängen nachweisbar.
Agostino Accorrimboni Schreibvariante mit doppeltem r Für Vollständigkeit in historischen Suchen relevant.
Agostino Agosti Ältere katalogische Ersatz- oder Fehlform In älteren Musiklexika und Breitkopf-Zusammenhängen zu prüfen.
Accorimboni, Agostino Bibliothekarische Ansetzungsform Für Kataloge, Normdaten, RISM, SBN, WorldCat und VIAF sinnvoll.

Leben und Ausbildung

Agostino Accorimboni wurde in Rom geboren und blieb mit der Stadt zeitlebens eng verbunden. Seine Ausbildung erhielt er bei Rinaldo da Capua, einem Komponisten, der im italienischen Musiktheater des 18. Jahrhunderts selbst eine wichtige Rolle spielte. Diese Ausbildung verweist auf ein handwerkliches Milieu, in dem Theaterpraxis, Ariengestaltung, Rezitativbehandlung, komische Dramaturgie und Kirchenmusik nicht streng getrennt waren.

Schon früh trat Agostino Accorimboni mit geistlicher Musik hervor. 1757 wurde sein Giuseppe riconosciuto, eine Vertonung des bekannten Metastasio-Librettos, in Rom aufgeführt. Das Werk gehört in die große Tradition italienischer Oratorien und componimenti sacri, in der biblischer Stoff, moralische Deutung, italienischer Rezitativ-Arien-Stil und liturgisch beziehungsweise halböffentliche Aufführungspraxis zusammenkommen. Die erneute Aufführung oder bibliographische Bezeugung im Jahr 1765 zeigt, dass dieses Frühwerk nicht nur ein isoliertes Jugendstück gewesen sein dürfte.

In der zweiten Hälfte der 1760er Jahre stand Agostino Accorimboni zeitweise in Spoleto als Kapellmeister beziehungsweise musikalisch verantwortliche Kraft in Erscheinung. 1768 begann mit Le scaltre contadine di Montegelato die stärker sichtbare Bühnenkarriere in Rom. Von diesem Zeitpunkt an entstanden in dichter Folge komische Bühnenwerke für die römischen Theater. Die Jahre zwischen 1768 und 1786 bilden daher den eigentlichen Theaterabschnitt seines Schaffens.

Nach dem Bühnenjahr 1785 und dem Nachzügler Il podestà di Tufo antico von 1786 wandte sich Agostino Accorimboni zunehmend der geistlichen Musik zu. In diesem Zusammenhang ist besonders die Kirche Sant’Anna alle Quattro Fontane in Rom zu nennen. Mehrere erhaltene oder nachweisbare Gradualien, Offertorien und Motetten sind mit diesem kirchlichen Gebrauchskontext verbunden. Agostino Accorimboni starb am 13. August 1818 in Rom.

Rom als Theater- und Kirchenmusikraum

Rom war im 18. Jahrhundert ein besonderer Musikraum. Die Stadt war kirchliches Zentrum, aristokratischer Repräsentationsort, Theaterstadt und Ausbildungsort zugleich. Oper, Oratorium, Kirchenmusik und halböffentliche geistliche Aufführungen standen in enger Nachbarschaft. Für Agostino Accorimboni bedeutete dies, dass eine Karriere nicht ausschließlich über Hof oder Opernmetropole definiert werden musste. Sie konnte sich zwischen Theatern, Oratorien, Kirchen und lokalen Patronagen entfalten.

Die römischen Theater spielten eine wesentliche Rolle. Das Teatro Tordinona, Teatro Pace, Teatro delle Dame, Teatro Valle und Teatro Capranica erscheinen in den Werkdaten als wichtige Aufführungsorte. Diese Theater waren nicht nur Orte großer Opern, sondern auch Orte kleinerer Formen: Farsetten, Intermezzi, komische Zwischenspiele, mehrteilige kurze Bühnenstücke und saisonale Karnevalsproduktionen. Agostino Accorimbonis Werkprofil ist ohne diese römische Produktionslogik nicht zu verstehen.

Gleichzeitig blieb die Kirchenmusik ein tragendes Feld. Im Rom des späten 18. Jahrhunderts war geistliche Musik keine Randtätigkeit, sondern ein kontinuierlicher Bedarf. Messen, Vespern, Motetten, Offertorien und Gradualien wurden für konkrete liturgische oder devotional geprägte Situationen gebraucht. Dass Agostino Accorimboni nach 1785 in diesem Bereich besonders aktiv erscheint, zeigt eine typische Verschiebung vom Theaterbetrieb zur sakralen Gebrauchsmusik.

Römische und überregionale Aufführungsorte im Accorimboni-Kontext
Ort / Theater Bedeutung im Werkbestand Gattungsumfeld
Teatro Tordinona, Rom Mehrere frühe Farsetten und Intermezzi Komisches Musiktheater, Karnevals- und Saisonbetrieb
Teatro Pace, Rom Il finto cavaliere und Lo schiavo fortunato Farsetta und Intermezzo
Teatro delle Dame, Rom Il marchese di Castelverde Römisches Musiktheater und aristokratisches Opernumfeld
Teatro Valle, Rom Il governatore delle Isole Canarie und Il podestà di Tufo antico Spätere komische Bühnenwerke
Teatro Capranica, Rom In älteren Nachweisen mit Il governatore delle Isole Canarie verbunden Römischer Theaterbetrieb des späten 18. Jahrhunderts
Teatro Ducale / Regio Ducal Teatro di Corte, Parma Uraufführung beziehungsweise erste belegte Aufführung von Il regno delle Amazzoni 1783 Überregional erfolgreiche Opera-buffa-Produktion
Teatro della Pergola, Florenz Nachweis für Il regno delle Amazzoni 1784 Verbreitung außerhalb Roms
Teatro Sant’Agostino, Genua Nachweis für Il regno delle Amazzoni 1784 Repertoirewanderung italienischer Bühnenwerke
Prager Nationaltheater Nachweis für Il regno delle Amazzoni 1785 Ausländische Aufnahme italienischer Opera buffa
Sant’Anna alle Quattro Fontane, Rom Späte geistliche Musik und liturgischer Gebrauchskontext Motetten, Gradualien, Offertorien, Kirchenmusik

Bühnenwerke zwischen Farsetta, Intermezzo und Opera buffa

Agostino Accorimbonis Bühnenwerk steht überwiegend im komischen Fach. Die Farsetta und das Intermezzo waren bewegliche, publikumsnahe Formen. Sie konnten mit begrenzter Besetzung, pointierter Handlung, komischen Situationen, Verwechslungen, sozialen Gegensätzen und vokalem Witz arbeiten. Gerade Rom bot für solche Formen ein fruchtbares Umfeld, weil kleinere Theater und saisonale Aufführungen ein kontinuierliches Repertoire verlangten.

Die Titel zeigen typische Stoffwelten: listige Bäuerinnen, verkleidete oder fingierte Figuren, komische Liebesverwicklungen, närrische Vormünder, soziale Maskerade, bürgerlich-aristokratische Rollenstörungen und exotisch oder geographisch gefärbte Schauplätze. Der Bereich reicht von Le scaltre contadine di Montegelato über L’amante nel sacco bis zu Il governatore delle Isole Canarie. Diese Titel gehören zur Kultur der italienischen komischen Bühne, in der soziale Beweglichkeit, Sprachwitz, Situationstheater und musikalische Kürze wichtig waren.

Nur La Nitteti steht als ernstes dramma per musica nach Pietro Metastasio deutlich außerhalb des komischen Hauptprofils. Das ist aufschlussreich, weil es zeigt, dass Agostino Accorimboni das ernste Libretto- und Opernfach kannte, aber seine bleibende Signatur im komischen und halbkomischen Repertoire hatte. Gerade das Nebeneinander von Metastasio und Farsetta kennzeichnet viele Komponisten des Settecento, die flexibel auf Theaterbedürfnisse reagierten.

Il regno delle Amazzoni und die überregionale Wirkung

Il regno delle Amazzoni war Agostino Accorimbonis erfolgreichstes Bühnenwerk. Es wurde am 27. Dezember 1783 in Parma im höfisch-theatralen Kontext des dortigen Teatro Ducale beziehungsweise Regio Ducal Teatro di Corte aufgeführt und anschließend rasch auf weiteren Bühnen nachgewiesen. Die Aufführungen in Genua, Florenz, Bologna, Ferrara, Rovigo und Prag zeigen, dass das Werk über einen lokalen römischen Wirkungskreis hinausging.

Die Gattung wird als dramma giocoso beziehungsweise Opera buffa mit größerem Zuschnitt beschrieben. Der Amazonenstoff bot dem komischen Musiktheater mehrere attraktive Möglichkeiten: Geschlechterordnung, Herrschaft, exotisch-antike Rahmung, soziale Umkehrung, militärisch-erotische Spannung und komische Verwicklung. Dass ein solcher Stoff auf mehreren Bühnen funktionierte, spricht für eine gute Passung an die europaweit verbreitete italienische Opera-buffa-Kultur.

Besonders bemerkenswert ist der Libretto-Bezug zu Wolfgang Amadeus Mozart. Die Einleitung beziehungsweise der Beginn des Librettos wurde von Mozart als KV 434 beziehungsweise KV 424b vertont. Das bedeutet nicht, dass Mozart Agostino Accorimbonis Musik bearbeitete; vielmehr zeigt es, dass der Librettostoff und seine Textgestalt in einem größeren opernpoetischen Umlauf standen. Für die Kulturgeschichte ist diese Verbindung wichtig, weil sie Agostino Accorimbonis erfolgreichstes Werk mit der internationalen Libretto- und Kompositionspraxis der 1780er Jahre verknüpft.

Nachweise zur Verbreitung von Il regno delle Amazzoni
Jahr / Datum Ort Theater / Kontext Bedeutung
27. Dezember 1783 Parma Regio Ducal Teatro di Corte beziehungsweise Teatro Ducale Erste belegte Aufführung des erfolgreichen dramma giocoso.
10. April 1784 Genua Teatro Sant’Agostino Frühe Aufnahme außerhalb Parmas.
16. Juli 1784 Florenz Teatro della Pergola Aufführung an einem wichtigen italienischen Opernhaus.
Herbst 1784 Bologna Teatro Zagnoni beziehungsweise in älteren Nachweisen auch Formagliari-Kontext Fortsetzung der nord- und mittelitalienischen Verbreitung.
Herbst 1784 Ferrara Teatro Bonacossi Beleg für weitere regionale Rezeption.
Messe / Herbst 1784 Rovigo Theaterkontext der Messezeit Hinweis auf saisonale Theaterzirkulation.
Karneval 1785 Prag Nationaltheater Ausländische Rezeption italienischer Opera buffa.

Kirchenmusik, Oratorium und späte geistliche Werke

Die Kirchenmusik bildet neben dem Theaterwerk die zweite große Werkgruppe. Agostino Accorimboni trat bereits 1757 mit Giuseppe riconosciuto hervor, einem componimento sacro beziehungsweise Oratorium nach Pietro Metastasio. Der Stoff vom wiedererkannten Josef gehört zu den häufig vertonten geistlichen Libretti des 18. Jahrhunderts. Agostino Accorimbonis Vertonung steht damit in einer breiten europäischen Oratorientradition, die biblische Erzählung, moralische Deutung und italienische Opernsprache verband.

Nach 1785 wandte sich Agostino Accorimboni vorwiegend der Kirchenmusik zu. Die Quellen nennen eine größere Zahl von Messen, Motetten und Vespern, von denen viele verschollen sind oder nur summarisch erwähnt werden. Erhalten beziehungsweise genauer nachweisbar sind unter anderem Recordare virgo mater, Veni sponsa Christi, Ave Maria, Gradualien und Offertorien für bestimmte liturgische Feste. Mehrere Stücke werden mit dem Gebrauch in Sant’Anna alle Quattro Fontane verbunden.

Diese geistlichen Werke sind auch deshalb wichtig, weil sie Agostino Accorimboni außerhalb des Theaterbetriebs zeigen. Während die Opernpartituren weitgehend verloren sind, ermöglichen geistliche Handschriften einen Blick auf seine tatsächliche Satzpraxis: kleine vokale Besetzungen, Orgel oder Basso continuo, lateinischer Text, liturgische Funktion und gebrauchsmusikalische Präzision. Dadurch wird sichtbar, dass Agostino Accorimboni nicht nur Theaterkomponist, sondern praktischer römischer Kirchenmusiker war.

Stil, Gattung und musikalische Sprache

Der Stil Agostino Accorimbonis lässt sich wegen der lückenhaften Partiturüberlieferung nur vorsichtig beschreiben. Die erhaltenen und nachweisbaren Werktypen deuten auf einen Komponisten, der sicher im spätsettecentesken italienischen Theateridiom arbeitete. Komische Bühnenwerke verlangten prägnante Arien, bewegliche Rezitative, Buffo-Charaktere, Ensembleschärfe, schnelle szenische Reaktion und eine klare Abstimmung zwischen Libretto und musikalischer Pointe.

Die Nähe zur Opera buffa und zu Cimarosa-ähnlichen Modellen wird in der Forschung wiederholt als stilistischer Vergleichsrahmen genannt. Diese Nähe darf nicht als bloße Abhängigkeit verstanden werden, sondern beschreibt eine gemeinsame Sprache des italienischen komischen Musiktheaters: klare Periodik, singbare Melodik, komische Typisierung, rhythmische Leichtigkeit und eine Theaterpraxis, die auf Verständlichkeit und Wirksamkeit zielte.

Im geistlichen Bereich ist eine andere Funktion zu erwarten. Motetten, Gradualien und Offertorien sind liturgisch oder devotional bestimmt. Sie müssen nicht dramatische Komik erzeugen, sondern Textverständlichkeit, Andacht, klangliche Klarheit und liturgische Brauchbarkeit leisten. Die kleine Besetzung vieler nachweisbarer Werke zeigt, dass Agostino Accorimboni auch für konkrete praktische Kirchenverhältnisse komponierte.

Gattungs- und Stilfelder Agostino Accorimbonis
Bereich Merkmale Bedeutung
Farsetta Kurze komische Bühnenform mit pointierter Handlung und begrenztem Personal. Hauptfeld der frühen römischen Theaterproduktion.
Intermezzo Komisches Zwischen- oder Kleinformat mit beweglicher Aufführungspraxis. Verbindet lokale Theaterpraxis mit Opera-buffa-Kultur.
Opera buffa / dramma giocoso Komisches oder halbkomisches Musiktheater mit größerem dramatischen Zuschnitt. Besonders wichtig bei Il regno delle Amazzoni.
Dramma per musica Ernstes Opernfach, hier besonders durch Metastasios La Nitteti. Belegt Accorimbonis Anschluss an das seria-nahe Libretto-Repertoire.
Oratorium / componimento sacro Geistliches dramatisches Vokalwerk, häufig mit Rezitativ und Arie. Frühe Sichtbarkeit durch Giuseppe riconosciuto.
Motette, Graduale, Offertorium Liturgische oder devotional bestimmte Vokalmusik mit Orgel oder Continuo. Später Schwerpunkt nach der Theaterphase.
Weltliche Arie Einzelne Arien und Arietten für Stimme und Orchester beziehungsweise Continuo. Wichtige Überlieferungsspur, da viele Gesamtpartituren verloren sind.
Instrumentalmusik Symphonie, Pastorale, Variationen. Kleiner, aber für das Gesamtprofil ergänzender Bereich.

Mozart-Bezug und Libretto-Tradition

Der Mozart-Bezug Agostino Accorimbonis verläuft nicht über eine direkte musikalische Abhängigkeit, sondern über Libretto- und Theaterkultur. Das Libretto von Il regno delle Amazzoni wurde auch von Wolfgang Amadeus Mozart aufgegriffen; Mozart vertonte die Einleitung unter der Köchel-Nummer KV 434 beziehungsweise KV 424b. Dadurch tritt Agostino Accorimbonis erfolgreichstes Bühnenwerk in einen größeren literarisch-musikalischen Umlauf ein.

Solche Überschneidungen waren im 18. Jahrhundert normal. Libretti konnten von verschiedenen Komponisten vertont, bearbeitet, gekürzt, übersetzt oder für andere Theater angepasst werden. Ein Werkstoff gehörte nicht notwendig einem einzelnen Komponisten. Vielmehr zirkulierten Texte, Situationen, Rollenmodelle und musikalische Erwartungen in einem europäischen Theatermarkt.

Für Agostino Accorimboni ist dieser Zusammenhang besonders wertvoll, weil er zeigt, dass Il regno delle Amazzoni nicht nur eine lokale Aufführung war. Das Werk stand in einem Netz aus italienischer Opera buffa, Librettodruck, Wanderrepertoire, Theaterimport und Komponisteninteresse, in dem auch Mozart als Leser und Teilvertoner eines verwandten Textbeginns erscheint.

Kulturüberblick: Römische Komödienoper und sakrale Musik im späten Settecento

Agostino Accorimboni gehört in eine Zeit, in der das italienische Musiktheater außerordentlich mobil war. Libretti, Sänger, Theatertruppen, Komponisten, Arien und Stoffe zirkulierten zwischen Städten, Höfen und saisonalen Theaterbetrieben. Rom war in diesem Zusammenhang nicht nur geistliches Zentrum, sondern auch produktiver Theaterort. Die komische Oper, die Farsetta und das Intermezzo bedienten ein Publikum, das soziale Typen, Verkleidungen, Liebesintrigen, komische Autoritätskonflikte und pointierte musikalische Situationen erwartete.

Der römische Theaterbetrieb unterschied sich von großen höfischen Opernzentren. Kleinere Formen und saisonale Produktionen hatten große Bedeutung. Ein Komponist wie Agostino Accorimboni musste schnell, gattungssicher und theaterpraktisch arbeiten. Die Musik musste funktionieren: Sie musste Sänger tragen, komische Situationen zuspitzen, Rezitative beweglich gestalten und Arien erinnerbar machen. Die heutige Forschung sieht solche Komponisten oft nur durch den Filter erhaltener Libretti. Gerade deshalb sind Datenbanken wie Corago, RISM, SBN und Librettodigitalisate für ihre Rekonstruktion unverzichtbar.

Daneben stand die sakrale Musik. Im Rom des 18. Jahrhunderts konnte ein Komponist nicht ausschließlich auf Oper setzen. Kirchen, Oratorien, Bruderschaften, Klöster und liturgische Feiern erzeugten einen dauerhaften Bedarf an geistlicher Vokalmusik. Die Hinwendung Agostino Accorimbonis zur Kirchenmusik nach 1785 ist daher nicht als Rückzug in eine private Frömmigkeit zu verstehen, sondern als Einbindung in einen stabilen musikalischen Markt kirchlicher Gebrauchsmusik.

Die Werküberlieferung zeigt zugleich eine kulturelle Asymmetrie. Theaterwerke konnten zu ihrer Zeit erfolgreich sein, später aber verschwinden, wenn Partituren nicht kopiert oder gesammelt wurden. Libretti überlebten häufiger, weil sie gedruckt, verkauft, archiviert und in Bibliotheken gebunden wurden. Geistliche Handschriften konnten in Kirchen- und Bibliotheksbeständen erhalten bleiben. Agostino Accorimbonis heutiges Profil ist deshalb nicht nur Ergebnis seines Schaffens, sondern auch Ergebnis von Archivzufällen.

Kulturgeschichtlich steht Agostino Accorimboni somit für den mittleren Bereich des Musiklebens: nicht den einsamen Kanonkomponisten, sondern den funktionierenden Theater- und Kirchenkomponisten. Gerade dieser Bereich ist für das Verständnis des 18. Jahrhunderts entscheidend, weil er zeigt, wie Musik tatsächlich produziert, gespielt, gedruckt, gebraucht und wieder vergessen wurde.

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis fasst die nachweisbaren Werke Agostino Accorimbonis nach Gattungen zusammen. Wegen der lückenhaften Überlieferung ist zwischen vollständig oder teilweise erhaltener Musik, Librettonachweisen, Aufführungsdaten und verschollenen Werken zu unterscheiden. Besonders bei den Bühnenwerken sind vielfach die Libretti besser greifbar als die Partituren. Die Angabe „verschollen“ meint hier vor allem, dass die vollständige Partitur im heute leicht nachweisbaren Bestand nicht verfügbar ist oder in der Forschung als verloren beziehungsweise nicht greifbar gilt.

Bühnenwerke

Bühnenwerke Agostino Accorimbonis
Titel Gattung / Form Libretto Uraufführung / Erstnachweis Ort / Theater Überlieferung und Bemerkung
Le scaltre contadine di Montegelato Farsetta in zwei Teilen Antonio Gatta 2. Januar 1768 Rom, Teatro Tordinona Frühes römisches Bühnenwerk; Libretto nachweisbar; Partitur nach heutigem Forschungsstand nicht vollständig greifbar.
Le scaltre contadine Fassung beziehungsweise verwandter Aufführungsnachweis nach dem Umfeld von Le scaltre contadine di Montegelato Karneval 1771 Rom, Teatro Pallacorda beziehungsweise in Librettodrucken abweichend erschlossen Als Wiederaufnahme oder Fassung der früheren Farsetta zu behandeln; quellenkritisch mit dem Montegelato-Titel zu vergleichen.
Le contadine astute Farsetta in zwei Teilen Tommaso Mariani beziehungsweise T. Mariani Karneval 1770; in Corago 8. Januar 1770 beziehungsweise Januar/Karneval 1770 Rom, Teatro Tordinona Komisches Bauern- und Listspiel; Libretto nachweisbar.
L’amante nel sacco Farsetta in zwei Teilen Gregorio Mancinelli 2. Januar 1772 Rom, Teatro Tordinona Typischer komischer Titel mit Situationswitz; Libretto nachweisbar.
Le finte zingarelle Farsetta in zwei Teilen Giovanni Battista Lorenzi 31. Januar 1774 Rom, Teatro Tordinona Verkleidungs- und Maskeradenkontext; Libretto nachweisbar.
Il finto cavaliere Farsetta in zwei Teilen nicht sicher vollständig geklärt; Libretto in römischem Druck nachweisbar Karneval 1777; Librettodruck Rom 1776 Rom, Teatro Pace Später als deutsche Fassung beziehungsweise Singspiel Das Herbstabendtheuer, oder Wer wagt, gewinnt von Johann Christian Bock bezeugt; auch Messina 1778 als Aufführungskontext genannt.
Das Herbstabendtheuer, oder Wer wagt, gewinnt Deutsche Singspiel-Bearbeitung nach Il finto cavaliere Johann Christian Bock Librettodruck Leipzig 1782 Leipzig, Christian Gottlob Hilscher als Druckkontext Wichtiger Nachweis für die deutschsprachige Aufnahme eines Accorimboni-Stoffes.
La Nitteti Dramma per musica in drei Akten Pietro Metastasio Sommer 1777 Florenz, Teatro detto della Pallacorda Das einzige klar seria-nahe Bühnenwerk im Werkbestand; Metastasio-Vertonung außerhalb des überwiegend komischen Profils.
L’amore artigiano Intermezzo in zwei Teilen Carlo Goldoni 7. Januar 1778 Rom, Teatro Tordinona Goldoni-Stoff; verbindet venezianisch-italienische Komödienkultur mit römischem Musiktheater.
Le virtuose bizzarre Intermezzo nicht durchgehend einheitlich genannt 29. Dezember 1778 beziehungsweise Karneval 1779 Rom, Teatro Tordinona Komische Reflexion musikalischer Virtuosinnen- und Theaterrollen möglich; Libretto nachweisbar.
Il marchese di Castelverde Komisches Bühnenwerk nicht sicher vollständig geklärt Karneval 1779 Rom, Teatro delle Dame In der Forschung neben Il regno delle Amazzoni als erinnernswertes Bühnenwerk hervorgehoben; Libretto nachweisbar.
Il podestà di Tufo antico, o sia Il tutore burlato Komisches Bühnenwerk F. Ballani beziehungsweise Francesco Ballani Sommer 1786 Rom, Teatro Valle Spätes Bühnenwerk; in einzelnen älteren Übersichten erscheint 1780 als Bezug, während Corago die erste Aufführung 1786 verzeichnet.
Lo schiavo fortunato, o sia La marchesina fedele Intermezzo nicht sicher vollständig geklärt Karneval 1783 Rom, Teatro Pace Komisches Intermezzo; Libretto nachweisbar.
Il regno delle Amazzoni Dramma giocoso / Opera buffa Giuseppe Petrosellini zugeschrieben 27. Dezember 1783 Parma, Regio Ducal Teatro di Corte / Teatro Ducale Erfolgreichstes Bühnenwerk; Aufführungen 1784 in Genua, Florenz, Bologna, Ferrara, Rovigo und 1785 in Prag nachweisbar; einzelne Arien beziehungsweise Materialspuren erhalten.
Il governatore delle Isole Canarie Intermezzo Caterino Mazzolà beziehungsweise C. Mazzolà 26. Dezember 1784 beziehungsweise Karneval 1785 in älteren Angaben Rom, Teatro Valle; in älteren Nachweisen auch Teatro Capranica genannt Spätes komisches Bühnenwerk; Libretto nachweisbar.

Geistliche Vokalmusik

Geistliche Werke und liturgische Musik
Titel / Textbeginn Gattung Besetzung Datierung / Kontext Überlieferung und Bemerkung
Giuseppe riconosciuto Componimento sacro / Oratorium nach Pietro Metastasio Vokalsolisten und Begleitung; genaue Besetzung quellenabhängig Rom 1757; erneut 1765 in römischem Oratorienkontext nachweisbar Frühes Hauptwerk; Musik nach heutigem Forschungsstand nicht vollständig erhalten beziehungsweise nicht allgemein greifbar.
Ave Maria Geistliches Vokalstück Zwei Soprane, Bass und Orgel undatiert Als erhaltene beziehungsweise katalogisch nachweisbare geistliche Handschrift genannt.
Haec est dies quam fecit Dominus Graduale für die Auferstehungsmesse Zwei Soprane und Orgel liturgischer Osterkontext Mit Offertorium Terra tremuit als Paar überliefert beziehungsweise nachweisbar.
Terra tremuit Offertorium für die Auferstehungsmesse Zwei Bässe und Orgel liturgischer Osterkontext Liturgisches Gegenstück zum Graduale Haec est dies quam fecit Dominus.
Benedicta et venerabilis es, virgo Maria Graduale für Mariä Geburt Zwei Soprane und Orgel Gebrauch in Sant’Anna alle Quattro Fontane, Rom Teil eines marianischen Graduale-Offertorium-Komplexes.
Beata es virgo Maria, quae Dominum portasti Offertorium für Mariä Geburt Zwei Soprane, Bass und Orgel Gebrauch in Sant’Anna alle Quattro Fontane, Rom Marianisches Offertorium; liturgische Gebrauchsmusik.
Propter veritatem, et mansuetudinem Graduale für Mariä Himmelfahrt Zwei Soprane und Orgel Marianischer Festkontext Zusammen mit dem Offertorium Assumpta est Maria nachweisbar.
Assumpta est Maria, in caelum gaudent angeli Offertorium für Mariä Himmelfahrt Zwei Soprane, Bass und Orgel Marianischer Festkontext Liturgische Musik für das Fest Mariä Himmelfahrt.
Oculi omnium Graduale zu Fronleichnam Zwei Soprane und Orgel G-Dur; Gebrauch in Sant’Anna alle Quattro Fontane, Rom Beispiel für kleine liturgische Vokalbesetzung.
Recordare virgo mater Motette Sopran und Basso continuo; in älteren Angaben auch Sopran, Bass und Orgel C-Dur; undatiert Als Digitalisat bei IMSLP nach einem Berliner Manuskript greifbar; eines der wichtigsten erhaltenen Stücke.
Tu es qui extraxisti me Graduale Alt und Orgel G-Dur; für Sankt Raimonda beziehungsweise entsprechenden Heiligenkontext genannt Kleines geistliches Vokalwerk.
Veni sponsa Christi Geistliches Vokalstück Sopran und Orgel C-Dur; undatiert Liturgisch-devotionaler Kontext.
Veni sponsa Christi Geistliches Vokalstück Vier Stimmen: Sopran, Alt, Tenor, Bass G-Dur; undatiert Mehrstimmige Fassung beziehungsweise weiteres Werk desselben Textbeginns.
Kantate für Papst Pius VII. Geistlich-festliche Kantate nicht sicher erschlossen Anlässlich der Rückkehr von Papst Pius VII.; frühes 19. Jahrhundert Verschollen; führte nach biographischen Angaben zu einer Einladung an den württembergischen Hof, die Accorimboni vermutlich nicht annahm.
Messa brevis a due voce Messe Tenor, Bass und Orgel undatiert Beispiel kleiner liturgischer Besetzung.
Messen, Motetten und Vespern Geistliche Vokalmusik verschiedene Besetzungen vor allem nach 1785 anzusetzen In älteren Quellen summarisch als zahlreich genannt; ein erheblicher Teil ist verschollen oder nicht genau identifiziert.

Weltliche Vokalmusik

Weltliche Arien, Arietten und Duette
Titel / Textbeginn Gattung Besetzung Quelle / Kontext Bemerkung
Allegra madama Arie Bass und Orchester Handschriftlich beziehungsweise katalogisch nachweisbar Weltliche Vokalnummer aus dem komischen Umfeld.
Gli augeletti Duett Zwei Singstimmen; genaue Begleitung quellenabhängig Text von Carlo Goldoni aus I volponi Verweist auf die Verbindung zu Goldoni-Stoffen und komischem Theater.
Ha perduto mezzo naso Arie Bass und Orchester Handschriftlich beziehungsweise katalogisch nachweisbar Buffo-nahe Arie mit komischem Textcharakter.
Se mi lasci, infido Arietta Singstimme und Basso continuo Veröffentlicht im Journal d’ariettes italiennes, Paris 1786 Wichtiger Drucknachweis im französisch-italienischen Ariettenmarkt.
Se perdo l’idol mio Arie / Arietta Sopran und Gitarre C-Dur; katalogisch nachweisbar Zeigt ein kammermusikalisch-häusliches oder salonartiges Begleitmodell.
Fate largo, signori Aria buffa Bass und Violinen D-Dur; Handschrift in Bologna genannt Wichtiger Nachweis für erhaltene Buffo-Arien aus dem Theaterumfeld.
Qui giace il freddo cenere Arie Tenor und Orchester RISM-Nachweis, Handschrift in Rom Ergänzender Beleg für Einzelarienüberlieferung.

Instrumentalmusik

Instrumentalwerke Agostino Accorimbonis
Titel / Werktyp Tonart Besetzung Überlieferung und Bemerkung
Symphonie D-Dur Orchester In Werklisten genannt; genauer Quellenstatus gesondert zu prüfen.
Pastorale G-Dur Klavier und Violine Kleines Instrumentalwerk; zeigt häuslich-kammermusikalischen Kontext.
Variationen Es-Dur Cembalo Instrumentale Tastenmusik; Quellenstatus gesondert zu prüfen.

Quellenkritischer Gesamtstatus

Überlieferungslage nach Werkgruppen
Werkgruppe Überlieferungslage Forschungskonsequenz
Bühnenwerke Libretti und Aufführungsdaten gut greifbar; vollständige Partituren weitgehend verschollen oder nicht allgemein verfügbar; Il regno delle Amazzoni ist am stärksten bezeugt. Rekonstruktion über Corago, SBN, RISM, Librettodigitalisate und Einzelarien.
Geistliche Musik Einzelne Handschriften und Digitalisate erhalten; viele Messen, Motetten und Vespern nur summarisch erwähnt. Archiv- und Bibliotheksrecherche ist für genaue Werkgestalt notwendig.
Weltliche Vokalmusik Einzelarien und Arietten in Handschriften oder Drucken nachweisbar. Wichtig als Ersatzspur verlorener Theaterpartituren.
Instrumentalmusik Kleiner Werkbestand; Quellenstatus bei einzelnen Stücken gesondert zu prüfen. Nicht Hauptfeld des Komponisten, aber ergänzend für das Profil relevant.
Normdaten und Namensformen Mehrere Schreibvarianten und ältere Fehlformen. Recherche muss Accorimboni, Accoramboni, Accorimbeni, Accorrimboni und Agosti einschließen.

Überlieferung, Handschriften und Verluste

Die Überlieferung Agostino Accorimbonis ist ein typischer Fall des 18. Jahrhunderts. Die Theaterwerke waren für konkrete Aufführungsanlässe bestimmt. Wenn Partituren nicht weiter kopiert, archiviert oder in Bibliotheken aufgenommen wurden, verschwanden sie leicht. Libretti dagegen wurden gedruckt, verkauft, gesammelt und in Bibliotheken gebunden. Deshalb ist der Werkbestand heute stärker durch Librettodrucke und Aufführungsdaten als durch vollständige musikalische Quellen geprägt.

Bei den Bühnenwerken ist Il regno delle Amazzoni am besten sichtbar. Die wiederholten Librettodrucke und Aufführungsnachweise in mehreren Städten zeigen seine Wirkung. Dagegen sind viele römische Farsetten nur durch Titel, Drucke oder historische Kataloge bekannt. Einzelne Arien geben Hinweise auf die musikalische Praxis, ersetzen aber keine vollständige Partitur.

Die geistliche Musik ist teilweise besser greifbar, weil kirchliche Handschriften in Bibliotheksbeständen erhalten blieben. Besonders Recordare virgo mater ist durch ein Digitalisat öffentlich zugänglich. Weitere Gradualien, Offertorien und Vokalstücke sind über RISM und ältere Kataloge zu erschließen. Dennoch bleibt das geistliche Gesamtwerk nur teilweise rekonstruierbar.

Für eine genaue wissenschaftliche Arbeit sind mehrere Datenebenen zusammenzuführen: Treccani-Biographie, Corago-Ereignisdaten, Corago-Librettodaten, SBN-Drucknachweise, RISM-Handschriften, IMSLP-Digitalisate, Bibliothekskataloge, ältere Musiklexika und lokale Theatergeschichten. Erst aus dieser Kombination entsteht ein belastbares Bild.

Zeittafel

Stationen im Leben und Werk Agostino Accorimbonis
Jahr / Datum Ereignis Bedeutung
28. August 1739 Geburt in Rom. Römische Herkunft als Grundlage seiner späteren Theater- und Kirchenmusiktätigkeit.
1750er Jahre Ausbildung bei Rinaldo da Capua. Anschluss an die italienische Opern- und Kompositionspraxis der Jahrhundertmitte.
1757 Giuseppe riconosciuto nach Pietro Metastasio wird in Rom bezeugt. Frühe Sichtbarkeit als Komponist geistlicher dramatischer Musik.
1765 Giuseppe riconosciuto erneut in römischem Oratorienkontext nachweisbar; in manchen älteren Angaben auch mit Spoleto-Kontext verbunden. Bestätigung der frühen Oratorienrezeption.
1765–1768 Tätigkeit als Kapellmeister beziehungsweise musikalische Kraft im Umfeld von Spoleto in älteren biographischen Angaben genannt. Übergang vom jungen geistlichen Komponisten zum Theaterpraktiker.
2. Januar 1768 Le scaltre contadine di Montegelato, Rom, Teatro Tordinona. Beginn der nachweisbaren römischen Bühnenproduktion.
1770 Le contadine astute, Rom, Teatro Tordinona. Fortsetzung des komischen Bauern- und Listspiels.
1772 L’amante nel sacco, Rom, Teatro Tordinona. Typische komische Farsetta des römischen Theaterbetriebs.
1774 Le finte zingarelle, Rom, Teatro Tordinona. Verkleidungs- und Maskeradenstoff im komischen Fach.
1777 Il finto cavaliere, Rom, Teatro Pace; La Nitteti, Florenz. Nebeneinander von komischer Farsetta und ernstem Metastasio-Drama.
1778 L’amore artigiano und Le virtuose bizzarre. Produktive Phase komischer römischer Theaterwerke.
1779 Il marchese di Castelverde, Rom, Teatro delle Dame. Werk an einem wichtigen römischen Theater.
1782 Deutscher Librettodruck Das Herbstabendtheuer, oder Wer wagt, gewinnt nach Il finto cavaliere. Hinweis auf deutschsprachige Aufnahme eines Accorimboni-Stoffes.
Karneval 1783 Lo schiavo fortunato, o sia La marchesina fedele, Rom, Teatro Pace. Spätes römisches Intermezzo.
27. Dezember 1783 Il regno delle Amazzoni, Parma. Erfolgreichstes und überregional wirksamstes Bühnenwerk.
1784–1785 Aufführungen von Il regno delle Amazzoni in Genua, Florenz, Bologna, Ferrara, Rovigo und Prag. Nachweis einer überregionalen Wirkung im italienischen und ausländischen Opernmarkt.
26. Dezember 1784 / Karneval 1785 Il governatore delle Isole Canarie, Rom. Späte komische Bühnenproduktion.
Sommer 1786 Il podestà di Tufo antico, o sia Il tutore burlato, Rom, Teatro Valle. Letztes sicher nachweisbares Bühnenwerk.
nach 1785 Verstärkte Hinwendung zur Kirchenmusik. Messen, Motetten, Vespern, Gradualien und Offertorien werden zum Hauptfeld.
frühes 19. Jahrhundert Kantate anlässlich der Rückkehr von Papst Pius VII. in biographischen Angaben genannt. Späte festliche Gelegenheitsmusik; Werk heute verschollen.
13. August 1818 Tod in Rom. Ende einer römischen Komponistenlaufbahn zwischen Theater und Kirche.

Sekundärliteratur

Die Sekundärliteratur zu Agostino Accorimboni ist verstreut. Wichtig sind biographische Lexika, Theatergeschichten, Libretto-Kataloge, Quellenlexika, Corago-Daten, RISM-Nachweise und Untersuchungen zur römischen Oper des 18. Jahrhunderts. Da viele Partituren verloren sind, haben archivalische und bibliographische Quellen einen besonders hohen Stellenwert.

Ausgewählte Sekundärliteratur und Forschungskontexte
Autor / Quelle Titel / Gegenstand Nutzen für den Eintrag
Alberto Pironti Artikel ACCORIMBONI, Agostino im Dizionario Biografico degli Italiani, Treccani Zentrale biographische Quelle zu Namensvarianten, Lehrer, Bühnenwerken, Il regno delle Amazzoni, Kirchenmusik und Überlieferung.
MGG Online Artikel Accorimboni, Agostino Fachlexikalische Vertiefung mit Werkgruppen, Biographie, Würdigung und Literatur.
Corago, Universität Bologna Eventi und Libretti zu Agostino Accorimboni Wichtigste Online-Datenbank für Aufführungsdaten, Librettodrucke, Orte, Theater und Drucker.
RISM Handschriftennachweise zu geistlichen Werken und Einzelarien Unverzichtbar für erhaltene musikalische Quellen.
SBN / ICCU Italienischer Bibliotheksverbund und Normdaten zu Accorimboni Rechercheweg zu Libretti, Drucken, Handschriften und Namensvarianten.
Carlo Ricci I teatri di Bologna nei secoli XVII e XVIII, Bologna 1888 Historischer Theaterkontext für Bologna und die Aufführung von Il regno delle Amazzoni.
Gaetano Gaspari Catalogo della Biblioteca del Liceo musicale di Bologna, Band III, Bologna 1893 Wichtige ältere Quelle zu handschriftlichen und gedruckten Musikbeständen.
Alberto Cametti Il teatro di Tordinona poi di Apollo, Tivoli 1938 Grundlegend für den römischen Theaterraum, in dem mehrere Accorimboni-Werke entstanden.
G. de Saint-Foix W. A. Mozart, Band IV, Bruges 1939 Kontext zum Mozart-Bezug des Librettos von Il regno delle Amazzoni.
Alfred Einstein Mozart: His Character, His Work, London / Kassel 1946 Ergänzender Kontext zur Mozart-Köchel-Nummer und Libretto-Rezeption.
Alberto De Angelis Il teatro Alibert o delle Dame, Tivoli 1951 Wichtig für Il marchese di Castelverde und den römischen Theaterbetrieb.
Ernst Ludwig Gerber Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler, Leipzig 1812 Älterer lexikalischer Nachweis, auch für Namensvarianten wie Agosti relevant.
François-Joseph Fétis Biographie universelle des musiciens, Paris 1860 Historisches Musiklexikon mit früher internationaler Rezeption des Namens.
Robert Eitner Biographisch-bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten Quellenlexikalischer Zugriff auf Handschriften, Namensvarianten und ältere Fundorte.
Carlo Schmidl Dizionario universale dei musicisti Italienischer lexikalischer Kontext zu Accorimboni und verwandten Musikern.
Baker’s Biographical Dictionary of Musicians Artikel Accorimboni, Agostino Englischsprachige Kurzbiographie mit Hinweis auf 13 Bühnenwerke, Il regno delle Amazzoni, Symphonie und geistliche Musik.
Forschung zur Opera buffa und zum römischen Theater des 18. Jahrhunderts Studien zu Farsetta, Intermezzo, römischen Bühnen, Librettodruck und Theaterökonomie Notwendig, um Agostino Accorimboni nicht isoliert, sondern als Theaterpraktiker zu verstehen.

Onlinequellen und Recherchewege

Die folgenden Onlinequellen eignen sich zur weiteren Recherche über Agostino Accorimboni, seine Namensvarianten, Bühnenwerke, Libretti, geistlichen Handschriften und Normdaten. Für eine vollständige Recherche sollten stets mehrere Namensformen verwendet werden: Agostino Accorimboni, Agostino Accoramboni, Agostino Accorimbeni, Agostino Accorrimboni und Agostino Agosti.

Onlinequellen zu Agostino Accorimboni
Quelle Adresse Nutzen
Treccani, Dizionario Biografico degli Italiani https://www.treccani.it/enciclopedia/agostino-accorimboni_%28Dizionario-Biografico%29/ Maßgebliche italienische Kurzbiographie mit Werkliste, Namensvarianten, Lehrer, Theaterwerken und Literaturangaben.
Corago: Aufführungsereignisse https://corago.unibo.it/risultatoeventiautore/Accorimboni%20Agostino Datenbank der Universität Bologna mit Aufführungsdaten, Orten, Theatern und Wiederaufnahmen.
Corago: Libretti https://corago.unibo.it/risultatolibrettiautore/Accorimboni%20Agostino Librettodrucke, Druckorte, Verleger und bibliographische Hinweise zu den Bühnenwerken.
IMSLP: Agostino Accorimboni https://imslp.org/wiki/Category:Accorimboni,_Agostino Komponistenkategorie mit Normdaten, Namensvarianten und Link zum erhaltenen Digitalisat.
IMSLP: Recordare virgo mater https://imslp.org/wiki/Recordare_virgo_mater_(Accorimboni,_Agostino) Digitalisat einer Motette für Sopran und Continuo; wichtiger Zugang zur erhaltenen geistlichen Musik.
RISM Online https://rism.online/ Recherche nach Handschriften, geistlichen Werken, Einzelarien und Quellenbeständen; Suche mit mehreren Namensvarianten sinnvoll.
SBN / ICCU OPAC https://opac.sbn.it/ Italienischer Bibliotheksverbund für Libretti, Drucke, Handschriften und Normdaten.
MGG Online https://www.mgg-online.com/ Fachlexikalischer Rechercheweg zu Biographie, Werkgruppen und Würdigung.
Encyclopedia.com / Baker’s Biographical Dictionary https://www.encyclopedia.com/arts/dictionaries-thesauruses-pictures-and-press-releases/accorimboni-agostino Englischsprachiger Kurzartikel mit Basisdaten und Werkhinweisen.
VIAF https://viaf.org/viaf/7651268/ Internationale Normdatenbündelung mit Namensvarianten und Bibliotheksverweisen.
GND, Deutsche Nationalbibliothek https://d-nb.info/gnd/14230929X Deutscher Normdateneintrag für Katalogisierung und Verknüpfung.
Bibliothèque nationale de France https://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb147845734 Französischer Norm- und Katalogzugang zu Accorimboni.
Stanford Libraries: Opening Night! Opera & Oratorio Premieres https://exhibits.stanford.edu/operadata Rechercheweg für Opern- und Oratorienpremieren; nützlich für Giuseppe riconosciuto und Bühnenkontexte.
Library of Congress https://www.loc.gov/ Recherche nach Librettodigitalisaten, Operndrucken und RISM-Libretto-Projekt-Kontexten.
WorldCat https://search.worldcat.org/ Internationaler Bibliothekskatalog für Libretti, ältere Lexika, Handschriftennachweise und Sekundärliteratur.
RILM Abstracts of Music Literature https://www.rilm.org/ Fachbibliographischer Rechercheweg zu Accorimboni, römischer Oper, Opera buffa und Kirchenmusik.
JSTOR https://www.jstor.org/ Rechercheweg zu Aufsätzen über italienische Oper des 18. Jahrhunderts, Libretto-Kultur und römische Theatergeschichte.
Internet Archive https://archive.org/ Digitalisate älterer Musiklexika, Theatergeschichten und Quellenwerke.
Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/ Rechercheweg zu gemeinfreien Libretto- und Bibliotheksabbildungen; für diese Seite nicht als Bildquelle verwendet.

Kulturgeschichtliche Einordnung

Agostino Accorimboni ist kulturgeschichtlich vor allem als Vertreter des mittleren musikalischen Betriebs im späten 18. Jahrhundert bedeutsam. Er gehört nicht zu den Komponisten, die durch einen festen Platz im heutigen Konzertkanon präsent geblieben sind. Gerade deshalb ist er aufschlussreich. Sein Werk zeigt, wie römische Theater, Libretti, komische Kleinformen, kirchliche Gebrauchsmusik und regionale Repertoirewanderung tatsächlich funktionierten.

Seine Bühnenwerke stehen im Umfeld der italienischen Opera buffa, aber häufig in kleineren Formen: Farsetta und Intermezzo. Diese Formen verlangten andere Qualitäten als die große Opera seria. Sie brauchten schnelle Charakterisierung, szenische Prägnanz, vokale Beweglichkeit und komische Verständlichkeit. Agostino Accorimboni arbeitete in einem Bereich, in dem Musik unmittelbar auf Aufführung, Saison, Publikum und Theaterökonomie bezogen war.

Il regno delle Amazzoni zeigt, dass solche Werke über lokale Grenzen hinaus wirken konnten. Der Amazonenstoff, die dramma-giocoso-Form und die nachweisbare Verbreitung in mehreren Städten machen das Werk zu einem Beispiel für die Mobilität des italienischen Musiktheaters. Der indirekte Mozart-Bezug über das Libretto verstärkt diese Bedeutung, weil er den Stoff in ein größeres europäisches Netz von Texten und Vertonungen stellt.

Die spätere Kirchenmusik zeigt eine zweite Seite. Ein Komponist konnte im 18. Jahrhundert zwischen Theater und Kirche wechseln, ohne dadurch einen Bruch seiner beruflichen Identität zu erleben. Liturgische Musik, Oratorium und Motette waren ebenso Teil des musikalischen Marktes wie Farsetta und Intermezzo. Agostino Accorimbonis erhaltene geistliche Werke geben daher einen wichtigen Einblick in die römische Gebrauchsmusik um 1800.

Schließlich ist seine Überlieferungsgeschichte selbst kulturgeschichtlich sprechend. Viele Partituren sind verloren, während Libretti und einzelne geistliche Handschriften erhalten blieben. Der heutige Blick auf Agostino Accorimboni ist deshalb ein Blick durch Archive, Drucke, Kataloge und Fragmente. Er erinnert daran, dass Musikgeschichte nicht nur aus kanonischen Meisterwerken besteht, sondern aus tausenden Aufführungen, deren musikalische Substanz oft nur noch indirekt rekonstruiert werden kann.

Weiterführende Einträge

  • Arie erschließt die zentrale vokale Einzelnummer in Accorimbonis Theater- und Kirchenmusik.
  • Aria buffa führt zu den komischen Bass- und Charakterarien, die für das Opera-buffa-Umfeld wesentlich sind.
  • Basso continuo erklärt das Begleitmodell vieler geistlicher und vokaler Werke des 18. Jahrhunderts.
  • Rinaldo da Capua stellt Accorimbonis Lehrer und dessen Stellung in der italienischen Oper des 18. Jahrhunderts dar.
  • Domenico Cimarosa bietet einen Vergleichsrahmen für das komische Opernidiom des späten Settecento.
  • Componimento sacro führt zur geistlich-dramatischen Gattung von Giuseppe riconosciuto.
  • Dramma giocoso ordnet Il regno delle Amazzoni zwischen Komik, Handlung und größerer Opernform ein.
  • Dramma per musica erschließt das seria-nahe Gattungsfeld von La Nitteti.
  • Farsetta erklärt die kurze komische Bühnenform, die für Accorimbonis römische Werke zentral ist.
  • Carlo Goldoni verweist auf den Librettisten- und Komödienkontext von L’amore artigiano und Gli augeletti.
  • Graduale stellt die liturgische Gattung mehrerer geistlicher Accorimboni-Werke dar.
  • Intermezzo führt zu einer Hauptform seines komischen Bühnenwerks.
  • Italienische Oper ordnet Agostino Accorimboni in das größere Musiktheatersystem des 18. Jahrhunderts ein.
  • Kirchenmusik erschließt Accorimbonis späte geistliche Produktion in Rom.
  • Libretto erklärt die Text- und Druckkultur, durch die viele Accorimboni-Werke heute überhaupt greifbar sind.
  • Pietro Metastasio führt zu Giuseppe riconosciuto und La Nitteti, zwei wichtigen Textgrundlagen Accorimbonis.
  • Messe stellt den liturgischen Rahmen der überlieferten und verlorenen geistlichen Werke dar.
  • Motette verweist auf Recordare virgo mater und weitere geistliche Vokalstücke.
  • Wolfgang Amadeus Mozart erschließt den Libretto-Bezug zu Il regno delle Amazzoni und KV 434.
  • Offertorium führt zu den liturgischen Stücken für Hochfeste und marianische Feiern.
  • Opera buffa erklärt das komische Opernumfeld, in dem Accorimbonis wichtigste Bühnenwerke stehen.
  • Opera seria bietet den Gegenpol zur komischen Hauptproduktion und den Kontext von La Nitteti.
  • Oratorium stellt das geistlich-dramatische Frühwerk Giuseppe riconosciuto in einen größeren Gattungsrahmen.
  • Giuseppe Petrosellini führt zum Libretto-Kontext von Il regno delle Amazzoni.
  • Rom erschließt den Theater-, Kirchen- und Oratorienraum, in dem Accorimboni wirkte.
  • Sant’Anna alle Quattro Fontane verweist auf den kirchlichen Gebrauchskontext mehrerer geistlicher Werke.
  • Settecento ordnet Accorimbonis Werk in die italienische Kultur des 18. Jahrhunderts ein.
  • Teatro Tordinona stellt eines der wichtigsten römischen Theater für Accorimbonis frühe Farsetten dar.
  • Teatro Valle führt zu den späten römischen Bühnenwerken des Komponisten.
  • Vesper erschließt die liturgische Gattung, in der Accorimboni nach älteren Angaben zahlreiche Werke schrieb.
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