Pjotr Fjodorowitsch Abolimow (1905–1977)

Person · russischer Bühnenschriftsteller · sowjetischer Librettist · Theaterwissenschaftler · Szenarist · Ballettszenarium · Theaterverwaltung · Bolschoi-Theater · Kirow-Theater · Großer Moskauer Staatszirkus · Werkverzeichnis · Sekundärliteratur

Pjotr Fjodorowitsch Abolimow, russisch Пётр Фёдорович Аболимов, war ein russisch-sowjetischer Bühnenschriftsteller, Librettist, Theaterwissenschaftler, Szenarist und Kulturfunktionär. Sein Name ist besonders mit dem sowjetischen Ballett der Nachkriegszeit verbunden. Er verfasste Szenarien und Libretti für Bühnenwerke nach literarischen Vorlagen von Alexander Puschkin, Nikolai Leskow, Carlo Goldoni, Kornei Tschukowski und Maxim Gorki, arbeitete im Umfeld bedeutender Theaterinstitutionen und leitete später große sowjetische Kulturhäuser, darunter den Staatlichen Kremlpalast und den Großen Moskauer Staatszirkus.

Überblick

Pjotr Fjodorowitsch Abolimow wurde am 3. August nach julianischem Kalender beziehungsweise am 16. August 1905 nach gregorianischem Kalender in Petersburg geboren und starb am 22. September 1977 in Moskau. Er war ein sowjetischer Theatermann im weiteren Sinn: nicht primär Schauspieler oder Komponist, sondern Autor, Librettist, Szenarist, Theaterwissenschaftler, Organisator und Kulturadministrator. Seine Laufbahn verbindet künstlerische Textarbeit für das Ballett mit institutioneller Tätigkeit in den großen Kulturapparaten der Sowjetunion.

Besonders sichtbar wurde Abolimow als Autor von Ballettszenarien. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören Doktor Aibolit, Der eherne Reiter, Mirandolina, Das Ufer des Glücks, Der Linkshänder und Die Goldspinnerinnen. Mehrere dieser Werke entstanden für bedeutende Bühnen: das Kirow-Theater in Leningrad, das Bolschoi-Theater in Moskau, das Theater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko, das Theater „Estonia“ und regionale Opern- und Balletttheater.

Seine Bedeutung liegt vor allem in der dramaturgischen Organisation von Stoffen für das sowjetische Ballett. Er schrieb keine Musik und entwarf nicht die Choreographie; seine Aufgabe war die szenische, erzählerische und dramaturgische Anlage. Im Ballettlibretto entscheidet sich, welcher Stoff tanzdramatisch möglich wird, welche Figuren auftreten, welche Konflikte sichtbar gemacht werden, welche Akte und Bilder entstehen und wie literarische Vorlagen in Bewegung, Szene und Musik überführt werden können.

Abolimows Karriere zeigt auch die Nähe zwischen künstlerischer Arbeit und Kulturverwaltung im sowjetischen System. Er war nicht nur Autor einzelner Ballette, sondern arbeitete als Funktionsträger im Umfeld großer Institutionen. Damit steht er exemplarisch für eine Theaterkultur, in der ästhetische Produktion, staatliche Repräsentation, Großveranstaltung und Verwaltungsaufgabe eng miteinander verbunden waren.

Name, Transkription und Einordnung

Die russische Namensform lautet Пётр Фёдорович Аболимов. Im Deutschen bietet sich die Schreibweise Pjotr Fjodorowitsch Abolimow an. Daneben sind wissenschaftlich oder bibliographisch auch Formen wie Petr Fedorovich Abolimov, Pyotr Fyodorovich Abolimov, Pëtr Fëdorovič Abolimov und Abolimov, Petr Fedorovich zu berücksichtigen. Für den Index ist die Form Abolimow, Pjotr Fjodorowitsch sinnvoll, während die Dateibenennung abolimow-pjotr-fjodorowitsch.shtml eine gut lesbare deutsche Umschrift verwendet.

Die Berufsbezeichnung Bühnenschriftsteller ist angemessen, muss aber präzisiert werden. Abolimow war kein Dramatiker im engen Sinn eines Autors gesprochener Schauspielstücke, sondern vor allem Librettist, Szenarist und Theaterwissenschaftler. Seine Texte waren auf Bühne, Tanz, Musik, Choreographie und Handlung ausgerichtet. In russischen Nachschlagewerken begegnen Begriffe wie Dramaturg, Librettist, Theaterwissenschaftler und Szenarist.

Für eine deutsche Kulturlexikon-Seite sollte er daher als russisch-sowjetischer Bühnenschriftsteller und Ballettlibrettist eingeordnet werden. Diese Form erfasst sowohl den textlich-dramaturgischen Charakter seiner Arbeit als auch die besondere Rolle des Balletts in seiner Werkbiographie.

Lebensdaten und biographischer Rahmen

Abolimow wurde 1905 in Petersburg geboren, also noch im Russischen Kaiserreich. Seine Kindheit und Jugend fielen in eine Zeit tiefgreifender historischer Umbrüche: Revolution, Bürgerkrieg, frühe Sowjetzeit und die Neuordnung des kulturellen Lebens. Sein späteres Schaffen gehört vollständig in die sowjetische Theater- und Ballettgeschichte.

Die öffentlich greifbaren biographischen Daten sind knapper als bei den großen Komponisten, Choreographen oder Tänzern, mit denen er zusammenarbeitete. Gesichert ist seine Ausbildung am GITIS, seine Tätigkeit im Umfeld großer Theater- und Kulturinstitutionen, seine Arbeit als Autor zahlreicher Ballettszenarien und seine spätere Leitung wichtiger Häuser.

Abolimow starb 1977 in Moskau und wurde auf dem Neuen Donskoi-Friedhof beigesetzt. Dieser Moskauer Erinnerungsort steht für zahlreiche Persönlichkeiten der sowjetischen Kultur, Politik und Wissenschaft. Seine Grabstätte verweist darauf, dass Abolimow im sowjetischen Kulturleben nicht nur ein Randautor, sondern eine anerkannte institutionelle Persönlichkeit war.

Ausbildung, GITIS und Theaterwissenschaft

1950 schloss Abolimow das Staatliche Institut für Theaterkunst, bekannt als GITIS, ab. Das GITIS gehörte zu den zentralen Ausbildungsstätten des sowjetischen Theaterwesens. Dort wurden nicht nur Schauspieler, Regisseure und Theaterpraktiker ausgebildet, sondern auch Fachleute für Dramaturgie, Theaterwissenschaft und die organisatorischen Seiten des Bühnenbetriebs.

Diese Ausbildung ist für sein Profil entscheidend. Abolimow dachte Bühne nicht nur literarisch, sondern institutionell und szenisch. Seine Texte mussten nicht als selbständige Lesedramen funktionieren, sondern als Arbeitsgrundlage für Komponisten, Choreographen, Bühnenbildner, Theaterleitungen und Ensembles. Der Ballettszenarist ist in diesem Zusammenhang ein Vermittler zwischen Literatur, Musik, Bewegung und Produktion.

Die GITIS-Prägung erklärt außerdem seine spätere Tätigkeit als Theaterwissenschaftler und Kulturfunktionär. Abolimow war kein isolierter Autor, sondern ein Theaterpraktiker, der die Strukturen des sowjetischen Bühnenbetriebs kannte und in ihnen arbeitete.

Theaterverwaltung, Bolschoi-Theater und Kremlpalast

Abolimow arbeitete zeitweise als stellvertretender Direktor des Staatlichen Akademischen Bolschoi-Theaters der UdSSR. Diese Funktion war nicht nur verwaltungstechnisch, sondern kulturpolitisch bedeutsam. Das Bolschoi-Theater war eine der repräsentativsten Bühnen der Sowjetunion und stand im Zentrum von Oper, Ballett, Staatskultur und internationaler Repräsentation.

Später leitete Abolimow den Staatlichen Kremlpalast. Auch diese Aufgabe zeigt seine Nähe zu großformatiger Kulturorganisation. Der Kremlpalast war ein Ort für Kongresse, repräsentative Veranstaltungen, Konzerte und staatlich gerahmte Kulturereignisse. Wer ein solches Haus leitete, bewegte sich im Schnittfeld von Kunst, Organisation, Politik und Öffentlichkeit.

Diese Verwaltungsstationen sind für die Einordnung Abolimows wichtig. Er war nicht nur Autor einzelner Ballettszenarien, sondern Teil jener sowjetischen Kulturadministration, die das öffentliche Bild von Theater, Ballett, Zirkus und Großveranstaltung entscheidend prägte.

Großer Moskauer Staatszirkus

Von 1971 bis 1977 war Abolimow erster Direktor des Großen Moskauer Staatszirkus auf dem Wernadski-Prospekt. Der Zirkus war eine der großen Neubauten und Kulturinstitutionen der späten Sowjetzeit. Seine Leitung verlangte organisatorische Erfahrung, Sinn für Großform, Publikum, technische Abläufe, Programmgestaltung und repräsentative Wirkung.

Dass ein Ballettlibrettist und Theaterwissenschaftler diese Funktion übernahm, ist aufschlussreich. Zirkus und Ballett sind unterschiedliche Künste, aber beide arbeiten mit Körper, Szene, Rhythmus, visueller Wirkung und dramaturgisch geordneten Nummern oder Bildern. Abolimows Erfahrung mit Bühnenstruktur, Bewegung und Großinszenierung war deshalb auch im Zirkusbereich anschlussfähig.

Der Große Moskauer Staatszirkus wurde in den 1970er Jahren zu einem wichtigen Ort sowjetischer Unterhaltungskultur. Abolimows Direktion fällt in die Aufbau- und Etablierungsphase dieses Hauses. Seine Funktion als erster Direktor gehört daher zu den wichtigen Stationen seiner kulturadministrativen Biographie.

Ballettlibretto und sowjetisches Tanzdrama

Abolimows wichtigste künstlerische Arbeit liegt im Bereich des Ballettlibrettos. Im sowjetischen Ballett der 1930er bis 1960er Jahre spielte das erzählende, dramatische Ballett eine zentrale Rolle. Es sollte nicht nur abstrakte Bewegung zeigen, sondern Handlung, Charakter, Konflikt und gesellschaftliche Bedeutung vermitteln. Dafür waren Szenarien und Libretti von besonderer Wichtigkeit.

Das Ballettlibretto musste einen Stoff so ordnen, dass er choreographisch und musikalisch tragfähig wurde. Es musste Akte, Bilder, Figuren, Massenszenen, Soli, Ensembles, Pantomimen, dramatische Wendepunkte und emotionale Höhepunkte vorbereiten. Im Unterschied zum Opernlibretto arbeitet das Ballettlibretto nicht primär mit gesungenem Text, sondern mit Situationen, die in Bewegung übersetzt werden können.

Abolimows Werk zeigt diese Aufgabe besonders deutlich. Seine Stoffe reichen von Kinderliteratur über klassische Komödie bis zu Puschkin, Leskow und Gorki. Er arbeitete damit an einer sowjetischen Form der literarischen Ballettdramaturgie: bekannte Texte wurden nicht nur illustriert, sondern in tanzdramatische Handlungsfolgen verwandelt.

Der eherne Reiter und die Puschkin-Adaption

Abolimows bekanntestes Ballettlibretto ist Der eherne Reiter, russisch Медный всадник, nach der gleichnamigen Dichtung Alexander Puschkins. Die Musik schrieb Reinhold Glière, die Choreographie der Uraufführung stammte von Rostislaw Sacharow. Die Premiere fand 1949 am Leningrader Kirow-Theater statt.

Die Arbeit an diesem Stoff war anspruchsvoll. Puschkins Dichtung verbindet Stadtmythos, Naturkatastrophe, individuelles Leid, imperiale Symbolik und die unheimliche Macht des Petersburger Denkmals. Ein Ballett musste daraus ein Bühnengeschehen entwickeln: Flut, Stadt, Menge, Liebeshandlung, Wahnsinn, Verfolgungsvision und monumentales Herrschaftsbild.

Abolimows Libretto erweiterte und ordnete den Stoff für die Bühne. Der individuelle Konflikt um Jewgeni und Parascha wurde mit größeren Bildern der Stadt, des Festes und der geschichtlichen Symbolik verbunden. Dadurch entstand ein Ballett, das nicht nur eine Puschkin-Erzählung bebilderte, sondern einen sowjetisch geprägten großen Theaterstoff schuf: historisch, monumental, chorisch und dramatisch.

Literarische Vorlagen und Dramatisierung

Abolimow griff häufig auf bekannte literarische Vorlagen zurück. Doktor Aibolit beruht auf Kornei Tschukowskis populärer Kinderliteratur. Der eherne Reiter geht auf Puschkin zurück. Mirandolina verwendet Motive aus Carlo Goldonis Komödie La locandiera, deutsch meist Die Wirtin oder Mirandolina. Der Linkshänder beruht auf Nikolai Leskows Erzählung vom russischen Meisterhandwerker.

Diese Stoffauswahl zeigt ein breites dramaturgisches Interesse. Abolimow arbeitete mit Märchen, Komödie, nationaler Literatur, historischen Stoffen und satirisch-handwerklicher Erzählung. Gemeinsam ist diesen Vorlagen, dass sie starke Figuren und klare szenische Situationen bieten. Gerade das ist für Ballett wichtig: Ein Stoff muss körperlich, bildhaft und dramatisch übersetzbar sein.

Die Dramatisierung besteht dabei nicht nur im Kürzen. Ein Ballettautor muss Handlungspunkte in Bewegungsbilder verwandeln. Er muss Szenen so einrichten, dass sie musikalisch strukturierbar sind. Er muss Pantomime und Tanz, Solonummern und Gruppenbilder, individuelle Handlung und Massenszene miteinander verbinden. Abolimows Werk ist deshalb ein Beispiel für die oft unterschätzte Kunst des Szenarienschreibens.

Stil, Funktion und dramaturgisches Profil

Abolimows dramaturgischer Stil ist stark vom sowjetischen Handlungsballett geprägt. Er bevorzugt klare Konflikte, literarisch erkennbare Figuren, szenisch deutliche Situationen und eine Bildfolge, die Choreographie und Musik zugleich trägt. Seine Libretti sind nicht auf poetische Sprachwirkung hin angelegt, sondern auf Bühnenfunktion.

Charakteristisch ist die Verbindung von literarischer Vorlage und theatralischer Großform. In Der eherne Reiter wird aus Puschkins dichterischer Spannung ein groß angelegtes Ballettbild. In Mirandolina wird Goldonis Komödienstoff in körperliche Beweglichkeit, Rollenkomik und tänzerisches Spiel überführt. In Der Linkshänder wird Leskows Erzählung in ein historisch-satirisches Bühnengeschehen umgewandelt.

Abolimows Arbeit steht damit in einer Tradition, die von der Bühne her denkt. Die literarische Vorlage bleibt wichtig, aber sie ist nicht Endpunkt. Entscheidend ist die tanzdramatische Lesbarkeit: Was kann gezeigt, getanzt, mimisch formuliert, musikalisch gesteigert und in ein Bühnenbild übersetzt werden?

Werkverzeichnis

Das folgende Werkverzeichnis ist als kulturlexikalische Übersicht angelegt. Es erfasst die wichtigsten bekannten Ballettszenarien, Libretti und theaterbezogenen Arbeiten Pjotr Fjodorowitsch Abolimows. Da viele sowjetische Ballettlibretti in Theaterarchiven, Programmheften, Verlagsheften und Enzyklopädien verstreut überliefert sind, ersetzt diese Liste kein vollständiges kritisches Werkverzeichnis.

Ballettszenarien und Libretti

Doktor Aibolit, russisch Доктор Айболит, Ballettszenarium nach Kornei Tschukowski, Musik von Iwan Morosow, 1947 am Opern- und Balletttheater Nowosibirsk aufgeführt. Das Werk gehört in den Bereich des sowjetischen Kinder- und Märchenballetts.

Das Ufer des Glücks, russisch Берег счастья, auch unter dem Titelzusatz Artekowzy beziehungsweise Die Artek-Kinder greifbar, Ballett von Antonio Spadavecchia, 1948 am Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko. Das Libretto wurde 1950 in Moskau als Ballett in drei Akten mit Prolog und Epilog gedruckt.

Der eherne Reiter, russisch Медный всадник, Ballett nach Alexander Puschkin, Musik von Reinhold Glière, 1949 am Leningrader Kirow-Theater uraufgeführt. Dieses Werk ist Abolimows bekanntestes Ballettlibretto und gehört zu den repräsentativen sowjetischen Puschkin-Adaptionen.

Mirandolina, Ballett nach Carlo Goldonis Komödie La locandiera, Musik von Sergei Wassilenko, Libretto von Pjotr Abolimow und Wladimir Warkowizki. Das Werk wurde 1949 am Bolschoi-Theater in Moskau aufgeführt und gehört in den Bereich des komödiantischen Balletts nach klassischer Theaterliteratur.

Sakta der Freiheit, russisch Сакта свободы, Ballett, 1950 am Opern- und Balletttheater der Lettischen SSR aufgeführt. Der Stoff steht im Zusammenhang lettischer literarischer und volkskundlicher Traditionen.

Der Linkshänder, russisch Левша, Ballett nach Nikolai Leskow, Musik von Boris Alexandrow. Die Erstaufführung fand 1954 am Opern- und Balletttheater Swerdlowsk statt; 1976 wurde das Werk am Kirow-Theater aufgeführt. Der Stoff verbindet Handwerkerlegende, nationale Satire und technische Virtuosität.

Die Goldspinnerinnen, russisch Золотопряхи, Ballett von Eugen Kapp, Libretto von Pjotr Abolimow und L. Algvere, 1956 am Theater „Estonia“ aufgeführt. Das Werk zeigt Abolimows Mitarbeit an einer über Moskau und Leningrad hinausreichenden sowjetischen Ballettlandschaft.

Die Waldfee, russisch Лесная фея, Ballett nach Märchen beziehungsweise Stoffen Maxim Gorkis, Musik von Jefimow, 1960 am Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko. Das Werk gehört in den Bereich märchenhafter und literarisch gestützter Ballettstoffe.

Der letzte Ball, russisch Последний бал, Ballett von Juri Birjukow, 1961 am Opern- und Balletttheater Tscheljabinsk aufgeführt. Das Werk zeigt Abolimows Tätigkeit auch für regionale Bühnen des sowjetischen Musiktheaters.

Weitere Ballettszenarien und Libretti. Russische Nachschlagewerke verweisen auf weitere Arbeiten und auf Abolimows Tätigkeit als Autor von Artikeln über Ballett. Für eine vollständige Erfassung sind Theaterarchive, Programmhefte und Spezialbibliographien heranzuziehen.

Schriften, Aufsätze und theaterbezogene Arbeiten

Artikel über Ballett. Abolimow wird in der russischen Ballett-Enzyklopädie ausdrücklich als Autor von Artikeln über Ballett genannt. Diese Publizistik gehört zu seinem Profil als Theaterwissenschaftler und nicht nur als Librettist.

Programm- und Szenarienschriften. Zu mehreren Balletten sind gedruckte oder katalogisierte Libretto- beziehungsweise Szenarienschriften nachweisbar, darunter Das Ufer des Glücks als gedrucktes Ballettheft von 1950. Solche Texte sind für die Rekonstruktion seiner dramaturgischen Arbeit besonders wichtig.

Theaterwissenschaftliche und kulturorganisatorische Texte. Da Abolimow im Theater- und Kulturapparat tätig war, ist mit verstreuten Beiträgen in Fachzeitschriften, Programmheften, Sammelbänden und administrativen Kontexten zu rechnen. Eine vollständige Bibliographie müsste russische Bibliothekskataloge, Theaterarchive und Zeitschriftenregister auswerten.

Ehrungen und öffentliche Anerkennung

1974 wurde Abolimow zum Verdienten Kunstschaffenden der RSFSR ernannt. Diese Auszeichnung würdigte seine Leistungen im sowjetischen Kulturleben. Sie zeigt, dass seine Arbeit nicht nur innerhalb einzelner Theater, sondern auch auf staatlicher Ebene anerkannt wurde.

1976 erhielt er den Orden „Zeichen der Ehre“. In russischen Nachweisen erscheinen außerdem Ordensangaben, die auf eine weitere Auszeichnung mit diesem Orden verweisen. Solche Ehrungen gehören in den Zusammenhang der sowjetischen Kulturpolitik, in der künstlerische und organisatorische Leistungen häufig durch staatliche Auszeichnungen markiert wurden.

Die Ehrungen bestätigen Abolimows Stellung als anerkannter Kulturarbeiter. Seine Bedeutung lag nicht allein in einem einzelnen Libretto, sondern in einer Gesamttätigkeit aus Autorenschaft, Theaterwissenschaft, Verwaltung und institutioneller Verantwortung.

Überlieferung und Archivlage

Die Überlieferung zu Abolimow ist verstreut. Lexikalische Informationen finden sich in russischen Theater- und Ballett-Enzyklopädien. Werkhinweise stehen in Ballettnachschlagewerken, Theaterkatalogen, Librettodrucken und Aufführungslisten. Einzelne Fotografien, etwa aus dem Umfeld der Arbeit an Der eherne Reiter, sind in Museums- und Fotodatenbanken nachgewiesen.

Gedruckte Szenarien und Librettohefte sind besonders wertvoll, weil sie die konkrete Textgestalt seiner Arbeit dokumentieren. Ein Beispiel ist Das Ufer des Glücks, das 1950 in Moskau als Ballett in drei Akten mit Prolog und Epilog erschien. Solche Drucke ermöglichen die Rekonstruktion von Aktstruktur, Figurenanlage und dramaturgischer Disposition.

Ein vollständiger Nachlass Abolimows ist öffentlich nicht ohne weiteres zentral erschlossen. Für eine vertiefte Forschung wären russische Theaterarchive, das Russische Staatsarchiv für Literatur und Kunst, Bibliothekskataloge der Theaterbibliotheken, Archivmaterialien des Bolschoi-Theaters, des Mariinski- beziehungsweise Kirow-Theaters und Dokumente des Großen Moskauer Staatszirkus zu prüfen.

Sekundärliteratur und Nachweise

Театральная энциклопедия, Band 1, Hauptredaktion S. S. Mokulski, Moskau: Sowetskaja enziklopedija, 1961. Früher lexikalischer Nachweis zu Abolimow im Kontext des sowjetischen Theaterwesens.

Балет. Энциклопедия, Hauptredaktion Juri N. Grigorowitsch, Moskau: Sowetskaja enziklopedija, 1981. Zentrale Quelle zu Abolimow als sowjetischem Theaterwissenschaftler, Szenaristen und Autor von Ballettszenarien.

Русский балет. Энциклопедия, Moskau: Bolschaja rossijskaja enziklopedija / Soglasie, 1997. Wichtiges Nachschlagewerk zur russischen Ballettgeschichte; relevant besonders für Werke wie Mirandolina und für die Einordnung Abolimows in die Balletttradition.

Энциклопедия балета und digitale Nachschlagewerke im Umfeld von Academic.ru. Diese Quellen bieten kurze Werklisten und biographische Rahmendaten, die für eine erste Orientierung nützlich sind.

Russische Theater- und Bibliothekskataloge, besonders die Russische Staatliche Bibliothek für Kunst. Dort sind Librettodrucke und Szenarienschriften nachweisbar, etwa zu Das Ufer des Glücks.

Nachweise zur Geschichte des Großen Moskauer Staatszirkus. Diese Quellen sind für Abolimows Tätigkeit als erster Direktor des Zirkus auf dem Wernadski-Prospekt relevant.

Forschung und Nachschlagewerke zu Reinhold Glière, Rostislaw Sacharow, dem Kirow-Theater, dem Bolschoi-Theater, dem sowjetischen Handlungsballett, Puschkin-Adaptionen im Musiktheater und zur Kulturverwaltung der Sowjetunion bilden den weiteren Kontext. Abolimow ist besonders dann angemessen zu verstehen, wenn seine Libretti nicht isoliert, sondern als Teil einer institutionellen Ballett- und Theaterkultur gelesen werden.

Rezeption und Bedeutung

Abolimows Name ist heute vor allem dort präsent, wo die Geschichte des sowjetischen Balletts und einzelner Bühnenwerke behandelt wird. Besonders Der eherne Reiter hat ihn dauerhaft mit der großen Puschkin-Tradition des russischen Musiktheaters verbunden. Als Librettist dieses Balletts war er an einem Werk beteiligt, das für die sowjetische Monumentalästhetik und die nationale Klassikerpflege bedeutsam wurde.

Seine Bedeutung ist nicht mit der eines Komponisten oder Choreographen zu verwechseln. Abolimow arbeitete an einer anderen, oft weniger sichtbaren Stelle des Produktionsprozesses. Das Szenarium entscheidet aber wesentlich darüber, ob ein Ballett dramaturgisch tragfähig wird. In dieser Hinsicht war er ein wichtiger Vermittler zwischen Literatur, Theater, Musik und Tanz.

Auch seine Verwaltungslaufbahn ist rezeptionsgeschichtlich wichtig. Als Leiter des Kremlpalastes und erster Direktor des Großen Moskauer Staatszirkus wirkte er an Institutionen, die weit über die Autorenexistenz hinausgehen. Abolimow steht daher für einen Typus des sowjetischen Kulturarbeiters, der künstlerische, wissenschaftliche und administrative Aufgaben miteinander verband.

Quellenlage und editorischer Hinweis

Die Quellenlage zu Pjotr Fjodorowitsch Abolimow ist für Grunddaten, Hauptwerke und Funktionsstellen ausreichend, für eine vollständige Werkbibliographie aber unvollständig. Lexikalische Angaben nennen die wichtigsten Ballette und Stationen, doch viele Details zu Entstehung, Fassungen, Wiederaufnahmen und Druckgeschichte müssten aus Theaterarchiven und Spezialkatalogen ergänzt werden.

Bei den Lebensdaten ist die doppelte Datierung des Geburtstages zu beachten. In russischen Quellen erscheint die ältere Angabe 3. August 1905 nach julianischem Kalender beziehungsweise 16. August 1905 nach gregorianischem Kalender. Für Schema-Daten wird hier die gregorianische Form verwendet.

Bei der Berufsbezeichnung sollte die deutsche Form Bühnenschriftsteller nicht zu eng verstanden werden. Abolimow war vor allem Ballettlibrettist, Szenarist, Theaterwissenschaftler und Kulturorganisator. Eine Einordnung als Autor gesprochener Schauspieltexte wäre irreführend, sofern sie nicht ausdrücklich auf einzelne, gesichert nachweisbare Bühnenstücke bezogen wird.

Ein frei verwendbares Porträtbild für eine direkte Einbindung in die Seite ist nicht gesichert. Bekannte Fotografien aus dem Umfeld von Der eherne Reiter sind urheberrechtlich nicht ohne weiteres gemeinfrei. Deshalb wird in dieser Datei bewusst kein Bild eingebunden.

Fazit

Pjotr Fjodorowitsch Abolimow war eine wichtige, wenn heute weniger allgemein bekannte Gestalt des sowjetischen Bühnen- und Ballettbetriebs. Als Bühnenschriftsteller, Librettist und Szenarist prägte er mehrere Ballette der Nachkriegszeit, darunter besonders Der eherne Reiter nach Puschkin. Seine Arbeit bestand darin, literarische Stoffe in tanzdramatische Strukturen zu überführen und damit Komponisten, Choreographen und Theatern eine tragfähige szenische Grundlage zu geben.

Seine Biographie zeigt zugleich die enge Verbindung von Kunst und Institution in der Sowjetunion. Abolimow war nicht nur Autor, sondern auch Theaterwissenschaftler und Kulturfunktionär. Er arbeitete im Umfeld des Bolschoi-Theaters, leitete den Staatlichen Kremlpalast und wurde erster Direktor des Großen Moskauer Staatszirkus. Damit steht er für eine Bühnenkultur, in der Libretto, Dramaturgie, Verwaltung, Repräsentation und Massenkunst eng miteinander verbunden waren.

Weiterführende Einträge

  • Alexander Puschkin Dichter der Vorlage zu Abolimows Ballettlibretto Der eherne Reiter
  • Ballettlibretto Textlich-dramaturgische Grundlage eines Balletts zwischen Handlung, Szene, Musik und Choreographie
  • Bolschoi-Theater Moskauer Opern- und Ballettinstitution, in deren Umfeld Abolimow als Kulturfunktionär tätig war
  • Der eherne Reiter Ballett von Reinhold Glière nach Puschkin mit Libretto von Pjotr Abolimow
  • Doktor Aibolit Ballett nach Kornei Tschukowski mit Szenarium von Pjotr Abolimow
  • GITIS Moskauer Theaterhochschule und zentrale Ausbildungsstätte des sowjetischen Theaterwesens
  • Großer Moskauer Staatszirkus Kulturinstitution, deren erster Direktor Pjotr Abolimow von 1971 bis 1977 war
  • Handlungsballett Ballettform, die Figuren, Konflikte und erzählbare dramatische Handlung in den Mittelpunkt stellt
  • Kirow-Theater Leningrader Opern- und Balletttheater, an dem Der eherne Reiter uraufgeführt wurde
  • Kornei Tschukowski Kinderbuchautor, dessen Figur Doktor Aibolit Grundlage eines Abolimow-Balletts wurde
  • Der Linkshänder Leskow-Stoff, den Abolimow als Ballettszenarium für Boris Alexandrow bearbeitete
  • Mirandolina Ballett nach Carlo Goldoni mit Libretto von Pjotr Abolimow und Wladimir Warkowizki
  • Nikolai Leskow Russischer Erzähler, dessen Linkshänder in Abolimows Ballettdramaturgie einging
  • Pjotr Fjodorowitsch Abolimow: Werkverzeichnis Systematische Übersicht über Ballettszenarien, Libretti, Schriften und institutionelle Nachweise
  • Reinhold Glière Komponist des Balletts Der eherne Reiter nach Abolimows Libretto
  • Rostislaw Sacharow Choreograph der Uraufführung von Glières Der eherne Reiter
  • Sowjetisches Ballett Ballettkultur der UdSSR zwischen klassischer Tradition, Handlungsballett und staatlicher Repräsentation
  • Staatlicher Kremlpalast Moskauer Kultur- und Veranstaltungsort, den Abolimow zeitweise leitete
  • Theaterwissenschaft Wissenschaftliche Untersuchung von Bühne, Aufführung, Dramaturgie, Institution und Theatergeschichte
  • Wladimir Warkowizki Mitautor des Librettos zu Mirandolina am Bolschoi-Theater