Fedor Georg Walter Abendroth (1896–1973)
Fedor Georg Walter Abendroth, meist Walter Abendroth genannt, war ein deutscher Komponist, Musikkritiker, Musikschriftsteller, Journalist und Redakteur. Er trat als Autor musikgeschichtlicher, ästhetischer und kulturkritischer Bücher hervor, schrieb eine umfangreiche Biographie über Hans Pfitzner, veröffentlichte Schriften zu Anton Bruckner, Johannes Brahms, Musikgeschichte und moderner Musik und hinterließ zugleich ein umfangreiches kompositorisches Werk mit Sinfonien, Konzerten, Kammermusik, Liedern, Chorwerken und Orgelstücken.
Überblick
Fedor Georg Walter Abendroth wurde am 29. Mai 1896 in Hannover geboren und starb am 30. September 1973 in Hausham in Bayern. In der Öffentlichkeit trat er fast immer unter der kürzeren Namensform Walter Abendroth hervor. Sein Berufsprofil war breit: Er war Komponist, Musikkritiker, Musikschriftsteller, Redakteur, Journalist, Herausgeber, kulturphilosophischer Essayist und Autor populärer sowie fachlich orientierter musikgeschichtlicher Bücher.
Abendroths Lebensweg führt durch mehrere kulturelle Räume des 20. Jahrhunderts. Er wuchs in Hannover und Berlin auf, studierte in München, bewegte sich zeitweise in anthroposophischen Kreisen, lebte und arbeitete in Göttingen, Jena, Hamburg, Köln, Berlin und München und war nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem für die Wochenzeitung Die Zeit tätig. Seine Biographie verbindet künstlerische Selbstsuche, musikjournalistische Professionalität, konservative Musikästhetik, Pfitzner-Nähe, Bruckner- und Brahms-Deutung sowie eine anhaltende Auseinandersetzung mit Kulturkrise und Moderne.
Als Komponist schrieb Abendroth fünf Sinfonien, Konzerte, Streichquartette, Kammermusik, Lieder, Chormusik und Werke mit besonderem Bezug zur Bratsche. Seine Musik steht in der Tradition tonaler beziehungsweise erweitert tonaler Formbildung. Sie sucht nicht den radikalen Bruch mit den überlieferten Gattungen, sondern die Fortführung traditioneller Formen unter den Bedingungen des 20. Jahrhunderts.
Als Musikschriftsteller ist Abendroth vor allem mit Hans Pfitzner verbunden. Er verfasste eine Pfitzner-Biographie, gab Pfitzner-Schriften heraus, war mit Pfitzner-Materialien befasst und wurde in der Nachkriegsliteratur als Biograph, Herausgeber und Verwalter von Pfitzner-Zusammenhängen wahrgenommen. Daneben veröffentlichte er Bücher über Bruckner, Brahms, Musikgeschichte, Schopenhauer, Rudolf Steiner, Reinkarnation und kulturkritische Fragen der modernen Musik.
Name, Namensformen und Einordnung
Die in Normdaten und bibliographischen Nachweisen begegnende vollständige Namensform lautet Fedor Georg Walter Abendroth. In anderen Zusammenhängen erscheint auch Walter Fedor Georg Abendroth. Die publizistisch und allgemein gebräuchliche Namensform lautet jedoch Walter Abendroth. Für eine Kulturlexikon-Seite ist deshalb sinnvoll, das Lemma vollständig anzusetzen, im laufenden Text aber die eingeführte Arbeitsform Walter Abendroth zu verwenden.
Abendroths Tätigkeitsprofil ist nicht auf eine einzige Berufsbezeichnung zu reduzieren. Die Bezeichnung Komponist erfasst sein umfangreiches musikalisches Werk. Musikschriftsteller und Musikkritiker erfassen seine publizistische Hauptwirkung. Redakteur und Journalist beschreiben seine Tätigkeit in Presse und Feuilleton, besonders nach 1945. Gerade diese Mehrfachrolle ist charakteristisch: Abendroth war ein Musikdenker, der zugleich schrieb, komponierte, beurteilte, redigierte und über Musikgeschichte als kulturelle Sinnfrage nachdachte.
Seine Einordnung ist zugleich durch Spannungen geprägt. Er war kein Vertreter der radikalen Avantgarde, sondern ein konservativ orientierter, traditionell denkender Komponist und Publizist. Seine Bücher und Urteile stehen oft in Nähe zu einer kulturkritischen Sicht auf Moderne, Fortschritt und musikalische Neuerung. Diese Position machte ihn für bestimmte Leserkreise einflussreich, zugleich aber in der späteren Musikgeschichtsschreibung problematisch und streitbar.
Herkunft, Jugend und frühe Prägung
Abendroth wurde in Hannover geboren und wuchs zunächst dort auf. Später zog die Familie nach Berlin. Sein Vater war Landvermesser. Die Jugendzeit in Hannover und Berlin fiel in eine Epoche, in der das bürgerliche Musikleben, Konzertwesen, Theaterkultur und kulturphilosophische Weltanschauungsbewegungen eng miteinander verbunden waren. Diese Umgebung prägte Abendroths späteres Interesse an Musik als geistiger, nicht nur ästhetischer Angelegenheit.
Von besonderer Bedeutung war für ihn die frühe Begegnung mit Wagners Parsifal. Als Chorknabe wirkte er bei Aufführungen mit und erlebte die Grals- und Karfreitagsszenen als stark prägend. Solche frühen Erlebnisse sind für seine spätere Entwicklung wichtig, weil sie Musik nicht als bloße Kunstfertigkeit, sondern als geistiges Ereignis erscheinen ließen. In seinem Denken blieb Musik immer mit Weltanschauung, Innerlichkeit und kultureller Deutung verbunden.
Bereits als Schüler begegnete Abendroth Rudolf Steiner und der Anthroposophie. Auch wenn er später nicht dauerhaft in einer einfachen institutionellen Bindung an die anthroposophische Bewegung blieb, begleitete ihn diese frühe Erfahrung. Sie erklärt sein anhaltendes Interesse an geistigen Entwicklungsfragen, Reinkarnation, Kulturzukunft und an einer Musikauffassung, die über rein technische Analyse hinausgeht.
Ausbildung, anthroposophische Kontakte und künstlerische Anfänge
Abendroth studierte zunächst in Berlin und München Musik, zeitweise auch Malerei. Zu seinen musikalischen Lehrern werden Richard Wolff, Otto Reber und Melchior Ernst Sachs genannt. Besonders Melchior Ernst Sachs erscheint in den Musikerlexika als Lehrerbezug. Die Ausbildung verband Klavier, Komposition und eine breite künstlerische Orientierung.
In München fand Abendroth Zugang zu anthroposophischen Kreisen um Persönlichkeiten wie Pauline von Kalckreuth und Sophie Stinde. Er begegnete Emil Molt und war im Umfeld früher Dreigliederungsaktivitäten und der Gründung der ersten Waldorfschule präsent. Diese Phase zeigt, dass Abendroth in den 1910er und frühen 1920er Jahren nicht nur als Musiker, sondern als Suchender in kulturell-reformerischen Milieus unterwegs war.
Der Erste Weltkrieg unterbrach die künstlerische Entwicklung. Nach 1916 war Abendroth Soldat. Nach Kriegsende suchte er erneut künstlerische Orientierung, wirkte zeitweise als Musiker und Lehrer und begann, sich stärker als Komponist und Musikkritiker zu profilieren. Die frühen Jahre erklären, warum seine späteren Schriften häufig einen weltanschaulichen, kulturdiagnostischen und geistig deutenden Ton besitzen.
Wanderjahre, freies Komponieren und frühe Musikpraxis
Nach dem Ersten Weltkrieg lebte Abendroth zeitweise freischaffend. Er hielt sich in Berlin, Göttingen, Jena und Norddeutschland auf und arbeitete als Musiker, Lehrer und Komponist. In dieser Zeit suchte er eine eigene musikalische Sprache und bewegte sich zwischen praktischer Musik, geistiger Selbstvergewisserung und publizistischer Tätigkeit.
Eine Station im Umfeld von Schloss Siebeneichen und ein Engagement mit der Haaß-Berkow-Truppe verweisen auf eine Phase beweglicher künstlerischer Praxis. Abendroth war nicht von Beginn an der etablierte Feuilletonautor und Musikschriftsteller, sondern durchlief eine Zeit unsteter künstlerischer Orientierung. Diese Erfahrung ist für sein späteres Selbstbild als kritischer Zeitbeobachter bedeutsam.
In den 1920er Jahren wandte er sich zunehmend Hamburg zu. Dort wurde er als Musikkritiker tätig, hielt Vorträge im Volksbildungswesen und gründete ein Kammerorchester namens Collegium musicum. In dieser Zeit entstand auch sein offizielles Opus 1, ein Streichquartett in C-Dur. Damit begann die später klarer katalogisierbare Werkreihe seiner Kompositionen.
Musikkritiker, Redakteur und Journalist
Abendroth wurde in den 1920er und 1930er Jahren als Musikkritiker und Redakteur wichtig. Er schrieb für Hamburger und Altonaer Zeitungen, war zeitweise in Köln tätig, arbeitete für die Allgemeine Musikzeitung und später für den Berliner Lokal-Anzeiger. Sein journalistisches Schreiben verband Kritik, Geschmacksurteil, Kulturdiagnose und musikhistorisches Argument.
Die Tätigkeit als Musikkritiker war für ihn nicht bloß Broterwerb. Sie war ein Ort, an dem er seine Vorstellung von musikalischer Wahrheit, Tradition, Verantwortung und kultureller Krise formulierte. Er beurteilte Musik nicht nur nach Aufführungstechnik oder kompositorischer Machart, sondern nach einem umfassenderen Begriff von Geist, Form und geschichtlicher Bedeutung.
Diese Haltung machte ihn zu einem markanten, aber auch streitbaren Autor. Seine Nähe zu Pfitzner, seine Skepsis gegenüber bestimmten Formen der Moderne und seine kulturkritische Sprache stehen in einem geistigen Zusammenhang, der heute quellenkritisch und historisch differenziert betrachtet werden muss.
Hans Pfitzner: Biograph, Herausgeber und Nachlassverwalter
Eine zentrale Rolle in Abendroths Leben und Werk spielte Hans Pfitzner. Abendroth veröffentlichte 1935 eine Pfitzner-Biographie, später weitere Pfitzner-bezogene Arbeiten und gab Schriften, Reden, Briefe und verstreute Texte Pfitzners heraus. Außerdem war er mit Pfitzners Nachlass, Publikationsrechten und Erinnerungspflege verbunden.
Diese Nähe war für Abendroth künstlerisch und ideologisch bedeutsam. Pfitzner stand für eine selbstbewusste Verteidigung traditioneller musikalischer Werte gegen das, was er als zersetzenden Modernismus ansah. Abendroth übernahm nicht einfach Pfitzners Positionen, bewegte sich aber erkennbar in einer ähnlichen geistigen Landschaft. Seine Pfitzner-Deutung ist daher nicht neutral, sondern Teil einer konservativen musikgeschichtlichen Selbstvergewisserung.
Für die Forschung ist diese Verbindung doppelt wichtig. Einerseits verdankt die Pfitzner-Rezeption Abendroth bedeutende Dokumentationen und editorische Arbeiten. Andererseits muss man seine Darstellung Pfitzners kritisch lesen, weil sie von Verehrung, Nähe und kulturpolitischen Wertungen geprägt ist.
Bruckner, Brahms und das musikgeschichtliche Denken
Neben Pfitzner beschäftigte sich Abendroth intensiv mit Anton Bruckner und Johannes Brahms. Seine Schrift Die Symphonien Anton Bruckners bot Einführungen in Bruckners sinfonisches Werk. Seine Brahms-Schrift stellte Brahms’ Wesen und musikgeschichtliche Bedeutung heraus. In beiden Fällen ging es Abendroth nicht nur um biographische Darstellung, sondern um eine Deutung musikalischer Größe.
Abendroths Musikgeschichtsschreibung neigt dazu, Komponisten als geistige Persönlichkeiten zu begreifen. Musik erscheint bei ihm als Ausdruck von Weltverhältnis, Schicksal, innerer Haltung und kultureller Sendung. Diese Darstellungsweise war im 20. Jahrhundert verbreitet, wirkt heute aber teilweise pathetisch und wertend. Sie ist dennoch ein wichtiges Dokument einer älteren Musikschriftstellerei.
Bruckner, Brahms, Mahler, Reger und Pfitzner bilden bei Abendroth einen Kanon, an dem er Fragen von Tradition, Form, metaphysischem Ernst und musikalischer Zukunft verhandelt. Seine Bücher zu diesen Komponisten sind deshalb zugleich Musikliteratur und kulturkritische Selbstvergewisserung.
Die Zeit, Hamburg und München
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Abendroth wieder in Hamburg. 1948 wurde er Redakteur der Wochenzeitung Die Zeit, später leitete er dort die Feuilletonredaktion. 1955 ging er als Korrespondent der Zeitung nach München. Diese Tätigkeit machte ihn zu einem wichtigen publizistischen Vermittler in der westdeutschen Nachkriegskultur.
Die Arbeit bei Die Zeit zeigt eine zweite große Phase seiner öffentlichen Wirksamkeit. Nach 1945 musste musikalische Kultur in Deutschland neu bewertet werden. Fragen nach Tradition, Schuld, Neubeginn, Moderne und kultureller Kontinuität standen im Raum. Abendroth schrieb in dieser Situation aus einer konservativen, bildungsbürgerlichen und musikhistorisch fundierten Perspektive.
Sein Nachkriegswerk zeigt einerseits Anpassung an neue publizistische Formen, andererseits Kontinuitäten seines Denkens. Er blieb ein Autor, der Musik nicht isoliert betrachtete, sondern als Ausdruck einer umfassenden geistigen Ordnung oder Krise.
Musikästhetik, Moderne-Kritik und Kulturphilosophie
Abendroths Musikdenken ist stark kulturphilosophisch geprägt. Titel wie Vom Werden und Vergehen der Musik oder Selbstmord der Musik? zeigen bereits, dass er musikalische Entwicklungen nicht nur als Stilgeschichte auffasste. Für ihn ging es um die Frage, ob Musik ihre innere Wahrheit, Formkraft und geistige Grundlage bewahre oder verliere.
Seine Moderne-Kritik muss historisch eingeordnet werden. Abendroth schrieb aus einem Milieu, das Neuerungen der Avantgarde häufig als Bruch, Entwurzelung oder geistige Gefährdung empfand. Diese Sichtweise war im 20. Jahrhundert keineswegs randständig, steht aber im Gegensatz zu vielen späteren Darstellungen der Moderne, die Innovation, Atonalität, Serialismus, neue Klangtechniken und experimentelle Formen positiver bewerten.
Zu Abendroths geistigem Horizont gehörten außerdem Rudolf Steiner, Anthroposophie, Schopenhauer und Fragen von Reinkarnation. Er bewegte sich damit zwischen Musikgeschichte, Weltanschauung, Philosophie und Kulturkritik. Diese Verbindung macht sein Werk interessant, aber auch schwer eindeutig einzuordnen. Es gehört nicht nur zur Musikwissenschaft, sondern auch zur Geschichte geistiger Strömungen des 20. Jahrhunderts.
Kompositionsstil und musikalische Grundhaltung
Abendroths kompositorisches Werk ist umfangreich, aber bis heute weniger bekannt als seine Schriften. Es umfasst Sinfonien, Konzerte, Quartette, Lieder, Kammermusik, Chorwerke und Orgelmusik. Stilistisch steht es in einer traditionsbewussten Linie. Abendroth suchte nicht die Auflösung der überlieferten Gattungen, sondern deren Fortführung in einer erweiterten, zeitgenössischen Sprache.
Der Schwerpunkt auf Sinfonie, Konzert und Kammermusik zeigt seine Bindung an klassische Werkformen. Zugleich sind die Titel und Besetzungen des Nachlasses aufschlussreich. Neben traditionellen Gattungen erscheinen Lieder nach Hebbel, Trakl, Hölty, Weinheber, Heimito von Doderer und Conrad Ferdinand Meyer. Das zeigt eine starke Nähe zu literarischer Textvertonung, deutscher Bildungstradition und poetisch-geistiger Deutung.
Besonders auffällig ist die Bedeutung der Bratsche. Abendroth schrieb ein Konzert für Bratsche und Orchester, Sonaten für Bratsche und Klavier, Lieder mit Bratsche sowie kammermusikalische Werke, in denen die Bratsche eine zentrale Rolle spielt. Diese Gewichtung gibt seinem Werk innerhalb der Musik des 20. Jahrhunderts ein eigenes Profil.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis ist als kulturlexikalische Übersicht angelegt. Es stützt sich auf die im Nachlass der Bayerischen Staatsbibliothek überlieferten Werkgruppen, auf gedruckte und handschriftliche Nachweise sowie auf bibliographische Angaben zu Abendroths Schriften. Es ersetzt kein kritisches vollständiges Werkverzeichnis, sondern bietet eine geordnete Orientierung über Kompositionen, Bücher, Herausgaben und zentrale Werkgruppen.
Kompositionen nach Werkgruppen
Sinfonische Werke. Zu Abendroths groß besetzten Orchesterwerken gehören mehrere Sinfonien, darunter eine Sinfonie A-Dur op. 11, eine Sinfonie c-Moll op. 13, eine Sinfonie F-Dur op. 18, eine Sinfonie in C op. 28 und die fünfte Sinfonie op. 34. Hinzu kommen Sinfonietten, eine Konzert-Ouvertüre, ein Konzert für Orchester, eine Concertante Phantasie und Variationen über den „Schnitter Tod“.
Konzerte. Abendroth schrieb Konzerte für Bratsche, Violine, Violoncello, Klavier und Orchester. Besonders das Konzert für Bratsche und Orchester op. 9 ist durch moderne Viola-Verzeichnisse und Verlagsnachweise greifbar. Die Konzertwerke zeigen seine Bindung an die klassische Solokonzertform und sein Interesse an instrumentaler Charakterbildung.
Kammermusik. Die Kammermusik umfasst Streichquartette, Streichtrios, ein Streichquintett, Sonaten für Bratsche und Klavier, eine Sonate für Violine und Klavier, ein Trio für Flöte, Bratsche und Horn, ein Quintett für Flöte, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier sowie eine Sonatine für Flöte, Violine und Cembalo. Diese Werkgruppe ist für sein kompositorisches Profil besonders wichtig.
Lieder und Vokalwerke. Abendroth komponierte zahlreiche Lieder und Liedzyklen. Dazu gehören Drei Lieder op. 2, Drei Lieder op. 3, Fünf Lieder op. 12, die Hebbel-Trilogie op. 16, die Trakl-Trilogie op. 29 beziehungsweise op. 29a, die Hölty-Trilogie op. 25, die Weinheber-Trilogie op. 43, das Meditative Triptychon op. 46 und Pole des Lebens op. 47. Diese Werke zeigen Abendroths besondere Nähe zur literarischen Textvertonung.
Chor- und Kirchenmusik. Zu den geistlichen beziehungsweise liturgisch orientierten Werken gehören eine Messe mit Kyrie und Tantum ergo für gemischten Chor a cappella op. 36 sowie ein Choralvorspiel beziehungsweise eine Partita über „O Gott und Vater, voll der Huld“ op. 40.
Klavier- und Orgelwerke. Zu nennen sind eine Sonate in B für Klavier op. 15, Drei Skizzen über ostinate Themen für Klavier op. 22, Acht Tonstücke zu eurythmischen Darstellungen und vier Tonstücke zu Rudolf Steiners Märchen vom Quellenwunder. Die letztgenannten Werke zeigen die anthroposophisch-eurythmische Seite seiner frühen und mittleren Produktion.
Kompositionen mit Opuszahl in Auswahl
Streichquartett in C op. 1. Gedruckt bei Simrock in Leipzig. Dieses Werk gilt als offizieller Beginn der nummerierten Werkreihe.
Drei Lieder für eine mittlere Singstimme und Klavier op. 2. Gedruckt beim Willy Müller Süddeutschen Musikverlag in Heidelberg.
Drei Lieder für eine Singstimme op. 3. Ebenfalls beim Willy Müller Musikverlag erschienen; die Texte greifen unter anderem auf Volkslied, Paul Heyse und Joseph von Eichendorff zurück.
Divertimento für Flöte und Bratsche op. 5. Kammermusikwerk, das Abendroths Affinität zur Bratsche und zu kleiner Besetzung zeigt.
Trio für Flöte, Bratsche und Horn op. 6. Im Nachlass autograph überliefert.
Sinfonietta op. 7. Dreisätziges Werk für großes Orchester, im Nachlass mit Partiturmaterial und Druckvorlage dokumentiert.
Streichquartett A-Dur op. 8. Gedruckt bei Simrock in Leipzig.
Konzert für Bratsche und Orchester op. 9. Ein wichtiges Solokonzert, dem Bratscher Fritz Lang gewidmet und später im Klavierauszug greifbar.
Sinfonie für großes Orchester A-Dur op. 11. Autograph 1941 datiert und im Nachlass mit Partitur- und Particellmaterial vertreten.
Fünf Lieder für eine Singstimme und Klavier op. 12. Gedruckt bei Simrock in Leipzig.
Sinfonie für großes Orchester c-Moll op. 13. Autograph 1942 datiert und als frühes großes Orchesterwerk der Kriegszeit überliefert.
Konzert für Orchester op. 14. Autograph von 1942; das Werk gehört zur Gruppe groß besetzter Orchesterwerke.
Sonate in B für Klavier zu zwei Händen op. 15. Gedruckt bei Simrock in Leipzig.
Hebbel-Trilogie op. 16. Drei Gedichte für hohe Singstimme und Klavier beziehungsweise Orchester. Die Doppelfassung zeigt Abendroths Interesse an kammermusikalischer und orchestraler Liedgestaltung.
Variationen über den „Schnitter Tod“ für großes Orchester op. 17. Gedruckt im Brucknerverlag Wiesbaden; ein großformatiges Orchesterwerk mit traditionsgesättigtem Totentanz- beziehungsweise Todeslied-Bezug.
Sinfonie für großes Orchester F-Dur op. 18. Autograph 1944 datiert.
Serenade, Kleine Hausmusik, für Streichtrio op. 19. Nachkriegsnahes kammermusikalisches Werk für Violine, Viola und Violoncello.
Konzert-Ouvertüre für großes Orchester C-Dur op. 20. Autograph 1945 datiert.
Sonaten für Bratsche und Klavier op. 21a und op. 21b. Beide Werke sind für das moderne Bratschenrepertoire besonders wichtig und wurden beim Willy Müller Süddeutschen Musikverlag gedruckt.
Drei Skizzen über ostinate Themen für Klavier op. 22. Klavierwerk mit konzentrierter motivischer Anlage.
Concertante Phantasie für Orchester op. 23. Orchesterwerk mit autographem Entwurf und Reversmaterial.
Hölty-Trilogie für Bariton und Klavier op. 25. Liedgruppe nach Gedichten Ludwig Höltys.
Sonate für Violine und Klavier op. 26. Gedruckt bei Simrock in Hamburg.
Streichquartett op. 27. Handschriftlich im Nachlass überliefert.
Sinfonie in C für großes Orchester op. 28. Gedruckt beziehungsweise als Reversmaterial bei Sikorski greifbar.
Trakl-Trilogie op. 29 und op. 29a. Lieder nach Georg Trakl, in einer Fassung für Singstimme und Klavier sowie in einer erweiterten Fassung für Baritonstimme, sieben Soloinstrumente, Triangel und Becken.
Präludium und Fuge für Streichquartett op. 31. Autograph 1951 datiert.
Sinfonietta für Orchester op. 32. Gedruckt bei Sikorski, mit späteren Einlagen beziehungsweise neuem dritten Satz.
Streichquartett, Drei Sätze in einem, op. 33. Gedruckt bei Sikorski.
Symphonie Nr. 5 op. 34. Im Nachlass als Skizzen und Probedruck greifbar.
Konzert für Violine und Orchester op. 35. Klavierauszug bei Sikorski, 1959.
Messe, Kyrie, Tantum ergo für gemischten Chor a cappella op. 36. Geistliches Chorwerk mit mehreren Satzentwürfen.
Drei Lieder für Alt, Bratsche und Klavier op. 37. Vokal-kammermusikalisches Werk, das die Bratsche als eigenständigen Ausdrucksträger einbezieht.
Streichtrio op. 38. Gedruckt bei Simrock, 1965.
Sonatine für Flöte, Violine und Cembalo op. 39. Gedruckt bei Simrock, 1961.
Partita beziehungsweise Choralvorspiel über „O Gott und Vater, voll der Huld“ op. 40. Orgel- beziehungsweise choralbezogenes Werk mit Druckvorbereitungen.
Konzert für Violoncello und großes Orchester op. 41. Autograph und Particell im Nachlass; mit Bezug zu Gerhard Mantel überliefert.
Quintett für Flöte, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier op. 42. Autograph Silvester 1960 datiert.
Weinheber-Trilogie op. 43. Drei Gedichte von Josef Weinheber für Alt- oder Mezzostimme und Klavier.
Konzert für Klavier und Orchester op. 44. Autograph 1962 datiert.
Sonate für Violine und Klavier op. 45. Mit einigen Schlaginstrumenten ad libitum; Autograph 1962 datiert.
Meditatives Triptychon op. 46. Werk nach Gedichten Heimito von Doderers für Altstimme und Bratsche.
Pole des Lebens op. 47. Zwei Gedichte von Conrad Ferdinand Meyer für Altstimme und Bratsche.
Streichquintett op. 48. Zweiteiliges Werk mit den Satzbezeichnungen Wachruf und Aufschwung, Silvester 1963 datiert.
Werke ohne Opuszahl. Dazu gehören Acht Tonstücke zu eurythmischen Darstellungen für Klavier und vier Tonstücke für Klavier zu Rudolf Steiners Märchen vom Quellenwunder.
Schriften und Bücher
Hans Pfitzner, München 1935. Frühe und für Abendroths Profil zentrale Biographie des Komponisten Hans Pfitzner.
Ferdinand von Strantz: Opernführer, vollständig umgearbeitet und ergänzt von Walter Abendroth, Berlin 1935. Eine editorische und bearbeitende Arbeit im Bereich populärer Opernvermittlung.
Deutsche Musik der Zeitwende. Eine kulturphilosophische Persönlichkeitsstudie über Anton Bruckner und Hans Pfitzner, Hamburg 1937, weitere Auflagen 1941 und 1943. Das Buch zeigt Abendroths Verbindung von Musikgeschichte und kulturphilosophischer Deutung.
Johannes Brahms. Sein Wesen und seine musikgeschichtliche Bedeutung, Berlin 1939. Eine Deutung Brahms’ als musikalischer Persönlichkeit und geschichtlicher Gestalt.
Die Symphonien Anton Bruckners. Einführungen, Berlin 1940, spätere Auflagen. Ein Werk zur Erschließung von Bruckners sinfonischem Schaffen.
Hans Pfitzner. Sein Leben in Bildern, Leipzig 1941. Bildbiographische Darstellung Pfitzners.
Hans Pfitzner. Ein Bild in Widmungen, herausgegeben von Walter Abendroth, Leipzig 1944. Erinnerungs- und Widmungsband zum 75. Geburtstag Pfitzners.
Vom Werden und Vergehen der Musik, Hamburg 1949. Kultur- und musikphilosophische Schrift der Nachkriegszeit.
Vier Meister der Musik. Bruckner, Mahler, Reger, Pfitzner, München 1952. Sammelnde Darstellung vier großer Komponistenpersönlichkeiten aus Abendroths Sicht.
Hans Pfitzner. Reden, Schriften, Briefe. Unveröffentlichtes und bisher Verstreutes, herausgegeben von Walter Abendroth, Berlin 1955. Wichtige editorische Arbeit zur Pfitzner-Rezeption.
Bruckner. Eine Bildbiographie, München 1958. Populär-biographische Darstellung Bruckners.
Kleine Geschichte der Musik, Frankfurt am Main 1959; neubearbeitet als Kurze Geschichte der Musik, München 1969. Überblicksdarstellung für ein breiteres Publikum.
Selbstmord der Musik? Zur Theorie, Ideologie und Phraseologie des modernen Schaffens, Berlin 1963. Eine der deutlichsten Schriften Abendroths zur Kritik moderner Musik und ihrer theoretischen Begleitdiskurse.
Ich warne Neugierige. Erinnerungen eines kritischen Zeitbetrachters, München 1966. Autobiographisch geprägte Erinnerungen und Zeitbetrachtungen.
Arthur Schopenhauer, Reinbek 1967. Monographie in der Reihe Rowohlts Monographien.
Rudolf Steiner und die heutige Welt. Ein Beitrag zur Diskussion um die menschliche Zukunft, München 1969. Späte Schrift, die Abendroths anhaltendes Interesse an Steiner und anthroposophisch geprägten Zukunftsfragen zeigt.
Reinkarnation, Frankfurt am Main 1986. Postum beziehungsweise später aufgelegte Schrift zu einem weltanschaulichen Thema, das in Abendroths geistigem Horizont präsent blieb.
Nachlass und archivalische Überlieferung
Der Nachlass Walter Abendroths befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek. Er umfasst 13 große Schachteln und ist vollständig erschlossen. Enthalten sind Manuskripte, Typoskripte, gedruckte Artikel, Rezensionen, Buchveröffentlichungen, weitere Publikationstexte, Korrespondenzen, Artikel und Rezensionen Dritter über Abendroth, Konzertprogramme mit Aufführungen seiner Werke sowie weiteres Material.
Die Musikmanuskripte werden in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrt. Der Nachlass ist besonders wichtig, weil Abendroths kompositorisches Werk teilweise nicht breit gedruckt oder aufgeführt wurde und deshalb stark über Handschriften, Reproduktionen und Nachlassmaterialien erschlossen werden muss.
Darüber hinaus gibt es Materialien im Zusammenhang mit Hans Pfitzner. Abendroths Rolle als Pfitzner-Biograph, Herausgeber und Verwalter von Publikationsrechten macht diesen Teil der Überlieferung besonders bedeutsam. Für die Erforschung der konservativen Musikpublizistik des 20. Jahrhunderts ist der Nachlass daher eine wichtige Quelle.
Sekundärliteratur und Nachweise
Walter Abendroth: Ich warne Neugierige. Erinnerungen eines kritischen Zeitbetrachters, München: Hesse, 1966. Als autobiographische Quelle ist dieses Buch für die Selbstdarstellung Abendroths besonders wichtig, muss aber quellenkritisch gelesen werden.
Walter Mohr: Erinnerungen an Walter Abendroth. Diese Erinnerungsliteratur wird in musiklexikalischen Nachweisen genannt und ist für die persönliche und rezeptionsgeschichtliche Perspektive bedeutsam.
Die Musik in Geschichte und Gegenwart, ältere und neuere Fassungen, Artikel zu Abendroth. Die MGG bietet eine fachlexikalische Einordnung als Musikkritiker und Komponist.
Riemann Musiklexikon, 12. Auflage und Ergänzungsband. Die Riemann-Einträge geben knappe biographische Informationen, nennen wichtige Bücher und Kompositionen und ordnen Abendroth als Komponisten und Musikschriftsteller ein.
Brockhaus-Riemann Musiklexikon, Mainz: Schott, Artikel zu Fedor Georg Walter Abendroth. Der Eintrag ist für die knappe moderne lexikalische Orientierung hilfreich.
Bayerisches Musiker-Lexikon Online, Artikel „Abendroth, Fedor Georg Walter“. Der Eintrag bietet Lebensdaten, Berufe, Wirkungsorte, Lehrerbeziehungen, Literatur- und Bibliotheksnachweise sowie Normdatenverknüpfungen.
Literaturportal Bayern, Nachlassbeschreibung „Walter Abendroth“. Der Eintrag beschreibt Umfang, Erschließung und Bestand des Nachlasses in der Bayerischen Staatsbibliothek.
Bayerische Staatsbibliothek: Nachlass Walter Abendroth. Verzeichnis in Listenform. Dieses Verzeichnis ist für das Werkverzeichnis der Kompositionen grundlegend, weil es eigene Werke Abendroths nach Opuszahlen, Handschriften, Reproduktionen und Drucken ordnet.
Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, 2. Auflage, Kiel 2009. Priebergs Nachschlagewerk ist für die politische, institutionelle und musikgeschichtliche Einordnung Abendroths in der NS-Zeit wichtig.
Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt am Main: S. Fischer, 2007. Klee ist für die kritische personengeschichtliche Einordnung im Kontext des Nationalsozialismus heranzuziehen.
RISM, Répertoire International des Sources Musicales, Personeneintrag zu Walter Abendroth. RISM ist für musikalische Quellen, Handschriften und Werküberlieferung wichtig.
Music4Viola und Konrad Ewalds Verzeichnisse zur Bratschenmusik. Diese Nachweise sind besonders für Abendroths Werke mit Bratsche relevant, darunter das Bratschenkonzert op. 9, die Bratschensonaten op. 21a und op. 21b sowie vokalkammermusikalische Werke mit Bratsche.
Forschungsliteratur zu Hans Pfitzner, Anton Bruckner, konservativer Musikästhetik, Musikpublizistik im Nationalsozialismus, Nachkriegsfeuilleton und Anthroposophie bildet den weiteren Kontext. Abendroth ist nur dann angemessen zu verstehen, wenn seine Kompositionen, seine Musikschriftstellerei, seine Weltanschauungsbezüge und seine politische Zeitgebundenheit gemeinsam betrachtet werden.
Rezeption, Bedeutung und Problematik
Abendroths Rezeption ist uneinheitlich. Als Musikschriftsteller war er über Jahrzehnte präsent, insbesondere durch seine Pfitzner-, Bruckner- und Musikgeschichtsbücher. Als Komponist blieb er deutlich weniger im allgemeinen Repertoire verankert. Einzelne Werke, vor allem im Bereich der Bratschenmusik, sind durch Spezialinteresse wieder greifbarer geworden, doch sein Gesamtwerk wartet weiterhin auf breitere Aufführung und kritische Neubewertung.
Seine Bedeutung liegt vor allem in der Verbindung von Komposition, Kritik und Weltanschauung. Abendroth ist ein Beispiel für den Musikschriftsteller des 20. Jahrhunderts, der Musik nicht als autonomes ästhetisches Spiel, sondern als Ausdruck einer geistigen Ordnung auffasst. Diese Haltung kann erhellend sein, führt aber auch zu wertenden und polemischen Urteilen gegenüber der musikalischen Moderne.
Problematisch ist insbesondere die Einbindung in konservative und teilweise politisch belastete Musikdiskurse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Nähe zu Pfitzner, die Moderne-Kritik und die publizistische Tätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus müssen quellenkritisch betrachtet werden. Eine heutige Würdigung kann seine Arbeit nicht einfach übernehmen, sondern muss ihre geistigen Voraussetzungen mitreflektieren.
Quellenlage und editorischer Hinweis
Die Quellenlage zu Fedor Georg Walter Abendroth ist im Bereich der Publikationen gut, im Bereich der Kompositionen jedoch stark nachlassgebunden. Viele Schriften sind bibliographisch gut nachweisbar. Die musikalischen Werke müssen dagegen häufig über Handschriften, Reproduktionen, Drucke, Verlagsmaterial, Nachlassverzeichnisse und Spezialdatenbanken erschlossen werden.
Die Namensform ist zu beachten. Obwohl das Lemma hier als Fedor Georg Walter Abendroth angesetzt wird, ist die Such- und Arbeitsform Walter Abendroth wesentlich verbreiteter. Für Register und Index sollten deshalb beide Formen berücksichtigt werden. Die Form Walter Fedor Georg Abendroth begegnet ebenfalls und sollte als Variante aufgenommen werden.
Bei den Lebensdaten wird hier die Angabe 29. Mai 1896 bis 30. September 1973 verwendet. Als Sterbeort erscheint in verschiedenen Nachweisen Hausham beziehungsweise Fischbachau. Für eine präzise archivalische Fassung sollte die lokale Zuordnung anhand der amtlichen oder normdatenbasierten Quelle festgelegt werden; für diese Seite wird Hausham als Sterbeort in den Personendaten geführt, während im Text auf die abweichende beziehungsweise benachbarte Angabe hingewiesen werden kann.
Das Werkverzeichnis ist bewusst als Auswahl und strukturierte Übersicht angelegt. Ein vollständiges kritisches Werkverzeichnis müsste die Nachlasssignaturen der Bayerischen Staatsbibliothek, Drucke, Verlagsunterlagen, RISM-Nachweise und Aufführungsprogramme systematisch abgleichen.
Fazit
Fedor Georg Walter Abendroth war eine vielschichtige Gestalt des deutschen Musiklebens im 20. Jahrhundert. Als Komponist schrieb er Sinfonien, Konzerte, Kammermusik, Lieder und geistliche Werke. Als Musikschriftsteller veröffentlichte er Bücher über Pfitzner, Bruckner, Brahms, Musikgeschichte, Schopenhauer, Rudolf Steiner und Grundfragen der modernen Musik. Als Redakteur und Kritiker prägte er über Jahrzehnte musikpublizistische Debatten.
Seine Bedeutung liegt weniger in einer kanonischen Stellung als Komponist als in der Verbindung von Werk, Kritik, Weltanschauung und konservativer Musikdeutung. Abendroth verkörpert einen Typus des Musikdenkers, der Musik als geistige, kulturelle und geschichtliche Aufgabe verstand. Gerade deshalb bleibt er interessant: als Komponist mit umfangreichem Nachlass, als Pfitzner-Biograph, als Bruckner- und Brahms-Deuter, als Nachkriegsfeuilletonist und als problematische, quellenkritisch zu lesende Stimme konservativer Musikästhetik.
Weiterführende Einträge
- Anthroposophie Geistige Bewegung Rudolf Steiners, die Abendroths Jugend und spätere Weltanschauungsfragen berührte
- Anton Bruckner Komponist, dem Abendroth mehrere musikschriftstellerische Deutungen widmete
- Arthur Schopenhauer Philosoph, über den Abendroth eine Monographie in der Reihe Rowohlts Monographien veröffentlichte
- Bratschenkonzert Solokonzertgattung, in der Abendroths Konzert für Bratsche und Orchester op. 9 steht
- Die Zeit Wochenzeitung, für die Abendroth nach 1948 als Redakteur und später als Münchner Korrespondent arbeitete
- Fedor Georg Walter Abendroth: Werkverzeichnis Systematische Übersicht über Kompositionen, Schriften, Herausgaben und Nachlassmaterialien
- Hans Pfitzner Komponist, dessen Biograph, Herausgeber und Nachlassverwalter Abendroth wurde
- Johannes Brahms Komponist, dem Abendroth eine musikgeschichtliche und persönlichkeitsdeutende Schrift widmete
- Kammermusik des 20. Jahrhunderts Werkbereich, in dem Abendroths Quartette, Sonaten, Trios und Quintette zu verorten sind
- Konservative Musikästhetik Musikdenken, das Tradition, Form, Tonalität und kulturgeschichtliche Kontinuität betont
- Musikkritik Publizistische Beurteilung musikalischer Werke, Aufführungen und kulturgeschichtlicher Entwicklungen
- Musikredakteur Journalistische Tätigkeit zwischen Kritik, Feuilleton, Redaktion und kultureller Vermittlung
- Musikschriftsteller Autor musikhistorischer, ästhetischer, biographischer und kulturkritischer Schriften
- Pfitzner-Rezeption Wirkungsgeschichte Hans Pfitzners, an der Abendroth als Biograph und Herausgeber maßgeblich beteiligt war
- Rudolf Steiner Begründer der Anthroposophie und wichtiger Bezugspunkt in Abendroths geistigem Horizont
- Sinfonie im 20. Jahrhundert Traditionsgattung, die Abendroth mit mehreren eigenen Sinfonien weiterführte
- Trakl-Vertonung Liedkompositorischer Bezug auf Georg Trakl, bei Abendroth besonders in der Trakl-Trilogie greifbar
- Werkverzeichnis Systematische Erfassung von Kompositionen, Schriften, Drucken, Handschriften und Nachlassmaterialien