Margaret Abbie Denton (1937–2009)
Margaret Abbie Denton, häufig auch Meg Abbie Denton oder Margaret Abbie genannt, war eine australische Tänzerin, Tanzpädagogin, Physiotherapeutin, Labanotation-Schreiberin und Tanzhistorikerin. Ihr Werk verbindet praktische Tanzbildung, physiotherapeutisches Bewegungswissen, systematische Bewegungsnotation und historische Dokumentation des australischen Tanzes. Besonders wichtig sind ihre Arbeiten zur Labanotation, ihr Aufsatz Movement Notation, ihre Notations- und Rekonstruktionsarbeit an Tanzwerken sowie ihre Studie Joanna Priest: Her Place in Adelaide’s Dance History.
Überblick
Margaret Abbie Denton gehört zu denjenigen Persönlichkeiten der Tanzgeschichte, deren Bedeutung weniger in einer spektakulären Bühnenkarriere als in der Verbindung von Praxis, Analyse, Notation und Bewahrung liegt. Sie war Tänzerin und Lehrerin, arbeitete physiotherapeutisch und beschäftigte sich intensiv mit Systemen zur Aufzeichnung menschlicher Bewegung. Dadurch steht sie an einer Schnittstelle, die für den Tanz des 20. Jahrhunderts besonders wichtig wurde: zwischen flüchtiger Aufführung, körperlicher Schulung, wissenschaftlicher Bewegungsanalyse und archivalischer Sicherung.
Ihr Name ist vor allem mit Labanotation verbunden, also mit einem System zur schriftlichen Erfassung von Bewegung. Tanznotation ist ein Spezialgebiet, das für die Weitergabe choreographischer Werke ebenso wichtig sein kann wie Partituren für die Musik. Während ein musikalisches Werk durch Notenschrift relativ stabil überliefert werden kann, verschwindet ein Tanz ohne dokumentierende Verfahren leicht mit den Körpern, die ihn ausführen. Dentons Arbeit gehört zu den Bemühungen, Tanzbewegung beschreibbar, rekonstruierbar und über längere Zeiträume hinweg zugänglich zu machen.
Besonders aufschlussreich ist, dass Denton Tanznotation nicht nur als abstraktes Schriftsystem betrachtete. Ihr physiotherapeutischer Hintergrund lenkte den Blick auf Bewegungsqualität, Körperorganisation und funktionale Beobachtung. Ihr tanzhistorisches Interesse wiederum führte sie zu Fragen des Archivs, der regionalen Tanzgeschichte und der Rolle einzelner Lehrerinnen, Choreographinnen und Institutionen in Australien. So verbindet ihre Arbeit drei Perspektiven: die künstlerische, die körperanalytische und die geschichtliche.
Name, Einordnung und Quellenlage
Die maßgebliche Namensform lautet Margaret Abbie Denton. In Katalogen begegnet auch die Form Denton, Margaret Abbie. In einzelnen Kontexten wird sie kürzer als Margaret Abbie oder informell als Meg Abbie Denton bezeichnet. Da die National Library of Australia die vollständige Form Denton, Margaret Abbie, 1937–2009 führt, verwendet diese Seite die Lemmaform Margaret Abbie Denton.
Die Einordnung als amerikanische Tanznotatorin wäre nach der derzeit greifbaren Quellenlage nicht korrekt. Die Nachweise führen Denton als australische Tänzerin, Lehrerin, Tanznotatorin und Physiotherapeutin. Ihre biographischen und werkgeschichtlichen Spuren liegen vor allem in Australien: Sydney, Adelaide, südaustralische Tanzgeschichte, Joanna Priest, die Performing Arts Collection of South Australia, die National Library of Australia und australische physiotherapeutische Fachpublikationen.
Die Quellenlage ist fragmentarisch, aber ausreichend, um ein kulturlexikalisches Profil zu erstellen. Gut greifbar sind ihr Aufsatz Movement Notation, die Buch- beziehungsweise Thesenform ihrer Arbeit zu Joanna Priest, mehrere Notations- und Archivnachweise in der National Library of Australia sowie Hinweise auf Interviews und Tanzgeschichtsforschung. Weniger gut zugänglich sind vollständige biographische Details, genaue Ausbildungsstationen und ein vollständiges Verzeichnis sämtlicher Notationsarbeiten.
Herkunft und australischer Kontext
Margaret Abbie Denton wurde 1937 geboren. Ihre Familie ist durch die Biographie ihrer Mutter, der Ärztin Ruth Heighway, in australischen Bildungs- und Medizinkontexten greifbar. Ruth Heighway heiratete den Anatomen und Anthropologen Andrew Arthur Abbie; 1945 zog die Familie nach Adelaide. Margaret Abbie hatte bereits zuvor in Sydney die MLC School besucht und wurde später als bekannte Balletttänzerin, Lehrerin und Labanotation-Schreiberin erinnert.
Der australische Kontext ist für Dentons Arbeit wesentlich. Die Tanzgeschichte Australiens ist im 20. Jahrhundert durch eine besondere Mischung aus britischen Ausbildungstraditionen, europäischem Ausdruckstanz, Balletteinflüssen, lokalen Schulen, Tourneen, Fernseharbeit, Amateur- und Berufszusammenhängen sowie späterer akademischer Tanzforschung geprägt. Dentons Arbeit steht genau in diesem Feld. Sie beschäftigte sich nicht nur mit abstrakten Bewegungszeichen, sondern auch mit der historischen Sicherung konkreter australischer Tanzkulturen.
Adelaide wurde für sie besonders wichtig. Dort wirkte Joanna Priest als Lehrerin, Choreographin und Organisatorin einer lebendigen lokalen Tanzszene. Dentons spätere Arbeit über Priest ist deshalb mehr als eine Einzelbiographie. Sie dokumentiert einen Teil südaustralischer Tanzgeschichte und macht sichtbar, wie stark Tanzkulturen von Lehrerinnen, Studios, lokalen Aufführungen, Schülergenerationen und Sammlungen abhängen.
Ausbildung, Tanzpraxis und physiotherapeutischer Hintergrund
Dentons Profil verbindet mehrere Ausbildungs- und Berufsfelder. Sie war Tänzerin und Tanzlehrerin, wurde in der Labanotation geschult und arbeitete zugleich als Physiotherapeutin. Diese Kombination ist für ihre Bedeutung entscheidend. Tanznotation verlangt genaue Bewegungsbeobachtung; Physiotherapie verlangt ein funktionales Verständnis von Körper, Gelenken, Bewegungsabläufen und motorischer Qualität. In Dentons Arbeit konnten diese Bereiche einander wechselseitig schärfen.
Als Tanzpädagogin musste sie Bewegung vermitteln, korrigieren und strukturieren. Als Physiotherapeutin musste sie Bewegung analysieren, Abweichungen erkennen und therapeutisch nutzbar machen. Als Tanznotatorin musste sie Bewegung so beschreiben, dass sie nicht nur ungefähr erinnert, sondern präzise genug für spätere Rekonstruktion oder Analyse festgehalten werden konnte. Gerade diese dreifache Kompetenz macht sie für die Geschichte der Tanznotation interessant.
Die in ihrem Aufsatz Movement Notation angegebenen Qualifikationen weisen auf ein breites akademisches und berufliches Profil hin. Der Text erschien in einer physiotherapeutischen Fachzeitschrift, behandelte aber ein Thema, das weit über die Physiotherapie hinausgeht. Dadurch wird Denton als Vermittlerin zwischen Tanzpraxis, Bewegungswissenschaft und therapeutischer Beobachtung erkennbar.
Tanznotation und Labanotation
Tanznotation ist der Versuch, Bewegung in einem systematischen Zeichensystem festzuhalten. Labanotation, auch Kinetography Laban genannt, gehört zu den wichtigsten Systemen des 20. Jahrhunderts. Sie kann Richtung, Raumebene, Körperteil, Dauer, Dynamik und komplexe Bewegungszusammenhänge notieren. Für Tänzerinnen, Choreographen, Rekonstrukteurinnen, Archive und Forschungseinrichtungen kann sie eine ähnliche Funktion übernehmen wie eine Partitur in der Musik.
Margaret Abbie Denton arbeitete in diesem Feld als Notatorin und Vermittlerin. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie Labanotation nicht nur als theoretische Möglichkeit behandelte, sondern in konkreten Projekten anwandte. Die National Library of Australia nennt sie als Notatorin von The Demon Machine gemeinsam mit Genevieve Shaw. Weitere Nachweise verweisen auf Labanotation-Partituren und Archivmaterialien zu choreographischen Werken.
Die Notation eines Tanzes ist immer eine interpretierende Arbeit. Sie muss entscheiden, welche Bewegungsdetails notwendig sind, wie Raumwege dargestellt werden, welche rhythmischen und qualitativen Aspekte festgehalten werden und welche Informationen für spätere Rekonstruktion benötigt werden. Dentons Arbeit gehört deshalb nicht nur zur Dokumentation, sondern auch zur Analyse choreographischer Struktur.
Movement Notation und Bewegungsschrift
Der Aufsatz Movement Notation, erschienen 1974 im Australian Journal of Physiotherapy, ist einer der wichtigsten gedruckten Texte Margaret Abbie Dentons. Der Artikel erklärt zunächst, warum überhaupt Systeme der Bewegungsnotation entwickelt werden. Danach werden Probleme solcher Systeme und historische Lösungsversuche angesprochen. Schließlich wird ein System genauer betrachtet, das Bewegung nicht nur danach beschreibt, was getan wird, sondern auch danach, wie es getan wird.
Diese Unterscheidung zwischen was und wie ist zentral. Eine bloße Bewegungsanweisung könnte sagen, dass ein Arm gehoben, ein Schritt gesetzt oder eine Drehung ausgeführt wird. Für Tanz, Therapie und Bewegungsanalyse reicht das oft nicht aus. Entscheidend ist auch die Qualität: Spannung, Richtung, Gewicht, Timing, Impuls, Kontrolle, Leichtigkeit oder Widerstand. Dentons Ansatz macht diese qualitative Dimension sichtbar.
Der physiotherapeutische Publikationsort des Artikels ist besonders aufschlussreich. Bewegungsschrift wird hier nicht nur als Werkzeug für Choreographien vorgestellt, sondern auch als Methode zur Beobachtung und Beschreibung menschlicher Bewegung überhaupt. Damit steht Dentons Arbeit in einem weiteren Feld: Tanznotation kann auch für Therapie, Pädagogik, Sport, Rehabilitation und Bewegungsforschung bedeutsam sein.
Rekonstruktion, Archiv und choreographisches Gedächtnis
Ein zentrales Problem der Tanzgeschichte liegt in der Vergänglichkeit des Gegenstands. Eine Aufführung ist im Moment ihres Erscheinens bereits im Verschwinden begriffen. Ohne Notation, Film, Fotografien, Programmhefte, Rezensionen, Erinnerungen, Probenmaterialien und mündliche Weitergabe bleibt Tanz nur schwer rekonstruierbar. Dentons Arbeit antwortet genau auf dieses Problem.
Bei Werken wie The Demon Machine wird deutlich, dass Tanznotation nicht isoliert arbeitet. Die National Library of Australia verzeichnet eine Sammlung, die historische Notizen, Besetzungslisten, Lichtpartituren, Briefe, Kostümdetails sowie Tanz- und Musikpartituren enthält. Die Labanotation ist darin ein Teil eines größeren archivalischen Zusammenhangs. Sie ergänzt, ordnet und präzisiert andere Formen der Dokumentation.
Rekonstruktion bedeutet daher nicht einfach, eine Bewegung mechanisch wiederherzustellen. Sie ist eine historische, interpretierende und praktische Arbeit. Notation hilft, aber sie muss mit Wissen über Stil, Körpertechnik, Aufführungskonventionen und historische Situation verbunden werden. Dentons Bedeutung liegt auch darin, dass sie diese verschiedenen Ebenen aus Tanzpraxis, Archiv und Notationskompetenz zusammenführen konnte.
Joanna Priest und die Tanzgeschichte Adelaides
Ein weiterer Schwerpunkt Dentons war die historische Arbeit zu Joanna Priest. Ihre Studie Joanna Priest: Her Place in Adelaide’s Dance History entstand zunächst als Masterarbeit an der University of Adelaide und wurde 1993 als Buch veröffentlicht. Sie behandelt die Bedeutung Priest’ für die Tanzgeschichte Adelaides und Südaustraliens.
Joanna Priest war eine wichtige Tanzpädagogin, Choreographin und Organisatorin. Ihre Arbeit war eng mit lokalen Ausbildungstraditionen und Aufführungszusammenhängen verbunden. Dentons Beschäftigung mit ihr zeigt ein besonderes Interesse an regionaler Tanzgeschichte. Diese ist oft weniger gut dokumentiert als die Geschichte großer nationaler Kompanien, aber für die tatsächliche Entwicklung einer Tanzkultur unverzichtbar.
Dentons Zugriff war dabei nicht nur biographisch, sondern archivalisch. Ihre Arbeit mit Sammlungen und Materialien machte Tanzgeschichte für spätere Forschung zugänglich. Gerade in Regionen, in denen Tanz stark über Schulen, private Initiativen, lokale Aufführungen und persönliche Netzwerke getragen wurde, ist solche Dokumentation besonders wertvoll.
Physiotherapie, Körperanalyse und Bewegungsbeobachtung
Dentons physiotherapeutischer Hintergrund unterscheidet sie von vielen rein tanzhistorisch arbeitenden Autorinnen. Physiotherapie verlangt eine genaue Betrachtung des Körpers in Bewegung. Dabei geht es um Haltung, Koordination, Bewegungsumfang, Muskelspannung, Gleichgewicht, Funktionalität und Störung. Dieses Wissen konnte Dentons Verständnis von Tanznotation vertiefen.
In ihrem Artikel Movement Notation wird die Bewegungsnotation gerade im Kontext einer physiotherapeutischen Fachöffentlichkeit vorgestellt. Das ist bemerkenswert, weil die Notation dadurch aus dem engeren Tanzarchiv heraustritt. Sie wird zu einem möglichen Instrument der Bewegungserfassung, das auch therapeutische und pädagogische Anwendungen haben kann.
Für die Geschichte der Tanznotation ist dieser Brückenschlag wichtig. Tanznotation ist nicht nur eine Kunsttechnik für Choreographien, sondern auch eine allgemeine Denkweise über Bewegung. Sie zwingt dazu, den Körper nicht nur als Bild, sondern als räumlich, zeitlich und qualitativ strukturiertes Geschehen zu betrachten.
Werkverzeichnis
Das folgende Werkverzeichnis ist als kulturlexikalische Übersicht angelegt. Es unterscheidet zwischen gedruckten Schriften, akademischen Arbeiten, Notations- und Rekonstruktionsmaterialien sowie Interviews und archivalischen Nachweisen. Ein vollständiges kritisches Werkverzeichnis wäre nur durch systematische Prüfung australischer Bibliotheks-, Archiv- und Hochschulbestände möglich. Die hier aufgeführten Titel und Werkkomplexe bilden die wichtigsten greifbaren Nachweise ab.
Schriften, Aufsätze und Studien
Movement Notation, in: Australian Journal of Physiotherapy, Vol. 20, No. 2, Juni 1974, S. 61–69. Der Aufsatz behandelt Gründe, Probleme und Systeme der Bewegungsnotation und ist Dentons wichtigste gedruckte fachliche Veröffentlichung zur Bewegungsschrift.
Joanna Priest: Her Place in Adelaide’s Dance History, Masterarbeit, University of Adelaide, 1992. Diese akademische Arbeit untersucht Joanna Priest und ihre Stellung in der Tanzgeschichte Adelaides. Sie gehört zu den wichtigen Arbeiten über regionale australische Tanzgeschichte.
Joanna Priest: Her Place in Adelaide’s Dance History, Adelaide: Joanna Priest, 1993. Die Buchfassung der Arbeit macht die Forschung einem weiteren Publikum zugänglich und verbindet biographische Darstellung, Tanzgeschichte und archivalische Dokumentation.
Fernseh- und Vermittlungsarbeit zu Tanz, unter anderem in Verbindung mit südaustralischen Tanz- und Medienkontexten. Diese Werkgruppe ist bibliographisch schwerer greifbar, gehört aber zum erweiterten Tätigkeitsfeld Dentons als Tanzpädagogin und Vermittlerin.
Notation, Rekonstruktion und Archivmaterialien
The Demon Machine = Dämon Maschine, Choreographie Gertrud Bodenwieser, Notation Margaret Abbie Denton und Genevieve Shaw, 1983–1984. Die National Library of Australia verzeichnet eine Sammlung von Aufführungs- und Rekonstruktionsmaterialien, darunter eine Labanotation-Partitur. Diese Arbeit gehört zu den wichtigsten dokumentierten Notationsprojekten Dentons.
Eternal Lovers, Komposition Peter Iljitsch Tschaikowski, Choreographie Paul Grinwis, Notation Margaret Abbie, assistiert von Raymond Cook. Die National Library of Australia führt das Werk als Labanotation score mit Bühnenplänen. Damit ist Denton auch im Bereich der Ballettnotation nachweisbar.
Corroboree / Choreography Beth Dean 1954, Labanotation und dokumentarische Materialien, National Library of Australia, MS 9469. Forschungsliteratur verweist auf Dentons Transkriptionen und ihre Labanotation dieses Werks. Die Arbeit ist besonders wichtig, weil sie Fragen der australischen Tanzgeschichte, der Dokumentation und der Rekonstruktion berührt.
Notationsmitwirkung an Agon, Choreographie George Balanchine, im Umfeld des Dance Notation Bureau. Spätere Hinweise nennen Margaret Abbie Denton als Mitglied des ursprünglichen Notationsteams von 1957 unter Leitung von Ann Hutchinson Guest. Dieser Nachweis zeigt ihre Verbindung zur internationalen Labanotation-Praxis.
Weitere Labanotation- und Bewegungsaufzeichnungen in Archiven und Sammlungen. Aufgrund der Spezialnatur des Materials ist davon auszugehen, dass nicht alle Arbeiten Dentons in allgemein zugänglichen bibliographischen Datenbanken leicht auffindbar sind. Für ein vollständiges Verzeichnis wären die National Library of Australia, das Dance Notation Bureau, südaustralische Sammlungen und universitäre Archivbestände systematisch zu prüfen.
Interviews, audiovisuelle und archivalische Nachweise
Meg Denton interviewed by Lee Christofis, National Library of Australia. Dieses Interview ist ein wichtiger biographischer und tanzhistorischer Nachweis, weil es Dentons eigene Erinnerungen und Sichtweisen dokumentiert. Es ist besonders für Forschungen zu australischem Tanz, Labanotation und persönlicher Berufsbiographie relevant.
Sammlungsnachweise in der National Library of Australia zu Tanznotation, Ballettscores, Bewegungsaufzeichnungen und verwandten Materialien. Diese Katalogeinträge sind für die Rekonstruktion ihres Werkes ebenso wichtig wie gedruckte Veröffentlichungen.
Hinweise in der Tanzgeschichtsforschung, insbesondere in Arbeiten über Beth Dean, Victor Carell, australische Tanzüberlieferung und kulturelle Zirkulation von Tanz, zeigen Dentons Bedeutung als Notatorin und Dokumentatorin. Diese Hinweise machen sichtbar, dass ihre Arbeit auch dort wirksam ist, wo sie nicht als Autorin eines eigenständigen Buches auftritt.
Sekundärliteratur und Nachweise
Rachel Fensham: Australian university theses on dance 1990–2005, Ausdance, 2011. Der Überblick nennt Dentons Masterarbeit Joanna Priest: Her Place in Adelaide’s Dance History als M.A.-Thesis an der University of Adelaide aus dem Jahr 1992 und ordnet sie in die Entwicklung australischer Tanzforschung ein.
Victoria Haskins: Deepening Histories of Place: Exploring Indigenous Landscapes of National and International Significance beziehungsweise Forschung zu Beth Dean und Corroboree. Haskins verweist auf Dentons Transkriptionen und Labanotation von Beth Deans Corroboree und nutzt Dentons Material als Teil der tanzhistorischen Dokumentationslage.
M. Mkrtchyan: Preserving the Dance: Srbuhi Lisitsian’s System of Movement Notation, 2025. Der Beitrag führt Margaret Abbie Dentons Aufsatz Movement Notation in der Bibliographie an und zeigt damit, dass ihr Text weiterhin als Referenz in Diskussionen über Bewegungsschrift und Notationssysteme erscheint.
National Library of Australia: Katalogeinträge zu The Demon Machine, Eternal Lovers, Corroboree und dem Interview mit Meg Denton. Diese Nachweise sind keine Sekundärliteratur im engeren Sinn, sondern primäre archivalische und bibliographische Quellen zur Rekonstruktion ihres Werkes.
MLC School: Biographischer Artikel zu Dr Ruth Heighway. Der Text enthält einen biographischen Hinweis auf Margaret Abbie als Tochter Ruth Heighways und nennt sie als bekannte Balletttänzerin, Lehrerin und Labanotation-Schreiberin. Für Dentons Familien- und Ausbildungskontext ist dieser Hinweis nützlich.
ScienceDirect beziehungsweise Australian Journal of Physiotherapy: Bibliographischer Nachweis von Movement Notation. Der Eintrag dokumentiert Titel, Autorin, Zeitschrift, Jahrgang, Heft, Seitenumfang und Zusammenfassung des Artikels.
Bedeutung und Nachwirkung
Margaret Abbie Dentons Bedeutung liegt in der Verbindung von Tanzpraxis, Bewegungsschrift, Körperanalyse und Geschichtsbewahrung. Sie war keine reine Theoretikerin der Notation, sondern arbeitete an konkreten choreographischen Materialien. Sie war keine reine Archivarin, sondern kam aus Tanz und Körperpraxis. Sie war keine reine Physiotherapeutin, sondern brachte physiotherapeutische Bewegungsbeobachtung in ein künstlerisches und historisches Feld ein.
Ihre Arbeit zeigt, dass Tanzgeschichte ohne Dokumentation besonders verletzlich ist. Bewegungen, die nicht notiert, gefilmt, beschrieben oder erinnert werden, können leicht verschwinden. Dentons Labanotation-Arbeiten und ihre historische Studie zu Joanna Priest sind Beiträge gegen dieses Verschwinden. Sie sichern nicht nur einzelne Bewegungsfolgen, sondern auch die Möglichkeit, über Tanz als strukturierte Kunstform nachzudenken.
Für Australien ist Denton besonders wichtig, weil sie lokale und regionale Tanzgeschichte ernst nahm. Die Geschichte des Tanzes besteht nicht nur aus großen Kompanien und international berühmten Choreographien. Sie besteht auch aus Lehrerinnen, Studios, Schülergenerationen, regionalen Aufführungen, Sammlungen und Fachleuten, die das Material bewahren. Dentons Arbeit gehört genau zu dieser zweiten, oft weniger sichtbaren, aber unverzichtbaren Ebene der Tanzkultur.
Editorischer Hinweis
Der Eintrag verwendet die Lebensdaten 1937–2009, wie sie in der National Library of Australia für Denton, Margaret Abbie geführt werden. Die im Auftrag genannte Bezeichnung „amerikanische Tanznotatorin“ wurde nicht übernommen, da die verfügbaren Nachweise Margaret Abbie Denton als australische Tänzerin, Lehrerin, Physiotherapeutin und Tanznotatorin ausweisen.
Bei der Werkübersicht ist zu beachten, dass Tanznotation häufig in Archivbeständen, Handschriften, Sammlungen und Rekonstruktionsmaterialien überliefert ist. Solche Materialien erscheinen nicht immer wie gedruckte Bücher in allgemeinen Bibliographien. Das Werkverzeichnis dieser Seite ist daher eine gegliederte Übersicht der wichtigsten bekannten Nachweise, kein abschließender kritischer Katalog.
Die Namensform Margaret Abbie Denton wurde gewählt, weil sie bibliographisch am eindeutigsten ist. Die Kurzform Margaret Abbie bleibt wichtig, weil ihr Aufsatz Movement Notation unter dieser Form erscheint und weil sie in einzelnen Notations- und Katalogkontexten so genannt wird. Die informelle Form Meg Abbie Denton ist für Interview- und Erinnerungskontexte relevant.
Fazit
Margaret Abbie Denton war eine australische Tanznotatorin, Tänzerin, Tanzpädagogin, Physiotherapeutin und Tanzhistorikerin. Ihre Arbeit verbindet den flüchtigen Charakter des Tanzes mit den dauerhafteren Formen von Schrift, Archiv, Analyse und Erinnerung. Besonders durch Movement Notation, ihre Labanotation-Arbeiten und ihre Studie zu Joanna Priest wird sie als Vermittlerin zwischen Bewegungspraxis und historischer Dokumentation sichtbar.
Ihre Bedeutung liegt nicht in einer einzigen kanonischen Choreographie, sondern in der Sicherung und Lesbarmachung von Bewegung. Sie half, Tanz als etwas zu behandeln, das nicht nur aufgeführt, sondern auch beschrieben, rekonstruiert, gelehrt, analysiert und historisch bewahrt werden kann. Damit gehört Margaret Abbie Denton zu den wichtigen Spezialistinnen einer Kunstform, deren Geschichte ohne solche Notations- und Archivarbeit weit ärmer wäre.
Weiterführende Einträge
- Ann Hutchinson Guest Zentrale Persönlichkeit der Labanotation und Leiterin wichtiger Notationsprojekte
- Australische Tanzgeschichte Entwicklung von Ballett, modernem Tanz, Tanzpädagogik und choreographischer Überlieferung in Australien
- Ballet Score Schriftliche oder graphische Aufzeichnung eines Balletts zur Rekonstruktion und Weitergabe
- Beth Dean Australische Tänzerin und Choreographin, deren Corroboree durch Dentons Notationsarbeit dokumentiert wurde
- Bewegungsanalyse Systematische Untersuchung von Körperbewegungen nach Raum, Zeit, Dynamik, Funktion und Qualität
- Bewegungsnotation Schriftliche oder symbolische Erfassung menschlicher Bewegung für Tanz, Therapie, Sport und Forschung
- Corroboree Choreographisches Werk Beth Deans, dessen Überlieferung auch mit Dentons Labanotation verbunden ist
- Dance Notation Bureau Institution zur Entwicklung, Pflege und Vermittlung von Labanotation und Tanzpartituren
- Dance Reconstruction Wiederherstellung choreographischer Werke aus Notation, Film, Archivmaterial und mündlicher Überlieferung
- The Demon Machine Bodenwieser-Werk, dessen Rekonstruktionsmaterial eine Labanotation von Denton und Genevieve Shaw enthält
- Genevieve Shaw Tanznotatorin und Mitarbeiterin Dentons bei der Notation von The Demon Machine
- Gertrud Bodenwieser Tänzerin und Choreographin des Ausdruckstanzes, deren Werk in Australien wichtige Spuren hinterließ
- Joanna Priest Tanzpädagogin und Choreographin, über deren Stellung in Adelaides Tanzgeschichte Denton schrieb
- Kinetography Laban Europäische Bezeichnung für das von Rudolf von Laban entwickelte Bewegungsschrift-System
- Labanotation System zur Analyse und schriftlichen Aufzeichnung menschlicher Bewegung
- Margaret Chapple Tänzerin und Vermittlerin des Bodenwieser-Erbes, wichtig für Rekonstruktionszusammenhänge
- Movement Notation Begriff und Titel von Dentons Aufsatz zur systematischen Erfassung menschlicher Bewegung
- Performing Arts Collection of South Australia Sammlung zur südaustralischen Aufführungs- und Tanzgeschichte
- Physiotherapie und Tanz Verbindung von Körperanalyse, Bewegungsschulung, Rehabilitation und tänzerischer Praxis
- Rudolf von Laban Begründer zentraler Bewegungstheorien und der Labanotation beziehungsweise Kinetographie
- Tanzarchiv Sammlung und Sicherung von Dokumenten, Notationen, Filmen, Fotografien und Materialien zur Tanzgeschichte
- Tanznotatorin Fachperson für die schriftliche Aufzeichnung und Analyse choreographischer Bewegung
- Tanzpädagogik Lehre und Vermittlung von Tanztechnik, Körperbildung, Ausdruck, Rhythmus und Bewegungsverständnis
- Tanzrekonstruktion Praktische und wissenschaftliche Wiedergewinnung historischer Choreographien
- Werkverzeichnis Systematische Übersicht über Schriften, Notationen, Rekonstruktionen und archivalische Werkgruppen