Giovanni Battista Abatessa

auch: Abbatessa, Abadessa, Giovanni Batista Abatessa · geboren in Bitonto (Prov. Bari), Geburts- und Sterbedaten unbekannt, wohl † nach 1652 · italienischer Gitarrist und Komponist · Frühbarock · Chitarra spagnola · Barockgitarre

Überblick

Giovanni Battista Abatessa gehört zu den frühen bedeutenden Komponisten für die italienische Barockgitarre des 17. Jahrhunderts. Über sein Leben ist nur wenig bekannt; gesichert ist im Wesentlichen seine Herkunft aus Bitonto in Apulien sowie seine Tätigkeit als Gitarrist und Komponist in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

Abatessa veröffentlichte mehrere Sammlungen für die fünfsaitige beziehungsweise fünfchörige chitarra spagnola. Seine Werke verbinden Tanzmusik, improvisatorische Modelle, Akkordspiel und frühe Solotechnik. Sie stellen wichtige Quellen für die Geschichte der Barockgitarre und der italienischen Instrumentalmusik dar. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Besonders bedeutsam sind seine Hinweise zur Spieltechnik, zur Stimmung des Instruments und zur sogenannten Alphabeto-Notation. Dadurch besitzen seine Drucke nicht nur musikalischen, sondern auch musikpraktischen und aufführungsgeschichtlichen Wert. :contentReference[oaicite:2]{index=2}

Leben und historische Einordnung

Die biographischen Daten Giovanni Battista Abatessas sind weitgehend unbekannt. Sein Name erscheint in verschiedenen Schreibweisen, darunter Abbatessa, Abadessa oder Giovanni Batista. Als Herkunftsort wird in seinen Druckwerken Bitonto bei Bari genannt. :contentReference[oaicite:3]{index=3}

Abatessa lebte vermutlich während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Königreich Neapel. Seine Veröffentlichungen zeigen Kontakte zu wichtigen Druckzentren Italiens wie Florenz, Orvieto, Rom, Lucca und Mailand. :contentReference[oaicite:4]{index=4}

Über Ausbildung, berufliche Stellung oder soziale Herkunft liegen keine sicheren Informationen vor. Die Qualität und Verbreitung seiner Drucke lassen jedoch auf einen professionellen Musiker schließen, der mit den musikalischen Entwicklungen des italienischen Frühbarock vertraut war.

Die Barockgitarre im 17. Jahrhundert

Im frühen 17. Jahrhundert entwickelte sich die Barockgitarre von einem vor allem begleitenden Instrument zu einem eigenständigen Soloinstrument. Die sogenannte chitarra spagnola wurde in Italien besonders populär und fand Verwendung in höfischer, bürgerlicher und theatermusikalischer Praxis.

Komponisten wie Giovanni Paolo Foscarini, Francesco Corbetta oder Giovanni Battista Granata erweiterten die technischen und musikalischen Möglichkeiten des Instruments. Abatessa gehört zu dieser frühen Generation von Gitarrenkomponisten. :contentReference[oaicite:5]{index=5}

Seine Werke dokumentieren die Übergangsphase zwischen rhythmischem Akkordspiel und kunstvoller instrumentaler Ausarbeitung. Gerade deshalb besitzen sie für die Geschichte der europäischen Lauten- und Gitarrenmusik große Bedeutung.

Werküberblick

Werk Erscheinungsort Jahr Besonderheiten
Corona di vaghi fiori Florenz 1627 frühe Sammlung mit Spielanweisungen
Cespuglio di varii fiori Orvieto 1635 Tänze und Villanellen
Intessatura di varii fiori Neapel 1645 Sammlung für Barockgitarre
Ghirlanda di varii fiori Mailand um 1650 späte Gitarrensammlung

Die Werke enthalten Tänze wie Passacaglia, Ciaccona, Folia oder Ruggiero sowie verschiedene improvisatorische Modelle des Frühbarock. Mehrere Sammlungen wurden in unterschiedlichen Auflagen verbreitet, was auf eine gewisse Popularität schließen lässt. :contentReference[oaicite:6]{index=6}

Musikalische Elemente Bedeutung
Passacaglia ostinate Tanz- und Variationsform
Ciaccona frühbarocke Variationsform
Villanella volkstümlich geprägtes Liedgenre
Alphabeto Akkordnotation für Barockgitarre
Repicco und Trillo spezielle Anschlagstechniken

Kompositionsstil und Spieltechnik

Abatessas Musik verbindet rhythmisches Akkordspiel mit melodischen und improvisatorischen Elementen. Charakteristisch sind tänzerische Bewegungsmuster, ostinate Bassmodelle und die Verbindung von improvisierter Begleitung mit notierter Struktur.

Besonders bemerkenswert sind die technischen Hinweise innerhalb seiner Drucke. Er erläutert verschiedene Anschlagstechniken wie trillo und repicco sowie unterschiedliche Akkordgriffe und Stimmungsmöglichkeiten. :contentReference[oaicite:7]{index=7}

Damit gehören seine Werke zu den wichtigsten Quellen für die historische Aufführungspraxis der frühen Barockgitarre.

Alphabeto-Notation und Aufführungspraxis

Die sogenannte Alphabeto-Notation war im Italien des 17. Jahrhunderts weit verbreitet. Dabei wurden Akkorde durch Buchstaben gekennzeichnet. Diese Notationsform erleichterte improvisiertes Begleiten und machte das Instrument auch außerhalb professioneller Musikerzirkel populär.

Abatessas Drucke enthalten Tabellen und Erläuterungen zur Verwendung dieser Notation. Besonders die Beziehungen zwischen verschiedenen Griffpositionen werden systematisch dargestellt. :contentReference[oaicite:8]{index=8}

Dadurch besitzen seine Werke hohen Quellenwert für Musikwissenschaft, historische Gitarrenpraxis und Instrumentengeschichte.

Kulturhistorische Bedeutung

Giovanni Battista Abatessa dokumentiert die frühe Entwicklung einer eigenständigen Gitarrenkultur im italienischen Frühbarock. Seine Werke stehen an der Schnittstelle zwischen höfischer Unterhaltungsmusik, populärer Tanzmusik und virtuoser Instrumentalkunst.

Die Drucke zeigen zugleich die wachsende Bedeutung musikalischer Publikation im 17. Jahrhundert. Musik wurde zunehmend überregional verbreitet und erreichte neue soziale Gruppen.

Abatessas Sammlungen erlauben Einblicke in die Klangwelt italienischer Frühbarockmusik und in die Entstehung einer europäischen Gitarrentradition.

Rezeption und Forschung

Die moderne Forschung beschäftigt sich vor allem mit Abatessas Bedeutung für die Geschichte der Barockgitarre und der Aufführungspraxis. Seine Drucke werden in Bibliotheken und digitalen Sammlungen bewahrt und regelmäßig von Spezialisten für Alte Musik untersucht. :contentReference[oaicite:9]{index=9}

Historische Gitarristen und Ensembles der Alten Musik greifen seine Werke zunehmend wieder auf. Besonders für Rekonstruktionen frühbarocker Spieltechniken besitzen seine Sammlungen große Bedeutung.

Musikwissenschaftlich ist Abatessa heute ein wichtiger Vertreter der italienischen Gitarrenmusik des frühen Seicento.

Sekundärliteratur

  • James Tyler: The Early Guitar: A History and Handbook. Oxford 1980. :contentReference[oaicite:10]{index=10}
  • James Tyler / Paul Sparks: The Guitar and Its Music: From the Renaissance to the Classical Era. Oxford 2002. :contentReference[oaicite:11]{index=11}
  • Leonardo Lospalluti: Considerazioni su Giovan Battista Abatessa e su un manoscritto per chitarra del Seicento a Bitonto. In: Il Fronimo, 1989. :contentReference[oaicite:12]{index=12}
  • Richard Hudson: Passacaglio and Ciaccona. Ann Arbor 1981. :contentReference[oaicite:13]{index=13}
  • Gary R. Boye: Studien zur italienischen Gitarrenmusik des 17. Jahrhunderts. :contentReference[oaicite:14]{index=14}

Ausgewählte Onlinequellen

Weiterführende Einträge