August Wilhelm Schlegel
Übersetzer, Kritiker und Theoretiker der Romantik (1767–1845)
August Wilhelm Schlegel (1767–1845) ist eine zentrale Figur der frühen deutschen Romantik. Als Übersetzer, Kritiker, Essayist und Vorlesender prägt er das Selbstverständnis der Romantikerinnen und Romantiker ebenso wie das Bild der europäischen Literatur in Deutschland. Besonders seine Shakespeare-Übersetzungen gelten als kanonisch und haben über Generationen hinweg das deutschsprachige Verständnis des elisabethanischen Dramas bestimmt.
Schlegel verbindet philologische Genauigkeit mit einem hoch reflektierten Begriff von Dichtung: Übersetzen ist für ihn nicht bloß Übertragung, sondern produktive Aneignung, die das Original in einen neuen Sprach- und Kulturraum hinein versetzt und zugleich ästhetische Normen im Deutschen mitformt.
- 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
- 2. Literarisch-historische Einordnung
- 3. Themen und Motive
- 4. Sprachliche und formale Eigenart
- 5. Bedeutung und Nachwirkung
- 6. August Wilhelm Schlegel im Lyrik Atlas
1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
Schlegel wächst in Hannover auf, studiert Theologie und Philologie und bewegt sich früh in den Kreisen der entstehenden Romantik, unter anderem in Jena. Er arbeitet als Privatgelehrter, Professor und öffentlicher Vorlesender, reist viel und ist intensiv in die intellektuellen Debatten seiner Zeit eingebunden.
2. Literarisch-historische Einordnung
Literaturgeschichtlich steht August Wilhelm Schlegel im Kern der frühen Romantik. Zusammen mit seinem Bruder Friedrich prägt er die romantische Poetik: die Idee der Universalpoesie, die Hervorhebung von Fragmentarität und Ironie, die Aufwertung des Mittelalters und der Volksdichtung sowie die Neubewertung „fremder“ Literaturen, insbesondere Shakespeares.
3. Themen und Motive
- Reflexion über Dichtung, Übersetzung und Kritik
- Vermittlung zwischen Literaturen und Epochen
- Romantische Aufwertung des Individuellen und Fragmentarischen
- Interesse an Mythos, Volkslied und älteren Dichtungstraditionen
4. Sprachliche und formale Eigenart
Als Übersetzer sucht Schlegel eine Balance zwischen Treue zum Original und poetischer Eigenständigkeit im Deutschen. Seine Shakespeare-Übertragungen sind von metrischer und klanglicher Sorgfalt geprägt. In den theoretischen Texten dominiert ein essayistischer, zugleich systematisch argumentierender Ton.
5. Bedeutung und Nachwirkung
Schlegels Bedeutung liegt nicht nur in eigenen Gedichten, sondern vor allem in seiner Rolle als Übersetzer und Theoretiker. Seine Shakespeare-Übersetzungen wurden zu Standardtexten des deutschsprachigen Theaters. Die romantische Poetik, wie er sie mitformuliert, hat die Vorstellung von Literatur als offenes, sich selbst reflektierendes System nachhaltig geprägt.
6. August Wilhelm Schlegel im Lyrik Atlas
Im Lyrik Atlas interessiert August Wilhelm Schlegel vor allem als Poetologe und Übersetzer, an dem sich die romantische Neubestimmung von Dichtung, Übersetzung und Kritik exemplarisch zeigen lässt. Seine Rolle für die Vermittlung von Shakespeare und anderen europäischen Literaturen ist dafür ebenso zentral wie seine theoretischen Schriften.