Adolf Friedrich von Schack – Porträt (Franz von Lenbach, 1875)
Adolf Friedrich von Schack im Porträt von Franz von Lenbach (1875; Public Domain, lokal gespiegelt).

Adolf Friedrich von Schack (1815–1894), seit 1876 Graf von Schack, ist eine kulturhistorische Schlüsselfigur des 19. Jahrhunderts: Er verbindet Schriftstellerei, kunst- und literaturhistorische Arbeit, Übersetzung und Mäzenatentum zu einer eigenen Form bürgerlich-adliger Kulturproduktion. Seine Bedeutung liegt weniger in einer einzigen kanonischen „Hauptschrift“ als in der Wirkung seiner Rolle als Vermittler: zwischen europäischen Literaturen (besonders Spanien), zwischen Gelehrsamkeit und Öffentlichkeit, zwischen Kunstförderung und Sammlungsbildung.

Schacks Name ist dauerhaft mit München verbunden, vor allem mit der Sammlung Schack (Schack-Galerie), die aus seiner Sammeltätigkeit hervorging und bis heute als eigener Ort des 19. Jahrhunderts präsent ist. Literarisch reicht sein Spektrum von Lyrik und Verserzählung über Dramen bis zu umfangreichen kunst- und kulturgeschichtlichen Arbeiten.

  1. 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
  2. 2. Literarisch-historische Einordnung
  3. 3. Themen und Motive
  4. 4. Sprachliche und formale Eigenart
  5. 5. Bedeutung und Nachwirkung
  6. 6. Schack im Lyrik Atlas

1. Biographische und kulturelle Ausgangslage

Schack wurde am 2. August 1815 in Schelfstadt bei Schwerin geboren und starb am 14. April 1894 in Rom. Seine Biographie ist durch Bildung, Sprachstudien und Reisen geprägt: frühe Beschäftigung mit europäischen Sprachen, intensive Italien- und Orientreisen sowie eine konsequente Hinwendung zu literarischen und kunstgeschichtlichen Interessen. Nach Stationen im Staatsdienst zieht er 1856 nach München, wo er rasch zu einer zentralen Figur des kulturellen Lebens wird: als Förderer von Künstlern, als Auftraggeber und als Sammler, der systematisch eine Galerie des 19. Jahrhunderts aufbaut.

Die späte Titulierung als preußischer Graf (1876) markiert auch symbolisch einen Rollenwandel: vom gebildeten Privatgelehrten und Autor hin zum institutionell sichtbaren Kulturakteur. Begraben wurde Schack in der Familiengruft in Stralendorf bei Schwerin.

2. Literarisch-historische Einordnung

Literaturgeschichtlich steht Schack im Spannungsfeld von Spätromantik, Realismus und den Kulturbewegungen der zweiten Jahrhunderthälfte. Seine Texte sind häufig weniger „epochenprogrammatisch“ als vielmehr durch Bildungs- und Vermittlungsarbeit motiviert: Er übersetzt, kommentiert, ordnet, sammelt, stellt her. Darin ähnelt er anderen Figuren des 19. Jahrhunderts, die Literatur nicht nur schreiben, sondern kulturelle Infrastrukturen schaffen – von Editionen und Übersetzungsprojekten bis hin zu Sammlungen und Kunstförderung.

Als Hispanist und Übersetzer trägt er dazu bei, spanische Literatur (Romanzen, Drama) im deutschen Sprachraum zu popularisieren. Gleichzeitig steht er mit seinen kunst- und literaturhistorischen Arbeiten für eine Wissensform, die gelehrt wirkt, aber ausdrücklich auf Lesbarkeit und kulturelle Orientierung zielt.

3. Themen und Motive

  • Vermittlung fremder Literaturen: Spanien als Leitkulturraum seiner Übersetzungs- und Studienarbeit.
  • Kunst als Kulturaufgabe: Sammeln, Fördern, Kanonisieren – Kunst wird als öffentliches Gut gedacht.
  • Reise und Anschauung: Kulturgeschichte aus unmittelbarer Erfahrung von Orten, Museen und Archiven.
  • Geschichte der „Stile“: Literatur- und Kunstgeschichte als Erzählung von Formen, Epochen, Traditionen.
  • Orientbilder und Alterität: sprachliche und thematische Öffnungen in Richtung arabischer/persischer Horizonte.

4. Sprachliche und formale Eigenart

Schacks literarische Sprache ist häufig durch eine klassisch-romantische Bildungstradition geprägt: anschauliche Narration, ein Hang zur formalen Geschlossenheit, dazu die Bereitschaft, komplexe Stoffe in lesbaren, bisweilen eleganten Überblick zu überführen. In den Übersetzungen steht das Problem der Balance im Zentrum: Texttreue, metrische und rhetorische Angemessenheit, zugleich ein deutscher Ton, der die Vorlagen im Zielraum resonanzfähig macht. Auch dort, wo er gelehrt argumentiert, ist die Schreibhaltung weniger „akademisch-abweisend“ als kulturpädagogisch.

5. Bedeutung und Nachwirkung

Schacks nachhaltigste Wirkung entfaltet sich auf zwei Ebenen. Erstens institutionell über die Schack-Sammlung, die München einen bis heute eigenständigen Blick auf die Malerei des 19. Jahrhunderts sichert. Zweitens literarisch-kulturgeschichtlich als Teil jener Übersetzungs- und Vermittlungsgeschichte, durch die spanische Stoffe und Formen in der deutschen Literatur- und Theaterlandschaft präsenter werden. Seine eigenen Werke – Lyrik, Versromane, Dramen, kulturhistorische Studien – sind heute stärker Gegenstand fachgeschichtlicher Lektüre als populärer Rezeption, bleiben aber als Dokumente einer umfassenden Bildungs- und Kulturpraxis des 19. Jahrhunderts hoch aussagekräftig.

Zur schnellen Orientierung eine kleine Auswahl von Werkfeldern:

  • Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sicilien (kunst- und kulturhistorische Studie)
  • Ein halbes Jahrhundert (Autobiografie: Erinnerungen und Aufzeichnungen)
  • Gedichte, Versromane und Dramen (u. a. Durch alle Wetter, Der Kaiserbote, Heliodor)
  • Übersetzungen und Nachdichtungen aus der spanischen Literatur

6. Schack im Lyrik Atlas

Im Lyrik Atlas ist Schack besonders dann ergiebig, wenn man Autorschaft nicht nur als „Textproduktion“, sondern als Kulturfunktion liest. Drei Analyseachsen bieten sich an: Erstens die Übersetzung als Poetik der Vermittlung (wie wird Fremdheit formbar gemacht, ohne nivelliert zu werden?). Zweitens das Zusammenspiel von Literatur und Kunstgeschichte (wie schreibt man über Bilder, wie organisiert man Geschmack, wie entsteht ein Kanon?). Drittens die Rolle Münchens als Kulturraum, in dem Schack nicht nur publiziert, sondern das Verhältnis von Autor, Mäzen und Öffentlichkeit praktisch modelliert.


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