Ewald Christian von Kleist – historisches Porträt
Ewald Christian von Kleist, Dichter der Empfindsamkeit.

Ewald Christian von Kleist (1715–1759) steht an der Schwelle zwischen spätem Barock und Empfindsamkeit. Als preußischer Offizier lebte er in militärischen Zusammenhängen, zugleich aber entwickelte er eine lyrische Stimme von hoher Sensibilität, die vor allem in Natur- und Reflexionsgedichten deutlich wird. Sein bekanntestes Werk ist das Langgedicht Der Frühling, das die poetische Naturbetrachtung mit religiöser Weltdeutung verbindet.

Kleist gehört damit zu jener Generation, die die strenge barocke Rhetorik hinter sich lässt und einer neuen Form von Innerlichkeit den Weg bereitet — ohne die formale Disziplin ganz aufzugeben. Sein Werk bezeugt eindrücklich, wie literarische Sensibilität und soldatische Existenz in einer Person zusammentreffen können.

  1. 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
  2. 2. Literarisch-historische Einordnung
  3. 3. Themen und Motive
  4. 4. Sprachliche und formale Eigenart
  5. 5. Bedeutung und Nachwirkung
  6. 6. Ewald Christian von Kleist im Lyrik Atlas

1. Biographische und kulturelle Ausgangslage

Geboren im pommerschen Zeblin, tritt Kleist in preußische Militärdienste und nimmt am Siebenjährigen Krieg teil. Seine schwere Verwundung in der Schlacht bei Kunersdorf 1759 führt schließlich zu seinem Tod. Trotz des militärischen Rahmens steht sein Schreiben ganz im Zeichen einer empfindsamen Natur- und Selbstwahrnehmung.

2. Literarisch-historische Einordnung

Kleist zählt zu den wichtigsten Vertretern der Empfindsamkeit. Seine Dichtung verbindet barocke Metaphorik mit einer subjektorientierten Gefühls- und Naturwahrnehmung, die bereits auf Klopstock und spätere Autoren der Aufklärung vorausweist.

3. Themen und Motive

  • Religiös aufgeladene Naturbetrachtung
  • Vergänglichkeit und Todesnähe
  • Innere Sammlung und Selbstreflexion
  • Pflicht, Tugend und Lebensführung

4. Sprachliche und formale Eigenart

Kleist bevorzugt klare, bildkräftige Sprache, die pathetische Erhöhung und gefühlsbetonte Innigkeit miteinander verbindet. Seine Verse sind formal durchgebildet und zugleich auf emotionale Unmittelbarkeit angelegt.

5. Bedeutung und Nachwirkung

Sein Gedicht Der Frühling wurde zu einem Schlüsseltext der deutschen Naturlyrik im 18. Jahrhundert. Kleist beeinflusste die empfindsame Dichtung nachhaltig und bleibt ein Beispiel für die Verbindung von militärischer Lebenspraxis und poetischer Innerlichkeit.

6. Ewald Christian von Kleist im Lyrik Atlas

Im Lyrik Atlas erscheint Kleist als Dichter einer religiös und moralisch grundierten Naturpoetik, die die Übergangszeit zwischen Barock, Aufklärung und Empfindsamkeit exemplarisch sichtbar macht.