Hugo von Hofmannsthal
Lyriker, Dramatiker und Sprachkritiker der Wiener Moderne (1874–1929)
Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Wiener Moderne. Früh als lyrisches Wunderkind gefeiert, entwickelt er sich zu einem vielseitigen Schriftsteller: Dramatiker, Erzähler, Essayist und Librettist, der in enger Zusammenarbeit mit Richard Strauss die Oper des frühen 20. Jahrhunderts entscheidend prägt.
Sein Werk ist durchzogen von einer ausgeprägten Sprachreflexion: Immer wieder thematisiert Hofmannsthal die Brüchigkeit, Mehrdeutigkeit und begrenzte Tragfähigkeit sprachlicher Ausdrucksformen. Berühmt wird dies im sogenannten Chandos-Brief, der zu einem Schlüsseldokument moderner Sprachskepsis geworden ist.
- 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
- 2. Literarisch-historische Einordnung
- 3. Themen und Motive
- 4. Sprachliche und formale Eigenart
- 5. Bedeutung und Nachwirkung
- 6. Hofmannsthal im Lyrik Atlas
1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
Geboren in Wien in eine bürgerliche, kultivierte Umgebung hinein, steht Hofmannsthal von Beginn an im geistigen Klima der Jahrhundertwende: Ästhetizismus, Psychoanalyse, Philosophie, Kunst und Musik formen den Horizont seiner Dichtung.
2. Literarisch-historische Einordnung
Hofmannsthal ist eine Schlüsselfigur der Wiener Moderne. Seine frühen Gedichte zeigen symbolistische Züge: Stimmungen, Andeutungen und feinste innere Regungen treten an die Stelle eindeutiger Aussagen. Später gewinnt die dramatische Form an Bedeutung, von mythologisch aufgeladenen Stücken bis zu bürgerlich-psychologischen Dramen.
3. Themen und Motive
- Identität, Rolle und Maskenspiel
- Sprachskepsis und Wirklichkeitsverlust
- Schuld, Verfehlung und geistige Läuterung
- Tradition, Kultur und geistige Kontinuität
4. Sprachliche und formale Eigenart
Die Lyrik Hofmannsthals ist von hoher Musikalität und formaler Feinheit geprägt. Gleichzeitig entsteht ein Spannungsfeld zwischen ästhetischem Formwillen und dem Gefühl, dass Worte das Innerste nie vollständig fassen können. Diese Spannung macht seine Texte besonders charakteristisch für die Moderne.
5. Bedeutung und Nachwirkung
Neben seinem dramatischen und lyrischen Werk prägt Hofmannsthal die Opernbühne nachhaltig, vor allem als Librettist für Richard Strauss (Der Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos, Elektra). Mit der Gründung der Salzburger Festspiele wird er zu einer Schlüsselgestalt europäischer Kulturgeschichte.
6. Hofmannsthal im Lyrik Atlas
Im Lyrik Atlas stehen jene Texte im Mittelpunkt, in denen sich Sprachskepsis, symbolistische Bildlichkeit und existentielle Selbstbefragung besonders deutlich verdichten — vor allem die Lyrik der frühen und mittleren Schaffenszeit.
Orientierende Werkfelder:
- Symbolistische und musikalisch geprägte Lyrik
- Dramen der Wiener Moderne
- Librette für Richard Strauss
- Poetologische und essayistische Schriften