Catharina Regina von Greiffenberg – historische Darstellung
Catharina Regina von Greiffenberg, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Mystikerinnen des 17. Jahrhunderts.

Catharina Regina von Greiffenberg (1633–1694) zählt zu den herausragenden Stimmen geistlicher Lyrik im deutschen Barock. Ihre Dichtung verbindet innere Frömmigkeit, mystische Welterfahrung und hochkomplexe Metaphorik. Durch die poetische Verdichtung religiöser Erfahrung entsteht eine sprachlich kühne und existenziell aufgeladene Form der Gottesrede, die zugleich zutiefst persönlich und theologisch reflektiert ist.

Ihre Texte stehen damit exemplarisch für jene barocke Spiritualität, die zwischen Bedrohung, Vergänglichkeit und metaphysischem Ernst eine intensive Innerlichkeit entwickelt. Die dichterische Sprache wird zur Form des Gebets, der Selbstprüfung und der mystischen Annäherung an Gott.

  1. 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
  2. 2. Literarisch-historische Einordnung
  3. 3. Themen und Motive
  4. 4. Sprachliche und formale Eigenart
  5. 5. Bedeutung und Nachwirkung
  6. 6. Greiffenberg im Lyrik Atlas

1. Biographische und kulturelle Ausgangslage

Greiffenberg stammt aus dem österreichischen Adel und wächst in einer Zeit politischer und religiöser Spannungen auf. Persönliche Verluste, Krankheit und die Bedrohungen des Konfessionellen Zeitalters prägen ihre Frömmigkeit und ihre Texte. Ihre Ehe mit dem Theologen Hans Rudolf von Künßberg führt sie nach Nürnberg, wo sie in einem protestantischen Umfeld wirkt.

2. Literarisch-historische Einordnung

Sie steht in der Tradition der barocken Emblematik, Meditationstradition und Mystik und kann zugleich als frühe Zeugin jener Innerlichkeitsfrömmigkeit gelten, die später in pietistischen Formen fortlebt. Ihre Lyrik ist theologisch informiert, gleichzeitig aber auch radikal subjektiv.

3. Themen und Motive

  • Unio mystica – die Vereinigung mit Gott
  • Vergänglichkeit und Todesbewusstsein
  • Sünden- und Gewissensreflexion
  • Ergriffenheit, Demut und Hingabe
  • Schöpfung und Kosmos als Gotteszeichen

4. Sprachliche und formale Eigenart

Die Sprache ist reich an Bildern, Metaphern, Oxymora und kühnen gedanklichen Verknüpfungen. Barocktypische Dichte, allegorische Strukturen und rhetorische Kunstmittel dienen nicht bloßer Zierde, sondern sind Ausdruck innerer Ergriffenheit. Die Gedichte entfalten eine metaphysisch aufgeladene Bildwelt, die die Grenzen des Sagbaren berührt.

5. Bedeutung und Nachwirkung

Greiffenberg gilt heute als eine der wichtigsten Frauenstimmen der deutschsprachigen Barockliteratur. Ihre Texte dokumentieren, wie komplex und eigenständig weibliche Spiritualität im 17. Jahrhundert formuliert sein kann – jenseits bloßer Frömmigkeitsklischees. In der neueren Literaturwissenschaft ist ihr Werk intensiv neu gelesen und theologisch wie poetologisch erschlossen worden.

6. Greiffenberg im Lyrik Atlas

Im Lyrik Atlas steht Greiffenberg als Schlüsselgestalt barocker Mystik und geistlicher Innerlichkeit. Besonderes Augenmerk gilt der spannungsreichen Verbindung von poetischer Kunstform, theologischer Reflexion und existenzieller Gottesnähe.

Orientierende Werkfelder:

  • Mystische und geistliche Lyrik
  • Barocke Emblematik und Meditation
  • Innerlichkeit und religiöse Subjektivität