Johann Christoph Gottsched – historisches Porträt
Johann Christoph Gottsched, die zentrale Normautorität der deutschen Aufklärungspoetik.

Johann Christoph Gottsched (1700–1766) ist die prägende normsetzende Instanz der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Als Professor in Leipzig, Publizist und Poetiktheoretiker verknüpft er französisch-klassizistische Regelpoetik mit einem aufgeklärten Ideal von Vernunft, Moral und sprachlicher Klarheit. Für mehrere Jahrzehnte ist Gottsched die Maßgröße, an der literarische Qualität gemessen wird – bewundert, angegriffen und stets im Zentrum literarischer Debatten.

Er formt damit eine Literaturauffassung, in der Regel, Geschmack und moralische Nützlichkeit miteinander verschränkt sind. Dass spätere Generationen ihn polemisch übergehen oder karikieren, ändert nichts daran, dass ohne Gottsched die Entwicklung zur deutschen National- und Bildungsliteratur kaum denkbar wäre.

  1. 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
  2. 2. Literarisch-historische Einordnung
  3. 3. Themen und Motive
  4. 4. Sprachliche und formale Eigenart
  5. 5. Bedeutung und Nachwirkung
  6. 6. Gottsched im Lyrik Atlas

1. Biographische und kulturelle Ausgangslage

Gottsched wird in Ostpreußen geboren, wirkt aber bald in Leipzig als Professor, Kritiker und Publizist. Er baut ein weit verzweigtes Netzwerk auf, fördert Autorinnen und Autoren und prägt die literarische Öffentlichkeit über Zeitschriften, Poetikschriften und Theaterreformen. Leipzig wird dadurch zu einem Hauptort der deutschen Aufklärungskultur.

2. Literarisch-historische Einordnung

Sein Denken steht in der Tradition des französischen Klassizismus und der europäischen Aufklärung. Kunst soll vernünftig geordnet, moralisch nützlich und sprachlich korrekt sein. Gottscheds Einfluss reicht in die Dichtung, in die Rhetorik und vor allem in das Theater, wo er eine Reform gegen derbe, ungebundene Bühnenpraxis anstrebt.

3. Themen und Motive

  • Vernunft, Ordnung, Regel
  • Moralische Belehrung als legitime Aufgabe der Literatur
  • Sprachpflege und Normierung
  • Kritik und Kanonbildung als Kulturaufgaben

4. Sprachliche und formale Eigenart

Gottscheds eigenes dichterisches Werk folgt den Regeln der poetologischen Lehrtradition: Klarheit, Ordnung, rhetorische Durchgestaltung. Seine theoretischen Schriften definieren Maßstäbe und geben verbindliche Regeln für Stil, Versmaß und Gattungsordnung an. Die Dichtung soll verständlich, kontrolliert und vor allem lehrreich sein.

5. Bedeutung und Nachwirkung

Gottsched ist eine **Schlüsselgestalt der deutschen Aufklärung**. Spätere Dichter wie Lessing und die Klassiker positionieren sich teilweise gegen ihn – bleiben dabei aber an seinen Begriffen und Leitideen orientiert. So wird Gottsched zum notwendigen Vorgänger, an dem sich die Moderne abarbeitet.

6. Gottsched im Lyrik Atlas

Im Lyrik Atlas steht Gottsched vor allem als Theoretiker, Normautorität und Gestalter der literarischen Öffentlichkeit im Fokus. Seine poetologischen Positionen bilden den Hintergrund für zentrale Entwicklungen der deutschen Lyrik im 18. Jahrhundert.

Orientierende Werkfelder:

  • Poetik und Literaturtheorie
  • Kritik- und Zeitschriftenwesen
  • Bühnen- und Theaterreform
  • Aufklärerische Lyrik und Gelegenheitsdichtung