Johann Wilhelm Ludwig Gleim – historische Porträtdarstellung
Johann Wilhelm Ludwig Gleim, eine Schlüsselfigur der deutschen Aufklärung.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803) ist eine zentrale Gestalt der deutschen Aufklärungsliteratur. Als Dichter – besonders im Umfeld der Anakreontik – und als großzügiger Mäzen fördert er ein weitgespanntes Netzwerk von Autoren und Gelehrten. Sein Halberstädter Haus wird zu einem literarischen Zentrum, in dem Freundschaft, Austausch und wechselseitige Förderung programmatischen Charakter annehmen.

Gleims eigene Lyrik steht für heitere, gesellige, bisweilen galante Lebensfreude, ist aber zugleich sensibel für moralische und gesellschaftliche Fragen. In patriotisch gefärbten Texten, etwa zu preußischen Kriegsereignissen, verbindet sich Aufklärungspathos mit öffentlicher Rollengestaltung.

  1. 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
  2. 2. Literarisch-historische Einordnung
  3. 3. Themen und Motive
  4. 4. Sprachliche und formale Eigenart
  5. 5. Bedeutung und Nachwirkung
  6. 6. Gleim im Lyrik Atlas

1. Biographische und kulturelle Ausgangslage

Gleim wird 1719 in Ermsleben geboren und wirkt den größten Teil seines Lebens in Halberstadt. Als Domsekretär materiell abgesichert, nutzt er seine Stellung, um jüngere Schriftsteller – unter ihnen Bürger, Claudius, Voss und andere – zu unterstützen. Freundschaftskultur, Briefwechsel und gegenseitige Widmungstexte prägen sein Umfeld.

2. Literarisch-historische Einordnung

Er zählt zu den prägenden Vertretern der Anakreontik im deutschen Sprachraum: Liebes-, Freundschafts- und Geselligkeitslyrik stehen im Zentrum, getragen von einer Kultur der Maßhaltung, Heiterkeit und Empfindsamkeit. Gleichzeitig treten patriotische Oden und moralische Gedichte hinzu, die Gleim im Kontext preußischer Öffentlichkeit profilieren.

3. Themen und Motive

  • Freundschaft als literarische und soziale Praxis
  • Liebe, Geselligkeit, Lebenskunst
  • Patriotische und moralische Dichtung
  • Wertschätzung von Kunst und Poesie

4. Sprachliche und formale Eigenart

Gleims Sprache ist hell, zugänglich, oft liedhaft. Das Maß der Anakreontik – kunstvoll, aber nicht schwer – verbindet sich mit rhetorischer Klarheit und melodischer Leichtigkeit. Gleichzeitig können die patriotischen Oden einen deutlich öffentlich-repräsentativen Ton gewinnen.

5. Bedeutung und Nachwirkung

Gleim wirkt nicht nur als Autor, sondern als Netzwerker und Förderer. Sein berühmtes „Freundschaftstempel“-Projekt mit Porträtschriftstellern ist Ausdruck dieses Selbstverständnisses. Er bleibt eine Schlüsselfigur der deutschen Aufklärungskultur und ein wichtiger Vermittler zwischen Literatur, Öffentlichkeit und Institution.

6. Gleim im Lyrik Atlas

Im Lyrik Atlas steht Gleim als exemplarische Figur einer freundschafts- und geselligkeitsorientierten Aufklärungspoesie, deren ästhetische Leichtigkeit lebensweltlich ernst gemeint ist und deren moralischer Anspruch im Alltag verankert bleibt.

Orientierende Werkfelder:

  • Anakreontische Liebes- und Freundschaftslyrik
  • Patriotisch-öffentliche Oden
  • Gelegenheitspoesie und moralische Gedichte