Gerrit Engelke
Expressionistischer Lyriker (1890–1918)
Gerrit Engelke (1890–1918) zählt zu den markanten Stimmen der expressionistischen Lyrik. In seinen Gedichten verbinden sich Großstadterfahrung, moderne Arbeitswelt, Körperbewusstsein und eine stark rhythmisierte, bildkräftige Sprache. Engelke arbeitet als Handlungsgehilfe und später als Büroangestellter und steht damit biographisch wie poetisch im Spannungsfeld zwischen Alltagsrealität und ästhetischer Verdichtung.
Sein Werk ist schmal, aber hochkonzentriert, da Engelke im Ersten Weltkrieg an den Folgen einer Verwundung stirbt. Der abrupte Tod verleiht der Lyrik eine besondere historische Dichte: Sie ist Zeugnis einer Generation, die den Aufbruch in die Moderne, die Entfremdungserfahrung der Großstadt und die Zerstörung durch den Krieg in einer zugespitzten Weise erlebt.
- 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
- 2. Literarisch-historische Einordnung
- 3. Themen und Motive
- 4. Sprachliche und formale Eigenart
- 5. Bedeutung und Nachwirkung
- 6. Engelke im Lyrik Atlas
1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
Geboren in Hannover und früh auf sich gestellt, gehört Engelke zu jene n Autoren, deren dichterische Entwicklung parallel zur beruflichen Eingebundenheit in kaufmännische und technische Arbeitsfelder verläuft. Schreiben entsteht nicht im Schutzraum bürgerlicher Muße, sondern im Kontakt mit urbaner Realität und sozialer Mobilität.
2. Literarisch-historische Einordnung
Engelke ist Teil des Expressionismus – einer Literaturbewegung, die existentielle Krisenerfahrung, Sprachverdichtung und Wahrnehmungsschärfung verbindet. Sein Werk steht zugleich für eine Öffnung lyrischer Sprache hin zu Rhythmus, Dynamik, Körperlichkeit und moderner Dingwelt.
3. Themen und Motive
- Großstadt und Arbeit als Erfahrungsräume
- Körper, Bewegung, Energie
- Existenzielle Gefährdung und Hingabe an das Leben
- Krieg und Vergänglichkeit
4. Sprachliche und formale Eigenart
Charakteristisch sind kraftvolle Metaphern, stark rhythmisierte Satzbewegungen und eine emotionale Direktheit, die sich zugleich poetisch diszipliniert. Engelke arbeitet mit Wiederholung, Steigerung und einer deutlichen Körper- und Bewegungssemantik.
5. Bedeutung und Nachwirkung
Trotz des schmalen Oeuvres gehört Engelke zu den wichtigen Vertretern der expressionistischen Lyrik. Seine Texte prägen das Bild einer modernen, vitalen und zugleich bedrohten Existenz und gehören damit zu den prägnanten Stimmen einer „verlorenen Generation“ des Ersten Weltkriegs.
6. Engelke im Lyrik Atlas
Im Lyrik Atlas wird Engelke vor allem unter dem Aspekt der Verbindung von Körpererfahrung, moderner Arbeitswelt und lyrischer Verdichtung erschlossen. Der Fokus liegt auf jenen Texten, in denen sich Dynamik, Energie, Lebensbejahung und existenzielle Gefahr in dichterischer Form bündeln.
Orientierende Werkfelder:
- Expressionistische Lyrik
- Prosa- und Briefzeugnisse