Barthold Heinrich Brockes
Barockdichter · Naturbeobachter · Bürgerlicher Moralautor (1680–1747)
Barthold Heinrich Brockes (1680–1747) ist einer der maßgeblichen deutschen Dichter an der Schwelle von Barock und Frühaufklärung. Als Hamburger Ratsherr, engagierter Bürger und zugleich poetisch hoch produktiver Autor verbindet er religiöse Innerlichkeit, moralische Reflexion und eine ungewöhnlich genaue Naturbeobachtung. Seine Texte wollen das Staunen über die Schöpfung erwecken und zugleich zur sittlichen Selbstprüfung anhalten.
Berühmt ist Brockes vor allem durch die weitläufige Gedichtsammlung Irdisches Vergnügen in Gott, in der Naturerscheinungen – Tiere, Pflanzen, Landschaften, Wetter, Elemente – in minutiöser Detailfreude beschrieben und theologisch gedeutet werden. Diese Verbindung von Empirie, Frömmigkeit und poetischer Form macht ihn zu einem wichtigen Vorläufer aufklärerischer Naturlyrik.
- 1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
- 2. Literarisch-historische Einordnung
- 3. Themen und Motive
- 4. Sprachliche und formale Eigenart
- 5. Bedeutung und Nachwirkung
- 6. Barthold Heinrich Brockes im Lyrik Atlas
1. Biographische und kulturelle Ausgangslage
Brockes stammt aus einer angesehenen Hamburger Kaufmannsfamilie, studiert in Halle, Jena und Leiden, reist durch Europa und kehrt schließlich in seine Heimatstadt zurück, wo er als Ratsherr und Diplomat tätig ist. Sein Schreiben steht damit nicht im Zeichen des Gelehrten- oder Hofdichters, sondern einer gebildeten, bürgerlichen Frömmigkeits- und Moralkultur.
2. Literarisch-historische Einordnung
Literaturgeschichtlich steht Brockes zwischen Spätbarock und Frühaufklärung. Von der barocken Tradition übernimmt er die starke religiöse und moralische Grundierung, von der aufklärerischen Entwicklung hingegen die Wertschätzung empirischer Wahrnehmung und vernünftiger Ordnungsvorstellungen. Seine Dichtung ist damit ein Übergangsphänomen: feierlich und lehrhaft, aber zugleich von nüchterner Naturbeobachtung getragen.
3. Themen und Motive
- Schöpfung und Natur: Detailreiche, oft staunende Beschreibung der Welt als Spiegel göttlicher Weisheit.
- Frömmigkeit und Moral: Dichtung als Medium sittlicher Erziehung und religiöser Erweckung.
- Vergänglichkeit und Dankbarkeit: Fortführung barocker Lebens- und Todesreflexion mit aufklärerischem Ton.
4. Sprachliche und formale Eigenart
Brockes schreibt in einer ausgreifenden, bisweilen weitschweifigen poetischen Diktion. Typisch ist sein Bestreben, Naturphänomene möglichst genau und konkret zu benennen: neue Wortbildungen, Vergleiche und Metaphern werden genutzt, um Wahrnehmung sprachlich zu sichern. Diese „poetische Empirie“ unterscheidet ihn von rein allegorisch-barocken Naturdarstellungen.
5. Bedeutung und Nachwirkung
Brockes hat die Entwicklung der deutschen Naturlyrik entscheidend geprägt. Sein Einfluss reicht bis zu Klopstock und weiter in die Empfindsamkeit. Auch als Herausgeber und Vermittler ist er bedeutsam, da er ein Netzwerk literarischer Kommunikation in Norddeutschland pflegt und die bürgerliche Literaturkultur seiner Zeit mitgestaltet.
6. Barthold Heinrich Brockes im Lyrik Atlas
Im Lyrik Atlas interessieren vor allem jene Texte, in denen sich minutiöse Naturbeschreibung, religiöse Deutung und poetische Form zu einer eigenen Ästhetik verbinden. Sie markieren einen Übergang von barocker Symbolsprache zu einer stärker wahrnehmungsorientierten Lyrik des 18. Jahrhunderts.
Analysen auf wilgoe.de:
- Analysen zu ausgewählten Gedichten aus Irdisches Vergnügen in Gott sind in Vorbereitung.
Auswahl zentraler Werkfelder (orientierend):
- Irdisches Vergnügen in Gott (mehrbändige Gedichtsammlung zur Naturtheologie)
- Geistliche Dichtung und Passionslyrik
- Bürgerliche Gelegenheits- und Morallyrik