Meta

Autor: Homer

Werk: Odyssee

Umfang: 24 Bücher

Form: Epos in daktylischen Hexametern

Sprache: altgriechische Epensprache

Datierung: archaisches Griechenland; traditionelle Zuschreibung an Homer

Thematischer Kern: Heimkehr, Fremde, Listenklugheit, Gastfreundschaft, göttliche Lenkung, Wiederherstellung von Ordnung

Deutsche Fassungen auf dieser Seite:
1. wörtliche Annäherung an den Proömiumsbeginn
2. poetisch verdichtete Prosaerzählung des Auftakts

Seite: Stand 2026-03-06

I. Situierung und Struktur des Werks

Die Odyssee ist kein bloßes Fortsetzungsepos zur Ilias, sondern ein eigenständig geformtes Werk mit eigener Spannungsarchitektur. Zwar liegt der Trojanische Krieg hinter den Figuren, doch das Epos setzt nicht beim heroischen Schlachtfeld, sondern bei den Nachwirkungen des Krieges an: bei der Zerstreuung der Gefährten, bei der verzögerten Heimkehr des Helden und bei der Krise des Hauses auf Ithaka. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von kriegerischer Ruhmestat auf Bewährung im langen Danach.

Strukturell ist das Werk hochgradig kunstvoll gebaut. Die ersten Bücher führen mit der sogenannten Telemachie zunächst nach Ithaka und in die Entwicklung des Sohnes ein, bevor Odysseus selbst in größerer Anschaulichkeit auftritt. Erst danach kommt es zu den Phaiaken, wo Odysseus seine eigenen Abenteuer erzählt. Das Epos verbindet also lineare Erzählung mit großer Rückblende und verzögert den eigentlichen Heldenauftritt zugunsten einer komplexen Erwartungsdramaturgie. Heimkehr erscheint dadurch nicht als einfache Bewegung von A nach B, sondern als narrative Rekonstruktion eines zerstückelten Weges.

Die Binnenform lässt sich als Dreischritt lesen: Krise des Hauses, Selbsterzählung der Irrfahrten, Wiedereroberung der Ordnung. Gerade diese Dreiteilung macht den epischen Bauplan sichtbar. Die Odyssee will nicht nur Abenteuer sammeln, sondern zeigen, wie Erzählung selbst zur Voraussetzung der Heimkehr wird. Odysseus kehrt nicht einfach zurück; er muss erzählen, erkannt werden, sich verbergen, prüfen und handeln. Das Werk macht daraus eine umfassende Poetik der Rückgewinnung.

II. Erzählinstanz und Perspektive

Die Erzählstimme der Odyssee ist äußerlich episch-distanziert, zugleich aber in hohem Maß perspektivisch beweglich. Der Erzähler kann großräumig über Götterversammlung, Ithaka, Ogygia, Scheria und die Unterwelt verfügen; dennoch entstehen immer wieder Zonen innerer Nähe, in denen Gefühle, Erwartungen und taktische Überlegungen der Figuren präzise herausgearbeitet werden. Besonders wichtig ist, dass das Epos mehrfach zwischen auktorialem Erzählen und intradiegetischer Selbsterzählung wechselt.

In den Phaiakenbüchern wird Odysseus selbst zum Erzähler seiner Irrfahrten. Diese Konstellation ist poetologisch entscheidend. Der Held ist nicht nur derjenige, der handelt, sondern auch derjenige, der sein eigenes Erleben ordnet, gewichtet und sprachlich verfügbar macht. Die Odyssee reflektiert damit die Macht des Erzählens innerhalb des Erzählten. Ruhm, Erinnerung und Identität hängen nicht nur vom Geschehen ab, sondern ebenso von seiner sprachlichen Form.

Hinzu kommt eine fein gesteuerte Wissensverteilung. Der Leser weiß an vielen Stellen mehr als einzelne Figuren, etwa wenn Odysseus unerkannt auf Ithaka erscheint oder in Bettlergestalt in den Palast eintritt. Daraus entsteht eine Spannung, die nicht auf dem Ausgang, sondern auf dem Zeitpunkt der Enthüllung beruht. Die Perspektivführung macht das Epos daher zu einem Werk des gestaffelten Wissens und der kontrollierten Offenbarung.

III. Raum, Ort und Ordnung

Die Räume der Odyssee sind niemals bloße Kulissen. Jede Insel, jede Küste und jeder Innenraum trägt eine eigene ethische und anthropologische Signatur. Ithaka steht für gefährdete, aber wiederherstellbare Ordnung; Ogygia für verführerische Stillstellung; das Land der Phaiaken für gastliche Übergangszone; die Kyklopeninsel für gesetzlose Gewalt; das Haus des Aiolos für prekäre Begünstigung; die Unterwelt für die Verdichtung von Erinnerung, Schuld und Wissensgewinn.

Gerade im Wechsel zwischen Meer und Haus entfaltet das Werk seine Grundspannung. Das Meer ist Bewegungsraum des Ungewissen, des Zufalls und der göttlichen Zumutung. Das Haus dagegen ist Ort von Zugehörigkeit, Name, Rang und genealogischer Bindung. Doch auch das Haus ist nicht einfach sicher: Auf Ithaka ist die Ordnung innerlich unterhöhlt, weil die Freier die Grenze zwischen Gast und Parasiten überschritten haben. Heimkehr bedeutet deshalb nicht bloß Landgewinn, sondern die Wiederherstellung des Maßes im eigenen Raum.

Die Raumordnung ist außerdem Schwellenordnung. Höhlen, Ufer, Säle, Schlafräume und Tore sind Zonen des Übergangs, an denen sich Erkenntnis und Gefahr verdichten. Besonders eindrucksvoll ist, dass viele entscheidende Szenen an Grenzorten stattfinden: die Begegnung mit Nausikaa am Ufer, die erste Landung auf Ithaka im Schlaf, das Betreten des Palastes in Verkleidung, die Bogenprobe als Raum der Entscheidung. Der epische Raum ist damit ein Medium der Prüfung.

IV. Figuren und Begegnungen

Odysseus ist die unbestrittene Zentralfigur, aber die Odyssee lebt von einem dichten Netz komplementärer Gestalten. Telemach ist nicht bloß Sohn, sondern eine Figur der nachreifenden Selbstfindung. Penelope ist nicht nur wartende Gattin, sondern eine intellektuell und affektiv hochkomplexe Figur der Prüfung, der Verzögerung und der souveränen Selbstbeherrschung. Athena fungiert als göttliche Förderin, die Schutz, Klugheit und strategische Lenkung verbindet. Eumaios, Eurykleia und andere Nebenfiguren stabilisieren die Werteordnung des Hauses durch Treue, Erinnerung und situative Klarsicht.

Demgegenüber stehen die Freier als Kollektiv der Maßlosigkeit. Ihre Funktion erschöpft sich nicht in persönlicher Rivalität; sie verkörpern vielmehr eine soziale und rituelle Entgrenzung. Sie konsumieren fremdes Gut, verkehren Gastrecht in Übergriff und setzen die Zeit der Abwesenheit in eine Zeit der Ausbeutung um. Dadurch wird verständlich, weshalb ihre Beseitigung im Epos nicht als privater Racheakt, sondern als Wiederherstellung verletzter Ordnung erscheint.

Auch die episodischen Begegnungsfiguren sind semantisch hochgeladen. Polyphem, Kirke, Kalypso, Nausikaa, Alkinoos, Arete, Tiresias oder die Sirenen sind keine austauschbaren Stationen, sondern je eigene Modelle menschlicher, übermenschlicher oder gegenmenschlicher Möglichkeiten. Jede Begegnung zwingt Odysseus dazu, eine andere Qualität zu aktivieren: List, Selbstbeherrschung, Geduld, Höflichkeit, Schweigen, Rede, Gewalt oder Verzicht.

V. Dialoge und Redeformen

Die Odyssee ist in hohem Maß ein Werk der Rede. Bitten, Befragungen, Erzählungen, Täuschungsreden, Erkennungsgespräche und Ratsszenen strukturieren den Fortgang des Epos ebenso sehr wie äußere Handlung. Besonders charakteristisch ist die Doppelwertigkeit vieler Äußerungen: Was gesagt wird, erfüllt oft zugleich eine manifeste und eine verdeckte Funktion. Odysseus spricht selten naiv; seine Worte prüfen Situationen, verschaffen Zeit oder verschieben Machtverhältnisse.

Die Gastmahlszene ist dabei eine zentrale Redeform. Wer ist man, woher kommt man, was hat man erlebt: Solche Fragen sind rituell eingebettet und zugleich narrativ hochproduktiv. Die eigene Geschichte muss im richtigen Moment und in der richtigen Form erzählt werden. Zu frühe Enthüllung wäre gefährlich, zu spätes Schweigen könnte Zugehörigkeit verhindern. Das Werk macht daher deutlich, dass Rede eine Form praktischer Klugheit ist.

Neben der offenen Rede steht die verdeckte Rede. Odysseus’ Lügengeschichten, Athena in Verkleidung, Penelopes tastende Fragen und die verhüllte Kommunikation vor dem Freiermord zeigen, dass Wahrheit in der Odyssee oft nicht als sofortige Transparenz, sondern als zeitlich gesteuerte Enthüllung erscheint. Sprache ist Mittel der Erkenntnis, aber ebenso Mittel der Tarnung.

VI. Moralische und ethische Dimension

Im Zentrum der ethischen Ordnung stehen Maß, Treue, Gastfreundschaft und Respekt vor Grenzen. Gastfreundschaft ist dabei keine bloße Höflichkeitsnorm, sondern eine Grundfigur zivilisierter Welt. Wer den Fremden achtet, anerkennt eine überindividuelle Ordnung; wer ihn verletzt oder das Gastrecht missbraucht, stellt sich gegen diese Ordnung. Deshalb markiert das Epos immer wieder, ob eine Begegnung von xenia, also geregelter Gastlichkeit, getragen ist oder nicht.

Die Odyssee denkt Ethik jedoch nicht eindimensional. Odysseus ist keine makellose Tugendfigur. Er ist listig, mitunter grausam, stolz und in manchen Situationen selbst mitverantwortlich für Verzögerungen oder Verluste. Gerade dadurch gewinnt das Werk an Tiefe. Es zeigt nicht den perfekten Menschen, sondern einen Helden, dessen Überleben und Heimkehr auf einer Mischung aus Klugheit, Fehlbarkeit, Lernfähigkeit und göttlicher Hilfe beruhen.

Auch das Verhältnis von Gerechtigkeit und Gewalt bleibt spannungsvoll. Die Tötung der Freier wird als notwendige Reinigung des Hauses präsentiert, ist aber zugleich eine extreme Szene der Vergeltung. Das Epos insistiert darauf, dass verletzte Ordnung nicht folgenlos bleibt; zugleich zeigt es, wie nahe Recht und Blutvergießen einander in vormodernen Ehr- und Herrschaftskulturen kommen können.

VII. Götterordnung und Schicksal

Die Götterwelt der Odyssee ist kein fernes metaphysisches Jenseits, sondern greift fortwährend in die menschliche Sphäre ein. Zeus, Athena, Poseidon, Hermes und andere Gottheiten beeinflussen Wege, Winde, Rettungen und Verzögerungen. Dennoch löscht göttliche Lenkung die menschliche Verantwortung nicht aus. Das Werk hält vielmehr ein Spannungsverhältnis zwischen Schicksal, göttlichem Willen und menschlicher Entscheidung offen.

Athena ist dabei die markanteste göttliche Figur. Sie schützt Odysseus und Telemach, doch sie ersetzt deren Handeln nicht. Ihre Unterstützung aktiviert menschliche Klugheit, Tarnung und Entschlusskraft. Poseidon hingegen steht für die zähe Nachwirkung verletzter göttlicher Macht. Weil Odysseus Polyphem blendet, zieht sich die Heimkehr in die Länge. Das Epos macht so sichtbar, dass Handlung Folgen erzeugt, die in kosmische Ordnungen hineinreichen.

Von großer Bedeutung ist, dass die göttliche Ordnung nicht als moralisch vollkommen durchsichtig erscheint. Sie ist personal, konflikthaft und manchmal asymmetrisch. Gerade dadurch bleibt die Menschenwelt ein Raum der Unsicherheit. Die Odyssee vertritt kein einfaches Determinismusmodell, sondern eine Welt, in der der Mensch unter höheren Mächten steht und dennoch auf Klugheit, Erinnerung und Haltung angewiesen bleibt.

VIII. Symbolik und Leitmotive

Zentrale Leitmotive des Epos sind Meer, Haus, Bett, Bogen, Name, Kleidung und Erkennung. Das Meer symbolisiert nicht nur geographische Weite, sondern die Instabilität menschlicher Existenz. Das Haus steht für Zugehörigkeit, genealogische Kontinuität und bedrohte Ordnung. Besonders stark ist die Symbolik des Ehebetts, das im lebenden Olivenbaum verankert ist: Es verkörpert Unverrückbarkeit, Verwurzelung und die Wahrheit der gemeinsamen Geschichte.

Der Bogen fungiert als Zeichen legitimer Identität und königlicher Rückkehr. Nur der wahre Hausherr kann ihn spannen und die Probe erfüllen. Damit wird ein Gegenstand zum Medium der Offenbarung. Ebenso wichtig ist der Name. Odysseus’ berühmtes Spiel mit dem Namen gegenüber Polyphem zeigt, dass Identität im Epos nicht statisch ist, sondern situativ verborgen, ausgesetzt oder wieder beansprucht werden kann.

Auch Kleidung und Verwandlung gehören in diese Symbolik. Verkleidung ist nicht bloß Täuschung, sondern eine Prüfung der Oberfläche. Wer erkennt den Heimkehrer jenseits des äußeren Scheins? Die Odyssee macht aus solchen Motiven ein dichtes Netz von Wiederholungen, in dem Gegenstände und Gesten semantische Tiefe gewinnen.

IX. Emotionen und Affekte

Affektive Bewegungen sind für die Odyssee konstitutiv. Sehnsucht, Trauer, Furcht, Scham, Zorn, Hoffnung und Erleichterung strukturieren den Text auf fast jeder Ebene. Odysseus ist nicht der unerschütterliche Held, sondern weint mehrfach, erinnert sich unter Schmerzen, schwankt zwischen Offenbarung und Selbstbeherrschung. Gerade diese emotionale Durchlässigkeit unterscheidet die Odyssee deutlich von einem rein martialischen Heroenepos.

Penelope verkörpert eine andere Affektordnung. Ihre Trauer ist mit Klugheit verschränkt, ihre Hoffnung mit Skepsis, ihre Liebe mit Prüfung. Sie glaubt nicht vorschnell, sondern hält Distanz, bis ein untrügliches Zeichen die Wahrheit bestätigt. Dadurch wird Affekt nicht als unmittelbare Entladung, sondern als kontrollierte innere Arbeit dargestellt.

Auch Telemachs Entwicklung ist affektiv bestimmt. Aus Ohnmacht, Beschämung und Unsicherheit wächst er langsam in eine Haltung hinein, die sprachliche und soziale Autorität gewinnt. Das Epos zeigt damit unterschiedliche Weisen des Fühlens: die weinende Erinnerung des Heimkehrers, die prüfende Beharrlichkeit der Gattin, den tastenden Mut des Sohnes und den maßlosen Affekthaushalt der Freier.

X. Sprache und Stil

Stilistisch ist die Odyssee durch Formelhaftigkeit, Wiederholung, epische Gleichnisse, feste Epitheta und rhythmische Periodik geprägt. Diese Züge sind nicht als bloße Redundanz zu verstehen, sondern als poetische Technik einer traditionsgebundenen, auf Mündlichkeit bezogenen Ependichtung. Wiederkehrende Wendungen stabilisieren Erinnerung, Typisierung und Klangordnung.

Zugleich besitzt das Werk eine bemerkenswerte Variationskunst. Identische oder ähnliche Formeln erscheinen in veränderten Kontexten und gewinnen dort neue Färbung. Gerade dadurch entsteht ein Spiel zwischen Bekanntheit und Differenz. Die Sprache der Odyssee ist also traditionell und beweglich zugleich.

Auffällig ist ferner die Balance von Anschaulichkeit und strategischer Zurückhaltung. Gewaltszenen können scharf konturiert sein, während psychologische Zustände oft über Gesten, Vergleiche oder situative Reaktionen vermittelt werden. Die epische Rede lässt Raum für Deutung, ohne ihre Figuren psychologisch modern auszubuchstabieren. Daraus resultiert die eigentümliche Klarheit und Offenheit des homerischen Stils.

XI. Intertextualität und Tradition

Die Odyssee steht in enger Spannung zur Ilias. Beide Epen teilen Figuren, Vorgeschichte und heroischen Horizont, doch sie setzen unterschiedliche Akzente. Während die Ilias stärker auf Zorn, Ruhm und Schlacht konzentriert ist, rückt die Odyssee List, Heimkehr, Erzählung und soziale Reintegration in den Vordergrund. Dadurch entsteht eine grundlegende Polarität innerhalb der homerischen Tradition.

Darüber hinaus wurde die Odyssee zu einem der wirkmächtigsten Modelltexte der Weltliteratur. Reiseepik, Heimkehrnarrative, Schelmenklugheit, Schiffbrucherzählung, Unterweltsfahrt, Versuchungslandschaft und Erkennungsszene werden in späteren Literaturen immer wieder auf homerische Grundmuster zurückgeführt oder gegen sie profiliert. Das Werk ist deshalb nicht nur ein Text der Tradition, sondern ein Generator von Tradition.

Poetologisch bedeutsam ist auch die Nähe zu Lied, Erzählvortrag und Gedächtniskultur. Im Epos selbst treten Sängerfiguren auf, und ihre Präsenz reflektiert die eigene mediale Form. Die Odyssee enthält somit bereits ein Nachdenken über das Fortleben von Geschichten in Gesang und Erinnerung.

XII. Erkenntnis und Entwicklung des Odysseus

Odysseus entwickelt sich nicht im Sinn einer einfachen moralischen Läuterung, wohl aber in der Kunst der Selbstbegrenzung und Situationsdeutung. Der Held ist zu Beginn bereits listig und erfahrungsreich; dennoch muss er lernen, dass rohe Selbstbehauptung allein nicht genügt. Viele Gefahren entstehen dort, wo Grenze, Maß oder Schweigen missachtet werden. Die Irrfahrten sind deshalb auch eine Schule der Verzögerung.

Entscheidend ist, dass Erkenntnis in der Odyssee häufig an Verkleinerung gebunden ist. Der große Krieger von Troja kehrt nicht als sofort erkennbarer Sieger zurück, sondern als Schiffbrüchiger und Bettler. Erst in dieser reduzierten Gestalt gewinnt er die Möglichkeit, Situationen zu prüfen, Verbündete zu erkennen und den rechten Augenblick abzuwarten. Erkenntnis ist hier weniger triumphale Selbstentfaltung als kontrollierte Selbstzurücknahme.

Gleichzeitig bleibt Odysseus eine ambivalente Figur. Seine Lernbewegung hebt seine problematischen Seiten nicht auf. Das Werk idealisiert ihn nicht vollständig, sondern macht ihn gerade durch Widersprüchlichkeit interessant: Er ist klug und stolz, leidensfähig und gewaltbereit, sehnsüchtig und berechnend. Seine Entwicklung liegt daher vor allem in der besseren Abstimmung dieser Kräfte.

XIII. Zeitdimension

Die Zeitstruktur der Odyssee ist von Verzögerung, Rückblende und Wiederaufnahme geprägt. Der Stoff selbst setzt nach langer Abwesenheit ein und entfaltet früh das Gefühl, dass Heimkehr immer schon verspätet ist. Die eigentlichen Irrfahrten werden nicht chronologisch von Beginn an erzählt, sondern in später Rückschau nachgetragen. Dadurch verwandelt sich Vergangenheit in erzählte Gegenwart.

Diese zeitliche Konstruktion erzeugt mehrere Ebenen zugleich: die aktuelle Krise auf Ithaka, die mythische Vergangenheit der Irrfahrten und die antizipierte Zukunft der Wiederherstellung. Der Leser bewegt sich fortwährend zwischen diesen Zeitschichten. Das Epos zeigt damit, dass Heimkehr nur verstanden werden kann, wenn auch die verlorene Zeit sprachlich zurückgewonnen wird.

Zugleich ist die Odyssee von Rhythmen des Wartens bestimmt. Penelopes Hinauszögern, Telemachs Reifungszeit, Odysseus’ verborgene Anwesenheit auf Ithaka und die gestreckte Vorbereitung des Freiermords machen deutlich, dass epische Zeit nicht mit chronologischer Schnelligkeit identisch ist. Das Werk entfaltet seine Wahrheit im Aufschub.

XIV. Leserlenkung und Wirkung

Die Odyssee bindet ihre Leser nicht nur über Spannung, sondern über gestaffelte Erwartung. Weil der Ausgang im Groben bekannt sein kann, verlagert sich das Interesse auf die Frage des Wie: Wie wird Odysseus zurückkehren, wie wird er sich zu erkennen geben, wie wird Penelope reagieren, wann wird die Ordnung wiederhergestellt? Diese Form der Leserlenkung macht das Werk außerordentlich robust gegenüber Wiederlektüre.

Wesentlich ist ferner die emotionale Modulation. Auf Gefahr folgen Entlastung, auf Entlastung neue Gefährdung, auf Hoffnung erneute Verzögerung. Dadurch entsteht ein wellenförmiger Rhythmus, der dem Meer als Leitbild der Handlung entspricht. Der Leser erlebt das Werk als Abfolge von Prüfung und partiellem Aufatmen.

Schließlich steuert das Epos die Sympathien sehr gezielt. Gastliche Figuren werden in Wärme und Würde gezeigt, maßlose Figuren in grober Selbstüberschreitung. Dennoch bleibt genug Komplexität erhalten, um die Bewegungen des Textes nicht in bloße Schwarz-Weiß-Muster aufzulösen. Gerade die Mischung aus Klarheit und Ambivalenz erklärt die nachhaltige Wirkung des Epos.

XV. Gesamtfunktion des Epos

Die Gesamtfunktion der Odyssee lässt sich als poetische Darstellung einer gefährdeten und wiedergewinnbaren Ordnung beschreiben. Das Epos zeigt, wie ein Mensch nach Krieg, Verlust und Zerstreuung in den Zusammenhang von Haus, Herrschaft, Ehe und Generation zurückkehrt. Diese Rückkehr ist jedoch nur möglich, weil sie zuvor durch Fremde, Erzählung und Prüfung hindurchgegangen ist.

Damit verbindet das Werk individuelle Biographie mit sozialer und kosmischer Ordnung. Heimkehr ist persönlich, weil sie Odysseus betrifft; politisch, weil sie Ithaka stabilisiert; familial, weil sie Penelope und Telemach einschließt; religiös, weil sie unter göttlicher Lenkung steht; poetologisch, weil sie über Erzählen vollzogen wird. In dieser Vielschichtigkeit liegt die außerordentliche Dichte des Epos.

Die Odyssee erfüllt so zugleich Unterhaltungs-, Erinnerungs- und Ordnungsfunktion. Sie erzählt Abenteuer, bewahrt heroische Namen und reflektiert die Bedingungen eines gelingenden Lebens nach extremer Desintegration.

XVI. Wiederholbarkeit und Vergleich

Die Grundstruktur der Odyssee ist in ungewöhnlichem Maß wiederholbar. Ihre Motive lassen sich in ganz verschiedene Kontexte übertragen: in geistliche Pilgererzählungen, in höfische Aventüren, in bürgerliche Bildungsromane, in Exilnarrative und in moderne Bewusstseinsprosa. Immer wieder kehren dieselben Grundfragen zurück: Was heißt Heimkehr, wenn der Heimkehrende sich verändert hat? Wie wird Identität geprüft? Welche Rolle spielen Erinnerung, Name und Erzählung?

Besonders fruchtbar ist der Vergleich mit Texten, in denen der Weg nicht nur geographisch, sondern existentiell oder metaphysisch codiert ist. Dann erscheint die homerische Reise als Grundmodell einer Anthropologie des Unterwegsseins. Zugleich unterscheidet sich die Odyssee von vielen späteren Werken dadurch, dass sie das Ziel nicht in weltabgewandter Erlösung, sondern in der Wiedergewinnung einer konkreten Lebensordnung findet.

Auch innerhalb der antiken Epik bleibt das Werk singulär. Es verbindet heroisches Erbe mit häuslicher und narrativer Feinzeichnung in einer Weise, die weder rein kriegerisch noch rein idyllisch ist. Gerade diese Zwischenstellung macht seine Vergleichbarkeit produktiv.

XVII. Philosophische Dimension

Philosophisch gelesen reflektiert die Odyssee Grundfragen nach Identität, Endlichkeit, Klugheit und Maß. Der Mensch erscheint als Wesen, das nicht einfach durch Stärke, sondern durch orientierende Urteilskraft überlebt. Klugheit ist dabei keine abstrakte Theorie, sondern situatives Vermögen, das Wahrnehmung, Erinnerung, Selbstkontrolle und sprachliche Flexibilität verbindet.

Das Werk fragt außerdem nach dem Verhältnis von Bleiben und Werden. Heimkehr setzt voraus, dass es etwas Bleibendes gibt, zu dem man zurückkehren kann; zugleich ist der Rückkehrer nicht mehr derselbe wie beim Aufbruch. Die Odyssee denkt Identität deshalb nicht als starre Gleichheit, sondern als bewahrte Kontinuität durch Veränderung hindurch.

Schließlich enthält das Epos eine implizite Philosophie der Grenze. Maßlosigkeit zerstört, Vergessen entleert, ungebundene Begierde verwüstet den sozialen Raum. Demgegenüber bewähren sich Selbstbegrenzung, Geduld und Treue. Das Werk formuliert diese Einsichten nicht in Begriffen, sondern in erzählten Situationen.

XVIII. Politische und historische Ebene

Politisch ist die Odyssee ein Epos der bedrohten Herrschaft im kleinen Raum. Ithaka ist kein Weltreich, sondern eine verletzliche Inselordnung. Gerade deshalb erscheint die Krise des Hauses zugleich als Krise der politischen Mitte. Wenn der Hausherr fehlt, geraten Besitz, Rang, Nachfolge und Recht in Unordnung. Das Private und das Politische sind im homerischen Kosmos nicht sauber getrennt.

Historisch spiegelt das Werk keine einfache dokumentarische Wirklichkeit, sondern verdichtet unterschiedliche Schichten mythischer, gesellschaftlicher und erzähltradierter Erfahrung. Seefahrt, Adelsethos, Gastfreundschaft, Beutelogik, Herrschaftsformen und Hausordnung erscheinen in epischer Modellierung. Die Odyssee ist daher weniger Quelle für Einzelrealien als ein dichter Speicher kultureller Selbstdeutung.

Von besonderem Interesse ist, dass politische Legitimität nicht durch abstrakte Institution, sondern durch personale Bewährung vermittelt wird. Der rechtmäßige Herrscher muss zurückkehren, sich erkennen lassen und die entgrenzte Gewalt im eigenen Haus beenden. Politik erscheint so als Wiederherstellung verletzter Ordnung unter den Bedingungen persönlicher Präsenz.

XIX. Bild der Fremde, der Unterwelt und der Anderswelt

Die Odyssee entfaltet ein vielgestaltiges Bild der Anderswelt. Dazu gehören ferne Inseln, menschenferne Räume, monströse Gegenfiguren und die eigentliche Unterwelt. Diese Anderswelten sind nicht bloße Schauwerte, sondern Grenzräume, in denen die gewöhnlichen Regeln menschlichen Zusammenlebens verändert, aufgehoben oder übersteigert erscheinen.

Die Nekyia, also die Unterweltsfahrt, besitzt darin besonderes Gewicht. Sie macht sichtbar, dass Erkenntnis in der Odyssee nicht allein aus äußeren Erfahrungen stammt, sondern auch aus der Konfrontation mit den Toten, mit Schuldzusammenhängen und mit dem Wissen um die Grenzen des Lebens. Die Unterwelt ist kein erlösender Raum, sondern ein Ort ernüchternder Einsicht.

Zugleich sind auch andere Episoden Formen der Anderswelt. Die Sirenen versprechen totalisiertes Wissen, Kalypso suspendiert die Zeit, Kirke verschiebt die Grenze zwischen Mensch und Tier, Polyphem repräsentiert rohe Singularität ohne soziale Form. Die Fremde zeigt daher nicht einfach das Andere, sondern prüft, worin das Menschliche besteht.

XX. Schlussreflexion

Die Odyssee ist weit mehr als ein Abenteuerbuch der Antike. Sie entwirft eine umfassende Ordnung des Menschlichen zwischen Aufbruch und Rückkehr, Gefahr und Erzählen, List und Treue, Fremde und Haus. Ihre Größe liegt darin, dass sie elementare Erfahrungen in eine Form bringt, die zugleich anschaulich und auslegungsfähig bleibt.

Gerade die Verbindung von äußerer Handlung und innerer Struktur macht das Werk bis heute lesbar. Jede Episode trägt zur großen Frage bei, wie ein Leben nach Unterbrechung, Verlust und Versuchung wieder in eine tragfähige Ordnung finden kann. Heimkehr erscheint dabei weder als sentimentale Rückwendung noch als schlichter Sieg, sondern als schwer errungene, riskante und niemals ganz voraussetzungslose Wiedergewinnung von Welt.

Damit bleibt die Odyssee ein Grundtext nicht nur der antiken Epik, sondern der europäischen Selbstverständigung überhaupt: ein Werk über das Unterwegssein, das Erinnern, das Erzählen und die schwierige Kunst, am Ende wirklich anzukommen.

XXI. Buch-für-Buch-Übersicht

Bücher 1–4: Die sogenannte Telemachie eröffnet das Epos mit der Lage auf Ithaka. Athena ermutigt Telemach, sich gegen die Freier zu behaupten und Nachrichten über den Vater einzuholen. So beginnt der Weg der Heimkehr zunächst nicht mit Odysseus selbst, sondern mit dem Erwachen des Sohnes.

Buch 5: Die Götter beschließen die Freilassung des Odysseus von Ogygia. Nach neuer Bedrohung auf See erreicht er erschöpft das Land der Phaiaken.

Bücher 6–8: Nausikaa findet den Schiffbrüchigen; am Hof der Phaiaken wird er aufgenommen. Gesang, Wettkampf und höfische Gastfreundschaft bereiten seine Selbsterzählung vor.

Bücher 9–12: Odysseus berichtet von den Kyklopen, Aiolos, den Laistrygonen, Kirke, der Unterweltsfahrt, den Sirenen, Skylla und Charybdis sowie vom Untergang seiner Gefährten. Diese Bücher bilden den Kern der berühmten Irrfahrten.

Buch 13: Die Phaiaken bringen Odysseus nach Ithaka. Athena organisiert die Rückkehr im Zeichen von Verbergung und Klugheit.

Bücher 14–16: Odysseus sucht Eumaios auf; Telemach kehrt zurück; Vater und Sohn erkennen einander und planen das Vorgehen gegen die Freier.

Bücher 17–20: Odysseus betritt als Bettler den Palast und erträgt Schmähung, Missachtung und Probe. Die Spannung wächst, weil der Leser die verborgene Identität kennt.

Buch 21: Penelope setzt die Bogenprobe an. Niemand außer Odysseus kann den Bogen spannen und die Aufgabe erfüllen.

Buch 22: Der Freiermord vollzieht die gewaltsame Wiederherstellung der Hausordnung.

Bücher 23–24: Penelope erkennt Odysseus endgültig am Geheimnis des Ehebetts. Das Epos führt darüber hinaus in Nachspiel, Rachegefahr und abschließende Befriedung.

XXII. Vers-für-Vers-Analyse

Vers 1: Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ

Grammatik

Der Vers beginnt mit dem Akkusativ ἄνδρα („den Mann“), der als Objekt des Imperativs ἔννεπε („erzähle“) fungiert. Das Verb steht im Imperativ Aorist Aktiv, zweite Person Singular, und richtet sich direkt an die Muse. μοι ist ein Dativus commodi („mir“). Μοῦσα ist ein Vokativ und bezeichnet die angerufene göttliche Inspirationsquelle. Das Adjektiv πολύτροπον steht im Akkusativ Singular und bezieht sich attributiv auf ἄνδρα. Der Relativsatz beginnt mit ὃς („der“), ebenfalls im Nominativ Singular, und führt die Charakterisierung fort. μάλα ist ein Adverb („sehr“), während πολλά ein Akkusativ Neutrum Plural („vieles, viele Dinge“) ist, der die Vielzahl der Erfahrungen ankündigt.

„Den Mann besinge mir, Muse, den vielgewandten, der überaus vieles …“

Beschreibung

Der erste Vers der Odyssee eröffnet das Werk mit der klassischen epischen Anrufung der Muse. Der Sprecher – der epische Dichter – wendet sich nicht unmittelbar an sein Publikum, sondern an die göttliche Inspirationsquelle. Gegenstand der Erzählung ist „der Mann“. Diese Bezeichnung bleibt zunächst allgemein; der Name Odysseus wird noch nicht genannt. Stattdessen wird der Held durch ein charakteristisches Epitheton eingeführt: πολύτροπος. Zugleich kündigt der Relativsatz an, dass dieser Mann „vieles“ erlebt hat. Der Vers stellt damit die Grundfigur des gesamten Epos vor: einen Helden, dessen Lebensweg durch vielfältige Erfahrungen, Wanderungen und Wandlungen bestimmt ist.

Analyse

Der Vers folgt der traditionellen Struktur des epischen Proöms. Die Anrufung der Muse („Μοῦσα“) steht im Zentrum der poetischen Selbstvergewisserung des Dichters. Epische Dichtung gilt nicht als rein menschliche Leistung, sondern als Mitwirkung des Göttlichen. Das Verb ἔννεπε („erzähle“) ist dabei bemerkenswert: Der Dichter bittet die Muse nicht nur um Inspiration, sondern überträgt ihr gleichsam den Akt des Erzählens selbst. Die poetische Stimme erscheint somit als Medium einer höheren Erinnerung.

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Wort πολύτροπον. Dieses Epitheton gehört zu den berühmtesten Charakterisierungen der antiken Literatur. Wörtlich bedeutet es „vielgewendet“, „vielgewandt“, „vielseitig“. Das Wort enthält den Stamm tropos, der „Wendung“, „Richtung“, „Art“ oder auch „Trick“ bedeuten kann. Dadurch entsteht ein semantisch offenes Bedeutungsfeld: Der Held ist jemand, der viele Wege geht, viele Strategien kennt, viele Formen annehmen kann. Anders als Achilles in der Ilias, dessen Größe im heroischen Kampf liegt, wird Odysseus hier als Figur der Beweglichkeit und der geistigen Wendigkeit eingeführt.

Der Relativsatz („ὃς μάλα πολλὰ …“) eröffnet zugleich die narrative Dynamik des gesamten Epos. Die Formulierung bleibt zunächst unvollständig und spannt eine Erwartung auf: Der Leser oder Hörer wird vorbereitet auf eine lange Reihe von Erfahrungen, Leiden und Begegnungen.

Interpretation

Der erste Vers der Odyssee formuliert bereits das anthropologische Programm des ganzen Werkes. Der Held wird nicht primär durch Stärke oder Ruhm definiert, sondern durch Erfahrung. Der Ausdruck „πολύτροπος“ beschreibt eine Existenz, die sich in vielen Situationen bewähren muss. Odysseus ist nicht nur Krieger, sondern Wanderer, Erzähler, Täuscher, Überlebender und Heimkehrer.

In diesem Sinn markiert der Anfang der Odyssee eine Verschiebung innerhalb der epischen Tradition. Während die Ilias die heroische Tat im Krieg thematisiert, rückt die Odyssee die Erfahrung des Menschen in einer unübersichtlichen Welt in den Mittelpunkt. Die Vielheit der „Wendungen“ spiegelt die Vielheit der Welt selbst. Der Mensch muss lernen, sich in ihr zu orientieren.

Die Anrufung der Muse verleiht dieser Perspektive zugleich eine kosmische Dimension. Das Leben des Helden ist nicht bloß eine individuelle Biographie, sondern Teil einer größeren Ordnung der Erinnerung. Die Muse bewahrt das Gedächtnis der Welt und ermöglicht, dass menschliche Erfahrung in erzählbare Form übergeht.

Gesamtdeutung des Verses

Der erste Vers der Odyssee ist mehr als eine Einleitung. Er enthält in konzentrierter Form das Programm des gesamten Epos. Der „vielgewandte Mann“ steht für eine neue Gestalt des heroischen Menschen: nicht der unbewegliche Kämpfer, sondern der wandernde Erfahrende. Sein Leben besteht aus Wendungen, Umwegen und Prüfungen. Gerade diese Vielheit macht seine Geschichte erzählenswert.

Gleichzeitig begründet die Anrufung der Muse die poetische Autorität der Erzählung. Die Geschichte des Menschen wird zur Geschichte, weil sie im Gedächtnis der Muse aufgehoben ist. Der erste Vers verbindet daher drei Ebenen: den Helden, den Dichter und die göttliche Erinnerung. In dieser Dreifachstruktur eröffnet die Odyssee ihr großes Thema: die Wandlung des Menschen auf seinem Weg durch die Welt.

Vers 2: πλάγχθη, ἐπεὶ Τροίης ἱερὸν πτολίεθρον ἔπερσεν

Grammatik

Das Verb πλάγχθη ist Aorist Passiv, dritte Person Singular, von πλάζω („umherirren lassen“, „in die Irre treiben“). Die Form hat eine intransitive Bedeutung: „er wurde umhergetrieben“, „er irrte umher“. Subjekt bleibt der im vorherigen Vers genannte ἀνήρ. Die Konjunktion ἐπεί leitet einen temporalen Nebensatz ein („als“, „nachdem“). Τροίης steht im Genitiv („von Troja“). Die Wortgruppe ἱερὸν πτολίεθρον bedeutet „die heilige Stadt“. πτολίεθρον ist ein poetisches Wort für „Stadt“ oder „Burg“. Das Verb ἔπερσεν ist Aorist Aktiv von πέρθω („zerstören“, „plündern“). Der Nebensatz beschreibt also den Zeitpunkt: nachdem Odysseus Troja zerstört hatte, begann sein Umherirren.

„Er wurde weit umhergetrieben, nachdem er die heilige Stadt Troja zerstört hatte.“

Beschreibung

Der zweite Vers setzt die Charakterisierung des Helden fort. Während der erste Vers Odysseus allgemein als „vielgewandten Mann“ eingeführt hat, beschreibt der zweite Vers nun seine Bewegung in der Welt. Das zentrale Wort ist πλάγχθη. Es schildert ein Umherirren, das nicht vollständig selbstbestimmt ist. Der Held wird „umhergetrieben“. Damit wird bereits angedeutet, dass sein Weg nicht allein durch seinen eigenen Willen bestimmt ist.

Der temporale Nebensatz stellt den historischen Ausgangspunkt der Handlung dar. Die Zerstörung Trojas bildet die Schwelle zwischen Krieg und Heimkehr. Mit diesem Ereignis endet die Welt der Ilias und beginnt die Welt der Odyssee. Der Vers verbindet also zwei große epische Traditionen: den Trojanischen Krieg und die Irrfahrten des Heimkehrers.

Analyse

Der Ausdruck πλάγχθη gehört zu den Schlüsselwörtern des gesamten Epos. Das Wort beschreibt nicht nur eine geographische Bewegung, sondern eine existenzielle Lage. Odysseus ist ein Mensch, der durch viele Räume und Situationen geführt wird. Seine Identität entsteht gerade im Durchgang durch diese Erfahrungen.

Bemerkenswert ist außerdem die Verbindung von Aktivität und Passivität. Der Nebensatz („als er Troja zerstörte“) zeigt den Helden als aktiven Krieger. Das Verb ἔπερσεν erinnert an die heroische Tat des Krieges. Demgegenüber steht im Hauptsatz die passive Bewegung: „er wurde umhergetrieben“. Der Held ist nun nicht mehr der Sieger im Kampf, sondern ein Mensch, der von Mächten – Göttern, Stürmen, Zufällen – durch die Welt bewegt wird.

Auch das Epitheton ἱερὸν πτολίεθρον verdient Aufmerksamkeit. Die Stadt Troja wird als „heilig“ bezeichnet. Diese Bezeichnung verweist auf ihre göttliche Schutzordnung und erinnert zugleich daran, dass ihre Zerstörung ein gewaltiges Ereignis ist. Der Krieg erscheint dadurch nicht nur als militärischer Sieg, sondern auch als eine Tat von kosmischer Tragweite.

Interpretation

Der Vers formuliert eine grundlegende Spannung des Epos: Die heroische Vergangenheit des Krieges steht im Kontrast zur unsicheren Gegenwart der Wanderung. Odysseus hat Troja zerstört – eine Tat, die Ruhm verspricht. Doch gerade nach dieser Tat beginnt sein Leiden. Der Ruhm des Krieges führt nicht unmittelbar zur Heimkehr, sondern zu einer langen Phase der Orientierungslosigkeit.

In dieser Perspektive kann das Umherirren auch als eine Art Läuterung verstanden werden. Der Held, der im Krieg zerstört hat, muss nun die Weite der Welt durchqueren und ihre verschiedenen Formen kennenlernen. Seine Reise wird zu einer Schule der Erfahrung.

Der Ausdruck „heilige Stadt“ verstärkt diese Deutung. Die Zerstörung einer solchen Stadt trägt eine moralische und kosmische Spannung in sich. Die Irrfahrten des Odysseus können daher auch als Folge einer Welt verstanden werden, die nach dem Krieg aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Vers 3: πολλῶν δ’ ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω

Grammatik

Der Vers setzt den Relativsatz fort, der sich auf den im ersten Vers eingeführten „Mann“ (Odysseus) bezieht. πολλῶν ἀνθρώπων steht im Genitiv Plural und bezeichnet eine große Vielzahl von Menschen („vieler Menschen“). Die Elision in δ’ steht für δέ, eine leicht verbindende Partikel, die den Fortgang der Erzählung markiert („und“, „aber“, „nun“). ἴδεν ist Aorist Aktiv, dritte Person Singular, von ὁράω („sehen“). Das Akkusativobjekt dazu ist ἄστεα, der Akkusativ Plural von ἄστυ („Stadt“). Der zweite Teil des Verses wird durch καί verbunden: νόον („Sinn“, „Geist“, „Denken“) steht im Akkusativ, während ἔγνω Aorist Aktiv von γιγνώσκω („erkennen“, „begreifen“) ist. Der Vers beschreibt somit zwei Erkenntnisformen: das Sehen von Städten und das Erkennen des Geistes vieler Menschen.

„Viele Städte der Menschen sah er und ihren Sinn erkannte er.“

Beschreibung

Der dritte Vers erweitert die Darstellung der Irrfahrten des Odysseus um eine neue Dimension. Während der vorherige Vers das Umherirren in der Welt beschrieb, schildert dieser Vers, was der Held auf seiner Reise erfährt. Odysseus begegnet zahlreichen Städten und Völkern. Die Welt erscheint als eine Vielzahl von menschlichen Gemeinschaften mit jeweils eigener Ordnung.

Die Formulierung verbindet zwei Ebenen der Wahrnehmung. Einerseits sieht Odysseus die Städte der Menschen – also ihre äußeren Lebensformen, ihre politischen und sozialen Strukturen. Andererseits erkennt er den νόος, den Geist oder Sinn dieser Menschen. Damit wird angedeutet, dass seine Erfahrung nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ist. Er lernt die Denkweisen und Lebensformen fremder Kulturen kennen.

Analyse

Der Vers besitzt eine sorgfältig austarierte Parallelstruktur. Zunächst erscheint das Wahrnehmungsverb ἴδεν („er sah“), danach das Erkenntnisverb ἔγνω („er erkannte“). Zwischen beiden steht die Verbindung von Raum und Geist: Städte und Denken. Diese Struktur zeigt eine Steigerung von äußerer Beobachtung zu innerem Verstehen.

Das Wort ἄστεα verweist auf die urbane Ordnung der griechischen Welt. Städte sind Zentren von Kultur, Gesetz und sozialem Leben. Dass Odysseus „viele Städte“ sieht, bedeutet, dass er verschiedene Formen menschlicher Gemeinschaft kennenlernt. Der Held wird so zu einer Figur des kulturellen Übergangs zwischen verschiedenen Welten.

Besonders bedeutend ist der Begriff νόος. In der homerischen Sprache bezeichnet er das Denken, die Einsicht, die geistige Haltung eines Menschen. Der Vers sagt also nicht nur, dass Odysseus viele Menschen trifft, sondern dass er ihr Denken versteht. Diese Fähigkeit entspricht dem Epitheton πολύτροπος aus dem ersten Vers. Der Held ist beweglich im Denken, weil er die Denkweisen anderer Menschen wahrnehmen kann.

Die Partikel δέ verbindet diesen Vers locker mit dem vorherigen und zeigt zugleich eine Fortführung der Aufzählung. Der Proömiumstext entfaltet Schritt für Schritt die Erfahrungen des Helden: Umherirren, Begegnung mit Städten, Erkenntnis der Menschen.

Interpretation

Der Vers beschreibt Odysseus als einen Reisenden der Erkenntnis. Seine Fahrt ist nicht nur eine körperliche Bewegung durch den Raum, sondern auch eine Erweiterung des geistigen Horizonts. Indem er die Städte vieler Menschen sieht, tritt er in Kontakt mit unterschiedlichen Formen menschlicher Ordnung.

Die zweite Hälfte des Verses vertieft diese Perspektive. Odysseus erkennt den νόος der Menschen – also ihre Denkweise, ihre kulturelle Logik. Damit erscheint der Held als Vermittler zwischen verschiedenen Welten. Er ist jemand, der fremde Kulturen verstehen kann, ohne seine eigene Identität zu verlieren.

In dieser Hinsicht besitzt die Figur des Odysseus eine besondere anthropologische Bedeutung. Sie verkörpert eine Form menschlicher Klugheit, die aus Erfahrung entsteht. Der Held wird nicht durch starre Stärke definiert, sondern durch die Fähigkeit, unterschiedliche Situationen zu verstehen und sich ihnen anzupassen.

Der Vers kann daher auch als Reflexion über das Reisen verstanden werden. Reisen bedeutet hier nicht nur Bewegung, sondern Erkenntnis. Der Mensch lernt die Welt, indem er verschiedene Lebensformen sieht und ihre inneren Prinzipien begreift.

Gesamtdeutung

Die ersten drei Verse des Epos bilden eine geschlossene thematische Einheit. Zunächst wird der Held als „vielgewandter Mann“ eingeführt. Danach wird sein Umherirren nach der Zerstörung Trojas beschrieben. Schließlich wird deutlich, was dieses Umherirren bedeutet: eine Begegnung mit vielen Städten und Denkweisen der Menschen.

Diese Terzine entwirft somit das Grundbild des Odysseus. Er ist nicht nur ein Krieger des Trojanischen Krieges, sondern ein Reisender durch die Vielfalt menschlicher Weltordnungen. Seine Erfahrung umfasst sowohl die äußere Welt der Städte als auch die innere Welt des Denkens.

Damit wird bereits im Proömium das zentrale Thema der Odyssee sichtbar. Das Epos erzählt von einem Menschen, der durch zahlreiche Begegnungen und Erfahrungen zu tieferer Einsicht gelangt. Die Irrfahrt wird zur Schule des Lebens, und die Heimkehr erhält ihren Sinn erst durch die Weite der Welt, die zuvor durchquert werden musste.

Vers 4: πολλὰ δ’ ὅ γ’ ἐν πόντῳ πάθεν ἄλγεα ὃν κατὰ θυμόν

Wort-für-Wort-Analyse

πολλά – Akkusativ Neutrum Plural von πολύς; „vieles“, „viele Dinge“, hier adverbial gebraucht: „viel“.
δ’ – Elision von δέ; verbindende Partikel: „aber“, „und“, „nun“.
– Relativpronomen im Nominativ Singular; „der“.
γ’ – verkürzte Form von γε; verstärkende Partikel („gerade“, „eben“).
ἐν – Präposition mit Dativ: „in“, „auf“.
πόντῳ – Dativ Singular von πόντος; „Meer“, besonders das offene Meer.
πάθεν – Aorist Aktiv, 3. Person Singular von πάσχω; „er erlitt“, „er erfuhr“.
ἄλγεα – Akkusativ Plural von ἄλγος; „Schmerzen“, „Leiden“.
ὃν – Akkusativ Singular des Relativpronomens; hier rückbezüglich auf den Helden, Teil der homerischen Ausdrucksweise.
κατά – Präposition mit Akkusativ; „durch“, „entlang“, „durch und durch“.
θυμόν – Akkusativ Singular von θυμός; „Herz“, „Gemüt“, „Lebensseele“, Sitz der Gefühle und des inneren Antriebs.

Wörtliche Übersetzung

„Vieles aber erlitt er auf dem Meer an Schmerzen durch sein Herz hindurch.“

Ausführliche Beschreibung

Der vierte Vers des Proömiums führt die Darstellung der Erfahrungen des Odysseus weiter und verlagert den Blick von der äußeren Welt der Städte auf die innere Erfahrung des Leidens. Der Vers beginnt mit dem Wort πολλά, das die Vielzahl der Erfahrungen betont. Diese Vielzahl betrifft nun nicht mehr nur Beobachtungen oder Begegnungen, sondern Schmerzen.

Der Schauplatz dieser Leiden ist das Meer. Mit der Formulierung ἐν πόντῳ wird der Raum der Irrfahrt ausdrücklich benannt. Das Meer ist in der Odyssee nicht bloß ein geographischer Ort, sondern ein Raum der Unsicherheit, der Gefahr und der Prüfung. Hier verliert der Mensch die Stabilität der Stadt und ist den Elementen ausgeliefert.

Der Ausdruck ἄλγεα („Schmerzen“) wird durch die Wendung κατὰ θυμόν verstärkt. Die Leiden betreffen nicht nur den Körper, sondern den inneren Menschen. Das Herz oder die Seele des Helden wird von diesen Erfahrungen durchdrungen. Der Vers schildert somit eine existenzielle Erfahrung: die Verbindung von äußerem Leid und innerem Empfinden.

Ausführliche Analyse

Der Vers ist syntaktisch einfach, aber semantisch dicht. Das zentrale Verb πάθεν steht im Aorist und fasst eine Vielzahl einzelner Erfahrungen zu einer zusammenhängenden Erinnerung zusammen. Der Aorist wirkt hier summarisch: Er fasst das gesamte Leiden des Helden während seiner Irrfahrten zusammen.

Die Wortstellung erzeugt eine klare Bewegung innerhalb des Verses. Zuerst wird die Menge der Leiden genannt (πολλά), dann der Ort (ἐν πόντῳ), danach die Erfahrung selbst (πάθεν ἄλγεα), schließlich ihre innere Wirkung (κατὰ θυμόν). Diese Struktur führt den Leser Schritt für Schritt von der äußeren Situation zum inneren Empfinden.

Der Begriff πόντος ist in der homerischen Dichtung ein stark symbolisch aufgeladenes Wort. Er bezeichnet das offene Meer im Gegensatz zu geschützten Küstengewässern. Das Meer ist der Raum der Bewegung, aber auch der Gefahr. Hier wirken Stürme, Strömungen und göttliche Mächte zusammen. Odysseus befindet sich in einem Bereich, der nicht vollständig kontrollierbar ist.

Der Ausdruck θυμός gehört zur homerischen Anthropologie. Er bezeichnet den inneren Sitz von Emotionen, Mut, Zorn und Lebensenergie. Wenn die Leiden „durch den θυμός“ gehen, bedeutet das, dass sie den innersten Kern der Persönlichkeit betreffen. Der Vers macht somit deutlich, dass die Reise des Odysseus nicht nur eine äußere Bewegung, sondern auch eine innere Prüfung ist.

Ausführliche Interpretation

Der Vers eröffnet eine zentrale Perspektive der Odyssee: die Verbindung von Erfahrung und Leiden. Odysseus ist nicht nur ein Beobachter der Welt, sondern ein Mensch, der ihre Härte unmittelbar erfährt. Seine Reise ist eine Schule der Geduld und der inneren Stärke.

Die Betonung des Meeres verstärkt diese Deutung. Das Meer steht für eine Welt, die sich dem menschlichen Zugriff entzieht. Der Held muss lernen, in einer Umgebung zu bestehen, die nicht von menschlichen Gesetzen bestimmt wird. Diese Situation fordert Anpassungsfähigkeit, Ausdauer und Klugheit.

Die Wendung κατὰ θυμόν zeigt zudem, dass die Leiden nicht folgenlos bleiben. Sie prägen den inneren Menschen. Odysseus wird durch seine Erfahrungen geformt. Seine Weisheit entsteht nicht aus theoretischem Wissen, sondern aus durchlebter Erfahrung.

Der Vers deutet daher bereits an, dass die Heimkehr des Helden nicht nur eine geographische Rückkehr ist. Sie ist auch das Ergebnis einer inneren Entwicklung. Der Mensch, der am Ende nach Ithaka zurückkehrt, ist nicht mehr derselbe wie der Krieger, der einst nach Troja zog.

Ausführliche Gesamtdeutung

Der vierte Vers vertieft das im Proömium entfaltete Bild des Helden. Nachdem zuvor seine Wanderungen und seine Begegnungen mit verschiedenen Kulturen beschrieben wurden, tritt nun die Dimension des Leidens hervor. Odysseus wird als Mensch dargestellt, der zahlreiche Schmerzen auf dem Meer ertragen hat.

Diese Erfahrung ist entscheidend für das Verständnis des Epos. Die Odyssee erzählt nicht nur von Abenteuern, sondern von einer existenziellen Prüfung. Der Held bewegt sich durch eine Welt voller Gefahren, in der seine körperliche und seelische Widerstandskraft immer wieder herausgefordert wird.

Der Vers zeigt somit eine grundlegende Struktur des Epos: Erkenntnis entsteht durch Erfahrung, und Erfahrung schließt Leiden ein. Die Irrfahrten des Odysseus sind daher nicht nur Hindernisse auf dem Weg zur Heimat, sondern auch Schritte einer inneren Entwicklung. Durch die Schmerzen des Meeres wird der Held zu der vielgestaltigen und klugen Figur, die das Proömium bereits im ersten Vers ankündigt.

Vers 5: ἀρνύμενος ἥν τε ψυχὴν καὶ νόστον ἑταίρων

Transkription des Verses in lateinischen Buchstaben

arnýmenos hḗn te psychḗn kaì nóston hetairōn

Wort-für-Wort-Analyse

ἀρνύμενος – Partizip Präsens Medium von ἀρνύμαι; „sich erwerben“, „zu retten suchen“, „erringen wollen“. Das Partizip steht im Nominativ Singular Maskulin und bezieht sich auf Odysseus.
ἥν – Akkusativ Singular Feminin des Possessivpronomens; „seine eigene“.
τε – verbindende Partikel; „und“.
ψυχὴν – Akkusativ Singular von ψυχή; „Seele“, „Leben“.
καί – „und“, verstärkende Verbindung zum vorhergehenden Element.
νόστον – Akkusativ Singular von νόστος; „Heimkehr“, „Rückkehr in die Heimat“.
ἑταίρων – Genitiv Plural von ἑταῖρος; „Gefährten“, „Gefolgsleute“, „Kameraden“.

Wörtliche Übersetzung

„Bemüht, sein eigenes Leben und die Heimkehr seiner Gefährten zu retten.“

Ausführliche Beschreibung

Der fünfte Vers führt die Beschreibung der Leiden des Odysseus weiter und ergänzt sie um eine neue Perspektive: den Zweck seines Handelns. Während der vorherige Vers das Leiden auf dem Meer betonte, zeigt dieser Vers nun den inneren Antrieb des Helden. Odysseus bemüht sich darum, sein eigenes Leben zu bewahren und zugleich die Heimkehr seiner Gefährten zu sichern.

Das zentrale Element des Verses ist das Partizip ἀρνύμενος. Dieses Wort beschreibt eine fortdauernde Handlung: Der Held ist ständig bemüht, etwas zu gewinnen oder zu retten. Die Reise erscheint daher nicht als passives Erleiden von Ereignissen, sondern auch als aktiver Versuch, Leben und Heimkehr zu sichern.

Der Vers verbindet zwei Ziele miteinander. Zum einen geht es um die Rettung des eigenen Lebens (ψυχή). Zum anderen geht es um die Heimkehr der Gefährten (νόστος ἑταίρων). Diese Verbindung zeigt die doppelte Verantwortung des Helden: für sich selbst und für seine Gemeinschaft.

Ausführliche Analyse

Die syntaktische Struktur des Verses wird durch das Partizip bestimmt. ἀρνύμενος steht in enger Verbindung mit den vorhergehenden Verben des Relativsatzes und beschreibt die Haltung, in der Odysseus seine Leiden erträgt. Das Partizip hat einen finalen oder zielgerichteten Charakter: Der Held erträgt die Schmerzen, während er zugleich versucht, Leben und Heimkehr zu retten.

Der Ausdruck ψυχή bezeichnet in der homerischen Sprache das Lebensprinzip des Menschen. Es ist das, was im Tod den Körper verlässt. Wenn Odysseus seine „ψυχή“ retten will, bedeutet das, dass er um sein bloßes Überleben kämpft.

Das Wort νόστος ist eines der zentralen Begriffe der gesamten Odyssee. Es bezeichnet nicht einfach eine Rückkehr, sondern die Rückkehr in die eigene Ordnung – in die Heimat, in die Familie, in die politische Gemeinschaft. Die Heimkehr ist daher ein umfassendes Ziel, das sowohl geographische als auch soziale und moralische Bedeutung besitzt.

Der Genitiv ἑταίρων erinnert daran, dass Odysseus nicht allein reist. Er ist Anführer einer Gruppe von Gefährten. Ihre Heimkehr liegt ebenfalls in seiner Verantwortung. Die Formulierung zeigt damit die Spannung zwischen individueller Rettung und gemeinschaftlicher Verpflichtung.

Ausführliche Interpretation

Der Vers offenbart eine wichtige Dimension der Figur des Odysseus: seine Rolle als Führer. Er ist nicht nur ein Einzelner, der um sein eigenes Überleben kämpft. Vielmehr trägt er Verantwortung für seine Gefährten und versucht, auch ihre Heimkehr zu sichern.

Diese doppelte Zielsetzung erzeugt eine moralische Spannung. Der Held muss sowohl sein eigenes Leben retten als auch für die anderen sorgen. In vielen Episoden der Odyssee zeigt sich jedoch, dass diese beiden Ziele nicht immer miteinander vereinbar sind. Die Gefährten sterben nach und nach, während Odysseus schließlich allein nach Ithaka zurückkehrt.

Der Vers enthält daher bereits eine tragische Vorahnung. Der Held bemüht sich, die Heimkehr seiner Gefährten zu sichern, doch dieses Bemühen bleibt letztlich erfolglos. Die Formulierung zeigt den guten Willen des Helden, aber auch die Begrenztheit menschlicher Kontrolle über das Schicksal.

Gleichzeitig verdeutlicht der Vers die zentrale Rolle des Begriffs νόστος. Die Heimkehr ist das Leitmotiv des gesamten Epos. Sie verbindet die äußere Reise mit dem inneren Wunsch nach Wiederherstellung der verlorenen Ordnung.

Ausführliche Gesamtdeutung

Der fünfte Vers erweitert das Bild des Odysseus um die Dimension des verantwortlichen Handelns. Der Held ist nicht nur ein Leidender, sondern auch ein Handelnder, der versucht, Leben zu bewahren und Heimkehr zu ermöglichen.

Diese Perspektive vertieft das anthropologische Programm des Proömiums. Der Mensch erscheint hier als ein Wesen, das in einer gefährlichen Welt um sein Überleben kämpft und zugleich Verantwortung für andere trägt. Odysseus verkörpert diese doppelte Aufgabe in exemplarischer Weise.

Der Vers weist zugleich auf eine tragische Spannung hin, die das gesamte Epos durchzieht. Obwohl der Held sich bemüht, die Heimkehr seiner Gefährten zu sichern, wird er am Ende allein zurückkehren. Die Odyssee erzählt daher nicht nur von der Rettung eines Menschen, sondern auch vom Verlust einer Gemeinschaft. Gerade diese Spannung zwischen Hoffnung und Verlust verleiht der Geschichte ihre existenzielle Tiefe.

XXII. Textgrundlage: Griechisches Original

Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ1
πλάγχθη, ἐπεὶ Τροίης ἱερὸν πτολίεθρον ἔπερσεν:2
πολλῶν δ’ ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω,3
πολλὰ δ’ ὅ γ’ ἐν πόντῳ πάθεν ἄλγεα ὃν κατὰ θυμόν,4
ἀρνύμενος ἥν τε ψυχὴν καὶ νόστον ἑταίρων.5
ἀλλ' οὐδ' ὧς ἑτάρους ἐρρύσατο, ἱέμενός περ·6
αὐτῶν γὰρ σφετέρῃσιν ἀτασθαλίῃσιν ὄλοντο,7
νήπιοι, οἳ κατὰ βοῦς Ὑπερίονος Ἠελίοιο8
ἤσθιον· αὐτὰρ ὁ τοῖσιν ἀφείλετο νόστιμον ἦμαρ.9
τῶν ἁμόθεν γε, θεά, θύγατερ Διός, εἰπὲ καὶ ἡμῖν.10
ἔνθ' ἄλλοι μὲν πάντες, ὅσοι φύγον αἰπὺν ὄλεθρον,11
οἴκοι ἔσαν, πόλεμόν τε πεφευγότες ἠδὲ θάλασσαν·12
τὸν δ' οἶον, νόστου κεχρημένον ἠδὲ γυναικός,13
νύμφη πότνι' ἔρυκε Καλυψώ, δῖα θεάων,14
ἐν σπέεσι γλαφυροῖσι, λιλαιομένη πόσιν εἶναι.15
ἀλλ' ὅτε δὴ ἔτος ἦλθε περιπλομένων ἐνιαυτῶν,16
τῷ οἱ ἐπεκλώσαντο θεοὶ οἶκόνδε νέεσθαι17
εἰς Ἰθάκην, οὐδ' ἔνθα πεφυγμένος ἦεν ἀέθλων18
καὶ μετὰ οἷσι φίλοισι· θεοὶ δ' ἐλέαιρον ἅπαντες19
νόσφι Ποσειδάωνος· ὁ δ' ἀσπερχὲς μενέαινεν20
ἀντιθέῳ Ὀδυσῆϊ πάρος ἣν γαῖαν ἱκέσθαι.21
ἀλλ' ὁ μὲν Αἰθίοπας μετεκίαθε τηλόθ' ἐόντας,22
Αἰθίοπας, τοὶ διχθὰ δεδαίαται, ἔσχατοι ἀνδρῶν,23
οἱ μὲν δυσομένου Ὑπερίονος, οἱ δ' ἀνιόντος,24
ἀντιόων ταύρων τε καὶ ἀρνειῶν ἑκατόμβης.25
ἔνθ' ὅ γε τέρπετο δαιτὶ παρήμενος· οἱ δὲ δὴ ἄλλοι26
Ζηνὸς ἐνὶ μεγάροισιν Ὀλυμπίου ἁθρόοι ἦσαν.27
τοῖσι δὲ μύθων ἦρχε πατὴρ ἀνδρῶν τε θεῶν τε·28
μνήσατο γὰρ κατὰ θυμὸν ἀμύμονος Αἰγίσθοιο,29
τόν ῥ' Ἀγαμεμνονίδης τηλεκλυτὸς ἔκταν' Ὀρέστης·30
τοῦ ὅ γ' ἐπιμνησθεὶς ἔπε' ἀθανάτοισι μετηύδα·31
«ὢ πόποι, οἷον δή νυ θεοὺς βροτοὶ αἰτιόωνται.32
ἐξ ἡμέων γάρ φασι κάκ' ἔμμεναι· οἱ δὲ καὶ αὐτοὶ33
σφῇσιν ἀτασθαλίῃσιν ὑπὲρ μόρον ἄλγε' ἔχουσιν,34
ὡς καὶ νῦν Αἴγισθος ὑπὲρ μόρον Ἀτρεΐδαο35
γῆμ' ἄλοχον μνηστήν, τὸν δ' ἔκτανε νοστήσαντα,36
εἰδὼς αἰπὺν ὄλεθρον, ἐπεὶ πρό οἱ εἴπομεν ἡμεῖς,37
Ἑρμείαν πέμψαντες, ἐΰσκοπον Ἀργεϊφόντην,38
μήτ' αὐτὸν κτείνειν μήτε μνάασθαι ἄκοιτιν·39
ἐκ γὰρ Ὀρέσταο τίσις ἔσσεται Ἀτρεΐδαο,40
ὁππότ' ἂν ἡβήσῃ τε καὶ ἧς ἱμείρεται αἴης.41
ὣς ἔφαθ' Ἑρμείας, ἀλλ' οὐ φρένας Αἰγίσθοιο42
πεῖθ' ἀγαθὰ φρονέων· νῦν δ' ἁθρόα πάντ' ἀπέτεισε.»43
τὸν δ' ἠμείβετ' ἔπειτα θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·44
«ὦ πάτερ ἡμέτερε Κρονίδη, ὕπατε κρειόντων,45
καὶ λίην κεῖνός γε ἐοικότι κεῖται ὀλέθρῳ,46
ὡς ἀπόλοιτο καὶ ἄλλος ὅτις τοιαῦτά γε ῥέζοι.47
ἀλλά μοι ἀμφ' Ὀδυσῆϊ δαΐφρονι δαίεται ἦτορ,48
δυσμόρῳ, ὃς δὴ δηθὰ φίλων ἄπο πήματα πάσχει49
νήσῳ ἐν ἀμφιρύτῃ, ὅθι τ' ὀμφαλός ἐστι θαλάσσης,50
νῆσος δενδρήεσσα, θεὰ δ' ἐν δώματα ναίει,51
Ἄτλαντος θυγάτηρ ὀλοόφρονος, ὅς τε θαλάσσης52
πάσης βένθεα οἶδεν, ἔχει δέ τε κίονας αὐτὸς53
μακράς, αἳ γαῖάν τε καὶ οὐρανὸν ἀμφὶς ἔχουσι.54
τοῦ θυγάτηρ δύστηνον ὀδυρόμενον κατερύκει,55
αἰεὶ δὲ μαλακοῖσι καὶ αἱμυλίοισι λόγοισι56
θέλγει, ὅπως Ἰθάκης ἐπιλήσεται· αὐτὰρ Ὀδυσσεύς,57
ἱέμενος καὶ καπνὸν ἀποθρῴσκοντα νοῆσαι58
ἧς γαίης, θανέειν ἱμείρεται. οὐδέ νυ σοί περ59
ἐντρέπεται φίλον ἦτορ, Ὀλύμπιε; οὔ νύ τ' Ὀδυσσεὺς60
Ἀργείων παρὰ νηυσὶ χαρίζετο ἱερὰ ῥέζων61
Τροίῃ ἐν εὐρείῃ; τί νύ οἱ τόσον ὠδύσαο, Ζεῦ;»62
τὴν δ' ἀπαμειβόμενος προσέφη νεφεληγερέτα Ζεύς·63
«τέκνον ἐμόν, ποῖόν σε ἔπος φύγεν ἕρκος ὀδόντων.64
πῶς ἂν ἔπειτ' Ὀδυσῆος ἐγὼ θείοιο λαθοίμην,65
ὃς περὶ μὲν νόον ἐστὶ βροτῶν, περὶ δ' ἱρὰ θεοῖσιν66
ἀθανάτοισιν ἔδωκε, τοὶ οὐρανὸν εὐρὺν ἔχουσιν;67
ἀλλὰ Ποσειδάων γαιήοχος ἀσκελὲς αἰὲν68
Κύκλωπος κεχόλωται, ὃν ὀφθαλμοῦ ἀλάωσεν,69
ἀντίθεον Πολύφημον, ὅου κράτος ἐστὶ μέγιστον70
πᾶσιν Κυκλώπεσσι· Θόωσα δέ μιν τέκε νύμφη,71
Φόρκυνος θυγάτηρ, ἁλὸς ἀτρυγέτοιο μέδοντος,72
ἐν σπέεσι γλαφυροῖσι Ποσειδάωνι μιγεῖσα.73
ἐκ τοῦ δὴ Ὀδυσῆα Ποσειδάων ἐνοσίχθων74
οὔ τι κατακτείνει, πλάζει δ' ἀπὸ πατρίδος αἴης.75
ἀλλ' ἄγεθ' ἡμεῖς οἵδε περιφραζώμεθα πάντες76
νόστον, ὅπως ἔλθῃσι· Ποσειδάων δὲ μεθήσει77
ὃν χόλον· οὐ μὲν γάρ τι δυνήσεται ἀντία πάντων78
ἀθανάτων ἀέκητι θεῶν ἐριδαινέμεν οἶος.»79
τὸν δ' ἠμείβετ' ἔπειτα θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·80
«ὦ πάτερ ἡμέτερε Κρονίδη, ὕπατε κρειόντων,81
εἰ μὲν δὴ νῦν τοῦτο φίλον μακάρεσσι θεοῖσι,82
νοστῆσαι Ὀδυσῆα πολύφρονα ὅνδε δόμονδε,83
Ἑρμείαν μὲν ἔπειτα, διάκτορον Ἀργεϊφόντην,84
νῆσον ἐς Ὠγυγίην ὀτρύνομεν, ὄφρα τάχιστα85
νύμφῃ ἐϋπλοκάμῳ εἴπῃ νημερτέα βουλήν,86
νόστον Ὀδυσσῆος ταλασίφρονος, ὥς κε νέηται.87
αὐτὰρ ἐγὼν Ἰθάκηνδε ἐλεύσομαι, ὄφρα οἱ υἱὸν88
μᾶλλον ἐποτρύνω καί οἱ μένος ἐν φρεσὶ θείω,89
εἰς ἀγορὴν καλέσαντα κάρη κομόωντας Ἀχαιοὺς90
πᾶσι μνηστήρεσσιν ἀπειπέμεν, οἵ τέ οἱ αἰεὶ91
μῆλ' ἁδινὰ σφάζουσι καὶ εἰλίποδας ἕλικας βοῦς.92
πέμψω δ' ἐς Σπάρτην τε καὶ ἐς Πύλον ἠμαθόεντα93
νόστον πευσόμενον πατρὸς φίλου, ἤν που ἀκούσῃ,94
ἠδ' ἵνα μιν κλέος ἐσθλὸν ἐν ἀνθρώποισιν ἔχῃσιν.»95
ὣς εἰποῦσ' ὑπὸ ποσσὶν ἐδήσατο καλὰ πέδιλα,96
ἀμβρόσια χρύσεια, τά μιν φέρον ἠμὲν ἐφ' ὑγρὴν97
ἠδ' ἐπ' ἀπείρονα γαῖαν ἅμα πνοιῇσ' ἀνέμοιο.98
εἵλετο δ' ἄλκιμον ἔγχος, ἀκαχμένον ὀξέϊ χαλκῷ,99
βριθὺ μέγα στιβαρόν, τῷ δάμνησι στίχας ἀνδρῶν100
ἡρώων, τοῖσίν τε κοτέσσεται ὀβριμοπάτρη,101
βῆ δὲ κατ' Οὐλύμποιο καρήνων ἀΐξασα,102
στῆ δ' Ἰθάκης ἐνὶ δήμῳ ἐπὶ προθύροισ' Ὀδυσῆος,103
οὐδοῦ ἐπ' αὐλείου· παλάμῃ δ' ἔχε χάλκεον ἔγχος,104
εἰδομένη ξείνῳ, Ταφίων ἡγήτορι, Μέντῃ.105
εὗρε δ' ἄρα μνηστῆρας ἀγήνορας· οἱ μὲν ἔπειτα106
πεσσοῖσι προπάροιθε θυράων θυμὸν ἔτερπον,107
ἥμενοι ἐν ῥινοῖσι βοῶν, οὓς ἔκτανον αὐτοί.108
κήρυκες δ' αὐτοῖσι καὶ ὀτρηροὶ θεράποντες109
οἱ μὲν ἄρ' οἶνον ἔμισγον ἐνὶ κρητῆρσι καὶ ὕδωρ,110
οἱ δ' αὖτε σπόγγοισι πολυτρήτοισι τραπέζας111
νίζον καὶ πρότιθεν, τοὶ δὲ κρέα πολλὰ δατεῦντο.112
τὴν δὲ πολὺ πρῶτος ἴδε Τηλέμαχος θεοειδής·113
ἧστο γὰρ ἐν μνηστῆρσι φίλον τετιημένος ἦτορ,114
ὀσσόμενος πατέρ' ἐσθλὸν ἐνὶ φρεσίν, εἴ ποθεν ἐλθὼν115
μνηστήρων τῶν μὲν σκέδασιν κατὰ δώματα θείη,116
τιμὴν δ' αὐτὸς ἔχοι καὶ κτήμασιν οἷσιν ἀνάσσοι.117
τὰ φρονέων μνηστῆρσι μεθήμενος εἴσιδ' Ἀθήνην,118
βῆ δ' ἰθὺς προθύροιο, νεμεσσήθη δ' ἐνὶ θυμῷ119
ξεῖνον δηθὰ θύρῃσιν ἐφεστάμεν· ἐγγύθι δὲ στὰς120
χεῖρ' ἕλε δεξιτερὴν καὶ ἐδέξατο χάλκεον ἔγχος,121
καί μιν φωνήσας ἔπεα πτερόεντα προσηύδα·122
«χαῖρε, ξεῖνε, παρ' ἄμμι φιλήσεαι· αὐτὰρ ἔπειτα123
δείπνου πασσάμενος μυθήσεαι ὅττεό σε χρή.»124
ὣς εἰπὼν ἡγεῖθ', ἡ δ' ἕσπετο Παλλὰς Ἀθήνη.125
οἱ δ' ὅτε δή ῥ' ἔντοσθεν ἔσαν δόμου ὑψηλοῖο,126
ἔγχος μέν ῥ' ἔστησε φέρων πρὸς κίονα μακρὴν127
δουροδόκης ἔντοσθεν ἐϋξόου, ἔνθα περ ἄλλα128
ἔγχε' Ὀδυσσῆος ταλασίφρονος ἵστατο πολλά,129
αὐτὴν δ' ἐς θρόνον εἷσεν ἄγων, ὑπὸ λῖτα πετάσσας,130
καλὸν δαιδάλεον· ὑπὸ δὲ θρῆνυς ποσὶν ἦεν.131
πὰρ δ' αὐτὸς κλισμὸν θέτο ποικίλον, ἔκτοθεν ἄλλων132
μνηστήρων, μὴ ξεῖνος ἀνιηθεὶς ὀρυμαγδῷ133
δείπνῳ ἀηδήσειεν, ὑπερφιάλοισι μετελθών,134
ἠδ' ἵνα μιν περὶ πατρὸς ἀποιχομένοιο ἔροιτο.135
χέρνιβα δ' ἀμφίπολος προχόῳ ἐπέχευε φέρουσα136
καλῇ χρυσείῃ, ὑπὲρ ἀργυρέοιο λέβητος,137
νίψασθαι· παρὰ δὲ ξεστὴν ἐτάνυσσε τράπεζαν.138
σῖτον δ' αἰδοίη ταμίη παρέθηκε φέρουσα,139
εἴδατα πόλλ' ἐπιθεῖσα, χαριζομένη παρεόντων·140
δαιτρὸς δὲ κρειῶν πίνακας παρέθηκεν ἀείρας141
παντοίων, παρὰ δέ σφι τίθει χρύσεια κύπελλα,142
κῆρυξ δ' αὐτοῖσιν θάμ' ἐπῴχετο οἰνοχοεύων.143
ἐς δ' ἦλθον μνηστῆρες ἀγήνορες· οἱ μὲν ἔπειτα144
ἑξείης ἕζοντο κατὰ κλισμούς τε θρόνους τε.145
τοῖσι δὲ κήρυκες μὲν ὕδωρ ἐπὶ χεῖρας ἔχευαν,146
σῖτον δὲ δμῳαὶ παρενήεον ἐν κανέοισι,147
κοῦροι δὲ κρητῆρας ἐπεστέψαντο ποτοῖο.148
οἱ δ' ἐπ' ὀνείαθ' ἑτοῖμα προκείμενα χεῖρας ἴαλλον.149
αὐτὰρ ἐπεὶ πόσιος καὶ ἐδητύος ἐξ ἔρον ἕντο150
μνηστῆρες, τοῖσιν μὲν ἐνὶ φρεσὶν ἄλλα μεμήλει,151
μολπή τ' ὀρχηστύς τε· τὰ γάρ τ' ἀναθήματα δαιτός.152
κῆρυξ δ' ἐν χερσὶν κίθαριν περικαλλέα θῆκε153
Φημίῳ, ὅς ῥ' ἤειδε παρὰ μνηστῆρσιν ἀνάγκῃ.154
ἦ τοι ὁ φορμίζων ἀνεβάλλετο καλὸν ἀείδειν,155
αὐτὰρ Τηλέμαχος προσέφη γλαυκῶπιν Ἀθήνην,156
ἄγχι σχὼν κεφαλήν, ἵνα μὴ πευθοίαθ' οἱ ἄλλοι·157
«ξεῖνε φίλ', ἦ καί μοι νεμεσήσεαι ὅττι κεν εἴπω;158
τούτοισιν μὲν ταῦτα μέλει, κίθαρις καὶ ἀοιδή,159
ῥεῖ', ἐπεὶ ἀλλότριον βίοτον νήποινον ἔδουσιν,160
ἀνέρος, οὗ δή που λεύκ' ὀστέα πύθεται ὄμβρῳ161
κείμεν' ἐπ' ἠπείρου, ἢ εἰν ἁλὶ κῦμα κυλίνδει.162
εἰ κεῖνόν γ' Ἰθάκηνδε ἰδοίατο νοστήσαντα,163
πάντες κ' ἀρησαίατ' ἐλαφρότεροι πόδας εἶναι164
ἢ ἀφνειότεροι χρυσοῖό τε ἐσθῆτός τε.165
νῦν δ' ὁ μὲν ὣς ἀπόλωλε κακὸν μόρον, οὐδέ τις ἥμιν166
θαλπωρή, εἴ πέρ τις ἐπιχθονίων ἀνθρώπων167
φῇσιν ἐλεύσεσθαι· τοῦ δ' ὤλετο νόστιμον ἦμαρ.168
ἀλλ' ἄγε μοι τόδε εἰπὲ καὶ ἀτρεκέως κατάλεξον·169
τίς πόθεν εἰς ἀνδρῶν; πόθι τοι πόλις ἠδὲ τοκῆες;170
ὁπποίης τ' ἐπὶ νηὸς ἀφίκεο; πῶς δέ σε ναῦται171
ἤγαγον εἰς Ἰθάκην; τίνες ἔμμεναι εὐχετόωντο;172
οὐ μὲν γάρ τί σε πεζὸν ὀΐομαι ἐνθάδ' ἱκέσθαι.173
καί μοι τοῦτ' ἀγόρευσον ἐτήτυμον, ὄφρ' ἐῢ εἰδῶ,174
ἠὲ νέον μεθέπεις, ἦ καὶ πατρώϊός ἐσσι175
ξεῖνος, ἐπεὶ πολλοὶ ἴσαν ἀνέρες ἡμέτερον δῶ176
ἄλλοι, ἐπεὶ καὶ κεῖνος ἐπίστροφος ἦν ἀνθρώπων.»177
τὸν δ' αὖτε προσέειπε θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·178
«τοιγὰρ ἐγώ τοι ταῦτα μάλ' ἀτρεκέως ἀγορεύσω.179
Μέντης Ἀγχιάλοιο δαΐφρονος εὔχομαι εἶναι180
υἱός, ἀτὰρ Ταφίοισι φιληρέτμοισιν ἀνάσσω.181
νῦν δ' ὧδε ξὺν νηῒ κατήλυθον ἠδ' ἑτάροισι,182
πλέων ἐπὶ οἴνοπα πόντον ἐπ' ἀλλοθρόους ἀνθρώπους,183
ἐς Τεμέσην μετὰ χαλκόν, ἄγω δ' αἴθωνα σίδηρον.184
νηῦς δέ μοι ἥδ' ἕστηκεν ἐπ' ἀγροῦ νόσφι πόληος,185
ἐν λιμένι Ῥείθρῳ, ὑπὸ Νηΐῳ ὑλήεντι.186
ξεῖνοι δ' ἀλλήλων πατρώϊοι εὐχόμεθ' εἶναι187
ἐξ ἀρχῆς, εἴ πέρ τε γέροντ' εἴρηαι ἐπελθὼν188
Λαέρτην ἥρωα, τὸν οὐκέτι φασὶ πόλινδε189
ἔρχεσθ', ἀλλ' ἀπάνευθεν ἐπ' ἀγροῦ πήματα πάσχειν190
γρηῒ σὺν ἀμφιπόλῳ, ἥ οἱ βρῶσίν τε πόσιν τε191
παρτιθεῖ, εὖτ' ἄν μιν κάματος κατὰ γυῖα λάβῃσιν192
ἑρπύζοντ' ἀνὰ γουνὸν ἀλῳῆς οἰνοπέδοιο.193
νῦν δ' ἦλθον· δὴ γάρ μιν ἔφαντ' ἐπιδήμιον εἶναι,194
σὸν πατέρ'· ἀλλά νυ τόν γε θεοὶ βλάπτουσι κελεύθου.195
οὐ γάρ πω τέθνηκεν ἐπὶ χθονὶ δῖος Ὀδυσσεύς,196
ἀλλ' ἔτι που ζωὸς κατερύκεται εὐρέϊ πόντῳ,197
νήσῳ ἐν ἀμφιρύτῃ, χαλεποὶ δέ μιν ἄνδρες ἔχουσιν,198
ἄγριοι, οἵ που κεῖνον ἐρυκανόωσ' ἀέκοντα.199
αὐτὰρ νῦν τοι ἐγὼ μαντεύσομαι, ὡς ἐνὶ θυμῷ200
ἀθάνατοι βάλλουσι καὶ ὡς τελέεσθαι ὀΐω,201
οὔτε τι μάντις ἐὼν οὔτ' οἰωνῶν σάφα εἰδώς.202
οὔ τοι ἔτι δηρόν γε φίλης ἀπὸ πατρίδος αἴης203
ἔσσεται, οὐδ' εἴ πέρ τε σιδήρεα δέσματ' ἔχῃσι·204
φράσσεται ὥς κε νέηται, ἐπεὶ πολυμήχανός ἐστιν.205
ἀλλ' ἄγε μοι τόδε εἰπὲ καὶ ἀτρεκέως κατάλεξον,206
εἰ δὴ ἐξ αὐτοῖο τόσος πάϊς εἰς Ὀδυσῆος.207
αἰνῶς μὲν κεφαλήν τε καὶ ὄμματα καλὰ ἔοικας208
κείνῳ, ἐπεὶ θαμὰ τοῖον ἐμισγόμεθ' ἀλλήλοισι,209
πρίν γε τὸν ἐς Τροίην ἀναβήμεναι, ἔνθα περ ἄλλοι210
Ἀργείων οἱ ἄριστοι ἔβαν κοίλῃσ' ἐνὶ νηυσίν·211
ἐκ τοῦ δ' οὔτ' Ὀδυσῆα ἐγὼν ἴδον οὔτ' ἐμὲ κεῖνος.»212
τὴν δ' αὖ Τηλέμαχος πεπνυμένος ἀντίον ηὔδα·213
«τοιγὰρ ἐγώ τοι, ξεῖνε, μάλ' ἀτρεκέως ἀγορεύσω.214
μήτηρ μέν τέ μέ φησι τοῦ ἔμμεναι, αὐτὰρ ἐγώ γε215
οὐκ οἶδ'· οὐ γάρ πώ τις ἑὸν γόνον αὐτὸς ἀνέγνω.216
ὡς δὴ ἐγώ γ' ὄφελον μάκαρός νύ τευ ἔμμεναι υἱὸς217
ἀνέρος, ὃν κτεάτεσσιν ἑοῖσ' ἔπι γῆρας ἔτετμε.218
νῦν δ' ὃς ἀποτμότατος γένετο θνητῶν ἀνθρώπων,219
τοῦ μ' ἔκ φασι γενέσθαι, ἐπεὶ σύ με τοῦτ' ἐρεείνεις.»220
τὸν δ' αὖτε προσέειπε θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·221
«οὐ μέν τοι γενεήν γε θεοὶ νώνυμνον ὀπίσσω222
θῆκαν, ἐπεὶ σέ γε τοῖον ἐγείνατο Πηνελόπεια.223
ἀλλ' ἄγε μοι τόδε εἰπὲ καὶ ἀτρεκέως κατάλεξον·224
τίς δαίς, τίς δὲ ὅμιλος ὅδ' ἔπλετο; τίπτε δέ σε χρεώ;225
εἰλαπίνη ἦε γάμος; ἐπεὶ οὐκ ἔρανος τάδε γ' ἐστίν,226
ὥς τέ μοι ὑβρίζοντες ὑπερφιάλως δοκέουσι227
δαίνυσθαι κατὰ δῶμα. νεμεσσήσαιτό κεν ἀνὴρ228
αἴσχεα πόλλ' ὁρόων, ὅς τις πινυτός γε μετέλθοι.»229
τὴν δ' αὖ Τηλέμαχος πεπνυμένος ἀντίον ηὔδα·230
«ξεῖν', ἐπεὶ ἂρ δὴ ταῦτά μ' ἀνείρεαι ἠδὲ μεταλλᾷς,231
μέλλεν μέν ποτε οἶκος ὅδ' ἀφνειὸς καὶ ἀμύμων232
ἔμμεναι, ὄφρ' ἔτι κεῖνος ἀνὴρ ἐπιδήμιος ἦεν·233
νῦν δ' ἑτέρως ἐβόλοντο θεοὶ κακὰ μητιόωντες,234
οἳ κεῖνον μὲν ἄϊστον ἐποίησαν περὶ πάντων235
ἀνθρώπων, ἐπεὶ οὔ κε θανόντι περ ὧδ' ἀκαχοίμην,236
εἰ μετὰ οἷσ' ἑτάροισι δάμη Τρώων ἐνὶ δήμῳ,237
ἠὲ φίλων ἐν χερσίν, ἐπεὶ πόλεμον τολύπευσε.238
τῶ κέν οἱ τύμβον μὲν ἐποίησαν Παναχαιοί,239
ἠδέ κε καὶ ᾧ παιδὶ μέγα κλέος ἤρατ' ὀπίσσω.240
νῦν δέ μιν ἀκλειῶς Ἅρπυιαι ἀνηρέψαντο·241
οἴχετ' ἄϊστος ἄπυστος, ἐμοὶ δ' ὀδύνας τε γόους τε242
κάλλιπεν· οὐδέ τι κεῖνον ὀδυρόμενος στεναχίζω243
οἶον, ἐπεί νύ μοι ἄλλα θεοὶ κακὰ κήδε' ἔτευξαν.244
ὅσσοι γὰρ νήσοισιν ἐπικρατέουσιν ἄριστοι,245
Δουλιχίῳ τε Σάμῃ τε καὶ ὑλήεντι Ζακύνθῳ,246
ἠδ' ὅσσοι κραναὴν Ἰθάκην κάτα κοιρανέουσι,247
τόσσοι μητέρ' ἐμὴν μνῶνται, τρύχουσι δὲ οἶκον.248
ἡ δ' οὔτ' ἀρνεῖται στυγερὸν γάμον οὔτε τελευτὴν249
ποιῆσαι δύναται· τοὶ δὲ φθινύθουσιν ἔδοντες250
οἶκον ἐμόν· τάχα δή με διαῤῥαίσουσι καὶ αὐτόν.»251
τὸν δ' ἐπαλαστήσασα προσηύδα Παλλὰς Ἀθήνη·252
«ὢ πόποι, ἦ δὴ πολλὸν ἀποιχομένου Ὀδυσῆος253
δεύῃ, ὅ κε μνηστῆρσιν ἀναιδέσι χεῖρας ἐφείη.254
εἰ γὰρ νῦν ἐλθὼν δόμου ἐν πρώτῃσι θύρῃσι255
σταίη, ἔχων πήληκα καὶ ἀσπίδα καὶ δύο δοῦρε,256
τοῖος ἐὼν οἷόν μιν ἐγὼ τὰ πρῶτ' ἐνόησα257
οἴκῳ ἐν ἡμετέρῳ πίνοντά τε τερπόμενόν τε,258
ἐξ Ἐφύρης ἀνιόντα παρ' Ἴλου Μερμερίδαο· -259
ᾤχετο γὰρ καὶ κεῖσε θοῆς ἐπὶ νηὸς Ὀδυσσεὺς260
φάρμακον ἀνδροφόνον διζήμενος, ὄφρα οἱ εἴη261
ἰοὺς χρίεσθαι χαλκήρεας· ἀλλ' ὁ μὲν οὔ οἱ262
δῶκεν, ἐπεί ῥα θεοὺς νεμεσίζετο αἰὲν ἐόντας,263
ἀλλὰ πατήρ οἱ δῶκεν ἐμός· φιλέεσκε γὰρ αἰνῶς· -264
τοῖος ἐὼν μνηστῆρσιν ὁμιλήσειεν Ὀδυσσεύς·265
πάντες κ' ὠκύμοροί τε γενοίατο πικρόγαμοί τε.266
ἀλλ' ἦ τοι μὲν ταῦτα θεῶν ἐν γούνασι κεῖται,267
ἤ κεν νοστήσας ἀποτείσεται, ἦε καὶ οὐκί,268
οἷσιν ἐνὶ μεγάροισι· σὲ δὲ φράζεσθαι ἄνωγα,269
ὅππως κε μνηστῆρας ἀπώσεαι ἐκ μεγάροιο.270
εἰ δ' ἄγε νῦν ξυνίει καὶ ἐμῶν ἐμπάζεο μύθων·271
αὔριον εἰς ἀγορὴν καλέσας ἥρωας Ἀχαιοὺς272
μῦθον πέφραδε πᾶσι, θεοὶ δ' ἐπὶ μάρτυροι ἔστων.273
μνηστῆρας μὲν ἐπὶ σφέτερα σκίδνασθαι ἄνωχθι,274
μητέρα δ', εἴ οἱ θυμὸς ἐφορμᾶται γαμέεσθαι,275
ἂψ ἴτω ἐς μέγαρον πατρὸς μέγα δυναμένοιο·276
οἱ δὲ γάμον τεύξουσι καὶ ἀρτυνέουσιν ἔεδνα277
πολλὰ μάλ', ὅσσα ἔοικε φίλης ἐπὶ παιδὸς ἕπεσθαι.278
σοὶ δ' αὐτῷ πυκινῶς ὑποθήσομαι, αἴ κε πίθηαι·279
νῆ' ἄρσας ἐρέτῃσιν ἐείκοσιν, ἥ τις ἀρίστη,280
ἔρχεο πευσόμενος πατρὸς δὴν οἰχομένοιο,281
ἤν τίς τοι εἴπῃσι βροτῶν, ἢ ὄσσαν ἀκούσῃς282
ἐκ Διός, ἥ τε μάλιστα φέρει κλέος ἀνθρώποισι.283
πρῶτα μὲν ἐς Πύλον ἐλθὲ καὶ εἴρεο Νέστορα δῖον,284
κεῖθεν δὲ Σπάρτηνδε παρὰ ξανθὸν Μενέλαον·285
ὃς γὰρ δεύτατος ἦλθεν Ἀχαιῶν χαλκοχιτώνων.286
εἰ μέν κεν πατρὸς βίοτον καὶ νόστον ἀκούσῃς,287
ἦ τ' ἂν τρυχόμενός περ ἔτι τλαίης ἐνιαυτόν·288
εἰ δέ κε τεθνηῶτος ἀκούσῃς μηδ' ἔτ' ἐόντος,289
νοστήσας δὴ ἔπειτα φίλην ἐς πατρίδα γαῖαν290
σῆμά τέ οἱ χεῦαι καὶ ἐπὶ κτέρεα κτερεΐξαι291
πολλὰ μάλ', ὅσσα ἔοικε, καὶ ἀνέρι μητέρα δοῦναι.292
αὐτὰρ ἐπὴν δὴ ταῦτα τελευτήσῃς τε καὶ ἕρξῃς,293
φράζεσθαι δὴ ἔπειτα κατὰ φρένα καὶ κατὰ θυμόν,294
ὅππως κε μνηστῆρας ἐνὶ μεγάροισι τεοῖσι295
κτείνῃς ἠὲ δόλῳ ἢ ἀμφαδόν· οὐδέ τί σε χρὴ296
νηπιάας ὀχέειν, ἐπεὶ οὐκέτι τηλίκος ἐσσί.297
ἦ οὐκ ἀΐεις οἷον κλέος ἔλλαβε δῖος Ὀρέστης298
πάντας ἐπ' ἀνθρώπους, ἐπεὶ ἔκτανε πατροφονῆα,299
Αἴγισθον δολόμητιν, ὅ οἱ πατέρα κλυτὸν ἔκτα;300
καὶ σύ, φίλος, μάλα γάρ σ' ὁρόω καλόν τε μέγαν τε,301
ἄλκιμος ἔσσ', ἵνα τίς σε καὶ ὀψιγόνων ἐῢ εἴπῃ.302
αὐτὰρ ἐγὼν ἐπὶ νῆα θοὴν κατελεύσομαι ἤδη303
ἠδ' ἑτάρους, οἵ πού με μάλ' ἀσχαλόωσι μένοντες·304
σοὶ δ' αὐτῷ μελέτω, καὶ ἐμῶν ἐμπάζεο μύθων.»305
τὴν δ' αὖ Τηλέμαχος πεπνυμένος ἀντίον ηὔδα·306
«ξεῖν', ἦ τοι μὲν ταῦτα φίλα φρονέων ἀγορεύεις,307
ὥς τε πατὴρ ᾧ παιδί, καὶ οὔ ποτε λήσομαι αὐτῶν.308
ἀλλ' ἄγε νῦν ἐπίμεινον, ἐπειγόμενός περ ὁδοῖο,309
ὄφρα λοεσσάμενός τε τεταρπόμενός τε φίλον κῆρ310
δῶρον ἔχων ἐπὶ νῆα κίῃς, χαίρων ἐνὶ θυμῷ,311
τιμῆεν, μάλα καλόν, ὅ τοι κειμήλιον ἔσται312
ἐξ ἐμεῦ, οἷα φίλοι ξεῖνοι ξείνοισι διδοῦσι.»313
τὸν δ' ἠμείβετ' ἔπειτα θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη·314
«μή μ' ἔτι νῦν κατέρυκε, λιλαιόμενόν περ ὁδοῖο·315
δῶρον δ' ὅττι κέ μοι δοῦναι φίλον ἦτορ ἀνώγῃ,316
αὖτις ἀνερχομένῳ δόμεναι οἶκόνδε φέρεσθαι,317
καὶ μάλα καλὸν ἑλών· σοὶ δ' ἄξιον ἔσται ἀμοιβῆς.»318
ἡ μὲν ἄρ' ὣς εἰποῦσ' ἀπέβη γλαυκῶπις Ἀθήνη,319
ὄρνις δ' ὣς ἀνόπαια διέπτατο· τῷ δ' ἐνὶ θυμῷ320
θῆκε μένος καὶ θάρσος, ὑπέμνησέν τέ ἑ πατρὸς321
μᾶλλον ἔτ' ἢ τὸ πάροιθεν. ὁ δὲ φρεσὶν ᾗσι νοήσας322
θάμβησεν κατὰ θυμόν· ὀΐσατο γὰρ θεὸν εἶναι.323
αὐτίκα δὲ μνηστῆρας ἐπῴχετο ἰσόθεος φώς.324
τοῖσι δ' ἀοιδὸς ἄειδε περικλυτός, οἱ δὲ σιωπῇ325
εἵατ' ἀκούοντες· ὁ δ' Ἀχαιῶν νόστον ἄειδε326
λυγρόν, ὃν ἐκ Τροίης ἐπετείλατο Παλλὰς Ἀθήνη.327
τοῦ δ' ὑπερωϊόθεν φρεσὶ σύνθετο θέσπιν ἀοιδὴν328
κούρη Ἰκαρίοιο, περίφρων Πηνελόπεια·329
κλίμακα δ' ὑψηλὴν κατεβήσετο οἷο δόμοιο,330
οὐκ οἴη, ἅμα τῇ γε καὶ ἀμφίπολοι δύ' ἕποντο.331
ἡ δ' ὅτε δὴ μνηστῆρας ἀφίκετο δῖα γυναικῶν,332
στῆ ῥα παρὰ σταθμὸν τέγεος πύκα ποιητοῖο,333
ἄντα παρειάων σχομένη λιπαρὰ κρήδεμνα·334
ἀμφίπολος δ' ἄρα οἱ κεδνὴ ἑκάτερθε παρέστη.335
δακρύσασα δ' ἔπειτα προσηύδα θεῖον ἀοιδόν·336
«Φήμιε, πολλὰ γὰρ ἄλλα βροτῶν θελκτήρια οἶδας337
ἔργ' ἀνδρῶν τε θεῶν τε, τά τε κλείουσιν ἀοιδοί·338
τῶν ἕν γέ σφιν ἄειδε παρήμενος, οἱ δὲ σιωπῇ339
οἶνον πινόντων· ταύτης δ' ἀποπαύε' ἀοιδῆς340
λυγρῆς, ἥ τέ μοι αἰὲν ἐνὶ στήθεσσι φίλον κῆρ341
τείρει, ἐπεί με μάλιστα καθίκετο πένθος ἄλαστον.342
τοίην γὰρ κεφαλὴν ποθέω μεμνημένη αἰεὶ343
ἀνδρός, τοῦ κλέος εὐρὺ καθ' Ἑλλάδα καὶ μέσον Ἄργος.»344
τὴν δ' αὖ Τηλέμαχος πεπνυμένος ἀντίον ηὔδα·345
«μῆτερ ἐμή, τί τ' ἄρα φθονέεις ἐρίηρον ἀοιδὸν346
τέρπειν ὅππῃ οἱ νόος ὄρνυται; οὔ νύ τ' ἀοιδοὶ347
αἴτιοι, ἀλλά ποθι Ζεὺς αἴτιος, ὅς τε δίδωσιν348
ἀνδράσιν ἀλφηστῇσιν ὅπως ἐθέλῃσιν ἑκάστῳ.349
τούτῳ δ' οὐ νέμεσις Δαναῶν κακὸν οἶτον ἀείδειν·350
τὴν γὰρ ἀοιδὴν μᾶλλον ἐπικλείουσ' ἄνθρωποι,351
ἥ τις ἀϊόντεσσι νεωτάτη ἀμφιπέληται.352
σοὶ δ' ἐπιτολμάτω κραδίη καὶ θυμὸς ἀκούειν·353
οὐ γὰρ Ὀδυσσεὺς οἶος ἀπώλεσε νόστιμον ἦμαρ354
ἐν Τροίῃ, πολλοὶ δὲ καὶ ἄλλοι φῶτες ὄλοντο.355
ἀλλ' εἰς οἶκον ἰοῦσα τὰ σ' αὐτῆς ἔργα κόμιζε,356
ἱστόν τ' ἠλακάτην τε, καὶ ἀμφιπόλοισι κέλευε357
ἔργον ἐποίχεσθαι· μῦθος δ' ἄνδρεσσι μελήσει358
πᾶσι, μάλιστα δ' ἐμοί· τοῦ γὰρ κράτος ἔστ' ἐνὶ οἴκῳ.»359
ἡ μὲν θαμβήσασα πάλιν οἶκόνδε βεβήκει·360
παιδὸς γὰρ μῦθον πεπνυμένον ἔνθετο θυμῷ.361
ἐς δ' ὑπερῷ' ἀναβᾶσα σὺν ἀμφιπόλοισι γυναιξὶ362
κλαῖεν ἔπειτ' Ὀδυσῆα, φίλον πόσιν, ὄφρα οἱ ὕπνον363
ἡδὺν ἐπὶ βλεφάροισι βάλε γλαυκῶπις Ἀθήνη.364
μνηστῆρες δ' ὁμάδησαν ἀνὰ μέγαρα σκιόεντα·365
πάντες δ' ἠρήσαντο παραὶ λεχέεσσι κλιθῆναι.366
τοῖσι δὲ Τηλέμαχος πεπνυμένος ἤρχετο μύθων·367
«μητρὸς ἐμῆς μνηστῆρες, ὑπέρβιον ὕβριν ἔχοντες,368
νῦν μὲν δαινύμενοι τερπώμεθα, μηδὲ βοητὺς369
ἔστω, ἐπεὶ τό γε καλὸν ἀκουέμεν ἐστὶν ἀοιδοῦ370
τοιοῦδ' οἷος ὅδ' ἐστί, θεοῖσ' ἐναλίγκιος αὐδήν.371
ἠῶθεν δ' ἀγορήνδε καθεζώμεσθα κιόντες372
πάντες, ἵν' ὕμιν μῦθον ἀπηλεγέως ἀποείπω,373
ἐξιέναι μεγάρων· ἄλλας δ' ἀλεγύνετε δαῖτας,374
ὑμὰ κτήματ' ἔδοντες, ἀμειβόμενοι κατὰ οἴκους.375
εἰ δ' ὕμιν δοκέει τόδε λωΐτερον καὶ ἄμεινον376
ἔμμεναι, ἀνδρὸς ἑνὸς βίοτον νήποινον ὀλέσθαι,377
κείρετ'· ἐγὼ δὲ θεοὺς ἐπιβώσομαι αἰὲν ἐόντας,378
αἴ κέ ποθι Ζεὺς δῷσι παλίντιτα ἔργα γενέσθαι·379
νήποινοί κεν ἔπειτα δόμων ἔντοσθεν ὄλοισθε.»380
ὣς ἔφαθ', οἱ δ' ἄρα πάντες ὀδὰξ ἐν χείλεσι φύντες381
Τηλέμαχον θαύμαζον, ὃ θαρσαλέως ἀγόρευε.382
τὸν δ' αὖτ' Ἀντίνοος προσέφη, Εὐπείθεος υἱός·383
«Τηλέμαχ', ἦ μάλα δή σε διδάσκουσιν θεοὶ αὐτοὶ384
ὑψαγόρην τ' ἔμεναι καὶ θαρσαλέως ἀγορεύειν.385
μὴ σέ γ' ἐν ἀμφιάλῳ Ἰθάκῃ βασιλῆα Κρονίων386
ποιήσειεν, ὅ τοι γενεῇ πατρώϊόν ἐστιν.»387
τὸν δ' αὖ Τηλέμαχος πεπνυμένος ἀντίον ηὔδα·388
«Ἀντίνο', εἴ πέρ μοι καὶ ἀγάσσεαι ὅττι κεν εἴπω,389
καί κεν τοῦτ' ἐθέλοιμι Διός γε διδόντος ἀρέσθαι.390
ἦ φῂς τοῦτο κάκιστον ἐν ἀνθρώποισι τετύχθαι;391
οὐ μὲν γάρ τι κακὸν βασιλευέμεν· αἶψά τέ οἱ δῶ392
ἀφνειὸν πέλεται καὶ τιμηέστερος αὐτός.393
ἀλλ' ἦ τοι βασιλῆες Ἀχαιῶν εἰσὶ καὶ ἄλλοι394
πολλοὶ ἐν ἀμφιάλῳ Ἰθάκῃ, νέοι ἠδὲ παλαιοί,395
τῶν κέν τις τόδ' ἔχῃσιν, ἐπεὶ θάνε δῖος Ὀδυσσεύς·396
αὐτὰρ ἐγὼν οἴκοιο ἄναξ ἔσομ' ἡμετέροιο397
καὶ δμώων, οὕς μοι ληΐσσατο δῖος Ὀδυσσεύς.»398
τὸν δ' αὖτ' Εὐρύμαχος, Πολύβου πάϊς, ἀντίον ηὔδα·399
«Τηλέμαχ', ἦ τοι ταῦτα θεῶν ἐν γούνασι κεῖται,400
ὅς τις ἐν ἀμφιάλῳ Ἰθάκῃ βασιλεύσει Ἀχαιῶν·401
κτήματα δ' αὐτὸς ἔχοις καὶ δώμασι σοῖσιν ἀνάσσοις.402
μὴ γὰρ ὅ γ' ἔλθοι ἀνήρ, ὅς τίς σ' ἀέκοντα βίηφι403
κτήματ' ἀποῤῥαίσει', Ἰθάκης ἔτι ναιεταούσης.404
ἀλλ' ἐθέλω σε, φέριστε, περὶ ξείνοιο ἐρέσθαι,405
ὁππόθεν οὗτος ἀνήρ· ποίης δ' ἐξ εὔχεται εἶναι406
γαίης; ποῦ δέ νύ οἱ γενεὴ καὶ πατρὶς ἄρουρα;407
ἠέ τιν' ἀγγελίην πατρὸς φέρει ἐρχομένοιο,408
ἦ ἑὸν αὐτοῦ χρεῖος ἐελδόμενος τόδ' ἱκάνει;409
οἷον ἀναΐξας ἄφαρ οἴχεται, οὐδ' ὑπέμεινε410
γνώμεναι· οὐ μὲν γάρ τι κακῷ εἰς ὦπα ἐῴκει.»411
τὸν δ' αὖ Τηλέμαχος πεπνυμένος ἀντίον ηὔδα·412
«Εὐρύμαχ', ἦ τοι νόστος ἀπώλετο πατρὸς ἐμοῖο·413
οὔτ' οὖν ἀγγελίῃ ἔτι πείθομαι, εἴ ποθεν ἔλθοι,414
οὔτε θεοπροπίης ἐμπάζομαι, ἥν τινα μήτηρ415
ἐς μέγαρον καλέσασα θεοπρόπον ἐξερέηται.416
ξεῖνος δ' οὗτος ἐμὸς πατρώϊος ἐκ Τάφου ἐστί,417
Μέντης δ' Ἀγχιάλοιο δαΐφρονος εὔχεται εἶναι418
υἱός, ἀτὰρ Ταφίοισι φιληρέτμοισιν ἀνάσσει.»419
ὣς φάτο Τηλέμαχος, φρεσὶ δ' ἀθανάτην θεὸν ἔγνω.420
οἱ δ' εἰς ὀρχηστύν τε καὶ ἱμερόεσσαν ἀοιδὴν421
τρεψάμενοι τέρποντο, μένον δ' ἐπὶ ἕσπερον ἐλθεῖν.422
τοῖσι δὲ τερπομένοισι μέλας ἐπὶ ἕσπερος ἦλθε·423
δὴ τότε κακκείοντες ἔβαν οἶκόνδε ἕκαστος.424
Τηλέμαχος δ', ὅθι οἱ θάλαμος περικαλλέος αὐλῆς425
ὑψηλὸς δέδμητο, περισκέπτῳ ἐνὶ χώρῳ,426
ἔνθ' ἔβη εἰς εὐνὴν πολλὰ φρεσὶ μερμηρίζων.427
τῷ δ' ἄρ' ἅμ' αἰθομένας δαΐδας φέρε κεδνὰ ἰδυῖα428
Εὐρύκλει', Ὦπος θυγάτηρ Πεισηνορίδαο,429
τήν ποτε Λαέρτης πρίατο κτεάτεσσιν ἑοῖσι,430
πρωθήβην ἔτ' ἐοῦσαν, ἐεικοσάβοια δ' ἔδωκεν,431
ἶσα δέ μιν κεδνῇ ἀλόχῳ τίεν ἐν μεγάροισιν,432
εὐνῇ δ' οὔ ποτ' ἔμικτο, χόλον δ' ἀλέεινε γυναικός·433
ἥ οἱ ἅμ' αἰθομένας δαΐδας φέρε καί ἑ μάλιστα434
δμῳάων φιλέεσκε καὶ ἔτρεφε τυτθὸν ἐόντα.435
ὤϊξεν δὲ θύρας θαλάμου πύκα ποιητοῖο,436
ἕζετο δ' ἐν λέκτρῳ, μαλακὸν δ' ἔκδυνε χιτῶνα·437
καὶ τὸν μὲν γραίης πυκιμηδέος ἔμβαλε χερσίν.438
ἡ μὲν τὸν πτύξασα καὶ ἀσκήσασα χιτῶνα,439
πασσάλῳ ἀγκρεμάσασα παρὰ τρητοῖσι λέχεσσι,440
βῆ ῥ' ἴμεν ἐκ θαλάμοιο, θύρην δ' ἐπέρυσσε κορώνῃ441
ἀργυρέῃ, ἐπὶ δὲ κληῗδ' ἐτάνυσσεν ἱμάντι.442
ἔνθ' ὅ γε παννύχιος, κεκαλυμμένος οἰὸς ἀώτῳ,443
βούλευε φρεσὶν ᾗσιν ὁδόν, τὴν πέφραδ' Ἀθήνη.444

XXIII. Wörtliche deutsche Übersetzung

Singe mir, Muse, von dem vielgewandten Mann, der sehr vieles umherirrte, nachdem er die heilige Burg Trojas zerstört hatte. Von vielen Menschen sah er die Städte und erkannte ihren Sinn; vieles erlitt er auf dem Meer an Schmerzen in seinem Herzen, während er um das eigene Leben und um die Heimkehr der Gefährten rang. Doch auch so rettete er die Gefährten nicht, so sehr er es wünschte; denn durch ihre eigenen Verfehlungen gingen sie zugrunde, die Toren, die die Rinder des Hyperion Helios verzehrten. Darauf nahm jener ihnen den Tag der Heimkehr. Davon, Göttin, Tochter des Zeus, erzähle auch uns von irgendwoher den Anfang.

XXIV. Poetische deutsche Prosaerzählung

Erzähle von jenem Mann, Muse, der viele Wege kannte und nach dem Fall Trojas weit über die Welt getrieben wurde. Er sah Städte und lernte die Denkweise vieler Menschen kennen; auf dem Meer litt er unzählige Schmerzen und kämpfte darum, sein Leben und die Heimkehr seiner Gefährten zu retten. Doch nicht einmal seine Klugheit vermochte alle zu bewahren. Durch ihre eigene Verblendung gingen sie zugrunde, als sie die heiligen Rinder des Sonnengottes angriffen und damit den Tag ihrer Rückkehr verloren. Hebe von dort an die Erzählung an, göttliche Stimme, und führe auch uns in diesen langen Weg aus Irrfahrt, Verlust und Heimkehr hinein.