Aba
Lexikon
Aba ist eine Stadt in Ungarn. Sie liegt im Komitat Fejér, gehört zum Kreis Székesfehérvár und befindet sich ungefähr 20 Kilometer süd-südöstlich der Komitatshauptstadt Székesfehérvár. Landschaftlich liegt Aba im nördlichen Teil des Mezőföld, einer großräumigen Löss- und Agrarlandschaft des mittleren Transdanubiens, im Tal des Sárvíz. Das Gemeindegebiet umfasst 88,05 Quadratkilometer. Nach den von der Stadtverwaltung unter Berufung auf das ungarische Zentralamt für Statistik veröffentlichten Angaben lebten am 1. Januar 2024 insgesamt 4.396 Menschen im Stadtgebiet. Zur heutigen Verwaltungseinheit gehören neben dem eigentlichen Aba die Ortsteile Belsőbáránd und Felsőszentiván-Bodakajtor. Die weitläufige Gemarkung und die Einbeziehung historisch eigenständiger Siedlungsplätze erklären, weshalb Aba trotz seiner vergleichsweise geringen Einwohnerzahl ein ausgedehntes Verwaltungsgebiet besitzt.
Die Lage im Sárvíz-Tal hat die Entwicklung der Siedlung wesentlich geprägt. Der Sárvíz und die mit ihm verbundenen Niederungs-, Feucht- und Grünlandbereiche bilden einen landschaftlichen Gegenpol zu den großflächigen Ackergebieten des Mezőföld. Die Umgebung wurde über Jahrhunderte landwirtschaftlich genutzt; historische Quellen nennen Getreideanbau, Wiesenwirtschaft, Viehhaltung und Fischerei. Für das 17. und 18. Jahrhundert sind unter anderem Weizen, Gerste, Hafer und Hirse sowie umfangreiche Viehbestände nachgewiesen. Der zur Abaer Gemarkung gehörende Kajtorer See war im 18. Jahrhundert für seinen Fischreichtum bekannt. Die Wirtschaftsstruktur des Ortes war damit lange von der Verbindung zwischen fruchtbarem Ackerland, Weiden und den Gewässerlandschaften des Sárvíz geprägt. Noch heute bestimmen Landwirtschaft und die offene Kulturlandschaft das Erscheinungsbild der Umgebung, während die Flussniederung zugleich einen ökologisch bedeutsamen Korridor mit Wäldern, Gewässern und Feuchtflächen bildet.
Der Ortsname ist spätestens im 14. Jahrhundert sicher belegt. Die ortsgeschichtliche Forschung und die heutige Stadtverwaltung nennen 1334 als ersten urkundlichen Nachweis der Form Aba. Einzelne kirchengeschichtliche Nachschlagewerke führen zwar bereits für 1138 eine Form Oba an; da diese frühe Form in den maßgeblichen ortsnamenkundlichen Darstellungen nicht in gleicher Weise als sicherer Erstbeleg der heutigen Stadt behandelt wird, ist für eine vorsichtige lexikographische Darstellung 1334 als erster eindeutig zugeordneter Beleg vorzuziehen. Das mittelalterliche Siedlungsgebiet war jedoch älter und komplexer als der Name Aba allein erkennen lässt. Im heutigen Stadtgebiet beziehungsweise seiner unmittelbaren historischen Gemarkung lagen weitere Siedlungen und Besitzungen wie Bögöd, Felsőszentiván, Báránd, Kajtor, Petele und Szentmihály, von denen einige bereits im 13. und 14. Jahrhundert urkundlich erscheinen.
Im Spätmittelalter entwickelte sich Aba innerhalb der agrarisch geprägten Siedlungslandschaft des Komitats Fejér. Nach der osmanischen Einnahme von Székesfehérvár 1543 geriet auch die Umgebung Abas unter die Bedingungen der osmanischen Herrschaft in Ungarn. Die Besitz- und Verwaltungsverhältnisse blieben kompliziert, weil neben der osmanischen Herrschaft weiterhin ungarische Grundherren Ansprüche auf Besitz und Abgaben geltend machten. Während des sogenannten Langen Türkenkrieges am Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Siedlung schwer getroffen und zeitweise verwüstet. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts setzte eine erneute Besiedlung ein. Die konfessionelle Entwicklung wurde wesentlich vom Reformiertentum geprägt; bereits für 1631 ist ein reformierter Geistlicher belegt. Nach dem Ende der osmanischen Herrschaft stabilisierten sich Bevölkerung, Landwirtschaft und kirchliche Organisation schrittweise.
Auch der Rákóczi-Aufstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts hinterließ tiefe Spuren. 1707 wurde das Dorf von kaiserlichen Truppen niedergebrannt, weil zahlreiche Bewohner die Truppen des kuruzischen Generals Vak Bottyán unterstützt hatten. In die gleiche Epoche fiel eine schwere Pestwelle, der nach der örtlichen Überlieferung etwa 170 Menschen zum Opfer fielen. Der Wiederaufbau des 18. Jahrhunderts führte zu einer erneuten wirtschaftlichen und institutionellen Festigung. Die katholische Seelsorge wurde zunächst von Franziskanern, seit 1746 von Jesuiten wahrgenommen. Die römisch-katholische Dreifaltigkeitskirche wurde 1756 vollendet beziehungsweise geweiht. Ihr ungewöhnlicher dreieckiger Grundriss und weitere dreigliedrige Gestaltungselemente beziehen sich programmatisch auf die christliche Trinitätslehre; als Entwerfer wird wahrscheinlich der Linzer Architekt Paul Hatzinger angenommen.
Das religiöse Leben blieb zugleich konfessionell vielfältig. Die reformierte Gemeinde war historisch besonders stark und unterhielt bereits im 18. Jahrhundert ein eigenes Oratorium. Konflikte um dessen Instandsetzung dokumentieren die begrenzten Rechte protestantischer Gemeinden während der habsburgischen Konfessionspolitik. Neben katholischen und reformierten Bewohnern bestand später auch eine jüdische Gemeinde; die erhaltenen archivalischen Kirchen- und Personenstandsunterlagen dokumentieren jüdisches Leben in Aba besonders für das 19. Jahrhundert. Die religiöse Geschichte der Stadt spiegelt damit in kleinem Maßstab die konfessionelle Vielschichtigkeit des westlichen und mittleren Ungarns wider.
Im 19. Jahrhundert verdichteten sich Infrastruktur und örtliche Institutionen. Die Bevölkerung beteiligte sich am ungarischen Revolutions- und Freiheitskampf von 1848/49. Unter dem Abaer Nationalgardekommandanten Szűcs Gedeon sollen 183 Angehörige der örtlichen Nationalgarde an den Kämpfen bei Ozora teilgenommen haben. Gegen Ende des Jahrhunderts verfügte Aba bereits über eine Eisenbahnstation, Post, Gendarmeriestation und Feuerwehrverein. Die Bevölkerung erreichte um 1900 etwa 3.500 Personen. Die Anbindung an die Eisenbahn verstärkte die Beziehungen zu Székesfehérvár und zum südlichen Fejér und erleichterte den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Aba blieb dennoch in erster Linie ein landwirtschaftlich geprägter größerer Landort und entwickelte keine mit den traditionellen ungarischen Marktstädten vergleichbare urbane Struktur.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Aba erneut schwer beschädigt. Im Frühjahr 1945 verliefen in der Region heftige Kämpfe; am 21. März nahmen sowjetische Truppen die Ortschaft ein. Nach Angaben der örtlichen Geschichtsdarstellung waren 165 Wohnhäuser anschließend unbewohnbar, und beide großen Kirchen hatten erhebliche Schäden erlitten. Der ältere reformierte Kirchenbau war bereits im Zusammenhang der Kampfhandlungen zerstört worden. Die heutige reformierte Kirche wurde zwischen 1948 und 1950 errichtet. Damit besitzt Aba zwei für die Stadtgeschichte besonders aussagekräftige Sakralbauten: Die katholische Dreifaltigkeitskirche dokumentiert den barocken Wiederaufbau des 18. Jahrhunderts, die reformierte Kirche dagegen den Wiederaufbau nach den Kriegszerstörungen des 20. Jahrhunderts.
Nach 1945 wuchs die Einwohnerzahl zunächst erneut; in den 1950er Jahren lebten ungefähr 4.300 Menschen in Aba. Wie zahlreiche Orte des Mezőföld war die Gemeinde in der sozialistischen Epoche von der Umgestaltung der Landwirtschaft, der Kollektivierung, dem Ausbau öffentlicher Einrichtungen und einer stärkeren Orientierung auf die regionalen Zentren geprägt. Nach 1990 übernahm die kommunale Selbstverwaltung wieder eine größere Rolle bei örtlicher Entwicklung, Bildung und Infrastruktur. Heute bestehen in Aba unter anderem Einrichtungen der allgemeinen und künstlerischen Bildung; die 1994 gegründete Sárvíz-Kunstschule entwickelte sich zu einer regional wirkenden Einrichtung für Musik, bildende und angewandte Kunst, Tanz sowie Theater- und Puppenspiel.
Den rechtlichen Status einer Stadt erhielt Aba erst 2013. Mit dem Beschluss 325/2013 des ungarischen Staatspräsidenten wurde der damaligen Großgemeinde der Stadttitel verliehen; die Entscheidung trat am 15. Juli 2013 in Kraft. Die Stadterhebung bedeutete keine abrupte Umwandlung in ein dicht bebautes urbanes Zentrum, sondern die rechtliche Anerkennung einer Siedlung, die für ihr ländliches Umland bereits zentrale Verwaltungs-, Bildungs-, Gesundheits- und Versorgungsfunktionen wahrnahm. Aba gehört damit zum Typ der kleineren ungarischen Landstädte, deren städtischer Status mit einer weiterhin deutlich dörflich und agrarisch geprägten Siedlungsstruktur verbunden ist.
Verkehrsgeographisch liegt Aba zwischen Székesfehérvár und dem südlicher gelegenen Raum um Sárbogárd. Die Stadt ist über die Hauptstraße 63 erschlossen und besitzt einen Bahnhof an der Eisenbahnverbindung Székesfehérvár–Sárbogárd. Diese Lage macht Aba nicht zu einem überregionalen Verkehrszentrum, bindet den Ort aber eng an die wirtschaftlichen und administrativen Funktionen Székesfehérvárs an. Seine Bedeutung liegt vor allem in der Versorgung des näheren Sárvíz-Raumes und in der Verbindung von klein städtischen Dienstleistungen mit einer großflächigen ländlichen Gemarkung.
Etymologie
Der Ortsname Aba ist nach der ungarischen Ortsnamenforschung aus einem älteren Personennamen entstanden. Es handelt sich um einen für das Ungarische charakteristischen Typ mittelalterlicher Ortsbenennung, bei dem ein Personenname ohne zusätzliches Suffix oder Grundwort unmittelbar zum Namen einer Siedlung wurde. Der Ort bedeutete ursprünglich sinngemäß das Anwesen oder den Siedlungsplatz einer Person namens Aba. Die sichere mittelalterliche Schreibung Aba ist für 1334 belegt.
Der zugrunde liegende alte ungarische Personenname Aba wird in der maßgeblichen ungarischen Namenkunde gewöhnlich als alttürkisch beziehungsweise frühtürkisch erklärt. Zum Vergleich wird alttürkisch aba „Vater, Vorfahr, Ahn“ herangezogen. Der Personenname ist im mittelalterlichen Ungarn früh und prominent bezeugt; der bekannteste Träger ist Samuel Aba, König von Ungarn im 11. Jahrhundert. Aus der Gleichheit des Ortsnamens mit diesem Namen folgt jedoch nicht, dass die Stadt unmittelbar nach König Samuel Aba benannt worden wäre. Die ortsnamenkundliche Erklärung setzt lediglich einen Träger des alten Personennamens Aba voraus; eine konkrete Identifizierung des namensgebenden Besitzers ist nicht gesichert.
Ebenso ist der Ortsname nicht ohne Beleg unmittelbar aus dem Namen des mittelalterlichen Aba-Geschlechts abzuleiten. Zwischen Personenname, Geschlechtsname und verschiedenen ungarischen Ortsnamen mit Aba bestehen historische und sprachliche Beziehungen, doch die konkrete Benennung der Fejérer Stadt wird in der Ortsnamenforschung als Entstehung aus einem bloßen Personennamen beschrieben. Andere ungarische Ortsnamen wie Abasár, Abaliget oder zahlreiche historische Zusammensetzungen bewahren denselben Namensstamm in jeweils anderer Bildung.
Für die Stadt ist archivalisch außerdem die Form Sáraba überliefert. Sie erscheint beispielsweise in Verzeichnissen historischer Kirchenbücher des Ungarischen Nationalarchivs als abweichende Ortsbezeichnung. Der Zusatz Sár- dient der räumlichen Kennzeichnung nach dem Sárvíz-Gebiet und der Unterscheidung von anderen Namen mit Aba; er hat sich jedoch nicht als heutiger amtlicher Ortsname durchgesetzt. Die gegenwärtige offizielle Form lautet ausschließlich Aba.
Synonyme
Ein Ortsname besitzt im strengen lexikographischen Sinn keine eigentlichen Synonyme. Aba ist der heutige amtliche ungarische Name der Stadt.
Sáraba – historische beziehungsweise archivalische Nebenform, die unter anderem in ungarischen Kirchenbuchverzeichnissen erscheint. Sie dient der geographischen Unterscheidung und ist kein heutiger amtlicher Stadtname.
Aba város – ungarisch „Stadt Aba“; amtlich-administrative Bezeichnung in kommunalen Zusammenhängen, jedoch kein alternativer Eigenname.
Aba, Fejér beziehungsweise Aba im Komitat Fejér – disambiguierende Bezeichnungen, wenn die Stadt von gleichlautenden Personen-, Familien- oder Sachnamen unterschieden werden muss.
externe links
Aba Város – offizielle Website der Stadt – amtliche Informationen zu Lage, Verwaltung, Geschichte, Institutionen, Sehenswürdigkeiten und örtlichem Leben.
Aba Város – historische Übersicht – ausführliche kommunale Darstellung zur Ortsgeschichte von den mittelalterlichen Namensbelegen bis zur Stadterhebung 2013.
Aba – Településképi Arculati Kézikönyv – kommunales Ortsbildhandbuch mit Geschichte, Siedlungsstruktur, Landschaft, Architektur und Bildmaterial.
Központi Statisztikai Hivatal – Helységnévtár: Aba – amtliches ungarisches Ortsregister des Zentralamts für Statistik für die Stadt Aba.
Központi Statisztikai Hivatal – Ingatlanadattár: Aba – statistischer Datenzugang des ungarischen Zentralamts für Statistik für das Gemeindegebiet.
Hungaricana – Fejér Megyei Történeti Évkönyv 13 – digitalisierte Ausgabe des historischen Jahrbuchs mit István Kállays grundlegender Studie „Aba“ über Siedlungs-, Besitz-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte.
Magyar Nemzeti Levéltár – Fejér Megyei Történeti Évkönyvek – Übersicht der vom Fejérer Archiv herausgegebenen historischen Jahrbücher; Band 13 enthält die umfangreiche Ortsmonographie zu Aba.
Magyar Nemzeti Levéltár – katholische Kirchenbücher von Aba – archivalischer Datensatz zur römisch-katholischen Pfarrei mit Angaben zur Dreifaltigkeitskirche und historischen Ortsteilen.
Magyar Nemzeti Levéltár – jüdische Kirchen- und Personenstandsregister von Aba – archivalischer Nachweis des jüdischen Gemeindelebens und der historischen Nebenbezeichnung Sáraba.
Bistum Székesfehérvár – Dreifaltigkeitspfarrei Aba – kirchenamtliche Informationen zur 1756 vollendeten Dreifaltigkeitskirche und zur Geschichte der katholischen Seelsorge.
Magyar Katolikus Lexikon – Aba – kirchengeschichtlicher Lexikonartikel zur Pfarrei, zur Dreifaltigkeitskirche und zu älteren Ortsbelegen.
Magyar Nemzeti Levéltár – Erster-Weltkriegs-Denkmal in Aba – quellengestützte Dokumentation zur Entstehung und Einweihung des 1925 geschaffenen Denkmals.
Hungaricana – historische Karten zu Kajtor und Aba – digitalisierte Kartenbestände des Ungarischen Nationalarchivs zu historischen Teilen der heutigen Abaer Gemarkung.
Komitat Fejér – Sárvíz-Kunstschule in Aba – Darstellung der seit 1994 bestehenden regionalen Kunstschule und ihrer Arbeit in Musik, bildender Kunst, Tanz und Theater.
Magyar Elektronikus Könyvtár – ungarisch-türkische Sprachbeziehungen – sprachwissenschaftliche Darstellung, die den Ortsnamen Aba aus einem alten Personennamen und diesen aus alttürkisch aba „Vater, Ahn“ erklärt.
Névtani Értesítő – Studien zur ungarischen Namenkunde – wissenschaftliche namenkundliche Quelle mit Angaben zum alten Personennamen Aba und seiner türkischen Herkunft.
Magyar Közlöny 2013, Nr. 118 – Beschluss 325/2013 – Veröffentlichung des Präsidialbeschlusses, durch den Aba mit Wirkung vom 15. Juli 2013 den Stadttitel erhielt.