Aasrücken
Der Aasrücken ist ein langgestreckter Bergrücken und historischer Flurname im östlichen Albvorland in Baden-Württemberg. Er zieht sich zwischen dem Hohenstaufen und dem Rechberg im Raum Göppingen und Ottenbach hin und bildet einen landschaftlich markanten Verbindungshöhenzug zwischen zwei der sogenannten Drei Kaiserberge. Der Rücken erreicht im zentralen Bereich Höhen um 540 Meter und bietet weite Ausblicke nach Norden in Richtung Remstal und Schwäbisch-Fränkischer Wald sowie nach Süden in das Ottenbacher Tal und zum Albtrauf. Historisch war der Aasrücken zugleich Allmendgebiet, Verkehrsraum und Standort des Hochgerichts der Herrschaft beziehungsweise des Amtes Hohenstaufen. Grammatisch ist Aasrücken ein maskulines Substantiv und Toponym: der Aasrücken.
Lexikon
Der Aasrücken gehört zu den charakteristischen Landschaftselementen des Gebiets zwischen Hohenstaufen und Rechberg. Anders als diese beiden auffälligen Einzelberge besitzt er nicht die Gestalt eines isolierten, weithin sichtbaren Kegel- oder Zeugenbergs. Er erscheint vielmehr als langgestreckter, vergleichsweise sanfter Höhenrücken, der zwischen den markanteren Erhebungen vermittelt und zugleich unterschiedliche Täler und Entwässerungsräume voneinander trennt.
Der Rücken liegt im nördlichen Vorland der Schwäbischen Alb. Landschaftlich gehört das Gebiet zum östlichen Albvorland, einer durch Schichtstufen, Hügel, Täler und einzelne herauspräparierte Berge gegliederten Landschaft zwischen dem eigentlichen Albtrauf und den nördlicher gelegenen Becken- und Tallandschaften.
Besonders eng ist der Aasrücken mit den sogenannten Drei Kaiserbergen verbunden. Zu ihnen zählen Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen. Ihre markanten Silhouetten prägen die Landschaft südlich beziehungsweise südöstlich von Schwäbisch Gmünd und nordöstlich von Göppingen.
Der Aasrücken verbindet unmittelbar den Raum des Hohenstaufens mit demjenigen des Rechbergs. Er ist damit geomorphologisch und landschaftlich weniger ein eigenständiger „Berg“ als ein Grat beziehungsweise Rücken zwischen zwei stärker herausragenden Erhebungen.
Die heutige touristische Beschreibung des Landkreises Göppingen bezeichnet den Aasrücken entsprechend als einen Höhenzug, der Hohenstaufen und Rechberg verbindet. Ein als Aussichtspunkt erschlossener Bereich liegt ungefähr auf 540 Metern Höhe.
Von offenen Abschnitten des Rückens ergeben sich weite Sichtbeziehungen. Nach Norden fällt das Gelände in Richtung des Remstals und des weiteren schwäbisch-fränkischen Hügellandes ab. Nach Süden und Südwesten öffnen sich Ausblicke über das Ottenbacher Tal und in Richtung des Albtraufs.
Diese Lage macht den Aasrücken zu einer natürlichen Wasserscheide. Bereits die historische Beschreibung des Oberamts Göppingen aus dem Jahr 1844 charakterisiert ihn als einen niedrigen, gewölbten Bergrücken, der das damalige „Filsthal“ vom „Remsthal“ scheidet.
Damit besitzt der Rücken eine hydrographische Bedeutung, die über seine Funktion als Aussichtshöhe hinausgeht. Niederschlagswasser, das auf unterschiedliche Seiten des Rückens fällt, gelangt über verschiedene Bäche und Talzüge in unterschiedliche Entwässerungssysteme.
Die Südseite ist landschaftlich zum Einzugsbereich der Fils orientiert. Nördlich beziehungsweise nordwestlich liegen Landschaftsräume, die über kleinere Gewässer in Richtung Rems entwässern. Die historische Beschreibung als Scheide zwischen Fils- und Remstal fasst diese topographische Funktion anschaulich zusammen.
Geologisch gehört der Aasrücken zum Mitteljura, der in älterer geologischer Literatur als Brauner Jura bezeichnet wurde. Bereits naturkundliche Veröffentlichungen des 19. Jahrhunderts nennen für den Aasrücken entsprechende Schichten des Braunen Jura.
Die ältere Bezeichnung Brauner Jura ist heute weitgehend durch Mitteljura ersetzt. Sie geht auf die in vielen Schichten auftretenden braunen und eisenreichen Gesteine und Verwitterungsfarben zurück.
Für das heutige Relief des Aasrückens ist besonders die Eisensandstein-Formation bedeutsam. Ihre Sandsteinkörper sind gegenüber vielen umgebenden tonigeren Gesteinen vergleichsweise widerstandsfähig. Sie können dadurch bei lang anhaltender Erosion als Geländestufen und Verebnungen erhalten bleiben.
Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau erklärt die Erhaltung des langgestreckten Aasrückens nicht allein mit dieser unterschiedlichen Widerstandsfähigkeit der Gesteine. Zusätzlich spielte seine tektonisch abgesenkte Lage im sogenannten Schwäbischen Lineament eine wesentliche Rolle.
Ein Lineament ist eine großräumige geologische Struktur beziehungsweise Störungszone, die sich in der Anordnung und Lage von Gesteinseinheiten und häufig auch im Relief bemerkbar machen kann. Das Schwäbische Lineament streicht in diesem Gebiet ungefähr west-südwestlich bis ost-nordöstlich.
Durch diese tektonische Situation konnten bestimmte Mitteljuraschichten zwischen Hohenstaufen und Rechberg günstiger vor vollständiger Abtragung bewahrt werden als in angrenzenden Bereichen. Der Aasrücken ist damit nicht lediglich eine zufällige Anhäufung von Gelände, sondern das sichtbare Ergebnis des Zusammenwirkens von Sedimentation, Tektonik und jahrmillionenlanger Abtragung.
Eine geologische Untersuchung des 19. Jahrhunderts bezeichnete den Aasrücken bereits ausdrücklich als den „Verbindungsgrat des Hohenstaufen mit dem Rechberg“. Damals wurde beobachtet, dass auf dem Rücken noch Schichten des Braunen Jura erhalten waren, während Hohenstaufen und Rechberg mit jüngeren beziehungsweise stratigraphisch höheren Juragesteinen deutlich höher aufragen.
Diese geologische Beziehung erklärt die heutige Landschaftsform. Hohenstaufen und Rechberg erscheinen als dominante Einzelberge, während zwischen ihnen ein niedrigerer Rest der ehemals weiter verbreiteten Gesteinsdecken erhalten geblieben ist.
Der Aasrücken veranschaulicht damit besonders gut das Prinzip der differenziellen Erosion. Unterschiedlich widerstandsfähige Gesteine werden nicht gleich schnell abgetragen. Härtere Schichten können Höhenrücken, Stufen und Plateaus bilden, während weichere Schichten stärker ausgeräumt werden.
Auch der Hohenstaufen selbst und der Rechberg sind Produkte dieser langfristigen Landschaftsentwicklung. Sie werden als Zeugenberge bezeichnet, weil sie Reste einer ehemals weiter nach Norden reichenden Schichtenlandschaft darstellen und gleichsam von deren früherer Ausdehnung „zeugen“.
Der Aasrücken nimmt zwischen diesen isolierteren Bergen eine geomorphologische Zwischenstellung ein. Er zeigt, dass die Abtragung die ursprüngliche Verbindung nicht überall vollständig beseitigte.
Historisch war der Aasrücken jedoch nicht nur Naturraum. Er gehörte zum Wirtschafts- und Rechtsraum von Hohenstaufen. Die Beschreibung des Oberamts Göppingen von 1844 überliefert detaillierte Angaben über seine Nutzung als Allmende.
Unter einer Allmende beziehungsweise historischen Allmend verstand man gemeinschaftlich verfügbares Land einer Gemeinde. Die Nutzung konnte nach genau festgelegten Rechten unter den Bürgern verteilt werden, ohne dass die Fläche im modernen Sinn jedem Nutzer als freies Privateigentum gehörte.
Für den Aasrücken berichtet die Oberamtsbeschreibung, dass der betreffende Gemeindebesitz in 125 Parzellen geteilt war. Jeder ältere Bürger konnte einen solchen Anteil unentgeltlich nutzen. Frei werdende Nutzungsrechte gingen nach einer geregelten Reihenfolge an jüngere Bürger über.
Der Aasrücken war somit Bestandteil der sozialen und wirtschaftlichen Ordnung des damaligen Marktes Hohenstaufen. Sein offenes Land hatte einen unmittelbaren materiellen Wert für Landwirtschaft, Viehhaltung und bäuerliche Existenz.
Diese historische Nutzung erklärt auch, weshalb alte Karten den Namen nicht bloß als Bezeichnung eines einzelnen Aussichtspunktes wiedergeben. In der württembergischen Flurkarte von 1828 erscheint Aasrücken ausdrücklich als Gewannname.
Ein Gewann ist ein historisch abgegrenzter Teil einer Feldflur. Gewannnamen entstanden meist aus Geländeformen, Besitz- oder Nutzungsverhältnissen, Pflanzen- und Tierbezeichnungen, Wegen, Personen, Rechtsverhältnissen oder älteren Ortsbezeichnungen.
Dass Aasrücken 1828 als Gewannname kartiert ist, beweist, dass die Bezeichnung deutlich älter ist als der heutige Wander- und Freizeittourismus. Sie gehört zum traditionellen lokalen Flurnamenschatz.
Der Aasrücken besaß darüber hinaus eine bemerkenswerte rechtshistorische Funktion. Auf ihm befand sich das Hochgericht des alten Amtes Hohenstaufen.
Ein Hochgericht war im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechtswesen diejenige Gerichtsbarkeit, die insbesondere schwere Straftaten und sogenannte Blutgerichtsfälle behandeln konnte. Zu den sichtbaren Zeichen dieser Gerichtshoheit gehörte häufig ein Galgen.
Die Oberamtsbeschreibung von 1844 berichtet, das alte Hochgericht des Hohenstaufener Ämtchens habe auf dem Aasrücken gestanden. Der dortige Galgen sei ungefähr drei Jahrzehnte vor Abfassung der Beschreibung durch einen Blitzschlag zerstört worden.
Auch die historische Flurkarte von 1828 bewahrt mit dem Gewannnamen Galgenäcker einen deutlichen Hinweis auf diese Nutzung. Die Gerichtsstätte gehörte somit nicht nur zur schriftlichen Überlieferung, sondern prägte auch die lokale Flurnamengeographie.
Solche Richtstätten wurden häufig bewusst an weithin sichtbaren Höhen, Straßen oder territorialen Grenzen errichtet. Ihre Sichtbarkeit demonstrierte die Herrschafts- und Gerichtshoheit des jeweiligen Territoriums.
Die Lage des Hohenstaufener Galgens auf dem offenen Höhenrücken war daher funktional plausibel. Reisende und Bewohner der Umgebung konnten die Zeichen der Gerichtsbarkeit von weitem wahrnehmen.
Der Zusammenhang mit dem historischen Hochgericht ist auch für die Namensdeutung des Wortes Aasrücken interessant, darf jedoch nicht überinterpretiert werden. Die Vorstellung, der Name müsse wegen der dort vollzogenen Hinrichtungen unmittelbar von Aas „toter Tierkörper“ oder allgemeiner von verwesenden Körpern stammen, ist ohne ältere Namenbelege nicht nachweisbar.
Eine solche Erklärung wäre eine mögliche nachträgliche Volksetymologie: Ein bereits unverständlich gewordener Flurname wird mit einem auffälligen historischen Merkmal des Ortes verbunden. Ob die Gerichtsstätte bei der ursprünglichen Namensgebung überhaupt eine Rolle spielte, lässt sich aus den bekannten Belegen nicht entscheiden.
Auch die Funktion als Verkehrsweg ist alt. Der Rücken bietet eine verhältnismäßig günstige Verbindung zwischen dem Hohenstaufener und Rechberger Raum. Höhenwege konnten gegenüber tief eingeschnittenen und feuchten Tälern bestimmte Vorteile besitzen, insbesondere bevor moderne Straßen gebaut wurden.
Heute verläuft eine Straßen- und Wegeverbindung über beziehungsweise entlang des Höhenzuges. Der Aasrücken ist in regionale Wander- und Radwegenetze eingebunden.
Der Landkreis Göppingen schloss 2014 im Bereich des Aasrückens eine wichtige Lücke der Drei-Kaiserberg-Route. Der entsprechende Radweg verbindet Strecken im Bereich Hohenstaufen und Rechberg beziehungsweise des weiteren Lautertal- und Albvorlandnetzes.
Für Wanderer bildet der Aasrücken ebenfalls einen wichtigen Abschnitt zwischen den Kaiserbergen. Seine relativ offene Höhenlage ermöglicht eine andere Landschaftserfahrung als die bewaldeten beziehungsweise steileren Gipfelbereiche von Hohenstaufen und Rechberg.
Ein heutiger Wanderparkplatz trägt ausdrücklich den Namen Aasrücken. Er dient als Ausgangspunkt für Wanderungen rund um Hohenstaufen und auf regionalen Rundwegen.
Auch der Obstlehrpfad beziehungsweise Kernobstpfad Hohenstaufen liegt im Bereich des Aasrückens. Der Landkreis Göppingen führt ihn als einen der betreuten Obstpfade des Kreisgebiets.
Diese Nutzung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der für das Albvorland typischen Streuobstkultur. Obstwiesen und einzelne Obstbäume prägen zahlreiche offene Hang- und Hochflächen im Raum Göppingen.
Der Obstbau besitzt dort nicht nur wirtschaftliche, sondern auch landschaftsökologische Bedeutung. Alte Obstsorten, extensiv genutztes Grünland, Baumhöhlen und unterschiedliche Altersstadien der Bäume schaffen Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Am Aasrücken treffen deshalb landwirtschaftliche Nutzung, historische Kulturlandschaft und moderne Naherholung unmittelbar aufeinander. Der Rücken ist weder vollständig naturbelassener Raum noch dicht bebautes Gebiet, sondern eine seit Jahrhunderten vom Menschen mitgestaltete Kulturlandschaft.
Große Teile des weiteren Gebietes stehen unter Landschaftsschutz. Der Name Aasrücken ist sogar Bestandteil der amtlichen Bezeichnung der Landschaftsschutzgebiete Hohenstaufen, Rechberg, Stuifen mit Aasrücken und Rehgebirge.
Die Schutzgebiete erstrecken sich über Teile des Landkreises Göppingen und des benachbarten Ostalbkreises. Ihre Bezeichnung unterstreicht, dass der Aasrücken neben den auffälligeren Kaiserbergen als eigenständiges landschaftliches Element wahrgenommen wird.
Der Landschaftsschutz zielt unter anderem darauf, die charakteristische Kulturlandschaft und unverbauten Freiräume zu erhalten und ihre Bedeutung für Erholung und Landschaftsbild zu sichern.
Der Rücken besitzt dabei keine spektakulären senkrechten Felswände oder einen markanten Gipfel. Sein landschaftlicher Wert liegt vielmehr gerade in seiner langgestreckten offenen Form, den weiten Sichtachsen und seiner Funktion als Verbindungselement zwischen den markanteren Einzelbergen.
Die Aussicht ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil seiner heutigen Wahrnehmung. Nach Norden reicht der Blick über die tieferen Landschaften am Übergang zum Remstal; nach Süden sind Ottenbacher Tal, Albvorland und der markante Albtrauf sichtbar.
Auch die Wäschenburg, häufig als Wäscherschloss bezeichnet, kann von entsprechenden Aussichtspunkten aus wahrgenommen werden. Das verbindet die Landschaft des Aasrückens optisch mit der mittelalterlichen Geschichte des Stauferlandes.
Der Hohenstaufen selbst besitzt dabei besondere historische Bedeutung. Auf seinem Gipfel stand die Stammburg der Staufer, jenes hochmittelalterlichen Adels- und Herrschergeschlechts, das mehrere deutsche Könige und römisch-deutsche Kaiser stellte.
Die Bezeichnung Drei Kaiserberge ist eng mit dieser historischen Erinnerungslandschaft verbunden. Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen werden landschaftlich als markante Dreiergruppe wahrgenommen, obwohl nicht jeder der Berge dieselbe unmittelbare staufische Herrschaftsfunktion besaß.
Der Aasrücken liegt zwischen diesen symbolisch und historisch stark aufgeladenen Landschaftspunkten. Dadurch wird auch er in Wanderführern und regionaler Heimatliteratur häufig mit der Geschichte der Staufer verbunden.
Zum Aasrücken gehören zudem lokale Sagen. Überliefert wird beispielsweise die Erzählung von einem geisterhaften Licht, das über den Rücken zwischen Hohenstaufen und Rechberg wandere.
In unterschiedlichen Fassungen wird dieses Licht mit einem ruhelosen Ritter oder einer anderen Gestalt aus der Vergangenheit verbunden. Solche Erzählungen gehören zur regionalen Sagenwelt und dürfen nicht als historische Ereignisberichte verstanden werden.
Bemerkenswert ist, dass bereits ältere Autoren versuchten, das beobachtete beziehungsweise berichtete Licht naturkundlich zu erklären. Dies zeigt die für die Aufklärungszeit charakteristische Spannung zwischen volkstümlicher Sage und naturwissenschaftlicher Rationalisierung.
Der Aasrücken ist dadurch nicht nur geologisch und historisch, sondern auch volkskundlich interessant. Geländepunkte, alte Gerichtsplätze und weithin sichtbare Höhen gehören häufig zu jenen Orten, an denen regionale Sagen besonders dauerhaft überliefert werden.
Die traditionelle Nutzung als Allmende, der ehemalige Richtplatz, alte Wege und die regionale Sagenwelt bilden mehrere historische Schichten, die sich auf demselben Höhenzug überlagern.
Auch botanisch wurde der Aasrücken bereits im 19. Jahrhundert untersucht. Naturkundliche Veröffentlichungen nennen ihn als Fundort verschiedener Moose und anderer Pflanzenarten und ordnen den Standort geologisch dem Braunen Jura zu.
Solche frühen naturkundlichen Angaben sind für die Wissenschaftsgeschichte bedeutsam. Sie zeigen, dass der Rücken nicht erst durch den modernen Freizeittourismus in das öffentliche Interesse gelangte, sondern bereits im 19. Jahrhundert ein lokaler Bezugspunkt für Geologie, Botanik und Topographie war.
Heute besitzt der Name mehrere räumlich miteinander verbundene Referenzen. Aasrücken bezeichnet zunächst den natürlichen beziehungsweise kulturlandschaftlichen Höhenzug. Daneben heißen ein Aussichtspunkt, ein Wanderparkplatz, Wegeabschnitte und örtliche Freizeitangebote nach diesem Rücken.
Diese sekundären Bezeichnungen dürfen nicht mit dem ursprünglichen Flurnamen verwechselt werden. Der Parkplatz heißt nach dem Aasrücken; der Landschaftsname entstand nicht aus der Benennung des Parkplatzes.
Ebenso bezeichnet Aasrücken keinen einzelnen exakt punktförmigen Berggipfel. Höhenangaben von etwa 539, 540, 541 oder mehr Metern können sich je nach Karte und gewähltem Punkt auf unterschiedliche Stellen des langgestreckten Rückens beziehen.
Für einen Lexikonartikel ist deshalb die Bezeichnung Höhenzug beziehungsweise Bergrücken genauer als „Berg“. Der Name erfasst eine längere Geländeform zwischen Hohenstaufen und Rechberg.
Grammatisch folgt das Wort dem Grundwort Rücken. Es heißt der Aasrücken, des Aasrückens, am Aasrücken, über den Aasrücken.
Ein Plural ist für den konkreten Eigennamen nicht üblich. Die allgemeine Form RückenAasrücken bezeichnet jedoch diesen bestimmten Landschaftsraum.
Die standardsprachliche Schreibung lautet Aasrücken. Eine Schreibung Asrücken begegnet gelegentlich in Beschriftungen oder informellen Darstellungen, ist jedoch gegenüber der historisch belegten Form Aasrücken nicht vorzuziehen.
Besonders wichtig ist die Abgrenzung vom gewöhnlichen Substantiv Aas. Obwohl der Ortsname äußerlich eindeutig die Buchstabenfolge Aas + Rücken besitzt, ist damit noch nicht bewiesen, dass sein erster Bestandteil tatsächlich etymologisch mit dem deutschen Wort für einen Tierkadaver identisch ist.
Bei historischen Flurnamen können Lautwandel, Dialekt, verlorene Wörter, Personennamen und nachträgliche Umdeutungen zu Formen führen, die modernen Wörtern lediglich zufällig gleichen. Eine überzeugende Namenerklärung benötigt deshalb möglichst alte Schreibformen und eine nachvollziehbare regionale Lautgeschichte.
Gerade beim Aasrücken fehlt bislang eine allgemein anerkannte fachwissenschaftliche Etymologie, die alle diese Anforderungen erfüllt. Die verschiedenen regional verbreiteten Erklärungen müssen daher voneinander unterschieden und mit einem Unsicherheitsvorbehalt versehen werden.
Etymologie
Der Name Aasrücken ist formal eine Zusammensetzung mit dem Grundwort Rücken. Dieses Grundwort ist eindeutig: Es bezeichnet hier einen langgestreckten erhöhten Geländeteil beziehungsweise einen Bergrücken. Schwieriger ist dagegen die Herkunft des ersten Bestandteils Aas-.
Eine einfache moderne Gliederung Aas + Rücken liegt orthographisch nahe. Daraus könnte man die wörtliche Bedeutung „Rücken des Aases“ ableiten. Für eine solche Erklärung des tatsächlichen historischen Flurnamens fehlt jedoch ein belastbarer Nachweis.
Das deutsche Substantiv Aas bezeichnet heute einen toten Tierkörper beziehungsweise verwesendes tierisches Fleisch. Historisch gehört es zu einer alten Wortfamilie aus dem Bereich „Nahrung, Futter, Fraß“.
Der Aasrücken war zwar tatsächlich Standort eines historischen Hochgerichts und eines Galgens. Dadurch könnte eine Verbindung mit Tod und Körpern für heutige Sprecher besonders plausibel wirken.
Gerade diese auffällige Übereinstimmung reicht für eine wissenschaftliche Etymologie jedoch nicht aus. Um eine Herkunft vom Wort Aas zu beweisen, müsste gezeigt werden, dass frühe Namensformen diese Deutung stützen und dass die Benennung zeitlich und sachlich mit der Richtstätte zusammenhängt.
Die historische Flurkarte von 1828 belegt bereits die moderne Form Aasrücken. Sie dokumentiert daneben weitere Gewannnamen wie Galgenäcker. Damit ist die Verbindung des Landschaftsraumes mit dem historischen Richtplatz sicher, nicht aber die Ableitung des Namens Aasrücken aus dieser Funktion.
Die Beschreibung des Oberamts Göppingen von 1844 verwendet ebenfalls selbstverständlich die Form Aasrücken. Sie erklärt den Namen nicht etymologisch, sondern beschreibt lediglich den Rücken und seine historische Nutzung.
Eine in regionaler Wanderliteratur überlieferte Erklärung verbindet den ersten Bestandteil mit dem schwedischen Wort ås „Höhenrücken, Bergrücken“. Dieses skandinavische Wort ist tatsächlich vorhanden und besitzt genau die für das Gelände passende Bedeutung.
Schwedisch ås, norwegisch ås und ältere nordgermanische Formen gehören zu einem alten germanischen Geländewort für einen langgestreckten Rücken beziehungsweise Höhenzug. Als geographisches Grundwort ist es in Skandinavien sehr produktiv.
Eine regionale Überlieferung behauptet, die Bezeichnung sei während des Dreißigjährigen Krieges durch schwedische Soldaten in die Gegend gelangt und von der örtlichen Bevölkerung übernommen worden.
Diese Erklärung ist semantisch reizvoll: ås bezeichnet genau die Landschaftsform, die auch das deutsche Grundwort Rücken benennt. Der Name Aasrücken würde dann historisch ungefähr eine tautologische Bildung „Rücken-Rücken“ darstellen.
Solche tautologischen Ortsnamen sind grundsätzlich möglich. Sie entstehen häufig dann, wenn ein ursprünglich bedeutungstragender fremdsprachiger Bestandteil von späteren Sprechern nicht mehr verstanden und durch ein bedeutungsgleiches einheimisches Wort ergänzt wird.
Für den konkreten Aasrücken ist jedoch gerade der behauptete Übertragungsweg aus dem Schwedischen während des Dreißigjährigen Krieges bislang nicht durch einen frühen schriftlichen Beleg abgesichert. Dass schwedische Truppen im Krieg im Gebiet auftraten, beweist nicht, dass sie diesen Flurnamen geprägt haben.
Eine seriöse lexikographische Darstellung darf die schwedische Erklärung deshalb als regionale Namensdeutung erwähnen, sollte sie jedoch nicht als gesicherte Etymologie ausgeben.
Eine zweite regional verbreitete Erklärung leitet Aas- von den Asen ab, dem Göttergeschlecht der nordgermanischen Mythologie. Danach wäre der Aasrücken sinngemäß ein mit den Asen verbundener Höhenrücken.
Auch für diese Deutung fehlt ein historisch-sprachwissenschaftlicher Nachweis. Insbesondere wäre zu erklären, weshalb ein südwestdeutscher Flurname bei Hohenstaufen unmittelbar nach einem nordgermanischen Göttergeschlecht benannt worden sein sollte und welche älteren Schreibformen diesen Übergang dokumentieren.
Die bloße Ähnlichkeit zwischen Aas- und Asen genügt hierfür nicht. Ohne alte Belege ist die Asen-Erklärung daher noch spekulativer als die semantisch passende Verbindung mit skandinavisch ås.
Ein dritter möglicher Deutungsreflex entsteht durch den ehemaligen Galgenplatz: Der Name könnte spontan mit Aas „toter Körper“ verbunden werden. Auch diese Erklärung ist aber nicht belegt und sollte nicht aus der später bekannten Geschichte der Richtstätte rückwärts konstruiert werden.
Für historische Namensforschung ist gerade diese methodische Vorsicht zentral. Eine moderne Wortform kann nachträglich vollkommen durchsichtig wirken, obwohl ihre tatsächliche Entstehung auf einem anderen, später verlorenen Wort beruht.
Entscheidend wären daher ältere Belegformen des Namens, möglichst aus der Zeit vor dem 17. Jahrhundert. Solange solche Formen nicht erschlossen und sprachgeschichtlich ausgewertet sind, bleibt die Herkunft des Erstgliedes Aas- offen.
Das Grundwort Rücken ist dagegen sprachgeschichtlich unproblematisch. Das deutsche Körperteilwort Rücken wurde früh metaphorisch auf langgestreckte erhöhte Geländeformen übertragen.
Diese Übertragung beruht auf einer anschaulichen räumlichen Analogie. Der Rücken eines Menschen oder Tieres bildet eine längliche, erhöhte Partie des Körpers; entsprechend wird ein langgezogener erhöhter Landschaftsteil als Bergrücken, Höhenrücken oder kurz Rücken bezeichnet.
Solche Körpermetaphern sind in der geographischen Sprache sehr häufig. Auch Wörter wie Kopf, Fuß, Schulter, Nase und Rücken werden auf Berge und Landschaftsformen übertragen.
Beim Aasrücken beschreibt -rücken die Form besonders genau: Es handelt sich nicht um einen isolierten Gipfel, sondern um eine langgestreckte erhöhte Geländeform zwischen zwei deutlich höheren Bergen.
Die heutige Gesamtbezeichnung ist deshalb semantisch mindestens in ihrem zweiten Bestandteil unmittelbar motiviert. Ungeklärt ist lediglich, welche ursprüngliche Bedeutung das davorstehende Aas- besaß.
Eine wissenschaftlich vorsichtige Etymologie lautet daher: Aasrücken ist ein historischer Flurname mit dem eindeutig verständlichen Grundwort Rücken „langgestreckte Geländeerhebung“; die Herkunft des Bestimmungswortes Aas- ist nicht sicher geklärt.
Als verbreitete regionale Deutungen sind eine Verbindung mit skandinavisch ås „Bergrücken“, angeblich vermittelt durch schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg, sowie eine Herleitung von den nordgermanischen Asen überliefert. Eine Ableitung vom deutschen Aas könnte wegen des ehemaligen Richtplatzes naheliegen, ist aber ebenfalls nicht belegt.
Keine dieser drei Erklärungen sollte ohne zusätzliche historische Namenbelege als gesicherte Herkunft angegeben werden. Der Name selbst ist jedoch spätestens seit dem frühen 19. Jahrhundert in seiner heutigen Form fest dokumentiert.
Synonyme
Für Aasrücken existiert kein echtes allgemein gebräuchliches Synonym, da es sich um einen individuellen geographischen Eigennamen handelt. Bedeutungsähnliche Ausdrücke können den Ort beschreiben, ersetzen den Namen jedoch nicht vollständig.
Höhenrücken ist die treffendste allgemeine Gattungsbezeichnung. Der Aasrücken ist geomorphologisch ein langgezogener Höhenrücken zwischen Hohenstaufen und Rechberg.
Bergrücken ist ebenfalls eine sachlich passende Umschreibung. Bereits die historische Oberamtsbeschreibung charakterisierte den Aasrücken als niedrigen, gewölbten Bergrücken.
Grat wird in Wanderbeschreibungen teilweise verwendet. Der Ausdruck kann jedoch einen schärfer ausgeprägten Höhenkamm suggerieren, als er für weite Teile des vergleichsweise breiten Aasrückens charakteristisch ist, und ist deshalb nur näherungsweise synonym.
Höhenzug ist eine weitere passende geographische Umschreibung. In touristischen Darstellungen wird der Aasrücken häufig als Höhenzug zwischen Hohenstaufen und Rechberg bezeichnet.
Verbindungsgrat zwischen Hohenstaufen und Rechberg ist eine historische beziehungsweise beschreibende Bezeichnung, aber kein Eigenname. Sie bringt besonders klar die geomorphologische Lage des Aasrückens zum Ausdruck.
Die Schreibform Asrücken begegnet gelegentlich als abweichende beziehungsweise verkürzte Form. Sie sollte jedoch nicht als gleichberechtigte Standardbezeichnung behandelt werden, da historische Karten und amtliche heutige Quellen die Form Aasrücken verwenden.
Die Umschreibung Rücken zwischen Hohenstaufen und Rechberg ist sachlich eindeutig, besitzt aber ebenfalls keinen Status als eigener Ortsname.