Aalschwanz
Grundbedeutung
Aalschwanz bezeichnet den Schwanz eines Aals, also den hinteren, sich zum Körperende hin verjüngenden Abschnitt des langgestreckten Fischkörpers. Die Bedeutung ergibt sich unmittelbar aus den beiden Wortbestandteilen Aal und Schwanz: Ein Aalschwanz ist der Schwanz beziehungsweise hintere Körperabschnitt eines Aals. Das Wort kann sowohl den noch mit dem lebenden Tier verbundenen Körperteil als auch den bei Fang, Präparation oder Lebensmittelverarbeitung abgetrennten hinteren Abschnitt bezeichnen.
Anatomisch ist der Aalschwanz wegen der besonderen Körper- und Flossenform der Aale genauer zu bestimmen. Beim Europäischen Aal (Anguilla anguilla) wird der Körper nach hinten zunehmend seitlich zusammengedrückt und verjüngt sich zum Schwanzende. Die Rückenflosse und Afterflosse gehen ohne deutliche Unterbrechung in die Schwanzflosse über. Dadurch entsteht ein durchgehender Flossensaum um den hinteren Körperabschnitt. Der Ausdruck Aalschwanz ist deshalb nicht mit Schwanzflosse gleichzusetzen: Der Schwanz ist der gesamte hintere Körperabschnitt, während die Schwanzflosse eine bestimmte Flossenstruktur dieses Bereichs bildet.
Die Bedeutung „Schwanz des Aals“ ist historisch seit mindestens dem 18. Jahrhundert belegt. Bereits 1785 wurde Aalschwanz in einem naturkundlichen Formvergleich verwendet. Im 19. Jahrhundert begegnet das Wort sowohl in physiologischen Untersuchungen als auch in Sprichwörtersammlungen; im 20. und 21. Jahrhundert ist es weiterhin in Fischerei, Literatur, Zoologie und allgemeiner Beschreibung nachweisbar.
Wortart
Aalschwanz ist ein Substantiv beziehungsweise Hauptwort. Das grammatische Genus ist Maskulinum: der Aalschwanz. Das Genus wird vom Grundwort Schwanz bestimmt, das ebenfalls maskulin ist.
Wortbildungsmorphologisch handelt es sich um ein substantivisches Determinativkompositum. Das Erstglied Aal fungiert als Bestimmungswort, das Grundwort Schwanz bezeichnet die übergeordnete Gegenstandskategorie. Die semantische Relation zwischen beiden Bestandteilen ist eine Zugehörigkeits- beziehungsweise Teil-von-Relation: Aalschwanz bedeutet „Schwanz eines Aals“.
Der bezeichnete Körperteil ist zählbar. Das Wort besitzt daher einen regulären Singular und Plural: ein Aalschwanz, mehrere Aalschwänze. Wird in der Küche ein abgetrenntes Schwanzstück bezeichnet, bleibt die grammatische Struktur unverändert.
Aussprache
Die standarddeutsche Aussprache kann als [ˈaːlˌʃvant͡s] wiedergegeben werden. Der Hauptakzent liegt auf dem ersten Wortbestandteil Aal-; das Grundwort -schwanz trägt einen schwächeren Nebenakzent. Die Silbengliederung lautet Aal-schwanz.
Das Doppel-a des Erstglieds bezeichnet einen langen Vokal [aː]. Das Grundwort beginnt mit der standarddeutschen Lautfolge [ʃv]. Das geschriebene z am Wortende wird als Affrikate [t͡s] gesprochen.
Die Betonungsstruktur entspricht der für deutsche Determinativkomposita charakteristischen Erstgliedbetonung. Das selbständige Wort Schwanz trägt isoliert seinen eigenen Hauptakzent, wird innerhalb des Kompositums jedoch prosodisch dem Erstglied untergeordnet.
Grammatik
| Lemma | Aalschwanz |
|---|---|
| Wortart | Substantiv |
| Genus | Maskulinum |
| Bestimmter Artikel | der Aalschwanz |
| Nominativ Singular | der Aalschwanz |
| Genitiv Singular | des Aalschwanzes |
| Dativ Singular | dem Aalschwanz |
| Akkusativ Singular | den Aalschwanz |
| Nominativ Plural | die Aalschwänze |
| Genitiv Plural | der Aalschwänze |
| Dativ Plural | den Aalschwänzen |
| Akkusativ Plural | die Aalschwänze |
| Pluralbildung | Umlaut + -e: Aalschwanz → Aalschwänze |
| Kompositionstyp | substantivisches Determinativkompositum |
| Bestimmungswort | Aal |
| Grundwort | Schwanz |
| Semantische Relation | Zugehörigkeits- beziehungsweise Teil-von-Relation |
Die Flexion folgt vollständig derjenigen des Grundwortes Schwanz. Der Genitiv Singular wird mit -es gebildet: des Aalschwanzes. Der Plural weist sowohl Umlaut als auch die Endung -e auf: Aalschwänze. Im Dativ Plural tritt zusätzlich -n hinzu: den Aalschwänzen.
Die Pluralform ist uneingeschränkt verwendbar, wenn die Schwanzbereiche mehrerer Tiere gemeint sind. In anatomischen oder fischereilichen Texten sind Formulierungen wie die Aalschwänze wurden vermessen oder die Schwanzstücke mehrerer Aale grammatisch und semantisch regulär.
Orthographie
Die standardsprachliche Schreibung lautet Aalschwanz. Als Substantiv wird das Wort mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben. Die beiden selbständigen Wortbestandteile werden innerhalb des Kompositums zusammengeschrieben.
Zwischen beiden Bestandteilen steht kein Fugenelement. Formen wie *Aalsschwanz, *Aalenschwanz oder *Aalesschwanz entsprechen deshalb nicht der regulären standardsprachlichen Wortbildung.
Die Worttrennung lautet Aal|schwanz. Das Wort besitzt zehn Buchstaben und zwei Silben. Die morphologische Grenze liegt zwischen dem auslautenden l von Aal und dem anlautenden sch von Schwanz.
Historische Bindestrichschreibungen wie Aal-Schwanz sind grundsätzlich möglich und entsprechen älteren graphischen Konventionen. Sie begründen jedoch kein eigenständiges Lexem neben der heutigen Zusammenschreibung.
Gebrauch
Aalschwanz ist ein semantisch transparentes, aber insgesamt wenig häufiges Wort. Der Ausdruck wird dann benötigt, wenn der hintere Körperabschnitt eines Aals ausdrücklich von Kopf, Rumpf oder anderen Körperbereichen unterschieden werden soll. Typische Sachgebiete sind Zoologie, Ichthyologie, Fischerei, Tierphysiologie, Lebensmittelverarbeitung und literarische Beschreibung.
Im zoologischen Kontext kann sich das Wort auf die Morphologie, Muskulatur oder Bewegung des hinteren Körperabschnitts beziehen. Da Aale anguilliform schwimmen, besitzt der Schwanz eine besonders wichtige Funktion bei der Fortbewegung. Seitliche Körperwellen laufen nach hinten und erreichen im Schwanzbereich besonders große Ausschläge.
In der Fischerei kann Aalschwanz als Orientierungspunkt dienen, etwa wenn ein Gerät hinter dem Schwanz eines Fisches positioniert wird. Ein solcher Gebrauch ist bereits in Fischereitexten des frühen 20. Jahrhunderts dokumentiert.
Im kulinarischen Zusammenhang kann Aalschwanz den hinteren, als Lebensmittel vorliegenden Abschnitt eines Aals bezeichnen. Historische Texte erwähnen beispielsweise geräucherte Aalschwänze. Präziser kann je nach Verarbeitung auch von einem Schwanzstück des Aals gesprochen werden.
Bedeutungsbereich
Der zentrale Bedeutungsbereich ist anatomisch. Der Aalschwanz bildet den hinteren Abschnitt des langgestreckten Fischkörpers. Beim Europäischen Aal wird dieser Körperbereich nach hinten zunehmend seitlich zusammengedrückt. Die Wirbelsäule setzt sich bis weit in den Schwanz fort; Muskulatur, Haut, Bindegewebe und Flossenstrukturen bilden gemeinsam die funktionelle Einheit des hinteren Körpers.
Ein zweiter Bedeutungsbereich betrifft die Fortbewegung. Anders als bei vielen stärker spindelförmigen Fischen wird der Vortrieb beim Aal nicht ausschließlich durch eine deutlich abgesetzte Schwanzflosse erzeugt. Beim anguilliformen Schwimmen beteiligt sich ein großer Teil des Körpers an seitlichen Wellenbewegungen, deren Amplitude nach hinten zunimmt.
Ein dritter Bedeutungsbereich betrifft Fischerei und Lebensmittelverarbeitung. Der hintere Abschnitt eines gefangenen oder zubereiteten Aals kann als Aalschwanz beziehungsweise als Aalschwanzstück bezeichnet werden.
Historisch wurde Aalschwanz außerdem vergleichend auf bestimmte Schwanzformen anderer Tiere oder fossiler Fische übertragen. Das Wort konnte dann nicht den tatsächlichen Schwanz eines Aals, sondern eine einem Aalschwanz ähnliche Form bezeichnen.
Lexikon
Der Aalschwanz ist der hintere Körperabschnitt eines Aals. Besonders gut dokumentiert ist die Anatomie des Europäischen Aals (Anguilla anguilla). Dessen Körper ist vorne annähernd zylindrisch und wird nach hinten zunehmend seitlich zusammengedrückt. Das Körperende ist abgerundet beziehungsweise verjüngt und bildet mit den unpaaren Flossen eine für Aale charakteristische kontinuierliche Einheit.
Eine wichtige anatomische Besonderheit besteht darin, dass Rückenflosse, Schwanzflosse und Afterflosse ineinander übergehen. Die Rückenflosse beginnt weit hinter den Brustflossen; die Afterflosse beginnt hinter dem After. Beide verlängern sich nach hinten und vereinigen sich mit der Schwanzflosse. Dadurch entsteht ein weicher, durchgehender Flossensaum, der den hinteren Körperabschnitt umzieht.
Diese Anatomie unterscheidet den Aal von vielen anderen Knochenfischen, bei denen ein deutlich verjüngter Schwanzstiel und eine davon klar abgesetzte Schwanzflosse vorhanden sind. Beim Aal ist die Grenze zwischen hinterem Körper und Schwanzflossenregion äußerlich weniger scharf ausgeprägt. Deshalb bezeichnet Aalschwanz im allgemeinen Sprachgebrauch meist den gesamten sich verjüngenden hinteren Abschnitt und nicht lediglich die eigentliche Schwanzflosse.
Die besondere Gestalt steht in engem Zusammenhang mit der anguilliformen Fortbewegung. Beim Schwimmen werden seitliche Biegewellen über den Körper nach hinten geleitet. Die Bewegungsamplitude nimmt dabei typischerweise in Richtung Schwanz zu. Untersuchungen des Europäischen Aals zeigen einen engen Zusammenhang zwischen Schwimmgeschwindigkeit, Frequenz der Schwanzschläge und Geschwindigkeit der Körperwelle.
Im Gegensatz zur Fortbewegung vieler schnell schwimmender spindelförmiger Fische arbeitet der Aalkörper dabei nicht nach dem einfachen Prinzip eines relativ starren Vorderkörpers und einer isoliert schlagenden Schwanzflosse. Ein erheblicher Teil des Körpers beteiligt sich an der wellenförmigen Bewegung. Dadurch bildet der Aalschwanz funktionell den Endabschnitt eines über die Körperlänge verteilten Antriebssystems.
Beim Vorwärtsschwimmen nimmt die seitliche Auslenkung der Körperwelle in Richtung Schwanzspitze deutlich zu. Experimentelle Untersuchungen an Anguilla anguilla zeigen, dass die Ausschlagsamplitude am hinteren Körperende erheblich größer sein kann als im Kopfbereich. Die Schwanzspitze gehört damit zu den Bereichen mit der stärksten seitlichen Bewegung.
Aale besitzen darüber hinaus die bemerkenswerte Fähigkeit, auch rückwärts zu schwimmen. Dabei laufen die wellenförmigen Bewegungen in einer gegenüber der Schwimmrichtung entgegengesetzten Richtung über den Körper. Die Verteilung der Bewegungsamplitude unterscheidet sich dabei vom Vorwärtsschwimmen. Der langgestreckte Körper einschließlich des Schwanzabschnitts ermöglicht somit eine Fortbewegungsweise, die bei vielen anderen Fischen weniger ausgeprägt ist.
Der hintere Körperbereich enthält zahlreiche Wirbel. Für den Europäischen Aal werden insgesamt etwa 110 bis 119 Wirbel angegeben. Die hinteren Wirbel gehören zur Schwanzregion und tragen gemeinsam mit segmental angeordneter Muskulatur zur hohen Biegsamkeit des Körpers bei. Die äußerlich schlangenartige Erscheinung entsteht deshalb nicht durch das Fehlen eines Skeletts, sondern durch eine sehr lange, aus zahlreichen beweglich verbundenen Abschnitten bestehende Wirbelsäule.
Auch die Aalhaut bedeckt den Schwanz. Die kleinen Schuppen des Europäischen Aals liegen tief in der Haut, sodass die Körperoberfläche äußerlich nahezu schuppenlos erscheint. Zahlreiche Schleimzellen beziehungsweise Schleimdrüsen sorgen für den charakteristischen glatten und schlüpfrigen Oberflächenfilm.
Gerade diese Glätte des Körpers und damit auch des Schwanzes hat die sprachliche und sprichwörtliche Vorstellung vom schwer festzuhaltenden Aal geprägt. Das historische Sprichwort „An einem Aalschwanz bleibt keine Klette hangen“ nimmt unmittelbar auf diese Eigenschaft Bezug. Der Aalschwanz erscheint darin als besonders glatte Oberfläche, an der selbst etwas normalerweise stark Haftendes keinen Halt findet.
Die bildhafte Aussage gehört zu einem größeren europäischen und deutschen Phraseologiefeld um den schwer greifbaren Aal. Weitere historische Wendungen sprechen davon, dass man einen Aal nicht gut am Schwanz halten könne oder dass jemand, der den Aal nur am Schwanz fasse, ihn noch keineswegs sicher besitze. Die körperliche Eigenschaft des Tieres wird dabei auf unsichere, schwer beherrschbare oder entgleitende Situationen übertragen.
Der Ausdruck Aalschwanz ist mindestens seit dem 18. Jahrhundert schriftlich belegt. Ein naturkundlicher Text von 1785 beschreibt den Schwanz eines anderen Tieres als von der Mitte bis zum Ende abgeflacht und „beinahe wie ein Aalschwanz“. Das zeigt bereits eine sekundäre vergleichende Verwendung: Der konkrete Aalschwanz dient als morphologisches Vergleichsmodell.
Im 19. Jahrhundert spielte der Aalschwanz außerdem eine Rolle in physiologischen Experimenten. Quellen von 1853 berichten über Untersuchungen an einem abgeschnittenen Aalschwanz. Spätere physiologische Literatur griff entsprechende Versuche auf, um Bewegungs- und Reizreaktionen nach Durchtrennung des Körpers beziehungsweise Nervensystems zu untersuchen. Der Ausdruck bezeichnete dabei das isolierte hintere Körperstück eines Versuchstieres.
Solche historischen Untersuchungen stehen am Anfang einer langen Forschungstradition zur neuronalen Steuerung der Fortbewegung. Moderne Experimente an Europäischen Aalen zeigen, dass nach Verletzungen des Rückenmarks unter bestimmten experimentellen Bedingungen eine teilweise Wiederherstellung von Bewegungsfunktionen beobachtet werden kann. In der heutigen Neurobiologie wird dabei selbstverständlich mit wesentlich präziseren anatomischen und experimentellen Begriffen gearbeitet als in den älteren „Aalschwanz“-Versuchen.
Auch in der historischen vergleichenden Anatomie und Paläontologie wurde Aalschwanz zeitweise als Formbezeichnung verwendet. Bei Diskussionen verschiedener Fischschwanztypen begegnen neben Ausdrücken wie Störschwanz und Fächerschwanz auch Bezeichnungen vom Typ Aalschwanz. Gemeint ist dabei eine Schwanzform, bei der der Achsenbereich beziehungsweise Flossensaum in einer Weise ausläuft, die morphologisch an den Aal erinnert. Diese historische Fachbedeutung ist vom heutigen allgemeinen Gebrauch „Schwanz eines Aals“ zu unterscheiden.
Der Aalschwanz besitzt darüber hinaus eine kulinarische Bedeutung. Wird ein Aal geräuchert, gekocht oder anderweitig zerlegt, kann der hintere Abschnitt als einzelnes Stück verkauft oder gegessen werden. Literarische Quellen erwähnen beispielsweise einen geräucherten Aalschwanz. Aufgrund der Körperform nimmt die Dicke des Fleischstücks in Richtung Schwanzende zunehmend ab.
Auch im historischen Volksglauben wurde dem Aalschwanz vereinzelt eine besondere Wirkung zugeschrieben. Bayerische volkskundliche Quellen überliefern beispielsweise den Glauben, einer Kuh solle ein halber Aalschwanz in Brot gegeben werden, damit sie besonders viel Milch gebe. Solche Vorstellungen gehören zur Geschichte von Volksmedizin, Tierheilkunde und Aberglauben und besitzen keinen veterinärmedizinischen Wirksamkeitsnachweis.
Ein ungewöhnliches gegenwärtiges kulturgeschichtliches Beispiel bietet die sogenannte Rostocker Rathausschlange. Die 1998 geschaffene Bronzefigur verbindet einen Schlangenkopf beziehungsweise Schlangenkörper mit einem ausdrücklich als Aalschwanz gestalteten hinteren Bereich. Die Plastik nimmt damit verschiedene historische Deutungen des Rostocker Rathauswesens auf und zeigt, wie charakteristisch der Aalschwanz als visuelles Formmerkmal wahrgenommen werden kann.
Sprachgeschichtlich ist Aalschwanz insgesamt ein bemerkenswert stabiles Wort. Seine primäre Bedeutung hat sich seit den frühesten greifbaren Belegen kaum verändert. Neben der unmittelbaren anatomischen Bedeutung entstanden jedoch Vergleichs-, Sprichwort-, Fach- und Kulturverwendungen, die jeweils auf charakteristische Eigenschaften des Aalendes reagieren: seine Glätte, seitliche Abflachung, Beweglichkeit und den kontinuierlichen Flossensaum.
Etymologie
| Lemma | Aalschwanz |
|---|---|
| Wortbildung | Aal + Schwanz |
| Bildungstyp | substantivisches Determinativkompositum |
| Bestimmungswort | Aal |
| Grundwort | Schwanz |
| Grundbedeutung | Schwanz eines Aals |
| Semantische Relation | Teil-von- beziehungsweise Zugehörigkeitsrelation |
| Fugenelement | kein Fugenelement |
| Aal | althochdeutsch und mittelhochdeutsch āl |
| Weitere Herkunft von Aal | ungeklärt |
| Schwanz | mittelhochdeutsch swanz |
| Ältere Bedeutung von Schwanz | wiegende Bewegung beim Tanz; Schleppe |
| Wortgeschichtliche Grundlage von Schwanz | rückgebildet zu mittelhochdeutsch swanzen „sich schwenkend bewegen“ |
| Verwandtes Bewegungsmotiv | schwanken, schwingen, schwenken |
| Frühester hier dokumentierter Beleg | 1785 |
Aalschwanz ist etymologisch ein regulär gebildetes deutsches Kompositum aus Aal und Schwanz. Die Bedeutung ergibt sich unmittelbar aus der Zusammensetzung: Das Erstglied gibt das Tier an, das Zweitglied den zugehörigen Körperteil.
Aal gehört zum alten germanischen Wortschatz. Althochdeutsch und mittelhochdeutsch ist die Form āl belegt. Die weiter zurückreichende Herkunft des Wortes gilt als ungeklärt.
Das Grundwort Schwanz besitzt eine bemerkenswerte Bedeutungsentwicklung. Mittelhochdeutsch swanz bezeichnete zunächst unter anderem eine wiegende Bewegung beim Tanz sowie eine Schleppe. Das Substantiv steht mit mittelhochdeutsch swanzen „sich schwenkend bewegen“ in Verbindung und gehört damit zu einem Wortfeld des Schwingens, Schwankens und seitlichen Bewegens.
Die Übertragung auf den beweglichen hinteren Körperfortsatz eines Tieres ist semantisch gut nachvollziehbar: Der Schwanz ist gerade der Körperteil, der vielfach schwenkt, schlägt oder sich seitlich bewegt. Beim Aal ist dieses Bewegungsmotiv besonders deutlich, weil der hintere Körperabschnitt während der anguilliformen Fortbewegung stark seitlich ausschlägt.
Wortgeschichte
Die bislang hier zugrunde gelegte lexikographische Dokumentation weist Aalschwanz mindestens seit dem 18. Jahrhundert nach. Ein Beleg von 1785 verwendet den Ausdruck bereits als anschaulichen Formvergleich. Ein anderer Tierkörperteil wird als von der Mitte bis zum Ende abgeflacht und „beinahe wie ein Aalschwanz“ beschrieben. Voraussetzung eines solchen Vergleichs ist, dass die Form des Aalschwanzes den zeitgenössischen Lesern als bekannt vorausgesetzt werden konnte.
Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts liegen Belege aus physiologischen Versuchen vor. 1853 wird ausdrücklich ein „abgeschnittener Aalschwanz“ erwähnt. Dabei geht es um Bewegungen und Reaktionen eines vom übrigen Tier getrennten hinteren Körperabschnitts. Solche Experimente wurden später in der Geschichte der vergleichenden Neurophysiologie diskutiert.
Im späteren 19. Jahrhundert begegnet das Wort sowohl wissenschaftlich als auch sprichwörtlich. 1880 dokumentiert Karl Friedrich Wilhelm Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon die Wendung „An einem Aalschwanz bleibt keine Klette hangen“. 1887 ist Aalschwanz erneut in experimentell-physiologischer Literatur belegt.
Daneben erscheint das Wort in kulinarischen und literarischen Zusammenhängen. Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist beispielsweise vom Verzehr eines Aalschwanzes beziehungsweise eines geräucherten Aalschwanzes die Rede. Ein Fischereitext von 1923 verwendet den Schwanz des lebenden beziehungsweise gefangenen Aals als räumlichen Bezugspunkt.
Auch in der Gegenwart bleibt die Grundbedeutung unverändert. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Etymologie dokumentiert beispielsweise einen literarischen Beleg aus dem Jahr 2014. Die lange Beleggeschichte zeigt somit eine außerordentliche semantische Stabilität.
Historische Einordnung
Historisch lässt sich der Aalschwanz mehreren Bereichen zuordnen. In der älteren Naturkunde diente er zunächst als anschauliches morphologisches Vergleichsmodell. Seine seitlich abgeflachte, sich verjüngende und von einem Flossensaum umgebene Gestalt eignete sich zur Beschreibung ähnlicher Schwanzformen anderer Tiere.
Im 19. Jahrhundert gewann der Aalschwanz außerdem experimentelle Bedeutung. Abgetrennte Schwanzabschnitte wurden in physiologischen Untersuchungen verwendet, um Bewegungen, Reizreaktionen und später Fragen der nervösen Steuerung zu untersuchen. Diese Versuche gehören in die Vorgeschichte moderner Neurophysiologie.
Gleichzeitig bestand eine volkskundliche und sprichwörtliche Bedeutung. Die extreme Glätte des Aals bot ein besonders anschauliches Bild für etwas, das schwer festzuhalten ist und an dem andere Dinge keinen Halt finden. Der Schwanz war dabei besonders geeignet, weil das Festhalten eines Aals am schmalen hinteren Ende praktisch schwierig ist.
Auch im Volksglauben und in älterer Tierheilkunde taucht der Aalschwanz auf. Solche Anwendungen dokumentieren kulturgeschichtliche Vorstellungen, nicht moderne zoologische oder veterinärmedizinische Erkenntnisse.
Antonyme
Für Aalschwanz existiert kein eigentliches lexikalisches Antonym. Körperteilbezeichnungen bilden gewöhnlich keine echten Gegensatzpaare.
Der Aalkopf stellt jedoch einen natürlichen räumlichen Gegenpol dar. Der Kopf bildet den vorderen, der Schwanz den hinteren Körperabschnitt. Diese Opposition ist anatomisch und räumlich, nicht lexikalisch-antonymisch.
Auch Aalrumpf ist kein Antonym, sondern ein angrenzender beziehungsweise überlappender Körperbereich. Entsprechendes gilt für Aalhaut, Aalleber und andere Körperteilbezeichnungen.
Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke
Das unmittelbarste beschreibende Synonym ist Schwanz des Aals beziehungsweise Schwanz eines Aals. In einem anatomisch ungenaueren allgemeinen Zusammenhang kann auch vom hinteren Ende des Aals oder hinteren Körperabschnitt des Aals gesprochen werden.
Schwanzstück ist nur teilweise bedeutungsgleich. In der Küche bezeichnet es ein abgetrenntes hinteres Stück eines Fisches und kann somit mehr Gewebe umfassen, als mit dem anatomischen Schwanzbegriff gemeint ist.
Schwanzflosse ist ebenfalls kein Synonym. Sie bezeichnet die Flossenstruktur am Schwanzende. Beim Aal geht diese Flosse kontinuierlich in Rücken- und Afterflosse über.
Bedeutungsverwandt sind Fischschwanz, Schwanz, Schwanzende, Schwanzspitze, Schwanzflosse, Aalrumpf und Aalkörper.
Abgrenzung
Aalschwanz ist zunächst von der Schwanzflosse des Aals abzugrenzen. Der Schwanz bezeichnet einen Körperabschnitt, die Schwanzflosse dagegen ein Flossenorgan. Beim Aal wird die Unterscheidung äußerlich dadurch erschwert, dass Rücken-, Schwanz- und Afterflosse kontinuierlich miteinander verbunden sind.
Vom Schwanzende unterscheidet sich der Aalschwanz durch seinen größeren Umfang. Das Schwanzende ist lediglich der äußerste Endbereich beziehungsweise die Spitze des Schwanzes.
Ein Schwanzstück ist vor allem ein Begriff der Lebensmittelverarbeitung. Es bezeichnet das hintere Stück eines zerlegten Fisches und ist deshalb nicht immer deckungsgleich mit einer anatomisch definierten Schwanzregion.
Vom Aalrumpf unterscheidet sich der Schwanz als hintere Körperregion. Eine absolut scharfe äußerliche Grenze ist beim langgestreckten Aal jedoch schwieriger zu ziehen als bei vielen Fischen mit deutlich ausgeprägtem Schwanzstiel.
Kontext
Beispiel: Der Aalschwanz verjüngt sich zum Körperende hin.
Beispiel: Der hintere Körperabschnitt des Aals ist seitlich stärker zusammengedrückt.
Beispiel: Rücken-, Schwanz- und Afterflosse gehen am Aal ineinander über.
Beispiel: Der Biologe beobachtete die Bewegungen des Aalschwanzes.
Beispiel: Beim Schwimmen nimmt die seitliche Bewegungsamplitude in Richtung Aalschwanz zu.
Beispiel: Die Schwanzspitze führte schnelle seitliche Bewegungen aus.
Beispiel: Ein Aalschwanz ist nicht mit einer isolierten Schwanzflosse gleichzusetzen.
Beispiel: Der gefangene Aal schlug kräftig mit dem Schwanz.
Beispiel: Der Aalschwanz war mit einer dichten Schleimschicht überzogen.
Beispiel: Der Fischer hielt das Tier nicht am Aalschwanz fest, weil es leicht entglitt.
Beispiel: Im historischen Experiment wurde ein abgetrennter Aalschwanz untersucht.
Beispiel: Das naturkundliche Werk verglich den abgeflachten Schwanz des Tieres mit einem Aalschwanz.
Beispiel: Ein geräucherter Aalschwanz wurde als kleiner Imbiss gereicht.
Beispiel: Das Schwanzstück des Aals wurde vom dickeren Mittelstück getrennt.
Beispiel: Das alte Sprichwort behauptet, an einem Aalschwanz bleibe keine Klette hängen.
Beispiel: Aalkopf und Aalschwanz markieren die beiden Endbereiche des langgestreckten Körpers.
Beispiel: Die Rostocker Bronzefigur verbindet eine Schlange mit einem Aalschwanz.
Beispiel: Die Muskelwellen laufen beim Schwimmen in Richtung Schwanz.
Beispiel: Die Aalschwänze mehrerer Tiere wurden für eine morphometrische Untersuchung fotografiert.
Beispiel: Der Ausdruck Aalschwanz ist bereits seit dem 18. Jahrhundert belegt.
Kollokationen und Kookkurrenzen
Typische verbale Verbindungen sind mit dem Aalschwanz schlagen, den Aalschwanz bewegen, den Aalschwanz festhalten, den Aalschwanz abschneiden, den Aalschwanz untersuchen, den Aalschwanz präparieren, den Aalschwanz vermessen, den Aalschwanz räuchern und den Aalschwanz abtrennen.
Typische attributive Verbindungen sind glatter Aalschwanz, schlüpfriger Aalschwanz, abgeflachter Aalschwanz, beweglicher Aalschwanz, abgetrennter Aalschwanz, geräucherter Aalschwanz und schlagender Aalschwanz.
Zoologische Kookkurrenzen bestehen insbesondere mit Schwanzflosse, Flossensaum, Rückenflosse, Afterflosse, Wirbelsäule, Muskulatur, Schwimmbewegung, Schwanzschlag und Körperwelle.
Oberbegriff
Hierarchisch lässt sich Aalschwanz folgendermaßen einordnen:
Körperbestandteil → Körperteil → Schwanz → Fischschwanz → Aalschwanz.
Der unmittelbarste spezifische Oberbegriff ist Fischschwanz. Darüber stehen Schwanz, Körperteil und Körperbestandteil.
Unterbegriffe
Fest lexikalisierte Unterbegriffe von Aalschwanz sind selten. Eine systematische Spezifizierung ist jedoch nach Aalart, Entwicklungsstadium und Verarbeitung möglich.
Schwanz des Europäischen Aals – Schwanz von Anguilla anguilla.
Schwanz des Amerikanischen Aals – Schwanz von Anguilla rostrata.
Schwanz des Japanischen Aals – Schwanz von Anguilla japonica.
Glasaalschwanz – beschreibende Bildung für den Schwanz eines Glasaals.
Gelbaalschwanz – Schwanz eines Aals im Gelbaalstadium.
Silberaalschwanz – Schwanz eines Aals im Silberaalstadium.
Räucheraalschwanz – hinterer Körperabschnitt eines geräucherten Aals; vor allem kulinarische Bezeichnung.
Wortfamilie
Über das Bestimmungswort Aal gehört Aalschwanz zu einer umfangreichen Gruppe von Körperteil- und Stoffbezeichnungen. Dazu zählen Aalkopf, Aalhaut, Aalleber, Aalgalle, Aalblut, Aaldarm, Aalfleisch und Aalfett.
Über das Grundwort Schwanz gehört das Wort zu Bildungen wie Fischschwanz, Hundeschwanz, Pferdeschwanz, Katzenschwanz, Schlangenschwanz, Fuchsschwanz und Schwalbenschwanz.
Zum engeren anatomischen Umfeld gehören Schwanzende, Schwanzspitze, Schwanzflosse, Schwanzwirbel, Schwanzmuskulatur und Schwanzbewegung.
Wortbildung
Die morphologische Struktur lautet:
Das Grundwort Schwanz legt die übergeordnete semantische Kategorie fest. Das Bestimmungswort Aal spezifiziert, welchem Tier dieser Schwanz zugeordnet ist.
Die semantische Beziehung ist meronymisch beziehungsweise possessiv: Das Bestimmungswort bezeichnet das Ganze, das Grundwort einen Teil des Ganzen. Das Wortbildungsmuster entspricht Bildungen wie Hundeschwanz, Fischschwanz oder Pferdeschwanz.
Ein Fugenelement ist nicht vorhanden. Der Wortstamm Aal- wird unmittelbar mit -schwanz verbunden.
Polysemie
Die primäre Bedeutung von Aalschwanz lautet „Schwanz eines Aals“. Daneben sind jedoch historische und kontextuelle Bedeutungserweiterungen feststellbar.
In der Fischverarbeitung kann Aalschwanz metonymisch den abgetrennten hinteren Teil eines Aals als Lebensmittel bezeichnen. Dabei steht nicht ausschließlich die anatomische Schwanzstruktur, sondern das gesamte essbare Schwanzstück im Vordergrund.
Historisch wurde Aalschwanz außerdem als morphologische Vergleichs- beziehungsweise Typenbezeichnung verwendet. Ein Schwanz anderer Tiere oder fossiler Fische konnte als „Aalschwanz“ bezeichnet werden, wenn seine Form dem Schwanz eines Aals ähnelte. In der paläontologischen Literatur des 19. Jahrhunderts begegnet Aalschwanz neben Kategorien wie Störschwanz und Fächerschwanz.
Diese historische fachsprachliche Verwendung ist heute gegenüber der konkreten Grundbedeutung stark zurückgetreten. Sie ist deshalb als ältere sekundäre Bedeutungsschicht und nicht als gleichrangige gegenwärtige Allgemeinbedeutung zu behandeln.
Homonyme und Homographe
Für Aalschwanz existiert im heutigen allgemeinen Deutschen kein vollständig unabhängiges Homonym gleicher Schreibung. Die unterschiedlichen Verwendungsweisen lassen sich sämtlich von der konkreten Vorstellung des Schwanzes eines Aals ableiten.
Auch die historische morphologische Fachbedeutung stellt kein etymologisch unabhängiges Homonym dar. Sie ist eine metaphorische beziehungsweise vergleichende Erweiterung der ursprünglichen Körperteilbezeichnung.
Gelegentliche Verwendung als Name eines Angelköders, künstlichen Fliegenmusters, Kostümteils oder anderer einem Aalschwanz ähnelnder Gegenstände begründet ebenfalls nicht automatisch ein eigenes Homonym. Solche Benennungen entstehen produktiv aus der Formähnlichkeit.
Redewendungen und Sprichwörter
Ein ausdrücklich mit Aalschwanz gebildetes historisches Sprichwort lautet:
„An einem Aalschwanz bleibt keine Klette hangen.“
Karl Friedrich Wilhelm Wander verzeichnet diese Form in seinem Deutschen Sprichwörter-Lexikon von 1880. Das Bild beruht auf der ausgeprägten Glätte und Schleimigkeit der Aalhaut. Eine Klette, die sich normalerweise leicht an rauen Oberflächen, Haaren oder Textilien festsetzt, findet dem Sprichwort zufolge am glatten Aalschwanz keinen Halt.
Übertragen kann das Sprichwort eine Person oder Sache charakterisieren, an der Vorwürfe, Schwierigkeiten oder äußere Einwirkungen nicht haften bleiben. Es gehört damit zum größeren metaphorischen Feld des „aalglatten“ und schwer greifbaren Menschen.
Historisch ebenfalls verbreitet sind Wendungen des Typs „den Aal beim Schwanz fassen“ oder „den Aal hält man nicht wohl beim Schwanz“. Die konkrete Erfahrung, dass ein glatter Aal besonders am schmalen hinteren Körperende leicht aus der Hand gleitet, wird auf unsichere oder schwer beherrschbare Situationen übertragen.
Ein weiterer historischer Spruch lautet sinngemäß, wer einen Aal nur beim Schwanz halte, habe ihn noch nicht sicher. Auch in romanischen und lateinischen Parallelformulierungen wurde dieses Bild überliefert. Die internationale Verbreitung zeigt, dass die schwer festzuhaltende Aalgestalt in mehreren europäischen Sprachen zu einem sprichwörtlichen Motiv geworden ist.
Nicht zu Aalschwanz im engeren Sinn, aber zum gleichen Bildfeld gehören glatt wie ein Aal sein und sich winden wie ein Aal. Hier ist die gesamte Körpergestalt des Tieres Grundlage der Metapher.
Metaphern
Der Aalschwanz kann metaphorisch vor allem aufgrund seiner Form und Beweglichkeit verwendet werden. Ein langes, schmales, sich verjüngendes oder seitlich bewegliches Objekt kann mit einem Aalschwanz verglichen werden.
Bereits ein naturkundlicher Beleg des 18. Jahrhunderts nutzt das Wort auf diese Weise, indem der abgeflachte Schwanz eines anderen Tieres mit einem Aalschwanz verglichen wird. In der späteren vergleichenden Anatomie konnte daraus sogar eine fachsprachliche Formkategorie entstehen.
Auch moderne künstliche Gegenstände können nach diesem Prinzip bezeichnet werden. Angelköder und künstliche Fliegen können beispielsweise einen langgestreckten flexiblen Fortsatz besitzen, der einen Aalschwanz imitiert. Der Tierkörperteil wird dabei zum geometrischen beziehungsweise funktionellen Formvorbild.
Eine besondere kulturelle Formmetapher stellt die Rostocker Rathausschlange dar, deren heutige Bronzefassung bewusst mit einem Aalschwanz gestaltet wurde. Die Tierarten Schlange und Aal werden dabei zu einem Fabelwesen kombiniert.
Metonymie
Eine typische metonymische Verwendung entsteht in der Küche. Aalschwanz kann das gesamte hintere, vom Fisch abgetrennte und als Lebensmittel verwendete Stück bezeichnen. Anatomisch umfasst ein solches Stück möglicherweise mehr als nur die eng definierte Schwanzregion.
In einem Ausdruck wie einen geräucherten Aalschwanz essen steht somit der anatomische Name für ein Lebensmittelstück. Dies entspricht ähnlichen Verwendungen von Schwanzstück, Keule oder Brust bei anderen Tieren.
In historischen physiologischen Versuchen konnte Aalschwanz außerdem für ein isoliertes experimentelles Präparat stehen. Der Körperteilname bezeichnet dann zugleich den gesamten aus diesem Körperabschnitt hergestellten Versuchsgegenstand.
Register und Sprachstufe
Aalschwanz ist in seiner Grundbedeutung neutral standardsprachlich. Das Wort ist weder umgangssprachlich noch gehoben und weder vulgär noch poetisch. Seine geringe allgemeine Frequenz erklärt sich durch die Spezifität des bezeichneten Gegenstands.
In zoologischer und physiologischer Verwendung besitzt das Wort einen fachsprachlichen Kontext, bleibt jedoch morphologisch allgemeinverständlich. In Fischerei und Küche fungiert es als praktische Körperteil- beziehungsweise Stückbezeichnung.
Historische Verwendungen als Schwanzformbezeichnung oder Bestandteil volksmedizinischer Vorstellungen wirken heute fachgeschichtlich beziehungsweise altertümlich. Diese Markierung betrifft die jeweilige Verwendungsweise und nicht das Grundwort selbst.
Regionale Varianten
Fest etablierte regionale Standardvarianten von Aalschwanz sind nicht allgemein nachweisbar. In Dialekten können jedoch entsprechend den regionalen Laut- und Wortformen von Aal und Schwanz eigene Bildungen auftreten.
Besonders im niederdeutschen Sprachraum können regionale Entsprechungen für Aal und Schwanz von der hochdeutschen Lautform abweichen. Ohne konkreten Dialektbeleg sollte daraus jedoch keine allgemeine niederdeutsche Standardform konstruiert werden.
Historische Schreibungen mit Bindestrich sind ebenfalls keine regionalen Varianten, sondern graphische Varianten älterer deutscher Schreibpraxis.
Aktuelle Statistik
| Lemma | Aalschwanz |
|---|---|
| Stand | 18. September 2026 |
| Buchstaben | 10 |
| Silben | 2 |
| Silbengliederung | Aal-schwanz |
| Worttrennung | Aal|schwanz |
| Wortbestandteile | 2: Aal + Schwanz |
| Genus | Maskulinum |
| Genitiv Singular | Aalschwanzes |
| Plural | Aalschwänze |
| IPA | [ˈaːlˌʃvant͡s] |
| Kompositionstyp | Determinativkompositum |
| Lexikographische Grundbedeutung | Schwanz des Aals |
| Frühester hier dokumentierter Beleg | 1785 |
| Allgemeine Gebrauchshäufigkeit | gering |
Eine exakte gegenwärtige Wortfrequenz kann ohne Angabe eines bestimmten Sprachkorpus nicht seriös angegeben werden. Suchmaschinenzahlen wären insbesondere bei einem transparenten, aber seltenen Kompositum keine belastbare linguistische Statistik.
Für historische Untersuchungen müssten zudem verschiedene graphische Formen, Flexionsformen und analytische Umschreibungen berücksichtigt werden. Eine reine Suche nach der Grundform Aalschwanz würde beispielsweise die Pluralform Aalschwänze sowie Formulierungen wie Schwanz des Aals nicht vollständig abbilden.
Häufigkeit und Statistik
| Lemma | Aalschwanz |
|---|---|
| Allgemeine Frequenz | gering |
| Semantische Transparenz | sehr hoch |
| Primäre Bedeutung | Schwanz eines Aals |
| Typische Sachgebiete | Zoologie, Ichthyologie, Fischerei, Physiologie, Küche |
| Singulargebrauch | regulär |
| Pluralgebrauch | regulär: Aalschwänze |
| Historischer Nachweis | mindestens seit dem 18. Jahrhundert |
| Sekundäre historische Verwendung | Formbezeichnung für aalähnliche Schwanzformen |
| Phraseologische Verwendung | historisch belegt |
Das Wort besitzt trotz seiner geringen Häufigkeit einen hohen Verständlichkeitsgrad. Auch Sprecher, die Aalschwanz zuvor nicht bewusst wahrgenommen haben, können die Bedeutung aufgrund der produktiven deutschen Kompositionsstruktur unmittelbar erschließen.
Wortbildung als Erstglied
Aalschwanz kann seinerseits als Grundlage weiterer Zusammensetzungen dienen. Ein Teil dieser Bildungen ist fachsprachlich oder situationsbezogen und muss nicht als eigenständiges Wörterbuchlemma lexikalisiert sein.
Aalschwanzspitze – äußerstes Ende des Aalschwanzes.
Aalschwanzstück – abgetrenntes hinteres Stück eines Aals, insbesondere bei der Lebensmittelverarbeitung.
Aalschwanzmuskulatur – Muskulatur des hinteren Körperabschnitts.
Aalschwanzbewegung – Bewegung des Schwanzbereichs beim Schwimmen.
Aalschwanzschlag – einzelner seitlicher Bewegungszyklus des Schwanzbereichs.
Aalschwanzform – Form eines Aalschwanzes beziehungsweise historische Bezeichnung für eine aalähnliche Schwanzform.
Aalschwanzpräparat – präparierter beziehungsweise experimentell isolierter Schwanzabschnitt.
Aalschwanzflosse – grundsätzlich verständliche Zusammensetzung; anatomisch präziser ist jedoch Schwanzflosse des Aals, da Schwanz und Schwanzflosse nicht identisch sind.
Wortbildung als Letztglied
Als Letztglied komplexerer Komposita kann Aalschwanz auftreten, wenn die Aalbezeichnung selbst näher bestimmt wird.
Glasaalschwanz – Schwanz eines Glasaals.
Gelbaalschwanz – Schwanz eines Gelbaals.
Silberaalschwanz – Schwanz eines Silberaals.
Räucheraalschwanz – Schwanzstück eines geräucherten Aals.
Meeraalschwanz – Schwanz eines Meeraals; morphologisch Meeraal + Schwanz.
Flussaalschwanz wäre als situationsbezogene Bildung ebenfalls verständlich, ist jedoch kein häufig etabliertes Standardlemma.
Übersetzungen
Die folgenden Übersetzungen geben die konkrete Bedeutung „Schwanz eines Aals“ wieder. In vielen Sprachen handelt es sich um reguläre beschreibende Verbindungen und nicht um selbständige häufige Wörterbuchlemmata.
Altgriechisch: beschreibend οὐρὰ ἐγχέλυος – „Schwanz eines Aals“.
Lateinisch: cauda anguillae.
Albanisch: bishti i ngjalës.
Bretonisch: beschreibend lost silien.
Bulgarisch: опашка на змиорка.
Dänisch: ålehale.
Englisch: eel tail, auch tail of an eel.
Estnisch: angerjasaba.
Finnisch: ankeriaan pyrstö.
Französisch: queue d’anguille.
Griechisch: ουρά χελιού.
Irisch: beschreibend eireaball eascainne.
Isländisch: álshali.
Italienisch: coda d’anguilla.
Kroatisch: rep jegulje.
Lettisch: zuša aste.
Litauisch: ungurio uodega.
Niederländisch: palingstaart, beschreibend auch staart van een aal.
Norwegisch: ålehale.
Polnisch: ogon węgorza.
Portugiesisch: cauda de enguia.
Rumänisch: coada anghilei.
Russisch: хвост угря.
Schwedisch: ålsvans.
Serbisch: реп јегуље / rep jegulje.
Slowakisch: chvost úhora.
Slowenisch: rep jegulje.
Spanisch: cola de anguila.
Tschechisch: ocas úhoře.
Türkisch: yılan balığı kuyruğu.
Ungarisch: angolnafarok.
Walisisch: beschreibend cynffon llysywen.
Chinesisch: 鳗鱼尾, traditionell 鰻魚尾.
Japanisch: ウナギの尾 beziehungsweise 鰻の尾 (unagi no o).
Koreanisch: 장어 꼬리 (jangeo kkori).
Weitere Sprachen:
Bosnisch: rep jegulje.
Katalanisch: cua d’anguila.
Galicisch: cola de anguía.
Esperanto: angilvosto.
Ukrainisch: хвіст вугра.
Meronyme
Als Meronyme des Aalschwanzes können anatomische Bestandteile seines hinteren Körperabschnitts betrachtet werden.
Schwanzwirbel – hintere Wirbel der Wirbelsäule innerhalb des Schwanzbereichs.
Schwanzmuskulatur – segmental angeordnete Muskulatur, die die seitlichen Körperbewegungen ermöglicht.
Schwanzflosse – Flossenabschnitt am Körperende; beim Aal mit Rücken- und Afterflosse verbunden.
Flossenstrahlen – tragende Elemente des Flossensaums.
Aalhaut – die den Schwanzbereich überziehende Haut mit eingebetteten Schuppen und Schleimzellen.
Schwanzspitze – äußerstes Ende des Aalschwanzes.
Blutgefäße und Nerven – Versorgungs- und Steuerungsstrukturen innerhalb des Schwanzgewebes.
Holonyme
Das wichtigste Holonym von Aalschwanz ist der Aal. Der Aalschwanz ist ein hinterer Körperabschnitt des vollständigen Tierorganismus.
Die unmittelbare Teil-Ganzes-Beziehung lautet:
Aalschwanz → Aal.
Der Aalkörper kann ebenfalls als anatomischer Gesamtzusammenhang betrachtet werden. Begriffe wie Fisch oder Wirbeltier sind dagegen taxonomische Hyperonyme des Aals und keine unmittelbaren Holonyme des Schwanzes.
Komeronyme
Komeronyme bezeichnen andere Teile desselben übergeordneten Ganzen. Bezogen auf den Aal gehören hierzu insbesondere:
Aalkopf – vorderer Körperabschnitt des Aals.
Aalrumpf – mittlerer beziehungsweise zentraler Körperbereich.
Aalleber – Leber des Aals.
Aaldarm – Darm des Aals.
Aalherz – Herz des Aals.
Aalniere – Niere des Aals.
Aalgonade – Fortpflanzungsorgan des Aals.
Brustflossen – paarige Flossen im vorderen Körperbereich.
Die Aalhaut ist nur eingeschränkt als Komeronym geeignet, weil sie nicht neben dem Schwanz als räumlich getrennter Körperabschnitt steht, sondern auch den Schwanz selbst überzieht.
Hyponyme
Aalschwanz kann durch Tierart, Entwicklungsstadium oder Verarbeitung weiter spezifiziert werden.
Schwanz des Europäischen Aals – Schwanz von Anguilla anguilla.
Schwanz des Amerikanischen Aals – Schwanz von Anguilla rostrata.
Schwanz des Japanischen Aals – Schwanz von Anguilla japonica.
Glasaalschwanz – Schwanz eines Glasaals.
Gelbaalschwanz – Schwanz eines Gelbaals.
Silberaalschwanz – Schwanz eines Silberaals.
Räucheraalschwanz – kulinarisch verarbeitetes Schwanzstück eines Räucheraals.
Hyperonyme
Die hyperonymische Hierarchie lautet:
Aalschwanz → Fischschwanz → Schwanz → Körperteil → Körperbestandteil.
Der unmittelbarste spezifische Hyperonymbegriff ist Fischschwanz. Schwanz bildet den allgemeineren anatomischen Oberbegriff. Körperteil und Körperbestandteil bilden darüberliegende semantische Klassen.
Web-links
Digitales Wörterbuch der deutschen Etymologie: Aal → Aalschwanz mit der Bedeutung „Schwanz des Aals“, historischen Belegen sowie weiteren Zusammensetzungen mit Aal
Duden: Aal → Rechtschreibung, Bedeutung, Grammatik, Herkunft und Phraseologie des Bestimmungswortes Aal
Duden: Schwanz → Bedeutung, Grammatik, Pluralbildung und Etymologie des Grundwortes Schwanz
Duden: Schwanzstück → kulinarische Bedeutung als hinteres Stück eines Fisches mit dem Schwanz
FAO: Anguilla anguilla → morphologische Beschreibung des Europäischen Aals mit seitlich zusammengedrücktem Hinterkörper und miteinander verbundenen Rücken-, Schwanz- und Afterflossen
FAO: Synopsis of biological data on the eel Anguilla anguilla → ausführliche biologische und anatomische Beschreibung des Europäischen Aals einschließlich Schwanz- und Flossenregion
Europäische Kommission: Anguilla anguilla → Taxonomie und morphologische Beschreibung des Europäischen Aals
FAO: Catching, Handling and Processing Eels → Beschreibung der langgestreckten Körperform und des kontinuierlichen Flossensaums bis zum Schwanz des Europäischen Aals
PLOS ONE: Pop Up Satellite Tags Impair Swimming Performance and Energetics of the European Eel → experimentelle Daten zu Schwanzschlagfrequenz, Schwanzschlagamplitude und Körperwellen beim schwimmenden Europäischen Aal
PubMed: A kinematic comparison of forward and backward swimming in the eel Anguilla anguilla → Untersuchung von Körperwellen, Schwanzamplitude und Vorwärts- beziehungsweise Rückwärtsschwimmen
PubMed Central: Pop Up Satellite Tags Impair Swimming Performance and Energetics of the European Eel → frei zugängliche Volltextstudie zur Kinematik des Europäischen Aals einschließlich Schwanzbewegung
Biological Reviews: Form and function of anguilliform swimming → aktuelle Übersicht zu Anatomie, Kinematik und Hydrodynamik der anguilliformen Fortbewegung
Neuroscience: Recovery of locomotion correlated with axonal regeneration after a complete spinal transection in the eel → Untersuchung der Wiederherstellung von Fortbewegung und Schwanzbewegung nach Rückenmarksverletzung beim Europäischen Aal
Wörterbuchnetz: Karl Friedrich Wilhelm Wander – Deutsches Sprichwörter-Lexikon → historische Sammlung deutscher Sprichwörter und Redensarten, darunter die Aal- und Aalschwanzphraseologie
Universität München: Karl Friedrich Wilhelm Wander und sein Deutsches Sprichwörter-Lexikon → wissenschaftliche Untersuchung der Wander-Sammlung mit Beispielen der europäischen Aal-Sprichworttradition
Projekt Gutenberg: Charlotte Niese – Aus dänischer Zeit → literarischer Beleg für einen geräucherten Aalschwanz als Lebensmittel
Rostock: Rathaus und Rathausschlange → Beschreibung der 1998 geschaffenen Bronzeschlange mit einem Aalschwanz