Sueno Aagesen
Grundbedeutung
Sueno Aagesen ist eine ältere bibliographische Namensform des dänischen mittelalterlichen Geschichtsschreibers, der in der heutigen Forschung gewöhnlich Sven Aggesen beziehungsweise Svend Aggesen genannt wird und in lateinischen Quellen als Sueno Aggonis, Sveno Aggonis oder mit Erweiterungen wie Sveno Aggonis filius erscheint. Er lebte im 12. Jahrhundert, war ein älterer Zeitgenosse von Saxo Grammaticus und gehört zu den frühesten namentlich bekannten Autoren einer zusammenhängenden Darstellung der Geschichte Dänemarks.
Seine Lebensdaten sind nicht exakt bekannt. Die Geburt wird gewöhnlich ungefähr zwischen 1140 und 1150 angesetzt. Sein Todesjahr ist unbekannt. Sicher ist, dass er noch 1185 lebte und Ereignisse dieses Jahres in seinem historischen Werk behandelte beziehungsweise nach eigener Aussage selbst miterlebte. Die in modernen Nachschlagewerken gelegentlich verwendete Angabe „um 1140–1200“ ist deshalb als ungefähre biographische Rahmung und nicht als urkundlich gesicherte Datierung zu verstehen.
Aagesen beziehungsweise Aggesen stammte aus einer bedeutenden dänischen Adelsfamilie, der sogenannten Trund- beziehungsweise Thrugot-Sippe. Sein familiäres Umfeld verband ihn mit führenden geistlichen und weltlichen Kreisen des hochmittelalterlichen Dänemark. Besonders bedeutend war seine Verwandtschaft mit dem Lunder Erzbischof Eskil. Seine Schriften lassen außerdem eine ungewöhnlich hohe lateinische Bildung erkennen, weshalb ein Studienaufenthalt im Ausland, wahrscheinlich in Nordfrankreich, angenommen wird; beweisen lässt sich dieser Ausbildungsweg jedoch nicht.
Von besonderer Bedeutung sind drei ihm zugeschriebene Werke beziehungsweise Werkkomplexe: eine lateinische Bearbeitung der königlichen Gefolgschaftsordnung Lex castrensis sive curiae, eine nur fragmentarisch beziehungsweise indirekt überlieferte Genealogie der dänischen Könige und seine kurze Geschichte der dänischen Könige, die unter den Titeln Compendiosa regum Daniae historia und Brevis historia regum Dacie bekannt ist. Diese Königsgeschichte reicht von der sagenhaften Frühzeit um König Skjold bis zu den Ereignissen des Jahres 1185.
Wortart
Sueno Aagesen ist ein Eigenname, genauer ein männlicher Personenname. Die Kombination besteht aus einem Vornamen beziehungsweise einer latinisierten Vornamensform und einer patronymischen Familien- beziehungsweise Herkunftsbezeichnung.
Bei der Form Sueno Aagesen handelt es sich nicht um die einzige historisch oder wissenschaftlich verwendete Namensform. Moderne dänische Forschung verwendet vor allem Sven Aggesen oder Svend Aggesen. Ältere deutsche, englische und französische Nachschlagewerke bevorzugten dagegen teilweise Svend Aagesen, Sweyn Aageson, Sueno Aggonis oder ähnliche Formen.
Die grammatische Behandlung folgt im Deutschen den Regeln für männliche Personennamen. Der Name besitzt keinen regulären Plural, sofern nicht ausdrücklich mehrere Personen gleichen Namens gemeint wären.
Aussprache
Eine historisch authentische Aussprache des Namens aus dem 12. Jahrhundert ist nicht unmittelbar überliefert. Zudem hängt die Aussprache davon ab, welche Namensform zugrunde gelegt wird. Die Lemmaform Sueno Aagesen verbindet eine latinisierende Vornamensform mit einer älteren nordischen beziehungsweise bibliographischen Nachnamensform.
Für Sueno ist bei historisierender lateinischer Lesung ungefähr eine Aussprache wie [ˈsweːno] denkbar. Diese Angabe ist keine Rekonstruktion der persönlichen Aussprache Aagesens, sondern eine mögliche lateinische Lesung. Der zugrunde liegende nordische Vorname entspricht Sven beziehungsweise dänisch Svend.
Aagesen kann in deutschsprachigem Zusammenhang annähernd als [ˈaːɡəzn̩] gesprochen werden. Für die dänischen Formen Aggesen beziehungsweise Aggesøn gelten dagegen die jeweiligen dänischen Lautverhältnisse. Da mittelalterliche Eigennamen in der modernen Forschung gewöhnlich in normalisierten Formen ausgesprochen werden, existiert keine einzige verbindliche überzeitliche Aussprache.
Grammatik
| Lemma | Sueno Aagesen |
|---|---|
| Namensart | männlicher Personenname |
| Moderne Hauptform | Sven Aggesen |
| Weitere Form | Svend Aggesen |
| Ältere dänische Form | Svend Aagesen |
| Lateinische Form | Sueno Aggonis; Sveno Aggonis |
| Genus | maskulin |
| Nominativ | Sueno Aagesen |
| Genitiv | Sueno Aagesens |
| Dativ | Sueno Aagesen |
| Akkusativ | Sueno Aagesen |
| Plural | für die historische Einzelperson nicht gebräuchlich |
| Namenstruktur | Vorname + Patronymikon |
Im deutschen Satz kann der Name ohne Artikel verwendet werden: Sueno Aagesen schrieb eine kurze Geschichte der dänischen Könige. Bei näherer Bestimmung ist auch eine Verbindung mit Artikel möglich: der mittelalterliche Geschichtsschreiber Sueno Aagesen.
Der Genitiv wird im heutigen Deutschen normalerweise mit -s am Gesamtpersonennamen beziehungsweise am Familiennamen gebildet: Sueno Aagesens Königsgeschichte, Aagesens Darstellung, Sven Aggesens Werke.
Orthographie
Die Schreibweise des Namens ist außergewöhnlich variantenreich. Dies beruht einerseits auf der Übertragung eines mittelalterlichen dänischen Namens in das Lateinische, andererseits auf späteren Normalisierungen in unterschiedlichen europäischen Wissenschaftssprachen.
Die wichtigsten Formen sind Sven Aggesen, Svend Aggesen, Svend Aagesen, Sven Aagesen, Aggesøn, Aggessøn, Sueno Aggonis, Sveno Aggonis und Sveno Aggonis filius. In älterer englischsprachiger Literatur begegnet außerdem Sweyn Aageson beziehungsweise Svend Aageson.
Die Form Sueno Aagesen ist insofern eine Mischform, als Sueno die lateinische beziehungsweise latinisiert überlieferte Vornamensform repräsentiert, während Aagesen eine nordische beziehungsweise neuzeitlich normalisierte Form des Patronymikons ist. Für ein alphabetisches historisches Lexikon ist diese Form dennoch verwendbar, sofern die heute üblichen Varianten deutlich angegeben werden.
Für den Dateinamen bietet sich nach der Regel „Nachname – Vorname“ die Form aagesen-sueno.shtml an.
Gebrauch
Die Form Sueno Aagesen begegnet vor allem in älterer biographischer, bibliographischer und historiographischer Literatur. In der heutigen dänischen Forschung ist Sven Aggesen die vorherrschende Form. Svend Aggesen bleibt ebenfalls verbreitet.
In lateinphilologischer Literatur wird häufig die Form Sueno Aggonis verwendet, weil sie der mittelalterlich-lateinischen beziehungsweise editorischen Überlieferung nähersteht. Werkeditionen können darüber hinaus Formen wie Svenonis Aggonis filii verwenden, wenn der Name entsprechend dem lateinischen Satz flektiert wird.
Typische Verbindungen sind der dänische Geschichtsschreiber Sven Aggesen, Sueno Aagesens Königsgeschichte, die Werke Sven Aggesens, Aagesens Verhältnis zu Saxo Grammaticus, Aagesens Lex castrensis, die Überlieferung der Schriften Aggesens und die Geschichtsschreibung der Valdemarzeit.
Bedeutungsbereich
Der Name gehört sachlich in die Bereiche Mittelalter, dänische Geschichte, mittelalterliche Geschichtsschreibung, lateinische Literatur, Rechtsgeschichte, Hofgeschichte, Militärgeschichte und Geschichte der skandinavischen Königreiche.
Aagesen ist besonders für die Geschichte des dänischen historischen Schreibens im späten 12. Jahrhundert relevant. Seine Werke entstanden in derselben politischen und kulturellen Epoche wie die frühen Teile der Gesta Danorum des Saxo Grammaticus. Beide Autoren stehen im Umfeld des erstarkenden dänischen Königtums unter Valdemar I., Knud VI. und des mächtigen Kirchen- und Staatsmannes Absalon.
Zugleich ist Aagesen für die Überlieferung älterer dänischer Herrschaftsvorstellungen bedeutsam. Seine Bearbeitung der Lex castrensis betrifft die Regeln der königlichen Gefolgschaft beziehungsweise Hird, während seine Königsgeschichte historische, sagenhafte und dynastische Überlieferungen miteinander verbindet.
Lexikon
Sueno Aagesen, heute gewöhnlich Sven Aggesen, war ein dänischer lateinisch schreibender Geschichtsschreiber des späten 12. Jahrhunderts. Seine Bedeutung beruht weniger auf dem Umfang seiner erhaltenen Werke als auf ihrer frühen Stellung innerhalb der dänischen Historiographie. Er gehört zusammen mit dem anonymen Verfasser der Roskildechronik, dem Verfasser der Lejrechronik und vor allem Saxo Grammaticus zu jener Generation von Autoren, die im 12. Jahrhundert Vergangenheit und politische Ordnung Dänemarks zunehmend in lateinischer Schriftform fixierten.
Über sein Leben ist nur wenig mit Sicherheit bekannt. Ein erheblicher Teil der biographischen Rekonstruktion beruht auf Aussagen in seinen eigenen Schriften. Gerade deshalb muss zwischen gesicherten Selbstaussagen, plausiblen Schlussfolgerungen der Forschung und älteren biographischen Vermutungen unterschieden werden.
Seine Geburt wird ungefähr zwischen 1140 und 1150 angesetzt. Ein genaues Geburtsjahr ist nicht überliefert. Ebenso fehlt ein sicherer Nachweis seines Todesjahres. Die häufig anzutreffende Lebenszeitangabe „ca. 1140–1200“ ist eine moderne Orientierung. Sicher bezeugt ist er für die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts, besonders für die 1180er Jahre.
Sven gehörte zur bedeutenden Trund- beziehungsweise Thrugot-Familie. Angehörige dieser Sippe hatten über mehrere Generationen bedeutende Positionen im dänischen Adel und in der Kirche inne. Zu seinem familiären Umfeld gehörte der mächtige Erzbischof Eskil von Lund. Sein Vater wird in der Forschung als Agge beziehungsweise Aggi bezeichnet und war nach Svens eigener Familienüberlieferung in die dänischen Bürgerkriege des 12. Jahrhunderts verwickelt.
Diese Herkunft ist für die Interpretation der Werke wichtig. Sven war kein außenstehender Chronist, sondern stammte aus einer Familie, die selbst Teil der politischen Konflikte und Machtstrukturen war, über die er schrieb. Familiäre Erinnerung, Hofnähe, kirchliche Bildung und politische Gegenwart greifen in seinem historischen Denken ineinander.
Seine Schriften zeigen eine anspruchsvolle lateinische Bildung und Kenntnis antiker Autoren. Daraus wird geschlossen, dass er eine für seine Zeit außergewöhnlich gute Ausbildung erhalten hatte. Wahrscheinlich studierte er zeitweilig im Ausland, möglicherweise in Nordfrankreich. Eine solche Ausbildung würde gut zur Praxis hochrangiger dänischer Adelsfamilien des 12. Jahrhunderts passen. Ein konkreter Studienort ist jedoch nicht dokumentiert.
Neuere Forschung hält es für wahrscheinlich, dass Sven dem geistlichen Milieu des Domkapitels von Lund angehörte. Gelegentlich ist versucht worden, ihn mit einem dort bezeugten Archidiakon namens Sven zu identifizieren. Diese Identifikation ist jedoch nicht zweifelsfrei gesichert. Ältere Darstellungen charakterisieren ihn dagegen stärker als Hirdmann oder Krieger. Beide Vorstellungen müssen nicht vollständig unvereinbar sein, weil hochgebildete Geistliche aus Adelsfamilien eng mit königlicher Hof- und Kriegspolitik verbunden sein konnten.
Sven berichtet selbst von seiner Nähe zu den politischen und militärischen Unternehmungen seiner Zeit. Er war bei Feldzügen gegen die slawischen Gegner Dänemarks im südlichen Ostseeraum anwesend und nennt Ereignisse, die er persönlich erlebt haben will. Besonders wichtig ist seine Anwesenheit bei der Unterwerfung des pommerschen Fürsten Bugislav beziehungsweise Bogislaw unter Knud VI. im Jahr 1185. Dieses Ereignis bildet zugleich den Endpunkt seiner dänischen Königsgeschichte.
Auch eine Verbindung zu Absalon, dem Bischof von Roskilde und späteren Erzbischof von Lund, ist deutlich. Sven gehörte zum politischen und geistigen Umfeld jener Gruppe, die unter Valdemar I., Knud VI. und Absalon die dänische Königsherrschaft konsolidierte und den Einfluss des Reiches im westlichen Ostseeraum ausbaute.
Das Verhältnis zu Saxo Grammaticus ist für die Literaturgeschichte besonders bedeutsam. Sven bezeichnet Saxo mit dem lateinischen Ausdruck contubernalis, der ungefähr „Gefährte“, „Genosse“, „Kollege“ oder „Kamerad“ bedeuten kann. Daraus ist vielfach auf eine persönliche Bekanntschaft geschlossen worden. Wie eng diese Beziehung tatsächlich war, lässt sich jedoch nicht mehr bestimmen.
Sven wusste jedenfalls, dass Saxo an einer erheblich umfangreicheren Geschichte Dänemarks arbeitete. Er erklärt die Kürze seines eigenen Werkes teilweise mit diesem parallelen größeren Unternehmen. Damit bietet Sven zugleich eines der wichtigen zeitgenössischen Zeugnisse für die Entstehung der Gesta Danorum.
Das früheste beziehungsweise wahrscheinlich früheste erhaltene Werk Aagesens ist seine Bearbeitung der sogenannten Vederlov beziehungsweise Vitherlag, die in der lateinischen Überlieferung gewöhnlich Lex castrensis, Lex castrensis sive curiae oder ähnlich genannt wird. Das Werk behandelt Regeln, Rangordnungen, Rechte, Pflichten und Sanktionen innerhalb der königlichen Gefolgschaft.
Sven führte diese Ordnung traditionsgemäß auf Knud den Großen zurück. Nach mittelalterlicher Vorstellung sollte Knud die Regeln der königlichen Hird beziehungsweise Hofgemeinschaft kodifiziert haben. Die moderne Forschung behandelt diese Ursprungsbehauptung als Teil der historischen Traditionsbildung und nicht als unmittelbar beweisbare Gesetzgebung Knuds.
Die Lex castrensis ist besonders wichtig, weil sie Einblick in Vorstellungen von höfischer Disziplin, Rang, Ehre und königlicher Gefolgschaft gewährt. Das Werk ist keine bloße Übersetzung eines modernen Gesetzbuches, sondern eine lateinische Bearbeitung und historische Interpretation älterer dänischer Rechtsüberlieferung.
Ein zweites Werk war eine Genealogie der dänischen Könige, meist als Genealogia regum Daniae bezeichnet. Von diesem Werk ist nur ein begrenzter beziehungsweise fragmentarischer Bestand überliefert. In der Forschung wird deshalb gelegentlich nur von zwei vollständig greifbaren Werken Svens gesprochen, während andere Darstellungen drei Werke zählen und die Genealogie als eigenes drittes Werk einbeziehen.
Sein wichtigstes historiographisches Werk ist die kurze Geschichte der dänischen Könige. Die moderne Forschung verwendet dafür unterschiedliche lateinische Titel, darunter Compendiosa regum Daniae historia, Historia regum Dacie compendiosa und Brevis historia regum Dacie. Ein authentischer, zweifelsfrei vom Autor selbst festgelegter Werktitel ist nicht sicher überliefert. Ein Teil der heute verwendeten Titel geht auf frühneuzeitliche Herausgeber beziehungsweise moderne Editionen zurück.
Die Königsgeschichte beginnt mit dem sagenhaften König Skjold und führt bis in Aagesens eigene Gegenwart. Sie endet mit den Ereignissen von 1185, insbesondere der Unterwerfung des pommerschen Fürsten Bugislav unter Knud VI. Das Werk umfasst in moderner Druckgestalt nur ungefähr fünfzig Seiten und ist damit wesentlich kürzer als Saxos monumentale Gesta Danorum.
Die Kürze ist jedoch kein bloßer Mangel. Sven arbeitet stark selektiv. Er versucht nicht, für jede Generation eine lückenlose Chronologie zu konstruieren, sondern hebt bestimmte Könige, Konflikte, genealogische Verbindungen und exemplarische Erzählungen hervor. Dadurch besitzt seine Darstellung einen episodischen, teilweise beinahe novellenartigen Charakter.
Zu den bekanntesten Stoffen gehören die Geschichten um Vermund und Uffe sowie die Erzählungen über Königin Thyra. Diese Texte sind auch deshalb bedeutsam, weil sie Überlieferungsvarianten enthalten, die von Saxos Darstellung abweichen. Sven ist somit nicht lediglich eine Kurzfassung Saxos, sondern ein eigenständiger Zeuge mittelalterlicher dänischer Traditionsbildung.
Seine Darstellung verbindet Geschichte, Genealogie, Heldentradition, politische Erinnerung und literarische Gestaltung. Frühmittelalterliche beziehungsweise sagenhafte Herrscher werden dabei nicht nach den Maßstäben moderner Quellenkritik behandelt. Für die ältesten Teile seines Werkes ist deshalb zwischen historischem Quellenwert und Bedeutung als Zeugnis des Geschichtsbildes des 12. Jahrhunderts zu unterscheiden.
Für die Zeit, die Sven selbst erlebt hatte, besitzt das Werk eine andere Quellenqualität. Persönliche Erinnerungen, Familienüberlieferungen und Beobachtungen aus dem politischen Umfeld des dänischen Königshofes können hier Informationen bewahren, die anderswo fehlen. Auch solche Aussagen bleiben selbstverständlich perspektivisch geprägt.
Ein zentraler Bezugspunkt ist Valdemar I., der Große. Sven stellt dessen Herrschaft sehr positiv dar und betont die Wiederherstellung und Stärkung der dänischen Königsmacht nach Jahrzehnten innerer Konflikte. In dieser Hinsicht steht er innerhalb der politischen Kultur der sogenannten Valdemarzeit.
Die neuere Forschung hat in Svens Werk ausgeprägte dynastische und patriotische Tendenzen festgestellt. Besonders die Erzählungen über Uffe und Thyra enthalten Motive einer Abgrenzung gegenüber dem deutschen beziehungsweise kaiserlichen Machtanspruch. Solche Passagen werden häufig als Ausdruck einer dänischen politischen Identitätsbildung des späten 12. Jahrhunderts interpretiert.
Diese Tendenz bedeutet jedoch nicht, dass das gesamte Werk auf eine einfache politische Propagandaschrift reduziert werden kann. Sven schreibt aus einem bestimmten sozialen, familiären und politischen Milieu heraus, verbindet aber unterschiedliche Interessen: historische Erinnerung, moralische Exempla, Genealogie, Recht, literarische Bildung und persönliche Beobachtung.
Seine lateinische Bildung zeigt sich in der Verwendung antiker Autoren und rhetorischer Muster. Er kannte insbesondere lateinische historische und poetische Literatur und zitiert beziehungsweise verarbeitet klassische Texte. Diese Bildung grenzt ihn deutlich von einer rein mündlichen Traditionsüberlieferung ab.
Gleichzeitig beruht ein Teil seiner Stoffe offenbar auf nichtschriftlicher Erinnerung. Familiengeschichten über Vater und Großvater, Überlieferungen zu Herrschern und Erzählstoffe der dänischen Vergangenheit konnten aus mündlicher Tradition stammen. Das Werk verbindet daher Schriftkultur und Erinnerungskultur.
Quellenkritisch ist besonders bedeutsam, dass Sven selbst von Büchern beziehungsweise Überlieferungen der Alten spricht. Welche konkreten Texte hinter einzelnen Angaben stehen, lässt sich jedoch nicht immer bestimmen. Mögliche Beziehungen zur Roskildechronik, zur Lejrechronik, zu Heiligenviten und zu weiteren nord- und westeuropäischen Geschichtswerken sind vielfach untersucht worden.
Die Beziehung zu Saxo ist komplex. Beide Autoren behandeln zahlreiche gemeinsame Stoffe, schreiben im selben politischen Großraum und zeigen eine starke Wertschätzung der Valdemarischen Königsmacht. Dennoch unterscheiden sich Auswahl, Stil, Umfang und teilweise auch politische Akzentsetzung deutlich.
Sven hebt beispielsweise die persönliche Leistung Valdemars I. stärker hervor, während Saxos Darstellung die Rolle Absalons ausführlicher entfaltet. Solche Unterschiede machen Aagesens Werk gerade dort wertvoll, wo beide Autoren dieselben Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven darstellen.
Die Überlieferungsgeschichte der Texte ist außerordentlich problematisch. Die ursprünglichen Handschriften Svens sind nicht erhalten. Die heutige Textkenntnis beruht auf zwei voneinander abweichenden Überlieferungssträngen, die erst in der frühen Neuzeit greifbar werden.
Eine wichtige Quelle ist die Handschrift AM 33 4to. Sie enthält eine frühneuzeitliche Abschrift eines älteren Textzeugen und wird mit dem dänischen Historiker Claus Christoffersen Lyschander in Verbindung gebracht. Die Abschrift ist fehlerhaft, schwer verständlich und enthält zahlreiche problematische Abkürzungen und Lesarten.
Daneben steht die 1642 in Sorø veröffentlichte Ausgabe des Gelehrten Stephan Hansen Stephanius. Stephanius konnte noch eine mittelalterliche Handschrift benutzen, die später verloren ging. Dieser Textzeuge wurde beim großen Brand von Kopenhagen im Jahr 1728 vernichtet.
Da die von Stephanius benutzte Handschrift nicht mehr existiert, ist heute nicht sicher festzustellen, welche Abweichungen bereits im mittelalterlichen Manuskript vorhanden waren und welche auf redaktionelle Eingriffe des frühneuzeitlichen Herausgebers zurückgehen. Dieses Problem prägt die gesamte moderne Aagesen-Philologie.
Der dänische Philologe Martin Clarentius Gertz versuchte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aus den vorhandenen Zeugnissen eine möglichst ursprüngliche Textgestalt zu rekonstruieren. Seine Arbeiten von 1915 bis 1918 bilden bis heute einen zentralen Bezugspunkt der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Sven.
Gertz veröffentlichte die Texte in den Scriptores minores historiæ Danicæ medii ævi, einer grundlegenden Edition kleinerer mittelalterlicher dänischer Geschichtswerke. Daneben übersetzte er Aagesens Schriften ins Dänische.
Eine wichtige moderne englische Übersetzung und wissenschaftliche Einführung legte Eric Christiansen 1992 unter dem Titel The Works of Sven Aggesen, Twelfth-Century Danish Historian vor. Diese Ausgabe behandelt ausführlich Autor, Familie, Textüberlieferung, Lex castrensis, Königsgeschichte und verlorene Genealogie.
Die problematische Überlieferung verlangt besondere Vorsicht bei Detailinterpretationen. Nicht jede Formulierung des heute gedruckten lateinischen Textes kann mit absoluter Sicherheit Sven selbst zugeschrieben werden. Bei größeren inhaltlichen Strukturen und vielen zentralen Passagen besteht dagegen hinreichende Grundlage für historische und literaturwissenschaftliche Analyse.
Im Vergleich mit Saxo Grammaticus blieb Sven Aggesen lange im Schatten. Saxos Gesta Danorum ist wesentlich umfangreicher, literarisch ambitionierter und in der späteren europäischen Rezeption erheblich einflussreicher. Gerade deshalb besitzt Aagesen aber besonderen Quellenwert: Er bietet eine teilweise unabhängige Parallelüberlieferung.
Sein Werk ermöglicht Einblicke in die dänische Geschichtskultur unmittelbar vor beziehungsweise während der Entstehung der Gesta Danorum. Es zeigt, dass im Umfeld von Hof, Kirche und gebildetem Adel bereits mehrere Autoren gleichzeitig an der schriftlichen Konstruktion dänischer Vergangenheit arbeiteten.
Aagesens historische Bedeutung liegt somit auf mehreren Ebenen: Er gehört zu den frühesten namentlich bekannten Geschichtsschreibern Dänemarks, bewahrt frühe Varianten dänischer Sagen- und Herrscherüberlieferung, dokumentiert Normen der königlichen Gefolgschaft und liefert ein zeitgenössisches Zeugnis der politischen Kultur unter Valdemar I., Knud VI. und Absalon.
Etymologie
| Lemma | Sueno Aagesen |
|---|---|
| Moderne Hauptform | Sven Aggesen |
| Dänische Variante | Svend Aggesen |
| Ältere Variante | Svend Aagesen |
| Lateinisch | Sueno Aggonis; Sveno Aggonis |
| Vornamensgrundlage | Sven beziehungsweise Svend |
| Patronymische Grundlage | Agge beziehungsweise Aggi |
| Namensstruktur | Vorname + „Sohn des Agge/Aggi“ |
| Namenscharakter | mittelalterliches Patronymikon, nicht ursprünglich moderner erblicher Familienname |
Der Vorname Sueno ist eine lateinische beziehungsweise latinisierte Wiedergabe des skandinavischen Namens Sven beziehungsweise dänisch Svend. In lateinischen mittelalterlichen Texten mussten nordische Personennamen in die lateinische Schrift- und Flexionspraxis eingepasst werden, wodurch zahlreiche Varianten entstanden.
Das Element Aagesen/Aggesen ist historisch patronymisch zu verstehen. Es verweist auf den Vater Agge beziehungsweise Aggi. Die lateinische Form Aggonis filius bedeutet wörtlich „Sohn des Aggo/Agge“. Die moderne Behandlung von Aggesen wie eines festen Familiennamens ist daher eine nachträgliche Normalisierung.
Das dänische beziehungsweise skandinavische Element -sen bedeutet „Sohn“. In mittelalterlicher Namenspraxis bezeichnete eine solche Form unmittelbar die Abstammung und war nicht notwendig ein über Generationen unverändert weitergegebener Familienname im neuzeitlichen Sinn.
Wortgeschichte
Die Geschichte der Namensform ist von der Geschichte der Textüberlieferung kaum zu trennen. Im lateinischen Mittelalter erscheint der Name in Formen zu Sueno/Sveno und Aggonis. Frühneuzeitliche Herausgeber übernahmen und normalisierten diese Formen unterschiedlich.
Die Ausgabe des Stephanius von 1642 verwendet den Namen in einer ausführlichen lateinischen Form, die Aagesen als Sohn des Agge beziehungsweise Angehörigen einer bestimmten Abstammung bezeichnet. Spätere lateinische Editionen flektieren den Namen entsprechend der lateinischen Grammatik.
Im Dänischen setzten sich in der Neuzeit Formen wie Svend Aagesen, Svend Aggesøn, Sven Aggesen und Svend Aggesen durch. Die Schwankung betrifft sowohl den Vornamen Sven/Svend als auch das Patronymikon.
Ältere europäische biographische Lexika verwendeten häufig Aagesen. Dadurch gelangte diese Form auch in deutsch-, englisch- und französischsprachige alphabetische Nachschlagewerke, oftmals unter Einträgen wie „Aagesen, Svend“ oder „Aagesen, Sueno“.
Die moderne dänische Forschung bevorzugt dagegen überwiegend Sven Aggesen. Für historische Recherchen sollten deshalb sämtliche Hauptvarianten berücksichtigt werden.
Historische Einordnung
Sueno Aagesen lebte während einer entscheidenden Phase der dänischen Geschichte. Die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts war von dynastischen Konflikten und Bürgerkriegen geprägt. Mit Valdemar I., der seit 1157 als alleiniger König herrschte, begann eine Phase stärkerer politischer Konsolidierung.
Valdemars Herrschaft war eng mit Absalon verbunden. Beide betrieben eine expansive Politik im südlichen Ostseeraum, insbesondere gegen slawische Herrschaften und Zentren. Die Einnahme Arkons auf Rügen 1168 und spätere Feldzüge gehörten zu den wichtigsten Ereignissen dieser Entwicklung.
Aagesens eigene Familie hatte die vorausgehenden Bürgerkriege unmittelbar erlebt. Teile seiner Verwandtschaft standen zeitweise auf politisch unterlegenen Seiten. Umso bemerkenswerter ist, dass Sven selbst in seinen Werken die Valdemarische Königsherrschaft ausdrücklich positiv darstellt.
Diese politische Neuorientierung ist ein wichtiges Element für die Interpretation seines Geschichtsbildes. Historische Vergangenheit erscheint bei ihm nicht als neutraler Ablauf von Ereignissen, sondern als Vorgeschichte und Legitimation einer erneuerten dänischen Königsmacht.
Gleichzeitig gehört seine Tätigkeit zur europäischen Renaissance des 12. Jahrhunderts, in der lateinische Bildung, Rechtsstudium, Geschichtsschreibung und Verwaltung eine starke Expansion erfuhren. Die Ausbildung dänischer Geistlicher und Adliger in Frankreich und anderen Bildungszentren verband Skandinavien enger mit der gelehrten Kultur Westeuropas.
Antonyme
Ein Personenname besitzt keine eigentlichen Antonyme. Für Sueno Aagesen kann daher kein sprachliches Gegenwort angegeben werden.
Sachliche Gegenüberstellungen sind lediglich historiographisch möglich, beispielsweise Sven Aggesen – Saxo Grammaticus als zwei unterschiedliche Geschichtsschreiber derselben Epoche oder kurze Königsgeschichte – umfassende Gesta Danorum. Solche Kontraste sind keine Antonyme.
Synonyme und bedeutungsverwandte Ausdrücke
Sven Aggesen – heute verbreitetste wissenschaftliche Namensform.
Svend Aggesen – häufige dänische Variante.
Svend Aagesen – ältere beziehungsweise bibliographisch verbreitete dänische Form.
Sven Aagesen – ältere normalisierte Variante.
Sueno Aggonis – wichtige lateinische Namensform.
Sveno Aggonis – orthographische lateinische Variante.
Sveno Aggonis filius – ausführlichere lateinische patronymische Form.
Sweyn Aageson – ältere englische Namensform.
Geschichtsschreiber – sachliche Berufs- beziehungsweise Tätigkeitsbezeichnung.
Chronist – bedeutungsverwandte, aber nicht vollständig deckungsgleiche Tätigkeitsbezeichnung.
Abgrenzung
Sueno Aagesen ist nicht mit Saxo Grammaticus identisch. Beide waren ungefähr zeitgleich tätig, behandelten dänische Geschichte und bewegten sich im politischen Umfeld der Valdemarzeit. Saxos Gesta Danorum ist jedoch ein eigenständiges, wesentlich umfangreicheres Werk.
Ebenso ist Aagesens Compendiosa regum Daniae historia nicht mit der älteren anonymen Roskildechronik oder der Lejrechronik gleichzusetzen. Diese Texte gehören zu einer verwandten, aber jeweils selbständigen historiographischen Tradition.
Der Name Aagesen darf außerdem nicht automatisch als moderner erblicher Familienname interpretiert werden. Für den mittelalterlichen Autor handelt es sich ursprünglich um eine patronymische Bezeichnung.
Ältere biographische Lexika bezeichnen Sven gelegentlich als Sekretär Absalons. Eine solche präzise Amtsbezeichnung ist jedoch nicht sicher dokumentiert. Gesichert ist eine enge Verbindung zum politischen und kirchlichen Umfeld Absalons; die konkrete institutionelle Stellung bleibt unsicher.
Kontext
Typische Kontexte sind Dänemark, Mittelalter, lateinische Geschichtsschreibung, Saxo Grammaticus, Absalon, Valdemar I., Knud VI., Lund, Trund-Familie, Vederlov, Lex castrensis, Königsgenealogie und Brevis historia regum Dacie.
Beispiele: Sueno Aagesen gehört zu den frühesten namentlich bekannten dänischen Geschichtsschreibern. – Sven Aggesen schrieb seine Werke auf Latein. – Aagesens Königsgeschichte endet mit den Ereignissen des Jahres 1185. – Aagesen erwähnt Saxo als einen Zeitgenossen, der an einem umfangreicheren Geschichtswerk arbeitete.
Weitere Beispiele: Die Überlieferung der Werke Aagesens ist textkritisch problematisch. – Die moderne Forschung bevorzugt die Namensform Sven Aggesen. – Aagesens Lex castrensis ist eine wichtige Quelle für die mittelalterliche Vorstellung von der königlichen Gefolgschaft.
Kollokationen und Kookkurrenzen
Typische Verbindungen sind der Geschichtsschreiber Sven Aggesen, der Chronist Svend Aagesen, Aagesens Königsgeschichte, Aagesens Werke, Aagesens lateinische Schriften, Aagesens Verhältnis zu Saxo, Aagesens Geschichtsbild, Aagesens Textüberlieferung, Aagesens Lex castrensis und die Edition der Werke Aagesens.
Typische Kookkurrenzen sind Saxo Grammaticus, Absalon, Valdemar, Knud VI., Lund, Dänemark, Mittelalter, Chronik, König, Hird, Latein, Vederlov, Stephanius, Gertz, Handschrift und Geschichtsschreibung.
Oberbegriff
Lebewesen
→ Mensch
→ historische Person
→ Person des europäischen Mittelalters
→ Person des mittelalterlichen Dänemark
→ gelehrter lateinischer Autor
→ dänischer Geschichtsschreiber des 12. Jahrhunderts
→ Sueno Aagesen / Sven Aggesen
Daneben ist eine zweite sachliche Hierarchie möglich:
Person
→ Angehöriger der dänischen Elite des 12. Jahrhunderts
→ wahrscheinlich geistlich ausgebildeter Hof- beziehungsweise Kirchenangehöriger
→ Verfasser lateinischer historischer und rechtshistorischer Werke
Unterbegriffe
Da Sueno Aagesen eine einzelne historische Person bezeichnet, besitzt das Lemma keine eigentlichen Unterbegriffe.
Seine verschiedenen Tätigkeitsrollen können jedoch sachlich differenziert werden:
Geschichtsschreiber – Verfasser einer kurzen Geschichte der dänischen Könige.
Rechtsüberlieferer – Bearbeiter der Lex castrensis beziehungsweise Vederlov.
Genealoge – Verfasser beziehungsweise Bearbeiter einer Königsgenealogie.
Hofnaher Autor – Angehöriger des politischen Umfelds der Valdemarischen Königsmacht.
Wahrscheinlicher Kleriker – aufgrund Ausbildung, Schreibkultur und möglicher Verbindung zum Lunder Domkapitel.
Zeitzeuge – für bestimmte politische und militärische Ereignisse der 1180er Jahre.
Wortfamilie
Bei einem Personennamen ist „Wortfamilie“ nur eingeschränkt im gewöhnlichen lexikologischen Sinn anwendbar. Relevant sind vor allem Namensvarianten und die patronymische Struktur.
Sven – nordische Grundform des Vornamens.
Svend – dänische Variante.
Sueno – lateinisierte Form.
Sveno – lateinische Schreibvariante.
Agge/Aggi – Name des Vaters beziehungsweise Grundlage des Patronymikons.
Aggesen – „Sohn des Agge“.
Aagesen – ältere beziehungsweise normalisierte Variante des Patronymikons.
Aggesøn/Aggessøn – Formen mit dem dänisch-norwegischen Element -søn.
Aggonis – lateinische Genitivform der patronymischen Grundlage.
Wortbildung
Die Namensform Aagesen beziehungsweise Aggesen beruht auf einem skandinavischen Patronymikon. Das Element -sen bedeutet „Sohn“ und verbindet sich mit dem Namen des Vaters.
Historisch bedeutet Aggesen somit ungefähr „Sohn des Agge“. Die lateinische Form Aggonis filius macht diese Struktur ausdrücklich sichtbar: filius bedeutet „Sohn“.
Eine solche mittelalterliche Form darf nicht ohne Weiteres nach dem Modell neuzeitlicher erblicher Familiennamen verstanden werden. Patronymika änderten sich ursprünglich mit jeder Generation. Ein Sohn Svens hätte daher nicht automatisch denselben patronymischen Namen getragen.
Polysemie
Der vollständige Personenname Sueno Aagesen besitzt keine eigentliche lexikalische Polysemie. Er dient der Identifikation einer bestimmten historischen Person.
Mehrdeutigkeit entsteht jedoch durch die zahlreichen Namensformen. Sven Aggesen, Svend Aagesen und Sueno Aggonis sehen formal unterschiedlich aus, beziehen sich in diesem Kontext aber auf dieselbe Person.
Eine weitere mögliche Verwechslung entsteht dadurch, dass Aagesen beziehungsweise Aggesen auch bei anderen Personen als Name vorkommen kann. Der isolierte Familienname ist daher nicht eindeutig auf den mittelalterlichen Historiker festgelegt.
Homonyme und Homographe
Der Nachname beziehungsweise die patronymische Form Aagesen ist nicht ausschließlich mit Sueno Aagesen verbunden. In späterer skandinavischer Namenspraxis können andere Personen denselben oder einen ähnlich geschriebenen Namen tragen.
Auch der Vorname Sven/Svend war und ist im skandinavischen Raum sehr häufig. Die Kombination mit der historischen Zeitstellung und den Varianten Aggesen/Aagesen/Aggonis ist daher für die Identifikation entscheidend.
Sueno Aggonis ist keine zweite Person, sondern eine lateinische Form desselben Namens.
Redewendungen und Sprichwörter
Mit dem Namen Sueno Aagesen sind keine allgemeinsprachlichen deutschen Redewendungen oder Sprichwörter verbunden.
Auch in der dänischen Sprache hat sich der Name nicht zu einer festen sprichwörtlichen Wendung entwickelt. Verwendungen des Namens beziehen sich auf die historische Person, ihre Werke oder ihre historiographische Bedeutung.
Metaphern
Der Personenname besitzt keine lexikalisierte metaphorische Bedeutung. Aagesen wird nicht allgemein als Bildwort für einen bestimmten Typ von Historiker, Chronisten oder politischen Autor verwendet.
In wissenschaftlicher Prosa können Formulierungen wie „Aagesens Dänemark“ oder „Aagesens Vergangenheit“ auftreten. Dabei handelt es sich jedoch um kontextuelle Verkürzungen für „das von Aagesen entworfene Bild Dänemarks beziehungsweise der Vergangenheit“ und nicht um eine selbständige metaphorische Namensbedeutung.
Metonymie
Metonymischer Gebrauch ist bei Autorennamen häufig. Aagesen kann für seine Werke beziehungsweise seinen Text stehen: Aagesen berichtet von der Unterwerfung Bugislavs. Streng genommen berichtet dabei nicht die historische Person in der Gegenwart, sondern der erhaltene beziehungsweise rekonstruierte Text seines Werkes.
Ebenso kann Aagesen für eine historiographische Position stehen: Bei Aagesen wird Valdemars Rolle stärker hervorgehoben als bei Saxo. Der Autorenname bezeichnet hier die Darstellung beziehungsweise Perspektive des Werkes.
Register und Sprachstufe
Sueno Aagesen ist eine historische und bibliographische Namensform. Sie wirkt heute gelehrt und altertümlich, weil die moderne Forschung überwiegend Sven Aggesen verwendet.
Sueno Aggonis gehört insbesondere zur lateinphilologischen und mediävistischen Fachsprache. Svend Aagesen begegnet häufig in älterer dänischer und europäischer Literatur.
Für einen modernen deutschsprachigen Lexikonartikel ist es sinnvoll, die vom Lemma vorgegebene Form Sueno Aagesen beizubehalten, im ersten Absatz jedoch sofort auf Sven Aggesen als heute verbreitete Forschungsform hinzuweisen.
Regionale Varianten
Bei einem mittelalterlichen Personennamen ist weniger von eigentlichen Dialektformen als von sprach-, editions- und wissenschaftstraditionsabhängigen Namensvarianten zu sprechen.
Dänisch: Sven Aggesen, Svend Aggesen, älter Svend Aagesen beziehungsweise Aggesøn.
Lateinisch: Sueno Aggonis, Sveno Aggonis, flektierte Formen wie Svenonis Aggonis.
Deutsch: Sven Aggesen, Svend Aagesen, in älteren Nachschlagewerken auch Sueno Aagesen.
Englisch: Sven Aggesen; ältere Literatur auch Sweyn beziehungsweise Svend Aageson.
Französisch: Sven Aggesen beziehungsweise ältere Form Svend Aagesen.
Diese Varianten sind nicht als unterschiedliche Personen zu behandeln.
Aktuelle Statistik
| Lemma | Sueno Aagesen |
|---|---|
| Heute verbreitete Namensform | Sven Aggesen |
| Lebenszeit | 12. Jahrhundert |
| Geburt | ungefähr 1140–1150; nicht sicher datiert |
| Tod | unbekannt; häufig ungefähr um 1200 angesetzt |
| Sicherer biographischer Fixpunkt | noch 1185 als Zeitzeuge beziehungsweise Autor aktiv |
| Herkunft | Dänemark |
| Sprache der Werke | Latein |
| Bekannte Werkkomplexe | drei, wenn die fragmentarische Königsgenealogie als eigenes Werk gezählt wird |
| Hauptwerk | kurze Geschichte der dänischen Könige |
| Endjahr der Königsgeschichte | 1185 |
| Erste Druckausgabe der Werke | 1642 |
| Wichtige moderne Standardedition | M. Cl. Gertz, 1917–1918 |
| Wichtige englische Ausgabe | Eric Christiansen, 1992 |
| Überlieferungslage | problematisch; keine erhaltene Originalhandschrift |
Die Datenlage ist für eine Person des 12. Jahrhunderts ungewöhnlich ungleichmäßig. Über Werk, politische Umgebung und einzelne selbsterlebte Ereignisse lässt sich vergleichsweise viel sagen, während grundlegende biographische Informationen wie Geburtsort, genaues Geburtsdatum und Todesdatum unbekannt bleiben.
Die häufig genannten Jahreszahlen 1140 und 1200 sollten deshalb nicht wie moderne standesamtliche Lebensdaten behandelt werden. Sie dienen lediglich als ungefähre zeitliche Orientierung.
Häufigkeit und Statistik
| Lemma | Sueno Aagesen |
|---|---|
| Häufigkeit der Form „Sueno Aagesen“ | heute gering; überwiegend ältere bibliographische Verwendung |
| Häufigkeit der Form „Sven Aggesen“ | in moderner Forschung deutlich höher |
| Häufigkeit der Form „Svend Aagesen“ | vor allem in älterer dänischer und europäischer Literatur |
| Lateinische Forschungsform | Sueno Aggonis |
| Rezeptionsintensität im Mittelalter | vergleichsweise gering und nur schwach nachweisbar |
| Frühneuzeitliche Wiederentdeckung | deutlich, besonders im 17. Jahrhundert |
| Forschungsschwerpunkt | dänische Historiographie, Valdemarzeit, mittelalterliche Rechts- und Überlieferungsgeschichte |
| Absolute Namensfrequenz | ohne definiertes bibliographisches Korpus nicht sinnvoll als Einzelzahl anzugeben |
Eine quantitative Suchmaschinenstatistik wäre bei diesem Namen methodisch wenig aussagekräftig, weil unterschiedliche Namensformen denselben Autor bezeichnen und bibliographische Wiederholungen, Werkverzeichnisse, Digitalisate und Wikipedia-Spiegel die Treffermengen stark verzerren.
Für wissenschaftliche Recherchen müssen deshalb mindestens die Formen Sven Aggesen, Svend Aggesen, Svend Aagesen und Sueno Aggonis parallel berücksichtigt werden.
Wortbildung als Erstglied
Personennamen können im Deutschen produktiv als Erstglieder wissenschaftlicher und bibliographischer Zusammensetzungen verwendet werden. Bei Aagesen sind insbesondere Bindestrichbildungen möglich.
Aagesen-Forschung – wissenschaftliche Forschung zu Person und Werk.
Aagesen-Ausgabe – Edition seiner Texte.
Aagesen-Handschrift – verkürzende Bezeichnung einer Handschrift beziehungsweise Abschrift seiner Werke.
Aagesen-Überlieferung – Gesamtheit der Textüberlieferung.
Aagesen-Rezeption – Wirkungsgeschichte seiner Werke.
Aagesen-Text – ein Sven Aggesen zugeschriebener beziehungsweise in seiner Werküberlieferung enthaltener Text.
Aagesen-Forschungsgeschichte – Geschichte der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Autor.
Stilistisch präziser sind häufig Genitivkonstruktionen wie die Werke Sven Aggesens, die Überlieferung Aagesens oder die Forschung zu Sven Aggesen.
Wortbildung als Letztglied
Der Gesamtname Aagesen ist kein produktives deutsches Wortbildungselement. Sprachgeschichtlich lässt sich jedoch sein Letztglied -sen erklären.
Das skandinavische patronymische Element -sen bedeutet „Sohn“. Vergleichbare Namen sind Jensen „Sohn des Jens“, Andersen „Sohn des Anders“, Hansen „Sohn des Hans“ und zahlreiche weitere dänische und norwegische Familiennamen.
Bei Aggesen beziehungsweise Aagesen liegt entsprechend die Bedeutung „Sohn des Agge/Aggi“ zugrunde.
In der modernen dänischen Namenspraxis sind zahlreiche ursprünglich patronymische Namen zu erblichen Familiennamen geworden. Für den mittelalterlichen Sven darf diese spätere Entwicklung jedoch nicht rückwirkend vorausgesetzt werden.
Übersetzungen
Personennamen werden grundsätzlich nicht semantisch übersetzt. In anderen Sprachen werden vielmehr unterschiedliche historische oder normalisierte Namensformen verwendet. Die folgenden Angaben betreffen daher Namensgebrauch, nicht Übersetzungen im eigentlichen Sinn.
Altgriechisch: keine historische griechische Standardform überliefert; in moderner griechischer Fachliteratur wäre eine Transkription der Namensform Sven Aggesen zu erwarten.
Lateinisch: Sueno Aggonis, Sveno Aggonis, auch flektierte Formen wie Svenonis Aggonis und ausführlich Sveno Aggonis filius.
Italienisch: gewöhnlich Sven Aggesen beziehungsweise Svend Aagesen; der Personenname wird nicht übersetzt.
Französisch: Sven Aggesen; ältere biographische Literatur auch Svend Aagesen beziehungsweise Sueno Agonis.
Spanisch: Sven Aagesen beziehungsweise Sven Aggesen; keine semantische Übersetzung.
Dänisch: Sven Aggesen, Svend Aggesen; ältere Form Svend Aagesen beziehungsweise Aggesøn.
Schwedisch: Sven Aggesen; der Vorname Sven entspricht unmittelbar einer auch im Schwedischen geläufigen Namensform.
Norwegisch: Sven Aggesen beziehungsweise Svend Aggesen.
Finnisch: Sven Aggesen; Eigennamen werden gewöhnlich in internationaler beziehungsweise skandinavischer Form übernommen.
Polnisch: Sven Aggesen; gegebenenfalls orthographisch an die jeweilige Fachpublikation angepasst.
Litauisch: meist Übernahme beziehungsweise sprachspezifische Flexion des Namens Sven Aggesen.
Estnisch: Sven Aggesen.
Lettisch: sprachspezifisch angepasste beziehungsweise transkribierte Form von Sven Aggesen; keine inhaltliche Übersetzung.
Slowenisch: Sven Aggesen.
Slowakisch: Sven Aggesen.
Rumänisch: Sven Aggesen.
Bulgarisch: üblicherweise kyrillische Transkription von Sven Aggesen; eine historische eigenständige Namensübersetzung besteht nicht.
Russisch: Свен Аггесен.
Englisch: Sven Aggesen; ältere Literatur auch Sweyn Aageson beziehungsweise Svend Aagesen.
Niederländisch: Sven Aggesen.
Tschechisch: Sven Aggesen.
Ungarisch: Sven Aggesen.
Portugiesisch: Sven Aggesen beziehungsweise Sven Aagesen.
Ukrainisch: kyrillische Transkription der Form Sven Aggesen.
Japanisch: phonetische Umschrift des Namens Sven Aggesen; der Name wird nicht semantisch übersetzt.
Chinesisch: phonetische Transkription des Namens Sven Aggesen; keine semantische Übersetzung.
Für wissenschaftliche Recherchen ist die lateinische Form Sueno Aggonis besonders wichtig, da mediävistische Datenbanken und Werkverzeichnisse den Autor häufig unter dieser Form führen. In modernen dänischen und englischen Publikationen sollte zusätzlich nach Sven Aggesen gesucht werden.
Web-links
Lex – Sven Aggesen: aktuelle dänische Überblicksdarstellung zu Leben, Familie, Bildung und Werken
Danmarkshistorien – Svend Aggesen, ca. 1140–1200: biographische und historische Einordnung
Dansk Biografisk Leksikon – Sven Aggesen
Dansk litteraturs historie – Sven Aggesens Königsgeschichte
Heimskringla – ältere Darstellung zu Svend Aagesens Chronik