Ihr Augen/ eure Blicke

Hans Aßmann von Abschatz

1 Ihr Augen/ eure Blicke
2 Gerathen in Verdacht:
3 Nehmt euch für Ungelücke/
4 Das eure Künheit macht/
5 Hinfort genau in Acht.
6 Man saget/ daß ihr spielt
7 Nach der Verliebten Art/
8 Wiewohl ichs nie gefühlet/
9 Und eurer Stralen Fahrt
10 Auff Rosen-Wangen paart.
11 Entdeckt nicht Unbekandten
12 Was ihr itzund allein
13 Solt meiner Amaranthen/
14 Durch dunckler Farben Schein
15 Ins Hertze schreiben ein.
16 Lasst sie von ferne wissen/
17 Was dieser treue Mund/
18 Im Fall sie zu beküssen
19 Ihm möchte seyn vergunt/
20 Ihr würde machen kund.
21 Bringt mir Bericht zurücke/
22 Was zu erwarten sey/
23 Und ob auch ihre Blicke
24 Sich/ sonder Heucheley/
25 Dem Hertzen nahen bey.
26 Ich will mit Willen tragen
27 Die auffgelegte Schuld/
28 Nicht über Unrecht klagen/
29 Wo Amaranthens Huld
30 Ist meiner Blicke Sold.

Analyse Verse 1-5

1 Ihr Augen/ eure Blicke
Textanalyse:
Ein direkter, appellativer Einstieg: Die »Augen« und »Blicke« werden als Adressaten des Gedichts angesprochen – eine rhetorische Personifikation. Nicht der Mensch als Ganzes, sondern explizit dessen Wahrnehmungsorgane (Augen) und deren Ausdruck (Blicke) stehen im Fokus. Diese Trennung ist typisch für barocke Anthropologie, in der Körperteile häufig eigene moralische Bedeutung erlangen.
Subtextanalyse:
Die Augen stehen hier nicht nur für Sehen, sondern für Begierde, Neugier, Kontrolle oder auch Gefahr. Der Blick als Ausdruck innerer Regungen bekommt Eigenmacht zugeschrieben – er ist nicht neutral, sondern wirkt aktiv auf die Welt und auf andere Menschen ein. Das lyrische Ich setzt damit bereits ein ethisches Urteil in Gang: Der Blick ist nicht unschuldig.
2 Gerathen in Verdacht:
Textanalyse:
Die Personifikation wird fortgesetzt – die Blicke »geraten« in Verdacht. Es ist eine passive Formulierung: Nicht die Augen sind von sich aus schuldig, aber sie werden als potenziell gefährlich wahrgenommen. Die Syntax erinnert an juristische Formulierungen (»in Verdacht geraten«), was die Ernsthaftigkeit des moralischen Verdachts unterstreicht.
Subtextanalyse:
Der Blick wird als Grenzüberschreitung empfunden. Die Frage, ob jemand schuldig ist oder nur verdächtigt wird, bleibt offen – und genau in diesem Zwischenraum entfaltet sich die barocke Spannung zwischen Schein und Sein. Der Blick kann sowohl »Verführung« bedeuten als auch »Anklage«. Der Vers schwingt damit zwischen Eros und Ethos.
3 Nehmt euch für Ungelücke /
Textanalyse:
Ein warnender Imperativ: »Nehmt euch in Acht«. Der Vers kündigt an, dass das Verhalten der Augen/Blicke nicht folgenlos bleiben wird. »Ungelücke« ist ein barockes Wort für Unheil, Unordnung, Unruhe – möglicherweise auch für moralische oder soziale Katastrophen.
Subtextanalyse:
Es wird suggeriert, dass der Blick etwas auslösen kann, das außerhalb der Kontrolle des Blickenden liegt. Das erinnert an die barocke Vanitas-Vorstellung: Der Mensch überschätzt seine Kontrolle über Wirkung und Begehren, was sich schließlich ins Unglück wendet. Hier wird gewarnt vor einer Überhebung des Menschen durch seinen Blick – vielleicht auch vor einem verführerischen weiblichen Blick, der traditionell im Barock ambivalent dargestellt wird: als schön, aber gefährlich.
4 Das eure Künheit macht /
Textanalyse:
Die Ursache des »Unglücks« wird benannt: die »Künheit« (veraltete Form von Kühnheit, also Wagemut, Dreistigkeit). Die Blicke sind nicht einfach passiv – sie sind zu »kühn«, also übergriffig, unbescheiden, vermessen. Kühnheit ist in der barocken Moralphilosophie häufig mit Hochmut verbunden.
Subtextanalyse:
Die Kühnheit der Blicke verweist auf ein anthropologisches Grundproblem: den Drang des Menschen, Grenzen zu überschreiten. Die Blicke »wagen« etwas – vielleicht den Blick auf etwas Verbotenes (Erotisches? Göttliches?), was sie in den moralischen Verdacht bringt. Damit stehen sie metaphorisch für die menschliche Hybris und für das Überschreiten göttlich oder gesellschaftlich gesetzter Schranken.
5 Hinfort genau in Acht.
Textanalyse:
Der Abschluss der Strophe ist eine Mahnung zur Selbstkontrolle: Die Blicke sollen sich »hinfort« (von jetzt an, künftig) in Acht nehmen, sich selbst überwachen. Das ist ein typischer Zug barocker Lebenskunst – die Aufforderung zur Mäßigung, zur Selbsterkenntnis und zum Maßhalten.
Subtextanalyse:
Der Mensch wird zum moralischen Selbstaufseher: Seine Sinne sind nicht autonom, sondern müssen diszipliniert werden. Im Hintergrund steht eine anthropologische Konzeption, in der der Mensch nur dann »edel« ist, wenn er sich selbst kontrollieren kann. Der Blick – und über ihn das Begehren – wird zur ethischen Probe.
Philosophische Tiefendimension
Die ersten fünf Verse eröffnen ein komplexes Spiel zwischen Wahrnehmung, Moral und Selbstverantwortung, das tief in der barocken Anthropologie und Ethik verwurzelt ist:
1. Subjekt-Spaltung:
Der Mensch wird nicht als Einheit gedacht, sondern als innerlich geteilter Akteur: Seine Augen (bzw. seine Sinne) handeln potenziell eigenmächtig, ja gefährlich, und müssen durch das Ich (Vernunft, Moralinstanz) zur Ordnung gerufen werden.
2. Ethik des Blicks:
Der Blick ist nicht neutral. Er ist Träger von Absichten, Wirkung und möglicherweise Schuld. In einer Welt, in der das Sichtbare moralisch konnotiert ist, ist auch der Blick auf das Sichtbare ein Akt mit ethischer Tragweite.
3. Barocke Selbstkritik:
Das Gedicht fordert zur Selbstüberwachung auf – eine Grundhaltung des Barock, der das Leben als vergänglich, trügerisch und durch Sünde gefährdet versteht. Die Sinne müssen diszipliniert, das Begehren kontrolliert werden.
4. Warnung vor Hybris:
Die Kühnheit des Blicks ist ein Symbol für den übermütigen Menschen, der göttliche oder gesellschaftliche Grenzen missachtet. In dieser Hinsicht ist das Gedicht auch theologisch aufgeladen: Es erinnert an den Sündenfall (vgl. Eva und der verbotene Blick auf die Frucht) und warnt vor einem neuen Fall durch das Auge.
5. Blick als Spiegel des Inneren:
Der Blick offenbart nicht nur die Welt, sondern auch den inneren Zustand des Blickenden. Wer »verführerisch« oder »kühn« blickt, verrät damit seine innere Verfasstheit – eine gefährliche Transparenz des Subjekts.
Psychologische Tiefendimension
Das Gedicht von Hans Aßmann von Abschatz beginnt mit einem emphatischen Appell an die Augen – das zentrale Organ der Wahrnehmung und oft auch ein poetisches Symbol für Erkenntnis, Begierde und seelische Offenbarung. Schon die ersten fünf Verse entfalten eine psychologisch und rhetorisch hochkomplexe Ausgangssituation, die in der Tradition des barocken Liebes- und Tugenddiskurses steht. Im Folgenden werden die psychologischen Tiefendimensionen und die sprachlich-stilistischen Merkmale dieser Anfangsstrophe interpretiert.
1. Ambivalenz der Wahrnehmung
Die Anrede »Ihr Augen« personifiziert die Sinnesorgane, was auf ein gespaltenes Selbstverhältnis hindeutet: Der Sprecher richtet sich nicht an eine andere Person, sondern an das eigene Wahrnehmungsorgan oder das einer nahen, nicht namentlich genannten Figur (wahrscheinlich die Geliebte). Dadurch wird eine innere Zerrissenheit inszeniert – zwischen Begehren und moralischer Kontrolle, zwischen sinnlicher Erfahrung und sittlicher Ordnung.
2. Verdachtsmoment als seelischer Konflikt
Die »Blicke« geraten »in Verdacht« – das deutet auf einen psychologischen Mechanismus der Projektion und sozialen Kontrolle hin. In der barocken Weltauffassung ist der Blick Träger sowohl von Schönheit als auch von Gefahr. Das Sehen wird hier zur Quelle potenzieller Verfehlung, zu einer Schwelle, an der Schuld entstehen kann. Damit zeigt sich ein frühneuzeitliches Bewusstsein für die moralische Ambiguität der Sinneserfahrung.
3. Warnung vor den Konsequenzen des Begehrens
Der Ausdruck »Ungelücke« weist auf ein existenzielles Risiko hin – nicht bloß Missgeschicke, sondern ein Absturz ins sittlich Verwerfliche oder sogar in den gesellschaftlichen Ruin. Die »Künheit« (Kühnheit) der Blicke verweist auf eine freche, über die Norm hinausgehende Grenzüberschreitung. Diese moralische Grenzüberschreitung ruft Schuldgefühle oder zumindest die Angst vor dem Urteil der Außenwelt hervor. Es ist eine Situation zwischen Triebimpuls und Reue, zwischen Selbstüberhebung und dem Wunsch nach Rückzug.
4. Appell zur Selbstdisziplin
Der Schlussvers »Hinfort genau in Acht« ist sowohl imperativisch als auch resignativ. Die Forderung nach Kontrolle der Blicke ist ein Appell an die Vernunft über das Begehren – typisch für die barocke Anthropologie, die den Menschen als zwischen animalischer Triebnatur und göttlicher Ordnung stehend begreift. Psychologisch formuliert könnte man hier von einer Verinnerlichung des Über-Ichs sprechen: Die äußere moralische Instanz wird zur inneren Mahnung.
Sprachlich-stilistische Analyse
1. Formale Struktur
Die fünf Verse sind im Stil eines gereimten Mahngedichts gehalten, wobei das Reimschema auf Kreuz- und Haufenreim verweist: Blicke – Ungelücke – Künheit macht – in Acht. Das metrische Gerüst ist nicht exakt rekonstruiert, doch die rhythmische Gestaltung zielt auf Nachdruck und Ernst. Der Kürze der Verse steht eine intensive semantische Dichte gegenüber.
2. Anredeform und Affektlenkung
Der direkte Beginn mit »Ihr Augen« ist eine rhetorische Exklamation, die Aufmerksamkeit erregt. Die Personifikation der Augen lenkt das Gefühl auf ein innerlich-existenzielles Geschehen. Diese Form der poetischen Selbstverhandlung ist typisch für den Barock, in dem Seelenzustände oft über äußere Zeichen und Symbole (hier: Augen und Blick) artikuliert werden.
3. Semantische Kontraste
Zwischen Künheit und Ungelücke, zwischen Blick und Acht liegt eine semantische Spannung: Der Blick als expansiver Akt steht der »Acht« als disziplinierende Einschränkung gegenüber. Diese Gegensätze spiegeln das barocke Denken in Polaritäten (z. B. Eros und Mors, Welt und Ewigkeit, Sinnlichkeit und Tugend).
4. Stilmittel
Personifikation: Die Augen werden als handelnde Subjekte imaginiert.
Metonymie: Der Blick steht pars pro toto für das ganze Subjekt, für sein Begehren, sein Auftreten, sein Verhalten.
Emphase: Der Imperativ »Nehmt euch \[…] in Acht« hat eine erzieherische, warnende Funktion, vergleichbar einer inneren Stimme oder einer externalisierten Gewissensinstanz.
5. Lexikalisch-moralischer Duktus
Die Wortwahl – Verdacht, Ungelücke, Künheit, Acht – ist typisch für die barocke Rhetorik der Moralität: Sie verweist auf ein normatives Weltbild, in dem jedes Verhalten auf einer Skala von Tugend und Sünde verortet wird. Zugleich wird der moralische Diskurs durch ein Bewusstsein für psychologische Realitäten durchzogen, was dem Gedicht eine tiefere, innere Dynamik verleiht.

Analyse Verse 6-10

6 Man saget/ daß ihr spielt
Textanalyse:
Der Vers eröffnet mit einer unpersönlichen Wendung: »Man saget« – eine typisch barocke Formulierung, die allgemeine Rede oder Klatsch andeutet und gleichzeitig Distanz schafft. Der Sprecher übernimmt nicht selbst die Aussage, sondern verweist auf eine kollektive Meinung oder Konvention.
Das »ihr spielt« bezieht sich auf eine Frau (vermutlich eine Geliebte oder Angebetete) und bezeichnet ihr Verhalten als Spiel – vermutlich im Sinne von kokettierendem oder unaufrichtigem Liebesverhalten.
Subtextanalyse:
Der Begriff »spielen« ist doppeldeutig: Er kann einerseits auf kindliches oder harmloses Tun hinweisen, andererseits auf ein manipulatives Verhalten, das Gefühle nur vortäuscht. Es schwingt eine gewisse Ambivalenz mit: Bewunderung, aber auch leiser Vorwurf. Das weibliche Subjekt wird gleichzeitig idealisiert und problematisiert – ein zentrales barockes Motiv.
7 Nach der Verliebten Art/
Textanalyse:
Hier wird das »Spiel« aus dem Vorvers konkretisiert: Es ist die »Art der Verliebten«, also ein Verhalten, das typisch für Menschen ist, die in Liebe entbrannt sind. Doch auch hier bleibt offen, ob es sich um echtes Gefühl oder lediglich um den Schein von Verliebtheit handelt.
Subtextanalyse:
Das »Spiel« erhält eine fast gesellschaftliche Rechtfertigung: Es gehört zur Art, zur Natur oder zum sozialen Skript der Liebenden. Der Sprecher scheint sich in ein Gefüge höfischer Konventionen einzufügen, in dem das Spiel der Gefühle Teil des sozialen Austauschs ist – und dennoch bleibt ein Hauch von Skepsis gegenüber der Echtheit des Verhaltens bestehen. Es stellt sich die Frage: Ist Liebe ein inneres Gefühl oder ein äußerliches Spiel?
8 Wiewohl ichs nie gefühlet/
Textanalyse:
Der Sprecher distanziert sich plötzlich von dem beschriebenen Zustand. Er behauptet, nie selbst das Gefühl der verliebten Leidenschaft gespürt zu haben. Dies wirkt zunächst wie ein Eingeständnis von Unerfahrenheit oder Abgeklärtheit.
Subtextanalyse:
Dieser Vers enthält eine Ironie oder gar eine paradoxe Kehrtwende: Der Sprecher redet über Liebe und deren Ausdrucksformen, gibt sich als Beobachter und Kenner, behauptet aber zugleich, selbst nie davon betroffen gewesen zu sein. Das stellt sein eigenes Urteil in Frage – oder dient vielleicht dazu, seine eigene Verletzlichkeit hinter einer Maske aus Rationalität zu verbergen. In barocker Manier könnte dies auch ein Spiel mit Selbstdarstellung sein: Das Nichtfühlen wird zum Beweis höherer Vernunft oder moralischer Überlegenheit.
9 Und eurer Stralen Fahrt
Textanalyse:
Hier wird das Bild der Frau metaphorisch überhöht: Ihre »Stralen Fahrt« – d.h. der Glanz ihres Blickes oder ihrer Schönheit – wird als etwas Bewegliches, fast Kosmisches beschrieben. »Fahrt« bezeichnet hier nicht nur Bewegung, sondern auch einen Zug, ein Wirken, das von ihr ausgeht.
Subtextanalyse:
Die Lichtmetaphorik verweist auf das barocke Idealbild der Frau als leuchtendes, aber auch gefährliches Objekt männlicher Bewunderung. Der »Stralen«-Aspekt hat eine fast göttliche, aber auch verführerische Dimension: Licht blendet, zieht an – kann aber auch die Wahrheit verbergen. Im Kontext vorheriger Verse klingt die Frau wie eine Venusfigur: schön, sinnlich – aber womöglich trügerisch.
10 Auff Rosen-Wangen paart.
Textanalyse:
Die »Stralen Fahrt« verbindet sich mit den »Rosen-Wangen« – einem barocken Ideal der physischen Schönheit. Die Farbe Rot (Rose) deutet auf Jugend, Lebenskraft und erotische Anziehung hin. Das Bild ist sinnenfroh, fast malerisch.
Subtextanalyse:
Der Vers schließt das Miniaturbild weiblicher Schönheit ab und verbindet körperliche Sinnlichkeit (Wangen) mit ätherischer Leuchtkraft (Stralen). Diese Paarung ist ambivalent: Schönheit wird als verführerisches Gesamtkunstwerk inszeniert, zugleich aber als Oberfläche, die möglicherweise über innere Leere oder Täuschung hinwegtäuscht. Die Frage bleibt offen, ob diese Ästhetik auch Wahrheit enthält oder nur Maske ist.
Philosophische Tiefendimension (V. 6–10)
1. Spiel zwischen Schein und Sein:
Die zentrale Frage dieser Passage ist, ob Liebe und Leidenschaft echte Gefühle oder nur konventionelle Rollen sind. Das Spiel der Verliebten kann ebenso Ausdruck echter Emotion wie auch gesellschaftlich erwartetes Verhalten sein.
2. Erkenntnistheoretische Skepsis:
Der Sprecher zweifelt an der Echtheit dessen, was er sieht oder hört (»man saget…« / »wiewohl ichs nie gefühlet«). Damit stellt er die Erfahrbarkeit von Gefühlen überhaupt in Frage – ein Moment philosophischer Skepsis über die Vermittlung zwischen Erscheinung und Wahrheit.
3. Distanzierte Melancholie des Beobachters:
Der Sprecher nimmt eine Position ein, die zwischen Teilhabe und Entsagung schwankt. Er beschreibt die Schönheit und das Verhalten der Geliebten mit poetischem Glanz, bleibt aber selbst unbeteiligt. Diese Haltung ist typisch für die barocke Melancholie, in der das Subjekt zwar erkennt, aber nicht mitfühlt.
4. Anthropologische Fragilität des Begehrens:
Im Hintergrund steht die Frage: Was macht den Menschen in seiner Liebesfähigkeit aus? Ist Liebe ein inneres Wesen, das sich äußert – oder ein gesellschaftliches Spiel, das erst im Vollzug zur Realität wird? Der Mensch erscheint hier als zerbrechliches Wesen, das zwischen Affekt und Maske hin- und hergerissen ist.
5. Barocke Schönheitskonzeption als Täuschungspotenzial:
Die »Rosen-Wangen« und das »Stralen« lassen sich als Inszenierung äußerer Reize lesen, die den Blick vom Inneren ablenken. Schönheit wird zur verführerischen Illusion, zur Oberfläche, die eine tiefere Wahrheit möglicherweise verbirgt – ganz im Sinne der barocken vanitas-Symbolik.
Psychologische Tiefendimension 6-10
Diese fünf Verse entfalten eine komplexe psychologische Konstellation, die von ambivalenter Wahrnehmung, distanzierter Selbstbeobachtung und Projektion geprägt ist.
a) Der Blick des Sprechers als reflexiver Zweifel
Der Sprecher greift im ersten Vers ein unbestimmtes Gerücht auf: »Man saget« — ein klassischer Einstieg barocker Skepsis, die den Wahrheitsanspruch nicht aus eigener Erfahrung, sondern durch Hörensagen vermittelt. Dies verweist auf einen unsicheren Erkenntnisstand und signalisiert eine Distanz zum Gefühlsgeschehen.
Psychologisch gesehen: Der Sprecher schützt sich durch Indirektheit vor der Konfrontation mit seinen eigenen Affekten. Der Verweis auf Dritte (»man saget«) dient als Abwehrmechanismus gegen emotionale Involvierung.
b) Projektion und Verdrängung
In Vers 7 wird »Nach der Verliebten Art« gespielt – ein Verhalten wird thematisiert, das typisch für Liebende ist. Doch der Sprecher fühlt es nicht selbst (V. 8: »Wiewohl ich’s nie gefühlet«), was eine Form der Abspaltung suggeriert: Die Liebe wird gesehen, erkannt, beschrieben – aber nicht durchlebt.
Tiefenpsychologisch: Dieses Nicht-Fühlen könnte Ausdruck einer Verdrängung sein. Die Attraktivität (»Stralen Fahrt«) und körperliche Nähe (»Rosen-Wangen«) werden imaginiert, aber nicht angenommen. Der Sprecher scheint in einem Zwischenraum von Wunsch und Verweigerung zu verharren – typisch für barocke Liebesdichtung, in der Leidenschaft als gefährlich und flüchtig gilt.
c) Eros als gefährliches Spiel
Die Metaphorik des Spiels (»daß ihr spielt«) legt nahe, dass die Geliebte oder das Objekt der Bewunderung mit Gefühlen spielt – ein gängiges Topos der barocken Liebeslyrik, in der Liebe als ein gefährliches, illusionsreiches Spiel erscheint.
Psychologisch: Das Liebesobjekt wird zugleich idealisiert und misstrauisch beäugt. Diese Ambivalenz spricht für ein inneres Schwanken zwischen Hingabe und Kontrolle. Das Spielhafte wirkt verführerisch und bedrohlich zugleich.
Sprachlich-stilistische Analyse 6-10
Die Sprache ist geprägt durch typisch barocke Merkmale: hypotaktische Satzstruktur, metaphorische Aufladung, Sinnlichkeit der Bilder und distanzierte Rhetorik.
a) Rhetorische Struktur: Indirektheit und Reflexion
Die Verse sind durch reflexive Einschübe gegliedert:
»Man saget« – unpersönlicher Einstieg
»Wiewohl ich’s nie gefühlet« – einschränkender, fast apologetischer Nebensatz
Diese Konstruktionen erzeugen eine Spannung zwischen objektivierender Aussage und subjektiver Unsicherheit.
Stilistisch: Die indirekte Rede und Konjunktion (»daß«) zeigen ein bewusst reflektierendes Ich, das sich nicht völlig in die Aussage hineinstellt, sondern sie vermittelt.
Stilistischb) Metaphorik: Licht, Strahlung, Blüte
»eurer Stralen Fahrt« (V. 9): eine Lichtmetapher, die die Bewegung des Blicks oder der Ausstrahlung der Geliebten evoziert. Das Fahren suggeriert Dynamik und gezielte Wirkung – eine metaphorische Form der Verführung.
»auff Rosen-Wangen« (V. 10): Die klassischen barocken Topoi »Rose« und »Wange« verweisen auf körperliche Schönheit und erotische Präsenz.
Stilistisch: Es handelt sich um synästhetisch angelegte Metaphern – Licht (Stralen) trifft auf Farbe und Haptik (Rosen-Wangen). Diese Sinnesverbindung verstärkt den sinnlich-erotischen Eindruck.
c) Klangstruktur und Rhythmus
Die Verse weisen einen regelmäßigen Rhythmus mit jambischer Tendenz und durchgängiger Zäsurstruktur auf, die dem Gedankenfluss eine ruhige, reflektierte Form geben. Die Reime (Art – Fahrt – paart) erzeugen eine musikalische Klammer, die das Thema des Spiels, der Annäherung und Verbindung strukturell spiegelt.
Sprachlich betrachtet: Der Binnenreim und Endreim (Art – Fahrt – paart) schafft ein assoziatives Netz zwischen Verliebtheit (Art), Bewegung (Fahrt) und Vereinigung (paart), das die Semantik des erotischen Spiels verdichtet.
Fazit

Analyse Verse 11-15

Diese Verse zeichnen ein psychologisch feinnerviges Bild der Liebe als zugleich faszinierendes wie gefährliches Spiel, das vom Sprecher zwar beobachtet, aber nicht durchlebt wird. Die rhetorische Distanzierung (»man saget«, »nie gefühlet«) schützt vor der unmittelbaren Preisgabe eigener Gefühle, während die metaphorische Sinnlichkeit ein latentes Begehren verrät. So entsteht ein ambivalentes Spannungsfeld zwischen Verstand und Gefühl, zwischen Repräsentation und Empfindung – ganz im Geiste des barocken Menschenbildes, das stets um seine innere Einheit ringt.
11 Entdeckt nicht Unbekandten
Textanalyse:
Der Vers beginnt mit einer negativen Aufforderung: »Entdeckt nicht«. Dies hat den Ton einer Mahnung oder Warnung. Das Objekt »Unbekandten« (heute: »Unbekannten«) bezeichnet etwas nicht Enthülltes, Verhülltes oder Fremdes. Sprachlich fällt auf, dass »Entdecken« hier im Sinne von »Enthüllen«, »Aufzeigen« gebraucht wird – ein typischer Topos in barocker Dichtung, in der zwischen Sichtbarem und Verborgenem unterschieden wird.
Subtextanalyse:
Der Vers reflektiert über den Wert des Verborgenen und warnt davor, das Geheimnisvolle vorschnell zu entlarven. Es klingt ein Misstrauen gegen übermäßige Rationalisierung oder Entzauberung an. Die Mahnung richtet sich vermutlich an einen imaginären Adressaten – vielleicht die Leser, vielleicht eine Geliebte –, der das Innere des lyrischen Ichs oder ein poetisches Ideal »nicht entdecken« solle.
Philosophische Tiefendimension:
Hier berührt der Text ein zentrales Thema frühneuzeitlicher Anthropologie: das Verhältnis von Innerlichkeit und Offenbarung. Das Verborgene besitzt Eigenwert. Abschatz spielt auf die Erkenntnisgrenzen des Menschen an – möglicherweise in Auseinandersetzung mit der cartesianischen Aufklärungstendenz, die alles durch Vernunft erfassen will. Es geht um die Würde des Nicht-Sichtbaren, um die Achtung vor dem Mysterium.
12 Was ihr itzund allein
Textanalyse:
Dieser Vers ist grammatikalisch unvollständig, bildet aber mit dem Folgenden eine syntaktische Einheit. Das Relativpronomen »Was« bezieht sich rückwirkend auf das »Unbekandte(n)« aus dem vorigen Vers. »Itzund« ist ein zeitlicher Marker für »jetzt«, »allein« verstärkt die Exklusivität des Besitzes: Nur der oder die Angesprochene hat momentan Zugang zu diesem Etwas.
Subtextanalyse:
Das lyrische Ich deutet darauf hin, dass etwas Exklusives zwischen ihm und dem Adressaten existiert – eine Form von Intimität, die andere nicht kennen. Der Subtext spricht von einer stillen Verbundenheit, vielleicht sogar einem geheimen Einverständnis, das sich nicht an die Öffentlichkeit wendet.
Philosophische Tiefendimension:
Hier kommt eine metaphysische Eigentumsfrage ins Spiel: Wem »gehört« die Erkenntnis des Innersten? Der Mensch ist Träger eines inneren Schatzes, aber dieser Schatz offenbart sich nur ausgewählten Augen. Dies erinnert an die mystische Tradition (z. B. Meister Eckhart), in der die »Seelenkammer« ein Raum der Gottesbegegnung ist – nicht jedem zugänglich, nur dem »allein«, der sich in rechter Haltung nähert.
13 Solt meiner Amaranthen
Textanalyse:
Jetzt wird der Satz der vorangegangenen Verse fortgeführt. »Solt« ist ein veraltetes Futur/Konjunktiv-Wort für »solltest«. Der Ausdruck »meiner Amaranthen« ist metaphorisch zu verstehen: Die Amaranth ist eine mythologische Pflanze, die nie verwelkt – Sinnbild für ewige Schönheit, Treue und Unvergänglichkeit. Das lyrische Ich besitzt also eine »Amaranthe« – wahrscheinlich ein Symbol für seine tiefste, idealisierte Liebe oder Tugend.
Subtextanalyse:
Der Subtext verrät ein stark idealisiertes Selbstbild: Das lyrische Ich besitzt etwas Edles, Dauerhaftes, das es dem Gegenüber anvertraut. Diese »Amaranthe« steht möglicherweise auch für ein inneres poetisches Bild, das über bloßes Naturerleben hinaus auf ein überzeitliches Ideal verweist. Die Adresse an ein Du bleibt dabei vage – es könnte sich um eine reale Geliebte, aber auch um ein allegorisches Bild handeln (z. B. Poesie, Seele, Gott).
Philosophische Tiefendimension:
Die Amaranthe als Zeichen des Unvergänglichen verweist auf die Spannung zwischen Zeitlichkeit und Ewigkeit. In einer Welt, die im barocken Weltbild als vergänglich und trügerisch (vanitas) erscheint, wird die Amaranthe zum Zeichen für etwas Absolutes, das den Wandel überdauert. Der Mensch trägt in sich eine Spur des Ewigen – eine platonische Idee –, die dem Sichtbaren überlegen ist.
14 Durch dunckler Farben Schein
Textanalyse:
Hier geschieht die konkrete Umsetzung des poetischen Vorgangs: Die »Amaranthe« soll durch einen »dunklen Farbenschein« ins Herz des Du geschrieben werden. Das Oxymoron »dunckler Farben Schein« ist von hoher dichterischer Raffinesse: »Schein« als Lichtphänomen steht im Widerspruch zu »dunkel« – aber gerade in dieser Paradoxie liegt die barocke Wahrheit. Die Schönheit (Schein) ist nicht hell, nicht offen, sondern verhüllt.
Subtextanalyse:
Die Aussage ist doppelbödig: Es geht nicht um plakative Offenbarung, sondern um ein Einwirken durch Andeutung, durch Verschleierung. Der Subtext spricht von der Kraft der Symbolik, der indirekten Wirkung. Die Amaranthe wirkt nicht direkt, sondern als leiser Schatten – ein inneres Bild, das nicht durch Klarheit, sondern durch Tiefe überzeugt.
Philosophische Tiefendimension:
Abschatz nimmt hier Bezug auf die frühbarocke Idee der enigmatica veritas – Wahrheit als Rätsel. Erkenntnis ist nicht durchs Licht, sondern durch Schatten erreichbar. Dies steht in Opposition zum rationalistischen Lichtdenken, wie es z. B. bei Descartes aufkommt. Die Schönheit ist in der Dunkelheit; die Wahrheit spricht durch Symbole. Man könnte auch sagen: Hier wirkt ein »negativer Platonismus«, bei dem das Wahre sich gerade nicht durch Helligkeit, sondern durch das Dunkle mitteilt – ein später Reflex der via negativa in der Theologie.
15 Ins Hertze schreiben ein.
Textanalyse:
Der Schluss dieses Abschnitts bringt den Zielpunkt: Die Amaranthe, durch dunkle Farben, soll »ins Herz eingeschrieben« werden. Das Verb »einschreiben« ist aus der religiösen Rhetorik bekannt: Gottes Wort oder Weisheit wird dem Gläubigen ins Herz eingeschrieben (vgl. Jeremia 31,33). Es ist ein stiller, innerlicher, unumkehrbarer Akt.
Subtextanalyse:
Das Herz als Sitz des Innersten wird hier zum Empfänger einer transzendenten Botschaft. Die »dunklen Farben« wirken still, aber tief – sie prägen sich in das Innerste des Menschen ein. Der Subtext verweist auf die Dauerhaftigkeit solcher innerer Eindrücke – nicht flüchtig wie das gesprochene Wort, sondern beständig wie eine Gravur im Fleisch der Seele.
Philosophische Tiefendimension:
Die Vorstellung, dass Erkenntnis oder Liebe »ins Herz eingeschrieben« wird, ist ein mächtiges Motiv mystischer Anthropologie. Hier begegnet uns die Idee, dass das Wahre sich nicht durch Argumentation, sondern durch symbolische, poetische Einprägung vollzieht. Es ist die Verinnerlichung des Ewigen. In platonischer Lesart könnte man sagen: Die Idee der Amaranthe wird im Herzen als anamnesis (Wiedererinnerung) lebendig – als Aufleuchten des ewig Guten in der Zeitlichkeit des Ichs.
Gesamtdeutung der Verse 11–15:
Diese fünf Verse entfalten eine komplexe Bewegung: Von der Warnung vor einer unzeitigen Entdeckung des Unbekannten über die Andeutung eines exklusiven inneren Wertes (»meiner Amaranthen«) bis zur Einprägung dieser Idee in das Herz des Adressaten. Die Sprache ist symbolisch und verdichtet; sie operiert nicht mit Klarheit, sondern mit Tiefe, nicht mit Logik, sondern mit poetischem Dunkel.
Philosophisch lässt sich dieser Abschnitt als Reflexion über Erkenntnis, Intimität und Dauer verstehen – in kritischer Distanz zur frühaufklärerischen Rationalität. Abschatz gestaltet ein poetisches Weltbild, das auf dem Respekt vor dem Geheimnis, der Tiefe des Symbols und der Innerlichkeit des Wahren beruht.
Psychologische Tiefendimensionen
Diese fünf Verse berühren zentrale psychologische Themen wie das Verhältnis von Innerlichkeit, Erkenntnis, Erinnerung und emotionaler Prägung. Dabei geht es vor allem um die Spannung zwischen Offenbarung und Geheimhaltung sowie um die tiefere Wirkung von symbolischer Sprache.
a) Inneres Geheimnis und selektive Offenbarung
Die erste Zeile »Entdeckt nicht Unbekandten« eröffnet mit einem Appell zur Diskretion. Sie fordert dazu auf, etwas Verborgenes – möglicherweise ein inneres Gefühl, eine Erinnerung oder eine symbolische Bedeutung – nicht jenen mitzuteilen, die es nicht verstehen (»Unbekandte«). Dies deutet auf ein Bedürfnis nach innerer Bewahrung hin: Nicht alles, was erlebt oder empfunden wird, soll öffentlich gemacht werden. Es ist eine psychologische Selbstschutzgeste, vielleicht auch eine Ausdrucksform zarter Innerlichkeit oder des Bewusstseins für das Missverständnis durch Außenstehende.
b) Exklusive emotionale Beziehung
»Was ihr itzund allein / Solt meiner Amaranthen \[…]« stellt eine exklusive Zuweisung dar. Nur »ihr« (mutmaßlich eine geliebte Person oder ein dichterisches »ihr« als an das Herz gerichtete Instanz) soll etwas erkennen oder empfinden, das mit der metaphorischen Figur der »Amaranthen« verbunden ist. Die Amaranthe, eine symbolisch überladene Blume, steht oft für Unvergänglichkeit, Treue oder verborgene Schönheit – hier wird sie offenbar als Bild für ein Gefühl, ein Gedicht oder eine geistige Gabe verwendet, die allein einer ausgewählten Person zugedacht ist. Dies ruft eine psychologische Exklusivität wach, eine Bindung durch Geheimnis.
c) Wirkung im Unterbewusstsein (»ins Hertze schreiben«)
Die letzten beiden Verse – »Durch dunckler Farben Schein / Ins Hertze schreiben ein« – sprechen von einem Prozess, bei dem das, was mit dem Bild der Amaranthe verbunden ist, nicht rational oder offenbart, sondern symbolisch und emotional vermittelt wird. Der »dunckler Farben Schein« steht für Andeutung, Schatten, vielleicht auch Trauer oder tiefere seelische Bewegung. Dass sich etwas ins Herz schreibt, ist eine eindrückliche Metapher für affektive Prägung, die tiefer reicht als bewusste Erkenntnis. Die Erinnerung wird hier als seelischer Einschreibevorgang imaginiert, nicht als logisches Verstehen, sondern als emotionale Einprägung.
d) Gesamtpsychologisches Spannungsfeld
Die Verse zeigen ein Spannungsfeld zwischen Zurückhaltung und Mitteilung, zwischen bewusster Geheimhaltung und unbewusster Wirkung. Das »Herz« ist dabei nicht nur ein Ort der Liebe, sondern ein Speicher des Innerlichen. Abschatz spricht aus einer Perspektive, die sowohl poetische als auch seelische Tiefe anerkennt und zugleich fürchtet, dass äußere Weltlichkeit diese Tiefe beschädigen könnte.
Sprachlich-stilistische Analyse
a) Syntax und Versbau
Die Sätze sind über mehrere Verse hinweg gezogen (Enjambements), was dem Text eine fließende, fast musikalische Bewegung verleiht. Insbesondere die syntaktische Spannung zwischen Zeile 12 und 13 (»Was ihr itzund allein / Solt meiner Amaranthen«) verlangt ein Innehalten beim Lesen und führt durch das gezielte Brechen der Satzstruktur zu gesteigerter Aufmerksamkeit. Es entsteht ein Netz aus Bedeutungsverschiebungen, das eine gewisse hermetische Tiefe evoziert.
b) Lexikalik und Stilmittel
»Unbekandten« – das heute altertümlich klingende Wort bedeutet hier »Fremden« oder »Unvertrauten«, ruft aber auch Assoziationen an das »Unbekannte« (das Nicht-Gekannte) hervor, was der Zeile eine doppelte Lesbarkeit gibt: Schutz vor fremdem Zugriff und Schutz vor rationalem Zugriff.
»Amaranthen« – als Stilmittel fungiert diese Blume als Allegorie oder Chiffre. Ihre mythologische Bedeutung (unverwelklich, göttlich, ewig) erhebt das, wofür sie steht – sei es ein Gedicht, ein Gedanke, eine Liebe – zu einem überzeitlichen, ästhetisch hochgeladenen Symbol.
»Dunckler Farben Schein« – diese Wendung ist stark symbolisch: Sie verweist auf eine suggestive Kraft von Bildern oder Worten, deren Wirkung gerade in der Dunkelheit, in der Verhüllung oder im Schatten liegt. Der Schein dunkler Farben ist paradox: Farben, die normalerweise Licht brauchen, erscheinen hier im Dunklen, was ein Gefühl von melancholischer Schönheit oder innerer Vision vermittelt.
c) Metaphorik des Einschreibens
»Ins Hertze schreiben ein« ist eine dichterische Metapher für tiefen emotionalen Eindruck, vielleicht sogar für unbewusste Prägung. Die Aktivität des »Schreibens« überträgt einen ästhetischen oder geistigen Gehalt in das Innerste. Es handelt sich hier auch um eine bewusste Umkehrung des üblichen Erkenntnisprozesses: Nicht der Verstand erkennt, sondern das Herz nimmt auf – ein typisch barockes Motiv, das Gefühl über Ratio stellt.
d) Klangstruktur
Die Reimstruktur der Strophen ist konventionell kunstvoll gehalten, vermutlich im fünfzeiligen Strophenmaß mit Schweifreim (aabcc). Im vorliegenden Ausschnitt lautet das Reimschema:
Zeile 11: »Unbekandten« (a)
Zeile 13: »Amaranthen« (a)
Zeile 12: »allein« (b)
Zeile 14: »Schein« (c)
Zeile 15: »ein« (c)
Dies sorgt für eine rhythmisch und klanglich ausgewogene Struktur, wobei besonders die Binnenreime auf »-ein« am Ende (Schein/ein) eine Einbettung ins Innere musikalisch verstärken. Sie klingen nach und erzeugen eine stille Intensität, passend zur thematischen Bewegung ins Verborgene.
Fazit
Die Verse 11–15 sind ein konzentriertes Beispiel für die barocke Verbindung von Gefühl, Symbolik und poetischer Reflexion. Psychologisch wirken sie wie ein innerer Schutzraum: Nur bestimmten Empfängern darf das Symbolische offenbart werden – und selbst dies nicht durch klare Mitteilung, sondern durch den »Schein dunkler Farben«, der eine tiefere, emotional getönte Wirkung entfaltet. Sprachlich zeigt sich eine bewusste Kunst, die Ambivalenz und Mehrdeutigkeit nicht scheut, sondern als Mittel zur seelischen Vertiefung verwendet.

Analyse Verse 16-20

16 Lasst sie von ferne wissen
Textanalyse:
Dieser Vers ist ein Imperativ, gerichtet an eine (nicht näher benannte) Instanz, vielleicht an die Götter, an das Schicksal, an das Gedicht selbst oder gar an die Öffentlichkeit. Der Sprecher wünscht, dass »sie« (die Angebetete) aus der Ferne erfahre, was in ihm vorgeht. Die »Ferne« ist hier nicht nur räumlich, sondern auch emotional und vielleicht gesellschaftlich codiert – sie sind durch Umstände getrennt.
Subtextanalyse:
Hier schwingt der Wunsch nach innerer Verbindung trotz äußerer Trennung mit. Der Sprecher fühlt sich von der Geliebten entfernt, sucht jedoch eine Art metaphysische Mitteilung – ein Sehnen, das über Distanz hinweg wirken soll. Der Akt des Dichtens wird zum Medium der Mitteilung.
17 Was dieser treue Mund
Textanalyse:
Mit »dieser treue Mund« meint der Sprecher sich selbst, genauer: seine Redlichkeit, sein Bekenntnis zur Treue, das sich in Worten äußert. Der Mund steht als Metonymie für das gesprochene Wort, die Sprache, das Bekenntnis.
Subtextanalyse:
Es ist ein sprechendes Selbstzeugnis, eine poetische Selbstoffenbarung. Der Mund ist nicht sinnlich, sondern ethisch definiert – seine »Treue« meint moralische Integrität. Die Formulierung macht die Sprache selbst zur Trägerin des Liebesverhältnisses – nicht die Tat, sondern das Wort konstituiert die Beziehung.
18 Im Fall sie zu beküssen
Textanalyse:
Diese hypothetische Wendung führt eine mögliche, aber bislang unerfüllte Intimität ein: den Kuss. »Im Fall« bedeutet: wenn es ihm gestattet oder möglich wäre. Der Kuss ist die Grenze zwischen Wort und Körper, zwischen Vorstellung und Realität.
Subtextanalyse:
Der Kuss bleibt hier im Konjunktiv – ein Begehren ohne Erfüllung, vielleicht eine Liebe, die gesellschaftlich nicht vollzogen werden darf. Die vorsichtige Formulierung deutet auf eine Zurückhaltung hin, ein Bewusstsein von Grenzen oder ein Respekt gegenüber der Geliebten. Das Liebesideal bleibt sublim und wird nicht in das Besitzergreifende überführt.
19 Ihm möchte seyn vergunt
Textanalyse:
Der Ausdruck »ihm möchte sein vergönnt« zeigt demütige Hoffnung: Es wird nicht gefordert, sondern erbeten. Es handelt sich um einen Wunsch, der in göttliche oder gesellschaftliche Hände gelegt wird. Das Wort »vergönnt« impliziert, dass das Ersehnte nicht in der eigenen Macht liegt.
Subtextanalyse:
Der Sprecher positioniert sich als Bittender, als jemand, der seine Leidenschaft zügeln muss, weil äußere Normen (Ehre, Stand, Tugend, Moral) die Erfüllung der Liebe verhindern könnten. Dies ist Ausdruck barocker Demut – das Ich unterwirft sich einem größeren Ordnungsgefüge, sei es göttlich oder sozial.
20 Ihr würde machen kund.
Textanalyse:
Der Kuss – oder genauer: der hypothetische Kuss – würde ihr »kund« machen, was in ihm vorgeht. Das bedeutet: Durch die körperliche Geste des Kusses würde eine seelische Wahrheit offenbar. Der Kuss ist hier ein Akt der Mitteilung, nicht der Lust.
Subtextanalyse:
Die Sinnlichkeit wird vergeistigt: Der Kuss ist Zeichen der Liebe, aber nicht in einem erotischen, sondern in einem zeichenhaften Sinn. Es geht nicht um Besitz, sondern um Offenbarung. Das Körperliche wird zum Symbol des Inneren. Der Vers bindet damit das Seelische an das Zeichenhafte – eine zentrale Figur barocker Liebespoesie.
Philosophische Tiefendimension
1. Trennung und Mitteilung über Distanz hinweg
Der Sprecher ringt mit der Erfahrung der Trennung und sucht dennoch nach einem Medium, das seine Innerlichkeit überträgt. Dies verweist auf ein metaphysisches Kommunikationsverhältnis zwischen Ich und Du – über Raum, Zeit und Körperlichkeit hinaus. Die Poesie wird dabei selbst zum Medium der transzendierenden Mitteilung.
2. Der Mund als Ort moralischer Wahrheit
In der barocken Anthropologie ist der Mensch ein sprachfähiges Wesen. Dass der Mund als »treu« bezeichnet wird, zeigt: Wahrheit wird nicht durch Handlung, sondern durch das rechte Wort erzeugt. Hier zeigt sich eine Ethik der Sprache, die über performatives Handeln hinausgeht.
3. Konditionalität und Demut
Das Ganze steht unter dem Zeichen des »Im-Fall«, der Möglichkeit. Diese Bedingtheit ist Ausdruck einer barocken Welterfahrung, in der nichts selbstverständlich ist, sondern vom Willen einer höheren Ordnung abhängt – sei sie göttlich, schicksalhaft oder gesellschaftlich. Die Liebe steht unter dem Vorzeichen des Verzichts.
4. Körperlichkeit als Medium der Wahrheit, nicht des Begehrens
Der Kuss ist nicht Ziel, sondern Mittel – Mittel zur Offenbarung innerer Wahrhaftigkeit. Damit wird das Leibliche in den Dienst des Seelischen gestellt. Die sinnliche Geste wird zum semantischen Zeichen – der Körper spricht die Seele.
5. Poetische Stellvertretung
Im gesamten Kontext ersetzt das Gedicht die Handlung. Die dichterische Sprache wird zum Ersatz für den nicht gestatteten Kuss. Dies verweist auf ein zentrales Motiv barocker Dichtung: die Kunst als Raum des Sublimierten, als Ort des Möglichen, der in der Wirklichkeit unmöglich bleibt.
Psychologische Tiefendimension
Diese fünf Verse offenbaren eine vielschichtige innere Dynamik zwischen Zurückhaltung, Hingabe, treuer Erwartung und einem idealisierten Liebesbild. Die psychologische Spannung ergibt sich aus der Trennung und dem gleichzeitigen inneren Drang zur Mitteilung.
Sehnsucht aus der Distanz:
Die Wendung »Lasst sie von ferne wissen« zeigt, dass der Sprecher von der Geliebten getrennt ist. Die räumliche Distanz steht symbolisch für eine emotionale oder gesellschaftliche Barriere. Der Sprecher nimmt jedoch innerlich weiterhin Kontakt auf – ein Akt der imaginativen Kommunikation.
Treue und Zurückhaltung:
»treuer Mund« verweist auf Loyalität und die emotionale Beständigkeit des Ichs. Diese Treue äußert sich nicht in Aktion, sondern in potenzieller Rede: Der Mund ist bereit, aber nicht aktiv. Er bleibt »treu«, auch wenn er schweigt.
Hypothetisches Begehren und Unterwerfung:
Der Konjunktiv in »Im Fall sie zu beküssen / Ihm möchte seyn vergunt« deutet auf einen Wunsch, der an Bedingungen geknüpft ist. Die Formulierung »möchte sein vergunt« betont, dass das Subjekt (der Sprecher) nicht selbstbestimmt handelt, sondern auf die Gunst der Frau angewiesen ist. Das psychische Begehren ist durch gesellschaftliche oder moralische Schranken reguliert. Es handelt sich um ein inneres Zwiegespräch zwischen Wunsch und sittlicher Zurückhaltung.
Sprache als einziger Akt der Nähe:
Da das eigentliche Küssen nicht stattfindet, wird das Reden – oder vielmehr das Kundtun – zur einzig möglichen Form der Intimität. Die Stimme wird zur Stellvertreterin des Körpers. Damit offenbart sich ein tiefes Bedürfnis nach Mitteilung, Anerkennung und affektiver Resonanz, ohne körperliche Überschreitung.
Idealbild der Geliebten:
Indem der Sprecher sich mit der Möglichkeit begnügt, ihr nur zu sagen, was er beim Kuss sagen würde, erhebt er die Geliebte zur nahezu unnahbaren Instanz. Das Ich ist passiv, fast ehrfürchtig – eine typische Haltung in der barocken galanten Liebeslyrik, wo die Frau oft überhöht wird.
Sprachlich-stilistische Analyse
Die Sprachgestaltung ist getragen vom barocken Stilbewusstsein, wobei sich konventionelle Formulierungen mit individuell psychologischer Färbung mischen.
Satzstruktur und Inversionen:
Die Verse sind kunstvoll konstruiert. Besonders auffällig ist die Inversion in »Was dieser treue Mund / Im Fall sie zu beküssen / Ihm möchte seyn vergunt«: Die Umstellung der Satzglieder dient nicht nur dem Metrum, sondern erzeugt auch eine feierlich-bedächtige Tonalität. Die grammatische Struktur verzögert die semantische Auflösung – was dem inneren Zögern und der hypothetischen Rede entspricht.
Enjambements und metrische Gleitbewegung:
Die Verse 16–18 bilden einen syntaktischen Block, der durch Zeilenumbrüche aufgelockert ist. Die Gleitbewegung von »Was dieser treue Mund / Im Fall sie zu beküssen / Ihm möchte seyn vergunt« spiegelt die Sehnsucht, das vorsichtige Herantasten an eine Vorstellung – ohne festen Punkt, ohne Erfüllung.
Semantik von »Kundtun« und »Mund«:
Die Alliteration »Mund … machen kund« im letzten Vers unterstreicht die Funktion des Sprechens. Das »Kundtun« (Verkündigung) hat beinahe eine liturgische Färbung, was dem sprachlichen Ausdruck eine erhöhte, fast sakrale Dimension verleiht. Der Mund wird zum Medium einer inneren Wahrheit, nicht zum Werkzeug der Begierde.
Konjunktivformen und Modalität:
Der Konjunktiv (»möchte … sein vergunt«) hebt die Unwirklichkeit und Subjektivität hervor. Die modale Formulierung weist auf eine Haltung des Wartens, des Nicht-Dürfens, des Bedingten – sprachlich wird so das Innenleben des Ichs gespiegelt.
Wortwahl mit hoher affektiver Ladung:
Begriffe wie »treu«, »vergönnt«, »kundtun« sind stark emotional konnotiert und verleihen dem Text eine formale Würde, die mit barocker Affektsteuerung korrespondiert.
Fazit
In diesen fünf Versen verschränkt sich ein intensives Liebesbegehren mit Zurückhaltung, Idealismus und Sprechsehnsucht. Der Mund als Organ des Begehrens wird nicht zum Kuss, sondern zur Stimme. Die Frau bleibt fern, doch das Ich will ihr seine Treue aus der Ferne kundtun – ein innerlich erhöhter Akt galanter Liebe, in dem psychologisches Begehren in sprachliche Sublimierung überführt wird.

Analyse Verse 21-25

21 Bringt mir Bericht zurücke/
Textanalyse:
Der Sprecher fordert, dass ihm ein »Bericht« zurückgebracht werde. Das lyrische Ich wartet auf eine Auskunft – mutmaßlich von einem Boten oder Beobachter. Das Verb »bringt« und der Dativ »mir« zeigen die passive Rolle des Subjekts: Es ist auf die Informationen anderer angewiesen.
Subtextanalyse:
Hier liegt ein Moment gespannter Erwartung, aber auch eine gewisse Ohnmacht. Das lyrische Ich kann nicht selbst die Wahrheit in Erfahrung bringen, sondern ist auf Vermittlung angewiesen. Diese Abhängigkeit erzeugt emotionale Unsicherheit.
Philosophische Tiefendimension:
Im Hintergrund steht die erkenntnistheoretische Frage nach der Vermittlung von Wahrheit: Erkenntnis ist nicht unmittelbares Erleben, sondern kommt als »Bericht« – vermittelt, gefiltert, möglicherweise verzerrt. Dies kann als Kritik an der vermittelten Erfahrung in einer höfischen oder gesellschaftlichen Welt gelesen werden, in der direkte Begegnung mit Wahrheit oder Gefühl erschwert ist.
22 Was zu erwarten sey/
Textanalyse:
Der Sprecher will wissen, »was zu erwarten sey« – das bezieht sich sowohl auf äußere Ereignisse als auch auf emotionale Konsequenzen. Der Konjunktiv »sey« verstärkt das Abstrakte, das noch Unklare, das Mögliche.
Subtextanalyse:
In diesem Vers liegt ein zukunftsgerichtetes Bangen: Hoffnung und Angst vermischen sich in der Frage nach dem Kommenden. Das lyrische Ich will sich auf das, was kommen könnte, vorbereiten – aber das Bedürfnis, etwas zu »erwarten«, enthält auch den Wunsch nach Kontrolle über das Unkontrollierbare: das Herz einer anderen Person.
Philosophische Tiefendimension:
Hier stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Zeit, Erwartung und Erkenntnis. Das Ich ist in der Gegenwart gefangen, kann aber nur hoffen, was in der Zukunft »sey«. Damit wird die menschliche Begrenztheit in der Zeit angesprochen, ein Thema, das bis in die stoische Philosophie reicht: Wie umgehen mit dem, was nicht sicher ist?
23 Und ob auch ihre Blicke
Textanalyse:
Jetzt konkretisiert sich die Quelle der erhofften Wahrheit: Es geht um »ihre Blicke«. Der Blick ist in der barocken Dichtung ein hochbedeutsames Medium der Kommunikation von Gefühlen, besonders der Liebe. Das »auch« deutet eine fortgesetzte Bedingung an: nicht nur, was zu erwarten sei, sondern auch ob sich etwas Bestimmtes zeigt.
Subtextanalyse:
Der Blick wird hier zur Projektionsfläche: Schaut sie zurück? Schaut sie ehrlich? Liebt sie mich? Das lyrische Ich sucht in den Blicken der Geliebten nach Wahrheit, Zeichen, vielleicht sogar nach einem Offenbarungsmoment. Gleichzeitig impliziert der Vers eine Unsicherheit: Ist der Blick ein verlässliches Zeichen?
Philosophische Tiefendimension:
Der Blick steht in der Philosophie oft für Erkenntnis und Sehen als Metapher für das Verstehen (vgl. Platon). Doch hier wird problematisiert, ob der Blick der Geliebten wirklich zur »Wahrheit« führt – oder ob er trügen kann. So stellt sich die Frage nach der Möglichkeit von intersubjektiver Erkenntnis durch äußere Zeichen: Kann man im Anderen das Wahre erkennen?
24 Sich/ sonder Heucheley/
Textanalyse:
Dieser Vers stellt die entscheidende Bedingung: Die Blicke sollen »sonder Heucheley«, also ohne Verstellung oder Falschheit, sein. »Heucheley« impliziert bewusstes Täuschen, ein zentrales Thema der höfischen Kommunikation.
Subtextanalyse:
Das lyrische Ich zweifelt an der Aufrichtigkeit der Geliebten. Vielleicht hat es schon Erfahrung mit Täuschung oder will sich gegen möglichen Selbstbetrug wappnen. Die Sehnsucht nach Authentizität und Unmittelbarkeit tritt hier schmerzlich hervor – in einer Welt, die von Maskerade und Konvention geprägt ist.
Philosophische Tiefendimension:
Hier zeigt sich eine fundamentale Frage barocker Anthropologie: Ist der Mensch in seinem Wesen aufrichtig oder heuchlerisch? In einer Welt, in der äußere Zeichen trügen können, wird die Frage nach Wahrheit und Innerlichkeit virulent. Diese Reflexion ist eng verbunden mit der frühneuzeitlichen Skepsis gegenüber der Oberfläche – eine Skepsis, die bereits Montaigne oder Pascal beschäftigt hat.
25 Dem Hertzen nahen bey.
Textanalyse:
Der Vers bringt das Ziel des Ichs auf den Punkt: Die Blicke sollen sich dem »Hertzen« – vermutlich dem Herzen des Sprechers – »nahen bey«. Das ist eine poetische Umschreibung für Nähe, Berührung, seelische Verbindung. Das Wort »bey« verstärkt die innige räumlich-seelische Nähe.
Subtextanalyse:
Es geht um die Sehnsucht nach Nähe, aber nicht bloß körperlicher – sondern nach einer inneren, aufrichtigen Berührung. Das »Hertz« steht hier für das empfindsame, liebende Ich. Zugleich bleibt offen: Wird sich diese Nähe einstellen? Oder bleibt sie ein unerfülltes Verlangen?
Philosophische Tiefendimension:
Dieser Vers ruft die uralte Frage nach echter menschlicher Verbindung auf. In einer Welt der Zeichen, Konventionen und Heuchelei – kann es wahre Nähe geben? Das barocke Denken reflektiert immer auch den Bruch zwischen Innerem und Äußerem. Die Nähe des Herzens, das Durchdringen zweier Seelen, ist eine Idee, die sich in der Mystik (z. B. Meister Eckhart) ebenso findet wie in der Liebe als geistige Gemeinschaft (Platon). Doch Abschatz thematisiert zugleich die Zerbrechlichkeit dieses Ideals im Kontext höfischer Distanz und gesellschaftlicher Maskierung.
Psychologische Tiefendimension
1. Projektion und Wunschstruktur:
Der Sprecher sendet gewissermaßen eine seelische Instanz aus – „Bringt mir Bericht zurücke“ – was darauf hindeutet, dass er selbst emotional nicht unmittelbar eingreifen kann oder will. Dies verweist auf eine gespaltene Subjektstruktur: ein Teil des Ichs bleibt beobachtend, distanziert, kontrollierend, während ein anderer Teil auf emotionale Nähe hofft. Die Erwartung wird an eine Art Boteninstanz delegiert.
2. Unsicherheit und Bedürfnis nach Bestätigung:
Die Frage »Was zu erwarten sey« zeigt eine starke Verunsicherung. Der Sprecher kennt weder die Intentionen noch die Gefühle der Frau, auf die sich seine Aufmerksamkeit richtet. In dieser Formulierung verdichtet sich ein psychologisches Vakuum: Zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Selbstzweifel und seelischem Bedürfnis nach Erwiderung.
3. Sehnsucht nach Authentizität:
Der Ausdruck »ob auch ihre Blicke / Sich/ sonder Heucheley« bringt den tiefen Wunsch nach Wahrhaftigkeit zum Ausdruck. Die »Blicke« gelten hier nicht nur als äußerlich wahrnehmbare Zeichen, sondern als Ausdruck seelischer Wahrheit. Der Sprecher fürchtet die Möglichkeit der Täuschung – ein zentrales Motiv in der barocken Liebeslyrik –, und sehnt sich zugleich nach einer unmittelbaren, unheuchlerischen Verbindung.
4. Nähe als seelisches Ziel:
Der Vers »Dem Hertzen nahen bey« steht nicht nur für körperliche oder soziale Nähe, sondern für ein inneres Berührtwerden. Es ist die Nähe im Sinne einer Seelenverwandtschaft, eines authentischen Erkennens. Das »Herz« ist hier nicht nur ein Metonym für Gefühl, sondern für das innerste Wesen des Anderen. Diese erhoffte Nähe ist zugleich das Ziel aller vorangehenden Prüfungen und Fragestellungen.
Sprachlich-stilistische Analyse
1. Konstruktion einer inneren Dramaturgie:
Der Aufbau der Verse folgt einer logischen wie auch emotionalen Steigerung: Von der Aufforderung zur Rückmeldung (»Bringt mir Bericht zurücke«) über die Ungewissheit (»Was zu erwarten sey«) zur Prüfung der Authentizität (»sonder Heucheley«) und zuletzt zur Frage der innersten Nähe (»Dem Hertzen nahen bey«). Der Satzfluss ist kunstvoll periodisch gegliedert und mündet in einem crescendo affettivo.
2. Verwendung barocker Stilmittel:
Inversion: Die Stellung der Worte ist häufig kunstvoll umgestellt (z. B. »Was zu erwarten sey« statt »was zu erwarten ist«), was den Text sowohl musikalisch wie auch reflexiv auflädt.
Antithetisches Denken: Schon implizit vorhanden in der Gegenüberstellung von Heuchelei und Herznähe. Barocke Poesie lebt von Kontrasten: Schein vs. Sein, Erwartung vs. Erfahrung, Distanz vs. Nähe.
Anapherische Parallelisierung: Die drei letzten Verse beginnen mit Konjunktionen (»Und«, »Und«, »Dem«) bzw. einem syntaktischen Rhythmus, der die Gedankenschritte des lyrischen Ichs strukturiert und deren innere Notwendigkeit betont.
3. Lexikalische Feinheiten:
Das Wort »Bericht« hat einen fast militärisch-nüchternen Beiklang, was den Kontrast zur emotionalen Thematik verstärkt: Es geht hier um Gefühle, doch die Sprache bleibt diszipliniert.
»Heucheley« als Schlüsselbegriff markiert nicht nur die Möglichkeit emotionaler Unehrlichkeit, sondern evoziert auch ein gesellschaftliches Bild der Täuschung im höfischen Kontext.
»Dem Hertzen nahen bey« ist eine altertümliche, poetische Ausdrucksweise, die Nähe fast sakral auflädt: nicht bloß ein »nahe sein«, sondern ein »beinah verschmelzen«.
4. Metrum und Klang:
Fazit
Die Verse 21–25 entfalten ein feines psychologisches Profil des wartenden, reflektierenden und emotional vorsichtigen Subjekts. In kunstvoller barocker Sprache, voller Umkreisung und innerer Spannung, formuliert das lyrische Ich die Bitte um Auskunft über das, was im Gegenüber vorgeht. Es geht dabei nicht nur um äußere Zeichen, sondern um den wahren Kern menschlicher Verbindung – ein Sehnen nach Nähe ohne Heuchelei, das den Menschen zwischen Hoffnung, Angst und Sehnsucht positioniert.

Analyse Verse 26-30

26 Ich will mit Willen tragen
Textanalyse:
Der Sprecher betont eine freiwillige Annahme seines Schicksals oder einer auferlegten Last. Durch die Verdopplung von »will« und »Willen« wird die bewusste Entscheidung zur Selbstverpflichtung oder Leidensannahme unterstrichen. Dies ist kein Ausdruck von Zwang, sondern von freier Einsicht in die Notwendigkeit.
Subtextanalyse:
Ein Akt der inneren Souveränität. Es geht nicht um passives Erdulden, sondern um aktives, ja gewolltes Tragen. Das lyrische Ich erhebt sich über das bloße Reagieren auf äußere Umstände, indem es seinen Willen als Instrument der ethischen Selbstbehauptung einsetzt. Hier klingt stoisches Gedankengut an.
27 Die auffgelegte Schuld/
Textanalyse:
Die »Schuld« ist »aufgelegt« – also nicht selbst verursacht, sondern von außen auferlegt. Es bleibt offen, ob es sich um soziale, politische, persönliche oder metaphysische Schuld handelt. Durch die Kombination mit dem Vorvers ergibt sich: Die fremde oder zugewiesene Schuld wird nicht abgewehrt, sondern angenommen.
Subtextanalyse:
Es geht um die Annahme von Verantwortung, auch wenn sie nicht gerechtfertigt erscheint. Dies kann als Ausdruck christlicher Demut verstanden werden oder als Einsicht in die Komplexität menschlicher Beziehungen, in denen Schuld oft nicht eindeutig verteilt ist. Hier spricht ein Bewusstsein für die Unvermeidlichkeit von Schuld in einem größeren Weltzusammenhang.
28 Nicht über Unrecht klagen/
Textanalyse:
Statt Anklage oder Widerstand erfolgt Schweigen – kein Lamentieren über erlittenes Unrecht. Der Verzicht auf Klage kann sowohl Ausdruck von Stärke als auch von Verzicht auf weltliche Gerechtigkeit sein.
Subtextanalyse:
Hier spricht ein tiefes Verständnis dafür, dass Klage das Unrecht nicht aufhebt. Vielleicht sogar eine resignative Erkenntnis, dass Gerechtigkeit im Diesseits nicht zu erwarten ist. Der Gedanke erinnert an die biblische Aufforderung, das andere Auge hinzuhalten, und steht somit im Spannungsfeld zwischen passivem Dulden und aktivem Verzicht auf Selbstbehauptung.
29 Wo Amaranthens Huld
Textanalyse:
»Amaranthen« ist ein Symbol für das Ewige, Unvergängliche (der Amaranth ist eine mythische, ewig blühende Blume). Ihre »Huld« – also ihre Gunst oder Gnade – stellt eine überweltliche, vielleicht sogar göttliche Belohnung dar. Der Ort oder die Sphäre, »wo« diese Huld herrscht, ist somit jenseitig, ideal oder transzendent.
Subtextanalyse:
Das Gedicht wendet sich hier endgültig vom Irdischen ab und verweist auf eine höhere Wirklichkeit. Es ist die Idee einer transzendenten Entlohnung, bei der Treue, Demut und stille Größe durch die »Huld« einer ewigen Idee – hier symbolisiert durch die Amaranthe – vergolten werden. Dies kann als poetisches Bild für die Gnade Gottes, die ewige Wahrheit oder auch die unvergängliche Idee der Liebe gelesen werden.
30 Ist meiner Blicke Sold.
Textanalyse:
»Sold« ist ursprünglich ein Soldatenlohn – hier aber im übertragenen Sinn gebraucht: Der Lohn des Sprechers besteht in der Schau, im »Blick« auf die Amaranthenhuld. Dies bedeutet: Die geistige oder spirituelle Vision selbst ist die Belohnung – nicht ein äußerer Gewinn.
Subtextanalyse:
Das lyrische Ich begnügt sich mit einer immateriellen, kontemplativen Erfüllung. Es geht um ein Vergeltungsmodell der Innerlichkeit: Statt äußerer Gerechtigkeit zählt die Erfahrung einer Wahrheit, die sich dem Blick des Eingeweihten, des Leidenden, des Verzichtenden erschließt. Es ist eine mystisch gefärbte Vorstellung von Erkenntnis als Lohn.
Philosophische Tiefendimension
Diese Schlussverse kreisen um die großen Themen Leid, Schuld, Gerechtigkeit, Transzendenz und Erkenntnis. Man kann darin mehrere philosophische und theologische Schichten erkennen:
1. Stoizismus
Die bewusste Annahme des Schicksals (Vers 26–27), das Nicht-Klagen über Unrecht (Vers 28) spiegelt stoische Tugenden wider: Gleichmut, Selbstdisziplin, Akzeptanz der Notwendigkeit. Besonders das Motiv, dass nicht das Geschehen an sich, sondern die Haltung des Subjekts dazu entscheidend ist, verweist auf die stoische Ethik.
2. Christliche Soteriologie
Die Aufnahme fremder Schuld, das Dulden von Unrecht und die Hoffnung auf Gnade verweisen auf eine Christus-Nachfolge im Sinne der »imitatio Christi«. Besonders der Gedanke, dass das Sehen der Amaranthenhuld »Sold« ist, erinnert an mittelalterliche Vorstellungen der visio beatifica, der seligen Schau Gottes.
3. Metaphysische Erkenntnislehre
Die letzte Zeile deutet auf eine Erkenntnistheorie des Innerlichen: Wahre Belohnung liegt in der geistigen Schau des Wahren oder Guten, nicht in äußeren Gütern. Diese Sichtweise hat Parallelen bei Platon (Ideenschau), bei Augustinus (Gott als Licht der Erkenntnis) und bei Meister Eckhart (die innere Gottesgeburt als Lohn des geläuterten Selbst).
4. Barocke Vanitas-Spiritualität
Der Verzicht auf irdische Gerechtigkeit und Lohn spiegelt die barocke Skepsis gegenüber weltlicher Macht, Ehre und Reichtum. Stattdessen tritt das »Amaranthene« – das Ewig-Unvergängliche – als einzig wertvoll hervor. Damit steht das Gedicht in der Tradition einer transzendental orientierten Lebensphilosophie des Barock.
5. Ethik der Kontemplation
Die finale Wendung zur inneren Vision (»meiner Blicke Sold«) ist auch ethisch bedeutsam: Der Mensch soll nicht handeln im Blick auf äußere Belohnung, sondern im Dienst an einer höheren Wahrheit, deren bloße Wahrnehmung Lohn genug ist. Dies führt in die Nähe mystischer Philosophien, etwa bei Angelus Silesius oder Johannes vom Kreuz.
Fazit
Die Verse 26–30 beschreiben eine existentielle Haltung zwischen Duldsamkeit, innerer Autonomie und metaphysischer Hoffnung. Das lyrische Ich verweigert sich sowohl der Rache als auch der Resignation und findet in der kontemplativen Hinwendung zur »Amaranthenhuld« ein Ziel, das über die Welt hinausweist. In ihrer Form und Tiefe verbinden sich hier barocke Lebensweisheit, christliche Mystik und stoische Selbstbestimmung zu einem poetischen Miniaturkosmos geistiger Souveränität.
Psychologische Tiefendimensionen
Die Verse 26–30 offenbaren ein komplexes inneres Spannungsfeld zwischen Selbstaufgabe, sublimierter Leidenschaft und einer freiwillig gewählten Leidensakzeptanz. Die Ich-Figur erscheint dabei als ein Individuum, das sich bewusst entscheidet, nicht gegen äußere Umstände oder persönliches Unrecht aufzubegehren, sondern in der Selbstbeherrschung und Hingabe Sinn und Erfüllung findet.
Vers 26: »Ich will mit Willen tragen«
Der doppelte Wille (»will mit Willen«) ist eine betonte Bekräftigung der Autonomie. Dies ist kein resignatives Erdulden, sondern eine aktive Zustimmung zum eigenen Leiden. Das Subjekt zeigt sich nicht als passives Opfer, sondern als jemand, der aus innerer Stärke die Bürde wählt.
Vers 27: »Die auffgelegte Schuld«
Die »aufgelegte Schuld« kann sowohl theologisch als auch zwischenmenschlich verstanden werden: Entweder als eine von Gott oder dem Schicksal verhängte Bürde, oder als eine emotionale Schuld im Kontext einer (vergeblichen oder unerwiderten) Liebe. Der Begriff »aufgelegt« verweist auf eine fremde Instanz, die das Schuldhafte auferlegt – doch das lyrische Ich übernimmt es freiwillig.
Vers 28: »Nicht über Unrecht klagen«
Dieser Vers steigert die Haltung der Demut: Selbst in der Wahrnehmung von Unrecht verzichtet das Ich auf Anklage. Dies deutet auf eine psychologisch tief verankerte Sublimierung von Schmerz und eine Haltung der noblen Stille. Es ist das Ideal des stoischen Dulders, das sich durchzieht – ein Bild, das im Barockkontext durchaus als tugendhaft galt.
Vers 29: »Wo Amaranthens Huld«
Die Wendung zur Figur »Amaranthen« (offenbar eine Frauengestalt oder allegorische Figur) bringt eine emotionale Aufladung. Die »Huld« – ihre Gunst oder Zuwendung – wird nicht als Besitz, sondern als himmlisches Geschenk, fast als unerreichbare Gnade dargestellt. Das Ich setzt seine stille Duldsamkeit in Beziehung zu diesem überirdischen Ideal.
Vers 30: »Ist meiner Blicke Sold«
In dieser Metapher erreicht das Selbstverständnis des lyrischen Ichs seinen Gipfel: Der »Sold« – die Belohnung oder Vergütung – besteht nicht in physischem Besitz oder erwiderter Liebe, sondern allein in der Möglichkeit, zu schauen (»meiner Blicke Sold«). Diese Haltung ist hochgradig idealistisch und transzendierend: Der bloße Anblick von Amaranthen wird zur metaphysischen Entlohnung für das stille Ertragen von Schuld und Unrecht. Darin liegt eine tiefe psychologische Mechanik der Verlagerung des Begehrens vom Besitz zum bloßen Sehen – eine »Vergeistigung« der Leidenschaft.
Sprachlich-stilistische Analyse
Die sprachliche Ausgestaltung dieser fünf Verse ist barocktypisch, durchdrungen von stilisierter Emotionalität, lautlicher Gestaltung und symbolischer Dichte.
Form und Metrum
Es handelt sich um dreihebige Jamben mit Kreuzreim, was dem Gedicht eine musikalische Regelmäßigkeit verleiht. Diese rhythmische Disziplin spiegelt auch die innere Disziplin des lyrischen Ichs wider.
Klang und Alliteration
In Vers 26 (»Ich will mit Willen«) wird eine auffällige Alliteration verwendet, die den Entschluss des Sprechers nachdrücklich unterstreicht. Die Wiederholung des »w«-Lauts hat etwas Wille-betont Hartes, Entschlossenes.
Lexik und Semantik
Der Begriff »Schuld« (V. 27) ist doppeldeutig – sowohl juristisch als auch emotional-theologisch zu lesen.
Die »Huld« (V. 29) trägt höfisch-mystische Konnotationen und verweist auf eine transzendente Gnade.
»Sold« (V. 30) ist eine ungewöhnliche Metapher für einen Liebeslohn, da es aus der Militärsprache stammt. Hier wird es in einem paradoxen Sinn verwendet: Der Sold besteht nicht in körperlicher Nähe oder Gegenliebe, sondern im bloßen Anblick – was auf eine sublimierte, fast mystische Liebeserfahrung verweist.
Symbolik: Amaranthen
»Amaranth« ist eine Pflanze, die als Symbol für Unvergänglichkeit steht. Die poetische Verwendung des Namens »Amaranthen« für die Geliebte verleiht ihr einen idealisierten, fast platonischen Charakter. Sie ist nicht nur eine Frau, sondern Sinnbild des ewig Schönen, Unverlierbaren, Unerreichbaren. Damit steht sie in einer Reihe mit Petrarcas Laura oder Dantes Beatrice – Geliebte, die durch Unerreichbarkeit geistige Transzendenz ermöglichen.
Syntaktische Struktur
Die Sprache ist kunstvoll gebaut, mit Ellipsen (»Die auffgelegte Schuld«, »Wo Amaranthens Huld«) und einer abschließenden Pointe, die durch die Inversion in Vers 30 verstärkt wird. Die Stellung von »meiner Blicke Sold« am Versende betont die Kostbarkeit dieses immateriellen »Lohns«.
Fazit
Die Schlussverse des Gedichts zeigen in psychologischer Hinsicht eine tiefe Verinnerlichung und Sublimierung von Liebesleid: Der Sprecher nimmt die Leiden auf sich, verzichtet auf Anklage und findet in der reinen Anschauung der Geliebten eine stille, aber erfüllende Entlohnung. Sprachlich sind diese Verse ein barockes Kunstwerk: durchdrungen von symbolischer Verdichtung, klanglicher Feinheit und rhetorischer Eleganz. Die thematische Nähe zu mystischer Liebeserfahrung (wie bei Dante oder in der barocken Emblematik) ist unübersehbar.

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